Archiv für die Kategorie: “TV”

Billigware.

Diese Sendung von Julia Grantner und Robert Grantner unter der redaktionellen Betreuung von Zwangsgebührentreuhänder und BR-Redakteur Matthias Eggert belegt das verzweifelte Bemühen des BR, erstens billig an vielfältiges Bildmaterial zu kommen und zweitens zu zeigen, dass das Sommerprogramm nicht nur aus Wiederholungen besteht.

Das Resultat ist ungfähr so spannend wie der berühmte Diaabend bei Nachbarns.

Sicher, wer Geduld hat, für den fällt wie auf einem Flohmarkt immer mal was ab, den einen erfreuen die Archivaufnahmen von nach dem Krieg, ein anderer mag sich ergötzen über die Homevideos, die noch in Super-8 gedreht wurden, der nächste freut sich über Erinnerungen an die frühen Siebziger: die Emanzipation der Frau, das Aufkommen der Grünen, Helmut Kohl, Nicole, Boris; alte Kinderspielzeugdampfloks, Yamaguchis, Stickeralben, Videospiele, ein Osternzitat (schon beginnt die Schlacht).

Der BR versucht, da jeder Büger ihn mitfinanzieren muss, wenn er nicht HartzIV- oder Grundsicherungsempfänger oder taub und blind ist, jedem Bürger etwas zu bieten. Das führt zu diesem Flohmarkt- oder Diaabendeffekt, also zu nichts Richtigem, zu ‚weder Fisch noch Fleisch‘.

Es ist ein Mix aus Statements der Protagonisten, die in ihren Kindheitserinnerungen wühlen, von Privatvideos (Deutschland Privat unter Auslassung des Sexuellen und Erotischen), von Archivaufnahmen und von versteckter Werbung für Künstler wie Musiker, Comic-Zeichner, Kinderfotografin.

Zur Legitimation eines öffentlich-rechtlichen Grundauftrages und zur Legitimation einer Zwangsgebühr reicht diese Sendung jedenfalls nie und nimmer aus. Kaum zu erwarten, dass sie irgend einen Nerv trifft. Nervig ist lediglich die x-beliebige Sounduntermalung.

Fraglich zudem, wie der Intendant des BR Ulrich Wilhelm, der gleichzeitig Sprecher für die ARD-Anstalten ist, mit so einer Sendung seine Forderung nach kontinuierlichen Erhöhungen der Zwangsgebühr untermauern will. Dazu bräuchte er einen ziemlich durchtriebenen Advokaten, der glaubwürdig machen könnte, dass die mit einer Zwangsgebührenerhöhung einhergehende Erhöhung der Ungerechtigkeit im Lande plausibel macht. Denn diese Finanzierung des Gemeinschaftswerkes öffentlich-rechtlicher Rundfunk mittels Zwangsgebühr geht zu Lasten der einkommensschwachen Haushalte, also ausgerechnet zu Lasten derjenigen Schichten, die an sich schon nicht mithalten können mit den allgemeinen Lebenssteigerungskosten. Diese trifft jede Zwangsgebührenerhöhung härter als alle anderen und schränkt deren eh schon bescheidenen Lebensstandard noch mehr ein. Das soll uns Ulrich Wilhelm, dem wir Zwangsgebührenzahler ein stolzes Gehalt in der Höhe des Gehaltes der Bundeskanzlerin finanzieren, mal erklären.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Comments Kein Kommentar »

Banane mit süßem Senf.

Die alten Bäume, die könnten was verzellen, da sind hundert Jahr gar nix, meint die Augsburgerin Anna mit 107 Jahren beim Rudern.

Zufriedenheit, Dankbarkeit, Demut, Glücklichsein sind wahrlich keine Trendeigenschaften in unserer emanzipierten, antidiskriminatorischen, turbokapitalistischen Wohlastandsgesellschaft. Dabei hat Anna viel Leid erlebt in ihrem langen Leben, Ausbeutung, Erniedrigung, häusliche Gewalt, Missachtung, Ausnutzung.

Es ist die Geschichte einer langwierigen Befreiung und eines hartnäckigen Sich-Treubleibens, die Susanne Brantl gefunden hat und unter der Redaktion von Christian Baudissin als Lebenslinie berichtet.

Der Titel könnte auch sein, „wie ich erst spät zu einem Glücklichsein gefunden habe“. Mehr als einmal wollte sie ins Wasser gehen. Sie hat von früh an das Gefühl von Rechtlosigkeit vermittelt bekommen, kein herzliches Feedback von der Mutter, vom Stiefvater noch weniger, der hat seinen Lohn lieber versoffen. Und die Mutter musste arbeiten.

