Daniel Richter

Der Protagonist dieser Doku von Pepe Danquart (Vor mir der Süden) , der Maler Daniel Richter (der grade mal 7 Jahre jünger als der Dokumentarist und augenscheinlich deutlich erfolgreicher in seinem Metier ist), scheint ein cleverer Selbstvermarkter zu sein. So suggeriert es die Bemerkung einer Verlegerin oder Autorin (der Film verzichtet bei den Talking Heads auf jegliche Text-Information), er habe sie angerufen und hätte die Idee gehabt, einen Bildband herauszugeben. Und so hat er es möglicherweise auch mit diesem Film gehandhabt. Der mit höchster Wahrscheinlichkeit hinter der Kamera anwesende Regisseur widerspricht auf jeden Fall nicht. Der Film erweckt nicht gerade den Eindruck eines Herz-Blut-Projektes.

Richter ist ungleich Richter.
Es gibt einen weltberühmten Maler mit dem Namen Richter: Gerhard. Kein Mensch versteht, warum er der teuerste alle lebenden Maler der Welt sein soll. Auch über ihn gibt es eine Doku Gerhard Richter Painting. Der Film erwies sich als ein Überraschungserfolg im Kino. Hier treffen zwei Welten aufeinander. Einerseits der abgeklärte Meister, der arbeitet wie eine Maschine und ihm gegenüber eine junge Frau, die mit ihrem naiven Zugang und mit gelegentlicher Insistenz der Nachfrage den Meister auch mal nervös macht. Corinna Belz hatte eine spannende Geschichte aus ihrer neugierigen Begegnung mit dem Maler gemacht und man hat etwas über seine Geschichte erfahren. Es passiert etwas in dem Film über Gerhard Richter.

Beim Richter Daniel passiert nichts dergleichen. Es entsteht der Eindruck, hinter der Kamera sei ein frustrierter Regisseur, der zum Bestreiten seines Lebensunterhaltes einen begabten Sprachprotz von Selbstdarsteller, einen Maler, porträtieren muss, der unendlich viel über seine Kunst labern kann, über den man aber nichts erfährt, einer der seine einträgliche Position auf dem internationalen Kunstmarkt gefunden hat und diese willig bedient.

Gleich zweimal schneidet Pepe Danquart Szenen aus einer Kunstauktion rein, einmal geht ein Bild für über 300 Tausend Euro weg, einmal kommt es in die Nähe einer Million. Überhaupt leidet der Film an Wiederholungen. Immer wieder der Maler, dem beim Malen seine zwei Vögel auf die Schultern fliegen oder auf der Hand rumstolzieren und an seinen Malhandschuhen picken.

Wiederholungen: gleich zweimal muss das Aufstellen einer Ausstellung gezeigt werden, um die Bedeutung des Malers hervorzuheben, in New York und in Paris. Dass Richter mit seinem wachen politischen Bewusstsein und seiner Kühnheit, an Grenzen zu gehen, ein bemerkenswerter Künstler ist, braucht nicht zur Diskussion gestellt werden.

Die Dokumentation selbst jedoch ist eine ziemlich abgestandene Mischung aus Talking Heads, Selbtdarstellung des Künstlers, er bei der Arbeit, Dinge, die seine Wichtigkeit begründen und dann noch überflüssiger Beifang aus Städten wie Paris, New York, Hamburg, München. Und auch für eine Münchner Galerie wird namentlich Werbung gemacht.

Bulldog

Beschreibung einer (glücklichen?) Verwahrlosung
oder
Was lernt man auf der Internationalen Filmschule Köln?

Auf diese Frage könnte der Film von André Szardenings folgende Antworten bereit halten:

Dass für einen Spielfilm das Erfinden menschlicher Konstellationen und Situationen sinnvoll sein könne.

Zum Beispiel: eine sehr junge Mutter (Lana Cooper), 36, arbeitet mit ihrem Sohn 21 (Julius Nitschkoff), in einer Ferienanlage in Spanien. Man soll in der ersten Szene, in der sie Verstecken spielen nicht auf die Idee kommen, dass es Mutter und Sohn sind, sondern eher ein Liebespaar. Der Sohn soll wegen seinem gut gebauten Oberkörper oft beim Aus- oder Anziehen von Shirts und Hosen gezeigt werden. Er soll beobachten, wie Mutter eine Freundin (Karin Hanczewski) gewinnt. Andererseits hat Sohnemann Geldprobleme und kann die Miete für das Appartement in der Ferienanlage kaum aufbringen – der Zuschauer darf sich ruhig fragen, warum diese nicht mit dem Lohn für den Zimmservicejob verrechnet wird. Aber der Sohn kann beim Chef in der Protzenvilla etwas Geld verdienen. Zur Auflockerung soll Mutter mit Sohnemann tanzen. Sie schlafen dicht nebeneinander im Doppelbett. Er fragt, wie lange die Alte bleibe und ob sie jetzt lesbisch sei.

