Archiv für die Kategorie: “Tipp”

Banane mit süßem Senf.

Die alten Bäume, die könnten was verzellen, da sind hundert Jahr gar nix, meint die Augsburgerin Anna mit 107 Jahren beim Rudern.

Zufriedenheit, Dankbarkeit, Demut, Glücklichsein sind wahrlich keine Trendeigenschaften in unserer emanzipierten, antidiskriminatorischen, turbokapitalistischen Wohlastandsgesellschaft. Dabei hat Anna viel Leid erlebt in ihrem langen Leben, Ausbeutung, Erniedrigung, häusliche Gewalt, Missachtung, Ausnutzung.

Es ist die Geschichte einer langwierigen Befreiung und eines hartnäckigen Sich-Treubleibens, die Susanne Brantl gefunden hat und unter der Redaktion von Christian Baudissin als Lebenslinie berichtet.

Der Titel könnte auch sein, „wie ich erst spät zu einem Glücklichsein gefunden habe“. Mehr als einmal wollte sie ins Wasser gehen. Sie hat von früh an das Gefühl von Rechtlosigkeit vermittelt bekommen, kein herzliches Feedback von der Mutter, vom Stiefvater noch weniger, der hat seinen Lohn lieber versoffen. Und die Mutter musste arbeiten.

Einzig die Großmutter hat das Kind liebenswürdig aufgenommen, so dass es oft Kilometer weiter marschiert ist, um sie zu besuchen.

Der leibliche Vater und seine Familie wollten nichts von ihr wissen. Das hat sich erst mit 80 geändert, wie ihr Mann gestorben ist. Dieser hat sie als Sklavin gehalten, die den Haushalt für ihn macht, er selbst hat seine Freiheit mit seinen Freunden verbracht.

Leid über Leid prägen die ersten Jahrzehnte dieses Lebens. Dabei war sie eine gute Schülerin gewesen, aber es fehlte das Geld für eine Ausbildung.

Ihr Verantwortungsbewusstsein – sie musste zuhause den Haushalt machen und auch noch für den jüngeren Bruder sorgen, als sie bereits in einer großen Weberei arbeteitete und ein halbes Dutzend Webstühle zu besorgen hatte. Wenn einer wegen eines Fehlers stillstand, lief auch die bezahlte Arbeitszeit nicht weiter.

Als die Fabrik in der Nazizeit verlangte, dass die Arbeiter eine Stunde zusätzlich arbeiten sollten und das Geld dem Führer spenden, da war sie die einzige (von 4000!), die zur Direktion ging und sagte, sie könne das nicht verantworten, sie arbeite so schon viel.

Nicht verwunderlich, dass ihr daraufhin ein hochkomplizierter, fehleranfälliger Webstuhl anvertraut wurde. Aber man dürfe sich nicht gehen lassen, meint sie.

Sie geht heute noch zur Gymnastik und ist vif und lebendig, wenn sie aus diesem langen, leidvollen Leben erzählt, das für sie das Paradiesische, wie sie ihr Leben jetzt empfindet, so lange aufgespart hat. Eher selten dürte ein Mensch zu finden sein, der diese, unsere Welt so schön sieht.

Sich treu bleiben: sie ist Vegetarierin: deshalb bestellt sie zum Weißwurstfrühstück eine Banane; diese bestreicht sie mit süßem Senf.

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Dieser Film von Peter Solan, der mit Josef Hen und Tibor Vichta auch das Drehbuch geschrieben hat, ist 15 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches der Versuch, mit der Figur von Manfred Krug als KZ-Kommandant Walter Kraft einen Hauch Menschlichkeit in das Ungeheuerlich-Unfassbare der Nazi-Vernichtungsmaschinerie zu bringen.

Anstatt wieder eingefangene Flüchtlinge aus dem KZ, er nennt sie Fliegen, zu vergasen, spürt Walter Kraft in einem von ihnen, in Jan Kominek (Stefan Kvitik) die Boxernatur. Er selber ist leidenschaftlicher Boxer und ihm fehlt es an Herausforderern im öden KZ mit dem regelmäßig schwarzen Qualm aus dem Schornstein.

