Archiv für die Kategorie: “TV”

Zupacken.

Ihr Vater wollte einen Sohn. So hat Jutta Speidel das Zupacken gelernt. So hat sie auch im Umgang mit Männern sich durchgesetzt. Keiner ihrer Gatten wollte nach München. Die Beziehungen sind wieder auseinandergegangen. Eine Freundin meint, dass Männer Angst vor iherer Stärke haben.

Und so wie Jutta Speidel bei der Entwicklung einer ihrer größten Erfolgsrollen am Fernsehen, der Schwester Lotte in Um Himmels Willen, von Anfang an mitgewirkt hat, so dürfte sie die Chance zu einem Lebenslinien-Porträt vom ersten Gespräch an genutzt zu haben, um das Format ohen Federlesens ihrem wichtigsten Projekt Horizont e.V. unterzuordnen. In Andi Niessner hat sie für diese Lebenslinien einen angenehmen Strohmann gefunden, der seinen Namen für Buch und Regie gegeben hat.

(Wie es bei Um Himmels Willen nicht mehr nach ihren Ideen ging, die Serie immer mehr von der Nonnen- zur Bürgermeisterserie sich wandelte, ist sie ausgestiegen).

Der Film trägt, besonders, wenn man mit dem Gesülze und PR-Getue anderer Folgen des Formats vergleicht, ganz klar die Handschrift von Jutta Speidel. Die sonst eher peinlichen Routinen aus dem Format, den Besuch bei alten Wirkungs-, Schul- und Wohnstätten, hakt sie kurz und schmerzlos ab. Immer wieder geht es um Horizont. Ein Projekt, das sie von sich aus gestemmt hat, das anfangs ein Ding der Unmöglichkeit schien.

Auch als Künstlerin managt sie sich selbst. So sind durch ihr Zutun – ein bisschen was über ihre schilldernde Karriere erfährt man auch – mit von den spannendsten Lebenslinien eines Promis geworden, die ihr soziales Projekt uneitel in den Mittelpunkt stellen. Das Format hat sie in ihrem Sinne verformt. So wie sie schon eine ihrer ersten Komparsenrollen nutzte, um gesehen, bemerkt und entdeckt zu werden, so nutzt sie dieses Lebenslinien für ihr soziales Engagement.

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Hochsensibel erzählte Geschichte einer Chinesin, die am Lido von Venedig ausgebeutet wird. Hier geht’s zum Arte-Link, also zum Film, der hier bis 31. März verfügbar sein wird. Und hier zur Review von stefe.

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Salsa und Gewalt.

‚Schuld‘ ist der Titel dieses unterhaltsamen Wien-Krimis von 2012 mit der unwiderstehlichen Charmebolzen-Kommissarin Angelika Schnell (Ursula Strauss). Sie ist selbst von Schuld geplagt wegen einem Schießvorfall in der Remise. Wobei das ein Nebenthema ist, das dafür sorgt, dass die Routinen innerhalb der Polizeiinspektion aufgeschreckt werden.

Das Hauptaugenmerk wirft der Krimi jedoch auf das Thema „Gewalt gegen Frauen“.

Die Krimihandlung, die Aufklärung des gewaltsamen Todes einer jungen Architektin, führt durch verschiedene Bereiche, die sich damit befassen: Forscher, Autoren, Referenten, Anti-Gewalt-Trainings, Guatemala ist durch eine ehemaliges Opfer prominent vertreten; aber Gewalt gegen Frauen kann es auch in besten Wiener Familien geben.

Der Krimi nach dem Buch von Verena Kurth und in der Regie von Michi Riehl zeichnet sich aus durch spritzige Dialoge, gelungene Typen in der Besetzung und Ursula Strauss wirkt in ihrer einmalig unverkrampften Art wie eine Moderatorin, die auf bestens genießbare Weise ein schweres Thema uns vor Augen führt.

