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In höchster Not – Bergretter im Einsatz, 2. Staffel, 1. Folge (ARD Mediathek, Mittwoch, 6. Mai, 00.00 Uhr)

Dramatischer

kann sich das ein Drehbuchautor kaum ausdenken, was sich im zweiten Fall dieser ersten Folge der zweiten Staffel an Ereignissen kumuliert.

Der erste Fall ist eine leicht verdauliche Einführung in das Thema Luftrettung mit dem Heli „Christopher Murnau“ mit der Grainauer Bergwacht. Passend, dass einer der Retter seinen ersten Heli-Einsatz hat, der das auch mit Bravour löst, aber auch mit der Erkenntnis, dass in der Theorie alles perfekt sei, aber in der Praxis ….

Es geht um zwei Bergsteiger, die sich unterhalb eines Gipfelkreuzes verstiegen haben und die ungesichert unter einem Felssprung nicht vorwärts und nicht rückwärts können. Eines der Hauptprobleme einer solchen Rettung ist der Downwash, der heftige Wirbel, den die Rotoren des Helikopters produzieren und der Lawinen oder Steinschlag auslösen oder gar die beiden zu Rettenden von ihrem minimen sicheren Standpunkt aus wegwehen könnte.

Der zweite Einsatz lässt sich, wie man eine gute Geschichte erzählt, recht gemütlich an. Drei Asiaten kommen am Rande eines Gletschers nicht weiter, einer ist leicht verletzt.

Beim Anflug des Christopher Murnau winken zwei Gestalten auf dem Gletscher zu. Die scheinen sich verstiegen zu haben, sind aber nicht diejenigen, die den Notruf ausgelöst haben. Am Rande des Gletschers finden die zwei Retter nicht nur die drei Asiaten, da haben sich noch mehrere Bergsteiger dazugesellt, die Heli-Rettung wünschen. Das bedeutet Pendelverkehr.

Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Jetzt sieht man, wie einer der zwei Männer auf dem Gletscher ins Rutschen kommt und rutscht und rutscht. Er fällt in eine Gletscherspalte. Mag sein, dass diese Aktion indirekt durch die Retter ausgelöst wurde, weil sie vielleicht versucht haben, zu denen rüber zu gelangen. Das ist Spekulation des Zuschauers.

Der Abgerutschte ruft aus dem Spalt um Hilfe, er sei verletzt, das Bein schmerze. Nicht genug der Dramatik. Es fängt an zu hageln. Das Seil für den Retter, der zum Mann in der Gletscherspalte vordringen will, ist zu kurz. Es muss ein neues geordert werden. Die Lage spitzt sich zu, das Gewitter dreht auf, es entwickelt sich eine Dramatik zu einem einzigartigen Cliffhänger hin, mit dem die Folge aufhört.

Nicht nur, dass das Format eine große Glaubwürdigkeit hat durch die Head-Cams der Retter; auch ist die Bergsteigerei, gerade auch die leichtsinnige, ein boomender Sport. So entwickeln sich die Dinge. Die Retter perfektionieren sich, aber vielleicht, das könnte eine andere Wirkung von so einer Fernsehsendung sein, werden die Leute auch leichtsinniger, weil sie sehen, wenn es nicht weitergeht, sind die Supertypen von der Bergwacht zur Stelle (und vielleicht kommen wir dann sogar im Fernsehen).

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Bezzel & Schwarz – Die Grenzgänger – Auf dem Autohof Geiselwind (BR, Montag, 4. Mai 2026, 20.15 Uhr)

Gut gelaunt

So ein Autohof ist was für Männer, für große Buben. Deshalb dürften Sebastian Bezzel und Simon Schwarz auch bester Laune beim Besuch gewesen sein. Große Buben kriegen große Äuglein, wenn vor ihnen ein Trucker steht.