Vielleicht lernt man an der Internationbalen Filmschule Köln auch das, dass für so einen Film es unerheblich ist, ob die Figuren eine Geschichte haben, eine Herkunft, die sie womöglich mit Charakteristika und Problemen auszeichnet. Denn es gibt ja so schon Probleme, wie Bruno ins Bett will, ist seine Position schon mit Mutters neuer Freundin belegt. Was tun? Könnte man sich da vielleicht eine nächtliche Übersprungshandlung einfallen lassen (wie Autobeschmieren?)?

Was lernt man..
Dass als Sidekick die Erfindung einer frechen Göre wie Zoe aus der Nachbarschaft eine nette Abwechslung bringen kann; zumindest für Bruno. Children always sell.

Was lernt man?
Dass Alk beispielsweise als Problemlösungsersatz immer gut kommt.
Und dass ein moderner Problem- oder Themenfilm ohne Kotzen kaum mehr auskommt.

Was lernt man..
Dass es Mutter vor lauter Feiern schlecht geht, und sie nicht arbeiten kann und dafür eine Lösung gefunden werden muss.

Was lernt man …?
Ein Auto mit einem Defekt kann gut sein zur Föderung mitmenschlicher Beziehungen als auch als Anlass für unerlaubte Handlungen.

Was lernt man …?
Das unangekündigte Verschwinden einer Person und deren freiwilliges Wiederauftauchen kann Stoff für Diskussionen geben.

Was lernt man …?
Ein Putzjob ist nicht ganz so öd, wenn ein paar Kindereien eingebaut werden.

Was lernt man …?
Wenn man einen Protagonisten mit einem gut gebauten Oberkörper hat, dann sollte man den Darsteller öfter sich T-Shirts und Hosen an- und ausziehen lassen.

Was lernt man …?
Wenn der Autor nicht weiter weiß, dann soll er die Frage „was ist denn hier los?“ einem Darsteller in den Mund legen.

Was lernt man?
Wenn man einer Protagonistin, die Mutter ist, und wenn man ihr kleptomanische Eigenschaften zuschreibt, können so weitere Probleme in den Film eingebaut werden, und womöglich ein Stück Geschichte über die Protagonisten, dass die schon so und so lange auf der Insel sind …

Was lernt man…?
Die Unfähigkeit der Protagonisten zu Problemlösungen kann man in Gewalt eskalieren lassen und in Geschrei.

Was lernt man …?
Dass der Zuschauer sich nach den gut 90 Minuten ruhig fragen darf, warum eine Mutter mit so misslichen Charaktereigenschaften es schafft, sich 12 Jahre lang mit dem heranwachsenden Sohn auf der Insel von den Behörden unbemerkt durchzuschlagen.

Was lernt man …?
Dass es genügt, wenn man in der letzten Einstellung erfährt, wo man ungefähr gewesen ist, auf den Balearen, denn das Fährschiff heißt „Balearia“.

Was lernt man …?
Vielleicht, was zweckdienliche Dialoge sind:
Die Möbel müssen auf die Dachterrasse getragen werden. Melden Sie sich einfach, wenn Sie fertig sind.
Oder, man kann auch zwei auf einmal nehmen, Bruno.
Oh Bruno, jetzt penn nicht ein.
Du hast doch immer getrödelt, hab ich jemals gemeckert?
Du bist jetzt ein fleissiges Bienchen geworden.
Dein Ernst?
Ich mach Fisch, magst du Fisch?
Wo bist du eigentlich untergebracht.
Lass mich in Ruhe. Its Mommy. Lass mich in Ruhe. Ich will doch mit Dir auch tanzen. Hör auf…
Ich bin fertig. Ich werd schon mal vorgehen. Ich muss noch was besorgen.
Kann ich mitkommen?
Was suchst denn Du?
Tony ist nicht in ihrem Zimmer.
Wie, die ist nicht da?
Die ist nicht da.
Wo soll sie denn sein?
Weiß nicht.
Ich ruf sie mal an..
Die haut nie einfach so ab.
Ihr Handy ist aus.
Das hört nicht auf zu bluten, wir müssen ins Krankenhaus

Und wo die Kölner was lernen könnten:

Grand Jete (inzestuöse Mutter-Sohn-Beziehung)
Wie im echten Leben (Putzkolonnen im Kino)

Aus meiner Haut

Liebe löst Identität auf
– umso lächerlicher erscheinen Figuren ohne jene.

Die ewige Frage nach der Individualität und Identität des Menschen treibt Alex Schaad um, der mit Dimitrij Schaad, seinem Bruder, auch das Drehbuch unter fernsehredaktioneller Betreuung geschrieben hat.

Speziell im erschöpfenden Liebesakt, wenn zwei Körper dicht aneinandern, ineinander sich wälzen, kann sich diese Frage in Nichts auflösen, werden die vorgeblichen Individualitäten und Identitäten austauschbar; versetzt sich der Mensch in den Zustand des Allgemeinen.

