Power Ballad – Der Song meines Lebens

Kleinkunst und Großkunst

Kleine und große Kunst scheinen elementar zusammenzuhängen; keine kann ohne die andere, so ist zu vermuten.

Anrührend ist es immer, wenn die große Kunst, Hollywoodstars, der kleinen Kunst ein Kränzchen winden oder der Provinz und ihrer Hingabe an die Kunst, wie zuletzt in Song Sung Blue.

Hier im Film von John Carney, der mit Peter McDonald auch das Drehbuch geschrieben hat, ist Rick (Paul Rudd) der Musiker und Songwriter, der weit unter seinem künstlerischen Niveau in einer Hochzeitsband spielt.

Rick ist in Irland der Liebe wegen hängen geblieben. Bandmitglied Sandy (Drehbuchautor Peter McDonald) wird zum gegebenen Zeitpunkt in L.A. das irische Powerelement einbringen.

Bei einem Gig in einem Schloss wünscht sich die Braut, dass einer der Gäste mit der Band ein Lied singt. Es ist der amerikanische Popstar Danny Wilson (Nick Jonas). Aus dem Auftritt wird spontan ein Duett mit Rick. Die beiden haben Spaß.

Nach der Show begegnen sie sich, Danny lädt Rick zu sich in sein Zimmer ein auf einen Drink. Der Unterschied der Unterkünfte ist eklatant. Vorher war man dabei, wie die Band ihr Logis in einem Schuppen neben dem Schloss bezogen hat, ein kühler Raum wie der Geräteraum einer Turnhalle mit Doppelstockbetten und einer kann auf einer Matratze am Boden schlafen.

Danny hingegen bewohnt eines der Gästezimmer im Schloss. Eine Suite ist das, geräumig wie ein Saal und kostbar eingerichtet. Die beiden improvisieren zusammen zu einem Song von Rick. Bei der Abfahrt der Hochzeitsband am nächsten Tag erhält Rick eine kostbare Gitarre von Danny geschenkt.

Der Film schildert die Lebensverhältnisse von Rick mit Frau und Kind. Ein halbes Jahr später zündet Danny im Internet seine nächste Karrierstufe mit just dem Song, an dem er mit Rick zusammen gearbeitet hat und kreiert damit im Internet hunderte von Millionen von Aufrufen. Er geht damit auf die „Evolve World Tour“.

Danny gilt in Musikfachkreisen als ein Leichtgewicht, da er aus einer synthetisch entwickelten Boy-Band stammt; so einen Song wie den von Rick hätte ihm niemand zugetraut. Da er den Urheber des Songs nicht nennt, diesen also auch nicht am finanziellen Erfolg des Liedes beteiligt, räumt der Film im folgenden viel Zeit der Auseinandersetzung um den schnöden Mammon ein mit all den unerfreulichen, teils abenteurlich amüsanten Implikationen.

Als eine mögliche Variante im Umgang mit Geld fährt der Film einen Straßenmusiker in Dublin auf. Rick beobachtet einmal, wie böse Jungs ihm das Geld, was die Passanten gespendet hatten, klauen und weglaufen. Rick ist fassungslos, dass der Musiker keine Anstalten macht, es sich wieder zu beschaffen; und wie sich sein Blick mit demjenigen des Musikers trifft, zuckt der nur mit den Schultern. Mehr Schulterzucken könnte der Welt und der Kunst manchmal nicht schaden.

Couscous und Geheimnisse

Familienbande und Lügengespinste

Mutter Fatima (Malika Zerrouki) ist Algerierin; sie ist verwitwet und lebt in Lyon. Hier sind auch ihre drei Töchter und Sohn Mehdi (Younès Boucif). Dieser ist dabei, mit seiner Geliebten Léa (Clara Bretheau), das Restaurant Le Baratain von Bernhard (Gustave Kervern) zu übernehmen.

Fatima ist eine Mutter, wie man sie sich im Büchlein vorstellt. Sie tut alles für ihre Kinder, zu viel im europäischen Sinne, sie will auch deren Liebes- und Familienleben bestimmen, für den Sohn hat sie eine aparte Braut ausgeguckt.

Aber die Familie lebt in Frankreich, die Kinder haben andere Werte kennengelernt. Gleichzeitig wollen sie die Mutter nicht enttäuschen. Das ist ihr Konflikt, nicht nur der von Mehdi. Und was tut man nicht dem Familienfrieden zuliebe? Man lügt und täuscht, man lässt sich auf falsche Spiele ein.

