Archiv der Kategorie: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Tatort: Ich sehe Dich (ARD, Sonntag, 14. September 2025, 20.15 Uhr)

Ein Tatort hat gemäß seiner Konstruktion 90 Minuten Zeit, anhand eines Kriminalfalles mit seriell feststehenden Ermittlern ein aktuelles soziales Problem Deutschlands, also der Region der Gebührenzahler, spannend und unterhaltsam zu präsentieren, wenn ich das Format richtig interpretiere. Da zählt jede Minute.

Dieser Tatort von Max Färberböck und Danny Rosness nach dem Drehbuch von Max Färberböck und Catharina Schuchmann unter redaktioneller Verantwortung von Claudia Luzius verplämpert die ersten 5 Minuten: ein Hammer, ein im Dunkeln von Unbekannt in nicht identifizierbarer Gegend geschleppter Leichensack, ein Kommissar (Fabian Hinrichs) nackt – zu sehen ist der Oberkörper – unter der Dusche, ein Schrei des Komissars aus dem Off, er scheint gestürzt zu sein, ein Anruf, er eilt das Treppenhaus hinunter, zwischendrin Nürnberg-Ausblick, im Treppenhaus gibt ein fetter Nachbar das fränkische Couleur vor, der den Kommissar wegen des Schreis zusammenscheißt.

Vorm Haus erwartet den Kommissar eine Tatortschauspielerin in ihrer Rolle, der Fall sei dringend, weshalb er in seiner Freizeit einspringen müsse. Dann Wald, ein Loch, eine Menge Komparsen tun so als ob sie täten, Diskussion über das tiefe Loch, weshalb dort gebuddelt wird und der Kommissar darf zur Nürnberger Stadtgeschichte beitragen, indem er darauf hinweist, dass aus diesen Steinen Nürnberg erbaut worden sei. Dazu Dunkelbilder, die Düsterstimmung erzeugen.

Der Zuschauer selbst bleibt im Dunklen. Warum soll er sich für eine solche Waldleiche, bei der nicht mal das Geschlecht bestimmbar ist, interessieren? Bis jetzt kein Hinweis zum Thema, das brisante soziale Thema, das zur Rechtfertigung der Tatortproduktion essentiell ist.

Fazit nach 5 Minuten: Zeitverschwendung, Gebührengeldverschwendung. Man hätte in der Zeit doch Interessantes erzählen können, sei es aus dem Milieu, sei es über die Denkweise im Täterumkreis, sei es über das wirtschaftlich-politische Umfeld, das möglicherweise die Tat, den Mord erklärbar macht.

Stattdessen wird der Schrei des Kommissars erklärt, so könnte der Titel der Folge auch lauten. Ein Chiropraktiker oder Arzt erklärt ihm, er habe einen AC-Gelenksprung. Folgerichtig wird im Kommissariat bei einer Aufklärungsrunde zum Leichenfund– auch da stehen wieder jede Menge Komparsen rum wie bestellt und nicht abgeholt – sein Gesundheitszustand thematisiert, ob er arbeitsfähig sei oder nicht. Das ist natürlich von Interesse für Deutschland.

Aha, der Tatort will vielleicht das Gesundheitssystem des Landes unter die Lupe nehmen, auf Risse und Schwachstellen hin untersuchen oder gar in diesem Bereich den Mörder finden? Wäre doch mal was. In diesen zweiten fünf Minuten wundert man sich, wieso der Dr. Kaiser (Stefan Merki) zweimal täglich informiert werden möchte, bei einer doch zwei Jahre alten, unbekannten Leiche. In dieser Runde wird auch Wanda (Eli Wasserscheid) namentlich erwähnt.

Es könnte aber auch sein, dass dieser Tatort sich mit Personalproblemen der Polizei beschäftigen möchte, denn es gibt Lücken im Besetzungstableau. Bei Minute 8.22 will der lahmende Film Fahrt aufnehmen mit plötzlichem Telefonklingeln, „Ja, Ja“, schwungvoller Musik, sich bewegender Kamera und dem Statement von Felix Voss, er bleibe am Ball.

Kostet alles Fernsehzeit, die Minute wohl ein paar mal zehntausend Euro Gebührengeld, das sollte man vielleicht nicht vergessen und deshalb etwas bedachter damit umgehen.

