Archiv der Kategorie: TV

Vakuum (BR, Mittwoch, 19. Januar 2022, 22.45 Uhr)

Lockdown-Potpourri aus dem Burgenland

Ein Dokument in schöner Standfotografie aus der Zeit des harten Lockdowns in Österreich, wie ihn Generationen von Menschen nicht kannten und sich auch nicht vorstellen konnten: eine absolute Ausnahmesituation.

Kristina Schranz hat die einmalige Chance genutzt, um diese Zeit in Momentaufnahmen festzuhalten. Zuerst montiert sie Aufnahmen von leeren Innenräumen, die normalerweise voll sind mit Menschen wie Schwimmbad, Kirche, Schule. Dann befragt sie Menschen im Lockdown vor ihrer Kamera. Und dann das leere Kino, traurig, traurig, oh, ein Kunde kommt, Popcorn springt – also doch Popcorn-Kino?. Die Frau an der Theke ist glücklich, dass sie drei Stunden wenigstens arbeiten darf.

Ein wiederkehrendes Motiv sind die Grenzschützer, die die grüne Grenze bewachen müssen. Auch die leere Disco; die speziellen Probleme der Disco mit den Körperkontakten, der Nähe, dem Schmusen.

In den recht spontanen Gesprächen, die die Regisseurin mit ihren Protagonistinnen und Protagonisten führt, geht es um die Bewältigung der außergewöhnlichen Situation, wirtschaftlich, beziehungsgemäß, um schlechte Träume und Bewältigungsstrategien, wobei manche auch vorher schon wenig soziale Kontakte hatten.

Das kinematographische Prinzip, möglichst große Raumteile als Ganzes zu erfassen und die Protagonistinnen und Protagonisten darin arbeiten oder sprechen zu lassen, wirkt sich für die Rezeption des Filmes positiv aus; man hat Zeit zu schauen bei gleichzeitigem Zuhören, so dass das Gefühl entsteht, die Filmzeit gehe schnell vorbei.

Nach dem ganz harten Lockdown interessiert sich der Film später für die reduzierte Normalität mit Masken- und Abstandsvorschriften in Restaurants, Einkaufszentren, Sportplatz, Schwimmbad, Kindergarten, Covidteststation, Test in der Familie.

Ihre Protagonisten und Protagonistinnen scheint die Nachwuchsfilmemacherin zuallererst im privaten Umfeld gesucht zu haben. Das trägt zum persönlichen Stil des Filmes bei. Und manches im Film ist zum Glück bereits Geschichte: der totale Lockdown.

Agatha Christie und der Orient (BR, Mittwoch, 5. Januar 2021, 22.45 Uhr)

Eine Firma Bildmanufaktur GmbH hat diese ätzend langweilig, ätzend-professionelle Dokumentation von Sabine Scharnagl für den BR, Redaktion Bettina Hausler-Thomas, produziert.

Beflissenere Langeweile geht kaum. Noch öder kann ein Porträt über eine der spannendsten Krimi-Autorinnen des letzten Jahrhunderts nicht sein. Vielleicht hat die Filmemacherin gemeint, sie muss eine Facharbeit schreiben zum Thema Krimiautorin und Archäologie im Orient. Aber nicht mal dieses Thema wird als Spannungsfaden eingesetzt. Es kommt zwar vor. Es wird berichtet von der ersten Orientreise mit der Bahn. Sie war jung, eine berühmte Autorin bereits, hatte Geld.

Bei der zweiten Reise lernt Agatha Christie den deutlich jüngeren Archäologen Max Mallowan kennen. Heirat. Sie startet eine Stiftung, die ihm Grabungen im größeren Stil in Nimrod ermöglicht.

Nicht dass der Stoff langweilig wäre; es ist schon fast wieder eine Kunst, das Leben dieser Frau so dröge zu schildern. Allein die Fotos, die sie machte, die Schmalfilme, ganz frühe auch in Farben, von den Grabungsarbeiten in Irak und Syrien.

Dramatisch sind die Zerstörungen, die der IS an all den Kulturdenkmälern im Nahen Osten angerichtet hat.

