Archiv für die Kategorie: “TV”

Mit der Lektüre des Wikipedia-Eintrages Bavaria Film erfährt man deutlich mehr, als in der hier zu besprechenden dreiviertelstündigen schnell-schnell Üblich-Doku in einem Mix aus Archiv-Footage und Statements (Buch und Regie: Katharina Schicking unter der Aufsicht von Zwangsgebührentreuhänder Armin Kratzert (BR), Ute Hoffrath (SWR), Monika Phol (WDR).

Handgelenk-mal-Pi-Doku mit Highlight-Hopping bei geistigem Dünnfluss. Nicht als spannende Geschichte, die es zweifellos ist, erzählt. Es ist ein billiges Durchhüpfen durch die Chronik.

Figuren tauchen auf, von denen man sich wundert, dass sie noch existieren: Mario Adorf, Liselotte Pulver, Iris Berben, Senta Berger und Michael Verhoeven, was tun die heute noch bei diesen gloriosen Vergangenheiten, die sind doch nur noch Schatten ihrer eigenen Geschichte, vom Wind der Kinogeschichte ins Fernsehen oder ins Subventionskino verweht, die meisten zu Zwangsgebühren-Pfründenstars geworden (Mario Adorf hat offenbar als Bedingung gestellt, wenn er schon Statements abgibt, dann nur in Großaufnahme).

Spannend erzählt hieße, sich in die Situation des Studios hineinversetzen, denn das wusste oft nicht, wie und ob es weitergeht. Das wäre anstrengende Recherche- und Drehbucharbeit, die bei dem Sparzwang der Sender nicht entlohnt werden kann.

Also lieber Qualitätseinbußen hinnehmen, Hauptsache, die Sendegefässe werden gefüllt. Hier werden wie wahllos und ohne erkennbare, journalistische Recherche-Idee in anekdotischer Manier dies und das aus dem Fundus gezupft und kunterbunt Trophäen, mit denen Geiselgasteig sich schmückt, vorgeführt.

Dann gibt es noch einen Schnipsel aus dem wenig überzeugenden Remake des Filmes „das Boot“ – als Warnung zu verstehen.

Mit solchen hingeschluderten Dokus erweist sich das Zwangsgebührenfernsehen als optional. Und kein Wort über die Leute, die nach der nationalsozialistischen Machtergreifung das Land verlassen haben, über den künstlerischen Aderlass.

BR-Intendant und ARD-Sprecher Ulrich Wilhelm beweist mit solch qualitativ schwachen, verzichtbaren Sendungen bei gleichzeitiger Forderung nach Erhöhung der unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte erhobenen Rundfunkzwangsgebühr lediglich, dass er der falsche Mann auf dem überaus großzügig vergüteten (jawohl, der mit dem Bundeskanzlerinnengehalt!) Intendantenposten ist.

Comments Kein Kommentar »

Den Titel als Leitmotiv für die Erkundung des ehemals populären Münchner OBs Christian Ude von München und seiner Frau Edith von Welser-Ude.

Matti Bauer hat unter der redaktionellen Obhut von Zwangsgebührentreuhänder Christian Baudissin das Paar vor die Kamera geholt und wollte wissen, was die beiden zusammenhält, denn der Titel behauptet, sie seien ein unmögliches Paar.

Ein Paar. Das Paar am Paar scheint allerdings gar nicht so unmöglich zu sein. Denn das zentral Verbindende, das bestätigt der Mann denn auf Nachfrage des Dokumentaristen auch, sei die Paarung; er sagt es nicht wörtlich so, meint aber eindeutig den Sex.

Der Sex (auch wenn das Wort nicht vorkommt), kann ein Paar ganz schön zusammenhalten. Auch wenn sonst vieles dagegen spricht. Hier die enorme intellektuelle Diskrepanz; sie ist ihm intellektuell in keiner Weise gewachsen.

Die unterschiedliche Sozialisierung, er nach dem Krieg geboren, sie hatte noch die Trümmer und Bombardierungen erlebt. Sie hatte einen strengen Vater. Er einen fördernden. Diese Differenzen stellt der Film allerdings nicht bewusst heraus, weil er offenbar sein Thema doch immer wieder aus den Augen verliert.

Andererseits versucht Bauer gewisse, chronische Fallen des Fernsehformates „Lebenslinien“ zu meiden. Indem er nicht ausgiebig und nicht explizit Werbung für Udes Bücher und seine Kabarettprogramme macht, diese werden gar nicht, jene nur pauschal erwähnt. Und auch ihre Fotogeschichten werden als Vergangenheit angeführt.

