Archiv für die Kategorie: “Tipp”

Weil Neukölln nicht Korbach ist, deshalb sind sie alle hier, die Rosa von Praunheim wie in einem faszinierenden Wimmelbild porträtiert. Und stefe fragte sich in seiner Review, warum das an so vielen anderen Orten nicht möglich ist.

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Ichgola Androgyn verändert, vermenschlicht die Sepulkrakultur. stefe war in seiner Review angetan von dieser sanften Dokumentation über das Friedhofscafe Finovo, den Blumenladen und die damit einhergehende Erneuerung des Friedhofs- und Bestatterwesens.

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Hochkonzentriert hochklassisch: ein Raum, eine Zeit, eine Handlung.
Ein Bus, ein Tag, eine Revolution in Ägypten; verdichtet die Ereignisse mitten im Geschehen. In seiner Review nannte stefe den Film von Mohamed Diab „ein Husarenstück“

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Ab heute auf DVD.
Kinoimpulse. Gegen die Anämie und das künstliche Koma des Deutschen Kinos, gegen seine Mutlosigkeit und gegen seine Entmüdigung durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen! Hier die Review von stefe.

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Banane mit süßem Senf.

Die alten Bäume, die könnten was verzellen, da sind hundert Jahr gar nix, meint die Augsburgerin Anna mit 107 Jahren beim Rudern.

Zufriedenheit, Dankbarkeit, Demut, Glücklichsein sind wahrlich keine Trendeigenschaften in unserer emanzipierten, antidiskriminatorischen, turbokapitalistischen Wohlastandsgesellschaft. Dabei hat Anna viel Leid erlebt in ihrem langen Leben, Ausbeutung, Erniedrigung, häusliche Gewalt, Missachtung, Ausnutzung.

Es ist die Geschichte einer langwierigen Befreiung und eines hartnäckigen Sich-Treubleibens, die Susanne Brantl gefunden hat und unter der Redaktion von Christian Baudissin als Lebenslinie berichtet.

Der Titel könnte auch sein, „wie ich erst spät zu einem Glücklichsein gefunden habe“. Mehr als einmal wollte sie ins Wasser gehen. Sie hat von früh an das Gefühl von Rechtlosigkeit vermittelt bekommen, kein herzliches Feedback von der Mutter, vom Stiefvater noch weniger, der hat seinen Lohn lieber versoffen. Und die Mutter musste arbeiten.

Einzig die Großmutter hat das Kind liebenswürdig aufgenommen, so dass es oft Kilometer weiter marschiert ist, um sie zu besuchen.

Der leibliche Vater und seine Familie wollten nichts von ihr wissen. Das hat sich erst mit 80 geändert, wie ihr Mann gestorben ist. Dieser hat sie als Sklavin gehalten, die den Haushalt für ihn macht, er selbst hat seine Freiheit mit seinen Freunden verbracht.

Leid über Leid prägen die ersten Jahrzehnte dieses Lebens. Dabei war sie eine gute Schülerin gewesen, aber es fehlte das Geld für eine Ausbildung.

Ihr Verantwortungsbewusstsein – sie musste zuhause den Haushalt machen und auch noch für den jüngeren Bruder sorgen, als sie bereits in einer großen Weberei arbeteitete und ein halbes Dutzend Webstühle zu besorgen hatte. Wenn einer wegen eines Fehlers stillstand, lief auch die bezahlte Arbeitszeit nicht weiter.

Als die Fabrik in der Nazizeit verlangte, dass die Arbeiter eine Stunde zusätzlich arbeiten sollten und das Geld dem Führer spenden, da war sie die einzige (von 4000!), die zur Direktion ging und sagte, sie könne das nicht verantworten, sie arbeite so schon viel.

Nicht verwunderlich, dass ihr daraufhin ein hochkomplizierter, fehleranfälliger Webstuhl anvertraut wurde. Aber man dürfe sich nicht gehen lassen, meint sie.

Sie geht heute noch zur Gymnastik und ist vif und lebendig, wenn sie aus diesem langen, leidvollen Leben erzählt, das für sie das Paradiesische, wie sie ihr Leben jetzt empfindet, so lange aufgespart hat. Eher selten dürte ein Mensch zu finden sein, der diese, unsere Welt so schön sieht.