Mehdi kann unmöglich seiner Mutter Lea vorstellen, er kann ihr nicht einmal von ihr erzählen. Und die Eltern von Lea wollen die Mutter von Mehdi kennenlernen.

Die Zwickmühle in der Mehdi steckt, wird immer verzwickter. So wird die Idee ausgeheckt, dass seine Bekannte Souhila (Hiam Abbass), eine attraktive Frau mit einer bunten Vergangenheit, die die Bar Mostaganem betreibt, die Mutter spielt.

Damit wird eine Rollentauschkomödie initiiert, Souhila mit blonder Perücke als arabische Mama aus Oran.

Regisseurin Amine Adjina, die mit Fabien Gorgeart auch das Drehbuch geschrieben hat, umschifft die Klippen billiger Schenkelklopfkomödien wie auch simpler Feelgoodkomödien mit feiner Ernsthaftigkeit; sie lässt den Figuren Zeit, ihr Situation zu durchdenken und zu überlegen, wie es weitergehen soll. Andererseits hat sie wunderbare Akteure im Ensemble, die der Geschichte zu einer munter-sinnlichen Realität und Wahrheit verhelfen. Dass das Essen, interkulturell als auch familiär, keine nebensächliche Rolle spielt, verspricht der Titel; aber auch hier werden die Fallstricke kulinarischer Komödien mit Bedacht umgangen.

Pick Me Girls

Ohne Männer gäbe es kein Frauenhaus,

das ist eine abgründig schön doppelbödige Pointe, die Sophie Passmann in ihrem Bühnenprogramm „Pick me Girls“ nach ihrem gleichnamigen Buch eingebaut hat.

Diese Pointe folgt im Rahmen einer Reihe von Gedanken und Beispielen dafür, dass die Welt die Männer brauche. Sie verweist dabei auf die Glühlampen am Bühnenrand, auf die Bühnentechnik, auf das Bühnenbild und wie sie ein Teil der Rückwand der hervorgehobenen Showbühne anfasst, beginnt diese bedenklich zu wackeln, auch das ist eine schöne Pointe.

Das kann sie gut, einen Gedanken anreißen und ihn dann unvollendet stehen – und wirken lassen. Das hat wie bei allen Soloperformern, Kabarettisten, Witzeerzählern, Alleinunterhaltern, Moderatoren und Conferenciers mit Massenmanipulation zu tun. Auch die beherrscht sie.

Manchmal muss man nur eine Geste machen und einfach so lange stehen lassen, bis das Publikum reagiert oder nach einer – auch vermeintlichen – Pointe so lange lächelnd ins Publikum gucken oder ratlos, bis es zu lachen oder applaudieren anfängt.

Sophie Passmann hat Charme. Ihre Sprache ist schnörkellos und gut artikuliert. Sie fängt ihr Programm mit einem fetten Erguss darüber an, dass sie als Kind dick gewesen sei. Manche Sätze trägt sie richtig eingeübt – Regie Christina Tscharyski – vor, theatralisch gesteigert. Das trägt in dem großen Theater des Berliner Ensembles, in dem die Aufzeichnung, aus der dieser Film besteht, stattgefunden hat.

Sophie Passmann ist nicht schlecht im Namedropping des eigenen Namens, aber auch andere werden erwähnt. Brecht bekommt einmal bei einem Bühnengag eine Erwähnung. Nach dem Abarbeiten des Dick-Themas, vielleicht etwas zu breit, folgt sie der Identitätsfrage.

Was für eine Frau sie sein wollte. Wie sie die Typen, als die sie sich sah, imitierte und ob das Resultat befriedigend war.

Es ist ein in vielem selbstreflexiver Text, der genaue Beobachtung von Vorgängen zum Beispiel bei einem Fotoshooting beinhaltet. Ihre lange, mentale Vorbereitungszeit und dann der kuriose Auftritt des ‚großen‘ Fotografen umwedelt von seinen Assistentinnen.

Sophie Passmann selbst nennt sich eine Champagner-Feministin, was immer das sein mag. Jedenfalls kommt sie ohne Männer nicht aus. Die Pick Me Girls, als so eines bezeichnet sie sich, die überlegen sich, wie die Männer sie gerne sehen würden. Sie endet mit der Feststellung, dass sie die Frau, die sie geworden sei, ganz spannend finde, aber dass das nicht die Frau sei, die sie sich vorgestellt habe.