Ein Herr Manfred Kramer (wer die Besetzungsliste vor sich hat, weiß, dass das der Sigi Zimmerschied sein wird, der, als er noch nicht so gefragt war beim Fernsehen, mal eine ganz bösen Film über öffentlich-rechtliche Fernsehredakteure gemacht hat, ‚Schartl‘) wird jetzt als irrlichternde Personalie eingeführt und gleich angerufen. Seine Rolle wird nicht so recht klar und trägt zur Story nichts bei, wäre verzichtbar; viel Geld zu sparen.

Bis Minute zehn wissen wir immerhin, wer das Opfer ist, ein damals 37-jähriger Mann, der polizeilich bis auf eine Ordnungswidrigkeit im Straßenverkehr nie aufgefallen ist, dessen Mutter sich über 70 Mal nach dessen Verschwinden gemeldet hat.

Der Zuschauer tappt nach zehn Minuten weiter im Dunkeln, was uns dieser Tatort erzählen will, in welches gesellschaftliche Milieu er uns hineinführen, welches gesellschaftliche Milieu er uns näherbringen und eröffnen will.

Da nützt auch die plötzlich intensivierte, also aufgeregtere – unbegründet – Ermittlungsaktivität wenig. Man kann davon ausgehen, dass ein Drehbuch, das so anfängt und den Zuschauer so in der Luft hängen lässt, nichts taugt und also nicht wert ist, verfilmt zu werden. Aber vielleicht hält es Überraschungen bereit.

Zwischen Minuten 10 und 15 wird das anvisierte Milieu etwas präzisiert: kirchliches Milieu, eine Vikarin, Frau Schönfeld, taucht in den Akten auf. Die Befindlichkeit des Kommissars spielt weiter eine wichtige Rolle, „Also ein- und aussteigen, das schaff ich noch allein“ und stöhnt vernehmlich „das kann nicht wahr sein“.

In der folgenden, fürs Philosophische vorgemerkten Autofahrt, darf Sigi Zimmerschied alias Manfred Kramer, no difference, zum Besten geben, dass kurz vor dem Ruhestand zu sein, sei, wie Schwimmen ohne Wasser (haben die Autoren vielleicht aus einem Handbuch der gefälligen Füllsätzen). Sigi Zimmerschied hüstelt auf die Anweisung des Kommissars, dass man aus Rücksicht auf die Bewohner nie direkt vor dem Haus parken soll. So richtig klar wird seine Rolle nicht.

Dann macht der Kommissar mit dem behinderten Aussteigen aus dem Auto, wie man in Darstellerkreisen zu sagen pflegt, ein großes Fass auf und der Zuschauer erinnert sich, er soll ja eine verletzte Schulter spielen. Aber was ist nun das sozial relevante Thema dieses Tatorts? Auch der Tatort gibt sich einen Ruck und erinnert daran, dass er ja ein Krimi sei und lässt den Kommissar, ganz allein merkwürdiger Weise, aber wir sind ja hier nicht beim Dokumentarfilm, die Villa von Frau Schönfeld aufsuchen.

Die Garage ist offen, darin ein Wagen mit Nürnberger Nummer, die Haustür ist nur angelehnt und jetzt, Minute 15, betritt der Kommissar die Villa, ruft immer wieder seinen oder den Namen der Hausbesitzerin. Keine Regung.

Nach 15 Minuten ist somit eine neue, austauschbare, Spannungsfeder angezogen. Es sieht ganz darnach aus, als ob er gleich eine Leiche finden wird oder eine schwer verletzte Person. Vielleicht ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk jetzt nach einer Viertelstunde, da müssen schon Hunderttausende von Produktionsgeld ausgegeben worden sein, gnädig genug, dem Zuschauer endlich bekanntzugeben, worum es sich diesmal handelt.

15 von 90 Minuten, das ist immerhin ein Sechstel der Sendezeit. Ok, schauen wir weiter, gleich werden wir’s wissen. Die Musik deutet für den, dem es noch nicht schwant, Dräuendes an. Einen Menschen ganz allein ein offenbar leerstehendes Haus erkunden zu lassen, ist nun billigst verfügbares Mittel des Horrorgenres; wirkt wie aus Selbstzweck und mangels Stoffideen an den Haaren herbeigezogen. Das dauert über zweieinhalb Minuten bis er schließlich in einer Dunkelkammer gewesen ist, Fotos gesehen hat, da könnten Motive von sozialem Gewicht gewesen sein, gerade so erkennbar, und wie er aus der Dunkelkammer zurück die Treppe hochsteigt, steht die Hausherrin wie ein Gespenst vor ihm. Sind wir jetzt aus dem Krimi in das Gespenstergenre gewechselt?