Allerdings bleibt dann nicht mehr viel übrig, wenn auf den üblichen Öffentlichkeitsbohei der beiden verzichtet werden soll; ganz ohne Schwabing und Mykonos und ganz ohne Katzen geht es dann aber doch nicht. Da offenbar der Sex das Paar zusammenhält und man den anständigerweise nicht zeigen will, bleibt somit nicht mehr viel und schon gar nichts Neues.

Seine Mission, OB von München zu werden, die hat er mehr als erfüllt und längst hinter sich. Jetzt wirkt er momentweise wie ein Schwabinger Spießer, wenn er über die Verdichtung im Viertel klagt, als ob er nichts damit zu tun habe, obwohl doch unter ihm als OB der soziale Wohnungsbau in München arg vernachlässigt wurde.

Ein anderes Problem, warum der Film so leer und dürftig scheint, das ist des Ex-OBs Sprechweise, déformation professionelle, immer alles deutlich aussprechen, so dass der hinterste in einer Versammlung das versteht. Das war ein Markenzeichen. Das ist wirkungsvoll für öffentliche Auftritte. In einer Dokumentation, die dem Paarungsverhalten eines solchen Subjektes auf den Grund gehen will, wirkt es allerdings unfreiwillig komisch, so, als ob er zu einem spontanen (auch erotischen) Satz, zu einer spontanen, persönlichen Äußerung überhaupt nicht fähig sei (das könnte skurrile Schrägfantasien zum Thema Paar in Gang setzen).

Als ob sein Glanz nur darin bestanden habe, in seiner Funktion im Zentrum zu sein, sozusagen durch seine Umgebung, seinen Hofstaat definiert zu werden. Wenn dieser nun wegfällt, so bleibt wenig übrig.

Die Schwäche an Matt Bauers Dokumentation ist allerdings, dass er diese Dinge nicht herausarbeitet und bis auf die eine Nachfrage nach dem, was sie zusammengehalten habe (sie hätten es heftig getan und dazwischen etwas Politik gemacht, meint der Ex-OB), nicht weiterbohrt. So entsteht eine Doku, die auf alles Vorzeigbare der Beiden verzichtet, was allerdings eh schon x-fach durch die Blätter- und Flimmerwelt gegangen ist, so dass nichts übrig bleibt, als das Bemühen, keine formatbedingten, bekannten Fehler zu machen.

Sie wollen, was löblich ist, nicht die x-fach bekannte Homestory nochmal in allen Farben wiederholen (tun sie dann doch mit der Biorepetition von ihr mit den sechs Kindern und der wilden Ehe mit einem jungen Rechtsanwalt). Andererseits zeigen sie, dass sie für eine andere Homestory, die Überraschenderes, Erstaunlicheres, Tiefgründigeres zu bieten hätte, zu festgefahren in ihrem eigenen Öffentlichkeitsbild von sich selbst gefangen sind. Die Komik ist in diesem Falle unfreiwillig.

Bei der ersten Szene im Rathaussaal, da passiert etwas zwischen den beiden. Sie behaupten, sich da überhaupt das erste Mal begegnet zu sein, mit unterschiedlichen Erinnerungen allerdings. Wenn Baur diesem knisternden Dokupfad hartnäckig und konsequent gefolgt wäre, vielleicht hätte er dann auch nicht abgedroschene Dinge zutage gefördert, mit einem lebendigeren, aus der Promireserve gelockten Ude, einem lebendigeren Paar des Zuschauers Geist gefesselt und nicht nur mit zwei müden Promilemuren.

Comments Kein Kommentar »

Lau dümpelt

Gernstl und sein mitverantwortliches Team HP Fischer und Stefan Ravash im abgestandenen Fahrwasser früherer Erfolge durch Niederbayern (Gäuboden) und den Bayerischen Wald. Mal legt Gernstl das Casting seiner Protagonisten offen, meist nicht. Es bleibt intransparent, warum er minutenlang Werbung für einen Hutladen in Straubing macht oder für einen blinden Schnitzer, noch kann er es sich verklemmen, sich eine schöne Brotzeit servieren zu lassen, auch hier legt er nicht offen, ob das ein Geschenk ist, oder ob der BR etwas an die Unkosten dafür bezahlt und bei Minute 25 findet Gernstl auch noch Zeit für ein garantiert nicht zufälliges VW-Logo-Placement (und falls es dem Kameramann ‚passiert‘ ist, so hätte es spätestens dem Schnittregisseur, Gernstl-Sohn Jonas, auffallen müssen). Für die Gernstl-Firma Megaherz wird sich das sicher in der einen oder anderen Weise in Form von Vergünstigungen auszahlen. Die Autoindustrie ist ja nicht blöd; die weiß solch diskret gesetzte Werbung durchaus zu schätzen.

