Archiv der Kategorie: TV

Hammer & Sichl, Folge 1 (TV, BR)

Uff, wat war dete jetzt? War es interessant? Nein. War es spannend? Nein. War es lehrreich? Nein. War es informativ? Nein. War es unterhaltsam? Nein. War es witzig? Nein. War es im Sinne des öffentlichen Rundfunkauftrags? Nein. War es brisant? Nein. War es aufregend? Nein. War es wichtig? Nein. War es komisch? Nein. War es eine Hilfsaktion des öffentlichen Rundfunks für unterbeschäftigte Künstler? Vielleicht. Man muss spekulieren.

War hier die Realität abgebildet? Nein. Wurde die Realität, die hier abgebildet werden soll, gut studiert? Nein. War das Drehbuch sorgfältig gearbeitet? Nein. Weiß der Rundfunk was machen mit seinem Geld? Offensichtlich nein. War es pfiffig? Nein. Gibt es hier ein dramaturgisch solides Gerüst? Nein. War es denn wenigstens gut gespielt? Generell: Nein! War es tragisch, ist es tragisch? Ja, wenn man von der Relation des Gebührengeldes, das mutmaßlich reingesteckt wurde und dem Output der herausgekommen ist, ausgeht. Man muss spekulieren.

Vermutlich soll dem Hauptdarsteller Sichl, der schon eine imposante Figur ist mit seinem fettigen, langen Haar, mit dem ständigen Grinsen, mit seinem zur Schau gestellten Hallodritum und vorgeblicher Souveränität, seiner jovialen Schmierigkeit, mit seiner Unfähigkeit mit Geld umgehen zu können, mit seinem Bayerisch, vermutlich sollte dieser Figur ein Präsentationslaufstall zur Verfügung gestellt werden, ein Showroom. Und weil er ein ausladender Bayer ist, so wurde ihm aus Gründen eines Proporzes oder der Stabilisierung ein knapper Hamburger beigesellt, der Sichl ein Hammer, zur Witzigwerdung gewissermaßen.

Es gibt sogar ein Thema in diesem Halbstünder des BR, der daraus tatsächlich eine Serie machen will, es geht darin um Existenzgründung, um ein Seminar, das das Arbeitsamt dazu veranstaltet und in welchem die Teilnehmer den begehrten Stempel erwerben können, der ihnen Zugang zu Existengründungsgeld des Arbeitsamtes eröffnet.

Zu besichtigen sind also Figuren, die für vermutlich satte BR-Gagen und verschont von Wettbewerb wie Existenzgründer ihn haben, dafür im Gunstdunstkreis der Redaktion im wohligen Treibhaus der Öffentlichrechtlichkeit ihre geistigen Wampen heraushängen dürfen, was für unbeteiligte Dritte ein eher unansehnliches Sehvergnügen bedeutet (Buch: Oliver Mielke und Philip Kaetner, Regie: Oliver Mielke). Zwangsgebührenfinanziertes Luxusplanschbecken ohne öffentliche Relevanz.

Tatort: Aus der Tiefe der Zeit (TV, ARD, BR)

Weniger spannender Krimi denn atemlos geschmackvoller Bilderbogen von hoher, linksintellektueller Salonwarte herab zum Thema Gentrifizierung („Finger weg vom Jugendhaus“) am Beispiel der Boombaustelle München.

Der Krimi, soweit nachvollziehbar, wildert, da wo die Tiefe der Zeit im Nazimilieu wurzelt, im feinen Derrick-Milieu (Familie Holzer und ihre Villen am Isarhochufer), wobei die Ahnmutter mit der Knarre eher aus dem Helge-Schneider-Wild-West-Universum entsprungen sein dürfte.

In diesem Film des Fernsehregie-Säulenheiligen Dominik Graf nach einem Buch von Bernd Schwamm (hat zwar Fahnder und Rosenheim-Cops in seiner Vita, aber keinen Derrick) buddelt ein Baustellenbagger eine Leiche frei. Diese wird Anlass für einen Gang nicht nur durch das Derrick-Milieu sondern auch durch das Umwandlungs-München, gegen welches sich Alt-Wackersdorf-Protestierer auflehnen und Mieterdemos mit der Initiative Westend veranstalten. Dieses Milieu wiederum legt mittels wunderschöner Innenausstattungs-Referenz tiefere Sehnsüchte des Regisseurs frei: das Filmplakat „Nuda per il Diavolo“ ein Film von Wolfgang Becker, der einige Derricks inszeniert hat. Die andere Filmplakat-Referenz gilt mit „La Sfida degli Implacabili“ dem Spaghetti-Western, dem italienischen Giallo-Film in der Person von Ignacio F. Iquino, einem italienischen Vielschreiber-Autor, der in der IMDb mit 103 Titeln vermerkt ist. Da muss Dominik Graf sich sputen, der bisher mit 39 Regietiteln aufwarten kann. Hinweise auf unerfüllte Kino-Sehnsüchte des Regisseurs anstelle präziser Milieu- und Menschenstudie.