Das scheint das diesem Film zugrunde liegende Theorem zu sein, das auch die Zwischentitel andeuten. Es gibt eine Szene, in der dieses Theorem praktisch nachvollziehbar und also atemberaubend filmische Realität wird. Es ist die Liebesszene zwischen Jonas Dassler als Tristan und Roman (Thomas Wodianka). Hier wird sichtbar wie selten, dass in der Liebesszene, sozusagen als einem Teil der Allgemeinheit, die Individualität – und also auch das Geschlecht letztlich – keine Rolle spielt. Das alltäglich Identifizierbare kommt später zurück. In der Szene zeigt Alex Schaad, was er wohl drauf hat, wie er überhaupt auch auf der Tonspur mit großer Kelle anrührt und so dichtes Kino schafft.

Ausgehend von einer erklärungsbedürftigen Schlafzimmerszene stellt Schaad klar, dass er keinen barrierefreien Zugang zu Film herstellen will. In der Eröffnungsszene spielt ein klassisches, mythologisches Wandgemälde mit dicht ineinander gebündelten Frauen das Symbolsignal. Und wenn es hier einem schon nicht leicht gemacht wird, kommt es noch härter.

Protagonist Tristan ist mit seiner Freudin (Mala Emde) auf einer Fähre unterwegs. Hier kommen typische Dialog, wie das deutsche Fernsehen sie offenbar mag und wie es offenbar an den Filmschulen gelehrt wird: den Alltag erklärend beschreiben; sie ist an seiner Schulter eingenickt und fragt nach dem Aufwachen, ob sie zu unbequem war und es folgt die Frage nach dem Kaffee. Da verschließen sich einem die Rezeptionsporen tief.

Es wird noch härter nach der Ankunft auf der Insel. Hier empfängt sie Edgar Selge als Stella, wirkt wie eine lächerliche Figur, grinst und hat ebenso lächerliche Dialoge, die keine Grundsituation definieren können. Hier wird, so empfinde ich das, der Zuschauer auf „Achtung Albernheit“ gepolt. Was zu grausamen Fehlinterpretation des Filmes oder zu Unverständnis führen dürfte.

Es stellt sich heraus, dass auf der Insel eine Kommune lebt. Erinnert an die Filme über Otto Mühl Meine kleine Familie und Servus Papa, see you in Hell oder allenfalls an den Gurufilm auf der griechischen Insel A pure Place.

Im Gegensatz zu diesen Filmen ist hier der Lächerlichkeitshinweis gegeben, was viel mit der Besetzung der Rolle mit Edgar Selge zu tun haben dürfte. Oft schrammt der Film haarscharf am Genre des Swingerclub-Filmes vorbei. Da fällt einem Roland Reber (Todesrevue) und seine Filme ein: die haben unverblümt – und auch richtig nackt! – Sex gehabt und eine Kommune waren sie auch; am geistigen Input hat es bei Reber trotzdem nicht gefehlt, wenn er auch mehr philosophisch sich gegeben hat und die Schaad-Brüder das eher mathematisch-abstrakt angehen. Was den Reiz, wie die oben erwähnte Szene beweist, sogar noch erhöhen kann. Eine Szene, wegen der sich der Besuch des Filmes lohnt; auch wenn drum herum schwer Erträgliches passiert, was nebst den erwähnten Dingen mit dem Casting zu tun haben dürfte. Es bräuchte Schauspieler, die nicht das Alberne oder weißgottnichtwas an den Rollen interessiert, sondern die speziell diesen mathematischen Austauschbarkeitszugang irgendwie, wenn vielleicht auch nur intutitiv, erfassen so wie Dassler und Wodianka.

Bonn – Alte Freunde, neue Feinde (DVD)

Diese ARD-Miniserie kommt mit pompösem Anspruch daher: nämlich die junge Bonner Republik, die aus den Trümmern des Nazireiches emporsteigt, und ihre Verwicklungen mit diesem zu schildern.

Die Eröffnungsszene dieser ARD-Mini-Serie unter redaktioneller Aufsicht von Götz Vogt ist gleichzeitig die Schlüsselszene.

Sie zeigt zweierlei. Zum einen den Vorgang, der im Laufe der Serie enträtselt wird. Zum anderen, dass hier mit möglichst wenig Geld und viel schnellem Studio eine glaubwürdige historische Atmosphäre erzeugt werden soll. Historisches im Film und im Fernsehen ist immer aufwändig und teuer, umsomehr fällt auf, wenn gespart werden soll – und das ist hier so.

Es ist eine typische Zweit-Weltkriegs-Studio-Wald-Szene. Soldaten kämpfen. Ein Titel besagt, dass es sich um die Ardennen 1944 handeln soll. Die Figur im Mittelpunkt dieser Szene wird Dreh- und Angelpunkt der Recherchen und Nachforschungen, der Enthüllungen und Verhüllungen, der Verwicklungen in der jungen Bundesrepublik zehn Jahre später.

In Salamitaktik bringt die Serie Stück um Stück die Erklärung dieser Szene an den Tag.

Es ist ein dramaturgisches Machtspiel, wenn man so will, mit einer Serie eine anfangs im Unklaren belassene Studiowaldszene zu erklären. Ob das eine gute Idee ist? Erzähltechnik im Stile des Vergeheimnissens – eher billig.

