Zwei München prägende Kreative
Geistig-künstlerische Kreativität hält jung, könnte ein Fazit nach dem Sehen dieses Filmes von Franz Stepan sein.
Der eine möchte mit 93 noch etwas finden, was er den Menschen geben könne und den anderen treibt die Suche nach einem innovativen Design für sein Fahrrad um. Dieser testet täglich bei der Zeitungslektüre seine mentale Fitness, indem er auf einer Seite oben den Bugatti, den er als Modell im Regal stehen hat, zeichnet.
Der 93-Jährige, das ist Fritz Auer, der Architekt des Münchner Olympiastadions, der andere, ebenfalls um die 90, das ist Hans A. Muth, ein Industriedesigner, der hier im Film vor allem mit seinen BMW-Designs präsent ist.
Franz Stepan wollte, wie er an der Presskonferenz der Münchner Filmkunstwochen, erzählte, ein kurzes Feature über Fritz Auer machen. Dabei kam der Designer ins Spiel und dass die beiden eine jahrzehntelange Freundschaft verbindet. So ist dieses Projekt daraus entstanden, das ganz nebenbei von zwei glücklichen, über 60-jährigen Ehen erzählt, von zwei miteinander freundschaftlich verwachsenen Familien, bei denen die eine damals, als die andere für eine Zeit ins Ausland verreiste, selbstverständlich die Kinder der anderen mit aufgenommen hätten, falls den Eltern etwas zugestoßen wäre.
Beide Männer sind fit wie ein Turnschuh, sie stecken voll in ihren künstlerischen Prozessen; die Frauen haben ihnen immer Halt gegeben; traditionelle, aber offenbar gut funktionierende Symbiosen mit klaren Rollenverteilungen.
Der Film gibt einen knappen Abriss über die Entstehungsgeschichte des weltberühmten, geschwungenen Olympiaparkes mit den Stadien und den wie die Landschaft geschwungenen Dächern. Es sind in diesem Prozess immer wieder mutige Entscheidungen gefällt worden, die so heute kaum mehr denkbar sind; vor allem wussten die Architekten beim Zuschlag überhaupt noch nicht, wie so ein Dach zu konstruieren sei.
Parallel dazu erzählt Hans A. Muth von seinem reichhaltigen und vielfältigen Lebenslauf mit dem Schwerpunkt auf der Arbeit bei BMW als Designer.
In der Zeit des Baus des Omypiaparkes und der Stadien hat auch BMW verwegen seinen Vierzylinder bauen lassen. Darüber gibt es die Doku Er flog voraus – Karl Schwanzer / Architektenpoem. Karl Schwanzer findet hier im Film ebenfalls Erwähnung.