Junge Zuschauer dürften mit so einer Sendung kaum zu gewinnen sein; vom schwindenden Teil der wegsterbenden Restzuschauer der Öffentlich-Rechtlichen dürften die alten Fans sich noch einschalten, was Redakteur Ulrich Gambke dann sicher als großen Erfolg herausstellen wird und von Gernstl wird er bestimmt zu einem prächtigen Essen eingeladen werden, so eine Vermutung könnte sich aufdrängen.

Falls sich Gernstl ernsthaft für bayerisches Leben interessiert, sollte er Haushalte recherchieren, denen die Bezahlung des Zwangsgeldes zur Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes schwer fällt, zB die Frau, deren Rente so bescheiden ist, dass sie sich die Zeitung nicht mehr leisten kann, obwohl sie Zeitungsleserin und nicht Rundfunkteilnehmerin ist (darüber ist in den Zeitungen berichtet worden, dürfte Gernstl also nicht entgangen sein).

Solange der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit Haushaltszwangsgeld finanziert wird, sollte er allen Künstlern und Trachtenschneidern und Bildhauern und Hutverkäufern die gleichen Chancen und Sendezeiten einräumen und dürfte nicht mehr sich auf wie auch immer geartete Bevorzugerei beschränken.

Gernstl behandelt das selbstgestelllte Thema mau. Er nutzt es lediglich als Skelett für die Werbeprodukte. Er insistiert nicht darauf, was denn nun das Bayerische sei. Ist es inzwischen das, sich für eine Gernstl-Sendung im Sinne einer PR-Sendung zu bewerben?

Der Anfang mit dem Potpourri aus den Auslandsreisen ist billig und wenig zielführend, ist Selbstbebauchpinselung.

Statt von seinen Redaktionen pfiffigere Formate, die nicht so beliebig und lustlos über Bayern berichten, zu fordern, verlegt sich der Intendant des BR, Ulrich Wilhelm (jawohl, der mit dem Kanzlerinnengehalt!), lieber darauf, die Länder, die im Frühjahr über die Höhe der Zwangsgebühr zu entscheiden haben, mit der Drohung zu erpressen, wenn es die geforderte Erhöhung nicht gebe, dann werde die ARD Verfassungsklage erheben. „Dies würde freilich eine jahrelange Hängepartie bedeuten. In dieser Zeit könnte nicht ordnungsgemäß gearbeitet werden.“, habe er der Deutschen Presseagentur in München gesagt – also wenn das keine Erpressung ist. Statt dass er den kraft- und energievollen, findigen Unternehmer herauskehrt und sagt, wenn’s weniger Geld gibt, dann machen wir erst recht erstklassiges Programm. So aber: dümpelig und armselig.

Keine Zwangsgebührenerhöhung für solch laue Ware!

Comments Kein Kommentar »

Gschaftlhuber-TV-Ware.

Mit einem Papstwort voraus („Christmas celebrations are often full of sound. It would be good for us to make room for silence, to hear the voice of Love.“ Papst Franziskus), nebelt Hannes M. Schalle seine Gschaftlhuber-Sendung gleich mit Weihrauch ein, damit ja keiner was dagegen sagen mag. Heilig, Heilig. Still ist die Nacht und verschwiegen soll der Kritiker sein. Und der Redakteur ist eh schwer von Begriff.

Für den Kritiker war vorab vom BR eine noch nicht fertige Kopie der Sendung zu sehen. Da stehen vier Menschen in Trachten vorm Green-Screen und singen „Stille Nacht“. Das wird selbstverständlich noch ein süß-feierliches Backgroundmotiv hineinmontiert. Es gibt auch noch keine eingeblendeten Namen, so dass man nicht weiß, was für ein Onkel vor welch überladenem Dekor mäßig spannend und aus welchem Buch über die Entstehung des Liedes „Stille Nacht“ vorliest.

Von da hüpft der Bildersalat in die USA zu Bing Crosby, der das Lied erst berühmt gemacht habe. Dazwischen gibt es Reenactment-Szenen aus der Geschichte des Weihnachtsliedes. Oder es ist nur die Angabe zu lesen, dass hier die Trinity-Church eingeblendet werde. Das dürfte in der Sendung ein weiterer Video-Schnipsel von einer der vielen Aufführungsausschnitte sein.

Es ist eine unübersichtliche Beliebigkeit an illustrierendem Material, das teils aus Archiven flüchtig zusammengestöbert worden sein dürfte, teils neu aufgenommen und das wenig Klarheit über den Weg des Liedes zu seiner Berühmtheit erbringt.

