Archiv für die Kategorie: “TV”

Cheveux légers,

die leichten Reiter, die großen Kerle, die hätten‘ s dem König Ludwig angetan; von Schewo-lesche zu schewul ist kein weiter Weg; eine andere hervorragende Eigenschaft des Märchenkönigs ist bereits in einer kürzlichen BR-alpha–Sendung zu Schloss Neuschwanstein deutlich geworden: seine Affinität zu modernster Technik.

Ludwig-Jubiläum, das gibt Stoff für beliebig viele Sendungen über ihn. Hier hat sich Michael Zametzer unter der Redaktion von Ulrike Klenner die in Vereinen organisierte Verehrung des Kini vorgenommen. Wobei zu fragen ist, ob solche Themen nicht besser der Souvernir-Industrie überlassen werden sollten, ob wirklich dafür Zwangsgebührengeld verbrannt werden soll; so ergiebig ist die Recherche nicht. Das ergäbe schönes Sparpotential für den ewig jammernden öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn er solche Formate outsourcen täte.

Es gibt die Vereine, es gibt ihre Anlässe, aber bis auf den Gedenkgottesdienst zum Todestag am Starnbergersee sind bei den Veranstaltungen Plätze frei, es gebe keinen Nachwuchs, ist zu hören, es wirkt so, als habe Zametzer Mühe, auch nur eine dreiviertelstündige Sendung zu füllen mit diesem Thema, von den Guglmännern ist auch nur noch in Archivaufnahmen etwas vorhanden, keiner weiß, ob es sie überhaupt noch gibt.

Die Sendung wirkt magazinhaft beliebig. Und dann müssen halt noch Alphörner aus einem Steinbruch im Speßart rein. Nicht mal über die Relevanz der Vereine, die Mitgliedszahlen und ob die steigen oder zurückgehen, kann die Sendung belastbare Angaben machen, es wird lediglich eine Schätzung angeführt.

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Wie angenehm, ein Polizeiruf, bei dem man sich nicht primär mit der gestörten Kommissarsfigur eines von Meuffels von Gnaden überehrgeiziger Fernsehredakteure beschäftigen muss, wie angenehm, ein Polizeiruf, bei dem man sich auf den doch recht rätselhaften Fall konzentrieren kann, wie angenehm, ein Polizeiruf, der eine prima Mischung ist aus Alltagsrealismus (einige offenbar ordentlich recherchierte Polizei- und Therapieverfahren) und Hypnose- und auch Flunkerelementen, im Sinne eines aufregenden Geschichtenerzählens, das sich von der Dokumentation abhebt; wie angenehm, ein Polizeiruf mit einer modernen Besetzung von Leuten, die zwar nicht unbedingt zum Polizisten geboren sind, wohl aber das Bild offenbar gängiger Typen unserer modernen Gesellschaft abgeben. Dabei haben Regisseur Florian Schwarz und seine Drehbuchautoren Thomas Korte und Michael Proehl auch den Humor nicht vergesssen (Redaktion: Cornelia Ackers).

Der Fall dreht sich um den Jugendlichen Polou (Dennis Dorns). Er wird auf den Isarwiesen in München aufgefunden. Er ist voll vernarbt. Die Gegenstände, die er bei sich hat, die lassen kriminalistische Geister erblühen. Er spricht nicht.

Die Kommissarin vom Höheren Dienst Bessie (Verena Altenberger), die auch mal „Streifenhörnchen“ spielt, wie sie ironisch Frau Fabian vom Jugendamt (Anja Schiffel) zu verstehen gibt, entwickelt viel Helfersyndrom, um Polou zum Sprechen zu bringen.

Der Film gibt nun Einblick in verschiedene psychologische Verfahren, bis hin zum Einsatz der Hypnose durch die Fachfrau Dr. Kutay (Katja Bürkle), um solche Patienten zum Sprechen oder Zeichnen zu bringen. Hier geht es sogar so weit, dass die Kommissarin sich gemeinsam in die Hypnose („Doppelhypnose“) begibt, um den Fall einer Lösung näher zu bringen.