Die Absicht dieser ARD-Miniserie in der Regie von Claudia Garde nach den Drehbüchern von ihr selbst, Peter Furrer, Gerrit Hermans, Martin Rehbock und Lucas Thiem scheint es zu sein, einem möglichst breiten Publikum in der Form eines Thriller zu zeigen, wie naziverseucht die junge Bundesrepublik war.

Dies ist zwar immer wieder schockierend. Andererseits handelt es sich hierbei um eine Banalität, war doch der Großteil der Deutschen entweder Nazis oder Mitläufer; Widerständler, die nach dem Krieg glaubwürdig entnazifiziert werden konnten, gab es wenige, darauf weist die Serie an einer brisanten Stelle hin, wie eine mutmaßliche Verschwörung vom Verfassungsschutz hops genommen werden soll.

Die Banalität besteht in der simplen Überlegung, wer hätte denn das Land wiederaufbauen sollen, wer wäre übrig geblieben, wenn alle Exnazis und alle Mitläufer nicht hätten mittun dürfen? Das Land wäre wohl heute noch nicht wiederaufgebaut.

Dass die Serie für ein einfacheres Publikum gedacht ist zeigen Dialogsätze, die genauso gut als Füllsätze interpretiert werden können; es sind dies überwiegend beliebig austauschbare Sätze, die weder eine Figur charakterisieren, noch die Handlung vorwärtstreiben, noch der Geschichte eine Besonderheit geben, es sind Sätze von einer erbärmlich sterilen TV-Austauschbarkeit, Sätze wie aus einem Do-it-yourself-billig-Baukasten für TV-Drehbuchautoren. Sätze, die Könner bei der ersten Überarbeitung des Textes sofort wieder streichen würden.

Ich komme diese verdammte Fliege nicht gebunden, hilf mir.
Sie betreiben ein schmutziges Geschäft Herr John.
Ich kümmere mich um ihn.
Nein, ich kann nicht, ich kann sie nicht alleine lassen.
Wovor hast Du Angst?
Du tust, was du für richtig hälst.
Was ist passiert?
Pass gut auf dich auf, ich muss los.
Damit du über die Runden konmst.
Und das ist ein sehr schönes Nachthemd.
Du darfst jetzt nicht aufgeben.
Sie können jetzt einen Kaffee trinken gehen.
Wir sollten uns heiraten, weil wir uns lieben.
Ich glaube, die Farbe könnte Ihnen sitzen.
Ich gebe immerhin großzügig Trinkgeld.
Esse bitt, jetzt iss doch was.
Er muss sich jetzt erholen ..
und das sollten Sie auch tun,
Schlafen Sie, wenn Sie können.

Ab und an werden Sprichwörter in die Dialoge eingeflochten wie „Reisende soll man nicht aufhalten, heißt es“, was auf eine oberflächliche und schnelle Drehbucharbeit schließen lässt.

Die öffentlich-rechtliche Moral muss selbstverständlich bei so einem schweren Thema auch Eingang finden in den Dialog mit dem Vorwurf: „Wie kann man eigentlich damit leben, dass Millionen Menschen ins Gas geschickt wurden?“.

Mercedes Müller spielt die reine, zentrale, ehrliche Figur Toni Schmidt, die den Nazidreck sieht, der überall noch vorhanden ist. Ihre wichtigste Frage ist diejenige nach dem Verbleib ihres Bruders Stefan. Darum ranken sich Texte und Geheimnisse. Toni wird vorgestellt bei einer Party in London, wo sie eine Au Pair Stelle angenommen hat. Das wird für sie von Nutzen sein, denn nach ihrer Rückkehr wird sie als Sekretärin und Übersetzerin für Reinhard Gehlen arbeiten und tiefe Einblicke in diese Organisation erhalten, sie erfährt Dinge, die sie kaum glauben möchte.

Martin Wuttke als Reinhard Gehlen (Organisation Gehlen) ist einer der beiden männlichen, markanten Eckpfeiler dieser Miniserie. Sein Gegenspieler ist der nicht weniger markante Sebastian Blomberg als Otto John vom Verfassungsschutz. Dieser ist ein Nazijäger, während Gehlen der Nazivertuscher und -schützer ist.

Für Toni wird eine schematische Liebesgeschichte nach den mutmaßlichen Ansprüchen der Fernsehunterhaltung erfunden. Sie wird sich mit dem Betreiber eines Radio- und Fernsehgeschäftes verloben. Ihr wird der Konflikt zwischen Liebe und Job aufgehalst, der einmal auch das Thema der Gebärmaschine in einen Dialog einbringt. Ihr Vater ist Bauunternehmer (Juergen Maurer). Die Familie wohnt extrem repräsentativ für die 50er Jahre. Ihrem Vater hat sie den Job bei Gehlen zu verdanken. Die beiden kennen sich lange. Gemeinsame Nazivergangenheit, gemeinsame Ziele heute.

