Archiv für die Kategorie: “Review”

Auch diese weiteren Folgen beweisen: es fehlt der vorgeblichen Satire jeglicher Biss; so lustig die mit dem Bildmaterial und Bildschirmwänden spielen (das kann inzwischen jeder Schüler). Für ein zwangsfinanziertes öffentlich-rechtliches Fernsehen ist das nicht reif genug, für ein Fernsehen, was einen demokratischen Grundauftrag hat und wofür Zwangsgebühren (inzwischen auch brutal) eingetrieben werden.

Schmierentheater.

Da kann man als Zwangsgebührenzahler grantig werden, für so oberflächlich-billiges Zeugs bezahlen zu müssen mit einem derart unterentwickelten Menschenbild. Das ist dem Zwangsgebührenzahler gegenüber, der sich die Zwangsgebühr von einem kleinen Budget absparen muss, in keiner Weise zu rechtfertigen.

Da die Macher nicht ernsthaft kritisch sind, sondern es bei gut gemeintem Theater für den Firmen-Unterhaltungsabend belassen, verarschen sie mit diesem Dokument des Unernstes und der Oberflächlichkeit ihren Auftraggeber. Und den Zuschauer dazu.

Starkes Votum für die Abschaffung der Zwangsgebühr!

Comments Kein Kommentar »

Sterilisierte Liebe.

Erste Liebe, große Liebe, Entjungferung, das Spiel mit der Liebe, das ist ewiges Thema vielleicht mehr noch aus Frauensicht, da Gefühle für Frauen, wie es heißt, leichter verhandelbar seien als für Männer.

Anna Todd hat zu diesem Liebesthema einen Roman geschrieben, der ein Weltbestseller geworden sei. Susan McMartin hat dazu ein Drehbuch verfassst und Jenny Gage hat es verfilmt. Sie hat sich für eine schnulzige Erzählart entschieden. Sie interessiert sich weniger für die Charaktere und ihre Konflikte. Solche haben auch wenig Auftrittschancen bei diesen ebenmäßigen und stark auf makellos geschminkten Gesichtern.

Jenny Gage interessiert sich für den Weg der Gefühle von Tessa (Josephine Langford). Sie ist unerfahren, rein, liebeshungrig. Sie kleidet sich wie die Unschuld vom Lande, züchtige Blusen, langer blauer Rock, ja nichts Erotisches betonen. Das ist zwar wenig plausibel im Hinblick auf ihre noch stärker auf jugendlich hergerichteten, städtischen Mittelklassmutter Carol (Selma Blair). Was soll’s. Es geht der Regisseurin um Gefühle.

Es geht darum, dass Tessa, nachdem sie der wachsamen Obhut ihrer Mutter ins College entronnen ist, auf dem Campus auf den erstbesten Studenten, Hardin (Hero Fiennes Tiffin), hereinfällt und sich total verliebt. Hardin allerdings betreibt das Spiel nur als eine Wette unter Freunden. Wie es Hardin auch erwischt, ist es zu spät.

Tessa kommt hinter das falsch eingefädelte Spiel mit der Liebe. Das setzt Tränen. Aber es geht hier nicht um ein Drama, um Tiefe, sie unternimmt keinen Selbstmordversuch, das würde zur Schnulze nicht passen.

Tessa kehrt reumütig zurück in Mutters Schoß und zum verlassenen, platonischen Jugendfreund Noah (Dylan Arnold).

Hardin dagegen ist nachdenklich geworden an seinem Lieblingsplatz. Er klärt die Sache künstlerisch. Und so fanden sie sich und wurden glücklich und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie heute noch.

Die Zielgruppe von Teenie-Girls in ähnlichen Situationen, dürfte ihren Emotionsnerv getroffen sehen und mitfühlen, sie brauchen ja, wie kleine Kinder, für ihr Thema nicht mehr als eine Art Kasperltheater, Anfängermenschentum, Menschen als Positionsvertreter oder Gefühlsaufhänger.