Im Dialog mit der Frau wird das Kümmerelement in den Krimi eingeführt „Ihren Beruf möchte ich nicht so gerne haben“. Und dann die typische Frauenfrage „Wird man mit so etwas irgendwann mal glücklich?“.

Bis Minute 20 hat sich das Melodram in den TV-Krimi in einem vertraulichen Gespräch zwischen Kommissar und der Vikarin, die immer noch um ihren toten Sohn trauert, eingeschlichen; er versucht, zur Enttäuschten Vertrauen aufzubauen und verrät dem Zuschauer, was die Bilder im Keller darstellen: totales Elend (richtig, die Bilder hätten von Sebastiao Salgado stammen können). Aha, vielleicht nähert sich der Tatort jetzt seinem Thema: der Armut, dem Elend und von Menschen, die sich damit beschäftigen, sich auflehnen gegen Ungerechtigkeit auf der Welt, gegen Ausbeutung.

Fabian Hinrichs, nicht mehr eingebremst durch Counterpart und Persönlichkeit von Dagmar Manzel, kennt keine Grenzen mehr im schieren Zerfließen freundlichen Bettelns um Verständnis.

Bis zur ersten halben Stunde geht es weiter mit dem Spiel von Betroffenheit bei Aussagen von Zeugen, auch die Betroffenheit des Kommissars („Ich hab das alles gespürt“), als Kommentar zum Suizid der Mutter, die der Zuschauer zwischenzeitlich von der Decke hat hängen sehen.

Mit den gefundenen Fotos will der Film versuchen, das Interesse für den Ermordeten zu erwecken. War er ein Verklemmter, gar ein Triebtäter, ein Voyeur? Will der Film Verständnis für solche Menschen wecken, die kein Sexualleben haben, das gesellschaftlich akzeptiert ist? Will der Film Verständnis für stille Wasser wecken, für Intimitätsräuber, Triebtäter?

Gegen die Hälfte der Zeit kommt ein neuer Handlungsstrang hinzu, ein Paar, bei dem die Frau blind ist, er hat eine Verbrechervisage. Die wollen in Urlaub fahren, aber wegen Streiks wird der Flug verschoben. Parallel wird das Thema Blindheit bei den Ermittlern artikuliert. Also was jetzt?

Nach etwa einer Stunde löst der Film selber den Fall in Rückblenden. Was er nun wirklich schildern wollte oder was, wie man beim Märchen zu erwarten pflegt, die Moral der Geschichte ist, kann er bis zum Ende nicht klarmachen. Das Besetzungsgunstgewerbe dürfte auch hier wieder wettbewerbslos und nicht wettbwerbsoffen geblüht und zum Brei beigesteuert haben. Der Count-Down zieht sich, weil es nur noch darum zu gehen scheint, wenn man schon nichts zu erzählen hat, die 90 Minuten vollzubekommen.

Und am Schluss sind wir noch immer nicht schlau geworden, welche unserer Gehirnzellen dieser Tatort aktivieren wollte.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische, öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Check In – Marinas Räsel-Abenteuer (KiKa, Montag, 1. September 00.00 Uhr)

Viel Garnitur, wenig Substanz –
oberflächlich

Langweilig und kindisch wirkt diese Moderation für Kinder, die vermutlich nicht so kindisch sind und sich nicht so kumpaneihaft fühlen, wie sie von Marina unter der Regie von Amelie Cran und der Redaktion von Monika E. Schweiger präsentiert wird.

Es ist interessant, etwas über wenig populäre oder wenig verbreitete Sportarten zu erfahren und zu lernen. Aber könnte man das nicht spannender und fantasievoller darstellen? Muss so viel Smile-Anbiederung an ein nicht allzu hell postuliertes Publikum sein, so viel Fishing for Compliments, so viel Ablenkung vom Thema; soviel grimassierende Selbstkommentierung?