Am 16. Juli kommt „Was haben wir gelacht“ ins Kino über Frauen, die sich ihre Bühnen erobert haben. Sie sind nicht die einzigen, wie dieser Film zeigt.

Obsession – Du sollst leben

Sturm und Drang 2.0

Coming of Age. Die Verwirrung der Gefühle. Die Sturm- und Drangzeit. Ich liebe Dich, ich töte Dich.

Dieser Wahnsinn der ersten Liebe oder der ersten Verliebtheit, die einen Aufruhr in einer Person auslöst, die das ganze Welt- und Identitätsgefüge der Kindheit ins Wanken bringen kann. Das ist der Stoff mit dem Curry Barker kalt seine süß-sauer-Speise anrichtet.

Sie sind Arbeitskollegen in einem Musikinstrumentenladen: Bear (Michael Johnston), Nikki (inde Navarrette), Ian (Cooper Tomlinson) und Sarah (Megan Lawless). Zwischen ihnen wird die Gefühlswelt Harakiri spielen.

Bear, der so gar kein Bären-Typ ist, spillerig, nicht unbedingt stabil, mit einem Schuss Treuherzigkeit in den Augen, glaubt, dass seine Gefühle für Nikki von dieser erwidert werden. Mit seinem Kollegen und Kumpel Ian übt er einen Anbandeltext, den Promantrag. Weil sie beim Chatten mit ihm von einer verlorenen oder zerrissenen Kette erzählt, will er ihr eine solche schenken.

In dem Tand-Shop, in welchem er so eine sucht, findet er stattdessen das merkwürdige Mitbringsel „One Wish“. Das ist ein holzartiger Gegenstand, verpackt, während man den bricht, darf man einen Wunsch äußern. Der wird in Erfüllung gehen. Man hat aber nur, eh klar und bekannt, einen Wunsch und kann den auch nicht stornieren.

Die Liebe fängt unter unguten Vorzeichen an. Wie Bear vom Anbandeltraining beschwingt nach Hause kommt, findet er seine Katze tot. Sie hat seine Tabletten erwischt. Von denen hat er einen ganzen Schrank voll. Sie ist das schlechte Omen für den Rest des Filmes.

Es geht alles schief oder dann gehen die Wünsche in Übererfüllung. Nach misslungener Anbandelei ist Nikki plötzlich in seinem Schlafzimmer in Unterwäsche, fragt ob er Sex mit ihr wolle. Unterwäschesex (faktisch, nicht expressis verbis!), wie es aktuell im amerikanischen Kino moralischer Standard ist.

Der Filmemacher arbeitet mit harten Wechseln in Tonart, mit knalligen Effekten, mit Übertreibungen und plötzlichem Schreien, mit Erstarrenlassen der Mimik, mit übertriebenem Kussmund. Es ist nicht primär eine Geschichte, es ist der immer wieder erneuerte Versuch einer Zustandsbeschreibung, der Beschreibung dieses extremen labilen Gleichgewichtes der wechselnden Gefühle, der nicht zu steuernden Gefühlsbäder, Sturm und Drang.

Ingeborg Bachamann – Jemand, der ich einmal war

Eine Kopie, einer Kopie, einer Kopie,

das möchte Ingeborg Bachmann sein, zitiert Regina Schilling in ihrem Film die Dichterin.

Das kann verschieden interpretiert werden. Im Zusammenhang mit einem anderen Zitat von Ingeborg Bachmann, wie sie sich die Wimpern tuscht, damit sie nur geradeaus schauen kann und damit ihr geholfen werden muss; dieser bewusste Auftritt; eine Interpretation, die in der Nähe eines Zitates über sie im Film gerückt werden könnte, nämlich, dass sie sehr ehrgeizig gewesen sei; eine Eigenschaft, mit der sich der Film allerdings nicht weiter beschäftigt.

Ingeborg Bachman hat die Nähe berühmter Männer gesucht oder umgekehrt. Es kommen vor Paul Celan, Hans Werner Henze, Max Frisch. Dann scheint sie die Nase voll gehabt zu haben von Männern. Die weibliche Befindlichkeit spielt ein Rolle, das ist ersichtlich aus der Zitatenauswahl.

Das Doppelungsthema kann aber auch als eine leitende Regieidee gesehen werden; denn die Dokumentaristin lässt Ingeborg Bachmann von Sandra Hüller nachspielen. Oder auch doublen oder feedbacken oder reflektieren oder interpretieren.