Durch Dominik Grafs Münchner Bilderbogen von ausgesuchter Erlesenheit und Schick stapfen zwei weißhaarige Kommissare wie wasserdicht und wetterfest und milieuresistent, denen weder die Referenz auf die Nazizeit oder die Korruption im Baugewerbe oder die Wildwest-Allüren einer Alten noch das Männerwohnheim noch Coiffeur Heesters noch die eleganten Büros noch die geschmackvoll ausgewählten Darstellerinnen (die wiederum mehr über den Geschmack der Casterin oder ihrer Vorstellung vom Frauenwunschbild des Regisseurs erzählen als etwas über die reale, schöne Münchnerin) was anhaben können, als würden sie die tausendste Führung durchs Wolpertingermuseum runterrasseln. Oder sie kommen mir vor wie zwei Möbelpacker, die dem TV-Zuschauer seine wöchentliche Sonntags-Kommode frei Stube liefern, wobei ihr Navi sie andauernd in die falsche Richtung und in Einbahnen schickt.

Der Titel „aus der Tiefe der Zeit“ erweckt einen Anspruch, der mit der Leiche von SS-Hauptmann Schwertfeger (zu diesem Thema gepflegte Orgelmusik) lediglich formal abgegolten wird, sich das Etikett historischer Wichtigkeit selbst verleihend.
Ein Traum-München, in dem kroatische Gangster Kinderlieder singen.
Die einzig glaubwürdige Figur im Ganzen, das ist die „arme Sau“ Gerry (Moritz Katzmeier).

Die Spätzünder 2 (TV BR)

Life ist life. Zugabe. Gegröle. Wollt Ihr noch? Die Altenheim-Band rockt.
Und noch ein deutscher Altenheimfilm. Und wieder spielen alte Schauspieler alte Menschen, so wie sie sich vorstellen dass alte Menschen sind, das heißt so, wie sie sicher nicht sind. Das kommt so heraus, weil der Regisseur Wolfgang Murnberger in seiner routiniert desinteressierten Regie die alten Kämpen machen lässt, und diese zeigen folglich, wie dämlich sie alte Menschen darstellen zu müssen meinen und weil das Drehbuch von Uli Brée diesem allen noch Vorschub leistet.

Ein fragwürdiges, gebührenfinanziertes Unternehmen und der Gebührenzahler, der sich ein solches Luxusaltenheim nicht leisten kann, darf sich bescheuert vorkommen. Immerhin ein Sozialfall, der in Goa war, hat’s in dieses Heim geschafft. Und wie machst du es jetzt? Altenheim oder Disneyland?

Wenn Themen vorkommen wie Sex im Rentenalter, Fitness wie ein Turnschuh, prozessorientierte Musiktherapie, so sind Handlung und Spannung doch gar nicht mehr nötig, diese sind von sich aus so total erheiternd – glauben die Macher.

Diesen Zirkus machen mit: Joachim Fuchsberger, Hans Michael Rehberg, Dieter Hallervorden, die spielen schon so, dass sie nicht unbemerkt bleiben und die Sprüche, die der Autor vermutlich aus einem Sprichwörterbuch, Kapitel „Alte und Altenheime“ gefunden hat, die können sie auch ohne jede Regiehilfe vortragen.

Die jungen Darsteller stellen sich teils so an, als ob sie für eine Gerichtsshow improvisieren sollen, weil sie sowohl von Drehbuch als auch von der Regie allein gelassen wurden. Die verkindete Betreuerin, der verwurstete Betreuer. Rocco und Marina.

Grundthese: das Alter ist ein sinnloser Selbstzweck und hat keine Zukunft. Diese These wird nun durchbuchstabiert anhand von Bandproben, Yoga, Unmündigkeit, geriatrischer Küche, Zigaretten, Schwächeanfällen, Abhauen, Verdacht auf Lungenentzündung, Unartigkeit beim Essen, Kredite, Hausbesetzung und eine Musik, die aufdringlich erzählt, das ist eh alles nicht wichtig und sowieso lustig.

Die kleine Story, die spät erst beginnt, dass die Insassen ihr Altersheim kaufen wollen, soll aufzeigen, wie kaputt aller Familienverhältnisse sind.

Am Schluss lösen Musik und feine Küche alle Probleme und machen alle glücklich und erfolgreich.
Glück aus dem Mustopf.

Die Fahnenweihe (TV BR)

„Herrschaften, die sich darnach richten, was die öffentliche Meinung sagt“, das war mir der präsenteste, der herausragend gesprochene Satz dieser Fernsehaufzeichnung einer von Sprachregie offenbar wenig befangenen Freilichtheateraufführung der Luisenburgfestspiele in Wunsiedel.

Das Stück selbst spielt in Garmisch-Partenkirchen und wurde 1896 von Josef Ruederer geschrieben. Es geht darin um ein Stück Land, auf welches der Posthalter scharf ist. Um das kaufen zu können, will er der Gemeinde ein Findelhaus spendieren. Der Hintergedanke ist, auf dem Grundstück ein lukratives Hotel zu errichten. Das Geld dafür beschafft sich der Posthalter vom Geliebten seiner Frau, einem Münchner Geldprotz.

