Archiv der Kategorie: TV

Manipulation: Wenn Coaching zur Gefahr wird (ARD, Mediathek)

Werbesendundung für Markus Streinz

Der Titel dieser Sendung von Caroline Hofmann unter redaktioneller Verantwortung der Zwangsgebührentreuhänder Daniel Schwenk und Nicoletta Renz ist selbst eine Irreführung. Sie untersucht nicht das Phänomen Coaching als solches. Sie wägt auch nicht ab ein Dafür und ein Dawider. Sie findet auch keine Beispiele von positivem Coaching. Sie arbeitet sich simpel ab am Guru Markus Streinz aus Östereich, auf den offenbar viel Menschen reingefallen sind und teuer dafür bezahlt haben.

Diese Sendung hat weniger mit Investigativ-Journalismus zu tun, wie sie den Eindruck zu erwecken versucht, sie ist vielmehr ein Bashing-Konglomerat von Opfern, die sekundiert werden von aller Art von Fachleuten, die als Talking-Heads mannigfache Vermutungen dafür absondern, warum diese Leute sich haben neppen lassen. Wobei das Thema Leichtgläubigkeit und warum der Guru es möglicherweise leicht hat, ausgespart bleibt.

Unten links am Bildrand taucht als Qualitätssiegel das Markerl „ARD Wissen“ auf. Was wissen wir nach der Sendung mehr? Sei vorsichtig, wenn Du einen Guru buchst. Sei vorsichtig mit Schwätzern. Sei vorsichtig, wenn Du vorgeblich für Glück Geld ausgibst. Banalitäten, die man aus der Sendung ziehen kann.

Es gibt aktuell einen interessanten Film im Kino mit dem Titel Manipulation. Der versucht an einem Modell und ganz ohne Bösewicht in der realen Gesellschaft, auf den man eindreschen kann, ohne dass er selbst zu Wort sich meldet, Mechanismen der Manipulation freizulegen.

Man könnte jetzt noch die Minuten zählen, in denen Markus Streinz mit Eigenwerbung vertreten ist. Building of a Bösewicht. Die Öffentlich-Rechtlichen täten besser daran, mal haargenau nachzuvollziehen zu versuchen, wie Menschen zu Parteien driften, die die demokratische Grundverfassung in Frage stellen; wieso sie sich von diesen verführen lassen.

So viel müssten die Medienmenschen vom BR ja wissen, dass Fernsehpräsenz allein zählt, dass die Leute nachher nur noch wissen, den haben wir am Fernsehen gesehen, also den Markus Streinz, und dass sie nachher überhaupt nicht mehr wissen, ob gut ob böse. Der Markus Streinz aber ist ihnen nach so einer Sendung ein Begriff: bekannt aus dem Fernsehen. TV-Präsenz schafft Bekanntheit. Die Sendung trägt zur Vermehrung der Bekanntheit von Markus Strenz bei. Also scheinen auch die Verantwortlichen für diese Sendung mit einer gewissen Naivität ausgestattet, die wiederum bei vielen die Voraussetzung ist, um auf Bauernfänger reinzufallen. So ein Format gab es einmal: „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“. In meiner Erinnerung haben die mehr prinzipiell Betrugsmaschen offengelegt, als dass sie auf einzelne Betrüger losgegangen sind wie hier.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.

BR Queer-Film-Reihe Sommer 2026

Wieder legt der BR eine Reihe mit exzellenten und über die Community hinaus aufregenden queeren Film auf. Aber für wie unmündig hält er seine Zuschauer, dass die Filme alle in die tiefe, dunkle Nacht hinein verbannt sind, als ob etwas Anrüchiges dabei wäre? Das wäre doch mal einen Versuch wert, diese in der Hauptabendschiene zu senden. Es geht schließlich um Liebe und Toleranz – wenn das mal keine Themen für die Hauptsendezeit sind!

RODEO (18. Juni, 23.15 Uhr)
Dieser Film über eine Motorradbraut riecht nach Benzin.

LILIES NOT FOR ME (BR, 25. Juni)
Die schönste Liebe kann zerstört werden, wenn die Mitmenschen es nicht wollen, und glauben, sie mittels Testikelverpflanzung heilen zu müssen.