Einzig die Großmutter hat das Kind liebenswürdig aufgenommen, so dass es oft Kilometer weiter marschiert ist, um sie zu besuchen.

Der leibliche Vater und seine Familie wollten nichts von ihr wissen. Das hat sich erst mit 80 geändert, wie ihr Mann gestorben ist. Dieser hat sie als Sklavin gehalten, die den Haushalt für ihn macht, er selbst hat seine Freiheit mit seinen Freunden verbracht.

Leid über Leid prägen die ersten Jahrzehnte dieses Lebens. Dabei war sie eine gute Schülerin gewesen, aber es fehlte das Geld für eine Ausbildung.

Ihr Verantwortungsbewusstsein – sie musste zuhause den Haushalt machen und auch noch für den jüngeren Bruder sorgen, als sie bereits in einer großen Weberei arbeteitete und ein halbes Dutzend Webstühle zu besorgen hatte. Wenn einer wegen eines Fehlers stillstand, lief auch die bezahlte Arbeitszeit nicht weiter.

Als die Fabrik in der Nazizeit verlangte, dass die Arbeiter eine Stunde zusätzlich arbeiten sollten und das Geld dem Führer spenden, da war sie die einzige (von 4000!), die zur Direktion ging und sagte, sie könne das nicht verantworten, sie arbeite so schon viel.

Nicht verwunderlich, dass ihr daraufhin ein hochkomplizierter, fehleranfälliger Webstuhl anvertraut wurde. Aber man dürfe sich nicht gehen lassen, meint sie.

Sie geht heute noch zur Gymnastik und ist vif und lebendig, wenn sie aus diesem langen, leidvollen Leben erzählt, das für sie das Paradiesische, wie sie ihr Leben jetzt empfindet, so lange aufgespart hat. Eher selten dürte ein Mensch zu finden sein, der diese, unsere Welt so schön sieht.

Sich treu bleiben: sie ist Vegetarierin: deshalb bestellt sie zum Weißwurstfrühstück eine Banane; diese bestreicht sie mit süßem Senf.

Comments Kein Kommentar »

Außerhalb des S-Bahn-Bereichs

fahren die Leute Autos wie in einem 3.-Welt-Staat, gibt es wenigstens an wenig begangener Stelle einen Würstl-Automaten, heißt „zwei Einzelzimmer“, dass die beiden Zimmer durch einen Vorhang getrennt sind (so können sich die beiden Kommissare Batic und Leitmayr wenigstens hören und riechen und müssen sich nicht sehen), gründet sich gegen die Landflucht eine Kommune, die sich „Freies Land“ nennt mit dem charismatischen Führer Ludwig Schneider (Andreas Döhler) und seiner hingebungsvollen Frau Lene (Anja Schneider) und hier kann ein Sigi Zimmerschied sogar Polizist sein.

In diese Welt jenseits der S-Bahn verschlägt es die beiden Kommissare, weil die Spuren eines Todesfalles hierherführen, auf den ersten Blick ein Selbstmord, auf den zweiten möglicherweise ein Mord, denn wo ist das Messer?

Andreas Kleinert, der mit seinen ersten Filmen als großes Kinotalent galt, lässt dieses hier aufblitzen (Buch: Holger Joos; Redaktion: Stephanie Hecken); sonst scheint er sich sein Geld mit ein bis zwei TV-Movies im Jahr redlich zu verdienen. Mit diesem Tatort nach dem ordentlich gearbeiteten Buch von Holger Joos will er offenbar mehr.

Mit einer Ästhetik, die sich konsequent an den Heimatfilm (bis hin zum religiös-folkloristischen Abendmahlbild) herantastet, so gründlich, dass selbst der Pas de Deux der beiden Münchner Kommissare leicht aus dem Tritt gerät, ja dass die beiden momentweise wie im falschen Film wirken, der mehr Kino ist als Fernsehen, der die ganze Fernsehhektik und -schludrigkeit hinter sich lässt, versteht er zu faszinieren, im Kopf dauernd die Frage abspulen zu lassen, bin ich hier noch im Tatort?

Denn das Opfer, der tote Florian, war aus dieser Kommune „Freies Land“. Diese will ihr eigenes Land gründen, sie hat die Nase voll von der BRD, anerkennt diesen Staat nicht mehr an; Reichsbürger, ick hör dir trapsen.

