Archiv der Kategorie: TV

Himmel, Herrgott, Sakrament: Staffel 2, Folge 1 „Schlafen“ (BR, Freitag, 10. April 2026, 20.15 Uhr)

Kein Segen von oben

Der höchste Segen, den diese Fernsehproduktion erhalten zu haben scheint, muss derjenige der beiden zuständigen Redakteure Elmar Jaeger vom BR und Bernhard Natschläger vom ORF sein. Sie sind vielleicht Götter des Rundfunks, aber sie sind auch nur Menschen; der Segen, den die beiden einer Serie erteilen, ist also sehr irdisch.

Zu mehr scheint es nicht gereicht zu haben; ja irgendwie scheint der Wurm drin zu sein. Man erkennt den Franx Xaver Bogner, den ruhmreichen Regisseur des BR, nicht mehr, der mit Fernsehproduktionen wie „Café Meineid“ die Herzen der Zuschauer erobert hat. Davon ist lediglich eine Regieroutine übrig geblieben; sie reicht, das Drehpensum zu erfüllen.

Aber es liegt wohl an so vielem. So achtbar es ist, wenn das Öffentlich-Rechtliche sich mit dem Thema Kirchenasyl – oder Asyl in der Kirche – befasst; so scheint das Thema mit der rigorosen Abschottungspolitik Europas und mit der noch rigoroseren des deutschen Innenministers wie aus der Welt geschafft worden zu sein.

Wenn das Fernsehen Themen von gestern behandelt, und das nicht besonders kreativ, so ist das schon sehr bescheiden. Auch fragt man sich, wie armselig eine Welt sein muss, in der die Liebe eines Priesters zu einer Frau, wobei er keusch zu bleiben behauptet, noch eines Augenaufschlages wert sein soll. Auch das wirkt reichlich altbacken.

Kommt der Cast hinzu. Der scheint Pi mal Daumen zusammengewürfelt oder mit der Gunst der Besetzungsgötter gesegnet zu sein und tendenziell wenig Feeling für die intendierte Komödie zu haben. Das liegt vielleicht am Drum und Dran, an der krampfigen Konstruktion des Drehbuches oder an der genau so krampfigen Gesamt-Intention, an frühere BR-Komödien-Erfolge anzuknüpfen. Aber auch daran, dass der Protagonist Stephan Zinner mehr als Schauspieler denn als Pfarrer rüberkommt. Auch die Liebe zu Lisa kommt mehr gespielt als gefühlt rüber.

Zuviel soll reingepackt werden in die Folge. Die Asylthematik. Die Thematik der ledigen Frau, die sich an der Isar von einem Rick anmachen lässt, dann die innerkirchliche, reichlich abgedroschene Hierarchiethematik und eine Jugendproblematik soll auch noch reingestopft werden; es geht um die Zuschauer der entsprechenden Alterssegmente; und die Mutter von Lisa kommt auch noch vor; für alle Altersgruppen muss etwas dabei sein, aber nix Gscheits. Die Folge kommt einem lieblos und uninspiriert runtergnudelt vor.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Batic und Leitmayr – Die Zwei vom Tatort sagen Servus (Das Erste, Montag, 6. April 2026, 21.45 Uhr)

Mehr verdient

Die zwei Münchner Tatort-Kommissare, die nach 35 Jahren des Ermittelns in Ruhestand gehen und die über eine so lange Zeit fast schon wie ein Stubenmöbel sonntagabends in den deutschen Wohnungen aufgestellt wurden (also ins Design-Museum mit ihnen?), hätten mehr verdient zum Abschied als nur eine Selbstlobhudelei des BR.

Es gibt doch sicher Journalisten, Soziologen, Kulturphilosophen, Fernsehanalytiker, die sich mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm beschäftigen und die diese Einmaligkeit, dass zwei Kommissare sich darin über 100 Tatort-Folgen halten, in einen etwas größeren Zusammenhang hätten stellen können.

Auch das Phänomen, sich über eine so lange Zeit die Redaktionen gewogen zu halten. Aber nein, BR-Redakteur Florian Kummert hat sich für die bequeme Variante des Familienalbums, des Klassentreffens entschieden, womit er Heiko Rauber die Gunst des Auftrags hat zukommen lassen. Der hat schön brav Ausschnitte aus früheren Folgen zu den neuesten hinzu ausgesucht; er hat bestimmt berücksichtigt, was den BR-Redakteuren teuer und lieb an Namen ist. Er hat nur Gutes sagende Talking Heads vor die Kamera geholt und auch die beiden Kommissare plaudern über das Buch gebeugt oder über ein Fotoalbum aus dem Nähkästchen. Wobei Anekdoten unterhaltsam sein können.