Selbstverständlich gibt es andere Interessenten und die eingangs erwähnte Haltung diverser Mitmischer bringt viel Konfusion in den Vorgang um den Erwerb der Wiese, die vorgesehene Fahnenweihe und die Grundsteinlegung des Findelhauses mit dem „Knalleffekt“ von 500 Litern Freibier. Die nicht ganz sauberen Spielchen um diesen Handel zeigen die zwiespältigen moralischen Attitüden und Haltungen der Honoratioren auf.

Diese inhaltliche Konfusion der Haltungen scheint sich in der Regie von Michael Lerchenberg und Steffi Baier niederzuschlagen. Meist sind sehr viele Leute auf der Bühne und stehen sich eher im Wege und da es sich außerdem um eine Aufführung im Freien, auf der berühmten Felsenbühne von Wunsiedel handelt, versucht die Regie die Schauspieler möglichst laut, möglichst nach vorn und mit viel Zeigefingertheater agieren zu lassen.

Die gründlichere Interpretation von Regie, die diese mit der Fähigkeit, den Chor zu leiten, gleichsetzt, die scheint hier keine Anwendung zu finden. Die Fernsehregie von Thomas Kommayer für die Aufzeichnung kann auch keine entwirrende Klarheit schaffen.

Vermutlich geht es dem BR vor allem darum, dieses populäre Bauerntheater mit Überlappungen zum Bereich der Schmiere einem breiteren, vielleicht auch reise- oder fußmüden Publikum näher zu bringen; ein zweifellos ehrbares Anliegen, was der kulturellen Informationspflicht des Senders mehr als Genüge tut.

Groß im Anspann ist zu lesen: „Bearbeitung Michael Lerchenberg“. Dafür dürfte des Regisseurs Kasse nochmal schön geklingelt haben und für die Aufzeichnung fürs Fernsehen nochmal nochmal. Dem Stück wäre allerdings mehr gedient gewesen, stattdessen sich mehr auf die Heutigkeit der Zeichnung der Figuren zu konzentrieren.

Paradies 505 – Ein Niederbayernkrimi (TV BR)

Was mich für diesen Niederbayernkrimi, zu dem Christian Limmer das Drehbuch geschrieben hat, vor allem einnimmt, ist nebst der hervorragenden Regie von Max Färberböck, der sich intensiv um die Darstellung der Figuren und ihrer Glaubwürdigkeit kümmert, die Grundfigurenkonstellation als solche: Die tüchtige Polizistin, die in jeder Szene um ihr Überleben zu kämpfen scheint und als ihr Partner vom benachbarten Kommissariat, der in höheren Spähren schwebende Lederer („der hat so einen Magnetismus“). In dieser Konstellation manifestiert sich für mich pointiert überhöht und für den Zuschauer durchaus genüsslich dargestellt ein abgrundtiefes, gesellschaftliches Problem nicht nur in Niederbayern, sondern in ganz Deutschland: die Gleichberechtigung von Mann und Frau – resp. wie weit wir noch davon entfernt sind. Schöner kann man das kaum zeigen. Wobei hier sowohl die Konstruktion durch den Autor als auch die Inszenierung durch den Regisseur mit dem prima Cast, Johanna Bittenbinder als die geerdete, gleichzeitig gern entsetzte Kommissarin und Florian Karlheim als der schwebende Kommissar, „der Straubinger Kasperl“, dieses sinnige Bouquet so rund und dufte machen. Als Hintergrundinfo wäre interessant, was einerseits die Figuren als Rollen beim Polizeidienst verdienen und dann parallel dazu, was die Darsteller der Rollen bei ihrem Brötchengeber, der Roxy-Film im Auftrag des Bayerischen Rundfunks erhalten – ob da wenigstens der Gleichheitsgrundsatz gilt.

Als Tüpfelchen auf diesen Pluspunkten erscheint der Dialekt; der für Puristen in der Zusammenstellung verschiedener bayerischer Idiome in einem Landstrich immer noch problematisch sein dürfte; der jedoch homogener erscheint als in vielen ähnlichen Produktionen, die sich des Modells Bayern im Film bedienen. Grandios die Farbtupfer, die niederbayerische, gewachsene Originaldarsteller beispielsweise bei der Massenbefragung von Männern in den Film tragen.

Ohne viel Federlesens wird der Kriminalfall noch vor dem Titel eingeführt. Ein Arm ragt auf Waldboden ins Bild. Er wird weggezogen. Gruslig, gruslig, ein Auto entfernt sich.

Die klassischen Nachforschungen der Polizei geben dem Film die Möglichkeit, bayerisches Leben zu schildern von der Dorfwirtschaft über den Einsiedlerhof bis zum Rotlicht-Etablissement „Paradies 505“, eingetaucht in die traumhaften, kunstvoll zum schnöden Realismus Distanz haltenden Szenenbilder von Oliver Hoese, dazu Bonmots aus dem Alltag wie „Fango auf Krankenschein“ oder „der schwule Cowboy“ (über Lederer) oder der Chor der Gaffer: „Vier Polizisten gehen eini, ein Tota kimmt ausi“, „Woassd was, gibst mia an Presssack, dann wirst den ganzn Dregg auf oamaoi los“, „Heimat sind Freunde“, „Heimat sind Wurzeln“.

Einzig dem Schluss des Filmes fehlt das Pendant zum prägnanten Anfang, so schön der Chorgesang sein mag; da hätte man inhaltlich vielleicht auf einen Punkt hin arbeiten sollen – statt sich mit drei Leichen zu zerfaseln. Da wechselt die Methode von der Prägnanz des Beginns zum Gemeinschaftstümeln, Ensembletümeln; wäre außerhalb des Filmes sicher angebracht; innerhalb nimmt es dem Film an Greifbarkeit.

Exclusiv im Ersten: Machtlos vor Somalia (TV BR)

Nicht allzu neugierig und keinesfalls selbstreflexiv war das embedded Reporterteam Anna Tillack, Tobias Chmura und Hans Hinterberger, die zwei Wochen für den BR auf der Bundeswehr-Fregatte „Augsburg“, auslaufend von den Seychellen, vor der Küste Somalias mit auf Patrouillenfahrt durften. Entsprechend unergiebig ist ihr Bericht: vor allem Langeweile, Übungen, Sport, enge Kombüsen und Küche schrubben. Als einziger Ernsteinsatz ein Taxiflug für Politiker zwischen Mogadischu und einem portugiesischen Konferenzboot. Sonst müssen die Männer der „Augsburg“ tatenlos zuschauen, wie das von Piraten seit zwei Jahren gekaperte Handelsschiff „Albedo“ mit Mann und Maus und Containern untergeht. Dass dieser Zustand unbefriedigend sei, dieser Message der Bundeswehr leiht dieser Film mit BR-Routine-Sprecherei seine Stimme.

Wer hat Angst vorm weißen Mann (TV ARD)

Der alte Metzger Rissmeier verlässt, gestützt von seiner Tochter und mit einem Stock in der Hand das Krankenhaus. Er hinkt. Später erfährt man, mit seinem Arm sei etwas nicht in Ordnung. Arm oder Bein, das ist hier die Frage.

Der Metzger ist ein grobschlächtiger, dumpfer Bayer, ein Sturbolzen, so uncharmant, wie das dumpfeste Klischee es nicht hergibt. Weil er im Laden ausfällt, hat Tochter Zita den Flüchtling Alpha Makambo aus dem Kongo, genauer gesagt, aus einer Asylunterkunft, engagiert. Der ist ein studierter Ingenieur, scheint aber auch das Metzgerhandwerk perfekt zu beherrschen. Der alte Metzger ist entsetzt. Weißwurst von schwarzen Händen zubereitet, das geht nicht. Und nicht nur für ihn, kann man sich ja denken.

Bei einer von Wolfgang Murnberger, dem Regisseur dieses Filmes, ziemlich flüchtig inszenierten Rangelei zwischen Metzger und Alpha, weil dieser eine Glühbirne ersetzen will, kommt der Metzger zu Tode. Das hat allerdings nicht die geringste kriminalistische Nachfrage zur Folge.

Folge ist der Streit ums Erbe, denn der Metzger hat nicht nur die brave Tochter Zita, sondern auch den bösen Sohn Anton, der mit einer Zwiderwurz von Frau zusammen ist und gierig auf das Erbe. Und der andere Vorstellungen von der Zukunft der Metzgerei hat als Vater und Schwester.

Konflikt liegt in der Luft. Und wie löst die Autorin dieses Filmes, sie heißt Dominque Lorenz, das Problem? Sie lässt den Geist des toten Metzgers sich in einer angesichts der heutigen Möglichkeiten der Computertechnik armselig gelösten Szene aus dem Körper des toten Metzgers entsteigen. Dieser Geist des dumpfen Metzgers wird nun ein guter Engel, der die Konflikte der Hinterlassenen lösen hilft. Der Konflikt ist allerdings ein doppelter, was nie gut ist für eine Geschichte. Einerseits geht es um Rassismus, ein Schwarzer in einem schwarzen bayerischen Dorf. Andererseits geht es um übliche Erbstreitigkeiten, wie sie jedes Bauerntheater kennt. Beides durchaus abendfüllende Konflikte. Frau Lorenz aber traut sich beides zu und glaubt wohl, mit ihrem Kunstgriff der auferstandenen Seele, der Sache zu dienen.

