Die Krise des modernen Mannes
Elias (Vahid Behrozian) ist ein ausgewachsener Mann. Er hat gutes genetisches Material. Er ist haarig, erwachsen, fortpflanzungsfähig. Er möchte frei sein, wild sein wie ein Wildpferd.
Aber etwas stimmt nicht. Elias leidet unter Verstopfung. Unter extremer Verstopfung. Er ist Schauspieler und verheiratet mit Fereshteh (Mahtab Khoshmanesh). Die Frau möchte sich scheiden lassen, weil er ihr zu haarig ist. Das ist nur eine der grotesken Szenen in diesem experimentellen Porträt eines modernen Mannes von Vahid Vakilifar.
Dass Elias in Teheran lebt, also in einer Diktatur, wird mit dem Hinweis auf das Nashorn-Stück von Ionesco abgehandelt. Das absurde Theater im Kontext mit Diktatur dürfte ein Impulsgeber für den Film gewesen sein.
Es gibt eine Beziehungsszene, abstrakt, ein Paar, beide sind mit Seilen oder Schnüren am Rücken an einem Fixpunkt festgebunden, die dehnen sich, die Darsteller können sich ein Stück wegbewegen, aber nicht weiter. Freiheit, das wäre was. Freiheit in der Beziehung des modernen Mannes. Aber die Beziehung läuft nicht.
Auch das mit den Kindern hat nicht funktioniert. Zwei Abtreibungen hat seine Frau hinter sich. Als Schauspieler leben ist schwierig. Elias verdient sich ein Geld als „Nanny“; er unterhält ein Kind, während die Mutter arbeitet. Er sitzt in einem tierischen Stoffkostüm. Aber es gibt es auch hier Probleme, er würde den Kindern Angst machen.
Bei einem Ausflug in einen Tierpark, in dem lauter übergroße, mechanische Gorillas, Löwen, Dinos sind, wird Elias von einer Frau blöd angemacht, er würde sie anstarren. Er landet mit seinem Schützling bei der Polizei. Peinliche Befragung.
Es ist nicht leicht, ein potenter, moderner, fühlender Mann zu sein. Elias arbeitet auch als Samenspender für eine Klinik. Oft lässt Vahid Vakilifar seinen bärigen Protagonisten mit dem Vollbart und dem langen Haar, ganz unähnlich sieht er einem Propheten nicht, im inneren Monlog verharren. Oder aber versuchen, seinen Darm zu entleeren. Wenn das schon mal gelingt, so muss die Kostbarkeit in einem Plastikeimer gesammelt werden. Kann für eine Kunstaktion Verwendung finden. Das Leben als moderner Mann in einer Großstadt, speziell als kultureller Mann dazu, der auch Märchen erzählen kann, ist nicht leicht; nahezu unmöglich, kann zu gravierender und zu thematisierender Verstopfung führen.