Aber Sabine Scharnagel präsentiert den Stoff wie in einem verstaubten Museum, in dem noch ausgestopfte Menschen gezeigt werden, das aus lauter besucherfeindlichen Vitrinen besteht, nach irgendwas geordnet.

Dazu kommen die Talking Heads, der Tod vieler Dokus, Fachleute sondern Statements ab, aus denen der geneigte Leser allenfalls in einer einsamen Stunde einen spannenden Zusammenhang konstruieren könnte.

Vielleicht verheddert sich die Filmemacherin gerade darin, dass sie eigentlich einen Film über Archäologie oder einen Film über die grauenhaften Folgen der IS-Herrschaft machen wollte und den Namen Agathe Christie nur als Aufmacher nutzte. Das dürfte kaum zum Erfolg führen. Überforderung der Dokumentaristin in der Präsentation ihres fleißig gesammelten Materials. Hinzu kommen die einschläfernd professionellen Sprecherstimmen und außerdem feierlich einschläfernde Musik jenseits von Gut und Böse.

Dokumentarfilm von vorvorgestern, bemüht, überordentlich, zum Stillstand. Die Drohnenaufnahmen vom heutigen Irak und Syrien wären an sich spannend, betreffen einen Schmerzpunkt unserer Zeit. Hier aber kommt alles wie in Formalin eingelegt daher.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Lebenslinien: Renate Schmidt – Die Unbeirrbare (BR, Montag, 3. Januar 2022, 22.00 Uhr)

Nichts geplant,

aber vieles auf die Reihe gekriegt.
Antikarrieristin – aber Familienmensch. Das erste Kind mit 17 nicht geplant. Es musste geheiratet werden, die Familie ernährt. Job als Mutter in der Datenverarbeitung bei Quelle in Nürnberg. Ungleichbezahlung von Frauen. Logisch, dass Renate Schmidt in der Gewerkschaft landet, weil sie etwas verändern will, dass sie in der SPD landet, weil sie etwas verändern will. Und dann plötzlich Bundestagsabgeordnete in Bonn.

Der Film von Steffi Illinger setzt die Familie in den Mittelpunkt. Oft sind die Schwester oder die Tochter und die beiden Söhne zugegen, der zweite Mann an ihrer Seite, den sie Jahre nach dem Tod des Vaters ihrer Kinder heiratete. Familie geht ihr über alles. Was nicht heißt, dass sie deswegen auf die Poltik verzichtete. Es musste mit der Familie vereinbar sein.

Dieses Ungeplante, dieses nicht Berechnende, diese Offenheit und Direktheit der Ex-Politikern, sind und waren es, die ihre soviel Resonanz gebracht haben. Daran hat sich nichts geändert. Sie überstrahlt das Format Lebenslinien mit ihrer ungeschnörkelt direkten und herzlichen Art, die nicht den Verdacht aufkommen lassen könnte, dass dahinter eine Berechnung stünde.

Engagierte Bürgerin ist sie bis heute, wenn es um eine inhumane Abschiebung oder um halbherzige Berichterstattung in der SZ geht, dann meldet sie sich. Also nicht nur eine vorbildliche Politikerin, auch eine vorbildlich demokratische Bürgerin.

Man könnte diese Lebenslinien auch so bilanzieren: Renate Schmidt, Steffi Illinger und Redakteur Christian Baudissin nutzen sie, um Renate Schmidt als Familienmenschen zu porträtieren, als Votum dafür, dass Frau, Familie und Karriere sehr wohl zusammenzubringen sind; weil es für sie offenbar immer noch keine Selbstverständlichkeit ist.

Andererseits verleitet gerade dieses demonstrative Vorführen von intakter Familie dazu, zu hinterfragen, ob die Karriere der Mutter wirklich so schadlos an der Familie vorbeigegangen ist – oder ob die Schäden nicht anders sind als wie bei anderen Karrieremenschen auch – egal ob Mann ob Frau?

1806 – Die Nürnberg Saga – Aus der Asche (BR, Mittwoch, 29. Dezember 2021, 22.00 Uhr)

Unverdrossen weiter geht es, ganz klar lokalpatriotisch; ja der Lokalpatriotismus erhebt sich wie der Adler, die Dampflokomotive, aus der Asche und sein Jubel, seine Begeisterung kennen keine Grenzen mehr mit der Eröffnung der ersten Bahnstrecke Deutschlands von Nürnberg nach Fürth.

