Illegal und ausgebeutet.

Ayka (Samal Yeslyamova) stammt aus Krigistan, lebt und arbeitet illegal in Moskau.

Von Zuhause hat Ayka ein Darlehen erhalten, um eine Näherei zu eröffnen. Das hat offenbar nicht funktioniert. Sie hat Schulden deswegen. Statt eine Nährwerkstatt zu eröffnen, hat sie ein Kind zur Welt gebracht.

Kurz nach der Niederkunft von Ayka setzt der Film von Sergei Dvortsevoy (Tulpan), der mit Gennadiy Ostrovskiy auch das Drehbuch geschrieben hat, ein. Er hängt sich wie die Gebrüder Dardenne an die Fersen seiner Protagonistin in einem naturalistischen oder realistischem Stil mit Wackelkamera.

Ayka liegt noch in der Geburtsklinik. Gleich haut sie ab. Hinaus in den schneeigen Moskauer Winter. Wie ein gehetztes Wild. Sie findet zu ihrem illegalen Arbeitsplatz. Viele Frauen nehmen hier von Hand Geflügel aus, säubern es vom Gefieder. Sie werden betrogen. Ihr Arbeitgeber haut ab, ohne sie zu bezahlen. Sie behelfen sich mit Naturalien.

Ayka hastet durch den Moskauer Winter zurück zum Hostel „Sonnig“, einer Absteige für Illegale. Am Telefon wird sie ständig unter Druck gesetzt wegen ihrer Schulden. Von der Geburt her hat sie noch starke Blutungen.

Sie irrt durch Moskau auf der Suche nach Jobs, sie braucht dringend Geld, oder nur nach einer Toilette. Dabei wird sie von einer Landsmännin, die in einer privaten Tierklinik arbeitet, aufgenommen, kann diese sogar für zwei Tage vertreten, weil deren Bub krank ist. Es stellen sich Probleme mit der Milch ein. Sie wird von einer Ärztin gewarnt vor Mastitis. Aykas Geldforderer tauchen auf. Sie wollen das Kind.

Ganz hält sich Dvortsevoy, den in der Produktion deutsche Fernsehsender unterstützt haben, arte und ZDF, nicht an die Konsequenz der Gebrüder Dardenne. Er nutzt gerne Situationen, um effektvolle Bilder zu erhaschen, die direkt mit der Geschichte nichts zu tun haben. Lustig oder billig kalkuliert?

Anfangs bleibt er ellenlang auf vier russisch verpackten Säuglingen, die in einer Reihe auf einem fahrbaren Wickeltisch durch Räume und Flure gefahren werden. Reiner Effekt oder: Zufall als Komik ins Bild gesetzt.

In der Tierklinik bleibt er bei Welpen hängen, die an den Zitzen der Mutter nuckeln. Eine Szene der Schnuckeligkeit für sich.

Diesem Filmemacher dürfte es um Gelder aus dem Westen gegangen zu sein. So werde ich den Verdacht nicht los, dass er Beifang geschossen hat, sei es aus der Tierklinik oder von der Razzia im Hostel, der mehr dazu dient, sich allfälligen Förderern und Filmpreisjurys anzudienen, ihnen unmissverständlich klar zu machen, wie beschissen die Situation in Russland ist. So dass jeder es versteht. Wobei das von der Hauptdarstellerin ablenkt, die mit viel Hyperventilation arbeitet, arbeiten muss.

Der Film scheint weniger einem Thema als vielmehr einem kleinen Kreis von Zielpublikum zu dienen (das Geld locker machen kann). Und niemand dürfte überrascht sein, dass sich hier das Interesse des Kinopublikums, auch des Arthouse-Segmentes, voraussichtlich in Grenzen halten wird. Nicht weil der Film zu schwierig wäre, sondern weil er zu effektberechnet scheint.

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Was ist ein Großkünstler?

