Archiv der Kategorie: Review

Freakscene – The Story of Dinosaur Jr.

Poesiealbum

zugeneigt aus Empathie zur Musikregion von Rock, Pop, Grunge, Punkrock, in welchem die Gruppe Dinsosaur Jr. verortet wird, versehen mit nervösen Spielereien der Montage von Farben, Bild, Überblendungen erzählt Philipp Reichenheim die Geschichte der Gruppe Dinosaur Jr., die bereits über 30 Jahre unterwegs sind.

Die Geschichte der Gruppe fing holprig in den 80ern in Boston an. Es spricht für die Jungs, dass sie das Musikmachen und nicht der kommerzielle Erfolg interessiert hat mit Auftritten, die oft dazu führen, dass es die einzigen bei einem Veranstalter bleiben sollten, mit einer Desaster Tour, die schon nach wenigen Tagen mit einem kaputten Bus endet, mit Langeweile in Hotelzimmern oder auch in Boston, so dass der Umzug nach New York erfolgte.

Der Film nimmt eine beinah familiäre Betrachtungshaltung ein; der Filmemacher selbst scheint vertraut mit den Musikern, an einer Stelle wird er liebevoll Phili genannt. Er interessiert sich für die menschlichen Zusammenhänge in der Gruppe, die Dynamiken unter den Männern, die über die Musik kommunizieren, mit der übrigen Art des Umgangs durchaus Mühe haben können; diese Betrachtung nähert sich in Momenten einer Familienaufstellung,

Und auch später ist der Stellenwert der Gruppe für die Musiker unterschiedlich, J. und Lou haben eigene Familien, während Murph allein lebt; für den spielen die Touren eine wichtige Rolle als Familienersatz; dieser erzählt auch von seinen Drogenproblemen und weshalb er davon losgekommen ist.

Dagegen philosophiert der Sänger J., er selbst hätte nicht unbedingt das Bedürfnis, zu singen, aber das gehöre halt dazu, einer müsse es machen; ohne Singen hätte er es einfacher.

Zwischen all den Musikacts und Archivaufnahmen gibt es Talking Heads, die mit ihren Statements eine spannende Nahaufnahme dieser Band ergeben; deren Namensgebung eine eigene Anekdote ist: sie haben herausgefunden, dass es bereits eine Band namens Dinosaur gab, also wurde kurzerhand die Abkürzung für ‚junior‘, Jr., angefügt – und so bleiben sie denn, auch wenn sie über 50 sind, immer noch erfrischende Junioren.

Fantastische Pilze – die magische welt zu unseren Füßen

Massen von überwältigenden Aufnahmen von allerlei Pilzen, die im Zeitraffer im Huium ihre Hälse recken und die Schirme aufspannen, auch jede Menge psychodelisches Footage, dazu nicht knapp Talking Heads, berufene Münder, Wissenschaftler, Grenzwissenschaftler, Autoren, Autodidakten mit enormen Infoquantitäten; zum Mitschreiben wäre es defitiv zu viel, all dies Backgroundwissen, all dies historische Wissen, all dies medizinische Wissen.

Dabei gibt es Überschneidungen fast wie Copy und Paste mit dem Film Aware speziell mit dem Wissenschaftler von der John Hopkins Universität in Baltimore, der seit Jahren Tests mit dem Pilzgift Psilobycin macht an hunderten von Patienten, die anschließend von bewusstseinserweiternden Wirkungen berichten.

Der Film von Louie Schwarztberg nach dem Drehbuch von Mark Monroe ist eine Melange aus wissenschaftlichem Zugang zum Thema Pilze, ihrer Geschichte, ihrer Wichtigkeit in der Naturgeschichte, ihrer Wirkung beim Vermodern des Waldes und der Gifte, die der Mensch teils als Droge verwendet, bis hin zur heilsgeschichtlichen Botschaft, dass Gemeinschaft das A und das O auch für die Menschheitsentwicklung und ein Überlebensgebot sei, so wie Pilze und ihre Netzwerke es vorlebten.

Aus der Materialmenge könnte aber aus dem Film auch eine geschickte Werbebotschaft für das Buch eines Autodidakten herausgelesen werden, der ein erfolgreicher Selbstvermarkter und Verbreiter der Botschaft der Pilze zu sein scheint. Botschaft auch hinsichtlich Krebsbekämpfung: der Autodidakt hatte seiner schwer brustkrebskranken Mutter ein Pilzgift verabreicht: vom Krebs ist nichts mehr zu sehen, aber die Mutter kann er Jahre später noch in einer typisch amerikanisch gefühlvollen Show umarmen.

Show ist villeicht auch das richtige Wort für diesen Film, eine gewaltige Show über die Pilzwelt mit heilsgeschichtlicher Botschaft und Buchpromotions-Absicht.

Es ist die Rede von Zersetzung, Verdauung des Waldes, die CO2-Absorption, Wiedergeburt, transzendentales Bewusstsein, Weltverbesserung und Change, intelligentes Netzwerken und dass Pilze sich nicht als Blickfänger attraktiv machen müssen im Gegensatz zu Pflanzen. Vielleicht auch eine flankierende Maßnahme zur wissenschaftlichen Beschäftigung mit psychodelischen Drogen, die in den USA erst 1999 wieder aufgenommen worden sei.