Der BR ist der Versuchung erlegen, ein PR-Feature draus zu machen, es als Propagandainstrument einzusetzen und somit sich selbst gesellschaftlich unwichtig zu machen, statt dass sie jemanden von außen damit beauftragt hätten. Es köchelt sich so wohlig im eigenen Saft, so interessant es ist, über Folgen hinweg zu beobachten, wie die Kommissare sich verändern.

Nett halt, aber was nett ist, muss nicht gut und teuer sein. Die Art Familienalbum erinnert an die Art Verabschiedung eines langjährigen Vereinsvorsitzenden im Kegel- oder im Kaninchenverein; berücksichtig zu wenig den Stellenwert in der Öffentlichkeit.

Gerade so eine objektivierende, einsortierende Sendung und Würdigung durch andere gesellschaftliche Instanzen könnte dem unter immer stärkerem Rechtfertigungsdruck stehenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk nützen; das ist hier nicht gegeben und offenbar auch nicht gewollt.

Eine Betrachtung und Einordnung von außen, ob die beiden nun ins Museum für Möbel zum Sonntagabend kommen oder ob sie gar wie Kokuho: Meister des Kabuiki würdig wären der Zuschreibung eines lebendigen nationalen Schatzes, hätte der Glaubwürdigkeit des Unterfangens nicht geschadet.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Tatort: Unvergänglich (Teil 2) (Das Erste, Montag, 6. April 2026, 20.15 Uhr)

Schablonenhaftes Hit-and-Run nach Mord am Schlüsseldienstmann

Sie wühlen weiter im Dunkeln, reimen sich ein paar Dinge zusammen. Einen gewissen Charme hat die private, die Rentnerseite der beiden Kommisssare und zum Teil die freischaffende Wiederaufnahme der Ermittlertätigkeit; wobei sie zu oft, speziell Batic, in ihre Ermittlerroutinen zurückfallen, wähend Leitmayr sichtlich Spaß an der neuen Rollennuance hat. Insgesamt wäre Spielraum für deutlich mehr Reiz.

Für solche Durchschnittsschablonendrogenkrimiware braucht es wirklich keinen Tatort. Schade, dass der Abschluss dieser Protagonistenreihe solch austauschbare Schlussverkaufs-Sonderangebot ist, die so gar keinen neuen Aspekt des Drogenproblems beleuchtet.

Wirkt, wird spätabends gesendet, einschläfernd; wegen null Überraschung. Nicht mal spannend gebaut und inszeniert. Das Potential an Reiz, was die Konstellation der Rückkehrer bietet, in keiner Weise ausgeschöpft. Zu schwerfällig inszeniert und geschrieben, was wohl inspiriert sein soll durch das Genre der leichten Gaunerkomödie.

Nichtssagendes Fernsehen ist das und wirkt bemüht, konstruiert und so beliebig, ja, extrem langweilig, weil es ersichtlich Konstrukt um des Krimis willen ist und nicht Krimi wegen menschlicher Beweg- und Abgründe. Bis zuletzt arbeiten sie mit verlangsamenden Rückblenden. Und dann die Art Location für den Countdown, so was von abgedroschen, schade um jeden Gebührencent!

Die Auflösung folge am 6. April im Ersten. (es ist doch schon der 6. April um 22.45 Uhr); wird eh kaum jemanden mehr interessieren.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Tatort: Unvergänglich (Teil 1) (Das Erste, Sonntag, 5. April 2026, 20.15 Uhr)

Pflegefamilie ist Scheiße –
Kommissaren tappen im Dunkeln.