Kraft schenkt Kominek – und damit den übrigen Fliegen – das Leben, wenn er mit ihm boxt und ihn schlägt. Das ist die ungleiche Geschichte in diesem packenden Schwarz-Weiß-Film von 1962 aus der Slowakei, wie der KZ-Kommandant seinen abgemagerten Gegner auffuttert und trainieren lässt. In Kraft ist der Sportsgeist stärker, die Sehnsucht nach Augenhöhe mit einem gleichwertigen Gegner, als alle Nazimilitärhierarchie. Das ist das Menschliche, was den bestialischen Mechanismus vorerst außer Gefecht setzt, was sozusagen Hoffnung lässt. Es ist diese Konzilianzfähigkeit der Krug-Figur, dieses Patriarchalisch-Familiäre, was so gar nicht ins KZ passt. Aber: kann es einen guten Kommandanten in einem schlechten Lager geben?

Bald erkennt auch der Zuschauer, dass Kominek mit Training und guter Ernährung Kraft deutlich überlegen ist. Das ist der zentrale Konflikt, dass Kraft der hierarchisch Mächtigere ist, der aber so tun will, als habe er es mit einem Ebenbürtigen zu tun. Ein weiterer, elementare Konflikt etabliert sich unter den Gefangenen durch die Privilegierung von Kominek.

Kominek findet im alten Venzlak (Jozef Kondrat) einen heimlichen Trainer, der lange aufmerksam in der Boxwelt gearbeitet hat.

In Stefan Kvietik hat Krug einen ebenbürtigen Schauspieler als Partner, der laut IMDb heute noch dreht. Krug selber fasziniert einerseits mit einer federballleichten Beweglichkeit (Box- und Seilspringszenen), wenn er boxt und mit dieser präsenten Männlichkeit, die ihn für eine Weltkarriere prädesteniert haben könnte. Was wäre bloss aus ihm geworden, wenn er in die USA gegangen wäre. Ihn hat leider später das deutsche Fernsehen domestiziert; wobei er auch dort noch immer herausgeragt ist.

Interesant ist vielleicht auch der Vergleich mit einem der neuesten Nazizeit-Filme, dem vielgelobten, ebenfalls in Schwarz-Weiß gedrehten Der Hauptmann. Hier richtet ein niedrigraniger Soldat, der eine Hauptmannsuniform ergattert, in einem KZ, obwohl der Krieg praktisch vorbei ist, ein Massacker an; Gegenfigur ist ein beamtenhafter KZ-Kommandant. Im Vergleich zum Solan-Krug-Film, der diesen Sportsgeist (der dann so sportlich doch nicht ist) beschwört, eine Menschlichkeit über die Herrschaftsverhältnisse hinaus, ist heute, über 70 Jahre nach Kriegsende nichts mehr zu spüren. Da herrscht blanker Zynismus und Beamtenhaftigkeit. Ein Trend? Und ein Fortschritt in der Behandlung, des eigentlich nicht behandel- und verhandelbaren Themas?

Interview mit Peter Solan
Solan erzählt, wie er auf die Geschichte von Tibor Vichta gestoßen ist und spürte, dass das sein Film würde. Vier Jahre lang kämpfte er gegen den Einwand, das würde ein pro-faschistischer Film werden. Und dann plötzlich ging es, inklusive der Besetzung mit dem Deutschen, Manfred Krug. Gedreht wurde in einem Original-KZ.

Diese Interview ist auch eine spannende Lektion über das Filmemachen.

Solan erzählt in konzentrierter Interviewsituation; er sitzt auf einem Stuhl, der Hintergrund bleibt dunkel. Er spricht über Freigaben. resp. keine Freigabe; zuerst solle er seine positive Einstellung gegenüber den demokratischen Institutionen des Volkes unter Beweis stellen; dafür bekam er einen Kurzfilm. Die Kulturbürokratie. Filmen in der Planwirtschaft.

Wenn du arbeitest, dann nicht für das, was es mal sein wird. Was aus einem Film wird, das überlässt er gerne denen, die ihn sich anschauen.

Das war sein letztes Interview, kurz vor seinem Tod im September 2013. Es wirkt so frisch wie von heute.

Interview mit Martin Kanuch
Über die goldene Zeit des slowakischen Autorenfilmes, den sozialistischen Realismus. Über die darin geforderte Authentitzität, Geschichten an Originalschauplätze zu drehen und zu improvisieren. Dokumentarfilm als Übung, Voraussetzung, um Spielfilme zu drehen. Solan habe sich nicht als schöpferischer Regisseur gesehen, ihn interssierten Geschichten, Probleme und die Reaktionen darauf.