„Er wolle ein großer Künstler werden, hat sich Julian Schnabel in der Jugend vorgenommen. Wusste aber nicht, was das ist und wie es geht.“ So fängt stefes Review zum Film von Pappi Corsicato über den Allround-Künstler Julian Schnabel an. Er hat es geschafft. Er ist berühmt, hat Geld, Haus, Familie. Er hat es zu Lebzeiten geschafft. Er leidet nicht, er muss sich kein Ohr abhauen, er wird nicht in die Irrenanstalt eingewiesen. Er ist kein Idealist.

Was fasziniert Erfolgskünstler Schnabel an Misserfolgskünstler Van Gogh?

Mit diesem Film gibt Schnabel – bewusst oder unbewusst – den Versuch einer Antwort darauf. Beim Drehbuch haben ihn Jean-Claude Carrière und Louise Kugelberg unterstützt, die Regie hat er allein übernommen.

Die erste Antwort des Filmes ist die einer emphatischen Annäherung. Einfach sich heranpirschen an dieses Künstlerleben, so weit es aus Bildern und Texten – und vielleicht aus anderen Filmen – bekannt scheint.

Bildlich versucht Schnabel sich mit einer Methode, die ruhig Copy & Paste genannt werden kann. Der Van Gogh (Willem Dafoe) sieht exakt aus, wie man die Bilder von ihm kennt. Und selbstverständlich malt er die Bilder, so wie man sie kennt. Das fängt mit den Schuhen an, über die Heidegger so trefflich reflektiert hat, geht zu den Sonnenblumen, den Landschaften, dem Briefträger, den Selbstporträts.

Die Landschaften, die sehen sowohl in den Ausschnitten als auch in den Farbkorrekturen exakt aus wie auf den Bildern. Die Geschichte vom Ohr kommt vor, die vom chronischen Geldmangel, von der Unterstützung durch seinen Bruder Theo (Rupert Friend), die Beziehung zu Gaugin (Oscar Isaac).

Selbstverständlich sprechen alle Englisch.

Die fast pausenlos in Bewegung sich befindliche Kamera soll den dokumentarischen Touch unterstreichen. Ein Priester (Mads Mikkelsen) holt Van Gogh aus dem Irrenhaus. Diesem gegenüber bestätigt er, dass er nur für die Malerei lebe, dass er für die Ewigkeit male.

Julian Schnabel bringt mehr als einmal jede Menge Van Gogh Gemälde in einer Ausstellung oder in einer Kammer zusammen, wohlkalkulierend, welch unermesslicher Wert sich da auf engem Raum zusammentürmt, während das Zimmermädchen das Bett macht.

Vielleicht ist es das, was Schnabel kitzelt, der ja zugegeben hat, dass er berühmt werden wolle, dass Van Gogh nicht nur berühmt, sondern unsterblich geworden ist, während Schnabel spürt, dass er – auch mit solchen Filmen wie diesem – eher wieder in Vergessenheit geraten dürfte. Ebenso scheint Schnabel zu beschäftigen, dass auch Jesus zu seiner Zeit wenig Beachtung fand, dass dessen Ruhm mit der Entfernung von seinem Tod erst wuchs, ins Zeitlose wuchs. Das Thema beschäftigt Schnabel. Ein dringendes, ein drängendes Thema, das Ruhmesthema?

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Auch diese weiteren Folgen beweisen: es fehlt der vorgeblichen Satire jeglicher Biss; so lustig die mit dem Bildmaterial und Bildschirmwänden spielen (das kann inzwischen jeder Schüler). Für ein zwangsfinanziertes öffentlich-rechtliches Fernsehen ist das nicht reif genug, für ein Fernsehen, was einen demokratischen Grundauftrag hat und wofür Zwangsgebühren (inzwischen auch brutal) eingetrieben werden.

Schmierentheater.

Da kann man als Zwangsgebührenzahler grantig werden, für so oberflächlich-billiges Zeugs bezahlen zu müssen mit einem derart unterentwickelten Menschenbild. Das ist dem Zwangsgebührenzahler gegenüber, der sich die Zwangsgebühr von einem kleinen Budget absparen muss, in keiner Weise zu rechtfertigen.