CLOSE TO YOU (BR, 2. Juli)
Es gibt ganz andere Qualitäten von Beziehungen als nur die über den Sex.

FIREWORKS (BR, 9. Juli)
Wenn das liebe Dorf mit einer Liebe nicht umgehen kann.

WHAT A FEELING (BR, 16. Juli)
Das delikate Thema lesbischer Liebe mit Wiener Charme und Schmäh angegangen

AUS MEINER HAUT (BR, 30. Juli)
Wie im Liebesakt Allgemeinheit und Indivdualität verschmelzen, so dass der Geschlechterunterschied keine Rolle mehr spielt.

FRAU AUS FREIHEIT (BR, 23. Juli)
Schönstes Genusskino mit menschlicher Tiefe über eine menschliche Transition

What a Feeling (BR Queer) (BR, Donnerstag, 16. Juli 2026, 23.15 Uhr)

„Ich geh jetzt meine Zeit verbringen mit Leuten, die im 21. Jahrhundert leben“.

Damit meint die Protagonistin Dr. Marie Theres Wallner (Caroline Peters), sie treffe sich mit Leuten, für die es keine Rolle spielt, ob ein Mann eine Frau oder einen Mann oder eine Frau einen Mann oder einen Mann liebt. Was eigentlich längst selbstverständlich sein sollte; Glück ist Privatsache und was geht das Intimste, das Bett, die anderen an.

Aber so selbstverständlich scheint das auch heute noch nicht zu sein. Im französisch-luxembourgischen Film Love Me Tender dreht ein Mann nach der Trennung durch, wie seine Frau ihm erzählt, sie sei jetzt mit einer Frau zusammen.

Und eigentlich ein schlechtes Zeichen für unser fortgeschrittenes 21. Jahrhundert, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk sich bemüßigt fühlt, extra eine Queerreihe aufzusetzen und die dann noch ganz verschämt, als ob dies etwas Anrüchiges sei, tief in der Nacht zu senden.

Der Film von Kat Rohrer behandelt das Thema mit österreichischem Charme, mit einer Komödiantik sondergleichen, wie selten in diesem Themencluster.

Caroline Peters spielt ihre Rolle des Dr. Wallner in der Art eine großen Komikerin, die von einem Fettnäpfchen ins nächste tritt. Die aus allen Wolken fällt, wie ihr Mann Alexander (Heikko Deutschmann) nach einer Auszeit, nackt im Dschungel, eine weitere Auszeit braucht und auszieht.

Wallner ist Ärztin in einem Wiener Krankenhaus und fassungslos. Das wirkt sich auf ihre Arbeit aus, worauf ihr Chef Dr. Brinkmann (Joseph Lorenz), ganz Macho, sie vorläufig beurlaubt. In ihrer Verzweiflung über ihre Mannes Auszug kippt sie einen zuviel hinter die Binde und landet sturzbetrunken, nicht nur angetüdelt, in der Pussy Cat Bar. Und, wie ein Sprichwort sagt, man begegnet sich immer zweimal (es kann dann auch mehr werden), stößt sie hier auf Fa Safir (Proschat Madan).

Mit Fa hatte Wallner auf der Straße schon einen unfreundlichen Zusammenprall. Fa ist die Tochter der Patientin Samira (Nicole Ansari-Cox), einer Iranerin, die mit ihren drei Kindern nach Österreich ausgewandert ist.

Aus dem Zusammentreffen in der Bar wird eine Nacht, von der Resi, wie Theres abgekürzt genannt wird, nicht mehr genau weiß, was da war. Jedenfalls stolpert sie in die lesbische Liebeswelt vollkommen unvorbereitet, so etwas hätte sie nie gedacht, hätte sie sich nie ausmalen können, wäre ihr um nichts in der Welt auch nur in den Sinn gekommen. Und dann war es plötzlich da. Und gar nicht so übel.

Der Film arbeitet gekonnt mit Komödienstrukturen. Er jongliert mit dem Thema, dass so was verschwiegen werden müsse, versteckt, dass erst recht für die iranische Familie Lesbentum ein großes Tabu sei und auch Resi möchte es vor ihrer Tochter Anna (Allegra Tinnefel) verborgen halten.