Dann quasselt wieder irgendwer irgendwas über das Lied. Andere singen wieder. Die Montage der Bilder und der Tonspur dazu ist eher Demontage.

Was an Reenactment zu sehen ist, scheint mehr aufgesagt denn inszeniert. Dann quasselt wieder eine Frau in vornehmer Umgebung. Was sind das für Fernsehredakteure, die so eine Kuddelmuddel-Quassel-Bildsalat-Sendung zur Finanzierung frei geben?

Dann wieder Ausschnitte aus einem Musical mit wild tanzenden Engeln. Die Montage-Reihenfolge dürfte endgültig sein, einen erhellenden Leitgedanken einzufügen ein Ding der Unmöglichkeit. Vielleicht war der verantwortliche BR-Redakteur Ulrich Gambke schon vom Franziskus-Wort (das in der Endfassung bestimmt auf Deutsch vorliegen dürfte) so eingenebelt, dass ihm jedes kritische Urteil bei der Freigabe der Zwangsgebührengelder für solchen Dokumentar-Dilettantismus abgegangen sein muss. Da hat jeder Christklindl-Markt mehr Struktur und Spannung.

Wie man den Weg eines Liedes um die Welt aufregend gestalten kann, hat You’ll never walk alone gezeigt. Drunter möchte man es eigentlich nicht mehr haben. Aber die hatten sich halt auch Mühe gegeben und nicht so schnell schnell was hinwursteln wollen.

Ein moderner Dokumentarist sollte wenigstens deutlich machen, nach welchen Kriterien er vorgegangen ist und wie er seine Protagonisten gefunden hat. Hier scheint das oberste Auswahlkriterium gewesen zu sein, ein paar schöne Reisen zu machen auf Zwangsgebührenzahlerskosten in die USA, nach Paris, nach London, nach Jerusalem und und.

Und dann noch die abgelutschte und schwächst möglich inszenierte Story von den 1.-Weltkriegssoldaten, die mit dem Lied einen weihnachtlichen Waffenstillstand feiern.

Vermutung: hier hat ein Gschaftlhuber die Chance gewittert, bequem an Zwangsgebührengelder zu kommen. Die Zwangsgebührenzahler bleiben hierbei die Dummen, die in die Röhre schauen und sich fragen, ob das Fernsehen sie für nicht ganz dicht hält.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Comments Kein Kommentar »

Jana Mandana Lacey-Krone ist eine offene Person von ansprechender Direktheit.

Sie ist die hier von Evelyn Schels porträtierte Zirkus-Erbin. 2017 erbte sie von ihrer Adoptivmutter „Mapa“, Christel Sembach-Krone, den berühmten und größten Zirkus Deutschlands mit festem Sitz in München. Vielleicht hat aus dem Grund dieses Todes – es gibt auch Bildmaterial von der prunkvollen Beerdigung – die Filmemacherin sich für eine Sprecherstimme mit der Qualität eines Trauerredners entschieden.

Dass Frau Lacey-Krone von der unverheirateten und kinderlosen Prinzipalin adoptiert wurde, geschah zielgerichtet im Sinne einer geregelten Fortführung des Unternehmens. Es heißt nicht, dass sie ein Waisenkind war. Vielmehr entsprang dies einer ganz und gar ungewöhnlichen Familienkonstellation.

Sie und ihre Schwester sind Kinder eines Schweizer Ehepaares und auch in der Schweiz geboren. Beruflich Umstände erforderten den Umzug nach München. Wie genau die Beziehung zu Christel Sembach-Krone zustande kam und wie diese Ménage-à- trois-Elternschaft funktionierte, das wäre das Spannende an der Biographie von Jana Mandana Lacey-Krone, darüber hätte man gerne mehr erfahren.

Da aber Evelyn Schels offenbar nur einen netten Image-Film über das Zirkusunternehmen drehen wollte, hat sie beim menschlich Interessanten und offenbar Unkonventionellen nicht nachgehakt. Zirkuspferde scheinen ihr dann doch ergiebiger.

Und die Elefanten. Die sind bemerkenswert. Die haben zwei Wochen bevor Frau Lacey-Krone ihrer eigenen Schwangerschaft gewahr wurde, diese schon bemerkt und mit dem Rüssel den Bauch abgefühlt.