Der Rosengarten von Madame Vernet

Nachmittagsteekino

nach dem Rezept schöner, eher nicht wahrer Geschichten, da würde sich die Realität doch zu sehr sträuben dagegen.

Eine Geschichte zum uralten und wohl ewigen Gegensatz von Kreativität einerseits und Geschäftstüchtigkeit/Kapitalismus andererseits.

Madame Vernet (Catherine Frot) führt seit dem Tod ihres Vaters dessen Rosenzüchterei mit der treuen Mitarbeiterin Vera (Olivia Côte). Der Betrieb ist das Ein und Alles der beiden unverheirateten Damen. Sonst haben sie nichts außer dem kreativen Genie von Madame Vernet in Bezug auf Rosenzucht.

Das Geschäft läuft schlecht, die beiden Damen sind hoch verschuldet, stehen vor der Insolvenz. Der Inhaber des kapitalistischen Groß-, ja praktisch Monopolbetriebes in der Rosenzüchterei, Lamarzelle (Vincent Dedienne), möchte Madame Vernets Geschäft kaufen und sie anstellen und sich somit auch ihre Gaben zunutze machen. Für Vernet kommt das nicht in Frage.

Vera organisiert als billige Hilfen aus einem Resozialisierungsprogramm Fred (Manel Foulgoc), Samir (Fatsah Bouyahmde) und Nadège (Marie Petiot). Vorgestellt wird das als ein Projekt der Aussichtslosigkeit, kein Wunder, bei diesen Lebensläufen.

Hier greift die Methode des „se debrouiller“, sich durchwurschteln, auch wenn das gesetzeskonform nicht möglich ist, was immer angenehm verdaulich bleibt, da es letztlich darum geht, Probleme und Problemchen zu bewältigen und Lösungen zu finden außerhalb der Konventionalität. Dies geschieht nicht ganz ohne Erfolg, aber dann doch auch wieder ohne Erfolg.

Dabei gibt es schöne Rosen zu sehen und auch dies und das über die Rosenzucht zu erfahren, über das Okulieren und dass es eine Sensation werden könnte, die bestens gehütete Wichuraiana mit Léon zu mischen, damit müsste der Concours de Bagatelle zu gewinnen sein.

Zudem entdeckt Madame Vernet bei Fred, dass er eine ‚Nase‘ für Parfüms habe (siehe den Film über das Parfüm). Er ist auch die Hauptperson eines Nebenhandlungsstranges, sein Verhältnis zu seinen Eltern. Und wie sich doch nicht alles auf ein glückliches Ende hin zuspitzt, erfinden die Drehbuchautoren Fadette Drouard, Blandine Jet und Philippe Le Guay wie einsten Brecht den reitenden Boten des Königs, hier eine rettende Mischung aus Rosen (samt Nesquick-Geschmack), um Frau Vernet und ihre Angestellten vorm Ruin zu retten, um den Zuschauer nicht zu frustieren, sondern glücklich aus dem Kinosaal zu entlassen. Er weiß ja, dass es sich hier um eine Geschichte handelt nach einem bewährten Rezept und dass er nicht die Realität daran zu messen braucht.

Beckenrand Sheriff

Narr am Hofe der Subvention

Marcus H. Rosenmüller ist ein Narr am Hofe der Subvention. Hof der Subvention meint hier alles, was in Deutschland öffentliches Geld für Film ausgeben kann. Die Empfänger müssen daher, da es meist mehrerer Geldgeber bedarf, gremienkompatibel sein.

Rosenmüller erfüllt diese vornehmste Voraussetzungen, er ist gremienkompatibel, denn oft entscheiden viele Könige über ein Projekt. Rosenmüller eckt nicht an und es tut sich immer was in seinen Filmen. Egal, ob Milan Peschel ganz furchtbar outriert als der Bademeister, der als fauler Running Gag immer darauf besteht, dass er Schwimmeister und nicht Bademeister genannt wird, bis der Gag sich totgelaufen hat.

Egal ob Schauspieler ganz unterschiedliche Leistungen erbringen, irgendwas tut sich in Rosenmüllers Filmen immer, ob man es gut findet, versteht oder nicht, ob lustig oder nicht, egal ob das Storytelling stringent ist oder nicht. Egal, ob er allenfalls selber unter Pseudonym wie Marcus Pfeiffer (was hier möglichweise der Fall so ist) das Drehbuch selber schnell zusammenschustert und sich so die Autorengage auch noch einstreicht.

Hauptsache, es werden im Buch ein paar aktuelle Themen gestreift und mit nicht allzu viel Biss gezeigt: Schließung eines Schwimmbades, um einem Immobilienhai den Bau von Häusern zu ermöglichen oder das Thema der Abschiebung. Es scheint vor allem um den Spaß am Dreh zu gehen.

Peschel bemüht sich, etwas zu spielen, was er ganz offensichtlich nicht ist, was einem platten Klischee entspricht. Seine charakterlichen Probleme sind seine spießige Genauigkeit; aber dazu grimassiert er viel zu viel. Es kommt nicht glaubwürdig rüber, wenn er hinterm Tor des Schwimmbades steht und vor dem Tor wartet die erste Kundin und er wartet bis punkt Stundenschlag, bis er öffnet. Das wird ausgewalzt. Da Pinkeligkeit eines Schwimmeisters nicht abendfüllend ist, – oh das Buch ist so notleidend, ist das mal wieder keiner der fördernden Institutionen aufgefallen? – bekommt er einen Asylsuchenden als Hilfe. Siehe weiter unten: Suli.