1819 setzt der Nürnberger Kaufmann Merkel als erster Abgeordneter des bayerischen Landtages den Startpunkt für die Wiederauferstehung der Stadt aus den Ausplünderungen durch fremde Herrschaften, er erreicht beim König einen Schuldenstrich sowie Zollabbau (Themen, die bis heute nicht aus der Welt sind).

Dank diesem politischen Akt blüht die Nürnberger Kaufmannschaft und die Unternehmerschaft auf. Sie bauen die Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth, ein Weltereignis und drei grandios wie Halunken aussehende Bierbrauer (laut Originalfoto) betreiben in England Industriespionage und fangen an, Bier mit Hilfe von Dampfmaschinen zu brauen und damit Qualitätssteigerungen zu erreichen.

Dieser dritte Teil der Nürnberg Saga von Oliver Halmburger spannt den Bogen bis 1849. Industrialisierung, Maschinenbau in Nürnberg profitiert vom Bau der Eisenbahnen in ganz Deutschland und davon wiederum das industriell gebraute Nürnberger Bier. Und weil das alles so ein Erfolgschrausch ist – mit dem Kater der Verelendung des Proletariats so nebenbei erwähnt, erhält die unterhaltsame Lokalhistorienlektion noch eine Liebesgeschichte, gegen einen patriarchalisch denkenden Vater eines rheumatischen Mädchens, welche schließlich zur Unternehmenskontinuität beiträgt und den Grundstein für das heute noch bestehende Unternehmen MAN (prägt München!) legt, — auch ein Waffenfabrikant, ein Rüstungsunternehmen.

Und immer noch schmerzen die Nürnberger die Narben von den Vergehen der Bayern an ihnen.

Bei aller Euphorie gehört zum Schluss ein Weisheitssatz, dass eben Zusammenarbeit besser sei als Feindschaft und Ausbeutung. Der Münchner Lokalpatriot muss schmerzhaft feststellen, dass nicht nur der Münchner Rüstungsgigant MAN aus Nürnberg kommt, sondern dass auch die Schrannenhalle, von der ein Teil wieder neben dem Viktualienmarkt steht, aus Nürnberg kommt und auch die Großhesseloher Brücke! – Wenn das keine neuen Narben schafft.

Eine moderne Sicht auf die Dinge müsste vermutlich auch erwähnen, dass mit der Maschinenfabrik auch der Grundstein für eine Rüstungsindustrie gelegt worden ist und auch, dass mit den Fabriken der Beginn der systematischen Umweltzerstörung durch den Menschen einhergeht. Aber sowas würde dem Lokalpatrioten wieder neue Schmerzen verursachen.

1806 – Die Nürnberg Saga – Unter dem Hammer (BR, Mittwoch, 29. Dezember 2021, 21.00 Uhr)

Mit ungemindertem Enthusiasmus illustriert dieser zweite Teil der Nürnberg Saga von Oliver Halmburger unterhaltsam weiter die Stadtgeschichte.

Wie die reiche Kaufmannsstadt Begehrlichkeiten bei den umgebenden Großmächten weckte, von Frankreich, Preußen, gar Österreich, wie sie alle kamen, plünderten und wieder gingen. Arme geschundene Stadt.

1806 wurde sie von Napoleon dem bayerischen Königreich einverleibt, dem auch nichts anderes einfiel, als seine Schätze zu plündern. Was machen mit so einer Stadt voller Reichtümer, wenn man selbst schlecht bei Kasse ist. Alles kam unter den Hammer, ein Vorgang, der eine signifikante Szene abgibt, bei der gleich auch einer der Schätze, der Engelsgruß, vorgeführt werden kann.

Der Bogen spannt sich weiter von Napoleons Kontinentalsperre, die die Nürnberger Kaufleute von ihren Einfuhren abschnitt (und nur mühsam über Russland umgangen werden konnte), bis zu Napoleons desaströsem Russlandfeldzug, dem Tabakkometen und der Findigkeit der Nürnberger Kaufleute, den ersten Ideen aus England zu Fabrikbau und Dampfmaschinen und als Höhe- und Schlusspunkt bis zum ersten Nürnberger Abgeordneten im Vorläufer des bayerischen Landtages in München im Jahre 1818.

