Archiv für die Kategorie: “Review”

Das Ende Hollywoods

oder der Alptraum Hollywood, gefangen im eigenen Saft und in Endlosschleifen von nichssagenden, perfekt nachgestellten Bildern aus dem Hollywood von 69, dazu das Problem des Alterns einst kräftig saftig gutaussehender Stars.

Die Verzweiflung darüber schlägt sich in diesem neuen Werk von Quentin Tarantino nieder und es kostet Energie, herauszufinden, ob er uns darüber hinaus etwas erzählen will, immer den Western und den Spaghetti-Western vor Augen, von dessen Glanz so gar nichts geblieben ist.

Dagegen lesen sich die Bücher von Rainer Boller (Wilder Westen made in Germany oder In einer Bar in Mexiko deutlich spannender und instruktiver. Boller hat eine Haltung dazu.

Hier bei Tarantino schlagen sich zwei abgetakelte Helden durch gegen drei Stunden Film, Leonardo DiCaprio als Hollywood-Star Rick Dalton und Brad Pitt als sein Stunt-Double, zudem als sein Fahrer Cliff, denn Dalton hat ein Alkohol- und auch ein Textlernproblem.

Während Cliff sich am Hollywood-Boulevard von einer noch nicht unbedingt Volljährigen anmachen lässt, kämpft Dalton am Set mit simpelsten Western-Texten. Ach, es ist alles so deprimierend.

Ungefähr zur Halbzeit schafft es sein Agent Marvin Schwarzs (Al Pacino), Dalton in einem Spaghetti-Western in Italien unterzubringen. Der mehrmonatige Trip endet mit einer Heirat und Rückkehr in die Staaten. Mehr soll nicht gespoilert werden.

Wobei der Ablauf der Geschichte und die eingestreuten Anekdoten und Klatsch von Dreharbeiten oder auch das Schauen der eigenen TV-Produktionen mit den entsprechend kindischen Kommentaren nicht das Interessanteste sein dürften, viel eher diese depressive Stimmung, die einen richtig niederziehen kann, die desillusionierend, gar niederschmetternd wirkt im Hinblick auf der Welt berühmteste Traumfabrik und dass ein berühmter Regisseur wie Tarantino einen so aufwendigen, laut IMBd geschätzte 95 Millionen teuren Film macht und es kommt so gar nichts rüber, was den Geist in Begeisterung und in Bewegung versetzen könnte außer vielleicht dem Spiel, aus welcher Ablage und Schublade er die Sujets gezogen hat.

Ein Kino, das der Vergangenheit nachhängt und sich in ihr verfängt. Vielleicht ist der Film die Zustandsbeschreibung des gemarterten Hirns von Tarantino, in welchem wie in einem zwanghaften Traum sich die ewig gleichen Bilder wiederholen und aus welchen es kein Entkommen gibt.

Wer mit den Filmen und Begebenheiten, auf die Tarantino hier kopierend referiert, cinésozialisiert worden ist, der ist immerhin beschäftigt mit dem Einsortieren der Querverweise, kommt wenigstens so zu etwas geistiger Gymnastik.

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Von der Banalität der Gleichwertigkeit von Schrottrad, chem. Reinigung und Hamlettod

oder von der Schwängerung der Banalität mit Bedeutung.

Wenn der Kauf eines Schrottfahrrades mit demselben Sprechduktus und derselben Konzentration getätigt wird wie einige Minuten früher oder später die hochdramatische Hamlettodesszene, so befinden wir uns im elitär sich gerierenden Biotop von Angela Schanelec, in einem Biotop der Indifferenz.

Selbst solche Szenen sind mehr eine Staffage für das mögliche Hauptthema, der Probleme einer alleinerziehenden Mutter mit dem Pubertieren ihres Sohnes, mit dessen Verpuppung zum Manne; das Töchterchen ist kleiner, darf gerade mal in der Badeanstalt ein Bikinoberteil überstülpen.