Dazu setzt Frau Lorenz noch voraus, dass alle Afrikaner Voodoo betreiben. Und dadurch in der Lage sind, mit Geistern Verstorbener zu kommunizieren. So wird Alpha zum Medium des Metzgers. Der Schwarze zum Medium des Rassisten, denn auch als guter Engel bleibt der Metzger weiter Rassist: „Alpha tu was, ich bin für die Gleichberechtigung für die Schwarzen und Weißen – in Südafrika“, „Ich bin der Kopf, Du bist der Körper“, „ Alle Menschen sind gleich, nur mit verschiedenen Hautfarben“, setzt den Schwarzen dafür ein, den Hickhack der weißen Geschwister um die Hinterlassenschaft zu klären, seinem Töchterchen zum Recht gegen den hinterhältigen Bruder zu verhelfen: handfester Missbrauch eines Schwarzen aus Afrika durch einen dumpfen Schwarzen aus Bayern. Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

Das erste vernehmbare Wort im Film beim Verlassen der Drehtür durch den Metzger ist übrigens ein Wort mit „Scheiß…“, wobei mir der zweite Wortteil unverständlich geblieben ist. Bis zum glücklichen Ende, nämlich einem gemischt bayerisch-afrikanischen Laden „Alpha bis Zita – Senf und Tamarinde“ wird es noch viele lieblos-routiniert inszenierte Szenen ohne jeden Charme, ohne Warmherzigkeit und strotzend vor Klischees und Auftragserfüllungsschauspielerei geben. Mit ganz wenigen Ausnahmen uninspirierte Für-Geld-Routine-Schauspielerei gegen mutmaßlich begehrenswerte öffentlich-rechtliche Gagen. Murnberger und die BR-Redaktion liessen es geschehen.

Und die Moral von der Geschicht? Von öffentlich-rechtlichem Interesse ist sie nicht. Es sei denn, das Öffentlich-Rechtliche möchte mit Rassismus, Aberglauben und Dummheit in ein Boot sich setzen.

Grosse Oper Verdi (TV BR)

Ein Grafiker, gespielt von Hendrik von Bültzingslöwen, soll überraschend einen angefangenen Text über die Produktion der Oper „Rigoletto“ an der bayerischen Staatsoper fertigstellen. Termindruck der Redaktion, der Chefredakteur, gespielt von Wolfgang Teichmann, macht ihn kurzerhand zum Redakteur. Da sitzt nun der überraschte Grafiker und staunt mit seiner schwarzen Brille, sinniert und hat offensichtlich keine Ahnung von Oper, konfrontiert mit einem überquellenden Schreibtisch, der nach übernächtigter Arbeit aussieht: Imbissreste, Computer und immer mehr Material, Doku-Material, Fotos, Texte, Mitschnitte von den Opernproben, Einblicke in Produktion von Kostüm und Bühnenbild, Interviews mit den Sängern, mit dem Regisseur Árpád Schilling, einem Schauspielregisseur, der das erste Mal große Oper inszeniert und auch anfangs keine Ahnung von Oper hatte, der dem Libretto, also der Geschichte, versucht auf den Grund zu gehen, an ihren Kern zu gelangen. Der Grafiker dringt immer tiefer in die Materie ein – und mit ihm der Zuschauer.

Wie in einem Schnellhefter versammeln in dieser Dokumentation des bayerischen Rundfunks Andreea Varga und Michael Wende um diese kleine Rahmengeschichte herum Momentaufnahmen, Statements, erklärende Animationen, Musikausschnitte des Probenprozesses und der Premiere von Rigoletto im Dezember letzten Jahres. In diesem Bericht, der keine zeitnahe Dokumentation ist, gibt es Kurzinformationen zu Verdi, zum geschichtlichen Hintergrund einzelner Opern, der Gassenhauerqualität mancher Arien, zum modernen Opernverständnis des Staatsopernintendanten Nikolaus Bachler, dem Feuer in der Musik, aber auch über die Befindlichkeit von Sängern, deren langweiliger Alltag, der ständig auf die Stimme achten muss, die Technik des Singens und die Begründung, warum in München Rigoletto ohne Buckel auftreten wird. Vielleicht gab es deshalb den Buhsturm bei der Premiere. Mir jedenfalls hat diese knapp einstündige Spieldoku durchaus Lust gemacht, diese Oper einmal live anzuschauen – sie steht am Samstag 12. Oktober 2013 wieder auf dem Programm der bayerischen Staatsoper in München.

Kinderparadies, Polizeiruf (TV ARD BR)

Andachtsvoller Sonntagabendgottesdienst: Gemeindediakon Matthias Brandt und sein Organist und Kirchenmusiker Leander Haußmann mit Band gestalten mit viel Klampfengezupfe und Chorgesang einen feierlichen Gemeindeabend zur Thematik moderner Kindergartenpädagogik vor der Folie bissiger Kinder und gewaltbereiter Eltern im Kirchsprengel mit der öffentlich-rechtlich-relevanten Forderung: Freiheit und kein Maulkorb für Kinder. Ihrer wird in dieser Feierlichkeit gedacht. Da das Böse im Gottesdienst nicht allzu böse erscheinen soll, wird viel Zeit gefüllt mit süßen Bildern vom Gemeindediakon im Gespräch mit oder auf der Suche nach der kleinen Lara und dem pinken Teddybären. Zum Schluss nimmt der Diakon den bösen Tatmenschen als Opfer rührend-bekümmert in den Arm, „Sie sind ein guter Mensch“ sagt er. Seelsorge-Auftrag erfüllt, Sonntagabend gerettet. Jetzt noch den Maler Raphael dazu geholt für das Bild von der heiligen Familie, das könnte anschließend an die Gläubigen verteilt werden. Redaktion BR: Cornelia Ackers.