Die Liebe selbst wirkt steril praktiziert: kein Schweiß, kein Geschnaufe, kein Kraftakt, kein Schmerz, keine Geschlechsteile, kein Blut, keine Sekrete. Der Zuschauergefühlswelt soll nichts Unangenehmes zugemutet werden, schon gar nicht die doch häufig eintretende Komik bei einer Entjungferung.

Die Schauspieler sind bestenfalls Symbole für gewisse Gefühlsinhalte und sollen diese bei den Zuschauern aktivieren. Die deutsche Synchronisation ist so sauber und steril wie der Film. Man könnte ihn sich vorstellen als ein Bonusprodukt beim Kauf einer Kosmetik-Linie eines Drogeriemarktes. Das Mitgefühl mit den Protagonisten soll noch erhöht werden durch die Mitteilung, dass beide das Auseinanderbrechen der Ehen der Eltern zu verkraften haben. Schluchz. Schluchz.

Comments Kein Kommentar »

Im Menschen steckt ein Monster. Damit muss er sich beschäftigen, solange er monströse Taten vollbringt, ob er Flüchtlinge im Mittelmeer ertrinken lässt oder mit Drohnen präventiv Menschen tötet oder als Individuum Massacker anrichtet. Insofern steckt im Monsterfilm ein Körnchen Wahrheit. Wobei das Genre sich gerne verselbständigt und keinen moralischen Anspruch vertritt.

Hellboy (David Harbour) ist ein recht menschliches Monster mit markantem Gesicht und zwei Monsterbeulen wie Stempeln auf der Stirn, schräger Mund, markiges Kinn, sich Raum schaffenden Backenknochen und leicht wässrigen Augen. Unehrlichkeit traut man ihm nicht zu, Verschlagenheit auch nicht, Überinntellektualität ebenso wenig: in einem Buch, das er zur Recherche über den Verbleib der Hexe und Blutkönigin Nimue (Milla Jovovich) herbeiziehen soll, sind ihm zu viele Buchstaben.

Dem M11 ist es gelungen, Hellboy, den „Paranormal-Agenten“, auf seine Seite zu ziehen. Das ist das Verdienst von Professor Bruttenholm (Ian McShane), den Hellboy Dad nennt. Wie einsten James Bond wird er mit einem speziellen Köfferchen ausgestattet. Der Inhalt des Köfferchens ist bemerkenswert: ein Gewehr das mit Engelsknochen schießt und im Moment dieser Info auf seinen vordern Schwanz gerichtet ist, das muss spezifiziert werden, denn hinten hat Hellboy auch einen.

Hellboys Team besteht aus dem Asiaten Ben Daimio (Daniel Dae Kim, hier als Narbengesicht) und Alice (Sasha Lane), mit der ihn eine eigene Geschichte verbindet, die mit dem Gegenmonster Gruagach zu tun hat.

Das ist die Mannschaft, die antritt, um den Film zu füllen als spassig-flachsendes Planschbecken für das Monstergenre angereichert mit knackig-knappen, flappsigen Sprüchen. Neil Marshall für die Regie nach dem Drehbuch von Adnrew Cosby nach den Comics von Mike Mignola. Die Monster wirken sehr physisch, weniger computeranimiert, eher so, als seien sie aus Pappmaché, das verleiht ihn haptische Geisterbahnqualitäten und dem damit verbundenen Fun. Wenn sie Hellboy gegen drei von ihnen auf einer richtigen Wiese kämpft, erhöht das diesen Realeindruck.

Als Vorspann wird die Vorgeschichte von King Artus, dem Schwert des Excalibur und der Zerstückelung der Hexe und Verteilung der Fragmente auf eine Unmenge Kästchen, die separat verscharrt werden, in zitatepischem Schwarz-Weiß gezeigt.

Die deutsche Synchro kann sich hören lassen.