Es gibt immer Schönes und Nettes zu sehen in den Rosenmüller-Filmen. Hier sind es Unterwasseraufnahmen, die zeigen, dass er seinen Spaß an Kinematographie nicht verloren hat.

Es gibt eindrückliche Schauspielerleistungen wie die von Suli (Dimitri Abold), der von der Abschiebung bedroht ist und bereits einen Schleuser für den Weg nach Kanada bezahlt hat. Er wird dem hysterischen Bademeister als Gehilfe vermittelt und dann als Nichtschwimmer für eine Wasserballmannschaft im Tor sein.

Egal ob der Slapstick bei Rosenmüller gut oder nicht so gut inszeniert ist, Hauptsache die Gremien merken, aha, Rosenmüller greift auch zu Slapstick. Und wenn der so schlecht inszeniert ist wie hier, wie auf dem Baugerüst mit den Farbeimern oder die Leute, die ständig ins Wasser fallen, dann freut das die Gremien womöglich, denn das garantiert, dass der Hofnarr im Lande und am Hofe bleibt, die Gremien lieben Verlässlichkeit und nicht das Risiko, dass einer mit einer brillanten Komödie womöglich an der Kinokasse durch die Decke geht, gar zu einem Shooting Star im Weltkino. Die Gremien dürfen beruhigt sein, bei so einem Film besteht keinerlei Gefahr, dass er zum unkontrollierbaren Hit wird.

Auch Sebastian Bezzel macht sich hier ganz passabel als Immobilienhai, er hat den Eberhofer auf kleine Flamme gedimmt und versucht nicht, das mit irgendwas zu kompensieren; wobei er trotzdem eher wie ein Beamte wirkt. Auch seine Tochter, gespielt von Sarah Mahita, kommt prima als die Schwimmerin mit dem Dummy im Zimmer. Auch das ist egal, dass dieser Dummy am Schluss plötzlich eine dramaturgische Funktion übernimmt, auf die nichs hindeutete, dass er auf dem Beifahrersitz von Bezzel Platz nimmt und einen Monolog hält. Durch nichts begründet, weil es einfach lustig sein soll, ohne tieferen Sinn, ohne Hintersinn, ganz ohne Esprit und Witz. Im Gegensatz zu den Film-Einkäufern aus dem Ausland sind mit solchen Einfällen die Gremien glücklich zu machen.

Gisela Schneeberger ist vieles, sie ist eine gute Schauspielerin, sie ist gremienkompatibel und ihr kann man auch unmögliche Kostüme anziehen, sie verliert ihre Würde als Gemeindechefin nicht.

Vollends zufrieden sein dürften die Gremien mit der Musik, die tut so, als müsse sie den Wahlkkampf der Union anpeitschen. Sie tut genervt, egal aus welchen Gründen auch immer, weil ihr vielleicht die begrenzte Wirksamkeit des Filmes schwant?

Bei Johanna Wokalek erschöpfen sich bald schon die immer gleichen Auftritte als überzeugende Wasserball-Trainerin, aber dem Buch ist da auch nichts besonderes eingefallen.

Eher unverschämt wirkt es, den Film mit einem Tucholsky-Zitat anzufangen, dass Freundschaft wie Heimat sei; aber von Buch und Regie her nicht eine Freundschaft ausgearbeitet ist; angedacht vielleicht zwischen Suli und der Schwimmerin. Auch die Episode mit dem Bürgerbegehren wird nur oberflächlich erzählt. Unfertiges Produkt zum Versenden bei den öffentlich-rechtlichen zu nachtschlafener Stunde.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Verlorene Seelen – Die Kinder des IS (BR, Mittwoch, 8. September 2021, 22.45 Uhr)

55 Minuten Horror-Sensations-Footage

Misshandlungen, Heckenschützen, Leichen, brennende Ölquellen, Qualm, Ruinen, Kinder, die aussehen wie alte Männer, Geständnisse, Horrorberichte, was Kinder alles haben mitansehen müssen, Schießereien, ein Zehnjähriger, der sich als Märtyrer in zwei Teile sprengt, Tote auf Straßen, unkenntlich gemachte Zeugen und Opfer, IS-Propagandafilm, Flüchtlingselend, Schläferzellen, Selbstmordattentat zwischen Panzern, Gerangel um Essenspakete, Triumph bei Eroberung Mossuls, kranke, verkrüppelte Menschen, Isolation im IS-Lager, nur noch Kinder, Frauen, Witwen, die mies von den IS-Leute behandelt werden, Horror aus Kindermund, Mord- und Rachegedanken Zehnjähriger.

Ideologien können nur mit Ideologien bekämpft werden, heißt es.

Als öffentlich-rechtlicher Sender, der gerade vom Bundesverfassungsgericht die Unabhängigkeit attestiert bekommen hat im Rahmen der Klage zur Durchsetzung der Zwangsgebührenerhöhung, könnte der BR diese Unabhängigkeit nutzen, um zu so einem Horror-Footage-Streifen Umgebungsarbeit zu leisten.

Man könnte fragen, wie es überhaupt zu diesem IS-Staat kam und was das mit dem Irak-Krieg zu tun hat. Und wie es zum Irak-Krieg kam. Und da muss die Frage schnell nach Deutschland zurückgeführt werden; eine vornehme Aufgabe für einen unbedingt unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Da müsste der BR auf den Film CURVEBALL (der morgen ins Kino kommt) verweisen und darauf, dass bis jetzt wohl noch keiner der darin namentlich erwähnten Politiker öffentlich Widerspruch gegen den Film erhoben habe. Die Spur führt bis ins höchste Amt des Landes.

Die weltöffentliche Begründung für den Start des Irakkrieges durch die Amis beruhte auf einem Beweis auf einem Blatt Papier, das der damalige US-Außenminister Powell vor der UNO-Vollversammlung präsentierte und damit den Eintritt in den Krieg rechtfertigte. Das Papier war vom deutschen Geheimdienst beschafft worden. Zu dem Zeitpunkt wussten aber der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder, der deutsche Außenminister Fischer, der in der UN-Vollversammlung anwesend war, sowie Kanzleramtsschef Frank Walter Steinmeier bereits, dass der Beweis ein Fake war von einem Iraker, der in Deutschland Asyl suchte.

Alle drei Herren schwiegen zu der TV-wirksamen Begründung für den Irakkrieg, obwohl sie es besser wussten. Hätte einer von ihnen den Mut gehabt, die Amis vor der UN-Vollversammlung davon in Kenntnis zu setzen, wäre der Irak-Krieg womöglich nicht begonnen worden mit all den grauenhaften Folgen bis hin zum IS, wie hier in vielen Gräuelvarianten gezeigt und erzählt.

Konkret an die zuständigen Redakteure des unabhängigen BR, Frau Sonja Scheider, Herr Matthias Leybrand und Herr Carlos Gerstenbauer: woran liegt es, dass es zu so einer kleinen Umgebungsarbeit, die demokratisch sinn- und wertvoll wäre bei einem vollkommen unabhängigen Sender nicht kommt, warum nur à la Bildzeitung die Sensation fett bringen? Meine Damen und meine Herren, Sie sind unabhängig, das hat der Bundesverfassungsgericht unmissverständlich festgestellt und deshalb der Erhöhung des Zwangsbeitrages zugestimmt. Nutzen Sie diese Unabhängigkeit demokratieselbstkritisch! Nutzen Sie sie, denn das ist die vornehmste Aufgabe Ihres Arbeitgebers und damit von Ihnen!

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Polizeiruf 110: Bis Mitternacht (ARD, Sonntag, 5. September 2021, 20.15 Uhr)

Selbsttäuschung und Systemversagen.

Die Geschichte um diesen Polizeiruf herum ist garantiert lustiger, komischer, absurder oder vielleicht auch nur seldwylahafter als der Polizeiruf selbst. Es ist eine Geschichte von Abhängigkeit, Selbsttäuschung und Selbstvorgemache.

Vorab: das sei jedem Filmfeuilletonchef einer großen Tageszeitung unbenommen, in der Freizeit gegen gutes Zwangsgebührengeld ein Drehbuch für einen Tatort oder einen Polizeiruf des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes zu schreiben.

ABER: es gibt Abhängigkeiten. Der Autor dieses BR-Polizeirufes in der Regie von Dominik Graf ist Tobias Kniebe, seines Zeichens Chef des Filmfeuilletons der SZ. Den Zeitungen geht es nicht gut. Die SZ hängt am Tropf des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes, welcher täglich Annoncen bei ihr schaltet. Andererseits ist die SZ nach wie vor eine wichtige überregionale Tageszeitung. Sie kann durchaus zur Meinungsbildung beitragen. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk dagegen kämpft auf seine Art mit Überlebens- und Imageproblemen: trotz über 9 Milliarden-Budget und trotz lädierten Rufes muss er auch noch sparen – und kann es nur auf Kosten der Qualität. Sein Ansehen in der Öffentlichkeit ist nicht das beste. Dieses wiederum macht es für die Politik zusehends schwieriger, Erhöhungen der Haushaltszwangsgebühr durchzusetzen. Wenn also die SZ günstig über den öffentlich-rechtlichen Rundfunk berichtet, so nützt es dessen Ansehen, kann es einer der Punkte sein, die der Politik Erhöhungen der Zwangsgebühr leichter machen. Es ist in diesem besonderen Fall nicht zu erwarten, dass die SZ kritisch über den hier zu besprechenden Polizeiruf schreibt (sie findet ihn vorbehaltlos spannend auf der Medienseite der Wochenendausgabe). Man will ja einen eigenen Mitarbeiter nicht in einer anderen Funktion desavouieren.

Die SZ hat vorgebaut. Schon vor Wochen durfte der renommierte Fritz Göttler im Porträt auf Seite vier der SZ Dominik Graf ein Kränzchen winden, als sei dieser in etwa der größte lebende Regisseur Deutschlands; Göttler erledigte die heikle Aufgabe souverän aus dem Handgelenk. Und Grafs Boutiquenarbeit FABIAN – ODER DER GANG VOR DIE HUNDE wurde beim Kinostart gar fett als Meisterwerk des Kinos apostrophiert. Wobei Graf bestimmte Qualitäten als Regisseur nicht abzusprechen sind, der gute Geschmack, die Vorliebe für das Giallohafte, das ausgereift Kunstgewerbliche, auch die pflegliche Behandlung der Schauspieler.

Das ist jedoch auch der Punkt, wo das Seldwylahafte greift: also wie toll die verantwortlichen Redakteure Claudia Simionescu und Tobias Schulze es gefunden haben werden, dass Tobias Kniebe, der als Zeitungsmensch für sie eminente Bedeutung hat, wenn er, resp. seine Zeitung, ihre Arbeit loben, dass der jetzt für den von dessen Zeitung in den Himmel gehobenen Regisseur Dominik Graf ein Drehbuch schreibt; das dürfte zu einer Selbsttäuschung im Sinne einer Begeisterung führen, die nicht unbedingt durch Fakten gedeckt ist.

Kniebe hatte als Grundlage für sein Drehbuch „Abgründe – Wenn aus Menschen Mörder werden“ von Josef Willing. In dem Fall geht es um ein einziges Verhör eines zweimal des Mordes Verdächtigten (Thomas Schubert). Das ist mutig, sich für ein Verhör als Tatortgeschichte zu entscheiden; denn das kann hier sicher nicht so gebracht werden, wie Romuald Karmakar vor 25 Jahren Götz George den Totmacher hat spielen lassen.

So geht es jedenfalls nicht. Deswegen hat Dominik Graf auch fleissig und gewohnt gediegen in typischer Fernsehschnappatmung nicht nur im Verhörraum und dem dazu gehörenden Überwachungsraum gedreht, sondern auch zu Außenlocations und Rückblenden gegriffen.

Der Verdächtige ist ein überdrehtes, intellektuelles Schwatzmaul, fühlt sich den Interviewern überlegen. So eine Figur hat den Nachteil, dass dadurch Geschwätzigkeit statt Handlung dominieren. Den Zuschauer mit Geschwätz bei der Stange zu halten, dürfte nicht unbedingt leicht sein.

Es gibt die eine kleine Geschichte innerhalb des Verhörs, die trägt, ist übersichtlich und gut nachvollziehbar, die Szene mit dem Kriminalbeamten, der tätlich gegen den Verdächtigen vorgeht und die Folgen davon. Das ist eine der Sequenzen, in der weder erklärt, noch erörtert, noch eine Handlung erzählt wird, ist eine der Sequenzen, die einen kinematographisch schlüssigen Drive haben. Was vom übrigen Polizeiruf hier wenig behauptet werden kann.

Der Film beginnt mit einem Jubelbilderbogen auf die Isar und das Menschenglück in München. Frauenstimme mit Glücksvergleich, die auch mal so begehrt und strahlend sein möchte. Anmachthema wie im Studentenfilm. Domingrafgeschmackssicher. Graf perfektioniert das Kunstgewerbliche, montiert schneller, eleganter, kühner. Ellenlang wird das Anrecht auf individuelles Glück phrasenreich erklärt. In einem Kino, das an die Kraft der Bilder glaubt, könnte man diesen Info-Gehalt in 30 Sekunden zeigen und ganz ohne Statements.

Es gibt mehr Einwände, überflüssige Szenen, die keinesfalls hilfreich sind, tiefer in die Psyche des vermuteten Täters heineinzuschauen.

Es ergibt wenig Plausibilität, dass gezeigt wird, wie ein Exkommissar (Michael Roll) extra per Helikopter eingeflogen hier landet. Diese Bilderstrecke ist biederer Durchschnitt und trägt weder zur Charakterisierung der Figur noch zum Inhalt des Filmes bei und noch weniger zur Beleuchtung des Tatverdächtigen; sie wirkt wie Zeit schinden in einem dünnen Drehbuch. Wobei vom Drehbuch her klar ist, was für ein Typ das sein könnte (Kniebe dürfte einige Filme mit solchen Figuren gesehen haben); gegenüber dieser filmgeschichtlich fundierten Rollenidee scheint Michael Roll eine Fehlbesetzung, er wirkt für die Texte, die er sagt, nicht souverän genug.

Ähnlich ergeht es mir mit Verena Altenberg, der Kommissarin. Wenn ich zurückdenke an die flirrenden Szenen zwischen ihr und Ilse Neubauer in Frau Schrödingers Katze. Jetzt wirkt sie angestrengt, wenn sie die verünftelnden Drehbuchtexte abliefert, besonders mit Michael Roll, da spielt sie wie gegen eine Wand. Aber die Casterin An Dorthe Braker wird der Produktion vorgegaukelt haben, es handle sich um die best mögliche Besetzung im Subventionstümpel; es ist nicht zu erwarten, dass es einen Wettbewerb um die Rolle gegeben hat; somit ist die Gunstvermutung nicht neutralisiert.

Es gibt einen ziemlich platten und vor allem wenig nachvollziehbaren „Einfall“ des Drehbuches. Mitten in der nächtlichen Verhandlung stört durchdringender Bohrlärm das Verhör. Ein durchgeknallter Hausmeister? Das zu klären gehen Minuten TV-Zeit drauf, die außer allgemeingültigen Banalitäten (dass Lärm stören kann) grad gar nichts zum Sachverhalt des Verhörs beitragen, nichts zu einem allfälligen Täterverständnis. Auch hier wird Sendezeit ohne Gegenwert vertan; Zeit, die der Genauigkeit der Analyse des Falles abhanden kommt.

Wie wär es, Romuald Karmakar einen Tatort drehen zu lassen?

Drehbuch: eine Aneinanderreihung wenig belastbarer Werweißereien. Es wird nur darüber geredet, nur erzählt und von Dominik Graf nett und abwechslungsreich illustriert. Schwerfälliger Diskurs der Kommissare über Fortführung der Befragung. Diese wirkt erfunden. ein unharmonischer Cast, ein hackeliger Cast.

Ein Drehbuch, das seine eigene Idee brillant findet, den pensionierten Kommissar zurückzuholen. Sprachlich kein Münchner Cachet. Und dann die Standardfrage in der darniederliegenden deutschen Drehbuchkultur: „Was ist hier los?“, die einen zuverlässigen Hinweis auf ein notleidendes Drehbuch liefert.

Wobei auch Tobias Kniebe, so ist zu vermuten, sich bezüglich seines Einkommens weit unterproportional an der Finanzierung des demokratischen Gemeinschaftswerkes öffentlich-rechtlicher Rundfunk beteiligt, absolut legal dank der Haushaltzwangsgebühr.

„Wir brauchen jetzt alle an Bord“. „Absolut“. „Keine Frage“. … abgedroschene Füll-Sätze. „Wir brauchen jetzt hier vollen Einsatz!“ – eine Phrase, die weder eine Figur charakterisiert noch Münchner Kolorit in den Film bringt noch für Handlung oder Spannung förderlich ist.

Raumumzug mit zu viel Floskel-Text, langatmig, zu brav runtergespult.

Witzlos der Dialog zwischen Eyckhoff und Murnau, so überernst, so eindimensional. Hier sprüht gar nix, wenn man daran denkt, wie die Szene zwischen ihr und Ilse Neubauer gefunkelt hat.

Künstlerisch angedachte Mehrtonmusik.
Wenn schon ein Schuh aus der Medikamentensuche gemacht wird, dann bittschön richtig schräg. So ist das nur öd.

„Aber der Versuch war trotzdem wichtig“.

Einmal mehr beweist dieser Film, dass Drehbuchschreiben kein Spaziergang ist. Nach einer Stunde hat man das Gefühl, es waren gefühlte drei.

„Ergreif doch die Chance, ergreife sie jetzt, jetzt“. Das sind Sätze, die passen nicht zu Verena Altenberger, sie fasziniert dadurch, dass sie eben nicht der vernünftelnde Normalo ist. Zu ihrem zupackend-pragmatischen Typ passen Bauchgefühl, Herz, gesunder Menschenverstand und nicht Vernünftelei.

Der 12-Uhr-Schlag ist der Punkt, der zehn Minuten vor Schluss noch eine Hektik auslösen soll im Polizeiruf, dann rasen gerne alle los, tatütata. Stattdessen kommt hier eine nicht allzu überzeugende Lösung des Falles. Es sei dem Polizeiruf-Team unbenommen, zu feiern. Sie haben in einer knapp bemessenen Drehzeit 90 Minuten bewegtes Bild zustande gebracht, das am Sonntagabend über die Bildschirme flimmert.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Teachers for Life – Lernen aus Verbundenheit (Stream)

Pinguin aus Eis

Schüler aus England sollen im Kunstkurs aus einem Eisblock bei nicht allzu kalten Temperaturen einen Pinguin herausschlagen. Eine kitzlige Aufgabe, denn der Eisblock schmilzt bereits, wird dadurch durchsichtig und man muss gut aufpassen, keine zu großen Stücke abzuschlagen. Diese Aufgabe kann symbolisch gelesen werden für die Absicht dieses Filmes von Julian Wildgruber & Kathrin Höckel, der eine Auftragsarbeit für das Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit und Engagement ist.

Die Idee ist, dass Schule eben nicht Paukerei sein soll, fachidiotisch Wissensvermittlung, sondern dass dabei immer auch der Mensch gesehen werden soll. Eine Sichtweise, die unmittelbar auf einen achtsamen Umgang mit der Welt allgemein hinweist, auf den Klimawandel, wofür die Pinguin-Eisskulptur-Aufgabe eine fast ironische Symbolik erzeugt.

Die Dokumentaristen haben sich drei Hauptprotagonisten vorgenommen, Lehrer, die über das Fachliche hinaus den Schüler als ganzen Menschen im Blick haben.

Der Lehrer in England nimmt sich nach der Aufgabe, ein Eiskristall zu zeichnen, des einzelnen Schülers an, befragt ihn konkret, was ihn an der Aufgabe, fasziniere, warum er sich wohl oder unwohl fühle dabei.

Auf einer Klassenfahrt in die französischen Alpen erfahren die Jugendlichen direkt, wie der Klimawandel den Gletschern zusetzt; das sei der wahre Klassenraum, heißt es.

In Berlin begleitet das Dokuteam eine junge Frau, die zuerst ihre Lehramtsprüfung ablegt (mit höchster Auszeichnung), lässt sie über das halbe Jahr Leerzeit sprechen, das sie zwischen Prüfung und der ersten Lehreranstellung zu überbrücken hat, wie sie sich dabei für Klimaschutz und Yoga angefangen hat zu interessieren, und dann gibt es noch Einblick in eine Yogastunde mit ihren Schülern, bei der der Prüfungsstress thematisiert wird.

In Frankreich wendet sich der Blick des Filmes auf das berühmte Fußballinstitut, in welchem hoffnungsvolle Nachwuchsfußballer gezielt auf Profikarrieren vorbereitet werden. Der Trainer, der für den Profifußball zu klein war, hat sich seinen eigenen Profitraum mit dieser Position erfüllt. Hier wiederum kümmert sich der Film um einen groß gewachsenen Mohammed, seine mentalen Probleme und ob er wie gewünscht einen Verein findet, der ihn bald schon nimmt.

After Love

Nach der Liebe

folgt der Clinch, wobei unter Liebe hier zuerst Liebe-Machen verstanden sein dürfte und das, was nach dieser Liebe folgt, ist die Frage, ob Tessa (Josephine Langforder) und Hardin (Hero Fiennes Tiffin) zusammenbleiben wollen, ob sie zusammenpassen, charakterlich und so. Das sind die viel schwierigeren und komplizierteren Fragen, als diejenige, die zwei attraktive Körper in einem Bett zu lösen haben.

Es ist ein Liebesfilm, der nicht die Frage stellt, ob bei gegenseitiger Anziehung einer oder eine als erstes die unsichtbare Wand durchbricht. Das ist bereits geschehen. Jetzt folgt die Phase, welche im gängigsten Fall in einen Hochzeitsfilm mündet oder allenfalls in herbe Enttäuschung.

Irgendwo da stehen Tessa und Hardin. Tessa will nämlich in Seattle einen tollen Job in einem renommierten Verlag antreten. Kann und will Hardin mit? Thema Fernbeziehung oder auch „Ich will das hier nicht verlieren“.

Um die Fragen herum gibt es lauter Missverständnisse. Tessa möchte, dass es keine Geheimnisse zwischen ihr und Hardin gibt. Und doch gibt es immer wieder Dinge, die bei ihr oder ihm hängen bleiben und die dann zu Konfusionen, Verwirrungen der Gefühle, Misstrauen und schnell auch zu Eifersucht führen, wenn am Wochenende der hübsche Kellner Robert (Carter Jenkins) in seinem Job charmiert.

Das Umfeld der beiden Liebenden trägt das seine zu den Unklarheiten bei, will mitspielen in der unentschiedenen und unausgesprochenen Situation; „wir sind alle verliebte Idioten“ oder „Du durchstichst meine Seele“. Es gibt geschiedene Elternteile, eine Mutter, die neu heiratet.

Es ist ein tauglicher Zielpublikumsfilm mit immer wieder Soft-Sex-Szenen dazwischen mit neckischer Eiswürfel-Erotik beispielsweise oder im heißen Hotelpool mit dem Risiko, entdeckt zu werden oder auch die Andeutung von Telefon-Sex und ebenfalls das Thema Verhütung wird kurz angesprochen.

Solche Filme sind gerne auch Life-Style-Filme mit Wohnungseinrichtungen, wie sie jedem Life-Style-Magazin entnommen sein könnten und mit makellosen Darstellern, die in diesen Magazinen perfekt modelln könnten. Gediegene Menschen, es fällt das Wort Hipster.

Film zum schnellen Verzehr geeignet, entsprechend schnell-schnell fällt auch die deutsche Synchro aus.

Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings

Marvel-Operette

So süffig und leichtverdaulich wie eine Operette zwischen romantischer bis zirzensischer Augenweide erzählt Destin Daniel Cretton, der mit Dave Callaham und Andrew Lanham auch das Drebhbuch geschrieben hat, diese Heldengeschichte, die sich um das Geheimnis von Macht und Familie dreht.

Macht und Mann. Was ist wahre Macht? Doch solche, die tausend Jahre währt, die einen Mann unbesiegbar macht. Die Erzählung geht weit zurück. Die zehn Ringe sind so ein Machtgeheimnis. Über sie verfügt Wenwu (Tony Chiu Wai Leung). Das ist Magie, wie sie ganze Heere besiegen kann.

Wenwu hat die Kinder Shang-Chi (Simu Liu) und Ying (Ichelle Yeoh). Beide sind perfekte Leinwandschönheiten und nicht ganz so perfekt, aber das ist gezielt, ist Katy (Awkwafina); schön ist sie auch, aber bodenständiger, fleischlicher, sie hat einen Fuß noch in der Realität. Sie arbeitet mit Shang-Chi in Kalifornien in einem Hotel. Sie bringen die Autos der Gäste in die Garage.

Mit so einer Szene werden Schang-Chi und Katy vorgestellt. Sie sollen den roten Rennwagen eines betuchten Gastes in die Garage fahren. Katy will mit dem PS-Protz eine Spritztour macht. Den Kollegen und ansatzweise Freund muss sie dazu überreden. Dann gibt’s Party.

Diese Geschichte wird handfest in amerikanischen Alltags- und Einwanderermilieu angesiedelt. Katy wohnt bei ihrer chinesischen Familie. Hier frühstückt sie und fährt anschließend mit Shang-Chi mit dem Bus, auf dem „California“ drauf steht, zur Arbeit.

Bei der Busfahrt greift nun ein höheres Geheimnis, eine höhere Magie ein. Shang-Chi wird während der Fahrt plötzlich angegriffen von einer Horde von Männern, die nicht die schlechtesten Kämpfer sind. Er selbst entpuppt sich als Superhero, der alle erledigt. Ein Fahrgast, der aussieht wie der prototypische Internet-Nerd stellt die Szene live auf Youtube.

Derweil ist der Busfahrer ausgefallen und Katy hockt sich ans Steuer und rast hochspektakulär durch die Stadt, ein Action-Bonbon der Sondersorte.

In Rückblenden ist nach und nach etwas über den familiären Hintergrund und die Kraft der zehn Ringe, die Shang-Chis Vater an den Armen trägt, zu erfahren. Eine Postkarte aus Asien beordert Schang-Chi nach Macao. Dort macht er seine Schwester ausfindig. Auch dort geht es kämpferisch gleich zur Sache. Katy hat sich ihm abenteuerlich angeschlossen.

Es folgen sensationelle Kämpfereien an einem Hochhausgerüst, artistischer geht kaum. Dabei kommt dem jungen Helden das Amulett, das er von seiner Mutter überreicht erhalten hatte, abhanden. Auch seine Schwester, die sich als noch stärkere Kämpferin erweist, hat ein genau gleiches Amulett. Auch ihr wird es gestohlen.

Klar, die zehn Ringe vom Vater, die sind noch nicht das Ende der Fahnenstange übermenschlicher Kräfte. Es gibt da noch einen ganz vesteckten, unzugänglichen Ort. Auf dem Weg dorthin macht ein BMW gute Figur bei rasender Fahrt durch einen sich immer wieder dicht schließenden Wald; wie beim Motiv vom sich teilenden Meer.

Vater ist auch wieder ins Spiel gekommen. Er scheint der Drahtzieher im Hintergrund, ist gut ausgerüstet mit einer exklusiv trainierten Privatarmee. Die Auseinandersetzung um die noch geheimeren Kräfte verlagert sich in den Dschungel; der große Protektor. Da gibt es ein malerisches Völkchen – reinste Operettenausstattung und deren Museum erinnert an amerikanische Siedler.

Vater hat eine gewisse Affinität zur Dunklen Seite, die ihm nicht bekommen wird. Es kommt noch zu apokalyptischen Auseinandersetzungen mit fliegenden Drachen. Und in den Abspann hinein wird die Geschichte fortgeschrieben.

Was im klassischen Theater der Narr, ist hier Trevor Slattery (Ben Kingsley) ein Schauspieler mit einem merkwürdigen Flügel-Mops-Tier ohne Gesicht, das allerliebst Gruns-Quietschlaute von sich gibt. Das wird mit dem Spaß an der leichten Muse perfekt seviert, bleibt insofern ein wenig phrasenhaft.

Die Welt jenseits der Stille

Flohmarktkino,

aber Hallo, ein Flohmarkt voller Trouvaillen weltweit! Leider in der unsäglichen TV-Verzopfmanier verhackstückt; wobei Kinogänger und Flohmarktgänger nicht unbedingt identisch sein müssen; das dürfte sich nicht gezwungenermaßen positiv auf den Zuspruch im Kino auswirken.

Es ist ein Konzeptfilm, geboren aus der Corona-Quarantäne-Situation. Als Autor und Regisseur firmiert bei IMDb Manuel Fenn. Andere haben auch mitgemischt bei der Idee, exzellente Dokumentarfilmer in allen möglichen Weltgegenden aufzutun, die an ihren Orten Menschen finden, die sich eh schon in einer Fremdposition befinden und festzuhalten, wie sie mit ihrer Corona-Situation umgehen.

Dass sie spitzenmäßige Filmer gefunden haben, merkt man daran, wie einen die jeweiligen Protagonisten berühren, wie sie sich einem einprägen.

Die ältere ausgehagerte und stark rauchende Polin, die als Pflegerin in Rom arbeitet. Aber ihre Patientin ist gerade gestorben. So bleibt die Pflegerin allein in der Wohnung, sitzt auf dem Balkon, schaut auf andere Balkone, raucht, organisiert ihre Rückkehr nach Polen.

Der chinesische Kampfsportmeister, der in Berlin eine Schule betreibt, prima Deutsch spricht, ganz armselig und ohne Sonnenlicht sich in seinem Studio eingerichtet hat und dann ein merkwürdig möbliertes Appartment in einem Wohnblock bezieht: grad gemütlich sieht das nicht aus.

Der Latino, der in New York mit dem Fahrrad Pizzen ausfährt, seine Wohnung verloren hat und fünf Liter Cola am Tag trinkt und behauptet, das würde ihm nicht schaden. Das Ehepaar in Argentinien, das in Scheidung lebt und jetzt mit den beiden Kindern in ihrem Reihenhaus gefangen ist. Diese haben ihre Statements selber aufgenommen.

Die Indigenen im Amazonas-Gebiet, die Angst vor dem Virus haben und ein Isolationshaus bauen, bevor das Virus sie tatsächlich heimsucht. Der russische DJ, der das Glück hat, dass sein Kumpel und dessen Freundin im selben Haus wohnen, so dass sie kreativ arbeiten können.

Der iranische Schafhirt, der praktisch nur von Drohnenaufnahmen aus zu sehen ist und der seine Herde durch ein ärmliches Dorf führt. Der Blinde, der in Kuala Lumpur einen Telefonisten-Job hat und der seine Familie auf dem Dorf besucht und mit Geschenken beglückt.

Der Film ist sein eigenes Dokumentarfilmfest, der ein Stück Corona-Zeigeschichte in intimen Porträts festhält, der in überwiegend bescheidenen Behausungen sich aufhält. Corona lässt die Menschen mit ihren Alltagsnöten allein; es ist nicht die Zeit brillanter Lebensentwürfe; fehlt ihnen doch glatt das Publikum.