Der hier im ersten Abschnitt apostrophierte Diakon ist natürlich kein Diakon, sondern ein regelrechter öffentlich-rechtlicher TV-Ermittler und die kirchliche Beschreibung eine reine Interpretation der Message dieses ARD-BR-Sonntagabend-Krimis, dieses Polizeirufes „Kinderparadies“, der übrigens in einer dem Regisseur Leander Haußmann angemessen eleganten Filmsprache und -ausstattung würdig jeder Hochglanzzeitschrift und mit munterer Spielfreude seiner Darsteller dargeboten wird, was mir alles viel mehr Ausdruck der Bemühung um Originalität denn Ausdruck der Bemühung, eine Geschichte spannend und zwingend zu erzählen, scheint.

Die „Was is’n hier los?“-Frage, Indiz für nicht allzu gründliche Drehbucharbeit, gleich zweimal in der ersten Phase des Filmes. Für das Drehbuch zeichnen Daniel Nocke und Leander Haußmann, der als Regisseur seine Schauspieler unabhängig von der Drehbuchsituation möglichst emotional aufspielen lässt, gerne tränenreiche Bekenntnisse von Gemeindemitgliedern und gerne auch im Modus des Schnellsprech, den der Kommissar vorgibt. Sie drehen prächtig auf, als gehe es darum zu zeigen, wie prima sie das können, wie emotional deutsche Fernsehschauspieler sein können, vielleicht auch um die Dürftigkeit der Geschichte zu überspielen, denn leider haben die Figuren keine Geschichte. Vielleicht dient dieser Schauspieleffort aber auch dazu, ein möglicherweise etwas abgestandenes Genre aufzumotzen, von der inneren Leere abzulenken.

Es geht um einen Todesfall. Eine Frau ist überfahren worden. Dem ging ein Streit mit einem Mann voraus. Die Szene des aufzuklärenden Verbrechens selbst wird in Abständen mit häppchenweisen Ergänzungen immer wieder eingespielt. Ein Babyphon am Tatort führt den Kommissar wie von Gottes Hand gelenkt zum Haus mit dem Baby und dort zu diesem und damit zur Kindergartenproblematik. Nachdem der Kommissar das Babyphon sorgfältig auf einem zu vermutenden Regal abgelegt hat, nimmt er das Baby in den Arm und fängt an zu singen „Heile Heile…“ und die Spurensicherung singt mit.

Eigentümlichkeiten: Kommissar telefoniert mit in Plastik eingepacktem Asservaten-Handy. Unbekannt wirft roten Ballon ins Bild, wenn der Kommissar mit dem Vater spricht.

Genre: Patchwork-Movie; wirkt wie ein bunter Wandbehang, den eine Kindergärtnerin aus verschiedenen Sujets aus dem Leben der Kleinen gebastelt hat; auch der schwarze Mann fehlt nicht oder die Kindergärtnerin, die alle Bälle aus einem Plastikbehältnis fallen lässt und dann selbst umkippt, denn sie verträgt Soja-Milch nicht; der Kommissar, der draußen mit der Chinesin chinesisch tanzt; diese wiederum hat Angst vor der Polizeimarke oder der Gag im Supermarkt mit der verzögert einstürzenden Konservendosenpyramide – dem Kommissar steht die genervte Ungeduld, ob das im verabredeten Timing passiert, ins Gesicht geschrieben; und immer wieder der Kommissar mit dem Kleinkind und dem Teddy oder es wird als Joke die Verwechslung von Gerichtsmedizin und Gesichtsmedizin an den Wandbehang wie ein Merkzettel angeheftet oder auffallender Schick und Ähnlichkeit von blutenden Stirnwunden; und viele, viele Luftballons; diese vielen, netten, oft geschmackvollen Bilder scheinen die Kamera auf der Suche nach der Geschichte allerdings ziemlich zu irritieren, so dass sie ständig in nervöser Bewegung ist.

Wobei das soziale Thema moderne Kindergartenpädagogik nur in wenigen Stichpunkten anlässlich der Elternversammlung erwähnt wir, denn auch hier wird lieber gesungen als den Dingen auf den Grund gegangen. Wäre ja sonst vielleicht ein interessanter Kontrapunkt zum Thema Waldorfpädagogik, die der BR in einer spannenden Langzeitdoku von Maria Knilli behandelt, der zweite Teil „Eine Brücke in die Welt“ hat der BR vor etwa 10 Tagen gezeigt. Aber vielleicht ging es doch mehr um die Gewalt von Eltern, die einen so modernen Kindergarten betreiben, der sogar Shakespeare als Puppentheater im Lehrstoff hat.