Der Philosoph Hegel heiratet in dieser Zeit eine Nürnberger Patrizier-Tochter und die Spielzeugbauer fabrizieren Zinnsoldaten. Aber auch in diesem zweiten Teil wird nicht vergessen, wie das Köngireich Bayern Nürnberg einst behandelt hat. Wir sind ja nicht nachtragend, aber erwähnen wollen wir das schon.

1806 – Die Nürnberg Saga – Vor dem Sturm (BR, Mittwoch, 29. Dezember 2021, 20.15 Uhr)

Lokalpatriotismus

Unverkennbar sind der Stolz gegenüber den Bayern und gleichzeitig die Begeisterung für dieses Fernsehformt eigenhandwerklicher, die Ortschgeschichte illustrierender Collage aus nachgestellten Szenenfragmenten in Kostümen und historischen Räumen, aus orientierenden Grafiken und einer Moderation (Kadda Gehret) quasi als Nürnberger Kindl, die an historischen Stellen (grad vorher wird vielleicht ein Pamphletdrucker da erschossen) auftaucht und durch den Film führt oder die auch Archive und kundige Fachleute aufsucht.

Ein Ineinander- und Übereinander von Historie und Heute ist das in diesem ersten von drei Teilen über die Geschichte der bedeutenden Handelsstadt Nürnberg von Oliver Halmburger, der mit Redakteur Christian Lappe nach der Idee von Tassilo Forchheimer auch das Drehbuch geschrieben hat.

Man erfährt wie der Reichtum der Nürnberger Kaufleute zu Ende des 18., Anfang des 19. Jahrhunderts zustande kam, hört von den herrschenden Patrizierfamilien, von der heraufziehenden Krise, der Konkurrenz von kleineren Kreisstädten, von einer Verschuldung der reichsfreien Stadt durch den Einmarsch der Franzosen, die Sandwich-Situation zwischen Franzosen und Bayern, die Rivalität zwischen Kaufmannschaft und Patriziertum.

Mit dem Einsatz des vollen Klanges des Nürnberger Symphonie-Orchesters auf der Tonspur verleihen die Macher ihrer Sehnsucht nach grossem Kino Ausdruck.

Bayern erleben – Frühling im Allgäu – Das Rappenalptal (BR, Montag, 27. Dezember 2021, 21.00 Uhr)

Nicht auf Augenhöhe

In diesem Bericht über das Rappenalptal im Allgäu von Carsten Frank, der mit Bettina Zettler auch das Drehbuch geschrieben hat, schlägt die Drohne schier Purzelbäume, dass einem schwindlig wird, sie sucht das überöht Schöne, das Postkartenschöne, so dass eine Begegnung auf Augenhöhe mit den Bewohnern und Bewirtern dieses engen Alpentales nicht möglich ist.

Eher hat man das Gefühl, dass die Kamera den Leuten im Wege rumsteht, wenn sie diese nicht gerade auf Drohne umkreist. Es ist eine fahrig zerfledderte Kamera, die einen Bildsalat abwirft, der nicht spannend zu montieren ist.

Über alles wird schmerzhafte Duddel-Muddel-Musik gelegt, die nicht von Verständnis für Thema und Objekt des Filmes zeugt.

Doku-Eintopf. Es ist die Billig-Doku-Methode, die die Geschichten der Protagonisten vermischt, wie die Waschmaschine die Wäsche im Schleudergang. Hinzu kommt die Billigmethode, die Leute Statements über sich abgeben zu lassen. Wie mit einem Stacheldraht um die Alpe wird das Bild-Kuddelmuddel mit einem Wischiwaschi-Sprecher-Text eingezäunt, der wenig Belastbares, wenig Informatives und viel lediglich behäbig Kommentarhaftes enthält. Schöne Dokufreiheit. Ohne Feeling, ohne Respekt für die Protagonisten. Das Fernsehteam stolpert wie ein Elephant durch den Porzellanladen durch das Objekt seines (Des?)Interesses.