Habitus und Duktus der Szenenpräsentation erfolgt im Gestus des Professoralen. Den Befund bestätigt die kleine Rahmenhandlung mit Esel, Hund und gejagtem und gefressenem Kaninchen. Es ist ja kein Tierfilm. Es ist eine intellektualistische Themencollage, ein intellektualistischer Patchworkteppich mit einem weiteren zentralen Plot in Form eines irre langen Monologes der Protagonistin (Maren Eggert) an einen fahrradschiebenden Gastprofessor. Der handelt von Kunst, speziell vom Theater, von gefakter Realität, der Bandagiertheit durch diese, dem Leben und verwandten Philosophemen.

Ein weiterer Plot wird von einem jungen Paar diskutiert: Liebe, Einsamkeit, Alleinsein, Bindungsunfähigkeit.

Wie Streusel über den Kuchen verteilt Angela Schanelce auf ihrem Bastelwandbehang Lyrik, Songs, Pinakothekenbilder, Schultheaterübungsszenen, man ist ja in der Hochkultur.

Angenehm an ihrem Werk ist, dass sie nichts erklärt. Unangenehm ist, dass sie Werte und Banalität, Shakespear-Drama und Schrottfahrradkauf oder Auftrag für die chemische Reinigung mit gleichwertiger Bedeutung schwängert.

Gibt es da was zum Mitschreiben? Erkenntnisse zum Banalitätsdestillat? Redet man so mit einem Heizkörper? Und Achtung, wir lieben Spiegelungen (tatsächlich einmal reizvoll, wenn eine S-Bahn sich gleich in zwei Fenstern unterschiedlich spiegelt). Banalität der Liebe: Protagonistin fängt mit dem Tennislehrer der Tochter ein Verhältnis an.

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Langeweile darstellen. Und ein Vatermord.

Der Film von Phlip Koch, der mit Hamid Baroua auch das Drehbuch geschrieben hat, wirkt so, als hätten die Redakteure und Zwangsgebührentreuhänder Cornelius Conrad und Claudia Simionescu vom BR und Birgit Titze von Degeto ihm den Auftrag erteilt, einen Film zum Thema Spiele/Spielesucht und Virtual Reality zu drehen, wobei das Thema in möglichst langweilige Alltagsszenen – so langweilig wie möglich geschrieben – eingebettet werden soll, damit die Fantasiewelt des eingeblendeten Spiels, Natur, Fels, Wiese, Bäche, Sturzbäche und elfengleiche Protagonistin umso virtually realiter erscheint.

Es folgt langweilige Alltagsszene auf langweilige Alltagsszene: langweilige Schulstunden, langweiliger, stereotyper Familientalk, langweilige Schulmensa, langweilige Elternsprechstunde, langweiliger Mobiltalk mit Freundin (oder Freund oder Oma?), langweilige Staubsaugeszene, langweilige Yoga-Szene, langweilige Schulhofszene, langweilige Mutter-Tochter-Szenen, langweilige Psychologinnen-Szene, langweilige Verkühlungsszene, langweilige Badszenen, langweilige Was-ist-denn-hier-los-Szene, wenn die Eltern nach Hause in ein Chaos kommen (besonders steif inszeniert), langweilig-lächerliche Kowalski-Such-Szene, langweilige Bowling-Szene, langweilige Handwaschszene, langweilige Rauchersezene, langweilige Mutter-Ausbruch-Szene (und noch langweiliger, wenn der Vater dazukommt), …. —- alles auch stinklangweiig inszeniert…

und zeigt dadurch dem Zwangsgebührenzuschauer, wie dringend nötig solche Spiele in einem öden Alltag sind, erst recht in einem TV-Alltag oder in einem Degeto-Alltag, einem BR-Alltag oder einem ARD-Alltag – der schreit förmlich nach Kompensation.

Die Macher scheinen ihren Auftrag auch so verstanden zu haben, einen Cast zusammenzustellen, der hinten und vorne weder zueinander noch zu den Rollen passt: die Protagonistin Jennifer ist deutlich zu alt im Vergleich zu ihren Schulkameradinnen (wie oft muss die sitzen geblieben sein!), schaut auch viel zu reif aus, trotz häufig geheimnisvoller Gesichtszüge und auch dem Papa nimmt man eine hervorragende Position im Geschäftsleben nicht eine Sekunde ab, er scheint weder Ehemann noch leiblicher Vater.

Als ob das Fernsehen vergessen hätte, dass es dem grassierenden Populismus im Lande etwas entgegenstellen sollte, denn das wäre ja seine vornehmste Grundaufgabe. Es läuft etwas schief in diesem Lande mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Klumpfuß-Kino.

Das Drehbuch von Martin Rauhaus, einem Fernsehvielschreiber, handelt von einem Intellektuellenehepaar, das sich nach 25 Jahren Ehe trennen will. Sie haben zwei erwachsene Kinder. Die Ehe dürfte Routine geworden sein. Der Ehemann hat sich sinnlos in seine Assistentin verliebt, zweiter Frühling. Er arbeitet als Direktor in einem Aquarium. Sein Lieblingsforschungsobjekt sind die Quallen, die bei ihm immer auch sexuell aufgeladen sind. Seine Frau hat zugunsten der Familie auf eine Karriere verzichtet; ist kleptomanisch veranlagt.

Das Ehepaar will die Trennung von einer Paartherapeutin begleiten lassen. Die Geliebte schmeißt den alten Gockel raus. Über das Einschläfern des Hundes flammt die alte Beziehung wieder auf.

Rein vom Plot her könnte das funktionieren, eine ähnliche Geschichte hat bei dem österreichischen Film Die Wunderübung bestens unterhaltendes Kino hervorgebracht.

Hier im Film von ARD/DEGETO bekommt man es allerdings mit krassen Fehlern von den Anfängen der Produktion an zu tun, die mit Zwangsgebührengeld offenbar nachlässig und inkompetent umgeht.

Es fängt mit der Ausgestaltung der Figuren durch das Drehbuch an, geht mit der Besetzung von Rainer Kaufmann als Regisseur weiter, dem jegliches Feeling für cineastisches Erzählen zu mangeln scheint, dito gilt das für die Kamera mit ihrem Halbnahkomplex und die generell desorientiert im Raum rumsteht, so dass auch viele Hinterköpfe gut mittig zur Geltung kommen und die Figuren im Raum absaufen lassen. Desgleichen gilt für den Schnitt, das humpelt und rumpelt, aber mit dem Material dürfte mehr nicht anzufangen sein, das gilt für den Cast, bestimmt alles erstklassige Schauspieler, namhafte wie Martina Gedek und Ulrich Tukur, aber sie passen nicht zusammen.

Die Darsteller rattern ihre Texte gekonnt runter, wie bei einem Boulevardstück oder eine Schnell-Schnell-Lieblos-Synchro, aber es ist kein Boulevardstück und auch keine Synchro und zum Nachdenken bleibt den Darstellern keine Zeit.

So mit Zwangsgebührengeld umzugehen, das heißt, dem Zwangsgebührenzahler den Stinkefinger zeigen. So etwas macht heute jeder Youtuber besser. Und billiger. Und nicht auf unsere Kosten.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Hier im Film von Safy Nebbou, der mit Julie Peyr auch das Drehbuch nach dem Roman von Camille Laurens geschrieben hat, ist einfach alles da, was großes Kino ausmacht: großer Kinoatem, eine packende Liebesgeschichte mit vielen Facetten, großartige Darstellerinnen und Darsteller, die Liebe im Kopf, in der Fantasie, das offene Ende von Liebe und Liebesgeschichten, Jugend und Liebe, Alter und Liebe, das Spiel mit der Liebe, moderne französische Architektur, in der man sich verlaufen kann wie in der Welt verliebter Gefühle, Chat, Fake-Identität in den Social Media, mögliche bis tödliche Folgen des Spielens mit der Liebe, das Anheizen der Liebesfantasien, Ersatzliebesglück, die reale Liebe und die gleichzeitig imaginierte Liebe im Hinterkopf, Künstlermilieu-, Literatur- und Literaturwissenschaftsmilieu, die Lügen als ein Elixier für die Liebe, die Rivalin, die nicht existiert, psychiatrische Betreuung, eine fabelhafte Juliette Binoche, die anfangs glauben macht, sie würde erst recht privatistisch die Liebesprobleme – und auch in jeder Sekunde Juliette Binoche sein – um dann doch zu einer erfahrungsfähigen und reflektierten Haltung finden, ein junger Mann Alex (Francois Civil), der par excellence den Künstler als jungen Mann spielt, perfekt den erotischen Frauentraum verkörpert, verspielt, fast etwas kindlich, naiv, der voll in die Falle der Frauenraffinesse läuft und außerdem gibt es gewagte Drohnenflüge über den Falaises, Symbol des Abgrundes an dem diese Spiele mit der Liebe verlaufen, aber es gibt auch das Spiel der Dramaturgie, das Varianten sucht und die Enden offen lassen möchte, weil der Film selbst ja auch nur die Ideen und Gedanken über die Liebe ventiliert, das muss offen bleiben und weitergehen können.

Es ist ein sanftes Kino, das sich erst wie in die Gefühle der Liebe versenkt, sich an die Intimität von Gefühlen annähert, als sei es ein Film von Frauen mit Frauen für Frauen, was er aber nicht ist, (kurzfristig direkt in die Nähe des Softpornos gerät) und sich dann auf die Gefahr und die Spielmöglichkeiten besinnt, aber auch erschreckt vor dem, was das Spiel mit der Liebe anrichten kann.

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Eine dreckige, schmierige, korrupte Welt ist es, in der solche Thriller spielen. Hier gibt es keine bunten fröhlichen Farben, kein befreiendes Lachen. Die Menschen, die sich in diesem amerikanischen Großstadtmilieu ein besseres Leben erkämpfen wollen, können dies nicht auf legalem, ordentlichem Wege tun. Sie sind zu mickrige Gestalten, vielleicht zu ungebildet, sie sind Bodensatz in legalen und weniger legalen Hierarchien.

Malik Bader lässt seinen in bestem Standard hergestellten Thriller im Milieu der Geldwäsche spielen. Mit einer Information darüber beginnt er auch den Film. Ein konkretes Beispiel schildert, wie Moe (Liam Hemsworth) und sein Freund Skunk (Emory Cohen) von Hinterzimmer zu Bank zu Geldwechsler zu Hinterzimmer unterwegs sind, wie aus dicken Geldbündeln Goldbarren und aus Goldbarren Wertpapiere oder Couverts mit Diamanten werden.

Sie sind unterwegs im Auftrag des Onkels von Skunk. Der ist der Baulöwe und Oberdealer Perico (Zlatko Buric). Sie haben erfolgreich zwei Testläufe bestanden. Jetzt sollen sie zehn Tage lang jeden Tag zwei Millionen waschen. Für die beiden bedeutete das je eine Million. Unvorstellbar viel. Es ist ihre einzige Chance, aus der Scheiße rauszukommen.

Der Onkel bläst den Deal ab. Was machen sie mit dem schon bereitgestellten Geld? Sie lassen sich auf einen vermeintlich lukrativen Zwischendeal ein: aus dem Geld schnell Drogen machen und dann die Drogen wieder zu – deutlich mehr – Geld. Aber sie landen in einer Falle, die korrupte Cops ihnen gestellt haben, die selbst die Asservatenkammer plündern.

Skunk ist der richtig mickrige Typ, der das große Ding drehen will, er scheint ein Mensch voller Minderwertigkeitskomplexe, geschunden von den anderen, auch etwas naiv und dumm. Während Moe nicht so ganz in diese armselige Welt passt. Er hat einen wachen Blick und eine gewisse Coolness, auch eine schwangere Freundin. Bei einem Crah bei der Flucht aus der Falle der korrupten Cops verliert er einen Teil seines Gedächtnisses und damit einen Teil seiner Identität, seiner Aufgabe. So wird er noch etwas rätselhafter – und anfällig für die Freundschaft zu Bobby?

Die Musik erzählt, dass sie das nicht als großes Drama sieht, sondern als erzählenswerte Ballade vom kleinen Gangster, der auf aussichtslosem Boden sich herauszustrampeln versucht.

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Port Isaac ist ein Fischerdorf im englischen Cornwall. Es gibt hier heftige Anbrandung des Meeres und einen deutlichen Unterschied zwischen Ebbe und Flut (die kann sich schon mal ein Auto schnappen) und einen Chor der Fischer, die jeden Freitag open air ein Strandkonzert geben.

Ein Musikmanager aus London hört diese Shantys, ist begeistert und will eine Platte herausbringen. Diese wird 2010 ein Hit und die Gruppe berühmt. Sie sind aber auf dem Boden ihres goldenen Handwerkes geblieben nach dem Motto: die Fischerei zuerst.

Chris Foggin hat diese Geschichte nach dem Drehbuch von Piers Ashworth, Meg Leonard und Nick Moorcroft mit Schauspielern inszeniert. Für die Fischer haben sie urige Typen gefunden. Es dominiert der britische Dialekt, der nicht immer leicht zu verstehen ist.

Der Film erzählt diese Erfolgsgeschichte ausgehend von vier Londoner Musikmanangern, die ein Junggesellenwochende in dem verschlafenen Fischerdorf verbringen, die Schnösel von der Stadt. Sie hören den Chor. Danny (Daniel Mays) wird dazu verdonnert – im Scherz – die Gruppe herauszubringen.

Danny nimmt den Gag ernst, bleibt im Dorf hängen, sucht den Kontakt zu den Fischern, die anfangs ablehnen, wozu auch berühmt werden, lassen sich dann doch umstimmen. Es folgen diverse gut gearbeitete dramaturgische Hürden, die zu nehmen sind und es entwickelt sich eine Liebesgeschichte zwischen Danny und Alwyn (Tuppence Middleton, von der man nie weiß, ob sie nun eine berechnende und flirtende ist oder nicht), die mit ihrem Töchterchen und ohne Mann lebt.

Foggin berichtet diese anfänglich ungewollte Erfolgsgeschichte indem er nie das Stammtischniveau verlässt, es geht auch um die Rettung des Pubs im Ort, der dafür steht, wie toll die örtliche, provinzielle Gemeinschaft zusammenhält, der aber nicht immun ist gegen die Infizierbarkeit durch die Verführung „Hit in den Charts“.

Der Film erinnert in Stimmung, Haltung und Verzicht auf Tiefe an ehedem populäre Samstagabendunterhaltung im deutschen Fernsehen. Die Geschichte flutscht arg glatt.

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Doppelte Dröhnung.

Normalerweise reicht ein Actionheld wie Dwayne Johnson (hier als Hobbs und auch als Produzent des Filmes) oder ein Jason Statham (hier als Shaw und gleichzeitig auch als Produzent des Filmes) aus, um im Alleingang die Welt vorm Untergang zu retten.

Doch diesmal ist die Bedrohung so groß, dass die beiden gezwungenermaßen zusammenspannen müssen. Das ist eine konfliktreiche wie pointenerzeugende Grundkonstellation. Das Böse, Brixton (Idris Elba), nennt sich gleich so. Dieser ist manipuliert vom exklusiven Forschungsinstitut „Eteon“, das in einem entsprechend hocheleganten, abgeschotteten Hauptquartier skrupellos rumlaboriert und mit Hilfe von Professor Andreiko (Eddie Marsan) ein gefährliches Virus, CT17 („Schneeflocke“), entwickelt, mit welchem es die Weltherrschaft anstrebt.

Der Fall wird virulent, weil die dritte im baldigen Bunde der Top-Agenten, die attraktive Hattie (Vanessa Kriby), sich offenbar das Virus unter verrräterischen Bedingungen unter den Nagel gerissen hat und damit abgetaucht ist. Wobei ein Unterschied zwischen der offiziellen Lesart und den Fakten besteht.

Im Split-Screen-Verfahren exponiert Regisseur David Leitch nach dem Drehbuch von Chris Morgan als Parallelhandlung, wie die beiden Top-Agenten aus ihren privaten, familiären Situationen in L.A. und London herausgerissen werden, wie sie voll dagegen sind, zusammenzuarbeiten, da sie ja Einzelkämpfer und Einzelhelden sind. Das wird einiges an durchaus unterhaltsamem Spiel zwischen den beiden ermöglichen.

Familiär ist aber auch die Beziehung zu Hattie. Sie ist die Schwester von Shaw. Da „Der Böse“ ein manipulierter Mensch ist mit Roboterelementen, wird es nicht leicht sein, ihn zu besiegen.

Wie in einer erstklassigen Manufaktur spicken die Actionsprofis ihren Weg zur Rettung des Virus mit bester händischer Action, was brauchen wir das inzwischen längst abgelutschte Übermaß an Computereffekten, wenn es auch so geht mit verrückten Verfolgungsjagden und Kämpfen, mit Wortspielereien, pointenhaften Hackeleien, Jokes und mit der Message, dass letztlich der Mensch und das Menschliche dem Roboterhaften oder der KI überlegen bleiben.

Kurios-Köstliches findet seinen Platz auf Samoa, wie hier Schrottplatz gegen Toptechnik zum Countdown antreten, zu souveränem Unterhaltungskino in Bestform, bei dem das „Mike Jagger“-Spiel immer noch fast reibungslos funktioniert. Die geistigen Koordinaten beschränken sich auf kurze Zitate von Nietzsche und Bruce Lee und der Frage, welcher Satz von welchem sei.

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Pseudomodernistisches Familie-klebt-zusammen-redet-und-liebt-Quasselszenen-Konglomerat.

Die Familie ist US-ostenküsten-bildungsbürgerlich in den Bereichen Theater, Literatur und Schneiderei zugange. Sie diskutieren andauernd die Themen Liebe, Glück, Hass und Outfit. Manche haben Sex. Mit ihren Partnern. Oder auch mit anderen.

Im Laufe des Filmes stirbt der Neue der Mama Susanne (Andie MacDowell; schauspielen heißt, gezielt sich bewegen und gezielt lachen); vorher ist er zum umständlichen Pflegefall geworden.

Später stirbt die Oma unangekündigt, weil sie alt ist oder weil Regisseur Russell Harbaugh, der mit Eric Mendelsohn auch das Drehbuch geschrieben hat, Spaß an Beerdigungen hat. Er will nicht zu sehr sich in Begründungen und Handlungslogiken einbinden lassen.

Die Kamera sticht am liebsten mitten in den häufigen Familienpulk hinein, wählt sich eine Figur aus oder eine im Anschnitt oder mehrere, sprechen können gerne andere, die nicht im Bild sind, diese Art der Präsentation scheint hier Methode zu haben, die Bilderrealität, die so eine Familie abgibt, zu fragmentieren, wie denn überhaupt abrupt von Szene zu Szene gehupft wird, auch durch die Zeiten und zwischendurch gibt es eine viel zu lange, uninspirierte Kabarettszene mit Sohn Nicholas (Chris O‘ Dowd), der zweiten Hauptigur, der immer mit dem gleich entgeisterten Blick in die Welt schaut.

