Archiv für die Kategorie: “Rezension”

Iiih!, schaut das giftig und grimmig aus, das Titelbild! Giftgrün und horrorviolett, Puppen, Critters, Gnome, Goblins oder Gizmos. Auf Würfeln ist das Wort T O T zu lesen. Aber nicht genug des Würfelspieles, die kleine Puppe mit den roten Haaren will auch noch drauflosstechen, den Teddy vor ihr hat sie bereits zerlegt.

Peter Vogel, der Autor, widmet das Buch seiner Mutter, „auch wenn es ihr nicht gefallen wird“. Das lässt auf eine hohe persönliche Affinität zum Thema „Kleiner Horror“ schließen. Auch zum Vaterverhältnis gibt es eine Bemerkung: „Mein Vater kann meine bis heute anhaltende Actionfigurenobsession auch nicht nachvollziehen“… und kommentiert, das müsse er auch nicht, denn „one man’s trash is another man’s treasure“.

Aus diesem Schatzkästchen hat er ein „großes Buch“, gleich eine Film-Enzyklopädie gemacht. Diese besteht aus einem Vorwort, Anmerkungen zum Aufbau, Kritik und Fazit zu 181 Filmen vornehmlich aus den USA, die mit einem 5-Sterne-System bewertet sind, „eine komplette Liste der 32 Charles-Band-Produktionen in diesem Buch“, ein Kapitel „Tiny TV-Terrors: Folgen von TV-Serien mit kleinem Horror“ und anschließend eine Filmliste nach Jahren und Jahrzehnten geordnet.

Die Texte sind von kleinen Schwarz-Weiß-Fotos begleitet, die mehr der illustrierend-kommentierenden Information als der Schaulust dienen.

Der Autor hat sich Tage und Nächte um die Ohren geschlagen beim Sichten von Filmen des Subgenres, das ihn bannt, „sehr oft lustig, zu oft langweilig, immer wieder eigenartig und manchmal auch abartig pervers, banal, inspirierend. .. und viele von ihnen können auch unerträglich frustrierend und in einigen Fällen sogar fast seelenraubend schlecht sein“.

Tiny Terror, Puppen- und Small Creature-Horrorfilme hält der Autor auch deshalb für spannend, weil sie „in dieser geek-schicken Post-Big Bang Theory-Welt … als cool“ gelten, „wenn man mit seinem inneren, begeisterungsfähigen Kind eng in Kontakt steht.“ Das dürfte auch die Attitüde des Autors zu seinen Filmen sein, weshalb die Lektüre unbedingt als anregend bezeichnet werden kann.

Die Hürden der Filme für die Aufnahme in dieses Buch beschreibt der Autor in vier Punkten: sie müssen dem Horrorgenre zugeordnet werden können, ein bis mehrere kleine Wesen sollten prominent auftreten, es darf kein Kurzfilm sein und eine kommerzielle Veröffentlichung auf einem Trägermedium ist Voraussetzung. Keine Aufnahme fanden Filme mit Killerratten, Mörderfröschen, Piranhas, Ameisen und auch Kind-als-Monster-Filme passten nicht (Ausnahme: Zombie-Biber).

Die Filme
Mit ‚Aberrations‘ fängt der Almanach „ganz weit unten“ an. Hier zeigt der Autor, dass bei ihm auch Schimpfen über einen Film dazugehören kann („Dieser ganze Kackfilm ist ein einziger Irrweg“) und gleichzeitig hofft er, dass niemand von seinen Lesern, die er per „Ihr“ anspricht, je diesen Film sehen wird.

Somit wird klar, dass dem Genre gemäss es nicht um wissenschaftliche Penibilität, sondern gerne um rotzigen Kommentar geht. Deftig gemosert ist auch schon was. Vielleicht im Sinne der bayerischen Lebenseinstellung des Grants – das hat per se einen gewissen Unterhaltungswert. Das Buch eröffnet einem so auch einen Blick in die unendlichen Möglichkeiten, was der Mensch filmisch mit Horror durch kleine Wesen alles anzustellen pflegt, Einblick in eine ganz bestimmt Sparte menschlicher Abgründe, die sich hochkultureller Behandlung eher entzieht.

