Androhung einer Blogpause

Nachdem die Spinnereien meiner sterbenden Grafikkarte nun doch zunehmen, ist die Reparatur wohl nicht mehr viel weiter aufzuschieben. Derzeit besteht das Mucken weniger in faszinierenden Feuerwerken von grafischen Abstraktionen bekannter Bildschirmelemente wie noch vor anderthalb Monaten, sondern neuerdings im Einfrieren von wirklich allem auf dem Schirm für bis zu jeweils einer halben Minute – außer der Maus, was ich besonders hinterfotzig finde. Das zeigt nämlich (wie übrigens die Aktivitätsanzeige bestätigt), dass der Computer selbst keineswegs überfordert ist. Nur: Die kleine Drecksau von Grafikkarte will mich offenbar ärgern mit der Benutzbarkeit eines nutzlosen Mauszeigers.

Wenn ich mein Zeug zusammen habe, will heißen: Originalquittung rausgetaucht, Original Apple Care Protection Plan gefunden und meine (Firmenname in Umfirmierung)-Aushilfe zu dreifacher Arbeitslast motiviert habe, werde ich den Rechner für geschätzte zwei Wochen in die Werkstatt geben müssen. Ohne Laptop oder iPhone bloggt es sich schlecht (das gilt auch für jegliche andere Online-Kommunikation), daher werde ich „old school“-mäßig Pause machen. Wenn ich dazukomme, es ist ja noch Wies’nzeit.

Noch ist nichts terminiert, ich warne nur schonmal, weil es ja vielleicht sein kann, dass es „Pak!“ macht und alles vorbei ist…

Zack and Miri make a Poster

In den USA gab es vor einer Weile (mal wieder) Prüderie-Theater wegen des Postermotivs für Kevin Smiths upcoming Zack and Miri make a Porno. Der Hatte nun in Toronto Premiere und kam offenbar sehr gut an. Ich hab neulich erst die Trailer gepostet, allerdings gibt es den zweiten Trailer (bzw. nach dem Teaser hier den ersten eigentlichen Trailer) als Redband, also ungekürzt.

Zurück zum Thema: Nachdem der angedeutete Oralverkehr der beiden Hauptfiguren auf dem Poster der MPAA offenbar zu scharf war, musste ein neues Postermotiv her. Herausgekommen ist eine Kindergartengerechte Strichmännchenzeichnung, die keinem gottesfürchtigen Amerikaner auf den Senkel gehen dürfte. Hier also beide Motive zum Vergleich, stibitzt von silentbobspeaks.com.

Nachtrag: Die Review der Variety legt dem Zuschauer ans Herz, bis zum Ende des Nachspanns sitzen zu bleiben: A post-fade-out faux promotional video is worth sticking around for.

Einer der wichtigsten Filme des Jahres …

… ist meiner Meinung nach Grundeinkommen. Ich habe ihn noch nichtmal gesehen, aber es geht ja nicht um den Film, sondern das Prinzip, das dahintersteht:

In unserer heutigen Gesellschaft ist verratzt, wer keine Arbeit hat, die ihm Geld bringt. Doch die technische Entwicklung, an der wir alle die meisten von uns arbeiten, rationalisiert zwangsweise immer mehr von uns weg. Diese Menschen fallen automatisch langfristig aus dem Raster, wenn sie sich nicht mit Gnaden-Aushilfs-Billigjobs, für die sie dann auch noch dankbar sein sollen, gerade so über Wasser halten sollen. Abgesehen davon, dass sowas immer grudsätzlich kacke ist, in Depression, Sucht und letztlich Elend führt, ist es auch schlicht menschenunwürdig.

Die Wirtschafter behaupten gerne, dass Wachstum auch in Zukunft weiter möglich ist (das prognostiziert ja jede Jahreshauptversammlung in den leuchtendsten Farben), und dass die Menschen einfach nur proaktiv sein müssen. Und dann gibt es noch ein paar symbolische, imagehebende Spenden für die Armen, die aber in Wirklichkeit nicht ankommen oder nichts nennenswertes bewirken. Heute spendet keiner mehr eine Kirche und steht dezent im Hintergrund, sondern baut lieber einen Tempel für sich selbst und nennt ihn dann auch noch „(Firmmenname)-Arena“.

Dass das aktuelle Wirtschaftssystem nur auf Kosten von Billiglöhnern (de facto Sklaven) gehen kann und nur dank der kostenlosen Natur und ihrer Rohstoffe funktioniert, wird geflissentlich verschwiegen.

