Der weisse Massai Krieger

Ethnoabenteuer-Doku.

Beim Rumalbern mit jungen Massais sei die Idee zu diesem Film entstanden, erzählt Benjamin Eicher (Regie und Acting), Text von Peter und Elisabeth Eicher. 

Eicher habe als Tierfilmer in der Massai Mara, dem nördlichen Teil der Serengeti zwischen Tansania und Kenia arbeiten wollen. Das ist der Bereich in welchem zweimal jährlich anderthalb Millionen Gnus und eine Viertelmillion Zebras den das Gebiet teilenden Mara River überqueren, um auf die jeweils grüne Seite des Gebietes zu wechseln. 

Der Fluss selber ist Heimat der Nilpferde, die somit zweimal jährlich fette Beute machen können, die aber von dem Massai verehrt werden, weil sie aus dem Wasser kommen. 

Anthony, ein Massai, führte den Tierfilmer Eicher im Gebiet herum. Tierfilmen heißt vor allem: Warten. Die Wartezeiten haben sie sich mit Rumalbern vertrieben. Den Tierfilmer hat auch verwundert, dass die jungen Krieger das gerne machen. Er hat sich gut verstanden mit denen, ist dem Ältesten vorgestellt worden und von ihm stamme die Idee, dass Eicher selber die Inititaion zum Krieger mitmache und den Vorgang dokumentarisch festhalte, damit dieses Stück Massai-Kultur wenigstens archivarisch festgehalten sei, bevor die Massai aussterben. 

Benjamin Eicher hat sich auf das Abenteuer eingelassen; dieser Film ist das Dokument davon. Er ist mit kleinem Team, das auch immer wieder zu sehen ist, mit einem Jeep zu den Massai gefahren und wird sich im Laufe der Geschichte in einen rot bemalten Krieger verwandeln. 

Das Dokutainment gibt Einblick in das heutige Leben der Massai, speziell des kleinen Teams von vier oder fünf jungen Männern, die diese Kriegerinitiation mitmachen. 

Zu erfahren ist, dass die Massai früher zwar Krieger waren, heute sind sie näher bei den Rangern zu sehen, sie töten und essen keine Wildtiere; sie haben ihre Herde an Schafen, Kühen, Ziegen, die sie hüten; sie leben in Eintracht mit den Wildtieren, diese laufen vor den kriegerisch bemalten jungen Männern eher weg. 

Es gibt Anschleichübungen oder die Übung des Raubes einer Ziege aus einem Nachbardorf. Das Bogenschießen will trainiert sein oder das Mischen der Farbe für die Kriegsbemalung, die täglich neu aufgetragen wird und wirksamen Schutz vor Insekten bietet; das Singen von Liedern stärkt das Gemeinschaftgefühl der jungen Männer, die am liebsten spielen, und das Ringen fordert die Kräfte. 

Die Geschichte mit dem Schafraub wird zu einem schönen Fest führen, bei dem alle zugegen sind, Frauen, Männer, Kinder, das Filmteam.

Beeindruckende Aufnahmen von Geparden, Löwen, Hyänen, Geiern, Gnus, Nilpferden fallen auch ab bei diesem fröhlichen Kulturaustauschfilm und dies ganz ohne dämliche, anthropozentrische Kommentare. 

Bad Boys for Life

Vielleicht

ist dieser Film von Peter Carnahan und Peter Craig in der Regie von Adi El Arbi und Bilall Fallah einfach das Produkt einer sich verselbständigt habenden Produktionsmaschinerie. Die Produktionsmittel sind da, die Story ist da, die Figuren sind da, die Namen sind da, das Geld ist da. Das will in Gang gehalten werden. 

Es gibt die Stars Will Smith als Detective Mike Lowrey und sein Partner Martin Lawrence als Detective Marcus Burnett. Die waren vor 25 Jahren mal sehr erfolgreich als diese Cop-Paarung. Vor nicht ganz zwanzig Jahren gabs dann einen zweiten Teil. Und jetzt folgt der dritte (der vierte sei bereits in „pre-production“ ist bei IMDb zu nachzulesen).

Mit jedem Film werden die Jungs älter, da hilft kein Botox und Sprache und Bewegungsablauf werden deutlich schwerer. Der Film ist aber leider offenbar der gleiche geblieben. Es soll Action sein und Buddytum. Als hätten sie geistig keine Entwicklung durchlebt. Als seien sie noch zwanzig und spürten diese Jungmännerkraft, die sich einen Spaß draus macht, mit einem Sportwagen wie Adrenalinjunkies durch dichten Großstadtverkehr zu brausen und das nur, weil der eine in seinem nun reifen Alter Opa geworden ist. Um es höflich auszudrücken, das wirkt irgendwie nicht so ganz frisch trotz hochfrisiertem Hollywood-Apparat, der das gekonnt umsetzt. 

Die Geschichte ist nicht besonders originell. Eine ziemlich böse Frau, la Bruja (die Hexe), Kate de Castillo als Isabel Aretas, die in Mexiko City auf dem Dach eine andächtige religiöse Installation errichtet hat, will den Tod ihres Mannes durch ihren Sohn rächen lassen. Der ist in dem Alter, in dem eigentlich die beiden Protagonisten-Stars sein sollten; der Film setzt diese Diskrepanz nicht zur Thrillerzeugung ein. 

Hauptzielpunkt der Rache ist Dective Mike Lowrey und so ganz unverwundbar wie in jungen Jahren ist er nicht mehr, bald kriegt er schlimm was ab. Da die beiden Cops nicht mehr die jüngsten sind und verletzlich dazu, wird ihnen im Eruieren und Verfolgen des anonymen Angreifers eine frische Truppe von der AMMO beiseite gestellt. Die müssen vor allem gut aussehen. Das tun sie. Dürfen aber nicht die Stars überstrahlen. Auch das tun sie pflichtschuldigst. 

Die zahlenden Zuschauer haben es jetzt in der Hand, mit dem Erstehen eines Tickets die Produzenten in den Vorbereitungen zu einem weiteren Sequel anzuspornen oder aber mit dem Verzicht auf einen Kinobesuch, die Produzenten unter Druck zu setzen, mit frischeren Ideen den Markt sich günstiger gesonnen zu machen. ( Der Markt entscheidet – und nicht der Kritiker!). 

1917

Lance Corporal Blake (Jean-Cahrles Chapman) und Lance Corporal Schofield (George MacKay) sollen am 6. April 1917 eine Botschaft an ein anderes britisches Batallon an der Front zwischen Frankreich und Deutschland überbringen, denn alle Telefonkabel sind zerstört. 

In der Botschaft geht es darum, dass ein von diesem Batallon geplanter Angriff auf die Deutschen abgeblasen werden soll. Denn das hätten die Deutschen mit ihrem verwunderlichen Rückzug weit hinter die Frontlinie so kalkuliert. Es geht umd das Leben von mehr als Tausend Soldaten, die in eine Falle laufen würden. 

Sam Mendes (Skyfall), der mit Krysty Wilson-Cairns auch das Drehbuch geschrieben hat, bezieht sich auf eine Geschichte, die sein Großvater ihm erzählt hat. Damit hat er einen persönlichen Grund, einen Kriegsfilm zu machen; dieser ist auch deutlich leichter zu etragen als der letzte Kriegsfilm von Roland Emmerich mit seinem patriotischen Heldenverehrungsmovie Midway.

Der Film ist auch erträglicher als Spielbergs Soldat Ryan. Weil er über weite Strecken einfach einen wilden, irren Trip von zwei jungen Männern durch ein Niemandsland erzählt, mehr ein Symbol für einen prinzipiellen Existenzialismus. 