Der vierte im Bundes des dramaturgischen Grundpfeiler-Quartetts ist Max Riemelt als Wolfgang Berns, ein Nazijäger aus persönlichen Gründen. Er sitzt zwischen allen Stühlen, und, das ist nun wirklich billig, weil er mit Toni zu tun hat, können laut Fernsehautoren auch hier die Gefühle nicht geleugnet werden. Ihm wird eine Biographie zugeschrieben mit Abgründen und Schicksalsschlägen, wie sie zu dem prima Schauspieler und generell vertrauenswürdigen Typen, der er ist, überhaupt nicht passen; er ist eine sympathische Fehlbesetzung, wenn denn das Buch Glaubwürdigkeit beanspruchen wollte. Die ihm zugeschriebene Biographie verlangte nach einem kaputten Typen oder zumindest nach einem mit seelischer Verkommenheit, untauglich für die Rom-Com, die das Buch in Heimatfilmmanier ihm an Ende noch unterjubelt; da stimmt dann zwar der Riemelt, aber die Geschichte nicht mehr. Riemelt ist einfach zu nett und zu sympathisch, selbst in Zweikämpfen.

Es ist eine illustrierende Serie mit zu viel austauschbarem Fülltext und zu oberflächlich und schematisch konstruierten Liebesgeschichten. Blomberg und Wuttke, dazwischen der gummiartig freundliche, sich anpassende, undurchsichtige Agent Berns und dann die reine, nicht käufliche Sekretärin, die neuen Verbrechen auf die Spur kommt. Was jeweils am Anfang einer Folge in kurzen Takes von der Vorfolge wiederholt wird, ist im Wesentlichen auch die Substanz jener Folge, also sehr wenig, was dann jeweils auf etwa eine Stunde aufgeblasen und mit blassen Figuren und dünnen Texten aufgefüllt werden muss; diese werden von den Darstellern in professioneller Konzentration dargeboten.

Kommentar zu den Reviews vom 26. Januar 2023

Heute geht es im Kino ans Eingemachte! In England muss ein Vater einen depressiven Sohn aushalten. In Russland kochen die Fieberträume über. Kaum auszuhalten, diese anfängliche Harmonie einer Jungsfreundschaft in Belgien. Einen Blick in arabische Gefängnisse zu werfen, kostet Nerven. Als Adoptierte aus Frankreich die leiblichen Eltern in Korea ausfindig zu machen, ist eine Herausforderung. Als Muslima in Myanmar zu überleben, geht ans Existenzielle. Wenn Klassik aus dem Konzertsaal hinaus an Brennpunkte geht. Die Detektivinstinkte deutscher Kids sind mit einem Requisitenjob beim Film nicht ruhigzustellen. Die Knastkarriere eines Jungen aus Berlin ist vorgezeichnet, das ist die Härte. In Amerika für die Gleichberechtigung der Schwarzen zu kämpfen nicht weniger. In Deutschland liegen sich die Geschlechter im Clinch nach einem Theaterstück. Bei den DVDs gibt es Angebote vom kulinarisch interregligiösen Austausch über eine ukrainische Kriegsheldengeschichte zu einem amerikanischen Horror-Plus bis zum hochkünstlerisch-malerisch dystopischen Ökokrisengemälde. Im TV haben sie sich in einem neuen Talk-Format verläppert. Und dann gab es noch einen Kommentar zu den Oscar-Nominierungen.

Kino
THE SON
Das mit der pubertären Depression ist eine besonders schwierige Sache.

PETROV‘ S FLU – PETROW HAT FIEBER
Ein Russland in Fieberträumen

CLOSE
Kostbar-gefährdete, flämische Jungsfreundschaft

SHARAF
Gnadenloser Einblick in arabische Gefängnis-Welten

RETURN TO SEOUL
Die Sache mit den leiblichen Eltern bei Adoption in einen anderen Kulturkreis kurz nach der Geburt

MIDVIVES
Als Muslima überleben in Myanmar

CHOPIN – ICH FÜRCHTE MICH NICHT VOR DER DUNKELHEIT
Musik als Waffe

DIE DREI??? – ERBE DES DRACHEN
Einmal mehr können sie ihre Detektiv-Instinkte nicht bändigen.

KALLE KOSMONAUT
Wenn das Leben nichts Gscheits mit einem vorhat.

TILL – KAMPF UM DIE WAHRHEIT
Skrupulös zur schwarzen Emanzipationsgeschichte in den USA mit einer Gesetzesfolge Jahrzehnte später

CAVEMAN
Der Mann stammt vom Höhlenbewohner ab.

DIE AUSSPRACHE – WOMEN TALKING
Wollen diese Frauen sich emanzipieren oder nicht?
Darüber müssen sie lange in einer Scheune reden.

DVD
NICHT GANZ KOSCHER
Orientalische Versöhnungsgeschichte

SNIPER – THE WHITE RAVEN
Ukrainische Kriegsheldengeschichte

ORPHAN FIRST KILL
Das Horrorpulver gleich zu Beginn verschossen zu haben, ist eine Finte.

VESPER CHRONICLES
Düsterer Öko-Bio-Design Sci-Fi

TV
KARLSPLATZ
Promis tun sich an den Zwangsgebührentöpfen gütlich – mit Überschaubarem Gegenwert.