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www.das-leben-geht-weiter.com

Trouvaille im Netz

oder wie das heiße Eisen des Nazi-Propaganda-Filmes spannend und ohne Berührungsangst und ohne falsche Ehrfurcht behandelt werden kann.

Irre, grotesk, absurd, aberwitzig, wie Goebbels noch im letzten Kriegsjahr und unter Einbezug des erschwerten Lebens im bereits teilbombardierten Deutschland noch den ultimativen Propaganadfilm Das Leben geht weiter machen wollte, der eine filmische Wunderwaffe werden sollte.

Das erzählt Dieter Moor (auch konzeptionelle Mitarbeit) als Sprecher und Moderator in einer aufregenden Mischung aus fragmentarisch-illustrativem Reenactment von Szenen rund um die Produktion des Filmes, aus Archivmaterialien vom Krieg, Storyboard und Treatment, Ausschnitten von Hollywoodfilmen, die Goebbels heimlich zeigte und als Vorbilder nahm, aus Interviews von Beteiligten lange nach dem Krieg und aus der für Nazi-Propagandfilme nach wie vor gültigen Vorschrift, dass sie nur kommentiert gezeigt werden dürfen. So verlieren diese Filme schnell das Dämonische. Und Infektionsgefahr besteht schon gar nicht.

Carl Schmitt hat mit Mark Alan Cairns das Drehbuch nach dem Buch von Hans-Christoph Blumenberg verfasst. Mark Cairns hat die Regie geführt und der Film stammt aus dem Jahr 2002, wurde koproduziert von Arte (Redaktion Philippe Muller) und HR (Redaktion Wolfgang Vogel).

Er ist bei YouTube abrufbar, allerdings nicht in bester Bildqualität, aber die wache und zupackende Behandlung des Themas ist bestens erkenn- und genießbar, ein Dokumentarfilm der seltenen Art, der so ein schwieriges Thema so plastisch behandelt. Weil er den Fokus auf die Herstellung dieses letzten Propagandafilmes des Dritten Reiches konsequent beibehält, nebenbei die Kriegsgeschichte und den Wahnwitz ablaufen lässt.

Während der vorletzte Propagandafilm, der berüchtigte „Kolberg“, der in opulenten Farben und Bildern noch heute verblüfft, fertiggestellt worden ist und seine Premiere noch während der letzten Atemzüge des Dritten Reiches in Berlin erlebte (das Kino wurde wenig Tage später von Bomben zerstört, dem titelgebenden Kolberg ging es ähnlich unter den Panzern der Russen), mussten die Dreharbeiten zu Das Leben geht weiter unterbrochen werden, später wurden sie zu einem Fliegerhorst nach Lüneburg verlegt und kurz vor Schluss sind sie abgebrochen worden.

Was aus dem Filmmaterial passiert ist, das ist eine eigene abenteuerliche Geschichte und noch nicht gelöst. Es gab schon vorher den Versuch des Herstellungsleiters Ritter, das Material nach Garmisch-Partenkirchen zu retten (oder seine eigene Haut).

Zwei Größen des Deutschen Kinos spielen eine zentrale Rolle unter den Filmmenschen, die nicht geflohen sind und im Filmland weiter arbeiten konnten, weil sie sich mit den Nazis arrangiert hatten. Das waren Veit Harlan und sein Konkurrent Wolfgang Liebeneiner. Harlan hatte Kolberg gedreht – und hier wird erzählt, in einer Drehpause von Das Leben geht weiter habe Liebeneiner den Film gekürzt.

Beide haben den Krieg überlebt, beide haben keine ganz reine Weste (Liebeneiner: Ich klage an), sind aber entnazifiziert worden. Harlan kam in der jungen Bundesrepublik nicht wieder richtig auf die Füße. Liebeneiner dagegen konnte nach einer Phase von etwa 10 Jahren mit der Trapp-Familie als einem der größten deutschen Kinoerfolge nahtlos an seine Dritte-Reich-Karriere anknüpfen. Ihn hört man in einem Interview von 1979.

Das Prinzip der Moderation in nachgestellten Ruinenbildern, Kulissen und Ruinenkulissen von damals oder in ordentlichen Büros und der Moderator steht am Rande dieser Settings oder betritt sie sogar – es sind auch Darsteller stellvertretend für die damals Agierenden da, zuständig fürs Reenactment – , schafft auf eine exzellente Weise Nähe und Distanz zugleich zu den ominösen, unglaublichen Vorgängen und lässt diese lebendiger werden – ohne jeder Bedröppeltheit – als ein reiner Kathedervortrag, nimmt der Berührungsangst ihre hemmende Kraft, lässt keinen falschen Respekt oder falsche Bewunderung aufkommen.