Sprüche und Wortwitze: Ich kann kaum erwarten, dass Du Monsterscheiße riechst. Schicksal ist nur ein dummes Wort für Zufall. Hellboy, nimm die Füße von Churchills Tisch (wenn das nicht ein Hinweis auf die reale Menschenwelt ist!). Artus ist heute eine richtig popkulturelle Nummer.

Die Bilderwelt stellt sich als grell und lustvoll plakativ dar. Momentweise erinnern die Monster auch an eine verstaubte anthropologische Sammlungen mit ausgestopften Menschen und Menschenaffen in Glaskästen. Gruselig: der Kuss der Ganeida (?) mit den Haaren auf der Zunge und dem vielen Schleim. Monsterulk, Monsterspaß.

Comments Kein Kommentar »

Prep-School für Megahelden.

Dieses Hollywood Bluckbuster-Animations-Industrieprodukt kann vielleicht gesehen werden als Vorbereitung der kleinen Kinder auf die Superheldenwerke der Erwachsenen. Denn was die kleine Heldin June alles zustande bringt, da reicht sie noch jedem Superhelden, jeder Superheldin das Wasser, allein bei der Wahnsinnsfahrt des Bären auf der Mega-Mega-Achter-Looping-Bahn. Und das ist nur so eine Kleinigkeit.

Oder wie sie plötzlich als Mensch wie in den Transformern einen Riesenroboter, der aussieht wie ein Insekt, mit ihren Arm und Beinbewegungn zu dirigieren weiß, das nötigt schon Respekt ab.

Immerhin ist die Story im Familienalltag geerdet. June ist ein Mädchen, stereotpy animiert mit einer merklichen Anleihe bei japanischen Animeefiguren. Sie lebt bei Papa und Mama. Sie baut sich ihr Wunderland, die ganze Wohnung ist ein einziger Vergnügunspark.

Mutter ist jedoch krank und muss sich für einige Zeit aus der Familie verabschieden. Derweil schießen die Vergnügunspark-Ideen von June ins Kraut.

Ihre Abenteuerbegleiter sind ein blauer Bär, ein Igel, ein Eber, zwei Murmeltierchen, in Ausformungen und mit Pelzen, wie sie die Industrieproduktion eben erfindet, mir immer den Eindruck hinterlassend, es handle sich um Badezimmer-Frottee- und Fliesenästhetik.

Diese Gruppe, die auf deutsch nicht besonders überzeugend nachgesprochen wird, muss den Park gegen die dunkle Welt, wie es symbolistisch heißt, retten. Diese verfügt über Armeen wie Ameisen in Form von Minifiguren wie die Minons. Ein Affe hat den Zauberstab.

Man könnte den Film auch sehen als ein irrer Zauberkugeleffekt, in dem alles drunter und drüber geht, wobei an Stilen und Genres und auch bei der Süßwaren- und Buntballonindustrie von überall her sich bedient wurde.

Ein Riesenuhrwerk muss auch noch repariert werden. Ob die Kinder das alles verdauen und aufnehmen können und nicht eingeschüchtert werden?

Comments Kein Kommentar »

Der unterhaltsame Christo.

Wohlverstanden, das mit dem ‚unterhaltsam‘, dies ist eine Dokumentation von Andrey Paounov und der hat den Christo so eingefangen, wie er sich gibt, wie er vielleicht tatsächlich ist: auf jeden Fall unterhaltsames Futter für die Kamera. Es ist unterhaltsam, wie er die diversen Lebenssituationen bewältigt: direkt, laut, aufgeregt, schimpfend. So gibt es viel Amüsement in diesem Film, einiges zum Schmunzeln und zum Lachen.

Wobei der Titel vorgibt, sich mit dem Projekt „Walking on Water“ oder The Floating Pears zu beschäftigen. Der Film interessiert sich aber nicht, so wie Carlos Saura in seinem Renzo Piano Film (Renzo Piano – Architekt des Lichts) über den Schritt-für-Schritt-Fortschritt des Projektes Santander von den ersten Gesprächen über die Planung bis hin zur Realisierung und zwischendrin Gespräche über Kunst und Inspiration.

Paounov sieht das lockerer, wohl selber als Unterhaltungstrip, war ab und an dabei. Man erfährt immerhin, dass Christo sich mit seiner Lebensgefährtin schon seit 1970 mit dem Projekt beschäftigt habe. Damals war noch Argentinien im Gespräch.

Es ist vor allem die Unsachlichkeit, die heitere Unsachlichkeit, die diesen Film auszeichnet. Wie Christo mit den Tücken des Computers kämpft und sehr laut werden kann bei einer Videokonferenz mit den Herstellern des Kataloges zum Projekt (26 x 26 cm). Es gibt Beifang aus den Schweizer Alpen, wo er friert, bevor er zum italienischen See runterfährt.

Es gibt Beifang aus dem Vatikan, wo Christo Michelangelo bewundert, Beifang aus einer Gemeinderatssitzung in Brescia, bei der er vor allem schläft und das unverständliche, italienische Stimmengewirr in seinem Kopf auf der Tonspur zu hören ist. Der Dokumentarist beliebt zu scherzen.

Es gibt lautstarke Auseinandersetzungen mit seinem Hofmarschall Vladimir vor Ort. Er schimpft über die italienischen Behörden, die den Besucher-Ansturm nicht in den Griff bekommen und droht, die 16-tägige Installation nach zwei Tagen abzubrechen.

Unterhaltsam ist ebenso, wie er auf gesellschaftlichen Veranstaltungen wichtige Leute, Mäzene, Sammler gnadenlos kurz abfertigt und wieder stehenlässt.

Zum Helikopterflug über die Installation am letzten Tag muss er inständig überredet werden.

Am Schluss packt er seinen Koffer in einer Luxussuite seines Hotels und verklebt das verbeulte Aluteil mit sorgfältig präpariertem Klebeband – wetterfest.

Kabarettreif ist auch der Auftritt eines italienischen Funktionärs, der im Showroom von Christo ein Bild aus einer begrenzten Anzahl von Fotografien des Projektes (Preise zwischen wenigen Hundert und 2 Millionen Euro) erstehen will. Dass die mit jedem Tag teurer werden, gibt ihm zu schaffen. Nach mobilen Rücksprachen hält er glücklich das kleinste Bild in Händen, einen echten Christo.

Comments Kein Kommentar »

Humanismus und Gewürm.

Dieser Film von Ali Abbasi nach dem Buch „Gräns“ von John Ajvide Lindquist ist ein individuell grotesker Tanz auf Messers Schneide zwischen Humanismus und Zombitum, zwischen modernem Travelmenschen (und insofern Grenzenüberschreiter) und Gewürm und dahinter wartet rousseausche Natur, moosbewachsener Waldboden, Bäume, Elch und Fuchs, Waldsee an Wasserfall, Idylle mit zwei lustvoll nackt Badenden.

Es sind die zwei chromosomenveränderten Protagonisten Tina (Eva Melander) und Vore (Eero Milonoff). Sie lernen sich über die Tätigkeit von Tina als Schnüfflerin vom Zoll (Tull) kennen.

Sie hat eine Begabung, die möglicherweise noch seltener ist als die eines Superrecognisers, sie kann mit hoher Sicherheit Schmuggler und Verbrecher, die mit der Fähre nach Schweden kommen, erschnüffeln. Die Maske trägt das ihre dazu bei, sie zu einer Art fremdem Wesen zu machen, hinzu kommen ihre Augen, die in die Ferne schauen, ihre Oberlippen, die leichte Schnüffelbewegungen machen.

Bei einem Anzugtypen erkennt sie, dass er verbotenes Datenmaterial im Handy versteckt hat. Weil es sich um das sensible Thema Kinderpornographie handelt, wird sie auch zur Observation des mutmaßlichen Verbrechers eingesetzt.