Mit dieser Folge aus der Reihe „Schnell ermittelt“ beginnt der BR diesen Freitag eine Reihe von 14 Freitag-Abenden, jeweils um 20.15 Uhr, mit Schnell-Krimis, auf die sich der Zwangsgebührenzahler freuen darf.

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Wozu braucht eine so allseits durchgenudelte öffentliche Person wie Sepp Maier noch eine Lebenslinien-Sendung? Steckt der Promi in finanziellen Nöten? Braucht er PR, um seinen Marktwert zu steigern?

Man wird immer skeptischer diesem BR-Format gegenüber. Immer häufiger verkümmert es zur reinen Werbehilfe für Leute, die von ihrem Öffentlichkeitsimage leben, reduziert sich zum Kommerzsubstrat, was in einem mit Zwangsgebührengeldern finanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk nichts zu suchen hat, sondern antidemokratisch wirkt, indem es Menschen, die eh schon gut als wandelnde Litfaßsäulen (ihrer selbst oder als Markenbotschafter) leben, das Geld für die an sich irre teure Fernsehwerbung erspart, ja sie sogar dafür vergütet.

Die Zwangsgebührenzahler sind dabei die doppelt Gelackmeierten: erstens über die Zwangsgebühr und zweitens, falls sie von den Protagonisten beworbene Produkte kaufen, müssen sie da nochmal für die Werbung bezahlen. Das ist ein irrer Vorgang, der jedem demokratischen Denken spottet. Abschreckende Beispiele aus jüngster Vergangenheit: Kreuzer trifft Magdalena Neuner oder Lebenslinien: Rosi Mittermaier- Christian Neureuther – Gold in der Kombination.

Solch unbedarft lahme Denkmallecker-Lebenslinien wie diese von Angelika Lizius unter der mümmeligen Redaktion von Christiane von Hahn und Martin Kowalczyk braucht kein Mensch und schon gar nicht mit Kommentaren von Uli Hoeneß, von Oliver Kahn oder ähnlich ausgeleierten Denkmal-Promis.

Wobei die historischen Aufnahmen wie immer ihren Reiz haben.

Und dann noch Werbung für die FC-Bayern-Erlebniswelt und sowieso für die Geldmaschine FC Bayern. Fette Hiscox-Werbung im Sepp seiner Tennishalle in Anzing. Und kein Wort über seine Talk-Show-Auftritte.

Vollends ungenießbar wird die Sendung für die Ohren dank einer Sprecherinnenstimme wie aus dem Sterilraum.

Es ist in keiner Weise nachvollziehbar, was solche belanglosen Sendung noch in einem unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu suchen haben, insbesondere, da dessen Intendanten laut jammern, sie bräuchten mehr Geld: dass sie weiter solche leicht und ohne jeden Schaden für die Demokratie verzichtbaren Sendung produzieren, beweist, dass sie Fehlbesetzungen in ihren gülden vergüteten Jobs sind – in diesem Falle Ulrich Wilhelm (jawohl, der mit dem Kanzlerinnengehalt!). Aber vielleicht hilft ihm ja Formulierungsnanny Wehling mit ihrem Framing Manual sich gegen solche Kritik zu wehren.

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Pissoir-Tatort oder die rasenden Kommissare aus Franken.

Dieser Tatort fängt mit einer Männerklo-Pissoir-Szene an. Diese Szene hat keinerlei Bedeutung für die Geschichte.

Ein Mann kommt aus eine Klozelle, er hinkt leicht, ist ein Uniformierter, er will sich entfernen, bleibt kurz stehen, horcht und fragt in Richtung verschlossener Klotür, ob alles in Ordnung sein. Jetzt begibt sich die Kamera in die bewusste Zelle, kniet sich frontal einem älteren, sitzenden Herren gegenüber, der an Krämpfen zu leiden scheint. Das sieht der Herr draußen nicht. Vielleicht geht es in diesem Tatort um Nierensteine, Klo- und Pissoirhygiene oder es wird ein Prostatafilm.