Der Film müsste einen prominenten Platz im Wettbewerb um die schwächste TV-Doku einnehmen. Schnell-Schnell-Methode, die Leute schwatzen lassen, statt ihnen geduldig zuzuschauen oder den Hintergrund zu recherchieren oder Vorgänge, Zusammenhänge und Hintergründe plausibel und (be)greifbar zumachen.

Zuständig für diesen BR-Einkaufsmissgriff ist Redakteur Helge Freund unter der Redaktionsleitung von Andreas Bönte.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Natur exclusiv: Hundeliebe (BR, Mittwoch, 22. Dezember 2021, 20.15 Uhr)

Hunde gehen immer.

Hundebücher, Hundekarten, Hundefilme, Hundevideos, Hundefiguren aus Sand von Bettlern, Hunde als Stofftiere, Hundekalender.

Haushunde, Schoßhunde, Wachhunde, Kampfhunde, Blindenhunde, Jagdhunde, Lawinenhunde, Hunde als Drogenschnüffler, Hunde als Coronaschnüffler, Hunde zum Füllen der Lockdownleere, Hunde als Kinderersatz, Hunde als Spielzeuge, Hundemuseum.

So weit fasst Ralph Jürgen Schoenheinz das Hundethema in seinem BR-Mittwochabendfilm nicht. Der 22. Dezember, das ist kurz vor Weihnachten. Da soll Wohlgefühl (und auch: Wohlstandsgefühl) in die Wohnzimmer strahlen. Da werden, ohne es explizit zu erwähnen, Hunde aus besseren Milieus vorgeführt. Hunde aus dem Münchner Speckgürtel, aus Häusern, die eher als Villen zu bezeichnen sind mit genügend Auslauf. Hunde, deren Herrchen und Frauchen genügend Geld haben, um mit dem Auto kilometerweit zur Hunde-Physiotherapie zu fahren.

Der Autor Ralph Jürgen Schoenheinz fährt auf Zwangsgebührenzahlers Kosten 400 Kilometer weit, um sich von einem Hundepsychologen sagen zu lassen, was nun wirklich eine überraschende Erkenntnis sein wird für das BR-Mittwochabendpublikum, dass Hunde in den Menschen Kuschel- und Bindungshormone ausschütten; immerhin erwähnt er auch, das ist der kritischste Ton des ganzen Filmes, wird aber nicht eine Sekunde weiterverfolgt, dass Hunde soziale Parasiten seien. Das nicht zu vertiefen, ist schludrig.

Niedliche Welpen dürfen nicht fehlen. Einer kommt zu einer Familie mit vier Buben, aber am Schluss ist doch die Mutter auch die Hundemutter; wozu braucht sie zu den Buben noch ein Kind?
Und was ist mit der tierischen Hundemutter, der nach wenigen Monaten alle Welpen weggenommen werden? Kein Wort davon. Da müsste man schon den beeindruckenden Film Gunda konsultieren. Ob das so menschlich ist, einer Mutter plötzlich alle ihre Kinder wegzunehmen; um sich gleichzeitig als kümmernde Hundemutter aufzuspielen?

Der Speckgürtel kennt kein Gewissen und wir sind beim BR. Das Publikum soll vor tierisch-menschlichen Problemen verschont werden, soll verschont werden davor, tiefer nachzudenken, was denn das für eine Menschenkultur sei, die so zentral Hunde integriert. Offenbar bezahlen die Zwangsgebührenzahler dafür, belanglos berieselt zu werden mit Filmen, die kein Mensch braucht und schon gar nicht die Demokratie.

Wo geboren wird, wird auch gestorben, also darf ein Hundebegräbnis nicht fehlen; fehlt nur noch eine Hundeheirat mit dem TV- und Hundepfarrer Schießler. Für den BR zu verantworten hat die Sendung mit dem angeberischen Titel ein Florian Maurice. Wobei der Titel reiner Etikettenschwindel ist: hier geht es um exklusive Hunde im Münchner Speckgürtel. Warum kann man das nicht so ankündigen?

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Lebenslinien – Hannes und seine Weihnachtsgeschichte (BR, Montag, 20. Dezember 2021, 22.00 Uhr)

Der innere Kompass

wird zwar nicht als solches thematisiert in diesen Lebenslinien von Monika Manoutschehri, aber der Protagonist Johannes scheint über einen solchen zu verfügen, der ihn sicher durch die misslichsten Lagen des Lebens navigiert.

Eine richtig schöne Weihnachtsgeschichte ist es, wie ein Mensch aus armen Verhältnissen, der früh seine Mutter verliert, mit 5 Geschwistern und einem alkoholkranken Vater zurechtkommen muss, und also wenig hatte, was ihm Selbstvertrauen einflößte.

Es gibt die Oma, die sich bedingungslos für die Familie einsetzt. In der Schule, in der er nicht glänzt, gibt es den Sport, das Turnen, da das Geld für Fußballschuhe fehlt. So kommen Erfolgserlebnisse zustande. Eine Lehre als Maurer, denn mit Holz will der Vatergeschädigte vorerst nichts zu tun haben, weil der Vater Schreiner war.

Eine Freundin, die ihn aus der niederbayerischen Provinz nach München lotst. Eine Beziehung, die in Enttäuschung endet. Ein Berufswechsel zum Drechseln, also wieder zu Holz, was zu einer Versöhnung mit dem Vater führt. Eine neue Freundin. Heirat. Enttäuschung.

Aber Johannes gibt nie auf, arbeitet weiter. Das Drechseln weckt in ihm Kreativität. Kunsthandwerk. Schwabinger Künstlerweihnachtsmarkt. Den leitet er 26 Jahre lang. Jetzt als Höhepunkt dieser Weihnachtsgeschichte scheint er endlich frei zum Künstler und in zweiter Ehe glücklich verheiratet, ganz neugierig, was sich aus Holz machen lässt. Die Teile, die er gefertigt hat und die zu sehen sind, faszinieren.

Das sind Lebenslinien, die zeigen, wie sich auf einem langen Weg ein entspanntes Selbstbewusstsein entwickelt, dem jegliche Poserei oder Wichtigtuerei fremd ist, ein Mensch mit Geheimnis, ein Mensch mit einem inneren Kompass.

Tatort – Wunder gibt es immer wieder (ARD, Sonntag, 19. Dezember 2021, 20.15 Uhr)

Ein Tatort aus lauter überflüssigen Szenen

um die vier maximal löchrig erzählten Kardinalthemen „Überleben des Klosters bei Nonnenmangel“, „Herstellung und mörderische Verwendung von Schierlingsgetränken“, „Aufnahme lediger Frau mit Kind im Kloster“, „Aktienspekulation und Überschuldung des Klosters“.

Was der Plot sein soll, wird erst in der Aufklärungsszene am Schluss bekanntgegeben wie bei Agathe-Christie in Anwesenheit der Betroffenen von den beiden Kommissaren, die sich zu Privatdetektiven mit guten Beziehungen zur Polizei entwickeln; eine arg gewolltwirkende, weltfremde Fortschreibung des Tatort-Formates.

Zur hohen Unglaubwürdigkeit des Filmes von Maris Pfeiffer nach dem dünn-banalen Drehbuch von Alex Buresch und Matthias Pacht trägt die egoambitionierte Bildgestaltung bei, die sich einerseits für den romantischen Heimatfilm und andererseits für das Horrorgenre (die Alpträume des Kommissars) empfehlen will. Auch die Musik spielt ihren eigenen Schuh unabhängig vom Nichtgeschehen in den Szenen.

Mit dem Regienamen im Vorspann kippt die erste Figur tot um, ein Bahnreisender auf dem Weg ins wunderschöne Alpenvorland.

Der Gesang der Nonnen wäre deutlich verbesserungswürdig.

Es folgt der Blick von der artistisch bevölkerten Hackerbrücke in München in Richtung Paketposthallenareal, auf welchem das nächste Münchner Weltwunder von zwei berühmten Bastelarchitekten entstehen soll.