Die Kopieidee liegt nahe, da die Verwandlung der Schauspielerin Sandra Hüller in die Dichterin gezeigt wird, das Aufsetzen der Perücke, das Einüben von Gesten. Die Ähnlichkeit gerade mit der jungen Dichterin ist verblüffend.

Allerdings scheint das Budget für den Film recht begrenzt gewesen zu sein; offenbar hat es nicht gereicht für eine zweite Perücke mit dem kürzeren Haarschnitt, der im Archivfootage mehrfach zu sehen ist.

Mit zunehmendem Fortgang des chronologischen Biopics driften Original und Kopie immer weiter auseinander; das Original ist zusehends von Medikamenten, Zigaretten und Lebenskrisen gezeichnet. Das dürfte eine inszenatorische Entscheidung sein.

Sandra Hüller ist fabelhaft, liest wunderbar die Texte, zeigt aber auch den Unterschied zwischen Sein und Spiel, wenn sie sich in der Filmzeit von einem Tag in einer eigens nachinszenierten Wohnung in Rom bewegt; vielleicht wäre sie sogar die Traumkopie von Ingeborg Bachmann gewesen.

Der Film lässt an eine Künstlerdevotionalie denken, wie es sie in München am Orlando-di-Lasso-Denkmal für Michael Jackson gibt. Hübsch und liebevoll hergerichtet; ein wunderbares Patchwork, eine geschmackvoll-gediegene Montage aus Archivfootage, Interviews, Kritiken, Nachspielszenen, animiertem Vogelschwarm und Zitaten. Dass sich Sandra Hüller am Schluss noch im On abschminken muss, ist des Überdeutlichen zuviel. Soll damit der Titel erklärt werden: es war eine Rolle von mir? Von Sandra Hüller oder von Ingeborg Bachmann?

Hallo Betty

Von den Anfängen der personifizierten Produktwerbung
in der Schweiz

erzählt dieser Film von Pierre Monnard (Platzspitzbaby) nach dem Drehbuch von André Küttel.

Es sind die 50er Jahre in der Schweiz. Sie erholt sich von den Kriegsjahren. Das Konsumententum gewinnt an Fahrt. Die Konzerne der Nahrungsmittelindustrie wollen mitverdienen.

Margarine und Öl soll an den Mann, besser, an die Hausfrau gebracht werden. Das ist der zeitliche und wirtschaftliche Rahmen für diesen Spielfilm, der die tatsächlich damals erfundende Werbefigur zum realen Vorbild hat.

Diese Frau, Emmi Creaola (Sarah Spale), ist Texterin in der Werbeagentur Jaeggi-Aebi (Ueli Jäggi und Cyril Metzger). Aeby ist eben aus Amerika zurückgekehrt. Er greift die Idee von Emmi flugs auf, das Kochöl oder die Margarine Astra mit einer Werbeperson zu verbinden.

Emmi selber tut sich schwer. Es ist eine Zeit, in der Frauen nicht viel gelten. Ihr Mann Ernst (Martin Vischer) ist in der Baubranche tätig, er macht in Pflastersteinen; aber die Zeichen stehen auf Teer, ungünstig für ihn. Zuhause toben drei Kinder herum. Ein Kindermädchen kann man sich nicht leisten.

In der Agentur gewinnt die Idee von Emmi mit der Hausfrau, die die Hausfrauen ansprechen soll, Kontur. Sie darf die Rezepte für die inzwischen erfundene Kunstfigur Betty Bossi schreiben und in einer eigenen Zeitung veröffentlichen. Wie der Wunsch aufkommt, sie auch als tatsächliche Person in Einkaufsmärkten auftreten zu lassen, wird die zeitliche Belastung mehr, die Spannung in der Familie steigt.

Es ist ein Film auch über Emanzipation, sowohl der Frau, die ihren Job machen will, als auch des Mannes, der sein Teil zum Haushalt beitragen soll. Es ist auch ein Film darüber, wie eine Idee sich mühsam ihren Weg zum Erfolg bahnt. Denn der bleibt nicht aus, das führt bis zum Konzept des Fernsehkochstudios.

Auf der Suche nach Rezepten wird ein italienisches Restaurant wichtig. So ganz nebenbei ventilieren die Szenen dort das Thema der Immigration. In einem witzigen Moment verjagt das gesamte Restaurantpublikum einen mutmaßlichen Spitzel von der Ausländerbhörde mit dem Absingen der „Bandiera Rossa“.