Die Bayern-Reise-Reihe von Ekki Wetzel unter redaktioneller Verantwortung von Anne Bürger, Ingmar Grundmann und Iris Messow-Ludwig scheint ein Erfolgsrezept zu sein. Die zwei wohlbeleibten Promi-Männer zusammengeschnitten auf eine bekömmliche dreiviertel Fernsehstunde als Reiseführer. Sie nehmen den Zuschauer mit zu Sehenswürdigkeiten und Funktionalien des Alltags, sie bringen Leute vor die Kamera, die sonst eher im Hintergrund agieren. Dabei überfordern sie den Zuschauer nicht.

Es sind dies touristische Erkundungen. Sie bleiben skizzenhaft und oberflächlich, können aber neugierig machen oder Infos liefern, die man noch nicht hatte oder gar etwas Neues bieten wie hier, der ungewöhnliche Autohof Strohofer Geiselwind an der A 3 zwischen Nürnberg und Würzburg.

Autobahnbau ist oft umstritten und gehasst von den Betroffenen, es gibt Enteignungen. Bauer Strohofer wollte sich nicht damit zufrieden geben, dass sein Hof und sein Gelände von der Autobahn zerschnitten wurden. Er hat aus der Not eine Tugend gemacht. Er hat nicht nur den Autohof errichtet, er hat auf dem Riesenareal eine Eventhalle hingestellt, ein Hotel, eine Kirche. Er hat als Privatmann einen Ort für die nähere und weitere Öffentlichkeit geschaffen, einen beliebten Aufenthaltsort für LKW-Fahrer mit Garage und Shop. Enkel und Enkelin, die die Geschäfte inzwischen führen, zeigen den beiden Fernsehpromis das Gelände und seine Einrichtungen.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Lebenslinien – Der blinde Skater (BR, Montag, 4. Mai 2026, 22.00 Uhr)

Kuba als Schlüsselerlebnis

Das sollte der deutschen Schulmedizin zu denken geben; der Bub Johannes, der eine selten Seherkrankung hat, bei der die Sicht ständig schlechter wird, weil die Netzhaut sich unaufhaltsam auflöst, hat in Kuba etwas erlebt, was er aus Deutschland nicht kannte.

Johannes ist mit seinem Vater nach Kuba geflogen, weil die deutschen Ärzte nicht mehr helfen konnten, weil es für diese Augenkrankheit in Kuba eine OP gab, die hier nicht erlaubt ist. In Kuba waren alle so menschlich, so freundlich, haben sich Zeit für den Patienten genommen und vor allem konnte der Zerfall der Netzhaut gestoppt werden.

Johannes hat noch eine ganz minime Sehkraft, so als ob er durch ein ganz kleines Löchlein schaut und unscharf Helligkeiten und Farben sieht. Die Kubaerfahrung hat ihm ein bisher unbekanntes Selbstwertgefühl gegeben.

Diese Lebenslinien von Laura Fischbar unter redaktioneller Obhut von Christiane von Hahn gehören zu jenen wenigen exzeptionellen, bei denen das eingefahrene Formatmuster in den Hintergrund tritt vor der Erzählfreude des Protagonisten.

Da Johannes viel durchgemacht hat an Einsamkeit, hat er auch viel nachgedacht und kann seine Entwicklungen bestens formulieren und erzählen. Auch erwecken diese Lebenslinien den Eindruck, als ob nicht nur der Protagonist, sondern auch seine Eltern und seine Brüder richtig glücklich sind darüber, diese Geschichte einer Öffentlichkeit mitteilen und zugänglich machen zu dürfen. Sie kommen nicht rüber als eitle Selbstdarstellung, sie leben vom Mitteilungsbedarf, weil da viel gereift und spruchreif ist. Johannes hat ohngeachtet seiner Behinderung einen Abenteuerdrang, den er im Skaten ausleben kann.

Sportverletzungen erleiden ja nicht nur blinde Sportler, Sportler riskieren immer Grenzen, das ist der Kitzel.