Geschickt schraubt der Film die Verwicklungen, die sich durch den Beruf von Resi und die Krankheit der Mutter von Fa und der Liebesgeschichte ergeben, zu immer neuen Konstellationen und Konflikten hoch und kriegt dann rechtzeitig die Kurve zu einem Happy-End. Die als Eiszapfen apostrophierte Ärztin wirkt dann abgeschmolzen, befreit.

Fireworks (BR Queer) (BR, Donnerstag, 9. Juli 2026, 23.15 Uhr)

Mitten im impulsiven Leben von Sizilien

gedeiht 1980 ganz unauffällig die Liebe der beiden Jungs Nino (Gabriele Pizzurro) und Gianni (Samuele Segreto). Das fällt niemandem weiter auf. Das Leben quirlt. Die Männer hocken vor der Dorfkneipe. Der Onkel von Gianni betreibt eine kleine Mofa-Werkstatt. Vom Vater heißt es, der sei im Norden am Arbeiten.

Mutter Lina (Simona Malato), kann mit dem Buben beim Onkel unterkommen. Der schickt ihn am Abend noch ein gutes Stück weit weg, ein Moped, was ein Geburtstagsgeschenk sein soll, abliefern. Den Rückweg muss er zu Fuß antreten.

Gianni wird im Dorf verspottet als Giannuzza, sein Vornamen als weiblicher Diminutiv. Er ist der Opfertyp. Andere Jungs und Männer bedrängen ihn, schminken ihm die Lippen rot. Er wird als Schwuchtel bezeichnet. Toleranz ist nicht das charakterisierende Merkmal der Dörfler.

Giuseppe Fiorello schildert das Leben in Italien attraktiv, ausladend. Es dauert bis Gianni und Nino die erste Begegnung haben. Und dann wieder bis zur zweiten. Gianni taucht bei der Familie von Nino auf. Sein Vater hat Gesundheitsprobleme, kann aber niemanden einstellen. Er installiert Feuerwerke für Dorffeste. Nino arbeitet mit seinem Vater.

Gianni bekommt beim Onkel von Nino einen Job im Steinbruch. Hier holt Nino Gianni von der Arbeit ab mit seinem Moped. Es gibt Gerüchte über die Vergangenheit von Gianni. Er stellt sich aber als ordentlicher, zuverlässiger Arbeiter an.

Die Freundschaft zwischen ihm und Nino wächst. Unauffällig. Sie gehen schwimmen zusammen. Es gibt romantische Momente. Immer wieder schauen die Leute Fußball. Es ist 1980 und die WM und Italien haben einen guten Lauf.

Wie Gianni mit Nino die Feurwerksarbeit übernimmt, weil der Vater so krank ist, enzündet sich wie ein Feuerwerk die Liebe; ein Romanze flammt auf. Sie verstecken das nicht, oder aber: in so einem Dorf bleibt nichts geheim. Da zeigt sich die hässliche Seite einer solchen Dorfgemeinschaft. Aus der Romanze wird ein Drama, dann eine Tragödie.

Lilies Not For Me (BR Queer) (BR, Donnerstag, 25. Juni 2026, 23.15 Uhr)

Horror, der unendlicher Romantik in die Parade fährt.

Testikelverpflanzungen sind die historischen Begebenheiten, auf die sich dieser Film von Will Seefried beruft, ein Verfahren aus den 1910ern und 1920ern, das von einem später mit dem Medizinnobelpreis ausgezeichneten Arzt durchgeführt wurde, um Homosexuelle von ihrer Krankheit zu heilen. Allein diese Vorstellung ist der Horror. Dieses Horrible kommt besonders zur Geltung, da der überwiegende Teil des Filmes in unendlicher Bild- und Liebesromantik schwelgt.

Im Zentrum ist die Liebe der Jünglinge Owen Jamer (Fionn O’Shea) und Philipp (Robert Aramaya). Die heiße Phase ihrer Liebe wird in weichen Farben in ebensolchem Licht geschildert.

Owen wird Schriftsteller. Mit seinem Buch „Ein untauglicher Soldat“ hat er Erfolg. Ein wichtiger Horroreinschluss im Film ist der Aufenthalt von Owen, Jahre später, in einer psychiatrischen Klinik. Krank, klar. Aber auch zum Krankwerden.

In der Klinik soll Schwester Dorothy (Erin Kellyman) den jetzt bleich gezeichneten Owen in Gesprächen an einem Esstisch in einem praktisch leeren Esssaal behandeln. Sie hat Verständnis für Owen. Sie besorgt ihm eine Schreibmaschine, die ihm entzogen wurde.

Blicke zurück schildern, wie es so weit gekommen ist. Philipp, der Medizin studierte, will sich von seiner Krankheit heilen lassen. Er hat den Eingriff genau studiert, der kann auch von Laien durchgeführt werden. Owen und Philipp versprechen sich, sich gegenseitig zu heilen. Erst führt Owen den Eingriff an Philipp durch; Szene auf das Konto der Horrorseite des Filmes.

Geübt wird das Nähen der Wunde an Orangen. Kein Problem für Owen, der auch stickt. Owen möchte dann aber nicht, dass Philipp den Eingriff an ihm vornimmt.

Die zwei Liebenden leben in einer lauschig-romantischen Bruchbude im Grünen. Eines Tages taucht dort Charles (Louis Hofmann) auf. Der ist auf der Suche nach seinem Vater. Der Zuschauer hat dazu bereits eine Info.

Da Philipp geheilt ist, entwickelt sich eine Liebe zwischen Owen und Charles. Der ist in der Stadt verheiratet und hat ein Kind. Aber er hat auch dieses Verlangen nach Männern. Er denkt nicht daran, geheilt werden zu wollen. Er gibt Owen Tipps, wo in der Stadt sich Männer treffen.

Horrorperspektiven und -bilder liefert die psychiatrische Anstalt. Gegen die setzt der Film Bilder von Meer, Natur, freien Körpern, Schönheit. Aber, dass Menschen das nicht schön finden können, das macht frösteln. Vom Text her liefert ein Gedicht über Lilien den romantischen Input.

Close to You (BR Queer) (BR, Dienstag, 1. Juli 2026, 23.15 Uhr)

In Coburg, Canada,
und in Toronto

Coburg in Kanada ist eine Kleinstadt. Hier ist Sam (Elliot Page) in bürgerlichen Verhältnissen bei Mutter Miriam (Wendy Crewson) und Vater Jim (Peter Outerbridge) mit Geschwistern aufgewachsen. Es war eine schwere Jugend in dieser Kleinstadt, weil Sam als Mädchen geboren war, sich aber als Junge fühlte.

Sam ist nach Toronto abgehauen und hat wenig Kontakt zur Familie. Es taugt ihm hier, er lebt sein Leben als Schlampe, wie er sagt. Er ist ein aparter, feingliedriger Mann, der Tiefe und Ernst ausstrahlt. Er wohnt in Toronto bei einer Freundin, wie er sagt, es ist Emily (Sook-Yin Lee). Das Verhältnis ist ein offenes, vertrautes.

Der Geburtstag seines Vaters führt Sam zurück. Im Zug trifft er Katherine (Hillary Baack). Die beiden haben sich zu Schulzeiten prima verstanden. Sie ist in Coburg geblieben, verheiratet, zwei Kinder.

Der Film spielt vor allem in Coburg und dort im Elternhaus von Sam. Er wird zu einer Rückschau auf das Leben von Sam, was er alles durchgemacht hat. Im Nachhinein zeigt sich, dass von Elternseite enorme Ängste, aber auch Verständnis da gewesen ist.

Einen dramatischen Mittelpunkt hat der Film in der Auseinandersetzung mit dem neu in die Familie aufgenommenen Schwager Paul (David Reale). Der ist überfordert mit Sam und seiner Transgeschichte. Er fährt die üblichen Klischees, Vorurteile und Provokationen auf. Er repräsentiert jene Seite der Gesellschaft, die mit dem Phänomen nicht umgehen kann.

