Knallharte Sci-Fi-Fantasy-Action für abgebrühte Buben mit Allmachtfantasien und ohne Demut. Unter der Weltrettung geht gar nichts. Und die Zeit will auch noch beherrscht werden.
Da 3D im Kino schon beschwerlich und lichtarm genug ist, muss jetzt als Zusatzerschwernis die vierte, die Aroma-Dimension hinzugefügt werden. Die ist allerdings noch entwicklungsfähig. Der Zuschauer erhält eine Karte mit 8 Rubbelzahlen drauf und wenn im Film, die Anleitung dazu wird im Vorspann nochmal ganz flott gegeben, eine Zahl aufblinkt, dann muss das entsprechende Feld gerubbelt werden. Das versuche man nun mal, da es recht dunkel ist im Saal, durch die 3-D-Brille hindurch die Zahl zu finden, sie erfolgreich aufzurubbeln, dann die Nase dranzuhalten und den Fortgang des Filmes nicht zu verpassen, vor allem, wenn die Kids gerade in ein Süßigkeiten-Paradies geraten, und gleich drei Zahlen auf einmal zum Rubbeln auffordern. Vielleicht hat man in Händen ja auch noch den Literbecher Düdeldidü und den Großeimer mit Popcorn. Immerhin das Feld vier hatte entfernt an Pfefferminz erinnert. Der Rest war eine unangenehme Rubbelsauce, für die man hoffentlich nicht noch Aufpreis zahlen muss, aber der Furz an Stelle 6, der hatte Persönlichkeit. Soviel zum Entwicklungsstand des Geruchskinos. Vielleicht sollten sich die Kinoentwickler mal wieder auf ein Denk- und Fantasiearbeitskino besinnen!
Die Figuren sind alle auf Sci-Fi-Fantasy-steril getrimmt. Die Hauptdarstellerin, eine Geheimagentin und Stiefmutter von zwei Kindern, deren Vater die Fernsehsendung Spy-Kids moderiert, ist hochschwanger. Aber noch mit den ersten Wehen hält sie sich ein ganze Bande von Verfolgern vom Leib. Dann nimmt sie ein Jahr Baby-Urlaub.
Doch der Bösewicht Tick Tock bedroht die Welt, indem er die Zeit stehlen will. Jetzt muss die Agentin, das ist eine dieser Schauspielerinnen mit einem so symmetrisch-harmonischen Gesicht, wie es sehr austauschbar wirkt und die auch mit industrieller Perfektion spielt, sie muss also wieder ran. Jetzt kann sie ihre Familie nicht mehr raushalten. Nachdem das Geheimnis gelüftet ist, haben die Stiefkinder plötzlich Verständnis für ihre Mutter und helfen ihr bei der Verbrecherjagd und entwickeln unglaubliche Fähigkeiten, wovon Menschen und Kinder nur träumen können, was in der Filmfantasie möglich ist. Und selbst das einjährige Baby – diese Kinder, die solche Dreharbeiten erleiden müssen, die können einem wirklich leid tun! Für mich grenzt das an Kindsmissbrauch – überhaupt solche Kinderdarsteller, auch die beiden Geschwister, wie dressierte Hunde – schafft es am Schluss noch sowohl zu stehen und gleich mit einem Handkantenschlag einem Angreifer zu einem von diesem nicht beabsichtigten Überschlag zu verhelfen. Heftige Zeiten. Vermutlich nicht jedermanns Sache. Eher so ein verrücktes Vergnügen wie eine Achterbahnfahrt – aber dafür sind dann 89 Minuten doch reichlich. Ein gewisse Abgebrühtheit sollten Kids, die den Film anschauen wollen, schon mitbringen. Aber vielleicht sehen die das alles viel lockerer und sie finden vielleicht das Popcorn und das Rubbeln viel spannender.