Warum soll sich der Zuschauer interessieren, ob eine Moderatorin bei einer in einer Stunde erlernten Rhönrad-Kür 3 von möglichen 10 Punkten macht, vor allem wenn dann noch aufgerundet wird, sie also die Prüfung gar nicht besteht und nachher so tut, als hätte sie es geschafft? Sollen die Kinder das Bescheißen lernen?

Man könnte das Rhönrad, die beiden Kinder, die das offenbar regelmäßig üben, sind wunderbare Beispiele, auch richtig ernsthaft vermitteln, wobei Ernsthaftigkeit Humor nicht ausschließt. Der fehlt hier sowieso. Dafür ist bei Selbstdarstellerin Marina kein Platz. Da kann sie sicher nichts dafür.

Aber muss die Redaktion das dem Publikum zumuten? Es wird zwar textlich erwähnt, dass so etwas vor allem üben, üben, üben heißt. Faktisch aber stellt die Sendung es so dar, als würde Marina das in wenigen Minuten erlernen. Das ist meines Erachtens grobe Täuschung des Publikums.

Der BR preist das Produkt als „eine spannende Mischung aus Wissensreportage und Gameshow“ an, dem können wir uns nicht anschließen, das ist vielleicht eine Selbttäuschung des BR. Und was es mit dem Roboter CheXomat auf sich hat, ok, vielleicht können Kinder damit was anfangen, da müssen wir passen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Love Again – Jedes Ende ist ein neuer Anfang (BR, Donnerstag, 7. August 2025, 22.45 Uhr)

„Du siehst nach vorn und bemerkst eine Tür. Du läufst hin zu dieser Tür, aber sie ist verschlossen. Du hast den Schlüssel, Du hast ihn immer gehabt. Du schließt die Tür auf … ein Lichtstrahl leuchtet auf Dich. Vielleicht ist nicht alles perfekt, aber das ist ok, Du bist genau da, wo Du sein musst, denn du wirst geliebt.“

Dieser kleine Monolog am Ende des Filmes ist die Quintessenz der rührend naiv-hübsch gezeichneten Daphne (Shailene Woodley). Die dürfte in etwa so banal sein, wie der deutsche Zusatz zum Filmtitel. Und so banal auf der einfachen Herz-Schmerz-Ebene mit hübschen Darstellern ist der Film von Drake Doremusk, der mit Jardine Libaire auch das Drehbuch geschrieben hat.

Der Film entwirft ein rührend-hilfloses Frauenbild, im Vergleich zum modernen Feminismus direkt naiv zu bezeichnen. Daphne ist unglücklich. Sie will keine Beziehungen mehr. Und auch keinen Alkohol mehr. Sie sucht einen Job im Galeriebereich in New York. Nach dem Ende der letzten Beziehung kann sie bei ihrer Schwester Billie (Lindsay Sloane) unterkommen.

Daphne hält die Askese genau dreißig Filmminuten durch. Denn sie lernt die beiden dicksten Freunde Jack (Jamie Dornan) und Frank (Sebastian Stan) kennen, beides glatte Männer, wie aus der Modezeitschrift, die behaupten, auf dem intellektuellen Feld tätig zu sein, der eine will ein Autor sein, der andere ein Professor. Tut nichts zur Sache. Es zählt nur, dass sie geile Böcke sind und nicht lange brauchen, das scheinbar reine Blümchen zu pflücken, mit ihr, auch wenn sie den BH anbehält, im Bett zu landen.

Daphne gibt sich treuherzig, – süß im Leiden -, sie wolle keinen Keil zwischen die beiden Freunde treiben. Und so darf keiner von ihren Erlebnissen mit dem anderen erfahren.

Irgenwann spielt ein Hund eine Rolle, der gehütet werden muss, der sich aber dann aus dem Film verliert. Und jetzt kommt, was das Thema nicht länger verbergen kann: eine Schwangerschaft. Von wem nur? Daphne geht damit herzlich-einfältig um mit der anfangs zitierten Schlussfolgerung.

Unverständlich ist, warum die Öffentlich-Rechtlichen, die unter Sparzwang leiden und die sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert werden, Geld für so einen Film ausgeben, der nicht nur inhaltlich belanglos bleibt, der durch die deutsche Synchro noch zusätzlich geglättet, austauschbar gemacht wird.