Schon merkwürdig, in einer Zeit, wo Tausende von Stellen in vielen Industriebranchen abgebaut werden und die Leute auf der Straße stehen, so ein Getue und Gewese zu machen bei zwei Kommissaren, wo manch einer gar froh ist, wenn er sie nicht mehr aus Gewohnheit schauen muss, die garantiert gut, hervorragend sogar versorgt sind, gerade auch mit der Pension aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk (wäre schön, wenn sie das offenlegen würden); für so einen Abschied die Öffentlichkeit mit so einer Gefühlsduselei zu missbrauchen, das ist widerlich. Ein Abgang, der in jüngster Zeit an Peinlichkeit nur noch übertroffen wurde, von der Abwahl des Münchner OBs bei den Kommunalwahlen im März dieses Jahres. Die Leute haben ganz andere Sorgen, als diejenige des Renteneintritts von zwei weißen, alten Männern, denen ein exklusives Leben als TV-Subventionsstars auf Kosten der Zwangsgebührenzahler vergönnt war.

So ein Gewese. Ist denen ihr Kommissartum, was ja nun wirklich keine besondere schauspielerische Leistung ist, sondern längst reine Routine, in den Kopf gestiegen? Sie hätten sich ja nicht hergeben müssen dafür. Immerhin sind ihre Gesichter schon, als ob sie panische Angst vorm Abtreten hätten, einem Schicksal, was täglich Tausenden passiert, als Litfasssäulenposter aufgetaucht.

Dieser Tatort wirkt – wieder einmal – wie die Ambition eines Zwerges, der ein Riese sein möchte.

Drehbuchminderqualität mit Sätzen wie: „Ich glaub, der hat was“, schinden Zeit, bringen den Fall weder vorwärts noch leuchten sie tiefer hinein. Oder: „Wie Du das alles machst, so ganz allein.“ „Ich weiß wirklich nicht, wer Euch beide ersetzen soll“, „Hat noch keiner die Stelle, wird aber bald ausgeschrieben“ (schön wärs beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn es da einen Wettbewerb um die Schauspielerstellen gäbe und nicht der Gnädigkeitserweis per Gunst die Normalität wäre) „Gut, dann sind alle Aufgaben verteilt, auf geht’s!“, sowie überflüssiges Bed-and-Breakfast-Gebabbele.

„Sie war sehr fleißig und da hat man keine Zeit für das Leben, nur für das Sterben“, überflüssige Banalphilosophiesätze, die die sprechende Person kaum charakterisieren und auch kein besonderes Licht auf das beschriebene Opfer werfen.

Immerhin wird Ad-hoc-Dramatik entwickelt mit der Tante, die nicht glauben will, dass das Opfer so gar nichts dabei gehabt haben soll. Sie nimmt es den Kommissaren nicht ab. Aber auch das wirft kein Licht auf den Fall, noch erleuchtet es irgendwelche sozialen Belange unserer Gesellschaft; füllt nur Zeit mit Scheindramatik. Diese Aufregung trägt rein gar nichts zur – immer noch gesuchten – möglichen Substanz des Falles bei. Auch nicht illustrativ, außer dass sie dem einen Kommissar die Möglichkeit gibt, einen Satz auf Kroatisch zu sagen.

„Ich habs mir gedacht“, „Schick sofort die Spusi in die Wohnung“ „Die ist schon unterwegs“ – reine Routinefüllsätze, die bestimmt bei jeder KI leicht abrufbar sind. Und was, bittschön, soll uns das erzählen: „Gehts bitte zu Zweit und nicht allein“ und gleich darauf „Anscheinend geht es auch allein“ …

Weiteres Füllmaterial: „Aber eine Bewohnerin möchte noch was zur Aussage bringen, Stock höher“ „ok, links oder rechts?“ „zweite Tür links“: wenn so eine Aussage nicht mal einen Krimi in Schwung bringt und tiefschürfende Einblick in das soziale Gefüge Münchens gibt!, zu Schweigen vom pseudospontan abgesonderten „Ach, Herr Batic!“.

Dann ein breiter Klischee-neugierige-Nachbarin-Auftritt, klischeeiger geht nicht und die Darstellerin wird in den Anfangscredits als „Gast“ (von der Bauerntheater-Klitsche?) annonciert; mit solch unangebrachter Hervorhebung macht sich der Tatort zum Affen in einem Wichtigtuerzirkus. „Wenn Sie einen Zettel haben und einen Stift.“ „Bittschön“ – „ah, Kreuzworträtsel, ja, gut, bitte dann“, so viel Blabla, so ein schwaches Drehbuch, was versucht eine Fernsehrealität zu behaupten, die mit Alltagsrealität so gar nichts zu tun hat, weil die entsprechenden Sätze ja auch nicht beiläufig genug abfallen; sondern ordentlich schauspielerisch erlernt und eingeübt sind.