Da die Macher nicht ernsthaft kritisch sind, sondern es bei gut gemeintem Theater für den Firmen-Unterhaltungsabend belassen, verarschen sie mit diesem Dokument des Unernstes und der Oberflächlichkeit ihren Auftraggeber. Und den Zuschauer dazu.

Starkes Votum für die Abschaffung der Zwangsgebühr!

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Leicht schummrig. In Schweden kämpfen Zombitum, Gewürm und Humanismus miteinander. In den USA wechselt ein Halbdämon flachsend die Seiten. Auf einem italienischen See lässt Christo die Menschen Christus spielen (lässt sie übers Wasser gehen). Eine DDR-Kinderfilm-Kultfigur gerät ins Visier des subventionierten deutschen Förderkinos (das bekommt ihr nicht). Hollywood überrollt die Kinder animationsindustriell. Hollywood sterilisiert die ersten Liebesgefühle. Ein Münchner zeigt sich fasziniert von Berliner Türstehern. Auf DVD erscheint eine starke, polnische Liebesgeschichte und eine indische Weltreise nach Frankreich. Das bayerische Fernsehen verlümmelt Zwangsgebührengelder.

Kino
BORDER – GRÄNS
Kann Tina auch die Humanität erschnüffeln?

HELLBOY – CALL OF DARKNESS
Auch Monster haben mit Humanismus zu tun – flapsige Sprüche irgendwie auch?

CHRISTO – WALKING ON WATER
Die Show-Seiten des Geschäftsmodells.

ALFONS ZITTERBACKE – DAS CHAOS IST ZURÜCK
Pädagogisch hochkorrekt und fernsehschwach.

WILLKOMMEN IM WUNDER PARK
Schulung der Kids zu Blockbusterkonsumenten.

AFTER PASSION
Als Bonus beim Kauf einer Teenie-Kosmetik-Linie zu verwenden.

BERLIN BOUNCER
Doku mit redseligen Selbstdarstellern.

DVD
COLD WAR – DER BREITENGRAD DER LIEBE
So eine Liebe, diese Haltbarkeit!

DIE UNGLAUBLICHE REISE DES FAKIRS,DER IN EINEM KLEIDERSCHRANK FESTSTECKTE
Off off an away mit Ikea-Tours.

TV
AKTE LANSING (Folge 1 – 3)
Schnell- und Billigfürze.

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Sterilisierte Liebe.

Erste Liebe, große Liebe, Entjungferung, das Spiel mit der Liebe, das ist ewiges Thema vielleicht mehr noch aus Frauensicht, da Gefühle für Frauen, wie es heißt, leichter verhandelbar seien als für Männer.

Anna Todd hat zu diesem Liebesthema einen Roman geschrieben, der ein Weltbestseller geworden sei. Susan McMartin hat dazu ein Drehbuch verfassst und Jenny Gage hat es verfilmt. Sie hat sich für eine schnulzige Erzählart entschieden. Sie interessiert sich weniger für die Charaktere und ihre Konflikte. Solche haben auch wenig Auftrittschancen bei diesen ebenmäßigen und stark auf makellos geschminkten Gesichtern.

Jenny Gage interessiert sich für den Weg der Gefühle von Tessa (Josephine Langford). Sie ist unerfahren, rein, liebeshungrig. Sie kleidet sich wie die Unschuld vom Lande, züchtige Blusen, langer blauer Rock, ja nichts Erotisches betonen. Das ist zwar wenig plausibel im Hinblick auf ihre noch stärker auf jugendlich hergerichteten, städtischen Mittelklassmutter Carol (Selma Blair). Was soll’s. Es geht der Regisseurin um Gefühle.

Es geht darum, dass Tessa, nachdem sie der wachsamen Obhut ihrer Mutter ins College entronnen ist, auf dem Campus auf den erstbesten Studenten, Hardin (Hero Fiennes Tiffin), hereinfällt und sich total verliebt. Hardin allerdings betreibt das Spiel nur als eine Wette unter Freunden. Wie es Hardin auch erwischt, ist es zu spät.