Wobei das Fernsehen in einer der entscheidenden Szenen, wie Ludwig Schneider im Wirtshaus eine Werbeveranstaltung für seine Bewegung abhält, den Text entschmerzt und Wischiwaschi bleibt und auch das Thema der Lügenpresse wird eher gemütlich angegangen in einem hübschen Bild von Leitmayr mit dem alten Alois (Peter Mitterrutzner), wobei das einführende Beispiel, ob es denn stimme, dass der Eiffel-Turm in Paris stehe und woher man das wissen könne, verheißungsvoll anfängt, aber dann zerläuft sich die Argumentation; insofern bleibt der Haupteindruck des Filmes dann doch eher der von Heimatfilmgemütlichkeit mit einer ganz kurzen, aber ganz gezielten BMW-Werbung, da haben die mords zirkeln müssen mit der Kamera, damit das BMW-Logo auf dem Dienstwagen so prägnant aufblinkt, aber BMW verlangt es wohl so. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, kurz vor dem Sturm auf Freiland.

Immerhin, soviel Tatort-System-Dramaturgie muss sein: zehn Minuten vor Schluss kommt kurzfristig etwas Wildwest-Stimmung auf im Ort außerhalb des S-Bahn-Bereiches.

Zutreffend dürfte sein, dass die Leute von dieser Kommune ganz genau die Einsatzregeln für die Polizei kennen; daraus resultiert eine der stärksten Szenen: wenn drei junge Männer mit ihren Handys die beiden Kommissare genau in diese Auseinandersetzung hineinziehen, was sie dürfen und was nicht, sie arg in Verlegenheit und in die Nähe der Grenzüberschreitung bringen und alles auf Handy festhalten (da schenken sich die Darsteller nix!).

Bei der Countdown-Szene ist allerdings unverständlich, dass das SEK den gezielten Todesschuss ins Herz abgibt und nicht einen gezielten Schuss auf die Hand mit der Pistole – wir sind ja hier nicht an der israelisch-palästinensischen Grenze.

Comments Kein Kommentar »

Eine Millionenerbschaft

ist der Auslöser für eine Detektivgeschichte nicht ohne Unerhaltungswert vor dem grauenhaften Hintergrund des Holocaust.

Die beglückte Erbin ist die Mutter des Filmers Yair Lev, der mit David Deri auch für die Regie zeichnet, beim Drehbuch wurden die beiden zusätzlich unterstützt von Yaniv Rize Sheffy.

Wie es um die amtlichen Vorgänge zur Annahme des Erbes geht, stellt sich heraus, dass dieser Mann, Ernst Pechinsky, bereits einmal, 1987, in Innsbruck gestorben ist. Auf diesen Namen gibt es zwei unterschiedliche Sterbeurkunden bei identischen Geburtsurkunden.

Die österreichische Variante des Namens war zehn Jahre lang Präsident der israelitischen Kultusgmeinde Innsbruck. Innsbruck war in der Nazizeit ein heftig braunes Nest. Offenbar hatte dieser Mann sich in der aufkeimenden Nazizeit eine Geburtsurkunde von Ernst Pechinsky beschafft und fortan unter diesem Namen gelebt. Wieso aber sich ausgerechnet in der Nazizeit als Jude tarnen, ergibt das Sinn?

Noch merkwürdiger wird es, wie die Nachforscher herausfinden, dass der Innsbrucker Pechinsky mit einer Frau verheiratet war, die aus einer SS-Familie kam. Fragen über Fragen, Rätsel über Rätsel, wilde Spekulationen schaffen sich Raum, womöglich ein Nazi, der sich als Jude ausgab?

Für die Recherche steht Niko Hofinger. Er dürfte sehr viel zu tun gehabt haben bei den Nachforschungen, die sich über drei Jahre hingezogen haben. Die vielen Archivnamen im Abspann lassen darauf schließen, dass diese Recherchen um vieles komplizierter und aufwändiger waren, als das zu einer möglichst bündigen Story zusammengeschnittene Material vermuten lässt.

Ich bin mir auch nicht sicher, ob wirklich alles spontanes Material ist, oder ob nicht manche Szenen im Hinblick auf die ganze Geschichte erst im Nachhinein gedreht wurden. Ob der Filmemacher wirklich gleich mit der Information von der Erbschaft auch seinen Film zu drehen angefangen hat? Das war ja nicht absehbar, auf was für eine Geschichte mit welch ungeahnten Wendungen er sich einlässt.

Diese storyförderliche Montage, die von Anfang an mehr weiß als der Zuschauer, und der Wille zur Verknappung der Geschichte, führt zu manchen nicht so ganz nachvollziehbaren, wie aus der Luft gegriffenen, nächsten Schritten, wo und wieso sie jetzt da oder dort weitersuchen wollen in dieser Detektivstory, die immer wieder wie vor dem Nichts steht.

Der Film liefert ein weiteres Mosaiksteinchen in der nicht enden wollenden Holocaustaufarbeitung, wobei die Enkelgeneration doch bedeutend lockerer mit dem Thema umgeht als noch die Täter/Opfer- und die Kindergeneration, so dass der Unterhaltungswert und hier der Detektivstorywert größer ist als der Bedröppelungswert – bei all dem Unfassbaren des Holocaustes.

Comments Kein Kommentar »

Diese Sendung von Thomas Grasberger und Norbert Haberger unter der redaktionell grantlosen Betreuung von Silvia Griss zeigt, dass es um den Grant schlecht bestellt ist. Insofern ist auch verständliich, dass die Sendungsmacher glauben, das „Imperium des Grants“ auf Gebührenzahlerskosten bereisen zu müssen. Dieses erstrecke sich, behaupten sie Handgelenk mal Pi, vom Lech bis Wien und von der Oberpfalz bis Oberbayern.

Managementberater würden deutliches Sparpotential finden: die dünne inhaltliche Ausbeute wäre vom Computer aus per Bildschirmkontakt zu erhalten und somit viel Zeit und Spesen und kostbares Zwangsgebührengeld einzusparen; da doch die wohldotierten ARD-Intendanten jammern, sie seien am Ende der Sparpotentiale angelangt. Mitnichten!

Die Sendungsmacher geben vor, die Reise zu brauchen, um Stimmen zu sammeln für die Bewerbung zur Anerkennung des Grants als immateriellem Kulturgut auf der UNESCO-Liste. Das liesse sich genauso einfach elektronisch machen.

Ihr Horizont bleibt verengt und sie sehen nicht, wie Grant woanders aussieht. Sie waren nie in einer amerikanischen Provinzstadt. In Amerika ist der Grant sogar ein großer Star, Hugh Grant, Cary Grant. Aber so weit reicht das Spesenbudget nicht.

Der Grant reicht hier gerade für eine Wühltisch-, Flickschuster- oder Flohmarktdoku in einer Mischung aus grantfernen Fragen, ein bisschen Wordifferenziererei zum Suderer oder Raunzler und viel Kaberettisten-Gedöns, die die finanziell erfolgreichsten Grantkrämer sein dürften.

Sigi Zimmerschied, der seinen Grant dem Fernsehen gegenüber, wie er ihn in „Schartl“ noch bös und bissig pflegte, längst begraben hat, weil er vor lauter Geld- und Gagenzählen längst nicht mehr dazu kommt und sowieso längst fernsehgebravt angepasst ist.

Berühmtheiten aus der Geschichte müssen alle über den Grant-Begriff geschoren werden von Nestroy über Karl Kraus und Oskar Maria Graf; im deren moderaten heutigen Windschatten noch ein paar lebende Grant-Gschaftlhuber. Und als Grant-Visagen reichen Stammtisch-Biertrinkerbilder – gibt es im Archiv zur Genüge.

Angesichts der katastrophal antidemokratischen Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes verdient diese Sendung die Rote Karte. Wer Interesse hat, kann das ja gerne gerne auf eigene Kosten für Youtube oder Vimeo oder dergleichen produzieren.

Dem Grant des Zwangsgebührenzahlers nachzugehen, das trauen sie sich allerdings nicht. Im Grunde genommen ist laut dieser Sendung jeder Biertrinker und jeder große Geist ein Grantler. Das sei das typisch bayerische Lebensgefühl. Bewiesen ist damit gar nichts. Der aktuelle bayerische Ministerpräsident definiert es eh andes: identitätsstiftend sei das Kreuz – und nicht der Grant. Da gehen wohl Meinungen auseinander. Zudem wirkt die Grantdefinition hier so erhellend wie der Versuch der zwingenden Interpretation von Lüftlmalerei.

Comments Kein Kommentar »

Ein eindrücklicher Film von Natalie Portman über den jungen Amos Oz und seine Fassungslosigkeit darüber, dass die Geschichte Israels vom ersten Tag an mit Blut und Krieg getränkt ist. Und wohl auch darüber, dass sich dabei bis heute nichts geändert hat. Siehe die Review von stefe.

Comments Kein Kommentar »

Eigentor des Ulrich Wilhelm.

Als ARD-Sprecher fordert der BR-Intendant Ulrich Wilhelm eine Erhöhung der Haushaltszwangsgebühr zur Finanzierung des Gemeinschaftswerkes öffentlich-rechtlicher Rundfunk. Mit diesem schludrig hingerotzten Serienteil „München Grill“ grätscht er selbst diametral gegen seine eigene Forderung. Mit so einem Belanglos-Gebührenabzockteil kann er keine Glaubwürdigkeit für seine Forderung herstellen. Im Gegenteil, er entzieht ihr den Boden, wenn er des Schauspiels unkundige Kabarettisten (eh schon die Manchester-Kapitalisten unter den Künstlern) als Schauspieler lausig dilettierend (und einem Stadtpfarrer als Laiendarsteller) und schlecht geprobt noch dazu (wird sogar thematisiert!) Zwangsgebühren abkassieren lässt. Solche minderwertigen TV-Produkte schreien förmlich nach Zwangsgebührenreduktion. Sie bieten Nahrung jenen Stimmen, die die gänzliche Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verlangen. So eine Sendung rechtfertigt keinerlei Zwangsgebühren mehr.

Nervende Zupfmusik, abgelutscht, weil nicht ein Hauch der Energie davon im Spiel. Einfaltseinfälle. Schauspielerisch: das, was man unter schlechtem Bauerntheater versteht, Überbetonungen, Fehlbedeutung, übertrieben dargebotene kleine Sätze.

Gar nicht begründeter Konflikt zwischen zwei Frauen (die ansatzweise natürlich spielende Christine Eixenberger als Fanny, die steif agierende Christine Neubauer als Toni). Dann Promis, denen man beim Abgreifen von Zwangsgebührengeldern zuschauen darf.

Weil das Stück so schwach geschrieben ist, sollen Kabarettisten Zuschauer anlocken oder als bekannte Gesichter wenigstens die Zuschauer am Wegsterben hindern. Christian Springer, der offenkundig Mühe hat, sich selbst zu spielen und Pfarrer Schießler, der in seiner Gemeinde genügend Familien kennen dürfte, denen es schwer fällt, von einem mageren Haushaltsbudget den sozial unfair erhobenen Zwangsgebührenbeitrag abzuknapsen, sie greifen hier herzhaft zu. Als weitere Zwangsgebührenabgreifer sind angekündigt: Marianne Sägebrecht, Andreas Giebel, Uschi Glas, Max Schmidt und Sigi Zimmerschied. Die denken sich wohl gar nichts dabei – oder nur ans Geld.

Der verschlossene Hermes macht dieses ganze Augenzwinkerspiel mit dem Zuschauer nicht mit und kommt in solchen Momenten glaubwürdig rüber, hat aber mit Banalsätzen wie „Pass auf...“ seine Mühe.

Kabarettist Springer sagt seine Sätze dem Schauspiellaien Schießler besonders deutlich, damit der reagieren kann. Das Ensemble stolpert sich durch TV-Banalsätze.

Der Zuschauer darf hier einem Pfründen-Establishment, das Vitamin-B-Beziehungen zur BR-Redaktion (Elmar Jaeger) hat, beim holprigen, künstlerisch und demokratisch wertlosem Abgreifen von Zwangsgebührengeldern zuschauen; das Zwischengeschäft macht eine Firma namens mecom fiction (Produzentin Heike Richter-Karst).

Das Produkt macht erschreckend deutlich, dass München durch den Wirtschafts-Boom und die Vertreibungen dank hoher Mieten künstlerisch-kreativ am Ausbluten ist.

Dann eine hochdramatische Szene über die Herkunft von Hermes.

Kaum ein natürlicher Ton, Blick oder Geste.
Weitere Folgen schauen wäre Masochismus.

Es geht um Festplatte und Speicher und eine Lokalrenovierung. Auch soll ein Regisseur zu einer Besprechung kommen – der wird an der Tür abgewimmelt: das spart eine Schauspielergage.

Die Kripo kommt.

Immerhin gibt es eine Anleitung, wie Daten auf Handy und Computer in der Küche effizient gelöscht werden können.

Künstlerisch ist so ein Machwerk in keiner Weise zu rechtfertigen.
(Zu sehen war vorab eine Rohfassung ohne Titel und ungemischt – in der Sendung dürfte es weichgewaschener daherkommen).

Franz Xaver Bogner hat seinen Zenit deutlich überschritten. Dass er sich so einen unerträglichen Abgang leistet. Sieht und hört er überhaupt noch richtig?

Kabarettisten ohne Gewissen kassieren Zwangsgebühren ab, als ob ihnen nicht bewusst sei, dass diese ungerecht zu Lasten einkommensschwacher Schichten erhoben werden; bereichern sich an der Armut. Und der Pfarrer Schießler ebenso.

Comments Kein Kommentar »

Schlappe für Paula.

Fazit: eine Dominokette von Fällen: Kids begehen eine rechtsradikale Tat. Sie werden verpfiffen und kommen vor Gericht. Als Nachfolgetat und Rache am Verpfeifer gibt es einen Doppelmord. Als Racheakt dafür werden weitere Morde geplant. Dazu ist die Kommissarin noch liebesmäßig mit einen rechtsradikalen Kollegen zugange. Als ob das nicht schon kompliziert genug wäre, wird das auch noch verhackstückt erzählt. Tatkette wie in der Schweizer Kindergeschichte vom „Joggeli, der die Birnen runterschütteln soll“

Die Kommissarin Paula Ringelhahn (Dagmar Manzel) hat (gehabt) ein Verhältnis mit dem Kollegen Frank Leitner (André Hennicke), der offenbar extrem rechter Gesinnung war, alles über Rechtsextremismus und Kriminalfälle mit Ausländern gesammelt hat. Er ist verheiratet mit einer mindestens so rechtsextremen Frau wie der NSU-Patin Zschäpe, mit Gudrun Leitner (Ursula Strauß in einer Rolle, die vermutlich besser als Zschäpe-Sphinx angelegt worden wäre). Diese wiederum ist die Tochter von Theodor Pflüger (Hansjürgen Hürrig), bekannter Verleger rechtsextremer Texte.

Der Kommissarin Paul Ringelhahn fällt das rechtsextreme Milieu ihres Kollegen Frank nicht auf. Das ist hochgradig konstruiert. Das ist eine Pleite für das Image von Ringelhahn.

Die Kinder spielen eine Rolle. Herr Pflüger ist Sponsor/Chef eines Fußballvereins, der sein Vereinsheim in der Nähe hat und das ein rechtes Gesinnungsnest mit der bekannten Mauer des Schweigens ist.

Der Versuch, die Sachverhalte hinter diesem Tatort von Max Färberböck, der mit Catharina Schuchmann auch das viel zu komplizierte Drehbuch geschrieben hat, zu rekonstruieren, scheitert bald an Kleinigkeiten. Was ist mit den Kids? Es gibt im Film drei Kids, die zu hohen Freiheitsstrafen verurteilt werden. Das ist passiert, weil ein Ausländer, Ahmad (Josef Mohamed), ein Musterstudent aus Libyen, in den alle Frauen verliebt sind, die Jungs bei einer kriminellen Handlung beobachtet und angezeigt hat.

Das weckt den Racheimpuls bei den Rechten, bei Frank, bei Frau Leitner oder bei dessen Vater. Die bringen brutal zwei Verwandte von Ahmad um.

Das ist nicht alles. Wäre so schon Stoff für eine 12-teilige Fernsehserie. Soll aber in einen 90-Minüter und dazu noch fernsehgerecht verhackstückt untergebracht werden.

Mit der Entdeckung der Leichen, die ordentlich nach den Riten des Islam gereinigt und in Tücher verpackt gen Mekka liegend gefunden werden (und warum nicht gleich begraben?), fängt der Film an. Dieser will – wie die Strafverfolger bei der NSU – erst den Verdacht in die Umgebung der Opfer lenken. Eher harmlos im Vergleich zu dem, was über die NSU Morde und den mangelhaften Aufklärungswillen durch den deutschen Staat, bekannt geworden ist, da war Fatih Akin in Aus dem Nichts couragierter.

Da wir in Bayern sind, dürfen auch die Ausländer nicht sauber wegkommen (denn der Islam gehört/gehört nicht … etc.). Ein Verwandter der Ermordeten, Attallah (Nasser Memarzia) beauftragt Verwandte von ihm, zwei junge Männer, darunter Ahmad, den Mord zu rächen (wobei mir nicht klar ist, wie die Polizei davon erfahren hat); mit der Begründung, die aus einem Gespräch mit den Kommissaren herauszuhören ist, dass der Unterschied zwischen dem Islam und uns sei, dass die den Begriff Ehre haben. Was auf einen beabsichtigten Ehrenmord schließen lässt.