Dann eine unbedingt originell und schräg sein müssende Hausmeisterfigur Pfannenmüller mit Fetisch, die von der Konstruktion her jeglicher Plausibilität entbehrt. Weiteres Dialogfragment „Ach, ach, ach, eh, Scheiße“.

„Ach, Kalli, frag mal in der Rechtsmedizin, ob in der Schusswunde Bauschaumpartikel waren“ .. „wir haben noch ein ganz anderes Thema, komm mal mit“.

„Grausamer Leichenfund unter dem Quirin-Platz“, eine Zeitungsschlagzeile zur Lokalisierung der Eingangsbilder. Dann ein Schlagzeilen-Zusatz, der einer gewissen Partei Futter gibt: „Ist München nicht mehr sicher?“ (geradezu absurd, im Hinblick auf den verschlossenen Fundort der Leiche). Einige Dialogfetzen als nicht sonderlich originelle KI-Apercus.

Usw usf

Über eine halbe Stunde tappen die Kommissare im Dunkeln, es gibt noch keinen Hinweis auf das brennende, soziale Thema, auf das der Tatort aufmerksam machen möchte; allenfalls randständig, aber man vermutet eher zum Behufe des Originellseins das Fetischthema beim Hausmeister.

Bis hierher hat der Tatort nur erzählt, dass die Kommissare im Dunkeln tappen, wie Rätsellöser. Eigentlich ist es dem Zuschauer vollkommen wurst, ob die beiden den Fall noch lösen, bevor sie in Ruhestand gehen; da dieser letzte Fall auf zwei Folgen angelegt ist, ist nicht zu erwarten, dass sie so schnell zu einem Resultat kommen; da werden die Autoren bestimmt einen Cliffhanger am Ende des ersten Falles eingebaut haben.

Ein klischeedrogenverhunztes weibliches Geschöpf tritt auf mit rosa gefärbten Haarsträhnen.

Nach etwa 40 Minuten ist ein Sonderfall ins Visier der Fahnder geraten, Mike Werner, ein Typ, der immer für eine Nacht Bed-and-Breakfast (wäre moderner nicht AirBnB, wenn die schon ständig mit der KI rumalbern?) gebucht hat; mögliches Vergehen: er hat die Schlüssel nachmachen lassen. Ein in Deutschland sicher gravierendes, soziales Problem und sonntagabendwichtig. Doch eher: an den Haaren herbeigezogen. Dass der BR brandaktuell kann, hat er eben wunderbar bewiesen mit Kings of Scam – Wer klickt, verliert. Dagegen wirkt dieser Tatort durch und durch verschnarcht.

Immerhin: zur Halbzeit gibt es eine abstruse Mordtheorie und eine Werweißerei im Kommissarsmilieu.

Dann wird wie die zweite Zündstufe einer Rakete das hohe Risikoprofil des Täters aus dem Hut gezaubert; nein, München ist nicht sicher. Die Kommissare legen nun einen Zahn zu; das gibt die antreibende Musik zu verstehen flankiert von Polizeisirenen; es ist beinah, als würde Iran München angreifen.

Aber statt Action folgt die müde Frage, „Du, was machen wir jetzt eigentlich am letzten Arbeitstag der beiden“ und der längst routinegeschliffene Nachfolger meint, er komme nicht zum Nachdenken.
Mei, wirklich schad, dass sie aufhören, die san ja so tüchtig, schade. Für den Fortgang der Action bleibt, da alles so ungeschickt eingefädelt ist, nur noch absurde Thrillerelemente zu bemühen, die in austauschbarem B-Movie-Aktionionismus versanden. Da loben wir uns doch den Polizeiruf 110: Ablass! vom 15. März.

Mit Minute 55 wird das Thema Pflegefamilie als pures Klischee akut („Ich war immer allen egal.“). Das könnte die Kernaussage dieses Tatortes sein: Pflegefamilie ist Scheiße und lässt kriminelle Früchtchen gedeihen.