An dieser Kommissarin ist noch bemerkenswert, dass Kollege Cem (Cem Lukas Yeginer), ziemlich rundlich, vielleicht in Genderdingen nicht ganz eindeutig festgelegt, ihr Halbbruder sei.

Die Lösung des Falles ist etwas aus dem Hut gezaubert. Und warum ein Waffenhändler in der Schweiz auch noch Kinder gefangen halten muss, das erschließt sich nicht aus sich heraus.

Die leichte Erzählhand der Macher zeigt sich bei dem Problem, wie die Sozialfürsorgerin eine weitere Hypnose-Sitzung verbieten will. Streifenhörnchen fragt ihren Kollegen, ob man gegen die Fürsorgerin nicht was finde … und siehe da….(ein Liebhaber, was wunderbar gegen das Sozialarbeiterinenklischee ist) das wird augenzwinkernd erzählt innerhalb vom Film mit einem kurzen verblüffenden Bildstopp …
oder die Sache mit dem verschwundenen Osterei in der Schlussszene, findet eine überraschend banale Lösung, nachdem es kurz größte Hoffnungen auf einen ultimativen Twist geweckt hat …

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Warum so ein wichtiger und eindrücklicher Film im Öffentlichen-Rechtlichen erst um 22.45 Uhr gesendet wird, das ist hier der einzige Einwand. Der Film ist verständlich, er bedarf keiner Fernsehredaktions-Zensur, der ist für eine breite Öffentlichkeit von Interesse. Soll die breite Zuseherschaft vor diesen Bildern verschont werden? Immerhin gibt es inzwischen die Mediathek.

Hier geht es zur Review von stefe zu diesem Film von 2016.

Und hier noch der dem Film vorangestellte Text:

„Krieg soll alle falschen Elemente in der Gesellschaft beseitigen.“ Alice Lakwena, Geistige Führerin der ersten mystischen Aufstände im Norden Ugandas 1987.

1986 übernahm Yoweri Musevini die Macht in Uganda.
Das brachte dem Süden des Landes Frieden.
Im Norden löste es jedoch einen neuen Kreislauf
sowohl militärischer als auch religiös-mystischer Aufstände aus.

Im Jahre 1989 gründete der junge Acholi Joseph Kony
geleitet von Geistern, eine neue Rebellenbewegung,
„Lord‘ s Resistance Army“ – die „Widerstandsarmee des Herrn“.
Schon bald begann die LRA massenhaft Heranwachsende
zu entführen, um sie zu Soldaten zu machen.“

Einige diese Soldaten sind Jahre später die Protagonisten dieser meisterlichen Dokumentation von Jonathan Littell.

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Ganz interessant.

Das Märchenschloss Neuschwanstein, in 17 Jahren erbaut vom Märchenkönig Ludwig II, bietet einen unendlischen Schatz an Material für Geschichten, Berichte, TV-Sendungen und TV-Formate.

Oliver Halmburger hat daraus einen Dreiviertelstünder für ARD alpha zusammengestellt. Hier geht es vor allem um die Geschichte zum Bau des Schlosses. Wie Ludwig schon als Kind auf Schloss Hohenschwangau die Schlossträumerei anfing. Wie er durch den Tod seines Vaters König wurde. Der Vater hatte ihn sparsam erzogen. Jetzt sollte Schluss damit sein. Jetzt wollte er, der sich als Bauherr und nicht als König sah, seine Träume realisieren. Daraus wurden mehrere Schlösser.

Halmburger kann auf einen Fotoschatz zurückgreifen, der verschiedene Bauetappen von Neuschwanstein festhält. Mehr davon wäre spannend gewesen. Durch Drohnenaufnahmen eröffnen sich neue Perspektiven auf das Schloss. Diese scheinen allerdings etwas beliebig in den Film hineingeschnitten, der sich aus Statements von Fachleuten, Schlossinnen- und Außenaufnahmen sowie Archivfootage speist.

Es wird erläutert, dass Ludwig bei aller Träumerei in technischen Dingen up-to-date war, vom modernen dampfbetriebenen Baukran über eine trägergestützte, selbsttragende Dachkonstruktion bis zur damals modernsten Zentralheizung.