Frau Lacey-Krone ist verheiratet mit einem Raubtier-Dompteur. Wer allerdings im Zusammenhang damit nicht die Frage nach Tierdressur und Tierquälerei stellt, was dem Zirkus-Gewerbe massiv zu schaffen macht, der ist nicht auf der Höhe der Zeit. Frau Lebenslinien-Dokumentaristin Schels tut das nicht. Stattdessen darf Jana Mandana Lacey-Krone behaupten, sie würde Wert legen auf artgerechte Tierhaltung, was zumindest für das zirkuseigene Austragsgestüt in Wessling zutreffender sein dürfte als für die enge Käfighaltung der Tiere im Zirkus. Von solchen Themen möchte allerdings der BR und dessen verantwortlichen Redakteurinnen Fatima Abdollahyan und Christine von Hahn nichts wissen. Vielleicht haben sie ja ein paar Einladungskarten für einen Zirkusbesuch erhalten.

Comments Kein Kommentar »

Doku über Freddy Linn, den taiwanesischen Heavy-Metal Rocker, der gleichzeitig Parlamentarier ist. Aufregende Reportage, taiwanselbstkritisch, aber auch vor dem Hintergrund der Diskriminierung durch China. Ein Beitrag zur Suche nach der eigenen, taiwanesischen Identität, denn immer noch wird Massenmörder Chian Kai Sheks dort verehrt. Siehe Review von stefe.

Comments Kein Kommentar »

Meuffels und die Frauen.

Für seinen letzten Fall will Meuffels (Matthias Brandt) nochmal seine sämtlichen Neurosen auffahren.

Dabei wird einiges deutlich. Zum Beispiel, dass er vielleicht besser mit einer einzigen Neurose gefahren wäre, die er hier im Ansatz bei der ersten Autofahrt anbietet: Fingernägelkauen – als Blitzableiter und Kondensator für seine sämtlichen Zwangsneurosen. Damit hätte er sich viel wirre Grimastik, Lippenpressen und Gesichtszuckungen erspart. Das hätte auch für den Zuschauer schmerzhaft werden können. Und seine Wirkung somit tiefer, weniger beliebig.

Noch mehr wird sein gestörtes Verhältnis zu Frauen deutlich. Und zwar scheint deren irritierende Wirkung auf ihn umgekehrt proportional zur Länge seiner Begegnung mit ihnen zu sein: je kürzer der Kontakt mit einer Frau ist, desto mürrischer macht es ihn, desto mehr scheint diese auf ihn wie ein Allergikum zu wirken. Mit seiner Kollegin Constanze (Barbara Auer) da geht das so, die kennen sich lang genug; eine schwere Nervenprüfung wird die Begegnung mit der von Constanze ausgebildeten (dazu weiter unten mehr) Nadja (Maryam Zaree), noch schlimmer wird es, wenn er es mit der Therapeutin Stindl (Bettina Mittendorfer) zu tun bekommt, aber zu einem Existenzproblem wird für ihn die Begegnung mit seiner Nachbarin Frau Wegner (Gabriele Kastner), die ihn beim Musikhören stört, da scheint sein Weltbild in den Grundfesten erschüttert.

Männern dagegen begegnet er, als seien sie Wesen von einem anderen Planeten. Das erzählt die komische Gestikszene durchs Schaufenster mit Lichtinger, der versucht ein Dampfbügeleisen aus dem Fenster zu angeln oder die Reaktion auf den Polizisten, der ihm im Krankenhaus über einen Vorfall im Zimmer des verdächtigen Vaters berichtet. Wie er beim Rausgehen diesem Polizisten gegenüber steht, hm, vielleicht ist die Stummfilmszene am Schluss des Filmes ein Hinweis auf die Plausbilität? Das sind möglicherweise Punkte, die nicht alle nur der Freiwilligkeit entspringen.

Abgesehen davon trifft Christian Petzold unter der fördernden Hand der BR-Redakteurin Cornelia Ackers in diesem seinem Film einige für ein Serienprodukt wie den Polizeiruf mit immer stressiger werdenden Produktionsbedingungen kluge Entscheidungen.

Er beschränkt sich auf einen einzigen Fall, brutal genug, der wird gleich eingangs geschildert; eine Mutter fährt mit ihrem 7-jährigen Kind auf einen Parkplatz, um jemanden zu treffen. Dabei wird sie erschossen, das Kind, das Zeuge der Tat ist, entkommt. Brutal genug. Petzold braucht nicht 20 Fälle von Kindsmissbrauch, wie neulich der Tatort.

Ferner spart er enorm viel Bühnenaufbau-, Absperr-, Einleuchtzeit, indem er häufig Dialoge im fahrenden Auto spielen lässt. Dadurch gewinnt er Zeit, die er für die Arbeit mit den Schauspielern und an den Dialogen nutzt; weshalb die Schauspieler bei ihm immer gut kommen; für den Schauspieler wiederum ist es eine Auszeichnung, mit Petzold arbeiten zu dürfen.