So will der BR die Ausgewogenheit des Ausländerthemas garantieren, das dachte sich wohl die verantwortliche Redakteurin Stephanie Heckner – oder vielleicht dachte sie sich gar nichts dabei.

Das Problem bei Max Färberböck ist, dass er ein exzellenter Regisseur ist und auch wie er einzelne Szenen und Dialoge entwirft zusammen mit Catharina Schuchmann ist oft reizvoll und geht weit über die üblichen, platten Fernsehdialoge hinaus.

Schönes Beispiel ist das Gespräch im Auto zwischen Felix und Paula, wie Felix sein Tun in Frage stellt, sich nur in einem schwarzen Loch sieht und dass man immer wieder anfangen müsse. Auch reizvoll, aber vollkommen weltfremd, ist die Befragung des Sportheim-Abwarts durch Felix, seine Begründungen sind intellektuell nicht ohne, aber weder zielführend noch realistisch.

Färberböck versteht es immerhin, seine Schwächen als Drehbuchautor, vor allem, was den Entwurf der Story betrifft, mit erstklassiger Regie und prima Schauspielerführung zu verdecken. Wobei der fränkische Mitarbeiter auf dem Kommissariat immer noch ein überdeutliches und zu langsames Fränkisch spricht, auch wenn er sich leicht gebessert hat. Dass der fränkische Klang mehr Eingang in den Film findet, bekommt ihm gut, mit Entwicklungsspielraum nach oben.

Und das könnte dem Leben abgeguckt sein, wenn Dr. Kaiser (Stefan Merki) an einer Stelle einen Satz seines Mitarbeiters, den er inhaltlich problematisch findet, auf Fränkisch wiederholt.

Dialog-Fragmente:
Sagen Sie mal, brauchen Sie eigentlich einen Staatsanwalt oder können Sie einmal alleine denken?

Ihre Gedanken sind blutig, Herr Attala, und das ist eine Würde, die ich verachte.
Sie schreien nach Rache. Sie opfern diesen jungen Mann.
Etwas, das Sie in diesem Land nicht wirklich verstehen.
Ehre. Sie sind ein Beschuldigter, ein Mittäter und ich werde Sie verhaften.

Wir sind umgeben von kleinen, hasserfüllten Kreaturen, die nicht mal ihr Fressen wert sind.

Ihre Bekanntschaft mit Udo Rasch, Amahi braucht einen Denkzettel und sie soll gesagt haben, wenn schon Denkzettel, dann richtig.
Man muss schon sehr weit runter, um Ihnen zu begegnen.“ (zu Frau Leitner).

Comments Kein Kommentar »

Archivwühlkuddelmuddel.

Zweimal 45 Minuten lang soll die Sendung sein; sie soll reichlich angefüttert werden mit wild ineinanderzuschneidendem Archivmaterial; kein Clip darf länger als ein paar Sekunden dauern – aus Panik vorm Wegzappen der Zuschauer; dann drehen wir noch ein paar heutige Statements und Blabla von damals Beteiligten oder Unbeteiligten, schneiden das willkürlich dazwischen, schreiben ein paar nette bis augenzwinkernde Zwischentexte und lassen die mit Tranquilizer-Stimme vortragen und fertig ist wieder eine BR-Sendung, wieder konnten ein paar Menschen Zwangsgebührengelder abgreifen – ohne Besonderes zu leisten.

Eine sich historisch gebende Sendung, die ganz ohne Analyse auskommt, ohne Nachfrage nach dem Wieso, Weshalb, was die Gründe waren, was die Paradoxien waren (warum Widerstand just mit aufkommendem Wohlstand?). Hauptsache: es ist was los auf der Mattscheibe, Randale sind schön, Aufmärsche, blutige Köpfe aber auch Blasmusik und lange Haare oder auch ein Toter (Benno Ohnesorg – der wurde allerdings schon 1967 getötet und nicht in Bayern, sondern in Berlin).

Und sollte ein einziger Zuschauer eine neue Einsicht zu 1968 gewonnen haben, so war das keine Absicht der Redaktion (Andreas Bräu); sie will es mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrag nicht übertreiben. Mit dem Herstellen dieses Bildverhaus wurde Klaus Uhrig beauftragt.

Dem BR dürften keine Probleme aus so einer Sendung entstehen; es sind keine gewagten Thesen, Beobachtungen oder neue Einsichten drin oder gar eine klärende Sicht auf jene Entwicklungen. Man verliert sich im Vielen und im Allgemeinen, im Schlagzeilenhaft-Ergiebigen.