Für deutsche Ohren hört sich die deutsche Nachsynchronisation allerdings als Ernstfall an, besonders wenn Befehle gebellt werden, da glaubt man auf der Naziseite zu stehen. Das kommt vor allem gegen Schluss an der Front vor, wo bisher abwesende, kriegsfilmvertraute Militärbehaglichkeit wie Feldlazarett und Feldküche an sich schon unangenehmen Kriegsfilmgeruch in den Film tragen. 

Vor allem ist der Film eine spannend erzählte Reise zweier junger Männer, eine gefahrvolle Reise durch ein Areal, was an der Grenze zwischen Kriegsrealität und Kunstinstallation anzusiedeln wäre: der Dreck, der Stacheldrahtverhau, tote Pferde, Raben und Ratten an den Überresten, Schützengräben und Krater, tote Soldaten aber auch grüne Landschaft, blühende Kirschbäume, Wald, einames Gehöft. 

Die Atemlosigkeit, die Spannung entwickelt Mendes durch seine Kameraarbeit, indem er das Prinzip der Gebrüder Dardenne für ihre Fake-Dokus fortentwickelt mit den heutigen Kameramöglichkeiten, da sind ganz tolle Akrobatiken zu entdecken und manchmal schwer nachvollziehbar, manchmal sind die so raffiniert, dass die wieder vom Geschehen ablenken, die Bemühungen dieser Unmittelbarkeit und des Eindruckes von One-Take kommt momentweise fast manieristisch rüber; kurzer Verdacht der Leistungseitelkeit. 

Aber die Nähe zu den Protagonisten trägt den Film, entwickelt einen magischen Sog, beinah kultverdächtig, über Menschen in der Einsamkeit, in existenzieller Einsamkeit, zwei Männer in der Wüste, das ist direkt westernhaft, die Ausgesetztheit des Menschen, des menschlichen Seins dem Nichts gegenüber als faszinierend nachvollziehbare Story. 

Albrecht Schnider – Was bleibt

Die Dokumentaristin Rita Ziegler fragt ihren Protagonisten, den Schweizer Maler Albrecht Schnider, der mit einer abstrakten Alpenenlandschaft zugange ist, diese würden ja mit seinem zunehmendem Alter mehr Tiefe erhalten. Seine verschmitzte Antwort darauf, ja, vielleicht, um das Ganze etwas hinauszuzögern. Es bleibt dem Betrachter überlassen, wie grundsätzlich er das meint. 

Diesen „versteckten, ekstatischen“ Humor stellt auch ein New Yorker Kunstkritiker anlässlich einer Vernissage in New York fest. 

Rita Ziegler hat über drei Jahre lang Schnider beim Malen und Zeichnen beobachtet. Sie hat ihr Material zu einem spannenden Bilderbogen montiert, der sich ganz in die forschende Herangehensweise des Malers hineinfühlt – sich damit wohltuend abhebend vom gängigen Doku-Verzopf-Mix. 

Sie geht von seiner Arbeit aus. Von seiner beharrlichen Arbeit an einem einzigen Bild. Er möchte eine Schnur mit Wasserfarben in einem 10- oder 15-Sekunden-Gemälde festhalten. Wochenlang arbeitet er daran. Bild. Wasser drüber. Wegwischen. Bild, Wassser drüber, wegwischen. Es dürfte sich um Hunderte, wenn nicht Tausende von Versuchen handeln. 

Mit schnellem Urteil stellt er fest, ob das eben gemalte Sekundenbild taugt oder nicht. Er unterscheidet streng zwischen dem Verführerisch-Hübschen, was seiner Ansicht nach nicht brauchbar ist und der Form, die existiert, die man immer wieder anschauen kann. Wenn es aber so weit ist, dann grinst er breit über das ganze Gesicht. Und die gemalte Schnur hält der Betrachtung stand, strahlt Verbindlichkeit, Einmaligkeit aus. 