Tessa kommt hinter das falsch eingefädelte Spiel mit der Liebe. Das setzt Tränen. Aber es geht hier nicht um ein Drama, um Tiefe, sie unternimmt keinen Selbstmordversuch, das würde zur Schnulze nicht passen.

Tessa kehrt reumütig zurück in Mutters Schoß und zum verlassenen, platonischen Jugendfreund Noah (Dylan Arnold).

Hardin dagegen ist nachdenklich geworden an seinem Lieblingsplatz. Er klärt die Sache künstlerisch. Und so fanden sie sich und wurden glücklich und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.

Die Zielgruppe von Teenie-Girls in ähnlichen Situationen, dürfte ihren Emotionsnerv getroffen sehen und mitfühlen, sie brauchen ja, wie kleine Kinder, für ihr Thema nicht mehr als eine Art Kasperltheater, Anfängermenschentum, Menschen als Positionsvertreter oder Gefühlsaufhänger.

Die Liebe selbst wirkt steril praktiziert: kein Schweiß, kein Geschnaufe, kein Kraftakt, kein Schmerz, keine Geschlechsteile, kein Blut, keine Sekrete. Der Zuschauergefühlswelt soll nichts Unangenehmes zugemutet werden, schon gar nicht die doch häufig eintretende Komik bei einer Entjungferung.

Die Schauspieler sind bestenfalls Symbole für gewisse Gefühlsinhalte und sollen diese bei den Zuschauern aktivieren. Die deutsche Synchronisation ist so sauber und steril wie der Film. Man könnte ihn sich vorstellen als ein Bonusprodukt beim Kauf einer Kosmetik-Linie eines Drogeriemarktes. Das Mitgefühl mit den Protagonisten soll noch erhöht werden durch die Mitteilung, dass beide das Auseinanderbrechen der Ehen der Eltern zu verkraften haben. Schluchz. Schluchz.

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Im Menschen steckt ein Monster. Damit muss er sich beschäftigen, solange er monströse Taten vollbringt, ob er Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lässt oder mit Drohnen präventiv Menschen tötet oder als Individuum Massacker anrichtet. Insofern steckt im Monsterfilm ein Körnchen Wahrheit. Wobei das Genre sich gerne verselbständigt und keinen moralischen Anspruch vertritt.

Hellboy (David Harbour) ist ein recht menschliches Monster mit markantem Gesicht und zwei Monsterbeulen wie Stempeln auf der Stirn, schräger Mund, markiges Kinn, sich Raum schaffenden Backenknochen und leicht wässrigen Augen. Unehrlichkeit traut man ihm nicht zu, Verschlagenheit auch nicht, Überinntellektualität ebenso wenig: in einem Buch, das er zur Recherche über den Verbleib der Hexe und Blutkönigin Nimue (Milla Jovovich) herbeiziehen soll, sind ihm zu viele Buchstaben.

Dem M11 ist es gelungen, Hellboy, den „Paranormal-Agenten“, auf seine Seite zu ziehen. Das ist das Verdienst von Professor Bruttenholm (Ian McShane), den Hellboy Dad nennt. Wie einsten James Bond wird er mit einem speziellen Köfferchen ausgestattet. Der Inhalt des Köfferchens ist bemerkenswert: ein Gewehr das mit Engelsknochen schießt und im Moment dieser Info auf seinen vordern Schwanz gerichtet ist, das muss spezifiziert werden, denn hinten hat Hellboy auch einen.

Hellboys Team besteht aus dem Asiaten Ben Daimio (Daniel Dae Kim, hier als Narbengesicht) und Alice (Sasha Lane), mit der ihn eine eigene Geschichte verbindet, die mit dem Gegenmonster Gruagach zu tun hat.

Das ist die Mannschaft, die antritt, um den Film zu füllen als spassig-flachsendes Planschbecken für das Monstergenre angereichert mit knackig-knappen, flappsigen Sprüchen. Neil Marshall für die Regie nach dem Drehbuch von Adnrew Cosby nach den Comics von Mike Mignola. Die Monster wirken sehr physisch, weniger computeranimiert, eher so, als seien sie aus Pappmaché, das verleiht ihn haptische Geisterbahnqualitäten und dem damit verbundenen Fun. Wenn sie Hellboy gegen drei von ihnen auf einer richtigen Wiese kämpft, erhöht das diesen Realeindruck.