Ein anderer Skater stellt nüchtern fest, sich das Terrain vorher genau anschauen, das machen die anderen alle auch, da sind sie sich exakt gleich, es kommen beim Johannes lediglich ein paar Details dazu, die er besonders berücksichtigen muss.

Dies Lebenslinien werde zu einer menschlichen Begegnung; sie sind mehr, als nur die Befriedigung von Neugier.

Bei so einem Protagonisten könnte der BR es gerne auch versuchen, auf den Voice-Over-Kommentar zu verzichten; wäre mehr Arbeit, könnte sich aber als lohnenswert erweisen.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Holy Mary – Wer glaubt an Marienerscheinungen? (BR, Freitag, 1. Mai 2026, 09.15 Uhr)

Wenn so eine Sendung wie diese von Tobias Henkenhaf und Kira Gantner unter redaktioneller Verantwortung von Sabine Winter öffentlich-rechtlich-taugliches Material sein soll, dann kann bald jeder sein privates Home- und Reisemovie von seiner privaten Campingreise (Papa mit zwei Töchterchen) an einen Pilgerort und angereichert mit Dokumaterial zur 100-Jahr-Feier von Lourdes, wovon sich genug auf Youtube finden lässt, und mit von KI bestimmt bereitwillig zur Verfügung gestellten Schnipseln von der Marienpilgerei allüberall, mit Aufrechnung der Zwangsgebühr öffentlich-rechtlich versenden. Da kann doch jeder gleich sein Programm machen, als Homevideo auf seinem Klo,als YouTube-Channel, da brauchen wir weder die Öffentlich-Rechtlichen noch deren Zwangsgebühren. Dann noch eine Irgend-Musik lieblos drübergelegt, darf auch mal ein Choral sein.

Und das alles, ohne auch nur einen Millimeter Erkenntnisgewinn zum Wesen der Marienverehrung, was nicht innert Minuten im Internet einsehbar wäre. Auch keine soziologische Einordnung. Dafür Blabla-Talking Heads (gerne auch berührt und gefühlsdusselig) und eine laienhafte Führung durch den Papa; der braucht nachher einen Schnaps und Töchterchen mit Bauchkrabbeln meint, ob er ein Fanboy sei.

Papa darf sich hinknien vor einem Bett, persönliche Ergriffenheit mimen und ein Tränchen verdrücken. Eine Wissenschaftlerin plappert etwas vom Blue-Print eines Marienwallfahrtsortes.

Wichtige Erörterung, ob bei einer Wallfahrerversammlung mehr Leute als bei einem Kickerspiel sind und Papa meint, in so einer großen Kirche sei er noch nicht gewesen, die sei ja riesig. Um solche Ergüsse zu finanzieren, zwingt mir der Staat die Rundfunkhaushaltsgebühr ab! (Weil, das ist für den Fortgang meines Lebens eminent wichtig, zu wissen, dass ein mir nicht näher bekannter Herr X, der mir am A. vorbeigeht, noch nicht in so einer großen Kirche gewesen sei). Sendezeit, Sendezeit, du bist so gar nicht kostbar.

Ein weiterer Beitrag zur Delegitimation eines sozial unfair zu Lasten einkommensschwacher Schichten zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkes. Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk selbst wollen wir den Wunderglauben lassen, mit solchen Sendungen seine eminent wichtige, demokratische Funktion wahrgenommen zu haben. Die AfD nimmt es wohlwollend zur Kenntnis.

Wer ist Anna Kemmer? Redaktionelle Mitarbeit, steht im Abspann; wenn sie schlau ist, wird sie später vielleicht sagen, hier habe sie gelernt, wie man es nicht machen soll.