Zudem gewinnt Petzold Zeit, um gewisse Befunde – doppelt und dreifach genäht hält besser – gleich mehrfach zu beschreiben, zu erläutern, wie das Nachreflektieren der Tat, und dass doch ein Vater, der um das Sorgerecht für das Kind streitet, dieses sicher nicht töten würde. Oder zum Erklären des Fotos aus dem Swingerclub (etwas sogenannt Abartiges gehört offenbar zur gepflegt bürgerlichen Sonntagabendunterhaltung).

So kann Petzold ungewöhnlichere Locations aufbauen oder mieten wie das Tatortstudio, das Konstanze in Nürnberg für ihre Polizistenlehrgänge betreibt, oder für den Besuch im Swingerclub, der durch das Foto und dessen Beschreibung gut vorbereitet ist.

Außerdem gewinnt Petzold Zeit für sprachliche Spielereien in den Dialogen um Wörter wie ‚ergo‘, ‚quasi‘ oder ‚übergriffig‘ sowie für quasikritische Seitenhiebe aufs Fernsehen, die zahnlos bleiben. Zu den sprachlichen Spielereien gehört auch der Titel des Polizeirufes: „Polizeiruf 110: Tatorte“. Mit einer Verschiebung des Atmers oder des Doppelpunktes, kann daraus werden „Polizeiruf: 110 Tatorte“. Das ist nun ganz und gar nicht abwegig, wie überlastet die Tatorte in letzter Zeit oft sind – und wie dünn dadurch die Geschichten; da ist Petzold meilenweit voraus.

Trotzdem bleibt ihm noch genügend Zeit für die gezielte Einblendung des BMW-Logos am Lenkrad beim Händereinigen auf der Rückfahrt vom Swingerclub – eine vermutlich sogar verabredete, gleichzeitig aber unerlaubte Produktwerbung in den Öffentlich-Rechtlichen.

Mit dem Drehort Autokino kann Petzold uns seine eigentliche Liebe gestehen, derentwegen er hier zum Serienarbeiter wird.

Dank Petzold ist also ein ganz erträgliches Schauen möglich. Was aber will der Film uns erzählen? Dass Petzold ein toller Regisseur ist? Dass er aus einem Serienprodukt ein Maximum an Filmqualität rausholt? Das auf jeden Fall. Dass es höchste Zeit war für Meuffels, abzudanken? Zweifellos auch, denn vor lauter Neurosen lässt er seine neue Kollegin ins Gewehrfeuer laufen. Eine neckische Selbsterkenntnis.

Dass Sorgerechtsstreitereien bis aufs Blut gehen können? Gut, das ist nicht neu. Dass Petzold das eindimensionale Tatort-System des Fernsehens mit seiner Tatort-Schule zu durchbrechen vermag? Kann glaubwürdig bejaht werden. Dass Petzold das Kino liebt und die klassische Musik, das Grammophon und den Stummfilm? Keine Einwand nötig. Dass das öffentlich-rechtliche Zwangsgebührenfernsehen einem der sicher begabtesten Kinomenschen im Lande die Chance auf Fingerübungen gibt? Das ist offensichtlich, drängt aber die Gegenfrage auf, warum das Fernsehen ihm dieses Geld nicht gleich für einen gscheiten Kinofilm gibt, sondern ihn zur Fließbandarbeit an einer Serie verdonnert?

Erstaunlich schnelle Arbeit der Polizei; kaum kehrt Meuffels vom Tatort zurück, hat die Polizei schon eine ganze Wand voll mit Karten, Plänen, Vermutungen, Skizzen, Ausdrucke aus dem Internet, Farbfotovergrößerungen – potzblitz!

Comments Kein Kommentar »

The Taste of Mikrowelle.

Aufgewärmte Doku von 2015 aus Israel mit einigem „unpolitischem“ Beifang siehe Review von stefe aber nach Nablus darf der Moderator als israelischer Staatsbürger nicht – deshalb bleibt dem Zuschauer die andere Seite dieser israelischen Glanzmedaille (das Elend der Palästinenser) erspart. Bei der Erstausstrahlung im BR hieß der Film noch „So isst Israel“. Jetzt soll die Propaganda staatstragender werden.

Comments Kein Kommentar »

Verlogen durch und durch.