Die Wohlfühlwolke an Sound über dem Film dürfte um die Uhrzeit der Ausstrahlung herum, das Gros derjenigen, die überhaupt noch einschalten, zum sanften Wegdämmern bewegen. Zudem ist der Film sechs Jahre alt, er stammt von 2019.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Metrokosmos Wien (BR, Montag, 11. Juni 2025, 00.30 Uhr)

Eine kränkelnde Stimme erzählt was von Gedanken und Geschichten. Davon ist im Verlauf der Sendung nichts zu finden.

Moralpredigt eines Straßenmusikers für die Jahreskarte. Der bekommt fast 5 Minuten, so lange hält es in diesem Format keiner aus. Es folgt Geschwätz und der nervöse Bilderverhau. Wie gehabt.

Dann relativ ausführlich, wenn auch nicht entsprechend informativ, ein Rolltreppenmechaniker. Wenn man jemanden länger quasseln lässt, braucht man nicht so viele Leute anhauen. Probleme des Blinden, die verdienen sicher Aufmerksamkeit. Zum Thema Blinde gab es in München eine Diskussion, ob nicht die Schienentraße vom Bahnsteig mit einer Zwischenwand mit Türen getrennt werden soll, da immer wieder Menschen ins Schienenbett fallen, gerade Blinde. Aber so weit geht man bei Metroksomos nicht, das könnte ja ernsthaft werden.

Die Zuständigen für den Wiener Beitrag haben ein Herz für Straßenkünstler und Performer und gönnen ihn TV-Zeit. Ansonsten: konfus, konfus. Kann man ja alles mit einem U-Bahn-Rave plattmachen.

Vom BR werden hier gleich mehrere Folgen direkt hintereinander programmiert zu nachtschlafender Zeit, damit ja niemand schaut und reklamiert und sich über das rausgeschmissene Gebührengeld aufregt. Wer Schlafprobleme hat, sollte vielleicht lieber den Arzt oder Apotheker konsultieren, weder sich dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk anzuvertrauen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Metrokosmos Prag (BR, Montag, 11. Juni 2025, 00.05 Uhr)

Die Erwartung ist niedrig, da es sich schon bei der ersten Folge dieser Serie von Timo Novotny, in Neapel, gezeigt hat, wie billig sie gemacht ist, wie sie offenbar mehr eine Dietrichfunktion erfüllen soll, um bei Fernsehredaktionen, BR und Arte, und anderen Filmförderern und Finanzierern die Geldhähne zu öffnen.

Man hätte sich etwas mehr Wachheit und Aufmerksamkeit gewünscht unter anderem von den Redakteuren des BR und von Arte, von Martin Kowalczyk, Petra Felber, Sonja Schneider, Katja Ferwanger, Katja Dünnebacke und Caroline Mutz. Vermutlich werden alle gedacht haben, die anderen machen das schon. Das erinnert an den Orchestermusikerwitz. Kommt ein Posaunist zu seinem Hausmeister, fragt, ob er für ihn beim nächsten Konzert einspringen könne, weil er einen gut bezahlten Gig habe; der Hausmeister müsse nicht spielen, nur, wenn die anderen vier Posaunisten ihre Instrument zum Spielen an den Mund halten, müsse er auch so tun. Tage später fragt der Posaunisten seinen Hausmeister, wie es war. Dessen Antwort: wir waren vier Hausmeister.

So kommt es einem bei diesem lausigen Fernsehprodukt vor. Jeder Verantwortliche glaubt, der andere habe sich ernsthaft damit befasst, und kann es somit bleiben lassen. So kommt denn ein allenfalls mit gefälligen Bildern gestopftes Nichts heraus, beliebig und austauschbar, nicht mal auf die Individualität der einzelnen Städte und deren Nahverkehrssysteme eingehend. Liederliche Verschleuderung von Zwangsgebührengeldern, die unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte eingetrieben werden.

Immerhin fängt die Prager Folge mit so etwas wie einer Geschichte an, mit dem Explorer-Train und hört mit dem Reinigungswagen auf; dazwischen als Rosine der Tonfänger. Die U-Bahn-Videos in den Tunneln sind was Besonderes. Doch bald schon folgt der übliche, schwer erträgliche Bla, ein wirres Durcheinander von Stimmungsbildern mit gehetzter Kamera.