Manche mögen bei so einer Pilgerfahrt den Glauben an Maria wiederfinden; wir selbst verlieren angesichts solcher Sendeformate endgültig das letzte Körnchen Glauben an eine demokratisch wichtige und wirksame Funktion dieses öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wem das in die Hände spielt, siehe weiter oben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Maibaum Hunters (Folge 1) (BR Fernsehen, Donnerstag, 30. April 2026, 20.15 Uhr)

„Was ist unser Sport? – Langholztransport!“

Maibaumklau – das bayerische Brauchtum muss im Titel mit englischem Zusatz unbedingt verfremdet werden – ist eine robuste, bayerische Burschentradition.

Diese hat sich der Entertainment Konzern Endemolshine Germany geschnappt, um ihn tüchtig zu frisieren, zu deodorieren und in ein geruchloses Fernsehformat zu pressen, um damit ein paar Zwangsgebührenkröten vom Bayerischen Rundfunk abzugreifen.

Der BR wiederum fährt dafür Kohorten von mit Zwangsgebühren finanzierten Redakteuren auf. Sie greifen auf das altbewährte Mittel von den heimeligen Samstagabendshows von anno dunnemals zurück, den Challenges, wie es auf Neubayerisch heißt.

Gehirnkrampfig müssen solche Wettbewerbe erfunden, definiert, der Brauch wie einsten Prokrustes seinem Bett angepasst und in Regeln gegossen werden. Ein paar TV-geile Gaudi-Burschen lassen sich immer finden.

Wie das Fernsehen den Social Media hinterherhechelt, zeigt es damit, dass es auf „Creators“ aus dem Internet zurückgreift und die gleich die Chose mitdokumentieren und toll finden lässt. Vom Brauch bleibt nicht viel übrig.

Nie haben die Öffentlich-Rechtlichen ihre eigene Überflüssigkeit besser dokumentiert als mit solchen Sendungen. Kaum je dürften sie schlechteres Fernsehen gemacht haben. Kaum je dürften sie jenen mehr in die Hände gespielt haben, die die Abschaffung des ÖRR fordern als mit solch überflüssigen Formaten.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Himmel, Herrgott, Sakrament: Staffel 2, Folge 6 „Langsam aber sicher“ (BR, Freitag, 24. April 2026, 20.15 Uhr)

Es werde Licht!

Das ist vielleicht die symbolträchtigste Selbstauskunft dieses Fernsehproduktes. Die beiden Protagonisten Stephan Zinner, beim BR aktuell offenbar der angesagte Protagonist schlechthin, als gäbe es keine anderen bayerischen Mannsbuider, und Anne Schäfer sitzen nebeneinander nächtens auf dem Viktualienmarkt. Mangels natürlicher Lichtquellen wird Stephan Zinner so inszeniert, dass er sich selbst beleuchtet. Er tut so, als habe er ein Handy in der Hand. Es übt aber die Funktion der Beleuchtung aus; er muss diese ganz unnatürlich die ganze Szene lang etwa an seinem Oberschenkel auf sich gerichtet halten. Dem Zuschauer wird das dadurch erklärt, dass er eine Akte studiere, die er auf dem anderen Oberschenkel vor sich liegen habe.

Die Szene versucht, Licht in die Beziehung der beiden zu bringen. Sie wird die Frage stellen, wie es denn mit ihnen weitergehe. Er ist der katholische Pfarrer mit Keuschheitsgelübde und sie ist die Angestellte im Ordinariat.

Licht wird gesucht auch in weiteren Fällen. Es wird eine Erbgschichte an den bayerischen Papst eingebaut. Lisa sieht darin einen Betrug des Kardinals. Der ist so eine hinterfotzig-schlitzohrige Figur, wie sie einem bayerischen Stück gut ansteht.

Es gibt einen Diebstahl von Almosen; das wird für den Zuschauer klar und deutlich inszeniert, samt Vorbereitung, wie nachlässig der Pfarrer mit dem Geld umgeht. Eine Obdachlose beobachtet das und mit einem aufwändig inszenierten Ablenkungsmanöver einer Gruppe von Menschen, die resozialisiert werden müssen, greift sich die Hilfsbedürfte das Spendengeld, bedankt sich artig mit ein paar handgeschriebenen Zeilen.