Mit Katherine hingegen trifft sich Sam wieder. Die beiden geben ein im Kino – und wohl auch im Leben – selten zu findendes Beispiel von Vertrautheit und Verständnis, von Offenheit. Katherine wird sagen, sie habe sich damals bei ihm einfach wohlgefühlt, obwohl sie kein Liebesverhältnis hatten. Sie hat sich bei ihm aufgehoben gefühlt, sicher.

Der Film von Dominic Savage, der mit seinem Protagonisten Elliot Page auch das Drehbuch geschrieben hat, schildert das verhalten, subtil, menschlich. Wie er überhaupt sein Thema diskret und zurückhaltend angeht. Fast am Rande der Erkennbarkeit zeigt er einmal die Narben der Brust-OP von Sam. Ein weicher, leicht verspielter Sound begleitet die Erzählung.

Sportfreunde Stiller – Mit dem Herz in der Hand (Das Erste, Freitag, 12. Juni 2026, 23.30 Uhr)

Noch ein Musikfilm

Gefühlt alle paar Tage kommt inzwischen ein Musikfilm in die Kinos. Da will das Fernsehen nicht hintanstehen. Eine ganze Kohorte von öffentlich-rechtlichen Redakteuren, Helge Freund und Martin Kowalczyk vom BR, Kristian Costa-Zahn und Franciscus Wenner von ARD Kultur, Kerstin Woldt und Martin Schindel vom SR, waren nötig, um diese absolut gewöhnliche Altherrenbanddoku von Thorsten Berrar auf die Beine zu stellen (gegen Freitickets?).

Gewöhnlich im Sinne von üblichem Bildverhau aus Backstage, Proben, Konzert, Talking Heads, Archivfootage; hier wühlen sie noch in alten Zeitungsausschnitten und zitieren aus Kritiken. Immerhin, früher haben sie sich damit beschäftigt und schlechte Kritiken haben ihnen zu denken gegeben; oder auch wenn im Konzert ein einziger Zuschauer war, der sich nicht massenmanipuliert verhalten hat, so hat sie das irritiert; das erinnert daran, was Shakespeare seinen Hamlet den Schauspielern raten lässt: sie sollen sich nicht von einem Saal voller Bravorufer beeindrucken lassen, wenn ein einziger Weiser im Saal nicht mitschreie. Durchaus positiv zu dieser Band. Oder auch ihr früheres Prinzip, lieber nicht perfekt zu sein, also Fehler zuzulassen, statt auf Perfektionismus zu setzen.

Es gibt aber auch die Phase in dieser Doku, in welcher sie trieft vor Eigenrühung über frühere Erfolge. Schmalzig. Dann noch kurz eine Krise, eine kreative Pause erwähnt, und dass die Freundschaft und die gemeinsame Geschichte doch stärker waren und zum Schluss ein Schuss Wohltätigkeit für die Ukraine drübergekippt. Sicher ein nettes Werbeprodukt für Fans. Dazu hätte es nicht gleich mehrerer öffentlich-rechtlicher Sender bedurft; das könnte man ruhig dem Kommerz überlassen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.

Lebenslinien: Mein Herz und der Triathlon (BR, Montag, 1. Juni 2026, 22.00 Uhr)

Zeitnah

zum Challenge Roth am 5. Juli sendet der BR unter redaktioneller Obhut von Sonja Hachenberger diese Werbesendung für den Triathlon von Roth, einem privaten Unternehmen.

Die Lebenslinien von Maike Conway können sich deshalb nicht entscheiden, was sie sein wollen. So direkt dürfen sie ja nicht Werbesendung für ein privates Unternehmen sein. Einen klaren Einblick in das Familienunternehmen bieten sie aber auch nicht, schon gar keinen Hinweis auf Rechtsform, Besitzverhältnisse, Geschäftsvolumen und Gewinn. Lediglich der Werbebegriff des „weltgrößten Langdistanz Triathlons“ kommt vor. Die Protagonistin wird nicht eindeutig als Unternehmerin gewürdigt. Ist sie CEO, ist sie Inhaberin? Immerhin ist zu erfahren, dass diese und ihr Bruder fulltime ins Unternehmen involviert sind.

