Schildkröte Greta
ist vielleicht das schönste Symbol für die Protganistin Helga Stuckenberger, Busunternehmerin in Niederbayern, die zwar noch keine 100 Jahre alt ist wie ihre Schildkröte, die schon ihre Mutter hatte, die aber mit 85 noch Schulbusse fährt oder inklusive Busreisen anbietet, also für Rollstühle geeignet, Pilgerreisen oder auch Hochseefischereireisen nach Skandinavien; die offenbar wie geschützt unter einem Panzer ihre Seele heil durch ein Leben gepflastert mit heftigen Widrigkeiten gebracht hat.
Keine Bange, dieser Lebenslinienbeitrag von Birgit Eckelt unter den redaktionellen Auspizien von Christina von Hahn ist weit entfernt vom leicht entstehenden Ruch billiger PR-Attitüde dieser Art von Lebenslinien (Zuletzt die Triathlon-Geschichte). Dieser Beitrag wird überstrahlt von der Persönlichkeit der Protagonistin; da fällt das inzwischen etwas sklerotische Gerüst des Formats gar nicht so auf. Allein wie sie in schönstem, gewordenem Niederbayerisch erzählt.
Und mehr noch: welche hochaktuellen Themenkomplexe ihr Leben bietet. Sie ist zur Hälfte Immigrantenkind, das Ur-Thema-Mutter-Tochter-Konflikt kommt in aller Härte, das Thema der Frau in Berufen, die lange Zeit Männern vorbehalten waren, die Vereinbarkeit von Beruf und Mutterschaft, Themen Pflege und Demenz, die Entscheidung über passive Sterbehilfe, der Umgang mit einem nicht selbst verschuldeten tödlichen Verkehrsunfall und dann auch noch der Verlust eines Kindes, alles wird abgedeckt. Sie ist ein Mensch, der zuerst versucht, die Dinge selbst zu erledigen, mit sich selbst zu klären. So werden die Lebenslinien zu einer kostbaren Begegnung mit einer Bayerin, die man so wohl nie kennengelernt hätte.
Eine Perle unter den Lebenslinien.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.
Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.