Diese Folge sechs der zweiten Staffel hat etwas mehr Schwung als die fünfte; sie glaubt aber auch nicht an sich, sondern sieht sich zu einem Eskapismus nach Rom genötigt. Zufälligerweise hält dort der neue Papst grade seine erste Messe. Man holt sich päpstlichen Support. Vielleicht bringt der mehr Licht in die Angelegenheit. Die Lisa macht kurz und bündig Schluss mit ihren Eltern. Ach so, und den Wasserschaden hätten wir beinah vergessen. Zupf- und ab und an Akkordeonmusik versuchen den Eindruck von Leichtigkeit zu erwecken.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers! (der sich fragt, ob er für so etwas auch nur einen Cent ausgeben würde).

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Lebenslinien: Der Großfeuerwerker (BR, Montag, 20. April 2026, 22.00 Uhr)

Der Protagonist Thomas

ist sicher ein interessanter Typ, ein Mensch mit Geheimnis, der viel mit sich selbst ausmacht, kein Selbstdarsteller, noch ein Promi, der PR für sich braucht, ein Mensch, der in unserer Gesellschaft eine Funktion erfüllt im Sektor Freizeit und Unterhaltung, also in jenem Sektor, der den Menschen Gutes tun, sie entspannen möchte.

Thomas ist also auf jeden Fall ein Kandidat, der für die Öffentlichkeit von Interesse sein könnte und der sich, zumindest erfährt man darüber nichts in diesen Lebenslinien von Angelika Vogel unter redaktioneller Betreuung von Johanna Teichmann, also keiner, der sich in den Social Media ausbreitet.

Insofern ist Thomas bestimmt ein prima Kandidat für das Fernseh-Format Lebenslinien. Aber just dieses Format scheint in seiner inzwischen doch recht ausgeleierten Form die langweiligst mögliche Art zu sein, sich so einem Menschen anzunähern.

Die Klammer des Feuerwerkes auf dem Frühlingsfest ist nicht gerade ein Cliffhänger. Aber diese Lebenslinien verzichten vollständig darauf, wie es im Märchen bewährt ist, anzufangen in der Art „Es war einmal“ …, und was und wie daraus geworden ist.

Diese Lebenslinien kommen dröge daher wie ein Lebenslauf, der allenfalls für eine Bewerbung geschrieben wird, geschmückt mit Tanten und Angehörigen und dem unvermeidlichen Besuch einer früheren Schule und eine früheren Wohnung, statt dass sie versuchen, dem Geheimnis dieses Mannes mit einem doch recht ungewöhnlichen Lebensweg auf die Spur zu kommen. Das interessiert sie überhaupt nicht. Wie bei einem Arztbericht müssen noch die Krankheiten vermerkt werden und klar, er ist ein Musterbeispiel, er lässt sich nicht unterkriegen, das ist auch gut so. Aber es so öde zu erzählen, das ist vertane Liebesmüh.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Comedy auf Bestellung (BR, Freitag, 17. April 2026, 22.00 Uhr)

Do schaugst!

Mei, was es alles gibt beim Pfründenfunk. Was die sich alles einfallen lassen, um wenigstens ihr verbliebenes Gewohnheitspublikum irgendwie bei der Stange zu halten. So ein Publikum scheint es zu geben, das scheint auch nicht ganz auszusterben. Es scheint noch ein Publikum zu geben, bei dem es was gilt, wenn man am Fernsehen kommt oder wenn das Fernsehen zu einem kommt. Und für dieses Publikum gibt es auch noch Stars, Comedians heißen die hier. Die sollen die Leute zum Lachen bringen in diesen düsteren Zeiten. Lustigkeit auf Bestellung.