Dieser reine Marketingfilm von Daniela Agostini, die mit Kimmo Wiemann auch das Hochglanzdrehbuch geschrieben hat, ist nicht ganz so verlogen wie die Magdalena-Neuner-PR-Werbesendung von neulich.
Denn Christian Neureuther legt die Motivation, an so einer Sendung teilzunehmen, geradeheraus offen, „Die Öffentlichkeit ist wichtig, letztlich haben wir daraus unser Berufsmodell gemacht (also direkte PR, 45 Minuten lang, d. Red.) … Ich brauch‘ ja auch die Öffentlichkeit, um unseren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Wir sind im Fernsehen, in den Medien, dadurch bekommen wir wieder Werbeverträge. Das gehört unweigerlich miteinander zusammen, das ist in allen Bereichen der Werbung und des Marketings eine der Grundregeln.“

Spätestens bei dieser Aussage hätten bei der zuständigen BR-Redakteurin Sonja Hachenberger alle Alarmglocken schrillen müssen – aber vielleicht leidet sie unter Perzeptionseinschränkungen; sie sollte sich mal durchchecken lassen, und der BR-Chef Ulrich Wilhelm, das ist derjenige mit dem hübschen Kanzlerinnengehalt auf Zwangsgebührenzahlerskosten, hätte einschreiten müssen: für private PR ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk nicht zu haben. Das ist gegen seinen Grundauftrag.

Es wird gesagt, dass Neureuther und Mittermaier Koch- und Fitnessbücher schreiben. Die wollen verkauft werden. Die verkaufen sich besser, wenn die Autoren ab und an im Fernsehen sind. Insofern ist so eine Sendung eine direkte, geldwerte Werbemaßnahme.

Diese Doku der offenbar blind verehrenden und vollkommen unkritischen Daniela Agostini zeichnet ein makellos schönes und gleichzeitg selbstoffenbarend verlogenes Bild der angestaubten Werbeikonen Mittermaier und Neureuther.

Schöne Kindheitsbilder, die beiden Altgold-Senioren kramen in ihren intimsten Fotoalben und Super-8-Filmchen und gar in den Liebesbriefen und verschleudern diese für ihre 45-Minuten-PR-Sendung, die ihnen der BR gewährt. Gleichzeitig beteuern sie treuherzig, sie wollen die Privatsphäre schützen. So verlogen.

Sie lassen sich filmen, wie sie in ihrem Haus ganz privat Apfelstrudel essen und behaupten im selben Satz, sie wollen die Öffentlichkeit aus ihrem Privatleben raushalten. So verlogen.

Gleichzeitig vermarkten sie ihre vorgebliche Normalität. Wie abnormal viel sie damit verdienen, wie viel so eine 45-minütige PR-Sendung für sie Geldwert hat mit dem Verschreddern ihres Privatlebens, das sagen sie nicht. So verlogen.

Wie abnormal luxuriös sie für ihre PR-Auftritte reisen, wie abnormal luxuriös sie für ihre PR-Auftritte untergebracht und behandelt werden, das verschweigen sie. So verlogen.

Leute, die solche reinen (und noch dazu billigen) PR-Sendungen produzieren, haben am öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts verloren, Tschüss also Frau Agostini, Tschüss also Frau Redakteurin Hechenberger, Tschüss also Herr Wilhelm. Wenn Ihr schon so gut in Vermarktung seid, dann findet Ihr in der Privatwirtschaft bestimmt lukrativere Jobs. Wenn Herr Wilhelm schon nicht fähig ist, solche chronisch werbeanfälligen Sendungen (wie zB auch Gernstl) aus dem Programm zu nehmen, sollte er wenigstens Anstand genug haben, seinen Hut zu nehmen; da er sich mit dem Verbleib der Sendungen als skrupelloser PR-Mensch erweist, dürften ihm in der Werbeindustrie einträgliche Jobs winken.

Dazu noch gezielt eingesetze, direkte Produktwerbung. Für die Skibrille uvex – beide Goldsenioren tragen sie und tun, als ob es ihnen nicht auffalle, so verlogen. Dazu wird extra eine Skifahrt mit anschließendem Interview inszeniert, damit dieser Markenname penetrant auf den öffentlich-rechtlichen Bildschirm kommt, zehntausende von Euros an Werbegeld spart und gleich in der folgenden Sommerszene trägt der kalt kalkulierende Neureuther dasselbe Logo nochmal, diesmal auf seinem Sommerkäppi, während seine holde Gattin ganz ungeniert ein Markenlogo auf dem weißen Sommerhemdchen vor der Kamera auffährt. Dass diese Szenen nicht rausgeschnitten worden sind, zeigt, dass Redakteurin Frau Hachenberger entweder perzeptionseingeschränkt ist oder hintenrum irgendwie profitiert von der Produktpräsentation, meines Erachtens ein schwerer Verstoß gegen das Werbeverbot in den Öffentlich-Rechtlichen. Denn es handelt sich ja um gezielt inszenierte Szenen.

