Eine amerikanisch-verklärt-alttestamentarische Armuts-, Leidens- und Erlösungsgeschichte.
Hushpuppy ist ein sechsjähriges Mädchen, das vom Aussehen her genauso gut ein Junge sein könnte und wäre sicher der Traum eines jeden christlichen Missionars, dunkle Hautfarbe und ein ungeheurer Locken-Wuschelkopf. Das Kind lebt mit seinem Vater irgendwo auf der Insel Isle Charles Doucet im Mississippi-Delta, armselig-romantischer könnte es auch ein Tom Sawyer nicht treffen, wohnt in einem eigenen Wohwagen auf Stelzen in der schönsten wilden Landschaft, die ganze Einrichtung besteht aus Gerümpel und Angeschwemmtem und Zivilisationsmüll und einige Meter entfernt haust der Vater in einem ähnlichen Wohnwagen. Kinomalerische Armut, kinomalerisches Elend vom Feinsten.
Die Mutter ist gestorben. Sie ist im Wasser weggeschwomen, wenn ich den kurzen Satz rchtig verstanden habe. Und mit dem Vater ist es auch nicht zum Besten bestellt, darum will er sein Töchterchen zur Selbständigkeit erziehen. Hushypuppy geht aber auch zur Schule, hier erfährt das Mädchen vom Klimawandel, der den Meeresspiegel ansteigen lässt, was für Siedlungen direkt auf dieser Höhe eine große Gefahr bedeutet, aber in der Schule erfährt sie auch was von Urbüffeln, die die Höhlenbewohner vor Jahrtausenden an Höhlenwände gemalt hatten. Man kann sie auch als Tattoo tragen. Oder sie können einfach so im Kopf herumgeistern als Versinnbildlichung von Gefahr oder gar, in einer Traumsequenz im Zusammenhang des Selbständigwerdens zur Überwindung derselben.
Der Vater trägt einmal eine seltsame Kleidung, es ist Spitalkleidung, er ist wohl abgehauen. Er lehrt das Mädchen auch, wie man einen Fisch von bloßer Hand fängt. Es muss das Überleben lernen. Nicht schlecht für eine Sechsjährige.
Ein Sturm zieht herauf. Die Leute sollen sich in Sicherheit bringen. Er verwüstet alles wie die Sintflut. Darum kommt mir der alttestamentarische Vergleich in den Sinn. Ein kleines Häuflein Menschen, die überleben. Sie werden aufgenommen von professionellen Katastrophenhelfern, in Zelten, Vater liegt an Schläuchen. Aber solch professionelle Hilfe behagt den Inselbewohnern nicht.
Es gab dort auch noch den Vater des Vaters im kleinen Dorf Bathtube. Der hat den Sturm im Alkohol überlebt scheint es, und wie er den ersten Schritt darnach ins Freie macht, landet er im Bodenlosen, weil der kleine Vorbau zum Haus weggeschwemmt worden ist.
Die Gruppe, die den Katastrophenhelfern entflohen ist, findet das Schiff Grumpy, der Kapitän fährt mit den Flüchtlingen los. Sie stehen auf Deck wie eine Gruppe Helden. Ein Leuchtturmlicht streift sie und lässt sie wie in einer religiösen Erbauungsübung in verklärtem Licht erscheinen. Später wird der kleine Treck wie eine Pilgergruppe mit Fahnen über eine Strasse mitten im Wasser gehen, die gerade am Rande der Überflutung steht oder gerade wieder freigespült worden ist. Man denkt an Moses oder Jesus. Befangen in christlicher Ikonographie. Dann landen die Flüchtlinge wie zur Erlösung in der Bar Floating Catfish Shack, Girls, Girls, und die Girls sind die wahren Samariter und kümmern sich um die Flüchtlinge, die Heimatlosen.
Es kommt noch zu einer rührseligen Begegnung zwischen Hushpuppy und dem sterbenden Vater und hier werden viele echte Tränen fließen auf den Wangen von beiden.
Als Musik ist für die letzte Phase des Filmes hat Benh Zeitin, der Regisseur, der mit Lucy Alibar auch das Buch geschrieben hat, einen hoch emotionalen Jazz zum Bild gemixt, damit die Gefühlswelt der Zuschauer auch ja in Wallung gerät.