Da kommt dann so ein fernsehbekannter Comedian nach Ingolstadt oder nach Bamberg. Dort freuen sich Vereine darauf, die den Comedien ganz einfach „bestellen“ können, so wie eine Pizza oder Dinge über Internet und DHL; Comedian wird abgeliefert. Interaktives oder vielleicht auch: betreutes Fernsehen, jeder einzelne Zuschauer will wie im Pflegeheim betüdelt und bezirzt werden. Ja, die dürfen den Comedians sogar eine Aufgabe, modern-Bayerisch: eine Challenge, stellen.

Der Blindenfußballverein aus Ingolstadt bestellt Michael Mittermeier. Er muss bei denen mit Augenbinde blind Fußball spielen und soll nachher im Studio unter Anwesenheit von Vereinsmitgliedern und Studio-Gästen einen Comedy-Gig zum Thema Blindheit bieten.

Es gibt eine Rahmenhandlung. Comedian Mittermeier und Comedian Simon Pearce sitzen in einem Minikino und unterhalten sich über ihre Auftritte. Mittermeier gibt einen Einblick in seine Comedy-Werkstätte, dass er bei der Witzsuche durchaus Google verwendet; und bestimmt inzwischen auch KI.

Simon Pearce wird von einem Kneipenchor in Bamberg eingeladen. Er zeigt auf der Straße, wie lustig und beliebt er ist, da kriegen Zuschauer glänzende Äuglein, wenn sie den Fernsehstar lebendig vor sich sehen. Das sind so beinahreligiöse Erlebnisse, vergleichbar einer Marienerscheinung in vergangenen Zeiten.

Eigentlich auch nur ein Hokuspokus und manche verdienen ganz schön von den Gebührengeldern dabei. Vielleicht auch dank der Eigenschaft des Pfründentums. Oder können die Zuschauer jedweden Comedian ihrer Wahl beim BR bestellen und der käme damit zu einen Fernsehauftritt, selbst wenn er kein BR-Comedian wäre? Womit der Pfründenverdacht ganz easy ausgeräumt wäre.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Himmel, Herrgott, Sakrament: Staffel 2, Folge 1 „Schlafen“ (BR, Freitag, 10. April 2026, 20.15 Uhr)

Kein Segen von oben

Der höchste Segen, den diese Fernsehproduktion erhalten zu haben scheint, muss derjenige der beiden zuständigen Redakteure Elmar Jaeger vom BR und Bernhard Natschläger vom ORF sein. Sie sind vielleicht Götter des Rundfunks, aber sie sind auch nur Menschen; der Segen, den die beiden einer Serie erteilen, ist also sehr irdisch.

Zu mehr scheint es nicht gereicht zu haben; ja irgendwie scheint der Wurm drin zu sein. Man erkennt den Franx Xaver Bogner, den ruhmreichen Regisseur des BR, nicht mehr, der mit Fernsehproduktionen wie „Café Meineid“ die Herzen der Zuschauer erobert hat. Davon ist lediglich eine Regieroutine übrig geblieben; sie reicht, das Drehpensum zu erfüllen.

Aber es liegt wohl an so vielem. So achtbar es ist, wenn das Öffentlich-Rechtliche sich mit dem Thema Kirchenasyl – oder Asyl in der Kirche – befasst; so scheint das Thema mit der rigorosen Abschottungspolitik Europas und mit der noch rigoroseren des deutschen Innenministers wie aus der Welt geschafft worden zu sein.

Wenn das Fernsehen Themen von gestern behandelt, und das nicht besonders kreativ, so ist das schon sehr bescheiden. Auch fragt man sich, wie armselig eine Welt sein muss, in der die Liebe eines Priesters zu einer Frau, wobei er keusch zu bleiben behauptet, noch eines Augenaufschlages wert sein soll. Auch das wirkt reichlich altbacken.