Das hätten sich spätere Dritt-Reichs-Dokumentaristen durchaus zum Vorbild nehmen können, wenn man Prodoukte wie Hitler und die Kinder vom Obersalzberg vom BR oder Rüdiger Suchslands Hitlers Hollywood vergleicht, die beide lange nach diesem Film gemacht worden sind, aber offenbar davon wenig mitgekriegt haben.

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Ein eindrücklicher Film von Natalie Portman über den jungen Amos Oz und seine Fassungslosigkeit darüber, dass die Geschichte Israels vom ersten Tag an mit Blut und Krieg getränkt ist. Und wohl auch darüber, dass sich dabei bis heute nichts geändert hat. Siehe die Review von stefe.

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Zwei Filme, die zusammengehören wie ein paar Schuhe, die robust genug sind, in die unangenehmen, schlüpfrigen, schleimigen, schmierigen, schlecht beleumdeten Schattengefilde professioneller Humorerzeugung als Comedian oder Witzeerzähler hinabzusteigen.

ENTERTAINMENT
„Diese Witze reiße ich mir buchstäblich aus dem Herzen, um sie Euch vor Euren blöden Latz zu knallen“.

THE COMEDY
Junge Autoren versuchen, die Grenzen des Witzes und des guten Geschmackes auszuloten. Sie testen die Reality auf ihre Comedytauglichkeit. Sie recherchieren unter der Gürtellinie in den Gefilden von Sexismus und Rassismus. Und die Hobos, die Penner, „haben die saubersten Schwänze, weil …..“. Und vom lethalen Einfluss der „political correctness“ auf die Herstellung von Witzen.

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Dieses bayerische Eigen- und Skurrilgewächs (Staatskrise wegen angekündigten Bieselns) hat jedenfalls besser unterhalten als Zwangsgebührenfunktionärshirnkäse wie die Hindafing-Serie (Donau-Village, Schwarze Kassen, Wahlkämpfer), siehe Review von stefe.

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Dreisprung

In einer ausgeräumten Fabrikhalle macht Moderator Alexander Thamm mit seinen Gesprächspartnern einen gewaltigen Dreisprung von den Anfängen der Industrialisierung über die Digitalisierung bis zur (hoffentlich) humanen Arbeit von morgen.

Je ein Drittel einer halbstündigen Folge dieser Serie „Megatrends im Dialog“ (Buch und Regie: Werner Kiefer, Redaktion Daniel Schrenker nach Idee und Konzept von Werner Kiefer und Kristina Förtsch) ist für einen Hallenspaziergang mit je einem qualifizierten Gesprächspartner reserviert. Dabei sind an verschiedenen Stellen Bild- und Anschauungsmaterial vorbereitet. Als Abschnittsmaterial sind „Making-Of“-Bilder dazwischen geschnitten und es kann auch einen Voice-Over-Kommentar geben. Am Schluss halten Moderator und Regisseur eine kurze Manöverkritik.

Ralf Spicker, Kurator am Deutschen Museum, bringt einen Kurzabriss von der frühen Industrialisierung von Norm und Roboterhaftigkeit der Arbeit (Arbeit so gefährlich wie Krieg) über den Taylorismus (Optimierung und weitere Rationalisierung) bis zum Widerstand dagegen und Gründung der Gewerkschaften. Er führt mit dem Feilenhauer ein Beispiel für einen Beruf an, der durch die Industriealisierung überflüssig geworden ist.

Die Soziologin Sabine Pfeiffer befasst sich mit der aktuellen Zeitenwende, der Digitalisierung. In der Fabrik sitzt heute nur noch ein hochqualifizierter Facharbeiter und überwacht die Arbeit von Robotern. Pfeiffer spricht von den modernen Klick-Workern, die schlecht bezahlt sind und an die anonyme, hochentfremdete Arbeit in den Fabriken der Frühzeit der Industrialisierung erinnern. Von da schwenkt sie zum Thema bedinungsloses Grundeinkommen und der gerechten Verteilung der Gewinne im digitalen Zeitalter. Sie schätzt, Karl Marx würde wohl meinen, er habe in vielem Recht behalten.