Udo Wachveitl als Sprecher verbreitet ein zu bemühtes, behagliches Feeling. Dem BR täten ab und an Auffrischungen bei der Sprecherauswahl gut.

Der Film macht auch deutlich, wie viele Menschen und Berufe sich um die Erhaltung von Baudenkmälern und den Geschichten darum herum kümmern; hier kommen zu Wort: ein Ludwig-Biograf, ein Verwandter von Ludwig II, Ludwig Prinz von Bayern, ein Historiker, der Leiter des Geheimen Hausarchivs von Ludwig II, der Museumsreferent von Neuschwanstein, eine Stadtarchivarin, ein Heimatforscher/Architekt, eine Gemeindarchivar, der Schlossverwalter, eine Restauratorin und eine Schlossführerin.

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Thema: Keiner will die Alten.

Dazu erfindet Michael Hofmann mit Bert Koß ein von Claudia Simionescu (BR) und Klaus Lintschinger (ORF) für wenn nicht realitäs- so doch fernsehtauglich befundenes Konstrukt (was auf erhebliche Zweifel der beiden Redakteure an der Urteilsfähigkeit der Zuschauer schließen lässt), das er auch – vermutlich mit viel zu wenig Drehtagen – inszeniert mit einer bunt wie aus der Lostrommel zusammengewürftelten Schauspielerschar, jedenfalls nicht mit dem Ziel, Glaubwürdigkeit von Vorgängen und Handlungen zu erzeugen.

Die Schauspieler sind dabei auf Aus-dem-Handgelenk-Schauspielerei angewiesen, um die Plausibilitätsdefizite von Buch und Charakteren notdürftig zu kaschieren, was zu einer Fernsehschauspielerei führt, die dem Zwangsgebührenzahler ein ziemlich beschissenes Menschenbild vermittelt: lauter Egoisten sind am Werk und die Humanmängel werden mittels Kitsches gekittet.

Der Vater (Branko Samarovski) von Mareike (Andrea Sawatzki), Dietrich (Simon Schwarz) und Felicitas (Jule Böwe) kehrt 50 Jahre nach seinem vermeintlichem Tod aus Patagonien nach München zurück, wo seine Egoistenkinder leben. In einer lachhaften Sozialamtsszene soll er den Kindern zurückgegeben werden. Tja, wie will man sowas bei den katastrophalen Drehbuchmängeln und der viel zu wenig Drehzeit auch überzeugend inszenieren und spielen?

Keines der eindimensionalen Fernsehgeschöpfe von Kindern will diesen Vater. Dazu erfindet Hofmann jede Menge Situationen, die irgendwie überspielt werden müssen. Es gibt keine Konflikte, da keine Charaktere entworfen sind; es gibt nur die Ellenbogelei, den Alten nicht nehmen zu müssen. Das ist so humanistisch wie die Drängelei der Ferkelchen um Mutters Zitzen.

Der Vater wiederum ist die Güte in Natur und bringt die Menschlichkeit aus Patagonien nach München, nicht unbedingt nachvollziehbar, sondern eher wie ein Zauberspiel mit Bohnen in einem Topf. Deckel zu, schütteln, und eine bestimmte, vorhergesagte Zahl liegt mit dem hellen Teil oder dem dunklen Teil nach oben. So verzaubert er auch dusselig die Menschen.

Und damit auch nicht der Verdacht aufkommt, diese öffentlich-rechtlich entworfene Menschenbild könnte leicht faschistoid sein (also Konflikt- und Auseinandersetzungsunfähigkeit der Figuren – demokratische Urtugenden – mangels Charakteranalyse), muss eine Göre ins Drehbuch geschrieben werden, die die faschistoide Position eklatant mittels Zweifel an der Wahrheit der KZ vertritt, so dass der gute Opa das Bashen kann und alle anderen fein raus sind.