Kommt der Cast hinzu. Der scheint Pi mal Daumen zusammengewürfelt oder mit der Gunst der Besetzungsgötter gesegnet zu sein und tendenziell wenig Feeling für die intendierte Komödie zu haben. Das liegt vielleicht am Drum und Dran, an der krampfigen Konstruktion des Drehbuches oder an der genau so krampfigen Gesamt-Intention, an frühere BR-Komödien-Erfolge anzuknüpfen. Aber auch daran, dass der Protagonist Stephan Zinner mehr als Schauspieler denn als Pfarrer rüberkommt. Auch die Liebe zu Lisa kommt mehr gespielt als gefühlt rüber.

Zuviel soll reingepackt werden in die Folge. Die Asylthematik. Die Thematik der ledigen Frau, die sich an der Isar von einem Rick anmachen lässt, dann die innerkirchliche, reichlich abgedroschene Hierarchiethematik und eine Jugendproblematik soll auch noch reingestopft werden; es geht um die Zuschauer der entsprechenden Alterssegmente; und die Mutter von Lisa kommt auch noch vor; für alle Altersgruppen muss etwas dabei sein, aber nix Gscheits. Die Folge kommt einem lieblos und uninspiriert runtergnudelt vor.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Batic und Leitmayr – Die Zwei vom Tatort sagen Servus (Das Erste, Montag, 6. April 2026, 21.45 Uhr)

Mehr verdient

Die zwei Münchner Tatort-Kommissare, die nach 35 Jahren des Ermittelns in Ruhestand gehen und die über eine so lange Zeit fast schon wie ein Stubenmöbel sonntagabends in den deutschen Wohnungen aufgestellt wurden (also ins Design-Museum mit ihnen?), hätten mehr verdient zum Abschied als nur eine Selbstlobhudelei des BR.

Es gibt doch sicher Journalisten, Soziologen, Kulturphilosophen, Fernsehanalytiker, die sich mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm beschäftigen und die diese Einmaligkeit, dass zwei Kommissare sich darin über 100 Tatort-Folgen halten, in einen etwas größeren Zusammenhang hätten stellen können.

Auch das Phänomen, sich über eine so lange Zeit die Redaktionen gewogen zu halten. Aber nein, BR-Redakteur Florian Kummert hat sich für die bequeme Variante des Familienalbums, des Klassentreffens entschieden, womit er Heiko Rauber die Gunst des Auftrags hat zukommen lassen. Der hat schön brav Ausschnitte aus früheren Folgen zu den neuesten hinzu ausgesucht; er hat bestimmt berücksichtigt, was den BR-Redakteuren teuer und lieb an Namen ist. Er hat nur Gutes sagende Talking Heads vor die Kamera geholt und auch die beiden Kommissare plaudern über das Buch gebeugt oder über ein Fotoalbum aus dem Nähkästchen. Wobei Anekdoten unterhaltsam sein können.

Der BR ist der Versuchung erlegen, ein PR-Feature draus zu machen, es als Propagandainstrument einzusetzen und somit sich selbst gesellschaftlich unwichtig zu machen, statt dass sie jemanden von außen damit beauftragt hätten. Es köchelt sich so wohlig im eigenen Saft, so interessant es ist, über Folgen hinweg zu beobachten, wie die Kommissare sich verändern.

Nett halt, aber was nett ist, muss nicht gut und teuer sein. Die Art Familienalbum erinnert an die Art Verabschiedung eines langjährigen Vereinsvorsitzenden im Kegel- oder im Kaninchenverein; berücksichtig zu wenig den Stellenwert in der Öffentlichkeit.

Gerade so eine objektivierende, einsortierende Sendung und Würdigung durch andere gesellschaftliche Instanzen könnte dem unter immer stärkerem Rechtfertigungsdruck stehenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk nützen; das ist hier nicht gegeben und offenbar auch nicht gewollt.

Eine Betrachtung und Einordnung von außen, ob die beiden nun ins Museum für Möbel zum Sonntagabend kommen oder ob sie gar wie Kokuho: Meister des Kabuiki würdig wären der Zuschreibung eines lebendigen nationalen Schatzes, hätte der Glaubwürdigkeit des Unterfangens nicht geschadet.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.