Kommentar
Kommentar zu den Oscar-Nominierungen

Chopin – Ich fürchte mich nicht vor der Dunkelheit

Kunstvolles Dreierlei

Joanna Kaczmarek, die mit Eunjung Koo und Youngkyung Yoon auch das Drehbuch geschrieben hat, verbindet in ihrem Dokumentarfilm die Kurzporträts der Pianisten Leszek Mozdzer, Fares Marek Basmadji und Won Jae-Yeon, musikphilosophische Gedanken speziell anhand von Chopin und welpolitisch brisanten Bruchstellen zu einem geistangregenden Triptychon.

Den syrischen Pianisten Fares Marek Basmadji verbindet mit Chopin die gemischte Herkunft, seine Mutter ist Polin, sein Vater Syrer. Der südkoreanische Pianist won Jae-Yeon lebt direkt am Grenzzaun zu Nordkorea. Ihm ist die brutale Spaltung des Landes ständig bewusst und er fragt sich, wie sein Leben verlaufen wäre, wenn er in Nordkorea aufgewachsen wäre. Der polnische Pianist Leszek Modzzer verbindet Musik- mit Naturphilosophie.

Alle drei Künstler weiten ihren Horizont über das klassische Musikgeschäft hinaus. Sie glauben an die transformative Kraft der Musik, besonders bei Chopin, daran, dass Musik die gemeinsame Seele verschiedener Menschen ansprechen kann, dass Musik Resonanz erzeugt, den Menschen so in seinem naturhaften Zusammenhang anspricht; natürlich auch im Antikriegssinne, wenn das so wörtlich auch nicht ausgesprochen wird.

Chopin sei vom menschlichen Körper ausgegangen: und manche politischen Verwerfungen sind auf Trennung der menschlichen Körper aus. Deshalb wird der syrische Pianist, der nach England geflohen ist, vor Flüchtlingen in Beiruth auf der Straße spielen; er konfrontiert sich mit der Aussichtslosigkeit der Kinder in den Lagern, was Bildung und eine schöne Zukunft verspricht; schätzt sich glücklich, dass er so eine Ausbildung haben konnte. Der südkoreanische Pianist will sich nicht defätistisch mit der Trennung Koreas abfinden: er organisiert einen Auftritt auf einer nicht benutzten Grenzbrücke. Dem polnischen Pianisten gehen die Gräuel der Nazis nicht aus dem Kopf: in Auschwitz will er positive Resonanz erzeugen. Es ist die Hoffnung, dass Musik, die im Dunklen gespielt wird, etwas auslösen kann oder auch, dass sie einen psychotherapeutischen Effekt habe.

Close

Pointillistisches Storytelling

Close, nah, ist nicht nur Titel im Film von Lukas Dhont, der mit Angelo Tijssens auch das Drehbuch geschrieben hat, nah ist auch die systematische Erzählmethode. Sie ist immer nah dran, verzichtet auf jegliche Art von Establishing Shots, von Rahmen der Erzählung.

Fast vernarrt scheint der Regisseur in die Welt seiner beiden Protagonisten, den etwa 12-, 13-jährigen Jungs Léo (Eden Dambrine) und Rémi (Gustav De Waele). Sie sind unschuldige, ahnungsvolle Bubenfreunde, Jungsfreunde. Eine Freundschaft, zwischen die kein Blatt passt.

Lukas Dhont ist immer nah an den beiden dran, beim Blumenpflücken, beim Radfahren, in der Schule, zuhause, wenn der eine beim anderen übernachtet, wenn der eine den anderen beobachtet.

Dieses Punktuelle als Erzählstruktur, das meine ich mit Pointillismus, es entsteht so ein Gesamtbild wie bei den Pointillisten, aus lauter einzelnen Eindrücken – Farbtupfern, Erzähltupfern – zusammengesetzt, ein heiter-helles Bild.

Es gibt zwar Unterschiede der beiden Freunde, Rémi ist der musisch begabte, Léo spielt den harten Männersport Eishockey und auf die Frage von Mädchen in der Schule, ob die beiden ein Paar seien, verneint er energisch.

Es ist ein Film, der sich im Gefühligen suhlt, der das Unausgesprochene, das schwer Auszusprechende bebildert. Es ist ein Film, der so eine Jugendfreundschaft vollkommen anders schildert als Acht Berge oder Zeiten des Umbruchs. Hier entsteht das Drama aus anderen Gründen, aus Gründen der weißen Vorherrschaft in Amerika zerbricht die Freundschaft der beiden ungleichen Freunde Paul und Johnny.

Im Film von Lukas Dhont ist es die Liebesgeschichte selber, die der eine nicht aushält, vielleicht auch das nicht Erklärte, das nicht Besprochene, das den einen Verzweifeln lässt. Warum der eine Angst hat davor, das muss sich der Zuschauer selber zusammenklamüsern.