Selbstkritik ist eines der stärksten seiner Werkzeuge. Und Bescheidenheit. Er sei glücklich, wenn eine Zeichnung mal wirklich gut sei, was überaus selten passiere. 

Gegenüber dieser Methode von Wiederholung und Zufall, wie er sie bei der Schnur anwendet, geht es bei Porträts oder Landschaften geplanter und methodischer zu („Landschaften; Irrgärten oder wenn es hoch kommt ein Ornament“). Die Resultate erinnern an die Kubisten. Er sucht den Moment, in welchem das Porträt ihn anschaut und nicht umgekehrt. 

Wohldosiert und erst ab etwa einem Drittel des Filmes streut die Dokumentaristin Biographisches ein: seine Herkunft aus dem Bauernhof, sein Stubenhockerdasein, dass er zuerst Bilder seine Vaters (Bauernmalerei) abgezeichnet hat und nicht die Landschaft selbst, das katholische Internat, das ihm für den Rest des Lebens geistiges Biotop geblieben ist im Sinne der Konzentration auf das Forschen und Suchen. 

Im Laufe des Filmes gibt Schnider jede Menge druckreifer Aphorismen preis, oft direkt in die Kamera oder zur Dokumentaristin über die Kunst und das Künstlersein:

Nicht über das Verführerisch-Hübsche hinaus, es passiert nichts, nichts darüber hinaus, irgendwann langweilt es.

Es geht nur darum, offen zu sein, bereit zu sein, wenn sich eine Form einstellt, ja zu sagen.

Nicht Geschwätz, sondern etwas, das existiert.

Es macht keinen Sinn, eine Landschaft abzumalen, es ist mehr eine Vergewisserung von Freiheit und Möglichkeiten.

Heimat: seinen Boden spüren..

Das Bild mus seinprägsam sein, aber man darf sich an keine Nase erinnern (über Porträts).

Ein Film so vereinnahmend wie derjenige über Gerhard Richter. Wobei eine Schnittmenge des künstlerischen Prozesses festzustellen ist: dieses in Sekundenschnelle beurteilen ob ein Strich, ein Farbauftrag taugt oder nicht. Oder vielleicht auch: ob Kunst geschwätzig sei oder doch mehr.

Weathering with You

A Rainy Day in Tokio.

Der Film von Makoto Shinkai (Your Name) handelt von mehr als nur einem regnerischen Tag in Tokio, das in den Wassermassen unterzugehen droht. 

Für das Coming-of-Age ist das schon mal eine großartige Symbolik, denn die Verwandlung des Menschen ist mindestens, wenn nicht eine kosmologische, so doch eine geochronologische Epoche; Geochronologie ist das Fach, was unser junge Mann, der Oberschüler Hodaka, von der Insel weitab der Hauptstadt Japans, nach dem Schulabschluss studieren möchte. 

Aber dazwischen kommen die Wirrungen und Irrungen der Liebe. Und auch die pflügt durch kosmologische Welten. Das Mädchen Hina, das mit ihrem Bruder Nagi zusammenlebt, kann Einfluss auf das Wetter nehmen, sie ist ein Sonnenscheinmädchen; sie kann das Sonnenlicht befehligen. 

Shinkai erzählt die Geschichte diese Erwachsen-Werdens als spröd-poetische Animation in einem aparten Mix aus kosmologischen Elementen, Träumereien und harter Action, die zur Folge hat, dass Hodaka mit der Polizei in Konflikt und nur auf Bewährung frei kommt – bis er seine Schule auf der Insel fertig hat. 

Wie schon in seinem Vorgängerfilm „Your Name“ spannt Shinkai den Bogen zwischen Kindheit, Adoleszenz und Erwachsensein auch geographisch zwischen Insel und japanischer Hauptstadt. 

Und wie schon in seinem Vorgängerfilm lässt er gerne offen, was ist jetzt Fantasie, was Realität; was bestimmt auch ebenso im Kopf des Protagonisten sich heftige Kämpfe liefert, bis er wieder schweißgebadet aufwacht, wobei offen bleibt, wie weit es sich um Halbwachträume handelt. 