Oder Drehbuchautor Erol Yesilkaya und Regisseur Sebastian Marka wollen den Zuschauer erst mal verarschen, indem sie nicht mal die Richtung oder das Thema ihres Falles verraten wollen. Ihre Geschichte soll ein großes Geheimnis bleiben – vorerst. Sie müssen vielleicht Sendezeit schinden, weil ihre Geschichte zu dünn ist.

Es folgt eine merkwürdig theatralische Gerichtsszene mit der regelrechten Exekution eines Prozessteilnehmers. Der Zuschauer versteht nur Bahnhof. Immer noch wollen die Autoren dem Zuschauer nicht den geringsten Hinweis auf das Thema ihres Krimis geben.

Dann schauen die Tatortmacher in der Polizeikantine vorbei. Hier sitzen die Franken-Tatort-Kommissare mit anderen, üben sich in Smalltalk, auch über das Thema Small-Talk reden sie.

Dazwischen gibt es Impressionen aus einer Molkerei, wie Milch homogenisiert wird. Anhand einer Milchtüte reden die Kommissare über homogenisierte Milch. Aber auf keinen Fall so, dass der Zuschauer auf die Idee käme, das könnte das Thema des Krimis werden.

Vielleicht ist dem Autor aufgefallen, dass das alles nicht zielführend ist und kaum Zuschauer fesseln dürfte, da sie im Unklaren gelassen werden, worum es geht.

Nächster Versuch, das Thema noch im Dunkeln zu lassen. Der erste Mord passiert genau um 14 Uhr. Und so wie ihn der Zuschauer gesehen hat, werden ihn und die Kommissare noch weitere, Schlag-x-Uhr-Morde erwarten.

Die Kommissare müssen über Psy-Fähigkeiten verfügen. Denn der nächste Mord passiert um 15 Uhr. Immerhin ist dem Zuschauer jetzt klar, dass alle Stunde ein Mord passiert. Aber ein Thema und der Grund für diese Systematik sind immer noch nicht erkennbar.

Wie aber die zwei Kommissare in Blitzgeschwindigkeit zum ersten Tatort gelangen (vom Polizeipräsidium zum Gericht), dort ihre Befragungen vornehmen, die Spuren lesen und wie sie, da um 15 Uhr der nächste Mord passiert, offenbar blitzschnell vom Gericht zur Uniklinik rasen und was sie sich in der Zeit schon alles an Informationen holen, das ist schon irre. Irre Kommissare. Comicreif.

Derweil der Täter in der Taxe auf dem Weg zum Grünen Hügel ist und eine ulkige Szene mit einem Taxler hinlegt. Die Kommissare haben jetzt schon eine Menge recherchiert in der kurzen Zeit, haben den zweiten Tatort untersucht und können schon hochrechnen, wo der nächste Mord um Punkt 16 stattfinden wird.

Was die in einer Stunde alles machen (und in Thurnau schauen sie auch noch vorbei zwischendrin), so schnell kann keine Polizei der Welt sein. Die Frankenkommissare als die schnellsten der Welt, schneller als Erkenntnise realistischerweise zu sammeln sind. So etwas könnte vielleicht einem Hans-Guck-in-die-Luft wiederfahren.

Wie sie losfahren, am Grünen Hügel ankommen, ein simples Absperrgitter nicht einfach beiseite schieben und zu Fuß bis zum vollkommen unbewachten Festspielhaus gelangen – also ganz entgegen der allgemeinen Lebenserfahrung mit der heutigen Sicherheitshysterie – , sich hier noch die nötigen Informationen holen, das alles wiederum innert einer Stunde, das übersteigt jede Lebenserfahrung, Kommissare, die innert zwei Stunden drei Tatorte aufsuchen, untersuchen und die Resultate auch noch auswerten, so dass sie den nächsten Tatort vorhersagen können. Richtige Blitzteufelchen sind das.

Und wir wissen immer noch nicht, worum es geht in diesem Tatort.

Erst nach etwa einer Stunde – gefühlte vier – konstruiert sich allmählich ein Fall zusammen.

Es kommt dann auch die einzig spannende Figur des Krimis ins Spiel, die sich allmählich als das Hirn hinter der Sache entpuppt, Stephan Großmann als Martin Kessler und wie er auf einer persönlichen Begegnung mit seinem Gegner Koch (Jürgen Tarrach) besteht. Eine Erpressergeschichte, die kurzfristig etwas Zug in die hirnrissig verschwurbelte Geschichte bringt, in der häppchenweise mit nicht als solchen gekennzeichneten Rückblenden Hinweise zum Fall gegeben werden, für die Superschlauen aus den Tatortratern.

Die Begegnung selbst verläuft allerdings enttäuschend, was die Dialoge betrifft, da hätte der Autor sein Hirn schon etwas mehr anstrengen dürfen. Und auch Tarrach scheint sich mit Rollenvorbereitung nicht überanstrengt zu haben.

Vermutlich war die verantwortliche Zwangsgbührentreuhänderin Stephanie Heckner, also die zuständige BR-Redakteurin, gerade im Winterschlaf und hatte keine Stellvertretung, so dass das Drehbuch unbesehen in die nicht überbegabten Regiehände gelegt wurde, mit einem Cast, der selbst nicht allzuviel verstanden haben dürfte und über Routineacting nicht hinausgekommt.

Immerhin darf die Kommissarin jetzt mal richtig auf Menschen schießen.

Dieser Tatort ist ein überzeugendes Plädoyer für die Absetzung der Tatort-Reihe, wenn sie nicht mal in der Lage sind, eine Geschichte mit einem an sich spannenden Haupttäter auch spannend zu erzählen. Sondern mit einer Pisssoirzene anfangen und damit das Niveau vorgeben.

Statt dass der Fall klar geschildert wird und sich der Zuschauer so für den Täter und seinen Konflikt interessieren darf, soll er lediglich herausfinden, was für ein Fall überhaupt geschildert werden soll. Der Zuschauer wird zum Ratedeppen reduziert, fröhliches Thema- und Fallraten, und an der Nase herumgeführt.

Das Urmenschliche hinter der Sache – und insofern die Relation zur Demokratie und damit auch zum Grundauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – wird ihm vorenthalten. So besehen hat ein solcher Tatort rein gar nichts in einem öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu suchen, Privatsender, die Rätselsendungen favorisieren, reichen vollkommen aus, falls es denn solche überhaupt gibt, die sich von so miserablem Erzählhandwerk etwas versprechen.

Mit solchen Tatorten erweist sich die Forderung des BR-Intendanten (jawohl, der mit dem Kanzlerinnengehalt!) nach Erhöhung der Haushaltszwangsgebühr als haltlos und er auf seinem Chefsessel als überfordert. Aber die ARD hat dank solcher Intendanten anderes zu tun: sie verpflichtet für 120 000 Euro eine Formulierungsnanny (Frau Wehling mit ihrem Framing Manual), damit sie ein solches Schwachprodukt wie diesen Tatort womöglich als eines „unseres freien, gemeinsamen Rundfunks“ ausgeben kann.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Nur schönes Wetter und glückliche Gäste.

Dazwischen gestreut werden alte Fotos und Filmaufnahmen vom Traditionsgasthaus Zirmerhof in Südtirol , über den Jens Meurer unter der gähnenden Obhut der Zwangsgebührentreuhänder und BR-Redakteure Matthias Leybrand und Carlos Gerstenhauer dieses eher unbedarfte Werbefilmchen gemacht hat.

Für eine spannende Dokumentation reicht es nicht. Die Werbefotografie auf der Website des Hotels ist deutlich geleckter.