Sich treu bleiben: sie ist Vegetarierin: deshalb bestellt sie zum Weißwurstfrühstück eine Banane; diese bestreicht sie mit süßem Senf.

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Dieser Film von Peter Solan, der mit Josef Hen und Tibor Vichta auch das Drehbuch geschrieben hat, ist 15 Jahre nach dem Ende des Dritten Reiches der Versuch, mit der Figur von Manfred Krug als KZ-Kommandant Walter Kraft einen Hauch Menschlichkeit in das Ungeheuerlich-Unfassbare der Nazi-Vernichtungsmaschinerie zu bringen.

Anstatt wieder eingefangene Flüchtlinge aus dem KZ, er nennt sie Fliegen, zu vergasen, spürt Walter Kraft in einem von ihnen, in Jan Kominek (Stefan Kvitik) die Boxernatur. Er selber ist leidenschaftlicher Boxer und ihm fehlt es an Herausforderern im öden KZ mit dem regelmäßig schwarzen Qualm aus dem Schornstein.

Kraft schenkt Kominek – und damit den übrigen Fliegen – das Leben, wenn er mit ihm boxt und ihn schlägt. Das ist die ungleiche Geschichte in diesem packenden Schwarz-Weiß-Film von 1962 aus der Slowakei, wie der KZ-Kommandant seinen abgemagerten Gegner auffuttert und trainieren lässt. In Kraft ist der Sportsgeist stärker, die Sehnsucht nach Augenhöhe mit einem gleichwertigen Gegner, als alle Nazimilitärhierarchie. Das ist das Menschliche, was den bestialischen Mechanismus vorerst außer Gefecht setzt, was sozusagen Hoffnung lässt. Es ist diese Konzilianzfähigkeit der Krug-Figur, dieses Patriarchalisch-Familiäre, was so gar nicht ins KZ passt. Aber: kann es einen guten Kommandanten in einem schlechten Lager geben?

Bald erkennt auch der Zuschauer, dass Kominek mit Training und guter Ernährung Kraft deutlich überlegen ist. Das ist der zentrale Konflikt, dass Kraft der hierarchisch Mächtigere ist, der aber so tun will, als habe er es mit einem Ebenbürtigen zu tun. Ein weiterer, elementare Konflikt etabliert sich unter den Gefangenen durch die Privilegierung von Kominek.

Kominek findet im alten Venzlak (Jozef Kondrat) einen heimlichen Trainer, der lange aufmerksam in der Boxwelt gearbeitet hat.

In Stefan Kvietik hat Krug einen ebenbürtigen Schauspieler als Partner, der laut IMDb heute noch dreht. Krug selber fasziniert einerseits mit einer federballleichten Beweglichkeit (Box- und Seilspringszenen), wenn er boxt und mit dieser präsenten Männlichkeit, die ihn für eine Weltkarriere prädesteniert haben könnte. Was wäre bloss aus ihm geworden, wenn er in die USA gegangen wäre. Ihn hat leider später das deutsche Fernsehen domestiziert; wobei er auch dort noch immer herausgeragt ist.

Interesant ist vielleicht auch der Vergleich mit einem der neuesten Nazizeit-Filme, dem vielgelobten, ebenfalls in Schwarz-Weiß gedrehten Der Hauptmann. Hier richtet ein niedrigraniger Soldat, der eine Hauptmannsuniform ergattert, in einem KZ, obwohl der Krieg praktisch vorbei ist, ein Massacker an; Gegenfigur ist ein beamtenhafter KZ-Kommandant. Im Vergleich zum Solan-Krug-Film, der diesen Sportsgeist (der dann so sportlich doch nicht ist) beschwört, eine Menschlichkeit über die Herrschaftsverhältnisse hinaus, ist heute, über 70 Jahre nach Kriegsende nichts mehr zu spüren. Da herrscht blanker Zynismus und Beamtenhaftigkeit. Ein Trend? Und ein Fortschritt in der Behandlung, des eigentlich nicht behandel- und verhandelbaren Themas?