Es ist die Geschichte des Anfanges eines hochsensiblen Coming-of-Ages von zwei Jungs, das in die Randbezirke und weiter des Suizidalen führt. Es ist ein unerklärlicher Bruch in einer Beziehung, wie er gerade in The Banshees of Irisherin in der Erwachsenenwelt und aus heiterem Himmel vorgeführt wird.

Es ist eine Erzählform, die Platz für das Werweißen lässt, eine Erzählform beiläufigen Beobachtens, hochartifizeller Misen-en-Scene; die kommen nicht zusammen, um eine Liebesszene zu spielen oder dergleichen, sie tun, was Schuljungs tun und der eine darf beim anderen übernachten, alles höchst normal und selbstverständlich.

Der Film erhascht so aber auch immer Momente, die verdeutlichen, wie sensibel diese Freundschaft ist, was für Gefühle in diesem Alter noch unbekannt, aber am Erwachen sind, fast könnte man meinen, der Film verlustiere sich voyeuristisch, gar exploitativ daran bis zur Ekstase. Oder er sprüht dieses Gefühl wie ein besonders kostbares Parfüm auf die Leinwand. Ohne die dunkle Seite bei dem vielen Licht zu vernachlässigen.

Caveman

Als Theaterstück

ist Caveman ein Welterfolg, auch in Deutschland wird es immer und immer wieder gespielt.

Unter dramaturgischer Betreuung durch Doron Wisotzky hat Laura Lackmann, die mit Simon Hauschild auch das Drehbuch geschrieben hat, das Theaterstück für den Film adaptiert.

Als Rahmenhandlung für den realen Theaterauftritt von Moritz Bleibtreu als Comedien wird die Geschichte drumherum erfunden und hinzugefügt und dann immer wieder in den Theaterabend in einem reizvollen Theater mit Lämpchen und Tischchen für den Champagner der Gäste hineingeschnitten. Es dürfte damit, wenn ich das richtig verstehe, aus dem Privatleben der Hauptfigur die Genese des Stückes nachgezeichnet werden.

Moritz Bleibtreu, ein nach wie vor wenn nicht immer mehr, fantastischer Schauspieler, lebt mit Laura Tonke in einer Beziehung mit dem üblichen Beziehungsclinch, aus dem wohl der Stoff für mehrere Theaterabend zu destillieren wäre. Mann und Frau passen nicht zusammen, die Vorstellung des Mannes von der Frau und die Vorstellung der Frau vom Mann, sind nie und nimmer kongruent zu machen.

Der Manager von dem edlen Theater schlägt Bleibtreu vor, ein Programm zusammenzustellen. Dazu kommt er aber kaum, weil immer der Beziehungsclinch dazwischenfährt. Sowohl Privatleben als auch das Stück sind gespickt mit Pointen zu dem Never-ending-Thema Mann und Frau.

Eine weitere, wunderbare Figur bringt der hier langhaarige Wotan Wilke Möhring in die Szenerie; er ist Freund und Nachbar von Bleibtreu, lebt mit Hund im angrenzenden Reihenhaus. Eine Spezialnummer gibt es zwischen Bleibtreu und Jürgen Vogel. Der spielt hier mit kurzen Auftritten einen Putzmann, da die Gespielin von Bleibtreu nicht ständig hinter ihm herputzen will und er selber dafür nicht das entsprechend ausgebildete Sensorium hat. Die Spitzennummer ist ein köstlicher Leitertanz der beiden auf der Straße mit den Reihenhäusern.

Das Stück spielt offenbar in Amerika. Das wird aber bei dieser deutschen Variante nicht weiter thematisiert, außer bei einigen Szenen mit einer dieser amerikanischen Männersportarten.

Anfangs versteht der Film es, einen als ungewöhnliche deutsche Komödie zu vereinnahmen und in der Nähe des Erfolgsfilmes Das perfekte Geheimnis anzusiedeln. Allerdings kann er diese Leichtigkeit auf Dauer nicht durchhalten; je mehr der amerikanische Sport auftaucht, desto mehr drängt sich einem auf, dass hier das deutsche Kino versuche mit dem amerikanischen zu wetteifern, wodurch allerdings eine gewisse Schwere nicht mehr zu übersehen ist; hier sind die Figuren im Lebensalter weiter fortgeschritten.

Trotzdem, das thematische Spiel, das sich auf der Unsicherheit der Geschlechter mit sich selber und mit dem anderen Geschlechte aufbaut, dürfte beim Publikum eine sichere Bank sein.

Till – Kampf um die Wahrheit

Untadelig

Nicht nur untadelig ist dieser Film von Chinonye Chukwu, die mit Michael Reilly und Keith Beauchamp auch das Drehbuch geschrieben hat, nein er wartet auch mit einer oskarreifen Leistung seiner Protagonistin Danille Deadwyler als Mamie Till-Mobley auf, die mit ihrer Trauerarbeit um ihren ermordeten Sohn Emmett (Jalyn Hall) ein Mosaiksteinchen zur Emanzipationgeschichte der Schwarzen in den USA beigetragen hat, indem letztes Jahr, also 67 Jahre nach der Tat, in den USA der Emmett Till Antilynching Act am 28. Februar 2022 Gesetz geworden ist.