Würden wir zum Beispiel die 1,08 x 1018 kWh Sonnenenergie, die die Erde jährlich kostenlos erhält (übrigens: die Sonne strahlt ja nicht nur in unsere Richtung), mit nur 1 Cent pro Kilowattstunde verrechnen (statt derzeit ca. 18 Cent, Großabnehmer und so), käme die Rechnung immer noch auf 10.800.000.000.000.000 Euro (10 Trilliarden Euro und ein paar hundert Trillionen Zerquetschte*). Kann keiner bezahlen, schon klar. Ist ja auch nur als Denkanstoß gedacht. Also ist ein bißchen Querdenken unter uns wirkungsbefreiten Drohnen durchaus mal angesagt.

Nun, das Prinzip des bedinungslosen Grundeinkommens klingt natürlich radikal und scheint für die meisten Leute einzig und allein dazu zu führen, dass keiner mehr arbeitet und alle nur noch an der Würstchenbude / auf dem Balkon / uf Malle / vor der Glotze rumhängen werden, aber das stimmt nicht. Denn das Prinzip Grundeinkommen ist nicht so einfach, wie die Leute glauben.

Nun gibt es diesen Film, dessen Trailer ich hier poste. Er kommt am Mittwoch, dem 17.9.2008 um 18 Uhr im Werkstattkino. Wer sich von der Pressevorführung, die zu diesem Zeitpunkt an anderer Stelle stattfindet, losreißen kann, sollte im Werkstattkino auftauchen (Programm). Ich empfehle übrigens jedem kulturell interessiertem Kinobetreiber dringend, sollte hier einer mitlesen, ein Double Feature zusammen mit Let’s make Money auf die Beine zu stellen. Der läuft aber erst am 31. Oktober an. Oder gleich ein Triple Feature mit We Feed the World. Oder ein Tetrafeature mit Unser Täglich Brot.

Nachtrag: Hier die Infos vom Werkstattkino:

GRUNDEINKOMMEN
Schweiz 2008. Regie: Daniel Häni und Enno Schmidt
Ein Film über das Zukunftsthema, das jeden angeht: Eine neue Art von Einkommen, bedingungslos
für alle. Das löst Emotionen aus und viele Fragen. Mehr Möglichkeiten zu eigenen Initiative? Oder der
Untergang der Leistungsgesellschaft? Und wie soll es bezahlt werden?
„Ein kleiner kluger Film über den Zustand unserer Welt. Eine Art Sendung mit der Maus, die zu
erklären versucht, wie das Grundeinkommen funktioniert, wer es finanzieren und was es bewirken könnte.“
(Mikael Krogerus)
Mittwoch, 17.9., um 18.00 h

Der Trailer ist über 6 Minuten lang, aber lohnt sich. Bitte aufmerksam gucken:

*hab ich selbst ausgerechnet, und es ist jetzt zwanzig vor drei in der früh. Wenn ich einen Fehler gemacht habe, bitte melden. Oder mir die Quelle nennen, da gab es mal einen ganz faszinierenden Artikel dazu.

Nachtrag: In und um München ist der Film zu diesen Terminen zu sehen:

17.09.08 18:00 Uhr Werkstattkino München
01.10.08 19:00 Uhr Maxim-Kino München
03.10.08 20:00 Uhr Waldorfschule Ismaning
20.10.08 20:00 Uhr Haus Elisabeth Puchheim

Mitmachen beim YouTube Journalistenwettbewerb?

YouTube hat in Zusammenarbeit mit dem Pulitzer Center, Sony und Intel einen Journalistenwettbewerb ausgelobt. Beim YouTube Project:Report kann noch bis zum 6. Oktober eine bis zu 3 Minuten lange Videoreportage eingereicht werden. Die Zwischengewinner nehmen dann an einer Journalismuskonferenz in den USA teil (warum nicht gleich in China?) und können neue Beiträge drehen, die dann gegeneinander um den ersten Platz antreten.

Ich hoffe mal, dass es sich bei den Finalisten nicht um tränendrückerische Schicksalsreportagen handelt, sondern um wirklich wichtige Themen. Ich will ja nicht unken, aber wer in den USA mal die „News“ geguckt hat, erfährt praktisch auf keinem Sender etwas wichtiges. Das allermeiste ist irgendein lokaler Käse, von der letzten Polizeiverfolgungsjagd bis zum größten Kürbis der Region. Da müssten sie im Bundestag schon mit Knüppeln aufeinander losgehen, bis internationale Nachrichten mal bis nach Amerika durchdringen.

Gut, zensurfreie Videoportale könn(t)en die Berichterstattung verändern, und der Name Pulitzer wird ja grundsätzlich auch mit Qualität assoziiert. Ein heißes Eisen. Hoffen wir, dass kritische Beiträge zusammenkommen. Zum Beispiel einer über Google und Zensur in China. Dann können wir ja sehen, wie cool der Journalistenwettbewerb wirklich ist.