Diese Lebenslinien ziehen sich teils das Mäntelchen eines Gesundheitsfilmes an, im Sinne der Apotheken Umschau und deren Publikumswirksamkeit als, wie es einst hieß, auflagenstärkstem Printmedium. Es geht umd die vererbliche Herzkrankheit der Protagonistin als auch von deren Mutter und auch der Tochter.

Die Info über die Herzerkrankung bleibt ungenau. Man erfährt, dass die Betroffenen sich damit arrangieren (Kommentar). Es gibt ärztliche Beratungesgespräche, die hier öffentlich werden. Aber die bleiben für eine Gesundheitssendung zu bruchstückshaft. Es gibt keinerlei Hinweise auf die hohe Entwicklung der Herzmedizin; bis auf die Äußerung der Protagonistin, dass sie im Gegensatz zu ihrer Mutter dank jener noch am Leben sei. Aber auch das bleibt diffus.

Um die Diffusität (oder den Nebel, der den Werbecharakter einhüllen soll) noch zu erhöhen, gibt es Brösel aus dem Familienalbum, Super-8-Clips; Bilder aus dem privaten Familienleben; dann diese unsäglichen redaktionellen Voice-Over-Texte mit – immerhin – einer Stimme, die hervorragend auch zur Apotheken Umschau passen würde.

Sicher, jeder Unternehmer muss entscheiden, wie er für sich Werbung machen will. Werbung im redaktionellen Teil von Medien unterzubringen, das ist der Clou für Werbetreibende. Wenn Swatch es schafft, dass über Warterituale, gar Schlägereien, im Zusammenhang mit einem neuen Produkt auf den Redaktionsseiten berichtet wird, so drehen die Werbefritzen schier durch. Und wenn ein privat und kommerziell organisierter Triathlon es schafft, eine Dreiviertel Fernsehstunde gratis zu platzieren …

Spannender als diese Lebenslinien selbst wäre, zu erfahren, wie es dazu gekommen ist, wie und von welcher Seite aus der Erstkontakt stattgefunden hat, wie sich dieses Geschäft angebahnt hat, mit welcher Begründung der Auftrag zur Produktion redaktionsintern abgesegnet worden ist, wie es zu diesem Sendetermin so kurz vor dem entscheidenden Tag im Familienunternehmen gekommen ist.

Aber wir sind ja so unmündige Bürger und Rundfunkfinanzierer, solche Dinge zu erfahren, das würde uns bestimmt überfordern, wir nennen den Rundfunk ja auch nur öffentlich, dabei passiert dort so vieles im Verborgenen; wobei es in Zeiten des Internets kein Problem wäre, auch solche Dinge publik zu machen. Ein kleiner Vermerk bei den Titeln oder im Abspann: diese Sendung kam auf Initiative/Ersuchen des Protagonisten zustande.

In diesem speziellen Fall müsste geklärt werden, ob es der Redaktion darum gegangen ist, jemanden mit einem erblichen Herzfehler zu finden. Da es davon bestimmt Hundertausende im Lande gibt, wäre wohl die erste Anfrage an die Herzmedizin gegangen. Und dann schauen, ob da spannend zu erzählende Lebensläufe zu finden sind, vielleicht eindrücklichere, solche, bei denen zu den üblichen Problemen in einem Menschenleben wie Geburt von jüngeren Zwillinggeschwistern oder Todesfällen in der Familie noch weitere, schwer oder kaum zu bewältigende Lebenskonflikte hinzukommen.

Hier wirkt es eher so, dass ein Push von Seiten der Protagonistin der Erstanstoß war. Denn das Bemühen, den Werbefaktor zu verstecken, das prägt die Sendung, darum ist sie so nicht Fisch nicht Fleisch, nicht recht Werbesendung, nicht recht Unternehmensgeschichte, nicht recht Krankheitsgeschichte, nicht recht Familiengeschichte, nicht recht Biopic, nicht recht Triathlon-Organisationsgeschichte, schon gar nicht Liebesgeschichte, nicht recht Roth-Lokalgeschichte, weil es nur Vorwand ist, um Sendezeit für das bevorstehende Event zu krallen.

