Archiv der Kategorie: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

ARD Story: Deutsches Geld für den Terror (ARD, Dienstag, 21. Oktober 2025, 22.50 Uhr)

Reißerischer Mischmasch

So wie der Titel formuliert ist, täuscht er den Zuschauer, denn, „deutsches Geld“ klingt in erster Assoziation nach staatlich organisiertem Geld. Um Gelder des deutschen Staates, die – direkt oder indirekt, was der Titel in dieser Interpretation suggeriert – geht es nicht. Es geht lediglich um Spenden, vor allem Klein- und Kleinstspenden, die aus Deutschland Terrororganisationen unterstützen.

Gegen den Titel spricht auch: der Hauptspendensammler, der von dem vielen Kleinvieh großen Mist zusammenträgt, der wird in Linz, Österreich ausfindig gemacht. So müsste es denn heißen: österreichisches Geld für den Terror.

Der TV-Beitrag von Niklas Eckert, Joseph Röhmel und Sabina Wolf unter redaktioneller Verantwortung von Zwangsgebührentreuhänder Philipp Grüll fängt mit reißerischer, angstmachender Bildmontage an. Er versucht gar nicht erst, eine argumentative Ausgansposition zu formulieren.

Zu Beginn wird das sensationsheischerische Ausheben einer Terrorzelle in Nord-Rhein-Westfalen gezeigt. Auch das hat primär mit deutschem Geld für den Terror nichts zu tun. Wird aber zu einem der Story-Stränge mit zwei Pflichtverteidigern als Protagonisten. Diese Geschichte endet mit dem Fazit, dass die Verurteilung mit Spendengeld für den Terror nichts zu tun habe.

Die drei Autoren haben des weiteren einen gesprächigen Terrorexperten herbeigeschafft, eine Frau, die mit ihrem Mann zum IS gegangen ist und jetzt mit KI-unkenntlich gemacht über ihre Zeit dort redet. Zudem sind Dokumentaristen nach Nordsyrien zu einem IS-Camp gereist und werden dort zufälligerweise Zeuge, wie zwei Menschen auszureißen versuchen – hat rein gar nicht mit dem versprochenen Thema zu tun, ist aber schön thrillerhaft und füllt Sendezeit.

Die Autoren hangeln sich entlang dem düsteren Dunstkreis von privaten Geldüberweisungen von Kleinspenden (man hätte den Titel ja auch darauf eingrenzen können) über Western-Union, über das Hawalla-System, das in Deutschland oft illegal betrieben werde, über Digital Services oder über das Krypto-System, was, den Ermittlern gestatte, einen Einblick in realer Zeit zu bekommen, wie ein Experte aus den USA, den die Autoren bei der SIKO in München trafen, meint.

Das Feature ist eine Verausgabung von Zwangsgebührengeldern ohne Erkenntnisgewinn, es stiftet Verwirrung im Kopf dank dem Bilderwirrwarr auf dem Bildschirm und der thematischen Unschärfe.

Solche qualitativ minderwertigen, wenig durchdachten Sendungen sind Wasser auf die Mühlen derjenigen, die die radikale Abschaffung des demokratisch so eminent wichtigen Gemeinschaftswerkes öffentlich-rechtlicher Rundfunk fordern, und alle wissen, welche Partei das als einzige tut, und die möglicherweise auch deshalb so im Aufwind ist. Mit derlei Zeugs beschädigt sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk selbst am meisten. Solche Programmteile haben nichts mit der aktuell vor Gericht verhandelten Vielfalt im Angebot zu tun, sondern mit Mangel an Gehirn.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische, öffentlich-rechtliche Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Lebenslinien: Holger Matthias Wilhelm – Der Brunnerwirt findet zurück (BR, Montag, 6. Oktober 2025, 22.00 Uhr)

Das Leben eine Daily-Soap

Wenn das Leben Daily-Soap-Kapitel schreibt. Gerade so kommt dieser Lebenslinien-Beitrag von Juliane Rummel, redaktionell betreut von Christiane von Hahn, daher, als sei er selber eine Folge einer bayerischen Seifenoper.

