Ein Architektenehepaar plant für sich ein neues Wohnhaus. Die Ehefrau soll den Umbau des Bades bei der Schwiegermutter übernehmen. Ein Freund kommt mit seiner Liebe des Lebens vorbei. Weil die grad Stress haben, laden die Architekten das Paar auf das Wochenende ein. Allerdings hat die Frau des Architekten keine Lust, den Babysitter zu spielen. Diese Bemerkung ist die erste emotionale Reaktion auf die junge Frau des Freundes. So viel die Info nach 3 Minuten. Ein Film, der es offensichtlich auf eine Paarthematik abgesehen hat.
Am Wochenende in der Hütte am See kommt die Paardynamik in Gang. Sie fängt mit den beiden Frauen an, die zuerst allein da sind. Der Film zeigt, dass er zeigen will, dass zwischen den beiden Frauen unsichtbare Schwingungen bestehen. Aufs Auge gedrückte Situationen mit verlorenem Brillantring oder den Croissants. Marie und Ayla zu zweit allein.
Rainer Kaufmann zeigt uns in seiner Regie nach einem Buch von Karthrin Richter und Jürgen Schlagenhof überdeutlich, dass sich jetzt was anbahnt zwischen den beiden Frauen, denn die Filmemacher versuchen, sich fernsehtechnisch am Thema lesbische Liebe abzuarbeiten, die sich zwischen zwei bürgerlichen Hetero-Ehefrauen entzünden kann.
Fernsehtechnisch heißt in diesem Fall: dass das, was hier vorgespielt wird, wohl theoretisch Schritt für Schritt thematisch durchdacht und vollzogen wird. Kopfgeburtig. Der emotionale Nachvollzug durch den Zuschauer interessiert wenig. Denn das würde deutlich mehr Arbeit bedeuten: primär die Präsentation der Charaktere, ihrer Anfälligkeiten und Dispositionen und dann erst das Ingangsetzen der Handlungen, die die Konflikte und Entwicklungen zum nicht gleich absehbaren Ende mit dramatischer Spannung füllt.
Stattdessen blättern uns die Fernsehmacher Kaufmann, Richter, Schlagenhof ein Brevier gepflegt-gediegener, themenvorschrifterfüllender, vollkommen überraschungsfreier TV-Alltags-Langeweileszenen einer bilderbuch-geleckten TV-Familie vor uns auf (mit der Tochter über die Pille reden, Sohn fährt mit der S-Bahn, mit Teppichhändlerfreundin Rita in der Disco, Ehemann treibts im verglasten Büro mit der Mitarbeiterin, Papa fragt mitten in die Familienkatastrophe hinein dämlich: „Was ist denn hier los?“, immer schon die Frage im deutschen TV, die auf flüchtige Drehbucharbeit schließen lässt, Polizei taucht in Hütte am See auf wegen Hasch von Sohn, der Wunsch nach dem Doppelpenthouse oder Marie, die oft entsetzt schaut = „ich spiele bürgerliches Drama“; auch ein Regieproblem).
Durch den Rückgriff auf diese Fernsehroutine-Alltagsszenen ist zu wenig Augenmerk auf das Entstehen der Tändelei zwischen den beiden Frauen und den Übergang zum Ernst gelegt, zudem Verzicht auf einen plausiblen Handlungsfaden. Diese Mängel werden gegen Ende mit fernsehtechnisch hergestelltem Herzschmerz kompensiert.
Fernsehen wie Nippes aus Porzellan. Das soll eine Luxusmanufaktur auf eigene Rechnung herstellen, wenn sie denn Kunden findet, aber garantiert gehört das nicht in den Bereich der Aufgaben des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes, der seine Zwangsgebühren nach einem sozial höchst ungerechten Modell zu Lasten der einkommensschwachen Schichten erhebt. Wer Interesse an solchen De-Luxe-Produkten höherer Langeweile hat, der soll das bittschön nicht über mühsam abgesparte Gebührengelder finanzieren; das hat mit dem Grundauftrag des öffentlichen-rechtlichen Zwangsfunks nichts zu tun. Der soll sich Mäzene oder Finanziers suchen; so würde die Tauglichkeit solcher Projekte im Handumdrehen erkennbar.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers.