Glaubwürdigkeit der Darstellung macht es hier möglich, das andere Gesicht des sich selbst vorgegaukelten Familienglücks hart und rücksichtslos zu entlarven.
Dominga Sotomayor, Autorin und Regisseurin dieses Filmes, begleitet schön chronologisch und in gutem Fluss eine vierköpfige Familie, Vater, Mutter, 15 jähriges Töchterlein und etwa halt so alten Buben auf einen Ausflug im Auto, der von Santiago aus in Richtung nördlicher Wüsteneien Chiles führt.
So wie der Titel heisst, von Donnerstag bis Sonntag, also mit drei Übernachtungen, die erste in einer Hosteria, die zweite mit Freunden campend und die dritte dann noch irgendwo am Straßenrand im Auto schlafend. Da ist das Familienglück schon ziemlich ruiniert. Natürlich war es das vorher schon. Aber diese ewige Autofahrerei, die zehrt an den Nerven. Irgendwie kommt man nie an den Strand, an den der Junge so sehnlichst möchte, denn er hat einen Magnetstab dabei, mit dem er Münzen finden könnte; das sei vor allem gut, wenn es geregnet hat, der spült dann vieles an den Tag.
Am ersten Tag nimmt die Familie ein Stück weit zwei Tramperinnen mit, die freunden sich sofort mit dem Töchterchen an, tauschen auch die e-mail-Adressen aus. Töchterchen möchte auch Autofahren lernen. So eine Gelegenheit gibt es nach der zweiten Nacht. Mit vereinten Kräften schiebt die Familie das Auto, der Motor ist abgestellt und das Mädel sitzt am Steuer und muss dann rechtzeitig die Bremse ziehen. Hier arbeitet die Familie sozusagen mit vereinten Kräften an einer Sache.
Kurz vorher hat das Mädel aber beobachtet, wie die Mutter nachts aus dem Zelt eines anderen jungen Mannes gekommen ist, auch wie die beiden sich am Vormittag auf einem Stein im Wasser angeregt und sich emotional sehr zugetan unterhalten haben.
Je arider und trockener die Landschaft wird, die die Familie durchfährt, desto spröder wird ihr Glück, bis die Mutter einmal sogar Reissaus nimmt und einfach der Straße nach geht. Es lebt halt jeder seinen Träumen. Und die Familie, die die Regisseurin hier zusammengestellt hat, natürlich, bewusst zusammengestellt hat, ist doch vor allem eien Zweckgemeinschaft von auseinanderdriftenden Individuen. Wer das mal erlebt hat, kann das hier sehr gut nachempfinden, mir sind da sogar Gerüche aus so Situationen wieder in den Sinn gekommen.
Der Bub heisst Manuel und das Mädchen, Lucie, wird Chini gerufen. Der Vater will Klettern gehen. Aber vorher noch sucht er ein Stück Land, was ihm gehört, wo er vielleicht Avocados anpflanzen will. Auf dem Stück Land treffen sie Verwandte oder Bekannte und am Abend gibt es ein rundum gelungenes Lagefeuer mit Gitarrenbegleitung zu Liedern.
Sinniges Bild auch für diesen Familienausflug, wie die Familie den Panoramaweg der Küste entlang erreicht, ist es bereits Nacht, zappeduster und kein Panorama nirgends zu sehen. Es gibt die typischen Pausen, zum Essen, zum Pinkeln oder um mal auf einen Hügel raufzusteigen.
Einmal wird auch an einem Fluss halt gemacht. Der Vater steigt im Taucheranzug mit Schnorchel in das nicht ganz blaue Wasser. Dort kommt auf der anderen Seite ein junger Motorradfahrer. Von dem wird später am Radio in den Nachrichten berichtet oder die Familie glaubt, dass es sich um ihn handle, eine Negativnachricht auf jeden Fall.
Die Regisseurin bleibt so nah an der Familie, mit der Kamera oft im Wagen, dass wirklich dieses beengende Familiengefühl, das das Individuum brutal unterdrücken kann, voll durchschlägt, was man vielleicht nicht primär als einen Kinogenuss empfinden wird. Denn sie verzichtet auf jegliche erleichternde Andeutung darauf, dass es sich ja nur um eine filmische Erfindung, um eine Geschichte handle und keineswegs um eine reale Dokumentation. So eine ist jedoch nun mal irgendwie auch dröge, so eine Urlaubsrealität einer Mittelstandsfamilie.
Wobei doch verwundert, dass nicht einmal das Bett des Kindes gemacht wird, was am Anfang des Filmes noch im Dunkeln und schlafend in das abfahrtsbereite Auto gebracht wird. Typisch vielleicht auch, dass Manuel zwar einmal im Supermanmantel rumrennt, aber hauptsächlich möchte er der Sklave von seiner Schwester oder anderen Kindern sein, wenn sie spielen.
Auf was für gefährliches Terrain sich diese Familie begibt, ist aus dem Rat eines Truckerfahrers an ein Familienmitglied zu entnehmen, sie möchten vorsichtig fahren, die LKWs und die Trucks hier, die würden hier ziemlich schnell (Untertext = erbarmungslos) unterwegs sein.