Unerklärlich, warum dieses schwache Drehbuch die Gunst des BR-Redakteurs Cornelius Conrad erhalten hat.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers wegen unqualifizierten Umganges mit seinem Geld!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Kontrovers – Die Story; Mein Großvater – der Nazi – Schuld und Schweigen in der eigenen Familie (BR, Mittwoch, 1. April 2026, 21.15 Uhr)

Reißerisch

ist die grafische Umrandung der schwarz-weiß Fotos des Opas mit einer Art rostrotem Gitter, das an den Ecken die Ansätze eines Hakenkreuzes insinuiert. Da weiß man, der war ein Böser.

Rein gar nichts ist kontrovers an dieser Sendung, die sich mit just diesem Eigenschaftswort schmückt, rein gar nichts. Gut und Böse sind klar aufgeteilt. Der Enkel ist der Gute, der mit demselben Ernst, mit dem sein Opa Nazi war, eine Aufarbeitung angehen möchte.

Reißerisch ist der Film auch mit den Aufmarsch- und Führerpropagandabildern, die er telquel übernimmt. Wie man das klüger, schlauer, dezidiert distanzierender handhaben kann, zeigt der „Film Friendly Fire – Erich Fried“, der am 30. April ins Kino kommt. Auch die Präsentation der Nazi-Devotionalien des Opas passiert andächtig, als ob sie etwas Kostbares wären.

Grade ertragreich ist auch das gebrochene Schweigen in der eigenen Familie nicht; denn da nichts gesagt worden ist, ist nichts weitergegeben worden. Über den Opa ist, außer, dass er ein ernster Mann gewesen sei, nicht viel mehr zu erfahren, als dass er bei der SS in aktiver Funktion tätig war. Auch ist der Titel der Sendung irreführend, da es praktisch nur um die Reichsprogromnacht geht. Der Titelzusatz mit „Schuld und Schweigen in der eigenen Familie“ wirkt angeberisch, da das nicht weiter behandelt wird außer der Feststellung, dass das kein Thema gewesen sei.

Der Film konzentriert sich auf die Reichsprogromnacht und da habe der Opa an vorderster Stelle mit gebrandschatzt. Was er sonst noch bei der SS getrieben hat, bleibt im Dunkeln. Kein Wunder, dass dessen Tochter unter einem Transgenerationentrauma litt, das sie wiederum an den Protagonisten dieses TV-Features von Christian Stücken und in beschämender redaktioneller Verantwortung und Leitung von Birgit Kappel weitergegeben hat. Deshalb gibt es ein anskizziertes Gespräch mit einem Psychologen.

Die Leiterin des NS-Dokumentationszentrums in München (wenn der Film nach München wechselt, wird mit Schrift der Name eingeblendet und ein roter Pfeil weist daraufhin, für alle, die es von den Bildern her nicht merken) geht auf den Auslöser für die Reichsprogromnacht ein: das Attentat des polnischen Juden Grynspan auf den Legationssekretär der deutschen Botschaft in Paris.

Vielleicht ist der Film lediglich als vorsorgliche Werbung für das Buch gedacht, das der Protagonist am Schreiben sei. Es scheint darin um seinen Herkunftsort Rheine zu gehen und wie die wie das übrige Deutschland den Wahnsinn mitgemacht haben. So entfährt denn dem Protagonisten auch und mal ein „Wahnsinn, verrückt, wirklich verrückt!“. Und dann werden noch ein paar Stolpersteine aufpoliert.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Kings of Scam – Wer klickt, verliert. Folge 1: Sie haben Post (Das Erste, Mittwoch, 1. April 2026, 22.50 Uhr)

Internetlangfinger

Untrennbar mit dem Besitzdenken scheint das Diebstahlsdenken verbunden zu sein. Da das Internet eine relativ junge Kulturtechnik ist, haben es hier Diebe besonders leicht, speziell, wenn es um Kreditkarten und deren Daten geht. Da lassen sich Menschen reinlegen, die nicht unbedingt auf den Enkeltrick reinfallen würden.

Man ist in Hektik, erwartet ein Paket, bekommt eine SMS mit der Mitteilung über einen erfolglosen Zustellversuch und soll mal schnell ein paar Daten preisgeben, damit das gelingen kann. Und schwups kann der schlaue Datenfischer irgendwo auf der Welt mit der Kreditkartennummer shoppen gehen.

Das Rechercheteam aus Julia Schweinberger, Lena Walbrunn, Alexander Nabert, Arne Meyer-Fünffinger und Sammy Khamis, redaktionell betreut von Verena Nierle, Pia Dangelmayer und Maximilian Zierer, hat sich dieses leidigen Themas aufklärerisch angenommen und präsentiert seine Erkenntnisse als spannendes Infotainment.