Es scheint, dass das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer noch viel zu viel Geld hat und offenbar nicht weiß, was damit anfangen, so dass es für Leute, die checken, wie weisungsgebundene, öffentlich-rechtliche Redakteure ticken, ein Leichtes ist, an deren Gelder ranzukommen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Metrokosmos Neapel (BR, Montag, 11. Juni 2025, 23.40 Uhr)

Allerweltsmischmasch

rund um die U-Bahn, in dieser Folge, in Neapel. Es fehlt die nachvollziehbare Dokuerzählung, stattdessen gibt es eine pausenlos in Bewegung sich befindliche Kamera, so dass man kaum was richtig anschauen kann, es gibt endlose Statements und Blabla, Meinungsdrescherei und Anekdotisches. Die Kamera weiß nicht so richtig, wofür sie sich interessieren soll.

Zweifellos sind U-Bahnen ein wichtiges urbanes Thema, sogar ein sehr wichtiges. Um so ernster müsste ein Dokumentarist das Thema nehmen.

Es scheint aber so, als habe sich Timo Novotny einfach ein Thema ausgesucht (zu dem er offenbar keinen besonderen Bezug hat), von dem er sich erhoffte, er könne es einem nicht allzu programmbewussten Fernsehredakteur unterjubeln, hier Martin Kowalczyk, Petra Felber, Sonja Schneider, Katja Ferwagner vom BR und Katja Dünnebacke und Caroline Mutz von arte. Weil es ein gesellschaftlich relevantes Topos ist. Es müsste dann auch so gebracht werden. Es müssten Zusammenhänge zur Stadtgemeinschaft nachvollziehbar werden, Finanzierungsthemen, die Nachhaltigkeit.

Hier wirkt es so, als sei einer mal hingefahren, habe dann drauflos Leute, die ihm vor die Linse gelaufen sind und noch ein paar schnell mal recherchierte, befragt, aber nicht mit einem Fokus im Hinterkopf, dem gesellschaftlichen Fokus, dem urbanen Fokus.

Es gibt Architektur-, Retaurations- Werkstatt- und auch OB-Gequassele, beliebig zusammengewürfelt, als müsse Bildschirmzeit gefüllt werden mit Bildmaterial, das keine Sekunde stillhält und ja keinen Überblick ermöglicht.

Wenn so ein Thema einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk angeboten werden soll, so müsste ein Minimum an Interessensystematik vorhanden sein, damit mehr als nur Bildschirmschonerqualität herauskommt.

Und dann noch einen Sänger reingehauen mit einem populären Song. Billiger geht nimmer.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Sex and the Scientist, Folge 1: Eine Maus mit zwei Vätern (ARD, Mittwoch, 11. Muni 2025, 00.00 Uhr)

Kuddellwirrmuddel

Wissenschaft über das enge Spektrum der Fachwissenschaft hinaus für ein breites Publikum verständlich darzustellen, könnte eine der vornehmsten Aufgaben eines zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkes sein, erst recht, da diese Finanzierung unfair zulasten einkommensschwacher Schichten undemokratisch ist.

Dieses Ansinnen kann aber auch heftig nach hinten los gehen, wie in dieser Sendereihe von Gunnar Mergner, Niklas Nau und Nicoletta Renz. Vielleicht konnten sich die drei Fernsehköche einfach nicht auf ein Gericht einigen.

So hat der eine einen in die Jahre gekommenen Wissenschaftskrimi reingebracht, der andere das ganze Stammzellengebramse, der oder die nächste aussichtslose oder nicht so ganz aussichtlose Einzelfälle von unerfülltem Kinderwunsch, wiederum jemand hat Zeitlupenaufnahemen aus dem Straßenverkehr aus Japan beigesteuert, jemand hat bildschirmgroße thematisch-propagandistische Zwischentitel in den Topf geworden, wie „Pille zur Macht“, „Liebe vergeht, Hektar besteht“ oder „Schmelzofen & Backofen“, und auch Namen, die sich keiner merken kann, von nur kurz auftauchenden Talking Heads ebenso groß eingeblendet, dann muss irgendwie noch der Feminismus, die Soufragetten, das weibliche Emanzipationsthema reingewurstelt werden.