Mir scheint, dass es bei einigen der behandelten Filme lustiger und kurzweiliger sein dürfte, die Review von Peter Vogel zu lesen, als sich die ganzen Filme anzutun. Kinolesen kann ein anregende, inspirierende Aktivität sein. Mir geht es auch ab und an so, dass ich von einem Film wenig angetan bin, wenn ich aber anfange, ihn zu rekapitulieren, mir die Ideen spannender erscheinen als der Film selbst.

Und wie so oft lesen sich Verrisse von drögen Filmen quicklebendig: das fängt gleich beim ersten Film „Aberrations“ an: „Der ganze Kack-Film ist ein einziger Irrweg“ – „niemand sollte diesen oberüblen Film jemals sehen, nicht mal eingefleischteste Trash-Aficionados“ oder über „Demon Dolls“: „Der Wetterkanal hat mehr künstlerischen Anspruch“ oder „Seit ‚The Dummy 2‘, den ich vorher gesehen hatte, glaub ich ja, dass Dustin Ferguson mal zu lang mit dem Kopf unter Wasser war oder in einer prägenden Kindheitsphase von Tieren großgezogen wurde. Seine Filme sind so unterirdisch schlecht, dass sie auf der anderen Seite des Erdballs wieder herauskommen. Ist Ferguson ein Troll?“ oder zu „The Dummy 2“: „Normalerweise hätte man bei der Sichtung sagen müssen ‚OK, wir sind zwar eine Schundfirma, die ausschließlich Schundfilme vertreibt, aber dieser Schund ist selbst für uns zu schundig.‘ Ich habe mir The Dumy 2 für 94 Cent auf Vimeo ausgeliehen, und mich trotzdem betrogen und bestohlen gefühlt.“ oder „Hier haben wir billige und relativ inkompetente Horror-Videogülle der spaßigen Art“ .

Wogegen vorbehaltlose 5-Sterne-Wertungen, die selten genug sind, immer etwas ernsthafter wirken wie bei „Cat’s Eye“: „Der Troll will Amanda im Schlaf buchstäblich den Atem rauben, und es kommt zum epischen Kampf Katze vs. Gnom“ oder bei ‚Critters‘ „Nach Ghost Busters (eine andere „Gruselkomödie“) die wohl beste filmische Mischung aus Horror und Komödie“ oder zu ‚Dead Silence‘: „Vor allem ist es der wahrscheinlich gruseligste Film überhaupt in diesem Buch und eine der qualitativ hochwertigen Produktionen“ oder über „Dolls“: „Wenn es etwas zu bekritteln gibt, dann nur die kurze Laufzeit von nur 77 Minuten“ und als Begründung für das Buch schreibt der Autor: „Gäbe es die ‚Puppet Master‘-Reihe nicht, hätte ich dieses Buch niemals geschrieben“.

Das Buch ist wie der Bericht eines Abenteurers, der durch dreckige, ätzende, ankotzende Schundzonen sich durchquälen muss, aber versehen mit penibel notierten „Kill Counts“ für jeden Film (differenziert in on-screen oder off camera), einem Merker für „Creative Killing“, den notorischen, nervigen Skeptikern (ein solcher möchte er selbst nicht sein), auch da wird genau Buch geführt, sowie einem ständigen Hadern mit seinem Schicksal als Autor dieses Buches: „Überhaupt will ich nach Festigstellung dises Buches keine shot-on-video-Filme mehr sehen, lieber schleife ich meinen Hodensack durch ein brennendes Reisnagelfeld“ oder “Also schlechte Filme fabrizieren und frech werden auch noch, oder wie?!“

Gerne tritt der Autor auch in einen Dialog mit dem unsicht- und unhörbaren Leser/Filmfan, wer sich hier mehr zumute und ob er dafür am richtigen Ort sei: „Wer bei ‚Ghoulies go to College‘ nicht zumindest ab und zu heftig schmunzelt, der geht zum Lachen in den Keller (und macht dort wahrscheinlich noch ganz andere Sachen)“ oder „Den freakigen Stonern unter Euch sowie den waghalsigen Trashliebhabern von der Sorte ‚Gebt mir mehr! Ist das alles, was ihr zu bieten habt?!‘ empfehle ich die ersten beiden Teile der Reihe“ oder „vier kurze Softsexszenen. Wem das viel gibt, der darf noch einen Stern zum Zweierrating dazu packen“ oder auch „Okay, den meisten Genrefans wird ‚Shrunken Heads‘ wohl zu kindisch sein, und den Gorehounds unter Euch ist er sicher zu zahm“.