Dem Rechercheteam des BR ist ein größeres Datenkonvulut, das detailliert hundertausendfachen Smishing-Betrug dokumentiert, in die Hände gefallen. Sie haben Kontakt zu ethischen Profihackern und einem Datenjournalisten aus Norwegen aufgenommen und sie kommen selber einem von sich sehr eingenommenen Datenlangfinger auf die Spur, weil der seinen Life-Style und seine Beute stolz im Darcula-Chat präsentiert.

Schöner Cliffhanger am Schluss dieser ersten Folge: einer vom Team macht sich auf den Weg, um den Datendieb von Bangkok eventuell persönlich ausfindig zu machen.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

So haben wir dich nicht erzogen (Das Erste, Mittwoch, 18. März 2026, 20.15 Uhr)

Mittwochfilm goes Komödienstadel

Schon im ARD-Mittwochsfilm Makellos – Eine kurze Welle des Glücks waren die Anklänge ans Bauerntheater unübersehbar. Das wird hier mit exzessivem Schnapseln und Trinken noch deutlicher.

Uli Brée ist ein versierter Fernsehautor. In wenigen Wochen dürfte er das Drehbuch für so einen Film, der hier von Michael Kreihsl regielich betreut wurde, runtergeschrieben haben. Den betreuenden Zwangsgebührentreuhändern Klaus Lintschinger (ORF), Susanne Spellitz (ORF) und Amke Ferlemann (BR) scheint es gereicht zu haben.

Der Autor kennt sich aus mit dramaturgischen Grundkonstellationen, weiß wie man Konflikte und Überraschungen vorbereitet, kennt sich aus mit der alltäglichen Dialektik von Widersprüchlichkeit zwischen Reden und Handeln der Menschen. Er weiß, wie man ein Modethema fernsehtauglich vermantscht. Hier reitet er das Genderthema ermüdend bis zum Exitus.

Die Schallers, Balbina (Brigitte Hobmeier) und Inka (Gerti Drassl), sind ein Paar, das in einer stattlichen Villa in einem Wiener Randbezirk wohnt. Sie haben die klassische Mann-Frau-Trennung. Die eine hat das Kind von einem Samenspender geboren. Sie ist die Hausfrau. Die andere ist die hochgezüchtete, weltfremd überdrehte Wissenschaftlerin, die gerade dabei ist nach Mozarts Zauberflöte die Bibel gendergerecht zu bearbeiten. Ihre Tochter Hedwig (Alina Schaller) haben sie nach ihren woken Grundsätzen erzogen. Sie ist jetzt erwachsen und in Andreas (Julian Pichler) verliebt. Der ist ambitioniert am Studieren, zur Zeit aber beim Bund. Er möchte ihr einen konventionellen Heiratsantrag machen mit Zustimmung der Eltern, über deren Beschaffenheit er nichts weiß. Nachtigall ik hör Dir trapsen. Vorher noch bekommt er beim Beislwirt Toni (Wolfang Böck) den Bauerntheaterschnaps und ein paar Infos über die Villa Schaller serviert.

Es sind grobgehobelte Figuren, die primär als Thesen- und Pointenträger zu fungieren haben, so wie Kasperle oder eben die Figuren im Bauerntheater, deren Zusammenprall auf Kilometer absehbar ist.

Hedwig organisiert für die zu erwartend schwierige Szene der Vorstellung des künftigen Schwiegersohnes den Beistand Dietmar (Roland Silbernagl), ein Vertrauter der Familie, Pfarrer, katholisch und schwul und mit einem protestantischen Pfarrer zusammen, so verlangt es die Bauerntheaterkonstellationstheorie und auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen. Den Rest kann man sich ausdenken, ganz ohne den Film zu schauen, was mindestens Lebenszeit spart.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Makellos – Eine kurze Welle des Glücks (Das Erste, Mittwoch, 11. März 2026, 20.15 Uhr)

Weihnachtsbaum in der Wüste

Das ist nicht neu, der „Weihnachtsbaum in der Wüste“, wie eine Dialogstelle von Uli Brée es in diesem Fernsehfilm von Dirk Kummer nennt.