Die öffentlich-rechtlichen TV-Redakteure Daniel Schwenk und Monika Wagner haben sich womöglich blenden lassen von Begriffskonvoluten von Stammzelle, pluripotenter Zelle, pluripotente Stammzelle, Manipulation des Lebens, Invitro-Genese, Chromosomen, Patriarchat, Zellteilung, Nukleinsäure … wollten sich vielleicht keine Blöße geben; mag sein, dass sie eine Vorstellung davon haben, für wen so eine potentielle Kinematheken-Leiche interessant sein könnte – ihr Geheimnis; wäre super, wenn sie uns das offenbaren könnten.

Positiv: die KI-erzeugten Bilder werden deutlich als solche kenntlich gemacht.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Bezzel & Schwarz – Die Grenzgänger: Am Flughafen Nürnberg (BR, Montag, 26. Mai 2025, 20.15 Uhr)

Flug-Gesellschaft

Wir sind eine Flug-Gesellschaft. Nie ist die Menschheit mehr geflogen. Nie hat die Menschheit mehr Treibhausgase ausgestoßen mit Fliegen als heute. Und nicht so schnell wird das Fliegen, das rundum nachhaltig ist, kommen.

Über 4 Millionen Fluggäste allein vom Nürnberger Flughafen Albrecht Dürer. Wer dieser Namensgeber ist, wissen unsere beiden Protagonisten, die sich immer sympathisch als Sebastian und Simon vorstellen, obwohl die Sendung nach deren Familiennamen benannt ist.

Heute spazieren sie auf der Grenze zwischen Bodenhaftung und Flugtraum. Nie konnten sich mehr Menschen diesen Traum erfüllen. Schnell für ein paar Tage nach Fuertaventura. Ein Flughafen ist gesellschaftlich ein wichtiger Ort, ein unentbehrlicher Ort und da die Sendung von Ekki Wetzel mit den beiden Promi-Protagonisten gut ankommen dürfte, müssen sie sich immer neue Grenzorte zur Besichtigung ausdenken.

Zuletzt waren sie in der Münchner Großmarkthalle und dann in Neuschwanstein. Durchaus sinnig ist es und erhöht die Konsumierbarkeit, dass sie anfangs der Sendung darauf vorbereiten, was es zu sehen gibt und am Ende rekapitulieren, was sie gesehen haben. Das sind Qualitäten, auch die beiden, die sich kumpelhaft geben und ihre trockenen Witzchen machen.

Die Leute freuen sich an ihren Arbeitsplätzen, wenn das Licht des Fernsehens für ein paar Minuten auf sie herableuchtet. Scheint ein Programmrezept zu sein, was funktioniert.

Eine andere gesellschaftliche Scharnierstelle sind einkommenschwache Haushalte, für die die Erbringung der monatlichen Zwangsgebühr, die sozial unfair zulasten solcher Haushalte erhoben wird, eine ernsthafte Belastung darstellt und die in keiner Weise sich für das Programm des öffentlich-rechtlichen Fernsehens interessieren und sich eher keine Flugreise leisten können; die soll es ja geben. Rechercheidee für die Redakteure Anne Bürger, Ingmar Grundmann, Iris Messow-Ludwig: lasst Sebastian und Simon mal solche Grenz-Haushalte suchen und aufsuchen – der Titel der Reihe spricht nicht dagegen.

Mit diesem Sendeformat mag sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen gewissen – eh inzwischen schon bescheidenen – Quotenlevel erhalten, zur Erhöhung der Legitimation trägt es nicht bei; diese steckt nach wie vor in einer enormen Krise steckt.

Bergmenschen – Schule auf der Alm, Folge 1: Ankommen (ARD, Donnerstag, 22. Mai 2025, 00.00 Uhr)

Stefansalm
Dokku als Appetizer

Hier verbringen Jugendliche der 10. und 11. Klasse einige Wochen auf einer Alm. Sie üben das Zusammenleben, sie lernen Seiten der Welt und des Lebens kennen, die ihn so nicht vertraut sein dürften. Es ist ein Projekt, was sie zwar selber bezahlen müssen, aber es gibt auch Stipendien dafür.