Also, der Text im Werbevideo klingt ja schon sehr corporate: „The power of Journalism at it’s best: It can inform us, connect us, inspire us.“ Ich hätte ja geschrieben „True journalism can bring justice to the arseholes of the world. And should. Without censorship.“ Aber ich wiederhole mich…

Immerhin das Credo des Pulitzer Centers (siehe dort) klingt vielversprechend. Hoffen wir mal, dass die Finalisten nicht über den größten Donut Westbrasiliens berichten, sondern über wichtige Themen, wie zum Beispiel die konsequente Überfischung der Weltmeere, das Geschacher mit Vermutzungsrechten (wie pervers) oder ähnliche Themen. Aber hey, ist ja nur meine Meinung!

Wie man sein Kino auf digital umrüstet

Der Cluster audiovisuelle Medien des FilmFernsehFonds Bayern hat soeben eine Pressemeldung herumgeschickt, dass es am 24. September im Mathäser ein Tagesseminar für Kinobetreiber gibt, in dem erklärt und gezeigt wird, wie man seinen Kino-Workflow auf digital umstellt. Für je 90 Euro plus Steuer können bis zu 40 Kinobetreiber teilnehmen. (Die 3600 Euro werden dann im Anschluß gemeinschaftlich auf der Wies’n verbraten, hoffe ich mal.)

Hier die Pressemeldung als PDF, hier das Anmeldeformular als PDF, hier die Veranstaltungswebseite des Cluster audiovisuelle Medien (einen sperrigeren Namen gab es wohl nicht mehr).

Mich würde das Thema zwar auch interessieren, aber zum einen habe ich kein Kino und zum anderen will ich niemandem den Platz wegnehmen. Außerdem kriegt der Staat schon genug Geld von mir.

Lesenswert

Nicht nur der Filmjournalismus steht unter der ständigen Bedrohung, stillschweigend in ein bequemes Marketing-Instrument überzugehen. Stefan Niggemeier berichtet in diesem lesenswerten Beitrag über die Plazierung von Subway-Präsenz bei Pro Sieben.
Nachtrag: Nachtrag bei Niggemeier.

Free Jimmy!

Neulich kam der unvergleichliche Shaun of the Dead im Fernsehen, und nachdem ich ihn mir mal wieder angeschaut habe, konnte ich nicht umhin, die neuesten Werke von Simon Pegg in Augenschein zu nehmen. Da ich zu den ersten beiden Pressevorführungen von How to lose friends and alienate people irgendwie nicht eingeladen worden war und demnach nicht wie ein Teil meiner Kollegen breit grinsend an den Filmkritiker-Film zurückdenken kann, hier wenigstens der Traier zur anarchisch animierten Komödie Free Jimmy:

Heimatkunde: Kleinster Trailer aller Zeiten

Wir hatten einen in der Klasse, der hat so gegen 1995 ein .avi-Filmchen mit einem sprechenden Haifisch per Mail herumgeschickt, weil er den so lustig fand. Der Film hatte 6,5 MB und hat bei allen ca. 30 Empfängern die Mailbox verstopft. Da praktisch auch jeder noch über die analoge Telefonleitung online ging, dauerte das Runterladen der Mail von diesem Klassenkameraden bei idealer Verbindung mindestens eine Viertelstunde. Natürlich pro Mailbox, also mindestens 7,5 Mannstunden. Leider konnte keiner hören, was der Hai sagte, da die Datei auch noch defekt war. Wir hätten ihn erwürgen können.

Damals war es noch Netikette, nicht mehr als max. 1 MB Anhänge zu verschicken. Heute ist das Datenschleudern kein Problem mehr, 20 MB sind kein Thema, die meisten Mailboxen fassen heute mehrere Gigabyte.

Die meisten Einladungen zu Pressevorführungen beinhalten nicht einmal einen Link zum Trailer des Films (eigentlich Marketing Basics, aber dafür gibt’s ja (Firmenname in Umfirmierung)). Nun habe ich eine Einladung zu einer Pressevorführung von Heimatkunde erhalten, in der gleich der ganze Trailer angehängt war – cool! Allerdings in winzig klein. Aber man kann ihn gut anschauen. Daher poste ich den Trailer hier, wie ich ihn erhalten habe: 160 auf 90 Pixel, 984 kB. Scheint außerdem ein sympathischer Film zu sein:

[quicktime width=“160″ height=“120″]https://www.filmjournalisten.de/wp-content/uploads/heimat.mov[/quicktime]

Go ahead, make my day.