Abqualifikationen
„Schrott, Schundwerk, ein eher vernachlässigbarer Beitrag, es gibt schlechte Filme, aber es gibt so etwas wie – die späteren Evil Bong-Teile, ein durch und durch mieser Käse, Filme, die so mies sind wie dieser, eine äußerst banale Schlaftablette von einem Film, wie ein unausgegorener, mieser Experimentalfilm, ein dreckiger, mieser, kleiner Film, in dem wir krassen Scheiß sehen, müder Episodenfilm“.

Merke
„… ein Gruselfilm, der auch wirklich gruselig ist, ist leider alles andere als eine Selbstverständlichkeit.“

Das Buch ist erschienen im Mühlbeyer Filmbuchverlag und ist auch dort zu bestellen.

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Spannend und gespickt mit anekdotenhafter Backgroundinfo: die deutsche Filmgeschichte unter dem Aspekt der Westernproduktion durchkämmt. Das hat sich Reiner Boller vorgenommen und er berichtet der Reihe nach darüber. Leitfaden sind die Filme. Das Buch ist kein dröges Lexikon, vielmehr ist es auch eine reiche Dokumentation über das Abenteuer „Filmherstellung“ (zB: Unterwasseraufnahmen: Kamera in Holzkiste mit Glaswand).

Es ist auch ein Fundgrubenbuch: Namen (wobei allerdings ein Namensregister fehlt), Anekdoten, Planungen, Kommentare, Erfolge, Misserfolge, Eigenheiten, Eitelkeiten, Privilegien.

Es gibt kein Vorwort, keine Einleitung, keine Vorrede, schnörkellos westernhaft gehts gleich zu Sache mit Kapitel 1 über stumme Colt-Duelle an Rhein, Neckar und Isar.

Auf der hinteren Umschlagseite ist zu lesen, dass es sich hierbei um das umfassende Handbuch zum deutschen Western handelt und dass der Autor Reiner Boller jahrleang zum Thema recherchiert habe.

Die Anfänge bis zur Nazizeit werden knapp und kursorisch abgehandelt, der Einfluss der Europa-Tournee von Buffalo Bill auf die Western-Filmproduktion und dass der später berühmte Hollywood-Regisseur William Dieterle in der Pfalz mit Western-Filmen angefangen habe. Ausschnitte aus Berichten von Setbesuchen oder aus Filmkritiken verlebendigen den Eindruck.

Das Buch ist eine Sammlung, ein Kompendium von Fakten, autobiographischen Schilderungen (ZB Louis Trenker über den teils in Amerika gedrehten „Der Kaiser von Kalifornien“), zeitgenössischen Kritiken, aus Zitaten aus Fachzeitschriftten, Pressenotizen, Interviews, Besprechungsprotokollen, Minutenberichten, Interviews des Autors und Interviewzitaten, Sachstandmemos, Korrespondenzen, Aktennotizen, Tagesberichten, Firmenüberlegungen, Abrechnungen.

Nach den Texten über einzelne Filme (mit ausführlichen Angaben über die Credits) gibt es immer auch Ausschnitte aus Kritiken, Einzelvorstellungen wichtiger Darsteller oder Produzenten. Die Gliederung der Berichte über einzelne Filme kann so sein: Titel und Credits, Story, die Arbeit am Drehbuch, die weiteren Vorbereitungen, die Dreharbeiten, die Premiere, Western-Fazit, Auswahl aus zeitgenössischen Kritiken, Namen im deutschen Western (zB Michèle Girardon und versehen mit einem kleinen Foto). Und immer ein spezielles Augenmerk auf die Musik.

Es folgen einige Filme der Nazizeit in Richung Karl-May und Projekte, die in der Endphase des Dritten Reiches noch aufwändig geplant waren, so farbenprächtig und opulent wie „Münchhausen“ mit Hans Albers, die nicht mehr zu realisieren waren.

Die erste Phase nach dem Krieg. Hier dominierte der Heimatfilm; der Western wurde mehr als abgedeckt von Hollywoodproduktionen. Mit dem eigenen Western ging es in den 60er richtig los.

Besonders ausführlich, fast wie ein eigener Roman, sind die Schilderungen über die Herstellung der ersten großen Karl-May-Filme beginnend mit „Der Schatz im Silbersee“. Überlegungen am Anfang, Besetzung, Neukonzeption einer Rolle für Götz George, Details über die Kostümherstellung, über jugoslawische Kaskadeure, Zwischenfälle beim Drehen, die Idee des „boxoffice appeal“, ein von einem Pferd abgebissenes Ohr, Wendlandts Wunsch, keinesfalls Blut zu zeigen („jugendfrei“), bis hin zu Fahrkosten/Diäten-Aufzählungen oder dass Götz George beim Dreh ein Stück verlorene Jugend nachholen konnte, die Pracht des Cinemascope-Farbfilms und der Beitrag der Indianervereine, Kosten und Einspielergebnis oder die Message Winnetous „für Friede, Freiheit, Toleranz, Respekt gegenüber anderen Menschen und Religionen, Menschenrechte, Liebe“.

Merke: Horst Wendlandt hat staatliche Hilfe abgelehnt (ein für unsere Zeit ziemlich ungewöhnlicher Satz eines erfolgreichen Produzenten).

Vom Erfolg Wendlandts angestachelt, fängt auch Arthur „Atze“ Brauner mit Wildwestfilmen an. Ihm hat ein solcher in einer lebensgefährlichen Situation im Krieg das Leben gerettet, indem er im Bruchteil einer Sekunde so reagiert hat, wie er es im Western gesehen hatte. Wodurch sein Bezug zum Genre essentiell wurde. Allerdings verfügt er nur über die Rechte an den Karl-May-Stoffen, die nicht im Wilden Westen spielen, was zwar 80 % ausmacht, aber eben ohne die Winnetou/Old-Shatterhand-Paarung. Dafür produzierte er die Eddy-Constantine-Filme.

Die Konkurrenz zwischen Brauner mit „Der Schatz im Silbersee“ und „Pyramide des Sonnengottes“ gegen die Winnetou-Filme von Wendlandt belebten das Genre.

Aus Wien kamen die Produktionen der „Wiener Stadthalle“. Dann die vielen europäischen Koproduktionen bis zu den Spaghetti-Western mit und auch ohne deutsche Beteiligung.

Die hohe Zeit des deutschen Western war die erste Hälfte der 60er Jahre, nach dem Heimatfilm öffneten sie den Blick in die Ferne, zum Fremden; aber immer mit einem Hauch Romantik im Gegensatz zum harten amerikanischen Western.

Nach Abebben der deutschen und deutsch-europäischen Karl-May-Welle gab es noch viele italienische Western mit deutscher Kapital- und Castbeteiligung. Auch die DEFA hat im Zuge dieser Blüte einige Western gedreht, wobei es ideologische Vorbehalte zu beachten galt.

Die 70er Jahre. Der Neue Deutsche Film, Hark Bohm, Isarwestern, ZDF-Vierteiler, Peter Schamoni, mehr ein Northern, denn ein Western, …
Jack London löst Karl May als Inspirator ab („Jack London ist im Kino weit vom Erfolg der früheren Karl-May-Filme.“)

Das Buch streift auch den Lateinamerika-Amazonasfilm; und knapp wenige, neuere Filme wie Das finstere Tal, wobei der Münchner Autor Thomas Willmann Erwähnung verdient hätte, nach dessen Bestseller der Film gedreht worden ist, dann Gold oder Western von Valeska Griesbach.