Der Junge vom Lande, der mit zehn Jahren sein erstes Trauma durch einen Umzug von 25 Kilometern in ein anderes Dorf erlebt. Dort, wie auf einen Kometen vom Himmel, auf einen Freund fürs Leben trifft, was ihm das Gefühl nimmt, sich anpassen zu müssen.

Der Junge leidet, gefühlt, unter mangelnder Anerkennung durch den Vater; unerfülltes Geltungsbedürfnis. Das kann er nach einem bürgerlichen Berufseinstieg durch das Umsatteln auf die Schauspielerei ausleben. Dort führt ihn sein Weg nach ein paar Freilichtsaisons direcetmang in die Vorzeige-Daily-Soap des BR, die dieser vielleicht selbst total überschätzt.

Dem Protagonisten aber bringt sie Street-Anerkennung und ein regelmäßiges Einkommen. Kurz vor Schluss, das lernen Drehbuchautoren vermutlich schon im ersten Semester, muss noch ein Haken in die Geschichte, sonst wäre sie fad.

Hier hat sich die Dramaturgie des Lebens eine tödliche Krankheit einfallen lassen, vier Wochen Koma, und alles wieder von Anfang an lernen. Und dann kann es auf das Happy End zugehen: Hochzeit, zwei Töchter, zurück im Leben, zurück in der Daily Soap und mit der Band wieder auf Tour. Holger Matthias Wilhelm ist ein sympathischer Kerl und mit diesem Beitrag sicher ein guter Werbeträger für den BR und sein Daily-Flaggschiff – und letztlich auch für sich selbst, denn darstellende Künstler müssen die eigene Haut zu Markte tragen (das wär mal ein Nachfragepunkt für so eine Sendung).

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische, öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

BR Story: Was Bayern zusammenhält – Neue Regierung, neues Glück? (BR, Mittwoch, 1. Oktober 2025, 22.00 Uhr)

Blabla-Sendung

Viel Blabla auf der Suche nach Stimmungen, Titelfrage bleibt unbeantwortet, was hält Bayern zusammen, wird nicht ansatzweise verfolgt und auch das mit der neuen Bundesregierung scheint ein schaler Titel zu sein, bis auf den Beitrag mit den Grenzkontrollen; der gibt ein eindeutiges Votum für den bayerischen Bundesminister des Inneren und seine aufgemotzten Grenzkontrollen ab (so weit, so Staatsfunk, würden böse Zungen unken).

Sonst hat die Sendung nichts mit der neuen Regierung zu tun. So richtig jemanden Unglückliches haben die Macher nicht gefunden; das sind Moderator Julian von Löwis, Regisseure Jutta Schön und Christian Schmidt nach der Recherche von Annette Hammerschmidt. Redaktionell betreut haben die Redakteure Astrid Harms-Limmer und Stephan Keicher und vermutlich haben auch sie ihre Gunst bei der Auftragserteilung zur Herstellung dieser Sendung walten lassen – oder ist die Ausrichtung der Sendung etwa kompetitiv ausgeschrieben worden?

Der Klimawandel wird gestreift mit einem Besuch im Wald und einem Gespräch zwischen Förster und Waldbesitzern inklusive einer Baumfällung. Der Klimawandel hat grad gar nichts mit der neuen Regierung zu tun und nach wenigen Monaten im Amt, kann sie da auch noch nichts erreicht haben; gerade der Wald ist eine Generationenangelegenheit, als Thema für eine Sendung mit obigem Titel ungeeignet. Oder man hätte sogar drauf hinweisen müssen, dass die ersten Signale der neuen Bundesregierung in punkto Klimaschutz auf mau stehen.

Das neue Glück des Hochschulprofessors, Tüftlers und Firmengründers aus dem Allgäu hat auch nichts mit der neuen Regierung zu tun, noch mit dem Zusammenhalt in Bayern, ok, die Hochschule hilft ihm, aber sein Glück hat sehr viel mit der üblen Weltlage und der Steigerung der Rüstungsausgaben zu tun; da wird er Profiteur der immensen Steigerung der Rüstungsausgaben durch die neue Bundesregierung – aber das hätte man dann auch deutlicher sagen können.

Thema Kita, Kinderbetreuung und Frauen, die arbeiten, ist so wichtig wie allgemeinplätzig, wie soll da die neue Regierung schon was geschafft haben, erst recht, da doch die Kommunen zuständig sind.