Als Vorspann wird die Vorgeschichte von King Artus, dem Schwert des Excalibur und der Zerstückelung der Hexe und Verteilung der Fragmente auf eine Unmenge Kästchen, die separat verscharrt werden, in zitatepischem Schwarz-Weiß gezeigt.

Die deutsche Synchro kann sich hören lassen.

Sprüche und Wortwitze: Ich kann kaum erwarten, dass Du Monsterscheiße riechst. Schicksal ist nur ein dummes Wort für Zufall. Hellboy, nimm die Füße von Churchills Tisch (wenn das nicht ein Hinweis auf die reale Menschenwelt ist!). Artus ist heute eine richtig popkulturelle Nummer.

Die Bilderwelt stellt sich als grell und lustvoll plakativ dar. Momentweise erinnern die Monster auch an eine verstaubte anthropologische Sammlungen mit ausgestopften Menschen und Menschenaffen in Glaskästen. Gruselig: der Kuss der Ganeida (?) mit den Haaren auf der Zunge und dem vielen Schleim. Monsterulk, Monsterspaß.

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Prep-School für Megahelden.

Dieses Hollywood Bluckbuster-Animations-Industrieprodukt kann vielleicht gesehen werden als Vorbereitung der kleinen Kinder auf die Superheldenwerke der Erwachsenen. Denn was die kleine Heldin June alles zustande bringt, da reicht sie noch jedem Superhelden, jeder Superheldin das Wasser, allein bei der Wahnsinnsfahrt des Bären auf der Mega-Mega-Achter-Looping-Bahn. Und das ist nur so eine Kleinigkeit.

Oder wie sie plötzlich als Mensch wie in den Transformern einen Riesenroboter, der aussieht wie ein Insekt, mit ihren Arm und Beinbewegungn zu dirigieren weiß, das nötigt schon Respekt ab.

Immerhin ist die Story im Familienalltag geerdet. June ist ein Mädchen, stereotpy animiert mit einer merklichen Anleihe bei japanischen Animeefiguren. Sie lebt bei Papa und Mama. Sie baut sich ihr Wunderland, die ganze Wohnung ist ein einziger Vergnügunspark.

Mutter ist jedoch krank und muss sich für einige Zeit aus der Familie verabschieden. Derweil schießen die Vergnügunspark-Ideen von June ins Kraut.

Ihre Abenteuerbegleiter sind ein blauer Bär, ein Igel, ein Eber, zwei Murmeltierchen, in Ausformungen und mit Pelzen, wie sie die Industrieproduktion eben erfindet, mir immer den Eindruck hinterlassend, es handle sich um Badezimmer-Frottee- und Fliesenästhetik.

Diese Gruppe, die auf deutsch nicht besonders überzeugend nachgesprochen wird, muss den Park gegen die dunkle Welt, wie es symbolistisch heißt, retten. Diese verfügt über Armeen wie Ameisen in Form von Minifiguren wie die Minons. Ein Affe hat den Zauberstab.

Man könnte den Film auch sehen als ein irrer Zauberkugeleffekt, in dem alles drunter und drüber geht, wobei an Stilen und Genres und auch bei der Süßwaren- und Buntballonindustrie von überall her sich bedient wurde.

Ein Riesenuhrwerk muss auch noch repariert werden. Ob die Kinder das alles verdauen und aufnehmen können und nicht eingeschüchtert werden?

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Der unterhaltsame Christo.

Wohlverstanden, das mit dem ‚unterhaltsam‘, dies ist eine Dokumentation von Andrey Paounov und der hat den Christo so eingefangen, wie er sich gibt, wie er vielleicht tatsächlich ist: auf jeden Fall unterhaltsames Futter für die Kamera. Es ist unterhaltsam, wie er die diversen Lebenssituationen bewältigt: direkt, laut, aufgeregt, schimpfend. So gibt es viel Amüsement in diesem Film, einiges zum Schmunzeln und zum Lachen.