Der Psychologe Markus Väth befasst sich mit dem Paradigmenwechsel im Hinblick auf den Stellenwert der Arbeit und referiert auf Frithjof Bergmann und die Vereinbarkeit von Humanismus, Arbeit und Lebensqualität im Hinblick auf die Arbeit von morgen, die Idee eines menschenfreundlichen Kapitalismus.

Ein ansprechendes und inspirierendes Sendeformat ganz im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Rundfunkes, wobei einschränkend hinzugefügt werden muss, der natürlich auch fair finanziert werden sollte, nach einem Steuerprinzip und nicht nach dem Haushaltsprinzip, was einkommensschwache Haushalte schwer belastet und einkommensstarke Haushalte praktisch ungeschoren davon kommen lässt. Ein Thema, dessen sich gerade so ein Sendeformat annehmen sollte, wenn es denn eine gerechtere Gesellschaft auf dem Radar hat und nicht zuletzt im Hinblick auf ein Überleben des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes selbst.

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Dieser Mann steht unter Dauer-Kreativstrom: der belgische Modeschöpfer Dries van Noten. Die Modewelt diktiert das mit dem Hunger nach ständig neuen Kollektionen, aber auch das Privatleben, die Villa, der Park, die Urlaubsreise bleiben davon nicht verschont. Die Doku von Rainer Holzemer lässt sich von diesem Strom mitreißen. Siehe Review von stefe.

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Jugend außer Rand und Band.

Larry Clark, der mit Mathieu Landais auch das Drehbuch geschrieben hat, beobachtet in Paris eine Clique Jugendlicher, die sich an einem Skate-Board-Platz in der Nähe der Seine treffen. Sie hängen rum, fahren Skateboard über einen am Boden liegenden Penner, rauchen, chatten, nehmen alles mit dem Handy auf. Wohin mit der erwachenden und überschüssigen Kraft und diesem Trieb, mit diesem Traum von wilder Liebe?

Atmosphärenfilm, der sich in der Sexsorglosigkeit heranwachsender Jugend ergeht, am Rande zu verstörend schön und ernüchternd. Und mit einer Kamera, die ran geht an die Sehnsüchte der Jugend, an den Jugendkörperbilderrausch, gezwungenermaßen mit stark pornographischem Einschlag. Der Film setzt sich auf die Spur dieser unbändigen Lust und der Lusterzeugung und nähert sich deren Details und überhaupt der Nachlässigkeit im Umgang mit dem Leben, dem maßlosen Drogen- und Alkkonsum in dieser heißen Zeit gemeinsamen Entdeckens der Sexwelt – und auch noch Geld verdienen damit, alles außer Rand und Band, keine Grenzen mehr … bis hin zur Eigentums- und Körperverletzung – und irgendwie doch tiefer Liebessehnsucht von JP zu Max.

Der Lärm der Jugend, die Aufgeregtheit, die Hyperaktivität … es blitzt doch ab und an die Einsamkeit durch … und dann noch ein Auto abfackeln …

Math (Lukas Ionesco) und JP (Hugo Behar-Thinières) sind Freunde, entdecken im Internet Escort-Portale und wie leicht sich so Geld verdienen lässt. Math bietet sich älteren Herren an und muss sich manches gefallen lasse, das zahlt sich in Bargeld aus. JP bietet sich älteren Frauen an. JP ist in Math verliebt, der jedoch nur gegen Geld schwul sei. Da schimmert Unglück durch.

Das einzige Mädel in der Clique ist Marie (Diane Rouxel). Auch sie möchte Sex und geliebt werden. Ist aber bei den Jungs nicht besonders erfolgreich. Sie scheint, wie die Modeschau gegen Ende des Filmes zeigt, aus der Haute Volée zu stammen. Sie verpfeift JP und verfolgt Math und setzt Kettenreaktionen von Unglück und Zerstörung in Gang.

Der Score deckt die Themen ab von „Selfish“ über „Public Enemey“, „Black and Blues“ bis „You are gonna miss me“ und „Touch me“.

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Über lässliche Sünden der Weißen (Atomtests und Plutoniumflocken im Haar). Dagegen fängt das Schicksal in der faszinierenden Person von River Phoenix an zuzuschlagen. Während der Dreharbeiten 1993 ist dieser „gentle and gifted actor“, so Regisseur Sluizer, gestorben. 2012 hat Sluizer, selber ernsthaft krank, den Film zu Ende montiert mit eingesprochenen Drehbuchauszügen nicht gedrehter Szenen. Ein eindrückliches Vermächtnis. Siehe Review von stefe

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