Der dokumentarische Ansatz von Meurer ist für ein öffentlich-rechtliches Fernsehen zu dürftig, wirkt tendenziell laienhaft. Er kennt den Hof von Kindheit an. Und dass er jetzt einen Werbefilm fürs Fernsehen dreht, widerspricht eklatant der im Film verbreiteten Philosophie des alten, 2014 verstorbenen Wirtes, dass der Hof ein ganz spezieller, auch geistiger Ort sein soll.

Dieser Werbefilm zielt auf die Masse, auf den Umsatz, aufs Legendbuilding, auf das Branding. Er wirbt mit der Geschichte des Gasthofes, mit berühmten Gästen, die hier waren, mit einigen Besonderheiten, wie dem gemeinsamen Essen der Gäste.

Dieser Imagefilm ist der letzte Beweis, dass der Hof genau dort gelandet ist, wo er nie hinwollte: im Effizienzdenken, im Anstreben von Bekanntheit und Ruhm und dem Geschäft damit.

Sollte der Film – und das sollte er auf jeden Fall, wenn er für das öffentlich-rechtliche Fernsehen gedreht wird – mehr sein als nur ein reiner Werbefilm, so müsste der Dokumentarist zumindest auch auf die Wechselwirkung des Hofes mit der Talschaft eingehen, sollte wenigstens ein einigermaßen nachvollziehbares Bild des Hofes herstellen; man möchte auch etwas über die Wirtschaftlichkeit erfahren, mehr jedenfalls als nur zu hören, dass im Sommer die Saison ist und dass im Winter und im Frühjahr umgebaut und gewerkelt wird.

Man möchte mehr hören als nur zugeneigte Komplimente und Statements von Gästen, man möchte auch über die Verteilung des Erbes etwas erfahren, wie das Personal untergebracht ist, was mit dem Hornvieh ist.

Man möchte nicht überschüttet werden mit einem wilden, unkontrollierten Mix aus heutigen Statements und einer ewigen Hin- und Herhupferei in der Geschichte der 5 Generationen, die den Hof bis heute führen.

Wenn so ein Film im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt wird gegen Zwangsgebührengeld, so erwarte ich wenigstens einen kompetenten, dokumentarischen Ansatz. Ein solcher ist hier nicht erkennbar. Der Dokumentarist wühlt sich durch sein Material wie ein Kuh durchs Gras auf der Weide. Sind die entscheidenden Redakteure in dem Hof zu Gast gewesen, auf ein Gläschen Wein und haben dann die Gelder für den Dreh freigegeben? Solche Fragen stellen sich inzwischen immer häufiger bei Produktionen des BR, immer häufiger versteckt sich die PR-Attitüde kaum mehr, wird immer unverhohlener.

So richtig nachvollziehbar ist die Entscheidung der Zwangsgebührentreuhänder Matthias Leybrand und Carlos Gerstenhauer nicht, einen solchen Werbefilm für ein privates Hotel aus Zwangsgebührengeldern zu finanzieren. Für ein Hotel, das für die Oberschicht ist, für Professoren, Anwälte, Bundespräsidenten, Autoren. Ein Hotel, das sich die einkommensschwachen Haushalte, die sich die Rundfunkzwangsgebühr vom kleinen Haushaltbudget absparen müssen, nie leisten können. Aber für einen Werbefilm für so ein Hotel sollen sie blechen. Nein, mit solchen Produktionen untergräbt auch der Chef des BR, Ulrich Wilhelm (jawohl, der mit dem Kanzlerinnengehalt!) seine dreiste Forderung nach einer Erhöhung der Zwangsgebühr, die in keiner Weise berechtigt ist. Diese seine Forderung, auch jene nach der automatischen Zwangsgebührenerhöhung nach dem Indexmodell, verliert mit solchen Produktionen das letzte Stück Glaubwürdigkeit. Und mit dem Framing Manual der superteuren Frau Elisabeth Wehling (über 1000 Euro pro Gutachterseite!) lässt sich das auch nicht schönreden; solches ist nicht „unser freier, gemeinsamer Rundfunk“.

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Kreativität eine Modemachers mit jedem Atemzug. Siehe stefes Review.
(Koinzidenz: Heute die Todesnachricht von Karl Lagerfeld).

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Verhunzt und verhackstückt.

Einen dokumentarischen Mampf-Ansatz aus Promi-Absonderungen, aus historischem Quasselmaterial, aus zugeschwätzten Filmausschnitten von Valentin, aus Gebastele mit Filmprojektionen auf Münchner Häuser, aus wenig nachvollziehbaren Drohnenflügen, aus amtsmüder Sprecherstimme, aus Kabarettisten, die aus Valentins Büchern zu lesen versuchen, aus Schauspielernachwuchs unter Verwirrleitung eines schwatzhaften Dozenten mutet uns der BR unter Zwangsgebührentreuhänder Armin Kratzert und Mixed-Pickles-Buch und Regie von Andreas Ammer zu.

Schon klar, um Valentin ist nicht herumzukommen. Aber sonderbetreutes Valentinschauen brauchen wir grad gar nicht, erst recht nicht, wenn er so zerfetzt und zugekleistert wird. Jedem Münchner seinen Valentin. Kein Show- und Fernseh-Promi oder sonstwie Fachmann bleibt davon unbeleckt, und wenn es bei Senta Berger ihre Schwiegermutter ist, die Liesl Karstadt sehr gut kannte (eine Information, die jeden Zwangsgebührencent wert ist und die Valentinforschung revolutioniert; diese muss dringend um ein Kapitel „Senta Bergers Schwiegermutter kannte Liesl Karlstadt“ erweitert werden, denn von dieser, Doris Kiesow, wird kolportiert, ihre Komik sei eher unfreiwilliger Natur gewesen). So lebt Karl Valentin fort, wie Christian Springer am Schluss gerührt meint. Springer erzählt eine Anekdote, wie Valentin die Bühnengefahr in der Nazizeit darstellt: er und die Liesl kommen unterm Vorhang auf allen Vieren hervorgekrochen. Sie fragen sich, warum sie nicht aufstehen. Es sei viel zu glatt, befinden sie.

Für den BR ist „die große Frage, ob Karl Valentin lustig war“. Dass der BR nicht lustig ist, das verbürgt er mit dieser Sendung zweifellos. Aber was sie mehr sein soll als müder Kuddelduddelmuddeldu aus Promistatements mit langem Bart – das kann uns der BR nicht plausibel machen.

Nach Karl-Valentin-Logik wäre das Problem mit der Rundfunkfinanzierung mittels Zwangsgebühr ganz einfach zu lösen: ausgehend vom Theaterzwang, der dazu führt, dass es für jeden Zuschauer ein Theater braucht, könnte es ja den Rundfunkzwang geben, indem jeder Zwangsbeitragszahler für 17.50 Euro pro Monat sich seinen eigenen Rundfunk bastelt. Dann bliebe uns solch saublöder, elendiglicher Batz wie diese Sendung über Karl Valentin erspart. Dann würde in meinem Rundfunk nur noch Karl Valentin pur laufen und nicht so versaubeutelt wie hier.

Auch diese Sendung ist ein einwandfreier Beleg für Einsparpotential beim BR, so dass dessen Chef Wilhelm (jawohl, der mit dem Kanzlerinnengehalt!) nicht noch dreist und unverschämt nach Zwangsgebührenerhöhung schreien muss.

Und wer hätte das gedacht, dass Karl Valentin am Anfang, als er angefangen hat, noch überhaupt nicht bekannt war. Um das zu erfahren, muss man erst mal zünftig Zwangsgebührengelder blechen oder für den bedeutenden Satz „Fern von München steht man bisweilen etwas ratlos vor den Relikten einer Künstlerexistenz aus einer fernen Zeit und einem fernen Raum.“

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Mit der Lektüre des Wikipedia-Eintrages Bavaria Film erfährt man deutlich mehr, als in der hier zu besprechenden dreiviertelstündigen schnell-schnell Üblich-Doku in einem Mix aus Archiv-Footage und Statements (Buch und Regie: Katharina Schicking unter der Aufsicht von Zwangsgebührentreuhänder Armin Kratzert (BR), Ute Hoffrath (SWR), Monika Phol (WDR).

Handgelenk-mal-Pi-Doku mit Highlight-Hopping bei geistigem Dünnfluss. Nicht als spannende Geschichte, die es zweifellos ist, erzählt. Es ist ein billiges Durchhüpfen durch die Chronik.

Figuren tauchen auf, von denen man sich wundert, dass sie noch existieren: Mario Adorf, Liselotte Pulver, Iris Berben, Senta Berger und Michael Verhoeven, was tun die heute noch bei diesen gloriosen Vergangenheiten, die sind doch nur noch Schatten ihrer eigenen Geschichte, vom Wind der Kinogeschichte ins Fernsehen oder ins Subventionskino verweht, die meisten zu Zwangsgebühren-Pfründenstars geworden (Mario Adorf hat offenbar als Bedingung gestellt, wenn er schon Statements abgibt, dann nur in Großaufnahme).

Spannend erzählt hieße, sich in die Situation des Studios hineinversetzen, denn das wusste oft nicht, wie und ob es weitergeht. Das wäre anstrengende Recherche- und Drehbucharbeit, die bei dem Sparzwang der Sender nicht entlohnt werden kann.

Also lieber Qualitätseinbußen hinnehmen, Hauptsache, die Sendegefässe werden gefüllt. Hier werden wie wahllos und ohne erkennbare, journalistische Recherche-Idee in anekdotischer Manier dies und das aus dem Fundus gezupft und kunterbunt Trophäen, mit denen Geiselgasteig sich schmückt, vorgeführt.

Dann gibt es noch einen Schnipsel aus dem wenig überzeugenden Remake des Filmes „das Boot“ – als Warnung zu verstehen.

Mit solchen hingeschluderten Dokus erweist sich das Zwangsgebührenfernsehen als optional. Und kein Wort über die Leute, die nach der nationalsozialistischen Machtergreifung das Land verlassen haben, über den künstlerischen Aderlass.

BR-Intendant und ARD-Sprecher Ulrich Wilhelm beweist mit solch qualitativ schwachen, verzichtbaren Sendungen bei gleichzeitiger Forderung nach Erhöhung der unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte erhobenen Rundfunkzwangsgebühr lediglich, dass er der falsche Mann auf dem überaus großzügig vergüteten (jawohl, der mit dem Bundeskanzlerinnengehalt!) Intendantenposten ist.

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Den Titel als Leitmotiv für die Erkundung des ehemals populären Münchner OBs Christian Ude von München und seiner Frau Edith von Welser-Ude.

Matti Bauer hat unter der redaktionellen Obhut von Zwangsgebührentreuhänder Christian Baudissin das Paar vor die Kamera geholt und wollte wissen, was die beiden zusammenhält, denn der Titel behauptet, sie seien ein unmögliches Paar.

Ein Paar. Das Paar am Paar scheint allerdings gar nicht so unmöglich zu sein. Denn das zentral Verbindende, das bestätigt der Mann denn auf Nachfrage des Dokumentaristen auch, sei die Paarung; er sagt es nicht wörtlich so, meint aber eindeutig den Sex.

Der Sex (auch wenn das Wort nicht vorkommt), kann ein Paar ganz schön zusammenhalten. Auch wenn sonst vieles dagegen spricht. Hier die enorme intellektuelle Diskrepanz; sie ist ihm intellektuell in keiner Weise gewachsen.

Die unterschiedliche Sozialisierung, er nach dem Krieg geboren, sie hatte noch die Trümmer und Bombardierungen erlebt. Sie hatte einen strengen Vater. Er einen fördernden. Diese Differenzen stellt der Film allerdings nicht bewusst heraus, weil er offenbar sein Thema doch immer wieder aus den Augen verliert.