Da auch das Spekulation bleibt, schlagen wir vor: künftig sollen die Protagonisten für solche offensichtlichen Werbesendungen bezahlen, immerhin eine dreiviertel Stunde TV-Zeit auf einem festen Sendeplatz, das darf man nicht unterschätzen. Das könnte die Beitragszahler entlasten.

Und wieviele Freikarten für das Stadion am Eventtag sind aus Roth an die BR-Redaktion gegangen?

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die regelmäßig zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.

Hirschhausen will zum Papst – Wer bewahrt die Schöpfung? (Das Erste, Sonntag, 25. Mai 2026, 19.15 Uhr)

Selfie mit Schweinen
Kein Selfie mit Pope

Die Bilder aus dem Vatikan, auf denen Dr. Eckart von Hirschhausen das musterschülerhafte Fotoalbum zu seiner bestimmt nicht emmissionsarmen Reise auf den Spuren der Enzyklika Laudato Si vom argentinischen Papst Franziskus dessen amerikanischen Nachfolger überreicht, stammen vom Vatikan, der die Herrschaft über die Audienz-Bilder beansprucht.

Auch haben der BR und sein Protagonist vom Timing her Pech gehabt, als ausgerechnet heute jener Papst, der hier (inquisitorisch?) unter die Lupe genommen werden sollte hinsichtlich seines grünen Gewissens, eine womöglich viel brisantere Enzyklika veröffentlicht hat zum Thema KI.

Allzu begeistert zeigt sich Papst Leo nicht vom Poesiealbum von Dr. Eckart von Hirschhausen. Die Schweine auf einem Hof in Norddeutschland, teils Pachtland von der katholischen Kirche, zeigen sich aufgeräumter, deutlich interessierter und sind gegen ein Selfie nicht abgeneigt.

Immerhin hat die Weltreise von Dr. Eckart von Hirschhausen ein Motto. Über den Schutz des Planeten lässt sich wunderbar reden und vor allem lassen sich Reisen so noch guten Gewissens machen, sei es in die Philippinen zu Naturkatastrophen (hier taucht der Ökoreisende selbst im Bild nicht auf) oder zur Klimakonferenz in Brasilien. Vor allem verpflichtet so ein nettes Palaver mit netten Leuten zu rein gar nichts.

Moral- und Klimaapostel haben es gut heutzutage. Sie stehen auf der richtigen Seite der Geschichte, eh klar, und dürfen ohne schlechtes Gewissen emissionsreich reisen. Aber warum sie immer im Bild sein müssen, das will nicht so recht einleuchten. Sieht nicht darnach aus, als ob auf diese Weise etwas geändert werden würde.

Man könnte das Reisen reduzieren, vor der Haustür, bei den eigenen Politikern anfangen, in Bayern, in Berlin. Die sind doch gerade dabei, den Klimaschutz sträflich aufzuweichen, mit Subventionen den Benzinverbrauch und damit den Ausstoß von CO2 anzukurbeln, statt zum Sparen aufzurufen, dito mit dem Fliegen. Aber mit denen ist nicht so gut reden wie mit Klimaaktivisten, fortschrittlichen Landwirten, evangelischen Pfarrerinnen, einem katholischen Bischof auf den Philippinen oder ungemein wichtigen Klimaforschern.

Nicht ganz so peinlich ist diese Sendung mit dem Wohllaut des Schutzes des Planeten wie kürzlich Holy Mary – Wer glaubt an Marienerscheinungen. Aber auch nicht wirksamer als ein routiniert heruntergebeteter Rosenkranz zur Besänftigung des kirchlichen Publikums.
Redaktion pqpp2: Anja Buwert, Capar Fischer
Redaktion BR: Elisabeth Möst
Buch und Regie: Boris Quatram

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Animal Takeoff – Luchs im Anflug (BR, Montag, 25. Mai 2026, 18.45 Uhr)

Verwirrfernsehen

Irgendwie hat man den Eindruck, die wissen bei den Öffentlich-Rechtlichen überhaupt nicht mehr, was mit den Milliarden Gebührengeldern anfangen. Irgendwie müssen die rausgehauen, in die Pfanne gehauen werden.