Die Sendung wirkt fließbandhaft routinemäßig montiert, ja sie böte sich direkt an für einen Archivwühlroboter. Nur nicht denken, wenn es um die Produktion von so einer Sendung geht. Das Etikett allein soll überzeugen. Es steht zwar ‚Mythos‘ drauf, drin ist Bilderbrei. Warum stellt der BR nicht sein ganzes Material aus dieser Zeit direkt online? So könnte jeder sich sein eigenes Bild machen, seinen eigenen Bilderbrei kochen.

Fragen stellen wäre Majestätsbeleidigung. Ihren alten Kack wollen wir nicht mehr hören, Magnifizienz.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Comments Kein Kommentar »

Mit dem Marianne-Koch-Pfund ist gut wuchern. Das tut der BR in diesen Lebenslinien von Evelyn Schels unter der Redaktion von Christian Baudissin ausgiebig.

Marianne Koch lässt sich dazu überreden, doch vor allem in der Vergangenheit zu wühlen. Die ist enorm, die ist grandios. Obwohl Marianne Koch zu bedenken gibt, dass die Gegenwart sie interessiere, dass sie nicht gerne zurückblicke und nicht gerne bilanziere; das zu respektieren, so viel Anstand bringt der BR nicht auf. So bringt die Sendung sie doch genau dazu, am Schluss eine knappe Bilanz zu ziehen mit Hinweis auf die besten, die entscheidenden Momente.

Marianne Koch moderiert heute noch für den BR das Gesundheitsgespräch. Insofern ist dieses Biopic reine Eigenwerbung für den öffentlich-rechtlichen Sender, der sich mit unfairer Finanzierung zulasten der Einkommensschwachen finanziert. Eigenwerbung sollte er nicht machen müssen, davon steht nichts im Grundauftrag.

Der Lebensweg von Marianne Koch ist bemerkenswert. Nicht allzu großzügig gewährt sie Einblicke in ihre private Situation, zeigt Fotos und erzählt von Drehbarbeiten.

Sie wächst in der Nazizeit mit einer starken Persönlichkeit von alleinerziehender Mutter auf. Sie ist das Kind einer außerehelichen Beziehung ihrer Mutter zu einem Arzt, der rechtzeitig in die USA emigriert ist.

Ihr Berufsziel war ganz früh, Ärztin zu werden. Sie war mit ihrem Bruder von der Mutter an der langen Leine erzogen worden, hat dadurch ein natürliches Selbstbewusstsein entwickelt. Bei einem Job in den Bavaria-Kopierwerken in Geiselgasteig ist die junge Frau angesprochen worden, ob sie ein Casting für eine Filmrolle mache. Sie sagte zu und bekam die Rolle.

Das war der Startschuss für eine 20 Jahre lang anhaltende Filmkarriere; Filmausschnitte zeugen davon. Irgendwie hat aber die Familie, inzwischen ist sie verheiratet, hat zwei Söhne, doch gelitten darunter: Scheidung, Abbruch der Filmkarriere.

Mit 40 entscheidet sie sich, das Medizinstudium wieder aufzunehmen, erfüllt sich ihren Berufswunsch, Ärztin zu werden. Das meistert sie mit 1-er Staatsexamen. Im Rundfunk bleibt sie präsent in der Kultsendung „Was bin ich“, die ihre Beliebtheit wohl auch darauf zurückzuführen hatte, dass die Rater das mehr als freundschaftliches Vergüngen betrieben haben und nicht aus Quotenehrgeiz. Hier kann das öffentlich-rechtliche Fernsehen wehmütig auf Zeiten zurückblicken, als es noch fest in breiten Teilen der Bevölkerung verwurzelt war, was heute wohl nur noch unter großen Vorbehalten behauptet werden dürfte.

Nach dem Studium hat Marianne Koch als Internistin gearbeitet und nach einigen Jahren ihre eigene (Nichtpromi!)Praxis in Haidhausen aufgemacht. Da freie Ärzte mit 68 keine Kassenpatienten mehr behandeln dürfen, hat sie ihre Praxis aufgegeben und sich dem Journalismus zugewandt.

Auch der erfüllt sie und sie ihn mit der erwähnten Sendung im BR und mit dem Schreiben von populärwissenschaftlichen Medizinbüchern. Die Sendung ist mehr Erinnerung an gute Zeiten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als ihm lieb sein dürfte.

Comments Kein Kommentar »