Interview mit Peter Solan
Solan erzählt, wie er auf die Geschichte von Tibor Vichta gestoßen ist und spürte, dass das sein Film würde. Vier Jahre lang kämpfte er gegen den Einwand, das würde ein pro-faschistischer Film werden. Und dann plötzlich ging es, inklusive der Besetzung mit dem Deutschen, Manfred Krug. Gedreht wurde in einem Original-KZ.

Diese Interview ist auch eine spannende Lektion über das Filmemachen.

Solan erzählt in konzentrierter Interviewsituation; er sitzt auf einem Stuhl, der Hintergrund bleibt dunkel. Er spricht über Freigaben. resp. keine Freigabe; zuerst solle er seine positive Einstellung gegenüber den demokratischen Institutionen des Volkes unter Beweis stellen; dafür bekam er einen Kurzfilm. Die Kulturbürokratie. Filmen in der Planwirtschaft.

Wenn du arbeitest, dann nicht für das, was es mal sein wird. Was aus einem Film wird, das überlässt er gerne denen, die ihn sich anschauen.

Das war sein letztes Interview, kurz vor seinem Tod im September 2013. Es wirkt so frisch wie von heute.

Interview mit Martin Kanuch
Über die goldene Zeit des slowakischen Autorenfilmes, den sozialistischen Realismus. Über die darin geforderte Authentitzität, Geschichten an Originalschauplätze zu drehen und zu improvisieren. Dokumentarfilm als Übung, Voraussetzung, um Spielfilme zu drehen. Solan habe sich nicht als schöpferischer Regisseur gesehen, ihn interssierten Geschichten, Probleme und die Reaktionen darauf.

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www.das-leben-geht-weiter.com

Trouvaille im Netz

oder wie das heiße Eisen des Nazi-Propaganda-Filmes spannend und ohne Berührungsangst und ohne falsche Ehrfurcht behandelt werden kann.

Irre, grotesk, absurd, aberwitzig, wie Goebbels noch im letzten Kriegsjahr und unter Einbezug des erschwerten Lebens im bereits teilbombardierten Deutschland noch den ultimativen Propaganadfilm Das Leben geht weiter machen wollte, der eine filmische Wunderwaffe werden sollte.

Das erzählt Dieter Moor (auch konzeptionelle Mitarbeit) als Sprecher und Moderator in einer aufregenden Mischung aus fragmentarisch-illustrativem Reenactment von Szenen rund um die Produktion des Filmes, aus Archivmaterialien vom Krieg, Storyboard und Treatment, Ausschnitten von Hollywoodfilmen, die Goebbels heimlich zeigte und als Vorbilder nahm, aus Interviews von Beteiligten lange nach dem Krieg und aus der für Nazi-Propagandfilme nach wie vor gültigen Vorschrift, dass sie nur kommentiert gezeigt werden dürfen. So verlieren diese Filme schnell das Dämonische. Und Infektionsgefahr besteht schon gar nicht.

Carl Schmitt hat mit Mark Alan Cairns das Drehbuch nach dem Buch von Hans-Christoph Blumenberg verfasst. Mark Cairns hat die Regie geführt und der Film stammt aus dem Jahr 2002, wurde koproduziert von Arte (Redaktion Philippe Muller) und HR (Redaktion Wolfgang Vogel).

Er ist bei YouTube abrufbar, allerdings nicht in bester Bildqualität, aber die wache und zupackende Behandlung des Themas ist bestens erkenn- und genießbar, ein Dokumentarfilm der seltenen Art, der so ein schwieriges Thema so plastisch behandelt. Weil er den Fokus auf die Herstellung dieses letzten Propagandafilmes des Dritten Reiches konsequent beibehält, nebenbei die Kriegsgeschichte und den Wahnwitz ablaufen lässt.

Während der vorletzte Propagandafilm, der berüchtigte „Kolberg“, der in opulenten Farben und Bildern noch heute verblüfft, fertiggestellt worden ist und seine Premiere noch während der letzten Atemzüge des Dritten Reiches in Berlin erlebte (das Kino wurde wenig Tage später von Bomben zerstört, dem titelgebenden Kolberg ging es ähnlich unter den Panzern der Russen), mussten die Dreharbeiten zu Das Leben geht weiter unterbrochen werden, später wurden sie zu einem Fliegerhorst nach Lüneburg verlegt und kurz vor Schluss sind sie abgebrochen worden.