Nicht jeder pubertäre Ausreißer ist auch in Realität einer, es kann auch der Wunsch der Vater des Traumes sein. Ein Hinweis dafür, dass es sich eher um überhitzte Träume eines Erwachsenden handelt ist auch der mehrfache Hinweis auf J. D. Salingers „Der Fänger im Roggen“; auch hier ist der Protagonist ein Junge (16), lebt in der Provinz und träumt von New York. Wobei der kürzliche Film von Woody Allen A rainy Day in New York spätere Thematiken aus dem Leben junger Menschen behandelt. 

Vom Giessen des Zitronenbaumes – it must be heaven

Vergesst uns nicht!

Dieser sympathische Agit(aber nicht:Prop)-Film von Eila Suleiman wirkt wie ein politisches Statement im Sinne eines Aufklebers, den der Regisseur und Autor in Paris oder New York auf den Louvre oder an den Central Park anpeppt, indem er sich vor solche Sehenswürdigkeiten oder in sie hinein vor die Kamera stellt mit seinem Touristen-Strohhut und in gänzlich non-aggressiver Art zu verstehen gibt: es gibt uns noch, die Palästinenser, jene mit den verkürzten Bürgerrechten in Israel und jene ohne eigenen Staat in den Palästinensergebieten. 

Mit dieser Pose und dem traurig-fassungslosen Blick stellt sich Suleiman auch bewusst außerhalb der nicht enden wollenden Spirale aus Hass von Schlag und Gegenschlag der Gewalt in Nahost. Ich bin doch auch nur ein Reisender, der gerne Selfies an berühmten Orten macht. 

Und im Übrigen gibt es überall auf der Welt ähnliche nicht weiter nachvollziehbare Absurditäten, ob mein Nachbar in Palästina die Zitronen von meinem Baum klaut und, wie ich ihn erwische, zu mir auf dem Balkon hinaufruft, er wollte eigentlich fragen und habe geklopft, aber niemand habe geantwortet, oder ob es um die absurde Engelaktion im Central Park von New York geht, bei der die Polizei selber nicht mehr recht weiß, wo ihr die Beine, geschweige denn der Kopf steht. 

Oder der Taxifahrer in New York, der fast ausflippt, einen lebendigen Palästinenser im Fonds zu haben und sofort seine Frau darüber informiert. 

Die Zollkontrolle verblüfft und übertölpelt der Filmemacher mit einem magischen Zaubertrick des Detektorgerätes. Oder die Geschichte, die ein Nachbar erzählt, die vom Adler, der Schlange und dem platten Pneu und wie der Pneu wieder mit Luft gefüllt wurde: solche Mirakel bräuchte es politisch in Nahost. Geschichten, die niemandem weh tun, die aber einen visionären – oder deprimierenden? – Gehalt haben. Nur ja kein Futter für die Mechanik der Gewalt in Nahost. 

Ihr Politiker, bildet’s Euch nichts ein, wir Künstler können absurder. Aber wir behaupten wenigstens nicht, dass wir Politik machen. 

Dass es sich bei dem Film um friedliche Agitation handelt, belegt die Widmung „Für Palästina“; mit der Überhöhung der Realität in – gerne auch parallel – stilisierte Absurdität gibt Suleiman zu verstehen, dass Künstler mehr können als die bescheuerten Realpolitiker mit ihrem bescheuerten Aufrechnungs- und Antifriedensmodus, den sie in Nahost schon seit Jahrzehnten zelebrieren – mit bekannt beschissenem Ergebnis. 

Klavierstunden

„To play a wrong note is insignificant; to play without passion is inexcusable“. Ludwig van Beethoven. 