Dann noch ein paar direkt ausgesprochenene Wahrheiten in die Dialoge eingebaut, glauben die Macher sich auf der sicheren Seite hinsichtlich demokratischem Menschenbild – und liefern doch nur Kitsch: Glücksherstellung ohne Auseinandersetzung. Diese Vorgänge als billige Schindluderei mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag zu bezeichnen, ist vermutlich nicht allzu sehr daneben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Langeweile darstellen. Und ein Vatermord.

Der Film von Phlip Koch, der mit Hamid Baroua auch das Drehbuch geschrieben hat, wirkt so, als hätten die Redakteure und Zwangsgebührentreuhänder Cornelius Conrad und Claudia Simionescu vom BR und Birgit Titze von Degeto ihm den Auftrag erteilt, einen Film zum Thema Spiele/Spielesucht und Virtual Reality zu drehen, wobei das Thema in möglichst langweilige Alltagsszenen – so langweilig wie möglich geschrieben – eingebettet werden soll, damit die Fantasiewelt des eingeblendeten Spiels, Natur, Fels, Wiese, Bäche, Sturzbäche und elfengleiche Protagonistin umso virtually realiter erscheint.

Es folgt langweilige Alltagsszene auf langweilige Alltagsszene: langweilige Schulstunden, langweiliger, stereotyper Familientalk, langweilige Schulmensa, langweilige Elternsprechstunde, langweiliger Mobiltalk mit Freundin (oder Freund oder Oma?), langweilige Staubsaugeszene, langweilige Yoga-Szene, langweilige Schulhofszene, langweilige Mutter-Tochter-Szenen, langweilige Psychologinnen-Szene, langweilige Verkühlungsszene, langweilige Badszenen, langweilige Was-ist-denn-hier-los-Szene, wenn die Eltern nach Hause in ein Chaos kommen (besonders steif inszeniert), langweilig-lächerliche Kowalski-Such-Szene, langweilige Bowling-Szene, langweilige Handwaschszene, langweilige Rauchersezene, langweilige Mutter-Ausbruch-Szene (und noch langweiliger, wenn der Vater dazukommt), …. —- alles auch stinklangweiig inszeniert…

und zeigt dadurch dem Zwangsgebührenzuschauer, wie dringend nötig solche Spiele in einem öden Alltag sind, erst recht in einem TV-Alltag oder in einem Degeto-Alltag, einem BR-Alltag oder einem ARD-Alltag – der schreit förmlich nach Kompensation.

Die Macher scheinen ihren Auftrag auch so verstanden zu haben, einen Cast zusammenzustellen, der hinten und vorne weder zueinander noch zu den Rollen passt: die Protagonistin Jennifer ist deutlich zu alt im Vergleich zu ihren Schulkameradinnen (wie oft muss die sitzen geblieben sein!), schaut auch viel zu reif aus, trotz häufig geheimnisvoller Gesichtszüge und auch dem Papa nimmt man eine hervorragende Position im Geschäftsleben nicht eine Sekunde ab, er scheint weder Ehemann noch leiblicher Vater.

Als ob das Fernsehen vergessen hätte, dass es dem grassierenden Populismus im Lande etwas entgegenstellen sollte, denn das wäre ja seine vornehmste Grundaufgabe. Es läuft etwas schief in diesem Lande mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Ein flankierender Film zu Apollo 11, der derzeit in den Kinos läuft und aus reinem Archivmaterial den Hype dieses ersten bemannten Mondfluges spannend wiedergibt.

In diesem Fernsehbeitrag von Elias von Salomon geht es um einen Wissenschaftler, der maßgeblich, von der medizinischen Seite her, dafür verantwortlich ist, dass der Mensch den Raumflug überhaupt überleben kann mit Raumanzug, Druckkammern.

Es war der Wissenschaftler Hubertus Strughold, ein Forscher, der schon in Weimar und in der Nazizeit ein Spitzenforscher war und die KZs für Menschenversuche nutzte für erste Unterdruckversuche.