Wobei der Titel vorgibt, sich mit dem Projekt „Walking on Water“ oder The Floating Pears zu beschäftigen. Der Film interessiert sich aber nicht, so wie Carlos Saura in seinem Renzo Piano Film (Renzo Piano – Architekt des Lichts) über den Schritt-für-Schritt-Fortschritt des Projektes Santander von den ersten Gesprächen über die Planung bis hin zur Realisierung und zwischendrin Gespräche über Kunst und Inspiration.

Paounov sieht das lockerer, wohl selber als Unterhaltungstrip, war ab und an dabei. Man erfährt immerhin, dass Christo sich mit seiner Lebensgefährtin schon seit 1970 mit dem Projekt beschäftigt habe. Damals war noch Argentinien im Gespräch.

Es ist vor allem die Unsachlichkeit, die heitere Unsachlichkeit, die diesen Film auszeichnet. Wie Christo mit den Tücken des Computers kämpft und sehr laut werden kann bei einer Videokonferenz mit den Herstellern des Kataloges zum Projekt (26 x 26 cm). Es gibt Beifang aus den Schweizer Alpen, wo er friert, bevor er zum italienischen See runterfährt.

Es gibt Beifang aus dem Vatikan, wo Christo Michelangelo bewundert, Beifang aus einer Gemeinderatssitzung in Brescia, bei der er vor allem schläft und das unverständliche, italienische Stimmengewirr in seinem Kopf auf der Tonspur zu hören ist. Der Dokumentarist beliebt zu scherzen.

Es gibt lautstarke Auseinandersetzungen mit seinem Hofmarschall Vladimir vor Ort. Er schimpft über die italienischen Behörden, die den Besucher-Ansturm nicht in den Griff bekommen und droht, die 16-tägige Installation nach zwei Tagen abzubrechen.

Unterhaltsam ist ebenso, wie er auf gesellschaftlichen Veranstaltungen wichtige Leute, Mäzene, Sammler gnadenlos kurz abfertigt und wieder stehenlässt.

Zum Helikopterflug über die Installation am letzten Tag muss er inständig überredet werden.

Am Schluss packt er seinen Koffer in einer Luxussuite seines Hotels und verklebt das verbeulte Aluteil mit sorgfältig präpariertem Klebeband – wetterfest.

Kabarettreif ist auch der Auftritt eines italienischen Funktionärs, der im Showroom von Christo ein Bild aus einer begrenzten Anzahl von Fotografien des Projektes (Preise zwischen wenigen Hundert und 2 Millionen Euro) erstehen will. Dass die mit jedem Tag teurer werden, gibt ihm zu schaffen. Nach mobilen Rücksprachen hält er glücklich das kleinste Bild in Händen, einen echten Christo.

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Humanismus und Gewürm.

Dieser Film von Ali Abbasi nach dem Buch „Gräns“ von John Ajvide Lindquist ist ein individuell grotesker Tanz auf Messers Schneide zwischen Humanismus und Zombitum, zwischen modernem Travelmenschen (und insofern Grenzenüberschreiter) und Gewürm und dahinter wartet rousseausche Natur, moosbewachsener Waldboden, Bäume, Elch und Fuchs, Waldsee an Wasserfall, Idylle mit zwei lustvoll nackt Badenden.

Es sind die zwei chromosomenveränderten Protagonisten Tina (Eva Melander) und Vore (Eero Milonoff). Sie lernen sich über die Tätigkeit von Tina als Schnüfflerin vom Zoll (Tull) kennen.

Sie hat eine Begabung, die möglicherweise noch seltener ist als die eines Superrecognisers, sie kann mit hoher Sicherheit Schmuggler und Verbrecher, die mit der Fähre nach Schweden kommen, erschnüffeln. Die Maske trägt das ihre dazu bei, sie zu einer Art fremdem Wesen zu machen, hinzu kommen ihre Augen, die in die Ferne schauen, ihre Oberlippen, die leichte Schnüffelbewegungen machen.