Kalenderblattdoku. Mit Aussagen von Lehrern, Eltern, Kindern, Pianostudenten. Es gibt schöne Klaviere im Bild, Geklimpere, gut beleuchtete Innenansichten, helle, freundliche Atmosphären, gepflegt, bürgerlich-irische Innenräume, irischen Dialekt, ganz Irland scheint nach diesem Film klavierspielen zu wollen. 

Die Mühen der Tastatur, der Fingersätze, des Rhythmus. Wie Spaß bekommen am Klavierspielen, wenn es an allen Ecken und Enden knarzt und harzt? Oder die Erkenntnis: kein Meister fällt vom Himmel. Es geht um die Geduld und Ausdauer auch der Klavierpädagoginnen und der Klavierpädagogen. Wie die Tasten traktieren? Der Klang der Pedale. 

Sicher, man kann auch versuchen zu singen zum Spielen, also sich beim Singen mit dem Klavier begleiten. 

Der Dokumentarist Ken Wardrop setzt die Klavierschüler auf geschmackvolle Sofas, Sessel oder auch in Gartenmöbel und lässt sie frontal zur Kamera und gut im Bild erzählen. 

Nächste Stufe.

Der Klang des Pedals. Die Hingabe des Pädagogen oder der Pädagogin. Auch vierhändig kann man spielen. Das Spiel wird im Verlauf des Filmes und der Zahl der Lektionen flüssiger und anhörbarer. Zwischendrin darf im Meer geschwommen werden. Oder Gitarre spielen zur Abwechslung. Mit fortschreitender Ausbildung der Schüler erobert die entsprechende Dynamik auch den Film. Dabei entwickelt sich das Gefühl für die Musik. 

Jetzt werden die Räumlichkeiten vornehmer, dazu die gepflegten Warteräume vor den Prüfungen – dagegen gibt es Schicksalsschläge (Gehirntumor). Und Glücksmomente einer Klavierlehrerin. 

Crescendo „makemusicnotwar

Dieser Film von Dror Zahavi nach dem Drehbuch von Stephen Glantz, Volker Kellner, Marcus O. Rosenmüller, Johannes Rotter nach der Idee von Art Bernd und Alice Brauner wirkt wie ein Echo auf den Oslo-Prozess im Hinblick auf Friedensstiftung in Nahost zwischen Israelis und Palästinensern. Zahavi verlagert den Versöhnungsprozess, die Friedenssuche – anders als Daniel Barenboim – das Orchester selbst hinein. Es ist eine Initiative, die von außen kommt. 

Der fiktionale Film ist mehr eine Erfindung. Die Finanzjongleurin Karla de Fried (Bibiana Beglau) will mit dem bekannten Dirigenten Eduard Storck (Peter Simonischek), dessen Eltern seien Naziärzte gewesen, mit einer reichlich konstruierten Geschichte im Rahmen der „Stiftung für effektiven Altruismus“ ein solches Konzert auf neutralem Boden im filmförderfreundlichen Südtirol veranstalten, in Sterzing. 

Schon die Auswahl der Mitglieder für das Orchester scheint an den Verhältnissen in Nahost zu scheitern. Dabei sind die Grenzkontrollen für die Palästinenser noch das Geringste. Es sind die gegenseitigen Vorurteile, die das Zusammenstellen des Orchesters schier verunmöglichen. Da ist der israelische Crack Ron (Daniel Donskoy) mit seinem gemischten Orchester aus Israelis und israelischen Arabern. 

Auf der Gegenseite spielen vor: der hochbegabte Omar (Mehdi Meskar), der, seit er zehn ist, mit seinem Vater auf Hochzeiten in den Palästinensergebieten spielt, und die geltungssüchtige Layla (Sabrina Amali). 

Storck legt allerdings wert darauf, nicht politisch zu sein, sondern lediglich nach der künstlerischen Qualität zu urteilen. Da hinken die Palästinenser den Israelis meilenweit hinterher; das ist friedensprozessideologisch ungüngstig. 