Damit ist eine reifere Dame gemeint, die in einer Ehe lebt, in der sich, hier zumindest seit einem Jahr, nächtens nichts mehr tut, ja, Adele Neuhauser als Constanze Laux schläft in einem anderen Zimmer als ihr Gatte Ulrich Noethen als Anton Laux.

Die Dame möchte sich erstmals im Leben mit einem Call Boy, Ricardo (Manuel Rubey), bei einem diskreten Date in einem Hotel vergnügen. Das erste Mal geht daneben, genau so wie 2022 fabelhaft und vorbildlich zu sehen in Meine Stunden mit Leo.

So etwas kann das öffentlich-rechtliche Fernsehen aus Österreich und Bayern nicht schaffen, da fehlt es an allen Ecken und Enden. Da werden, vielleicht auch wegen der programmierten Dauer von knapp anderthalb Stunden, Verkürzungen nötig, die die Chose doch sehr ins Bauerntheaterhafte absacken lassen.

Dazu passt auch, dass das Ehepaar Laux zusammen einen respektablen Trachtenladen betreibt. Geschäftlich hat sich der vielleicht etwas gestörte Humor des TV-Drehbuchautors die Idee eines Einwegdirndls und einer genderneutralen Tracht einfallen lassen, die sich im Lauf des Filmes – etwas realitätsnäher – auf das Dirndl-to-Go verkürzt.

Das Fernsehen glaubt, mit einer Geschichte wie „Meine Stunden mit Leo“ sei die Story zu dünn. Da muss viel beigepackt werden, einiges mag man spoilern, anderes nicht.

Karin (Caroline Frank) ist die Sekretärin von Anton. Sie ist aber auch die beste Freundin von Constanze. Sie organisiert unauffällig das Hotelzimmer im nicht mehr ganz neu eröffneten Hotel Königshof am Stachus in München. Wissen wir, welche Deals hinter den Kulissen stattgefunden haben, damit die Produktion die Location erhält? Nein, wir wissen es nicht, und wenn niemand Kameras installiert hat, so werden wir es wohl auch nie erfahren.

Im Hotel selber ist nämlich, also im Film, eine Kamera im Zimmer installiert und die Erpressung mit dem Film von den Liebesakten zwischen Ricardo und Constanze folgt prompt.

Es wird noch komplizierter und da bleibt nur die verknappte Bauerntheaterlösung. Karin hat auch ein Verältnis zu Anton. Wie Constanze Ricardo in Lissabon treffen will, reist plötzlich ihr Mann mit.

Die Schauspieler spielen gut, allen voran Adele Neuhauser und Ulrich Noethen, das lässt über die enormen Schwächen des Drehbuches hinwegsehen; es sieht allerdings für die Figur des Anton eine Skrupellosigkeit vor, die man einem Ulrich Noethen einfach nicht abnimmt.

Nicht minder skrupellos verhält sich Karin, auch da ist die Figur vom Drehbuch her, und also den Texten, zu simpel gezeichnet, als dass man ihr die Handlungen, die ihr zugeschrieben werden, zutrauen würde.

Eine nette Idee, mindestens dekorativ, sind die gelegentlichen Tänze von Ricardo, so herrlich unbeholfen, dass er wirklich wie eine ehrliche Haut erscheint. Die Bewegungen erinnern an die Shaker-Bewegungen in „Das Testament der Anne Lee“, der demnächst in den Kinos startet.

Um eine falsche Fährte zu legen für den Erpressungsfall, hat das Drehbuch die Mutterfigur von Ricardo vorgesehen. Der Lisa Kreuzer, die sie spielt, würde man hingegen mehr zutrauen, als allen anderen. Sollte das so gewollt sein, so ist es nicht sonderlich originell. Adele Neuhauser ist der Wonnepfropfen dieses Fernsehproduktes, momentweise hat sie diesen Silberblick großer Leinwanddiven.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Bayern, des samma mia! (1. Folge) (BR, Freitag, 6. März 2026, 22.05 Uhr)

Produziert nach ökologischen Standards

Brunzkachel

ist das schönste von wenigen urigen bayerischen Worten aus dieser Sendung, die sich dem Bayerischen und dem Bayerntum mittels Comedyshow, wenn ich das richtig verstanden habe, verschrieben hat, was an sich keine schlechte Idee ist.