Zur Erinnerung: für solche Sendungen müssen Hunderttausende von Haushalten Abstriche am knappen Haushaltsbudget machen, um die Zwangsgebühr zu entrichten. Ist das den abgehobenen – ach so normalen, wahrscheinlich ganz normale Spießer, die Neureuthers und Mittermaiers, die einem geschenkten Werbegaul nicht ins Maul schauen – noch nie in den Sinn gekommen? Ist deren Kopf auch schon so malträtiert von der ewigen Prostitution für Industrieprodukte? Und dann behaupten sie noch, die ganzen Goldmedaillen bedeuten ihnen nichts, ha ha, das ist der Gipfel der Verlogenheit, da kriegste einen Lachanfall, nicht mal den Zusammenhang zwischen ihrem wunderschönen Werbegeschäft und den Goldmedaillen scheinen die Naivlinge zu schnallen (sie noch eher) – oder sie sind auch nur ganz normal verlogen – wie so viele.

Ha ha, sie stellen sich ins Rampenlicht und behaupten, ganz normale Menschen zu sein. Sind sie eben längst nicht mehr. Nur verlogener. Staubfänger-Promis, die nichts Neues zu berichten haben, außer, dass sie ihre vorgebliche Normalität zum Geschäft gemacht haben. Und der BR bietet ihnen, vermutlich sogar gegen Aufwandsentschädigung, eine dreiviertel Stunde lang eine Gratiswerbefläche.

So hat das Format Lebenslinien keine Existenzberechtigung mehr im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Comments Kein Kommentar »

In freundlichem Lichte.

Kein radikal-fundamentaler Einblick in die Welt des Tanzes, aber für Aficionados zeigt dieser Film plastisch die Schattierungen, Hell- und Dunkelseiten des Tanzglanzes.

Es geht um das Abschiednehmen von Karrieren, die den physiologischen Grenzen der Tänzer und Tänzerinnen geschuldet sind; kein Mensch kann ein Leben lang Hochleistungssport treiben. Ein solcher ist der Tanz. Er verlangt radikale Hingabe, lässt kaum Zeit, sich Gedanken über das Darnach zu machen. Mit 40 spätestens kommt generell der Zeitpunkt des Abschiedes.

Florian und Jörg Richter haben sich in ihrem tanzfreundlichen Essay (Redaktion ORF: Karin Veitl, Redaktion BR: Armin Kratzert), einige noch aktive oder ehemalige Spitzentänzer vor allem der Wiener und der Münchner Staatsoper vorgeknöpft.

Vom jungen Talent, das seine Jugendenergie zu 100 Prozent in den Tanz investiert bis zum ehemaligen Spitzentänzer, der eine Ballettschule gegründet hat, ein anderer arbeitet längst als Physiotherapeut für Tänzer.

Dazwischen ein aktiver Tänzer, der bereits Choreographien entwickelt und sich so eine Karriere nach dem aktiven Tanz absichert oder eine Tänzerin, die nebenher noch Abitur gemacht hat und inzwischen Senioranalystin bei einer alternativen Investmentfirma ist. Oder eine der wenigen Glücklichen, die eine staatliche Pension erhält.

Einen Tänzer begleiten sie bei seinem letzten aktiven Auftritt. Der weiß noch nicht, was morgen sein wird. Er ist zuversichtlich, in den Nebengefilden von Tanz und Theater Beschäftigung zu finden und seine Erfahrung einzubringen.

Themen wie Tanz und Hochleistungssport, Tanz und Radikalität, Tanz und Familie, Tanz und Arbeitsbedingungen, Tanz und Verletzungsgefahr, Tanz und Schmerz kommen in den Porträts zur Sprache.

In mildem Lichte werden Einblicke in einige Tänzer- und Tänzerinnenschicksale gegeben. So schlimme Sachen wie in Bolschoi-Babylon werden nicht gezeigt. Es gäbe sicher auch tristere Stories zu erzählen, von ehemaligen Tänzern, die ihren Lebensunterhalt damit verdienen, dass sie wenig Begabten Ballettunterricht erteilen oder die als Sozialfälle enden. Im trüben November sind solche Geschichten, die garantiert zu finden wären, eher weniger gefragt.

Zwischendrin gibt es Ausschnitte aus modernen und klassischen Tanzchoreographien und Hinter-den-Kulissen-Impressionen.

Comments Kein Kommentar »