Nach Kriegsende suchte die USA händeringend brillante Forscher in Deutschland, um wissenschaftliche Kapazitäten in den eigenen Dienst zu stellen und Deutschland ihrer zu berauben. Talentscout war Leo Alexander. Durch seinen Auftrag kam er diesen Menschenversuchen auf die Spur. Es handelte sich um ein ganzes Netz von Wissenschaftlern in direktem Auftrag von Himmler (erst die Entedeckung von dessen Privatarchiv erschloss die ganze Tragweite der Versuche).

Leo Alexander trug dazu bei, dass einige dieser Ärzte in Nürnberg verurteilt wurden. Aber Strughold blieb außen vor, er war zu unentbehrlich für die USA im Raumfahrtswettbewerb mit Russland auf dem Weg zum Mond,. Schon 1945 wurde Strughold in die USA geholt und war in San Antonio ein wichtiger Kopf in den Vorbereitungen, die 1969 zum ersten bemannten Mondflug führten; er wurde zum „Vater der Weltraummedizin“. Von seiner Nazivergangenheit wollte damals keiner was wissen; diese wurde erst viel später in den USA aufgearbeitet, ein nach ihm benannter Preis aufgelöst, sein Eintrag in der Hall of Fame der Raumfahrt getilgt. Ein eindrückliche Dokumentation, die einen bitteren Schatten auf die Mondflugeuphorie wirft.

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Leiden an den Theorien zur Kunst. Das wird in einer theatralen Installation kompetent und spannend dargestellt von Weltstar Cate Blanchett. Siehe Review von stefe.

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Geier über dem Zwangsgebührenhaufen.

Der Zwangsgebührenhaufen ist dank Haushaltzwangsgebühr gesichert. Jetzt geht es darum, davon so viel wie möglich abzuschöpfen. Findige Firmen müssen nur den Redaktionen, die aus der Zwangsgebühr den Zwang zur Produktion ableiten, plausible, „kreative“ Konzepte anbieten. Am besten geht immer ein bisschen was aus der Heimat, volkstümlich.

Diese Prinzip hat mit Erfolg, wie man sieht, eine Firma Labo M. GmbH angewandt und durfte mit dieser Sendung Zwangsgebührengelder auf ihr Konto abzweigen. Supergelungen ist die Chose nicht. Wirkt trampelig und kalkuliert. Ob ein Bedürfnis nach solchen Sendungen besteht, wage ich zu bezweifeln. Es muss halt bei den wegsterbenden, urtreuen Restzuschauern, die noch prioritär den BR eingeschaltet haben, irgendwas aus Bayern kommen, am besten bekannte Gesichter, werden sich die Redaktionen gesagt haben, denn sie können die Statistiken genau auswerten und exakt nachforschen, wer wann und wo wegzappt. Das scheint in etwa das Rezept für dieses weitere, belanglose und überflüssige Fernsehprodukt, was überwiegend sowieso nur eine Werbesendung für einen Schnapsbrenner, ein Café, einen Trompetenbauern, einen Gasthof und einen Wander- und Gleitschirmlehrer ist, die alle in Konkurrenzdruck stehen und froh sind um jede Gratiswerbeminute am Fernsehen. Und wenn keiner es schaut, so können sie selbst doch damit werben.

Vorab zu sehen war von dieser Sendung eine Arbeitskopie. Am Content dürfte sich kaum etwas geändert haben, an der massiven Werbung schon gar nicht.

Der Film macht im ersten Drittel Werbung für eine Schnapsbrennerei, für einen Gleitschirm- und Bergwanderführerguide, einen Männerchor und ein Café. Dann für einen Bauernhof. Wobei die „Kichle“ von der Bäuerin eher nicht kommerzielle Ware sein dürften und einen Hofladen gibt’s auch nicht – soweit im Fernsehen ersichtlich.

Etwa nach einer halben Stunde folgt die Werbung für einen Trompetenbauer. Der bringt immerhin die Verbindung über seinen Sohn zum Jazz und zu New York und zu einer etwas ungewöhnlichen Musikformation, die in Bad Tölz auftritt.