Man darf den Stellenwert von Dialekten nicht unterschätzen und das Bayerisch eines Michael Altinger, eines Simon Pearce oder einer Eva Karl Faltermeier hebt sich doch wohltuend ab vom geruchlosen Hochdeutsch des vierten Gastes im Panel, von Lisa Feller.

Eher ein Fernsehbayerisch spricht der Moderator Maxi Gstettenbauer (mein subjektiver Eindruck). Aber muss, bloß weil man den Dialekt und das Bayerische zum Thema macht, man gleich so ein fantasieloses, altbackenes Format wählen?

Dieses Raten, was wohl die Antworten in einer Umfrage gewesen seien, das war mal neu beim aufkommenden Privatfernsehen, das ist Jahrzehnte her. Und muss ein modernes Studio so aussehen, als hätte man die Holzvertäfelungen eines DDR-Studios recyclet? Dazu passt Moderators Kommentar, es handle sich hier um eine Diktatur, wobei ihm der dazu passende Möblierungshintergrund wohl nicht aufgefallen sein dürfte.

Immerhin blitzt in den Redereien beim einen oder anderen das auf, was dieses immer Faszinierende, nie endgültig zu fassende Bayerisch ausmacht. Deshalb wollen wir heute mal auf die Promimäkeleien verzichten; zwei von den Gästen haben ja schon die Gunst der Lebenslinienredaktion auf ausführliche Werbezeit im Bayerischen Fernsehen genossen.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Find The Liar, Mittermeier (2. Staffel, 1. Folge) (BR, Donnerstag, 5. März 2026, 22.00 Uhr)

Produziert nach ökologischen Standards

In Deutschland stürmt die AfD von einem Wahlerfolg zum nächsten, die, wie es notorisch heißt „in Teilen gesichert rechtsextrem“ sei und die den öffentlich-rechtlichen Rundfunk abschaffen möchte.

Dieser hat das wohl noch nicht so recht mitbekommen und macht weiter Programm, als lebe er in glückseligen, altväterlichen Zeiten offenbar an weiten Teilen eines heute möglichen Publikums vorbei. Ein Witzchenabend mit Einspielern wie aus einem guten Fernsehmöbel der 50er Jahre, nur dass dieser Screen in eine Holzwand eingelassen ist. Auch die Ausstattung des Studios versucht nach hinten zu schauen und eine Kuscheligkeit und Biederkeit entstehen zu lassen, als gäbe es eine Welt draußen und von heute nicht.

Vor Aufzeichnungsbeginn wird das Publikum wie mit einer Peitsche aufgeheizt, so dass der Begrüßungsapplaus für den Moderator steif gekünstelt, gequält daherkommt; dieser ermüdet sichtlich im Laufe der zähen Dreiviertelstunde, in der der BR Promis aus verstaubten Regalen in die Sendung hat transportieren lassen; keine Ahnung, wer die weshalb kennen soll.

Die Promigäste versuchen nun bemüht, Anekdoten zum Besten zu geben, von denen irgendwer unter den Anwesenden, das kann auch das Publikum sein, erraten soll, ob sie gelogen seien. Das ist an sich eine hübsche Idee für ein Gesellschaftsspiel, für den Familienabend, für den Vereinsabend von anno dunnemals, für die Hütte, für den Campingabend.

Hier läuft es unter Promi-PR, wer immer auch definiert, wer weshalb ein Promi ist und es verdient, vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk in seinen PR-Aktivitäten nicht nur gratis, sondern bestimmt gegen eine Aufwandsentschädigung aus dem Zwangsgebührentopf unterstützt zu werden.

Ein Angelegenheit, die mit Humor nichts zu tun hat, sondern nur mit Geschäft und in der Zwangsgebührengelder abgezweigt werden für Leute, die ihr Geld damit verdienen, dass sie bekannt sind, dass sie sogenannte Promi-Namen sind.

Im Abspann der Sendung steht nicht mal ein Verantwortlicher vom BR, der, nach welchen Gunstprinzipien auch immer, die Protagonisten ausgewählt hat. Haarriss im Hobby-Hoarsing-Steckenpferd oder Muskelfaserriss, Policia oder Polyester, Schrotten eines Suzuki und Bieseln in Topfpalmenkübeln in Hotels, das war die Highlights an Brillanz dieser verschenkten, peinlich versenkten öffentlich-rechtlichen Dreiviertelstunde.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.