Der Film nimmt amüsant vorweg, was heute Hochkonjunktur hat, den Kult um TV- und Sterneköche und Sternelokale, um Foodfluencer.

Sorgfältig ist der Film auch von der Ausstattung her; möglichst getreulich 50er/60er Jahre; was dem Kundigen des Schweizer Dialektes noch auffallen könnte: wie hervorragend die Dialoge auch mit Zeitcolorit versehen worden sind, mit Ausdrücken, die eine heutige, junge Generation allenfalls vom Hörensagen kennt. Das ist eine Rosine, die über die Untertitel kaum vermittelbar ist, die aber diesem sprudelnden Erzählkino nochmal ein ganz eigenes Cachet verleiht.

Das Sommerbuch

Empfindsam Empfundenem nachspüren

Dieser Film von Charlie McDowell nach dem Drehbuch von Robert Jones ist die Verfilmung des Romanklassikers von Tove Jansson. Sie selber verbrachte die Sommer auf einer Insel in einem Archipel.

Der Film beschreibt einen dieser Sommer. Passieren tut nicht viel. Der Film konzentriert sich auf die Atmosphäre, die für die jüngste der Besucherinnen, Sophia (Emily Matthews), anödend, langweilig wirkt. Denn außer ihr ist nur noch ihre Oma (Glenn Close) da und ihr Vater (Anders Danielsen Lie). Der steckt in tiefer Trauer über den Tod seiner Frau.

Sophie fühlt sich zur Oma hingezogen. Die beiden philosophieren über das Leben. Eine Randfigur ist Eriksson (Ingvar Sigurdsson). Der bringt per Schiff ein Paket. Es handle sich um Dinge für das Mittsommerfeuerwerk. Das ist eines der Themen, aber auch, wundert sich die Oma, ob er sich denn nach dem Vater oder nach ihr erkundet habe. Mehr Hinweis auf das Verhältnis zu ihm gibt es nicht.

Vater baut einen Reisighaufen, der wird vom Regen bedroht. Mit Sophia versucht er, eine zerrissene Blache darüber zu legen. Alles ganz unaufgereget, mit einem Understatement präsentiert, als lohne es sich gar nicht, darüber zu erzählen.

Einmal lässt sich die Oma mit Sophie vom Vater mit dem Motorboot zu einem verlassenen Leuchtturm schippern. Den besichtigen die beiden.

Einmal entdecken sie bei einem Ruderbootausflug eine andere kleine Insel mit dem Schild, dass das Betreten verboten sei, Privateigentum. Da zeigt sich der Widerstandsgeist der Oma. Jetzt wird erst recht an Land gegangen. Und es sitzt sich bequem in den feinen Gartenmöbeln. Ein Boot nähert sich. Oma und Eneklin fühlen sich ertappt, ein Krimi könnte sich anbahnen, aber nix da, sie werden entdeckt von der Familie Malander (Pekka Strang, Sophie Heikkilä und Theo Zilliacus) – und freundlich behandelt. Alles keine weltaufregenden Dinge.

Eindrücklicher vielleicht ist nebst der wunderbaren Enkelin die betagte Glenn Close. Was die sich zumutet, wie sie über diese schrägen Felsen zirkelt, stakst, sich fortbewegt, barfuß dazu. Wie sie gar mit der Enkelin in eine Höhle kriecht. Und dann ist wieder ihr Gebiss in Großaufnahme zu sehen im Wasserglas neben dem Bett.

Der Regisseur hat einen soghaften Mix montiert aus Szenen, in denen faszinierend wenig passiert, und dann wieder ruhigen Naturaufnahmen, aber auch Sturm gibt es, Regen.

Es ist eine Romanverfilmung, bei der man sich lebhaft den vorbildgebenden Roman als einen wunderbaren Roman vorstellen kann und der ohne die häufig bei Literaturverfilmungen nervig zu beobachtende Ab-Blatt oder Blatt-für-Blatt-Szenenkonstruktion auskommt. Man wird förmlich reingezogen in die Welt des Romans oder denkt, das wäre sicher ein Traum für viele Künstler und andere Menschen auch, Tage auf der einsamen Insel zu verbringen. Eine Plätschermusik wird unaufdringlich drüber gelegt, wie ein Bach, dessen Murmeln im Hintergrund Ruhe und Gelassenheit verströmt.

Go ahead, make my day.