Bei einem Anzugtypen erkennt sie, dass er verbotenes Datenmaterial im Handy versteckt hat. Weil es sich um das sensible Thema Kinderpornographie handelt, wird sie auch zur Observation des mutmaßlichen Verbrechers eingesetzt.

Vore dagegen ist ein zottelhaariger Typ, hat gewisse Ähnlichkeiten mit Tina. Er fällt ihr auf, aber sie wird nicht fündig, in seiner Blechdose hat er Würmer, da er sich fürs Getier interessiert und es brüten lassen will, es ist ein Larvenbrutapparat (auch der könnte eventuell symbolisch für das Thema des Filmes gesehen werden, wo fängt der Mensch, wo die Brut an).

Sie begegnen sich wieder und es entwickelt sich eine rätselhafte Beziehung, die vieles an den Tag bringt, was man so auf Anhieb nicht vermuten würde.

Tina geht gerne in die freie Natur. Sie lebt mit Roland (Jörgen Thorsson) zusammen; der interessiert sich für Hunde, aber ihr Vater hält ihn für einen Schmarotzer. Die Entwicklungen werden dazu führen, dass sie Roland rausschmeißt.

Auch Vater hat ein Geheimnis über sie, das existentiell ist und von dem sie nicht mal ahnt, dass es existiert.

Das Kreatürliche nimmt immer mehr überhand, der Film wandelt sich zusehends zum skandinavischen Zombiefilm und immer lauert die Frage nach der Würde des Menschen, wo fängt der Mensch an, wo ist er Gewürm.

Abbasdi treibt seine Fragestellung ins Extreme, in extreme Abgründe menschlichen Handelns. Sowohl ein „hiisit“ als auch der Wechselbalg spielen dabei eine Rolle.

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Schöne Fotografie.

Dafür ist das Thema dieses Dokumentarfilmes von David Dietl ergiebig: er porträtiert drei Türsteher aus dem Berliner Nachtleben. Sie heißen Frank, Smiley und Sven. Letzterer ist auch Fotograf, was die Fotographie-Schlagseite des Filmes noch verstärkt.

Dietls dokumentarischer Ansatz ist dreiteilig: nett zu den Protagonisten sein, Mäuschen bei ihren Aktivitäten spielen und ihnen eine Bühne zur Selbstdarstellung bieten, das heißt: sie reden viel und gern über sich selber, ob Selbsterkenntnisse oder Selbsteinbildungen, das zu beurteilen, bleibt dem Zuschauer überlassen.

Die so gewonnene Ausbeute an Filmmaterial montiert Dietl in zeitgeistnaher (das meint: nie auf eine einzige Sache sich konzentrieren zu trauen) Verzopfmanier, wobei der Strang mit dem Fotografen Übergewicht hat.

Diese nicht besonders ambitionierte dokumentarische Ansatz ergibt allerdings noch keine kinematographisch-dokumentarische Story, ermüdet selbst bei der spannendsten Figur. Das dürfte Dietl auch bewusst gewesen sein, weshalb er später im Film noch Ausflüge oder gar Reisen mit seinen Protagonisten in ihre Heimatorte unternimmt. Auch hier bleibt er respektvoll nett, so dass diese Extempores von auswärts nicht ausreichen, um das Ruder der verlorenen Spannung herumzureißen.

Damit dürfte allerdings der Interessentenkreis an Publikum deutlich auf die Protagonisten und deren Umfeld eingegrenzt sein. Sowieso in München, wo ein Regisseur gleichen Familiennamens durch gnadenlos scharfe Beobachtung der Society in seinen Spielfilmen es zu Kultstatus gebracht hat.

Schönes Zitat eines der Türsteher: er sehe sich als Exzessbetreuer und fühle sich verantwortlich, dass die Leute einen schönen Abend haben, dass sie ihn so haben können, wie sie wollen. Derselbe Türsteher hat jedoch Alpträume, dass er nach seinem Tod in einer Zwischenhölle wie bei Hiernoymus Bosch landet und ständig nur hört: „Nee, Du nicht“.

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