Zitate.
Kräftige Bauernburschen sorgen auf freier Ackerfläche für gewagte Reiterrennen“.
Herr Pierre Brice hat Pferde bekommen, die ihn gebissen und abgeworfen haben“.
Ich behielt von Übungen (als besonderes Kennzeichen) einen Coltfinger zurück“ (Horst Frank)
In der Tat erwiesen sich die Hunde als gefährliche Gurgelspringer
Alfred Vohrer meinte, es würde ausreichen, wenn die Jugoslawen oder Italiener statt irgendeines Textes im Grunde nur zählen. Das taten sie dann auch“. (Elke Sommer)
Letztlich stammen die Mexiko-Koloritszenen aus Hans Domnicks Dokumentarfilm „Traumstraße der Welt“.
Die Goldmünzen, die am Ende des zweiten Films erscheinen, waren Kondome, die man so verpackte, dass sie wie Goldmünzen aussahen“ (Kelo Henderson).
Für neue Karl-May-Filme zahlen ausländische Kunden bis zum Zehnfachen eines US-Western.
Immer mehr kommt Routine in die Winnetou-Filmreihe.
9.35 Uhr, 1. Klappe. Die Einstellung ist nicht gelungen, da Herr Lange, der Pyrotechniker, die Rohre nicht gelegt hat wie besprochen.“ (Minutenbericht)
„..die halbe Westernstadt brannte ab, trotz Vorsichtsmaßnahmen.“ (Drehbericht).
Wenn ich bei Shakespeare wirklich gut werde – dann falle ich nie wieder für Karl May vom Pferd!“ (Götz George).
Der für seinen Geiz bekannte Arthur Brauner hat mich in diesen Filmen, wie auch noch in anderen, nicht versichtert.“ (Rik Battaglia)
Es ringot, gringot, roccot und djangot sich.“ (Film-Echo/Filmwoche)
Am Ende hievt Corbucci den Reißer schier ins biblische Mammon-Gleichnis: Pompös und grimmig schön.“ (Ponkie)

Das über 500 Seiten starke Buch ist zu bestellen über den Muehlbeyer-Verlag.

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Morsches Hollywood.

Dieses Buch ist nicht der Bericht einer Betriebsprüfungskommission so wenig wie einer Unternehmensberatung. Es ist ein skeptischer Befund aus vielfältigsten Quellen und Gesprächen, Begegnungen und Einsichten über die jüngeren Jahrzehnte der großen Hollywoodstudios Walt Disney Pictures, Lionsgate, Paramount Pictures, Sony, 20th Century Fox, Universal Pictures und Warner Bros.

Die Haupteinsicht von Philipp Koenig, dem Autor dieser Recherche und Betrachtung, ist die, dass es den Studios einzig und allein darum geht, Geld zu verdienen, dass es jedoch eine hochspekulative Industrie sei, die zwar immer wieder mit spektakulären Hits aufwartet, die in kurzer Zeit ein Mehrfaches des Investments in die Kassen spülen, die aber die regelmäßigen Flops lieber zu verschweigen versucht, produktionsmethodisch erstarrt ist und auf Nummer sicher geht. Eine Industrie, in der das Künstlerische zum Handlanger der Manager verkommen ist, die die Filme mutlos nach ihrem Gusto formen.

Es ist eine Industrie, die sich bequem in den Franchises einrichtet und durch die Unzahl von Sequels und Prequels und Spin-Offs längst sich selbst zu kannibalisieren droht (Kampf um die Starttermine). Gleichzeitig ist sie aber bei jedem neuen Projekt überzeugt, den ultimativen Hit zu landen. Eine Industrie, die auf billige Jahrmarktunterhaltung setzt, auf universell vermarktbares Vergnügen mit Superhelden ohne Tiefe, eine Industrie, die inzwischen kaum mehr Oscars, dafür umso mehr Goldene Himbeeren einsackt.