Vore dagegen ist ein zottelhaariger Typ, hat gewisse Ähnlichkeiten mit Tina. Er fällt ihr auf, aber sie wird nicht fündig, in seiner Blechdose hat er Würmer, da er sich fürs Getier interessiert und es brüten lassen will, es ist ein Larvenbrutapparat (auch der könnte eventuell symbolisch für das Thema des Filmes gesehen werden, wo fängt der Mensch, wo die Brut an).

Sie begegnen sich wieder und es entwickelt sich eine rätselhafte Beziehung, die vieles an den Tag bringt, was man so auf Anhieb nicht vermuten würde.

Tina geht gerne in die freie Natur. Sie lebt mit Roland (Jörgen Thorsson) zusammen; der interessiert sich für Hunde, aber ihr Vater hält ihn für einen Schmarotzer. Die Entwicklungen werden dazu führen, dass sie Roland rausschmeißt.

Auch Vater hat ein Geheimnis über sie, das existentiell ist und von dem sie nicht mal ahnt, dass es existiert.

Das Kreatürliche nimmt immer mehr überhand, der Film wandelt sich zusehends zum skandinavischen Zombiefilm und immer lauert die Frage nach der Würde des Menschen, wo fängt der Mensch an, wo ist er Gewürm.

Abbasdi treibt seine Fragestellung ins Extreme, in extreme Abgründe menschlichen Handelns. Sowohl ein „hiisit“ als auch der Wechselbalg spielen dabei eine Rolle.

Comments Kein Kommentar »

Schöne Fotografie.

Dafür ist das Thema dieses Dokumentarfilmes von David Dietl ergiebig: er porträtiert drei Türsteher aus dem Berliner Nachtleben. Sie heißen Frank, Smiley und Sven. Letzterer ist auch Fotograf, was die Fotographie-Schlagseite des Filmes noch verstärkt.

Dietls dokumentarischer Ansatz ist dreiteilig: nett zu den Protagonisten sein, Mäuschen bei ihren Aktivitäten spielen und ihnen eine Bühne zur Selbstdarstellung bieten, das heißt: sie reden viel und gern über sich selber, ob Selbsterkenntnisse oder Selbsteinbildungen, das zu beurteilen, bleibt dem Zuschauer überlassen.

Die so gewonnene Ausbeute an Filmmaterial montiert Dietl in zeitgeistnaher (das meint: nie auf eine einzige Sache sich konzentrieren zu trauen) Verzopfmanier, wobei der Strang mit dem Fotografen Übergewicht hat.

Diese nicht besonders ambitionierte dokumentarische Ansatz ergibt allerdings noch keine kinematographisch-dokumentarische Story, ermüdet selbst bei der spannendsten Figur. Das dürfte Dietl auch bewusst gewesen sein, weshalb er später im Film noch Ausflüge oder gar Reisen mit seinen Protagonisten in ihre Heimatorte unternimmt. Auch hier bleibt er respektvoll nett, so dass diese Extempores von auswärts nicht ausreichen, um das Ruder der verlorenen Spannung herumzureißen.

Damit dürfte allerdings der Interessentenkreis an Publikum deutlich auf die Protagonisten und deren Umfeld eingegrenzt sein. Sowieso in München, wo ein Regisseur gleichen Familiennamens durch gnadenlos scharfe Beobachtung der Society in seinen Spielfilmen es zu Kultstatus gebracht hat.

Schönes Zitat eines der Türsteher: er sehe sich als Exzessbetreuer und fühle sich verantwortlich, dass die Leute einen schönen Abend haben, dass sie ihn so haben können, wie sie wollen. Derselbe Türsteher hat jedoch Alpträume, dass er nach seinem Tod in einer Zwischenhölle wie bei Hiernoymus Bosch landet und ständig nur hört: „Nee, Du nicht“.

Comments Kein Kommentar »

Pädagogisches Kino.

Mark Schlichter ist ein Fernsehregisseur, der in seiner Vita bei IMDb etwa ein Dutzend Fernsehspiele stehen hat und als Regisseur für diverse Episoden von Fernsehserien firmiert.

Jetzt taucht Schlichter im Kino auf mit einer Geschichte nach Motiven der Buchreihe ‚Alfons Zitterbacke – Geschichten eines Pechvogels‘ von Gerhard Holtz-Baumert. Beim Drehbuch haben Anja Flade-Kruse und John Chambers mitgearbeitet.

Herausgekommen ist ein pädagogisch hochkorrektes Kino. Kinder ohne Abgründe, Familien, die von der Theorie her im Zwist, vom Spiel her aber friedlich leben. Die Mutter wohnt im Haus (Alexandra Maria Lara), der Vater (Devid Striesow, dem man die öde Fernsehroutine leider von Mal zu Mal mehr ansieht) schläft im Zelt im Garten.

Sohnemann Alfons (Tilman Döbler, ein fernsehdressierter Jungdarsteller) träumt von der Raumfahrt (diese Szenen, die sind wunderbar einfach und fantasievoll ausgestattet). Sein Zimmer ist voll mit Flugzeugen, Raketen und Raumstationen. Sein Freund ist Benny (der rotlockige Leopold Ferdinand Schill, bei dem nie so richtig klar ist, ob es Teil der Rolle ist, dass er manche Wörter so komisch ausspricht). Der ist nicht zuverlässig.

Alfons‘ Gegner ist Nico (Ron Antony Renzenbrink mit dem Ruhmapplomb der „Wilden Kerle“ und der „Fünf Freunde im Tal der Dinosaurier“). Es gibt komische Szenen im Schwimmbad, die krampfig inszeniert sind, wie Vater und Sohn Zitterbacke auf dem Sprungbrett stehen und ein größerer Mann bedrohlich auf sie zugeht.

Es gibt einen Wettbewerb zum Thema Raumfahrt. Die Schüler sollen Erfindungen präsentieren. Weil es auf der Schule nicht hinhaut mit Alfons, ist erst mal nicht klar, ob er überhaupt teilnehmen darf, das jedenfalls wollen Erwachsenenschauspieler ihm klar machen.

Interessanterweise nimmt Alfons die Zeichnungen für seinen Wettbewerbsbeitrag mit ins Schwimmbad, lässt sie offen rumliegen, so dass es für Gegner Nico und Konsorten ein Leichtes wird, diese zu klauen. Das hat weiter keine Folgen für die Filmhandlung. In diesem Film darf ungeahndet geklaut werden.

Alfons entwickelt einfach ein neues Modell. Seine Mutter arbeitet im Baumarkt, weil der für eine Detektiv-Story herhalten muss, denn Nico hat eine Knallcharge von reichem Großvater, der im Baumarkt eine ganze Drohne kaufen will. … Ach, das ist alles so schlecht erzählt, so umständlich, so herz- und humorlos. Als ob es für alle Beteiligten ein lästige Schulaufgabe gewesen sei, diese politisch hochkorrekte Kino herzustellen und dann die schönen Gagen zu zählen, die der öffentlich-rechtliche Rundfunk ihnen dafür hinblättert (MDR und ARD).

Bei so viel abtörnender Korrektheit können auch die Filmförderer, obwohl vor allem Fernsehleute mitmachen, nicht Nein sagen: Mitteldeutsche Medienförderung, die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, das Kuratorium Junger Deutscher Film, der Deutsche FilmFörderFonds, die Filmförderungsanstalt.

Ein deutscher Weltraumfahrer mit PR-Inkontinenz, der sich ungebeten überall zum sich aufdrängenden Promi macht, wird mehrfach erwähnt, kommt als heutiger Held ins Bild und skypt aus dem Weltraum.

Oh kleine, kleine Weltraumwelt, die hier ihren Auftritt hat. Und welchen Anlauf Aprilscherze brauchen. Oder will uns der Film Einblick in das kränkelnde Hirn eines Pädagogen geben? Frag nach beim Sigmund Jähn Gymnasium. Und nach etwa einer Filmstunde gibt es einen Hinweis auf den Drehort, Autokennzeichen HAL (Stadt Halle Saale).

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Comments Kein Kommentar »

Der BR preist diese Miniserie von Georg Büttel, der mit Jochen Müller auch die Regie übernommen hat, als „Mystery Mediensatire“ an. Da kann sich jeder denken, was er will. Am besten das Teil anschauen und konkludieren: „Mystery-Mediensatire“, das ist, wenn vorgeblich der eigene Arbeitgeber, also der BR, satirisch auseinandergenommen werden soll, aber so, dass es keinswegs weh tut, so dass ganz klar wird, es ist nicht nach dem Leben, keiner nimmt das richtig ernst; vielmehr belustigt sich ein Serienteam selbst.

Wir zeigen, dass wir spielen – und nicht mal besonders gut, weil das Drehbuch nie und nimmer profund gearbeitet ist. „Mystery-Mediensatire“ will heiß, wir machen hier so einen auf gefällig-affiges Schülertheater und gehen mit den Bild- und Studiospielereien leger um.

Es soll nach dem Prinzip Ein Inspektor kommt Licht in die windigen Verhältnisse bei der BR-Produktion „Dahoam is dahoam“ geworfen werden oder auch das Prinzip von Heinrich von Kleists Der zerbrochene Krug wird ungelenk paraphrasiert. Bei diesem bringt Gerichtsrat Walter das Provinzgericht und seine Machenschaften durcheinander.

In der „Akte Lansing“ soll Dr. Dr. Georg Spieß (Stefan Murr, dessen Naturell dem Blasiert-Steifen nahe zu kommen scheint) bei der Serienproduktion Sparpotential erforschen. Statt den Requisiten-Leberkäs wegzuwerfen, fressen die ihn selber. Allerdings passiert das hier merklich mit dem augenzwinkernden Subtext, so ist es eben im Theater und nicht im Leben.

Kritisch sind wir schon gar nicht. Spannend wäre womöglich, das Entstehen dieser Serie unter den redaktionellen Auspizien der Zwangsgebührentreuhänder August Pflugfelder, Thomas Müller, Daniele Boehm, Friederike Galley als ein Tatsachenbericht zu recherchieren. Wer mit wem auf wessen Kosten wo zusammensitzt, bis die Idee gesponnen ist und wer dann mit wem zusammensitzt, bis Finanzierung und Cast stehen, bis klar ist, wer von diesem Teil des Zwangsgebührenkuchens wieviel abbekommt.

So eine Recherche könnte hoch spannend sein oder auch eine, wie kopflos der BR beim Sparen wirklich vorgeht oder was für merkwürdige Folgen ein Durchforsten des Betriebes durch Management-Berater (McKinsey oder wen auch immer) hat.

Den Zwangsgebührenzahler selbst dürfte das hier gebotene, pseudokritische Produkt wenig interessieren. So deppert ist weder er noch die Wirklichkeit. Beispiel: der Inspektor läuft eine Ewigkeit im Morgenmantel und mit einem wenig plausiblen Kopfverband im Set herum, wie um zu zeigen, was für ein Depp er ist. Und er spielt es nicht so eindeutig, dass klar würde, es ist eine Schusseligkeit des Tpyen, womit er Rollenprofil zulegen könnte – was zum blasierten – also gerade nicht schusseligen – Ansatz sowieso nicht passt.

„Mystery Mediensatire“ heißt offenbar: schlechtes Theater, schlecht gearbeitete Story, keine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Institution, kein Ernstnehmen der Situationen, billige Selbstbelustigung. Das sollen die beim Betriebsfest machen, da passt es.

Aber es ist nicht reif genug, um in einem zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk gezeigt zu werden, erst recht nicht in einem, der dauernd jammert, es habe zu wenig Geld, um seine Qualität aufrechtzuerhalten: solche Qualität gehört in den Mülleimer und spart somit Kosten.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Comments Kein Kommentar »

Man soll die Toten ruhen lassen.

Die Familie von Louis Creed (Jason Clake, Amy Seimetz als seine Frau Rachel, Jeté Laurence als Ellie, und Hugo Lavoi als der kleins Gage) zieht von Boston nach Main in ein Waldgebiet. Zur Familie gehört auch Kater Church.

Es gibt Traumata in der Familie, Rachel kann mit dem frühen Tod ihrer kleinen Schwester keinen Frieden finden und in Maine erlebt Louis einen Unfallverletzten, der furchtbar zugerichtet ist, den Studenten Victor Pascow (Obssa Ahmed).

Das Haus der Creeds ist außerhalb der Ortschaft Ludlow gelegen am Rande eines weitläufigen Waldgebietes. Ab und an rasen in unverwantwortlich hohem Tempo Lastwagen vielleicht 20 Meter vor den Häusern entfernt über die Landstraße. Der erste, den es erwischt, ist Kater Church. Gut, dass es im Wald einen Tierfriedhof gibt, wunderbar falsch auf Englisch geschrieben, irgendwie „Semetary“ oder so.

Entscheidend für die Aneignung von Wissen über Ludlow, den Wald und den Tierfriedhof ist Nachbar Jud (John Lithgow), ein älterer Herr, der inzwischen allein lebt. Über ihn erfährt Louis, dass es hinter dem Tierfriedhof einen alten Begräbnisplatz von Indianern gibt. Da ruhen ganz andere Geheimnisse, die das Horrorgenre, um das es hier geht, reichlich füttern werden.

Aber wozu sich noch nacherzählerisch betätigen. Der Friedhof der Kuscheltiere von Stephen King ist 1983 erschienen und hat eingeschlagen wie ein Bombe, ein Welterfolg. Der ist sozusagen Kulturgut. Die Verfilmung ließ bis 1989 warten und auch die dürfte vielen, auch später Geborenen, bekannt sein.

Die Regisseure Kevin Kölsch und Dennis Widmyer haben für ihre neue Verfilmung das Drehbuch von Matt Greenberg und Jeff Buhler nach dem Roman von Stephen King zur Vorlage gehabt. Sie dürften sich sehr genau daran gehalten haben. Sie haben eine erstklassige Verfilmung zustande gebracht. Sie sind sozusagen erstklassig konventionell geblieben. Sie haben gar nicht erst den Versuch einer Neuinterpretation, einer aktuellen Interpretation unternommen. Vielmehr scheint ihr Film von Respekt durchdrungen vor den großen Vorbildern, dem berühmten Erfolgsroman und der berühmten Verfilmung.

Diese Filmemacher wollten womöglich nichts falsch machen. Sie haben alles richtig gemacht, die Stimmungen, die Sprachregie, die Lautstärke der Sprache, die Horroreffekte, die Schauspielerauswahl- und führung, Ausstattung, Lichtsetzungen, Tonspur, Schnitt, alles erstklassig und handwerklich gekonnt – aber wir leben nicht mehr in 1989, das ist vielleicht das Manko – von uns aus gesehen ist 1989 doch eine recht übersichtliche und beschauliche Zeit, außer dem Fall der Mauer, der vieles in Bewegung setzte, woran wir heute noch knabbern. Aber da hat es den Friedhof der Kuscheltiere schon gegeben. Der stammt noch aus der Zeit des Kalten Krieges. Und das ist vielleicht das Problem mit dieser allzu ordentlichen Neuverfilmung.

Comments Kein Kommentar »