Substanzgehalt im Sinne des öffentlichen Rundfunkauftrages: die Info, dass es bissige Kinder gibt, dass es Eltern gibt, die sich um eine moderne Pädagogik bemühen und dass es öffentlich-rechtliche Fernsehkommissare gibt, die vom Seelsorge-Kümmerer-Duktus übermannt werden und sich von Kindern und Teddybären von ihrem Job abhalten lassen und vielleicht noch, dass es Leute gibt, die Krimi mit atemloser Lifestyle-Präsentation und Gesinge und Gitarrengeklimpere verwechseln. Oder ist die bewusste Hauptthese des Filmes doch eher die, dass gewalttätige Menschen dazu neigen, freie Kindergärten aufzubauen und zu betreiben und dass sie trotzdem gute Menschen sind? Wäre doch etwas dünn hinsichtlich eines öffentlichen-rechtlichen Auftrages.

Nach einer Stunde wird der Tathergang aufgelöst.
Jetzt checkt’s auch der Kommissar, sagt „Scheiße“ und muss Joachim suchen, „ich nehm die Verhaftung selber vor, er ist zwar ein armes Würstchen aber auch ein netter Kerl“.

Pastorale Abschlussworte des Kommissars: „Man muss sich daran gewöhnen, die Trauer ist wie eine zugelaufene Katze…“ – im Hintergrund die bayerische Staatsoper.

Der Kommissar/Diakon mit der pedantischen Schnellsprechmanie, mit der er uns weismachen möchte, dass er eine schnelle Auffassungs- gleich Formulierungsgabe habe. Aber das süffisante Lächeln ab und an erzählt uns auch von einem tiefen Zwiespalt, es erzählt, dass solches Talent als Fernsehkommissar eigentlich vergeudet sei; und in der Tat würde er mit seiner Schnellauffassungs-, Schnellformulierungs- und Schnellsprechgabe als Anwalt bestimmt wirtschaftlich deutlich besser dastehen denn als Rundfunkkommissar in öffentlichem Auftrag.

Und wenn den Hauptdarsteller zu viele Aufzählungsdetails im Text nerven, so greift er zum laienhaft-dilettantischen „Pipao“: „..Kulturbeutel, pipapo“. Oder war es wirklich das Drehbuch?

Alles Schwindel (TV, ARD)

Albert Wolf ist Museumswächter in Wien. Er langweilt sich in seinem Job und fängt an zu zeichnen. Er entdeckt sein Talent. Er fängt an Bilder aus dem Museum zu kopieren. Mit einem Kollegen macht er die Kunstwerke zu Geld, um sich eine schöne Wohnung und seiner Tochter eine erstklassige Ausbildung zu leisten. Er hat von Klimt den „Kuss“ kopiert und hängt die Kopie in das Museum, während er das Original in seinem Schlafzimmer hinter einem Vorhang verbirgt. Jetzt plant er mit dem Kollegen den Diebstahl seiner Kopie aus dem Museum. – Das, also wie aus einem unbescholtenen Biedermann ein Krimineller wird, könnte eine spannende Geschichte sein. Aber die Autoren Uli Brée, Gabriel Castaneda, Rupert Henning bringen diese Geschichte nur als extraterritorialen Beipackzettel in ihrem Drehbuch unter in Form von Sprechtexten der Darsteller und nicht filmisch spannend aus dem Charakter der Hauptfigur entwickelt. Das Skelett dieses Filmes, ohne welches er wohl in sich zusammenbrechen würde, als Exoskelett, als Fussnote reingeschmuggelt.

Im Falle von Albert Wolf (Figurcharakteristikum: fataler Hang zu Herzinfarkten), wird dieses grundlegende Defizit des Drehbuches allerdings einigermaßen aufgewogen durch die Besetzung mit Udo Samel und seiner runden, rundlichen Darstellung, in jeder Sekunde stimmig und glaubwürdig. Auch ist er ein guter Gauner, denn er tut es für seine Tochter Isabella gespielt von Ursula Strauss, die es mit der Schönheit der Klimtfrau aus dem „Kuss“ spielend aufnimmt. Ihr Charakteristikum ist ein Dauerniesen wegen ihres Mohair-Schals. Sie scheint dabei zu sein, in Paris eine wichtige Modedesignerin zu werden, die bald ihre eigene Linie auf den Markt werfen wird, auch letzteres lediglich Erklär-Info.

Allerdings wiederholen die Autoren ihren gravierenden Konstruktionsfehler bei der zweiten Hauptfigur, welche als solche schon problematisch ist, denn zwei Hauptfiguren erträgt kaum ein Film, hier aber vermutlich nicht direkt den Autoren, sondern dem Koproduktionsmodell von ORF und ARD geschuldet und also mit einem deutschen Schauspieler besetzt, der vom Outfit her gestylt ist wie Prinz Charles und ein farb- und makelloses Hochdeutsch spricht adäquat der Langweiligkeit des britischen Prinzen. Das Drehbuchdefizit wiederholt sich, indem auch hier die Vorgeschichte im Beipackzettel serviert wird: der Adlige ist geschäftlich eine Niete (wo er ein Ass sein könnte bleibt im Dunkeln), die Schreibmaschinenproduktion und sein Schloss sind hoch verschuldet. Benno Fürmann allerdings, der mit dieser Rolle des Grafen Leopold von Hohensinn betraut worden ist, vermag es nicht, die Drehbuch- (und später sicher auch: Regie)defizite zu kompensieren, da helfen auch Ansätze von gekünsteltem Stottern nicht; er spielt anfangs primär im Untertext: ich bin der Star. Das verwässert sich zusehends in Möchte-Gern-Lustig-Kollisions- und Einbruchsszenen in der Art von schlecht geprobtem Kindertheater ohne jeden Aussagewert im Sinne des öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrags.

Die Rekonstruktion der Geschichte, ausgehend von Albert Wolf, würde also so weitergehen, dass der Diebstahl des Klimt-Gemäldes Schlagzeilen macht und dem hochverschuldeten Leopold wie ein Geschenk des Himmels erscheint: denn mit der Versicherungssumme in dreistelliger Millionenhöhe wären alle seine wirtschaftlichen Probleme gelöst und er könnt vom mühsamen Konstrukt der Adaption eines zwielichtigen Russen als Adoptivsohn zurücktreten, welches einer der Anfänge des Filmes aus heiterem Himmel ist. Im Film ist die Figur Leopold sogar so dumm (und dumme Figuren sind selten attraktiv in Filmen), dass er den Rücktritt von der Adoption gleich vollzieht ohne sich über die Details des Versicherungsgeldes kundig zu machen. Wieso dem so ist, dass das Bild nämlich eine Dauerleihgabe der adligen Familie an das Museum ist, auch diese extraterritoriale Geschichte entnehme der Zuschauer bittschön einem der anstelle von Spielhandlung inkludierten Beipackzettel-Dialoge.

Von der Aufgabe einer Rekonstruktion der Geschichte durch den Zuschauer muss insofern gesprochen werden, als die Autoren den Strang mit Leopold, der in der ersten Geschichte ja erst in dem Moment akut wird, wo der Diebstahl des Gemäldes publik wird, diese zweite Geschichte schon viel früher dem Fernsehmodus der Kurzatmigkeit und des Asthmas huldigend in den Film einfädeln. Die Chance, die zweite Geschichte und deren Verwicklung in die erste elegant wie ein Stoß mit einer Billardkugel in Gang zu setzen, wird hier vertan.

In die erste Geschichte ist also die hübsche junge Frau eingebaut und in die zweite ein Tunichtsgut von halbjungem Adligem. Logisch, dass die junge hübsche Frau und der Adelige Tunichtgut bald schon zusammenprallen müssen – und das ist vorhersehbar inszeniert, ohne Witz, ohne Überraschung.

Haben die Autoren nun schon geworgt und gebogen, dass die Balken ächzen, um den Plot ohne klar Hauptfigur zusammenzustöpseln und mit dem einen oder anderen gut gemeinten Joke anzureichern, so wird die Regie von Wolfgang Murnberger vollends zum Drama, a) weil ihm die Produzenten zu wenig Drehzeit und also Geld eingeräumt zu haben scheinen, damit er sorgfältig inszenieren kann oder b) weil es ihn schlicht nicht interessiert hat und das schmerzt hinsichtlich des guten Namens, den er sich mit „Silentium“ oder „Der Knochenmann“ gemacht hat, außerordentlich. Hier ist alles nur Routine, schnelle, lieblose Routine. Die Schauspielerei wie Kasperltheater beim Einsteigen ins Schloss oder beim Bruch in die Wohnung von Wolf durch Leopold mit Kletterseil umgebunden rittlings in die Badewanne kippend.

Das wird fernsehgerecht – also nicht spannungserzeugend, sondern Auge und Geist lediglich beschäftigungstherapeutisch in Beschlag nehmend, damit der Geist aus dem Stückwerk von Szenen wenigstens ein Sachverhaltsskelett nachbauen kann, zubereitet; der Zuschauer solchermaßen abgelenkt, wird um den Genuss der Zwickmühlen der Figuren innerhalb ihrer schwindligen Lebensentwürfe und Taten, ihrer Tricksereien gebracht. Der Zuschauer wird lediglich rekonstruktiv beschäftigt statt erkenntnisgewinnend durch Überraschungen.
Der Titel allerdings, der stimmt durchaus und sowieso für den Charme des Österreichischen, in welchem das kalte Hochdeutsch von Graf Leopold besonders uncharmant wirkt.

Um abzulenken von den Schwächen von Drehbuch und Regie darf die dekorative Zutat zum untauglichen Fürstensohn, dessen demente Mutter Gloria, Bibiane Zeller, immer wieder TV-Werbung schauen, vom Zyklon-Staubsauger über die Bauchmuskelwerbung bis zur Kreuzworträtselfrage „prominenter Deutscher mit 9 Buchstaben“, fernsehtechnisch gesehen steckt dahinter vermutlich satirische Absicht.