Dann unternimmt der Film den kracherten Versuch einer möglichst originellen Leichenautopsieszene. Klapprige Dialoge. Grundhaltung in diesem Tatort unter der Verantwortung des Zwangsgebührentreuhänders Cornelius Conrad: Man soll das alles nicht so ernst nehmen, auch die Schauspieler nicht.

Dann eine langweilige Landstraßenszene in einem gestressten BMW. Je erfundener desto lustiger – findet offenbar der BR.

Überflüssige Szenen, zB Ankunft im Kloster, die Handwerker, die Begegnung auf der Landstraße mit der wohlbeleibten Nonne zu Fuß, die Überholszene auf der Landstraße, die bauerntölpeltheaterhafte Begrüßung im Kloster (steif, künstlich, unnatürlich inszeniert; unglaubwürdig), depperte Dialoge zB über den Toten, was merkwüdig sei, da tun sich auch die beiden Doyens der deutschen Tatort-Kommissare schwer, überflüssige Netzsuche, soll lustig sein.
Zeitschinder-Dialog: Ach, fünf ist schon. Und wieder viel Stau … und miserabel inszeniert und gespielt..

„So, wo dürfen wir das abstellen“. „Ganz ausgezeichnetes Kompott“…
für solche nichtssagenden Sätze, die weder Figuren charakterisiseren noch Atmosphäre andeuten und die die Handlung nicht vorwärtsbringen, kassieren die Stars fette Gagen, die von den Zwangsgebührenzahlern aufgebracht werden müssen.

„Ja, natürlich, aber ich muss nur noch schnell die Etiketten da drüben in den Laden..“ überflüssiger Satz, auch vorher schon die Frage, wo die Buchhalterschwester sei.

Grad so ein fahrlässiger Tatort macht besonders deutlich, dass bei all diesen Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes im Grunde genommen das Gunstprinzip gilt; dass ein objektiver Wettbewerb um die besten Ideen und die besten Akteure in den verschiedensten Gewerken gar nicht vorgesehen ist. Dass Redakteure nach Gusto entscheiden.

Vielleicht sollten die beiden Kommissare erst mal ein Praktikum bei Amazon machen, bevor sie einer Nonne, helfen Pakete zu tragen – auch das ist miserabel inszeniert. Oder war das dämliche Kindertheater ein Angebot der Darsteller?

Dann gibt es eine ‚Bildgestaltung‘ – da wird was gestaltet? Der Wille zur Bildgestaltung scheint da, aber er weiß nicht viel mit dem dünn gewebten Drehbuch anzufangen. Diese Bildgestaltung macht alles künstlicher im Sinne des Plausibilitätsverlustes. Eine vom Zügel gelassene Bildgestaltung. Hat eine Ambition in Richtung romantisches Kino, hat aber leider mit dem Dünnplot dieses Tatortes so grad gar nichts zu tun. Missbraucht den Tatort, um sich für Horror- und Spukfilme zu empfehlen.

Drehbuch: bestenfalls ein unausgegorener Pennälerstreich.

Und wie im Bauerntheater, wenn sie nicht mehr weiter wissen, dann trinken sie einen Schnaps.

Man wundert sich, dass die Kommissare das schwache Drehbuch nicht zur Überarbeitung zurückgegeben haben, nach dreißig Jahren Dienst sollten sie unterscheiden können. Stattdessen erbrechen sie müde Kommentare.

Fazit, der Tatort ist so schwach und billig, dass einen die beiden Kommissare auf den Gedanken bringen, dass ihre Figuren endgültig auserzählt sind.

Immerhin erklären die beiden Kommissare bei der Auflösung des Falles, welchen Fall der Film hätte erzählen wollen; was die Plot-Idee gewesen wäre. Da wird alles, was der Film verpasst hat, spannend zu entwickeln, erklärt. Erklär-TV.

Wenn jemand sehen will, wie Kloster und das Kümmern um ledige Mütter eindrücklich filmisch transportierbar sind, dann beim großartigen chilenischen Film Maternal.

Die PR-Abteilung von BMW dagegen dürfte zufrieden sein mit dem gelungenen Bergpanorama-Auto-Product-Placement.

Schwachstrom-Tatort. Dürfte nicht passieren; werden die Leute doch ordentlich bezahlt. Also sollten sie ordentliche Ware liefern.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!