Redakteurin Ulrike Lovett scheint wenig klar zu sein, wozu es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gibt und weshalb Millionen von Bürgern gezwungen werden, die Gebühr abzudrücken, damit auch ihr Gehalt schön regelmäßig inklusive Altersversorgung bezahlt werden kann. Sie muss Sendezeit liefern; sie muss – irgendwie – Sendezeit füllen, damit der Zuschauer nicht vor Schwarzbild sitzt. Sie muss Zeit mit Bildern füllen. Ok, das kann heute ein jeder, Bilder produzieren. Keine Ahnung, welche Weisungen die Jobbeschreibung, das Pflichtenheft der Redakteurin enthält; ob das unklar formuliert ist oder ob sie es vielleicht nicht verstanden oder willkürlich uminterpretiert hat. Wäre interessant zu erfahren. Steht in ihren Weisungen vielleicht, tröpfchenweise das English als Invasivsprache bei Titeln zu verwenden?

Die Gunst, dieses Irgendwas mit Bildern zu machen, die Sendezeit füllen, hat Redakteurin Ulrike Lovett einer Angela Graas-Castor zuteil werden lassen.

Was die Redakteurin aus ihrem offensichtlichen Weisungssalat herausliest, erschließt sich nicht aus diesem Bilderverhau, den die Redaktionsbegünstigte für sie liefert mit dieser „Dokumentation“ mit dem englischen Titelanteil, damit auch ein internationales Publikum mitbekommen kann, was für billiges Fernsehen die hier machen.

Irgendwas mit Flughafen und irgendwas mit Tieren soll es sein. Animal Takeoff, wenn ich diesen Teil des Titels betrachte, so denke ich an Tiere, die wegfliegen. Da könnte es mehrere Möglichkeiten geben, als Begleiter von Passagieren oder im Käfig im Frachtraum oder gar als blinder Passagier. So einer kommt tatsächlich vor in der Sendung, ein Geko aus China, der sich in ein Flugzeug geschummelt hat.

Takeoff wörtlich genommen würde bedeuten, Tiere, die von München wegfliegen. Da könnte man zum Beispiel einen konkreten Fall verfolgen. Könnte sich mit dem einzelnen Tier beschäftigen, mit allen Vorbereitungen, die der Besitzer tätigen muss, auch Versicherungen, speziell mit dem Tierwohl und was Tierschützer dazu meinen.

Hier in dieser Fernsehware interessieren Hintergründe und Tieferes und auch Genaueres, Nachvollziebares an Vorgängen nicht. Hier wird auf den Flughafen gegangen und wer bereit ist, sein Gesicht in die Kamera zu halten, der kommt dran. Muss auch Zeit haben. Also dominieren die Sprengstoffhunde und ihre Führer. Der Titel der Sendung gibt solches nicht her. So ist er mindestens schon eine Täuschung des Zuschauers.

Die Täuschung des Zuschauers geht weiter insofern, als Luchs auf dem Etikett steht, auf den Luchs selber schätzungsweise weniger als zehn Prozent Sendezeit entfallen. Das bekommt man noch mit, dass er nicht tot ist und dass es ihm nicht grad gut zu gehen scheint. Könnte man nachforschen, wie das prinzipiell ist. Aber das wäre Arbeit, da müssten die Fernsehleute ihre Komfortzone des tollen Auftrittes mit Kamera in Gefilden, wo sie sonst eher selten anzutreffen sind, verzichten, müssten ernsthaft recherchieren, oh la la, nö, das wäre zu viel verlangt und dann noch für schäbiges Gebührengeld, wo sind wir denn.

Einige Minuten Sendezeit nimmt die Fauna des Flughafens ein, auch das gibt der Titel nicht her, wäre an sich ein spannendes Thema, aber da müsste man was tun dafür, es auch so zu büscheln und bündeln, dass es gut genug als Beitrag für einen öffentlich-rechtlichen Sender wäre und nicht nur als Beitrag für jedermanns Youtube-Kanal.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird … und diesem Rundfunk fällt nichts anderes ein, als solch beliebige Sendungen zu produzieren und auszustrahlen, Sendungen von solch triefender Belanglosigkeit, weder informativ noch unterhaltsam … wenn wenigstens nachgefragt worden wäre, wieviele der Protagonisten Sympathien für die AfD hegen …