Hollywood ist eine Industrie, die gut in der Nähe des Glücksspieles angesiedelt werden kann, denn keiner kennt sich aus und schon gar nicht die Executives und CEOs, keiner kann den Publikumsgeschmack und die Publikumsneigung Jahre im Voraus erraten, keiner weiß, wie das Erfolgsrezept geht.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Verwertungskette (nach dem Kinostart die DVD- und anschließend die Fernsehauswertung) wegen dem Internet bröckelt. Hollywood will die Herausforderung nicht wahrhaben und haut stattdessen wie besinnungslos mit immer gigantischeren Budgets immer ähnlichere, mit Computeranimation überladene Produkte raus. Dazu setzt es immense Werbebudgets ein, denn das erste Wochenende sollte die Produktionskosten annähernd einspielen, weil die Mund-zu-Mund-Propaganda an Tempo gewinnt und wenn ein Film den Publikumsgeschmack nicht trifft, so kursieren die ersten Negativmeldung stante pede im Internet.

In Amerika gibt es für diese Industrie praktisch kein Wachstum mehr. Die einzige Chance für Wachstum liegt im Export, im Weltmarkt; aber der größte Zukunftsmarkt, China, zeigt sich zickig, will die Studios nicht die Werbung machen lassen und ist restriktiv, indem nur eine bestimmte Anzahl ausländischer Filme dort überhaupt einen Start bekommen.

Philipp König schreibt das hochspannend und hat weitläufig und mit vielen Quellennachweisen recherchiert. Hollywood ist viel morscher als der Hochglanz, mit dem es sich umgibt, ahnen lässt, mithin auf dem absteigenden Ast – dies ist meine Interpretation.

Eine Frage allerdings, die mich schon lange wundert, die wird hier nicht behandelt, das war wohl thematisch auch nicht beabsichtigt: wieso die Tentpoles (die Zeltstangen, an denen sich die Studios festhalten), also die Blockbuster der Hollywoodstudios, sich auf dem Deutschen Markt doch generell so gut halten und warum sie in der Presse in Relation zur dünnen Substanz der Filme so überproportional viel Platz bekommen. Das wäre eine eigene Untersuchung wert, die vielleicht einiges über lange gewachsene Vertriebsstrukturen und Beziehungen zu den Medien erzählen würde. Mich wundert es immer wieder, wie bei Pressevorführungen eines neuen Tentpoles ein massiv stärkerer Andrang herrscht als bei vielen anderen, deutlich interessanteren Filmen.

Das Buch ist selbstverständlich auch, wie Philipp Koenig es beabsichtigt, eine Einführung in die amerikanische Hollywoodindustrie und ein aufregender Praxisbericht über ungeahnt abenteuerliche Planungs- und Herstellungsmethoden.

Inhalt kompakt.

Über die Autorenschwemme und die Chancenlosigkeit, ein Buch loszuwerden, wie Lottogewinn. Schlecht bezahlte Reader- und Assistentenjobs; diese aber als Karriereeinsteig. Die problematische Stellung des Autors ganz unten in der Hierarchie, mit dem nach Belieben umgesprungen wird. Die Executives von den Business-Schools, die Bürokratien (inklusive Antwälte) und die (haarsträubenden) Folgen. Verheerende stoffunabhängige Eigendynamiken, die sich in die Stoffentwicklung einschleichen. Das x-fache Umschreiben von Drehbüchern als Absicherung gegen den Vorwurf bei einem allfälligen Flop, nicht alles versucht zu haben. Oder von der Degradierung der Autoren zu überbezahlten Ghostwritern (Zettel von den Executives). Vom verderblichen Einfluss der Drehbuchratgeberliteratur.

Warum Marktforschung, computerisierte Drehbuchanalyse und Testscreenings nicht wissenschaftlich sein können und keine besseren Vorhersagen erlauben als beim Würfeln (die Suche nach der Erfolgsformel). Daten sammeln ist eines, sie zu interpretieren ein anderes – oder von der Kontrollillusion resp. von Ritualen, die glauben machen, in die Zukunft sehen zu können und die Panik vor Innovation.
Finanzierung „eine Verbindung von degeneriertem Glücksspiel, Wunscherfüllung und magischem Denken.