Für den letzten Teil begeben sich die beiden Selbstdarsteller von Moderatoren, das sind die Schauspieler Sebastian Bezzel und Simon Schwarz, die manchmal etwas ungeschickt durch die Sendung die Füße vertun und ab und an zwischen all der Werbung alibihalber Bemerkungen zu Dialektunterschieden machen, ins Allgäu zu einem exotischen Wunder: einem Bergführer aus dem Irak. Da staunen die deutschen Fernsehschauspieler, von denen der eine, der Bezzel, wohl Schiss hatte, mit dem Gleitschirm zu fliegen, und die beiden Moderatoren zeigen, dass auch für sie Integration alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist, sonst müsste man diesen Bergführer ja nicht als so exotisch darstellen und tun, als sei das ein Weltwunder, wenn denn Integration doch eine Selbstverständlichkeit sein soll.

Die Firma, die diesen Beutezug auf Zwangsgebührengelder veranstaltet hat, Labo M, schreibt auf ihrer Website „hat sich echte journalistische Sorgfalt auf die Fahne geschrieben. Mit dieser Sicherheit können sich unsere Autoren, wenn nötig, in ihrer Geschichte weit vorwagen. Und komplexe Themen korrekt und verständlich vereinfachen – zur Freude der Zuschauer“. Das darf angesichts dieser Sendung bezweifelt werden.

Sie geben vor, herausfinden zu wollen, wie die Menschen im Grenzgebiet Bayern-Österreich ticken, was eine reine Lüge ist, denn es geht primär um Werbung, Werbung wie oben erwähnt: Schnapsbrennerei, Café, Bergwanderführer, Paragliding, Schnapsbrennerschule.

Das Fernsehen als private Beute.

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Psychogramm eines Erfolgreichen, Zerrissenen.

Aus Statements und anderen lebenslinientypischen Dokuverfahren wie Ortsbegehungen und BR-Schnipsel sowie Democlips vom Protagonisten als Musiker montiert Birgit Eckelt unter der redaktionellen Obhut von Zwangsgebührentreuhänderin Christiane von Hahn das groteske Psychogramm eines Erfolgreichen und Zerrissenen zugleich, von BR-Tatortkommissar Miroslav Nemec.

Statements sondern ab: der Kommissar selber, Rita Russek, ehemalige Lebensgefährtin, Gerhard Hinz, Jugendfreund, Gerwin Eder, Jugendfreund, Branko Becejac, Cousin, Udo Wachveitl, Schauspielerkollege „Tatort“, Amelie Hartwig, Miroslavs Ziehtochter, Janina Hartwig, ehemalige Lebensgefährtin, Karin Nemec, Ehefrau.

Die notorischen Ortsbegehungen führen nach Ex-Jugoslawien, Zagreb, Istrien und nach Freilassing. Fotos aus den Familienalben und Musikerauftritte (einmal mit höflichem Publikumsapplaus, einmal mit kaugummikauender Ehefrau in der ersten Reihe) ergänzen dieses Psychogramm.

Die Psychogrammwirkung dieser besonderen Montage dürfte eher zufällig zustande gekommen sein und dem Umstand geschuldet, dass speziell Nemec seine Statements so abgibt, als sage er im Kriminalverhör aus oder als spreche er zu seinem Psychiater. Nie holt die Dokumentaristin auch nur einen ansatzweise persönlichen Ton aus ihm heraus. Hinzu kommt, dass des Protagonisten Drang, diese Dinge endlich öffentlich zu Protokoll zu geben, enorm stark sein muss, es scheint, ihm liege daran, dass alle Welt sein Schicksal erfährt.

So ergibt sich – durch einen Unfall quasi – für das doch arg abgelutschte und zum billigen Promi-PR-Vehikel verkommene Format „Lebenslinien“ unverhofft eine spannende Perspektive, wenn das, was hier zufällig passiert ist, zur Methode erhoben würde, so könnte die Verschnarchtheit Lebendigkeit weichen.

Vermutlich jedoch hat die Redaktion keinerlei Interesse, die ausgefahrenen Gleise, wie im Vorspann zu sehen, zu verlassen, weil bei solchen Sendungen um Menschen immer noch weniger Zuschauer wegzappen als bei anderen Formaten, wodurch der BR viel Legitimation sich zugute hält.

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