Was aus dem Filmmaterial passiert ist, das ist eine eigene abenteuerliche Geschichte und noch nicht gelöst. Es gab schon vorher den Versuch des Herstellungsleiters Ritter, das Material nach Garmisch-Partenkirchen zu retten (oder seine eigene Haut).

Zwei Größen des Deutschen Kinos spielen eine zentrale Rolle unter den Filmmenschen, die nicht geflohen sind und im Filmland weiter arbeiten konnten, weil sie sich mit den Nazis arrangiert hatten. Das waren Veit Harlan und sein Konkurrent Wolfgang Liebeneiner. Harlan hatte Kolberg gedreht – und hier wird erzählt, in einer Drehpause von Das Leben geht weiter habe Liebeneiner den Film gekürzt.

Beide haben den Krieg überlebt, beide haben keine ganz reine Weste (Liebeneiner: Ich klage an), sind aber entnazifiziert worden. Harlan kam in der jungen Bundesrepublik nicht wieder richtig auf die Füße. Liebeneiner dagegen konnte nach einer Phase von etwa 10 Jahren mit der Trapp-Familie als einem der größten deutschen Kinoerfolge nahtlos an seine Dritte-Reich-Karriere anknüpfen. Ihn hört man in einem Interview von 1979.

Das Prinzip der Moderation in nachgestellten Ruinenbildern, Kulissen und Ruinenkulissen von damals oder in ordentlichen Büros und der Moderator steht am Rande dieser Settings oder betritt sie sogar – es sind auch Darsteller stellvertretend für die damals Agierenden da, zuständig fürs Reenactment – , schafft auf eine exzellente Weise Nähe und Distanz zugleich zu den ominösen, unglaublichen Vorgängen und lässt diese lebendiger werden – ohne jeder Bedröppeltheit – als ein reiner Kathedervortrag, nimmt der Berührungsangst ihre hemmende Kraft, lässt keinen falschen Respekt oder falsche Bewunderung aufkommen.

Das hätten sich spätere Dritt-Reichs-Dokumentaristen durchaus zum Vorbild nehmen können, wenn man Prodoukte wie Hitler und die Kinder vom Obersalzberg vom BR oder Rüdiger Suchslands Hitlers Hollywood vergleicht, die beide lange nach diesem Film gemacht worden sind, aber offenbar davon wenig mitgekriegt haben.

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Ein eindrücklicher Film von Natalie Portman über den jungen Amos Oz und seine Fassungslosigkeit darüber, dass die Geschichte Israels vom ersten Tag an mit Blut und Krieg getränkt ist. Und wohl auch darüber, dass sich dabei bis heute nichts geändert hat. Siehe die Review von stefe.

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Zwei Filme, die zusammengehören wie ein paar Schuhe, die robust genug sind, in die unangenehmen, schlüpfrigen, schleimigen, schmierigen, schlecht beleumdeten Schattengefilde professioneller Humorerzeugung als Comedian oder Witzeerzähler hinabzusteigen.

ENTERTAINMENT
„Diese Witze reiße ich mir buchstäblich aus dem Herzen, um sie Euch vor Euren blöden Latz zu knallen“.

THE COMEDY
Junge Autoren versuchen, die Grenzen des Witzes und des guten Geschmackes auszuloten. Sie testen die Reality auf ihre Comedytauglichkeit. Sie recherchieren unter der Gürtellinie in den Gefilden von Sexismus und Rassismus. Und die Hobos, die Penner, „haben die saubersten Schwänze, weil …..“. Und vom lethalen Einfluss der „political correctness“ auf die Herstellung von Witzen.

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Dieses bayerische Eigen- und Skurrilgewächs (Staatskrise wegen angekündigten Bieselns) hat jedenfalls besser unterhalten als Zwangsgebührenfunktionärshirnkäse wie die Hindafing-Serie (Donau-Village, Schwarze Kassen, Wahlkämpfer), siehe Review von stefe.

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