Weil die Sprecher oft länger im Off sind, fällt die deutsche Billigsynchro nicht ganz so negativ auf, die generell ermüdend im gleichen Rhyhtmus dahinplätschert, als ob ewig das Gleiche gespielt würde. Vielleicht ist es im Original ja so. Und vielleicht kann das Sundance-Festival uns erklären, weshalb es diesen Film gefördert hat, was an dieser B-Übung mit B-Cast, an dieser beliebig erscheinenden Familienkonfusion, so interessant sein soll. Und der deutsche Verleih kann uns vielleicht nahe bringen, was er sich davon verspricht, diesen Film bei uns ins Kino zu bringen.

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Niederbayerisches Panoptikum.

Der reifer werdende Bodensatz einer solchen Kinoreihe ist sicher die Stabiliserung der Typen, vielleicht wie in der Commedia-del-Arte. Hier habe Schauspieler immer wieder die gleichen Rollen gespielt (den Reichen, den Dünnen, den Dicken, den Gierigen, den Durchtriebenen undsofort) und dadurch bühnenwirksame Charaktere herausgearbeitet, in denen das Volk sich wiedererkennen kann.

So ist es auch in den Falkkrimis mit Kommissar Eberhofer (Sebstian Bezzel), einem Mann, der in lauter Widersprüchen gefangen ist, zwischen Mannsein und Kindsein, zwischen Dorfpolizistenallmacht und Dorfpolizistenohnmacht, zwischen Kompetenzüberschreitung und Kompetenzunlust und hier im x. Eberhoferkirmi zwischen Wurst- und Leberkäslust und den Anforderungen einer gesunden, vegetarischen bis veganen Ernährung und dem Heilfasten.

Eberhofer wohnt noch bei seinem Papa, dem wunderbaren Alt-Hippie Eisi Gulp und der Oma (Enzi Fuchs). Steckt aber immer auch im Spannungsfeld zu Susi (Lisa Maria Pothoff), seiner Ex-Geliebten und Mutter seines Söhnchens Paul.

Weitere Spannungsfelder werden abgesteckt durch seinen Bruder (Gerhard Wittmann), der in der Politik ist und seinen Freund und Kumpel und Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz).

Während mir der letzte Film der Reihe, Sauerkrautkoma, rundum gelungen vorkam, eine Kür sozusagen durch die grundlegende Sicht auf das Leben im Vergleich zum maßlos überdimensionierten Kreisel vor Niederkaltenkirchen als Symbol von ewigem Kreislauf und ewigem Gleichlauf, kommt mir dieser Fall eher wie eine Pflichtübung vor, nicht ganz aus einem Guss, eher als eine Aneinanderreihung von Sketchen mit dem bewährten Ensemble und sicheren Jokes über Essen und Rassismus, Liebe und Vaterpflichten.

Eva Mattes als Gast will zeigen, dass auch in einer Niederbayerin eine große Dramödin schlummert, das lässt sich nicht so nahtlos in eine Ensembleleistung integrieren. Wobei der Kriminalfall, um den es geht, auch eher durchwirkt erzählt wird.

Der Hof der Moosholzer-Bäuerin (Eva Mattes) brennt ab. Es findet sich eine stark verkohlte Frauenleiche. Da im Hof auch ein Zuwanderer aus Afrika lebt, wird das Immigrationsthema virulent. Er ist der Star des örtlichen Fußballclubs und es kommt nicht gut, wenn er statt auf dem Spielfeld aufzulaufen im Gefängnis sitzt unter falschem Verdacht.

Die verkohlte Frauenleiche führt ferner zum Thema Investitionen und Hotelneubau in Niederkaltenkirchen (inklusive Demo dagegen) sowie zu einem feinen Schwulenpaar, also auch noch die Genderthematik.

Dem Eberhofer wird anfangs des Filmes aufgegeben, endlich erwachsen zu werden, worum er sich aber nicht gerade bemüht. Die Story streift viele Themen lediglich randständig und auch das dürfte ein Grund sein, warum der Film eher wie eine Sketchaneinanderreihung mit bekanntem Personal auf vertrautem Witzgelände wirkt mit Ausrutschern in nicht ganz so Vertrautes: Joke mit Pathologie, Baby plus Übelkeit wegen Wurst.

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