Andererseits versucht Bauer gewisse, chronische Fallen des Fernsehformates „Lebenslinien“ zu meiden. Indem er nicht ausgiebig und nicht explizit Werbung für Udes Bücher und seine Kabarettprogramme macht, diese werden gar nicht, jene nur pauschal erwähnt. Und auch ihre Fotogeschichten werden als Vergangenheit angeführt.

Allerdings bleibt dann nicht mehr viel übrig, wenn auf den üblichen Öffentlichkeitsbohei der beiden verzichtet werden soll; ganz ohne Schwabing und Mykonos und ganz ohne Katzen geht es dann aber doch nicht. Da offenbar der Sex das Paar zusammenhält und man den anständigerweise nicht zeigen will, bleibt somit nicht mehr viel und schon gar nichts Neues.

Seine Mission, OB von München zu werden, die hat er mehr als erfüllt und längst hinter sich. Jetzt wirkt er momentweise wie ein Schwabinger Spießer, wenn er über die Verdichtung im Viertel klagt, als ob er nichts damit zu tun habe, obwohl doch unter ihm als OB der soziale Wohnungsbau in München arg vernachlässigt wurde.

Ein anderes Problem, warum der Film so leer und dürftig scheint, das ist des Ex-OBs Sprechweise, déformation professionelle, immer alles deutlich aussprechen, so dass der hinterste in einer Versammlung das versteht. Das war ein Markenzeichen. Das ist wirkungsvoll für öffentliche Auftritte. In einer Dokumentation, die dem Paarungsverhalten eines solchen Subjektes auf den Grund gehen will, wirkt es allerdings unfreiwillig komisch, so, als ob er zu einem spontanen (auch erotischen) Satz, zu einer spontanen, persönlichen Äußerung überhaupt nicht fähig sei (das könnte skurrile Schrägfantasien zum Thema Paar in Gang setzen).

Als ob sein Glanz nur darin bestanden habe, in seiner Funktion im Zentrum zu sein, sozusagen durch seine Umgebung, seinen Hofstaat definiert zu werden. Wenn dieser nun wegfällt, so bleibt wenig übrig.

Die Schwäche an Matt Bauers Dokumentation ist allerdings, dass er diese Dinge nicht herausarbeitet und bis auf die eine Nachfrage nach dem, was sie zusammengehalten habe (sie hätten es heftig getan und dazwischen etwas Politik gemacht, meint der Ex-OB), nicht weiterbohrt. So entsteht eine Doku, die auf alles Vorzeigbare der Beiden verzichtet, was allerdings eh schon x-fach durch die Blätter- und Flimmerwelt gegangen ist, so dass nichts übrig bleibt, als das Bemühen, keine formatbedingten, bekannten Fehler zu machen.

Sie wollen, was löblich ist, nicht die x-fach bekannte Homestory nochmal in allen Farben wiederholen (tun sie dann doch mit der Biorepetition von ihr mit den sechs Kindern und der wilden Ehe mit einem jungen Rechtsanwalt). Andererseits zeigen sie, dass sie für eine andere Homestory, die Überraschenderes, Erstaunlicheres, Tiefgründigeres zu bieten hätte, zu festgefahren in ihrem eigenen Öffentlichkeitsbild von sich selbst gefangen sind. Die Komik ist in diesem Falle unfreiwillig.

Bei der ersten Szene im Rathaussaal, da passiert etwas zwischen den beiden. Sie behaupten, sich da überhaupt das erste Mal begegnet zu sein, mit unterschiedlichen Erinnerungen allerdings. Wenn Baur diesem knisternden Dokupfad hartnäckig und konsequent gefolgt wäre, vielleicht hätte er dann auch nicht abgedroschene Dinge zutage gefördert, mit einem lebendigeren, aus der Promireserve gelockten Ude, einem lebendigeren Paar des Zuschauers Geist gefesselt und nicht nur mit zwei müden Promilemuren.

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