Über Einnahmequellen vorher und nachher und ab wann ein Film ein Geschäft ist für das Studio. Generell die Probleme der Kalkulation, da keiner weiß, wie das Produkt ankommen wird, da jeder Film ein Prototyp ist und lange vor der Premiere geplant werden muss. Eine Gewinn- und Verlustrechnung vor dem Verkauf sei in Hollywood reines Wunschdenken, was zu exorbitanter Kreativität in den Geschäftsbroschüren führt.

Über die chaotische Dynamik der Filmeinnahmen, dass er keine Leitwerte gibt, weil keiner was weiß und dass die Endabrechnung eines Filmes ein Geheimnis ist, was auch ein Problem ist für Mitarbeiter, die auf Profitbeteiligung arbeiten.

Problem der Nicht-Planbarkeit eines Hits; die historisch größten Hits seien der Fahrlässigkeit der Studiobosse zu verdanken. Marketing und Fernsehen (der 30-Sekunden-Trailer) als neu hinzukommende Einflussfaktoren. Der Zwang zum Erfolg am ersten Wochenende, die Werbemillionen und das Schreckgespenst Internet, das die Studios nicht mehr in der Hand haben.

High-Concept-Filme, Stars, Agenten und deren Killer-Instinkt. Blüte des Starsystems in den 90er Jahren, Package-System, Pac-Scripts und Drebhuchauktionen. Die Spezialeffekte als neue Stars, Franchises und Austauschbarkeit der Hauptdarsteller und dass Stars keine Garantie für Erfolg sind.

Probleme der Verfilmung von Videospielen (resp. der Entwicklung von Videospielen nach Filmen). Alternativlosigkeit der Franchises für die großen Studios, Tentpoles und die Monotonie der Effektenrekordjagd. Abnutzung von Wiederholungen und Remakes, von Sequels und Prequels, die aber gemacht werden, um möglichst kein Geld zu verlieren: „Die Eigentümer der Hollywoodstudios mögen keine Filme und träumen vom sicheren Wachstum“ (diese Eigentümer sind Investmentfonds oder eigenwillige Medienmogule).

Kino der Attraktionen, Spektakel, Bayhem und das unausgereifte 3D. Risiko der Tentpoles, zu einer Ökonomie zu führen, die nur Verlierer kennt. Das miese Geschäft VFX (Situation der VFX-Künstler oft prekär; von den Studios ausgenutzte Idealisten, ohne Gewerkschaften, ohne Verband, ohne Respekt von den Studios). Zunehmender Einfluss der Postproduktion und damit der Studios bei gleichzeitigem Schwinden des Einflusses des Regisseurs, der Arbeit am Set.

Über die Bedrohung der Hollywoodstudios durch das Internet. Erst bricht die DVD-Verwertung ein; die jungen Zuschauer sind kaum mehr Fernsehkonsumenten; man spricht von Cord-Cutting; somit auch die Fernsehwerbung. Ferner zeigt das Internet illegal die größte Auswahl von Filmen. Die Studios, die reagieren nicht. Thema Streaming-Dienste und Serienmarathone; Netflix und Amazon als Herausforderung für die Mediengiganten, die ignorieren diese; sie schauen tatenlos dem Ende der Verwertungskette zu.

Der Hochmut der Studios mit ihren Tentpoles und das neue Gewicht von Serien im Internet, die wieder Charaktere zulassen, über die die Leute sich unterhalten und die nicht nur blasse Superhelden haben.

Da in Amerika kein Wachstum zu erwarten ist und die Verwertungskette ausdünnt, heißt die Politik: Internationalisierung und Steuerschlupflöcher weltweit nutzen (siehe Stupid German Money bis 2007***). China als Wachstumsgebiet. Der ständige Niedergang der Filmindustrie.

Hollywoods Traumfabriken wollen keine neuen Ideen entwickeln, sondern nur noch ihr existierendes Repertoire recyceln“.

***Anmerkung von stefe: German Money ist auch heute noch stupid durch das Fördermodell, was jedem, der in Deutschland produziert, Carte-Blanche-Subvention in den Rachen wirft.

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