Das Vorspielen in Tel Aviv nimmt ausführlichen Raum ein. 

Es folgt der Schnitt nach Südtirol. Hier entwickelt sich der Film zu seinem eigenen Friedensworkshop. Der besteht aus Partnerübungen, dem Erlernen des Zuhörens, der Wahrnehmung des Partners. 

Es ist ein Ritt über den Bodensee, aber Fortschritte stellen sich ein. Kurz vor dem endgültigen Frieden, das ist wie beim Oslo-Prozess, passiert ein Unglück, ein Missverständnis, das die ganze Bemühung – wie den Oslo-Prozess – in den Bereich der Reminiszenz rückt. Insofern ein realistischer Beitrag zur nicht enden wollenden Hass- und Gewaltspirale in Nahost. Während die idealistische Sponsor-Organisation auf dem Fuße kehrt macht und sich einem erfolgsversprechenderen Projekt in Somalia zuwendet. 

Der Airport Bozen erhält einen werbefreundlichen Auftritt. 

Lindenberg! Mach Dein Ding!

Subventioniertes Reenactment.

Dieser Film von Hermine Huntgeburth nach dem Drehbuch der Subventions-Routine-Autoren Christian Lyra, Alexander M. Rümelin und Sebastian Wehlings zeichnet das Leben von Udo Lindenberg nach zwischen den 50er Jahren und seinem Durchbruch in den 70ern in bewährt TV-asthmatischer Verhackstückelung und mit deutlichem Erklärgestus der Texte unter Verzicht auf nunancierte Arbeit mit den Schauspielern, aber mit viel Hingabe an eine aufwändige Ausstattung. 

Es gibt verschiedene Udo-Darsteller. Den älteren spielt Jan Bülow und er sieht wirklich und glaubwürdig wie ein 70er-Jahre-Hippie aus, wie auch seine Mitspieler und Mitmusiker. 

Das Drehbuch könnte ein Küchendrehbuch sein: man hat eine Biographie des Künstlers vor sich und sucht geeignete Szenen zum Nachillustrieren. Dadurch ergeben sich keine Konflikte, ergibt sich auch nicht die Möglichkeit der Empathie mit der Hauptfigur. Das dürfte mit ein Grund sein für den schnellen Ineinanderschnitt, damit der Zuschauer gar nicht erst zur Besinnung kommt, und auch die ständige Hin- und Herhupferei zwischen den 50er-, 60er- und 70er-Jahren. 

Damit der Hinterletzte es versteht, folgt auf eine Szene als Kind, in der er davon träumt, was er werden will, eine Szene, die ihn auf diesem Weg zeigt. Es ist handwerkliches Hauruckkino zu Lasten tieferer Einblicke in die Künstlerseele, in die Abgründe seiner Beweggründe. 

Udo bekommt als Kind zum Geburtstag vom Papa Drums geschenkt; ab da ist er Drummer.

Es fließt unermesslich viel Alkohol in diesem Film und LSD wechselt auch gerne von einer Zunge zur nächsten. Die Rollen bleiben auf deutschem Subventionsniveau, oft, als seien sie in ein enges Korsett eingespannt. 

Den K.o. erhält der Restfilm mit dem Einspieler am Schluss mit dem echten, inzwischen über 70jährigen Udo Lindenberg mit einem Act vor einem praktisch leeren Keller. Der ist nicht nachahmbar, nicht nachspielbar, nicht reenactbar. Insofern scheint die ganze Mühe wieder einmal vor allem der Geldbeschaffung und Arbeitsbeschaffung von Filmberuflern gedient zu haben, die in ihren Gewerken oft Hervorragendes leisten, scheint es darum gegangen zu sein, mit diesem überflüssigen Biopic Zwangsgebührengelder auf die eigenen Mühlen zu lenken.

ROTE KARTE DES ZWANGSGEBÜHRENZAHLERS!

Go ahead, make my day.