Die Mühlen der Demokratie mahlen wahrlich langsam. Immerhin schon zwei Jahre nach der Tat gab es den Civil Rights Act von 1957.

Untadelig wird der Film erzählt. Es scheint, als wollen die Macher unangreifbar bleiben, um der Sache willen, die hier engagiert vertreten wird, die Würde des Menschen ohne Ansehen der Person, der Hautfarbe. Untadelig sind die Kostüme, entzückendste 50er Jahre, untadelig das Drehbuch, das die Geschichte auf ihre Folgen hin bearbeitet, untadelig der Cast, die Ausstattung, Kamera, Regie.

Mamie lebt mit ihrem 14-jährigen Sohn in Chicago. Sie hat als einzige Schwarze einen Bürojob bei einer Luftfahrtsgesellschaft. Gute Verhältnisse. Der Vater ist im Zweiten Weltkrieg gestorben. Mamie hat einen Freund, Gene (Sean Patrick Thomas).

Der Sohn möchte an den Herkunftsort seiner Vorfahren zurück nach Mississippi, wo noch ein hinterwäldlerischer Rassismus herrscht. Mamie bläut ihm ein, sich anständig zu benehmen, sich anzupassen, sich Weißen gegenüber zu entschuldigen, egal was ist.

Aller gute Rat nützt nichts; Emmett ist eine andere Kultur gewohnt; die streift man nicht bei einem Ortswechsel ab. Im kleinen Kiosk in Money, in dem die Schwarzen einkaufen, bedient eine Weiße, Carolyn Bryant (Haley Bennett). Eine Anmache von Emmet reicht, um das Drama zum Laufen zu bringen. Ihm fällt es nicht ein, sich zu entschuldigen. Er wird von Weißen bei seinem schwarzen Verwandten nachts abgeholt. Später wird seine aufgedunsene Leiche gefunden. Das ist die Stunde des Handelns für Mamie, die sich nicht passiv mit dem Lauf der Dinge abfinden will. Sie findet Unterstützung bei Bürgerrechtlern im Süden, sie geht an die Öffentlichkeit, der Prozess kommt ins Laufen.

Für den fröhlichsten Punkt in der Ausstattung sorgt die Tapete im Zimmer des wunderbaren Emmet: Flugzeuge, Fahrzeuge, Schiffe, bunte Träume. Die Musikuntermalung präferiert das Jazzige.

Return to Seoul

Was ist modern?
Der französische Lebensstil oder der koreanische?
Diese Frage ist auf einen simplen Nenner runtergebrochen.

Freddie (Park Ji-Min) ist biologisch Koreanerin, sozialisiert aber als Französin, als Adoptivkind von, wie es scheint, echt biederen französischen Eltern. Überraschend und gegen die Absprache mit ihren Adoptiveltern unternimmt sie eine Reise nach Korea.

Eigentlich wollte Freddie nach Japan, da gab es kurzfristige Flugausfälle und Freddie hat nur zwei Wochen Zeit. Im Hostel freundet sie sich gleich mit Teena (Guka Han) und Donywan (Son Seung-Beom) an. Beim Ausgehen zeigt sie denen, wie in einer Kneipe angebandelt wird. Hier scheint der französische Lebensstil der lustigere, der modernere zu sein.

Der Film ist ein zweistündiger Zweiteiler. Der erste Teil handelt von diesem Spontanbesuch, der zur Folge hat, dass Freddie sich an die Adoptionsbehörde wendet, dem Hammond, und von denen Telegramme an ihre leiblichen Eltern schicken lässt. Mutter meldet sich nicht. Zur Begegnung mit dem Vater und seiner Familie kommt es in im Provinzstädtchen Gunsan. Freddie wird als Familienmitglied aufgenommen. Aber das ist nicht ihr Leben. Vater fängt an, sie richtiggehend zu stalken.

In der Mitte macht der Film einen Sprung von zwei Jahren. Freddie ist offenbar in Korea geblieben, ist eine moderne Frau, hat Tinder-Begegnungen. Mit André (Louis-Do de Lencquesaing), dem Waffenhändler, scheint sie weiter zugange, auch nach einem 5 Jahressprung; Maxime (Yoann Zimmer) tritt als neue Figur auf. Der Kontakt zum biologischen Vater (Oh Kwang-rok) ist da. Freddie ist eine moderne Frau, kein Fleisch, kein Alkohol. Sie ist inzwischen Raketenverkäuferin.

Der Film gibt sich selber modern, mit abrupten Brüchen, einer gewissen Sprunghaftigkeit der Erzählung, dem Einführen neuer Figuren, ok, Covid tut seines mit dem plötzlichen Erscheinen von Masken, andererseits ist er ein ganz normaler Themenfilm, der Details einer Adoption, vor allem aber das Prozedere fachlich präsentiert, wenn ein Adoptivkind seine biologischen Eltern kennenlernen möchte; es ist ein etwas intellektualistischer Zugriff aufs Thema.

Dieser Film von Davy Chou sei frei nach dem Leben von Laure Badufle.

Go ahead, make my day.