Ein Team vom BR um Katrin Baldrich und Josef Bayer dokumentiert das, redaktionell betreut von Peter Stenz und Michael Düchs. In dieser ersten Folge wird das Projekt skizzenhaft vorgestellt. Vor allem sieht man die Schüler damit beschäftigt, unter fachkundiger Leitung, einen Hühnerstall zusammenzuzimmern.

Das Filmteam muss für den dokumentarischen Ansatz gelobt werden, in der ersten Woche auf der Alm, nicht dabei zu sein. Das ist oft ein Problem, wenn Dinge des Zusammenlebens für eine Dokumentation aufbereitet werden sollen, dass die Dokumentation selber einen verändernden Einfluss hat. Deutlich ist mir das beim Film ‚Im Prinzip Familie‘ aufgefallen (ab 5. Juni im Kino).

Prinzipiell ist es sicher im Sinne eines öffentlich-rechtlichen Rundfunkes, solche Bildungsthemen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen; sicher sind sie auch attraktiv, wer hätte das während der Schulzeit nicht auch gern mal gehabt. Das Projekt nennt sich ‚Klassenzimmer auf der Alm‘ und wird hier flott und knapp präsentiert.

Bergfreundinnen: „Abenteuer wilder Balkan“ (BR, Sonntag, 4. Mai 2025, 23.00 Uhr)

In den Bergen Albaniens

Das ständige Gelaber in dieser vorgeblichen Doku von Katharina Kestler und Sabina Kist (ein Tobias Henkenhaf scheint in der Dramaturgie rumgestöbert zu haben) stört die Ruhe, die die drei Frauen suchen und die der Film offenbar nicht vermitteln will in diesem wilden Bilderverhau aus der 170-Kilometer-Wanderung über den High Scardus Trail durch ein Stück Kosovo, Nordmazedonien und Albanien; ein Bilderverhau so wild wie die Berge, die sie durchwandern, ständig unterbrochen von Talking-Heads, indem die Protagonistinnen ihre eigene Wanderung kommentieren.

Eine abgestandene Art der Dokumentation, die das Team gerade mal beim Abendessen zeigt und ansonsten so tut, als seien die drei Frauen allein unterwegs.

Zudem ist das Bildmaterial ungewöhnlich hektisch und nervös zusammengestöpselt und mit wenig ergiebigen Zwischentiteln versehen, graphische Sperenzien mit Infos, Orts- und Kilometerangaben.

Zu schweigen vom sinnfreien Sound, der drüber gelegt wird; wie ein beliebiger Griff in eine Juke-Box, ohne überhaupt zu wissen, welcher Art von Geschichte die Musik eine angemessene Atmosphäre verleihen soll.

Ein Problem sind die Bären und wie sich verhalten, falls man einem begegnet.

Drohne flieg, ist eine weitere Begleiterscheinung, die nicht dazu gegeignet ist, den Eindruck, den die Wanderinnen haben, adäquat wiederzugeben. Sie produzieren auch einen Podcast. Der Müll überall zeigt, dass es wohl mit der gesuchten Zivilisationsferne, mit der Unberührtheit der Natur, nicht so weit her ist.

Diese Art Reiseberichte, origineller und spannender, gibt es en masse bei Youtube. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das in einer Finanz- und Legitimationskrise steckt, sollte sich überlegen, ob es in solche fruchtlose Unternehmungen und Formate überhaupt ein Geld investieren soll. Hinzu kommt, dass die Befassung mit der Gegend und den Menschen oberflächlich und nicht vorbildlich für einen künftigen Tourismus ist. Low-level-documentary!

Dass der BR noch solche vollkommen überflüssigen Dünnflussdokus anfertigen lässt, zeigt, dass dem Sender offenbar seine prekäre Lage an Ansehen und weiterer Finanzierung nicht so recht klar ist. Den Sternenhimmel oder ein Aquarium über den Bildschirm flimmern zu lassen, wäre garantiert nicht weniger anspruchsvoll. Für diesen liederlichen Umgang mit den unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte erhobenen Zwangsgbührengeldern sollte Redakteurin Katrin Nachbar regresspflichtig gemacht werden.

So massiv, wie der BR diese Produktion – mit wie eben erwähnt zu Lasten einkommensschwacher Haushalte erhobenen Zwangsgebührengeldern – bewirbt, scheint es, dass er ihr – aus gutem Grund – misstraut.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!