Die Integration ist ein Dauerbrenner. Da kapriziert sich die Sendung auf den erfolgreichen Fall eines vorbildlichen Syrers mit Firmenwerbung. Das hat grad gar nichts mit der neuen Bundesregierung zu tun. In Niederbayern geht es um eine „Stille Hilfe“, vom Palaver eines Mannes bleibt das Bild vom Kühlschrank übrig, der vielsagend voll oder vielleicht halb voll ist, das wirkt wie eine beliebige Zutat zu dieser für einen zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk vollkommen überflüssigen, gering qualifizierten und desorientiert wirkenden Schwatz- und Meinungsdreschsendung.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische, öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Lebenslinien: Patrick Lindner – Freigesungen (BR, Montag, 22. September 2025, 22.00 Uhr)

Die Lebenslinien als Chamäleon

Die Lebenslinien entwickeln sich immer mehr zum Chamäleon. Wenn sie über einen Daily-Soap-Star berichten (am 6. Oktober ist es so weit), so scheinen sie zur Folge einer Seifenoper zu werden und wenn sie, wie hier, über einen Schlagerstar berichten, so werden sie zur Schnulze. Denn auch Schnulzen singen ja nie nur vom Glück, aber sie bewältigen den Schmerz mit Herz – und einer lieben Mutter.

Auch das Leben von Patrick Lindner war nicht ohne Tiefschläge, sei es das Outing durch ein skrupelloses, unseriöses Presseerzeugnis (bedenklich, dass durch so eine üble Denunziation die Plattenverkäufe sofort zurückgingen) oder der Steuerhinterziehungsskandal (der wohl eher seiner Naivität oder blindem Vertrauen in einen Berater zu verdanken sei), aber auch eine Beziehung ist in die Brüche gegangen, das sind Dinge, die häufig passieren, und an denen viele Menschen nagen, gar zerbrechen, aber just darauf wird überhaupt nicht eingegangen.

Wie eine Schnulze hören diese Lebenslinien von Daniela Agostini unter redaktioneller Betreuung von Martin Kowalczyk zu einem Zeitpunkt auf, wo das Leben für den Protagonisgten süßer nicht sein könnte.

Für solche Promi-PR-Sendungen sollten sich die Lebenslinien vielleicht mal was anderes einfallen lassen. Auch wird die Darstellung des Privatlebens schief, wenn einzelne Mitglieder des engsten Beziehungsgeflechtes nicht in der Sendung erscheinen wollen; das ergibt ein von der Realität abweichendes Bild – dafür sollte man keine Sendezeit aufwenden; es ist ja nicht das erste Mal.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische, öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Oktoberfest 1905 – 4. Wenn der Teufel tanzt (ARD, Samstag, 20. September 22.40 Uhr)

Merkwürdig heterogener, weltfremder Cast, der die Rollen per Gunst (wer weiß, gar per Kungelei, Klüngelei, Packagesystem womöglich?) erhalten hat; und wenn dem nicht so sein sollte, so wäre gegen den Gegenbeweis eines knallharten und offenenWettbewerbes um solche von Schauspielern und Agenturen begehrten Rollen nichts einzuwenden.

Historik-Getue, Zelebrieren des Historischen. Dass teils Byayerisch gredt wird, ist immerhin sympathisch. Andererseits ist doch die bayerische Lebensart nie so pathetisch, so zelebrierend. Da steckt immer was Zwidriges gegen das Schicksal drin.

Bayern und Oktoberfest, das ist kein Melodram, es sei dann, man beherrsche es wie ein Douglas Sirk. So aber bleibt es ein Bayern verfälschender Degeto-Kitsch.

Zwischendrin mit Säbel oder Mistgabel wird es deftig-blutig; noch bescheuerter. Wenn das, was hier geschildert wird, die bayerische Lebensart sein soll, dann wäre sie nie und nimmer so bekannt geworden, wie sie es mit dem Oktoberfest und den Traditionen – und der bayerischen Gerissenheit, Schlauheit, Hinterfotzigkeit, aber auch dem Humor, der hier gänzlich fehlt, Turmspitze Karl Valentin, weltweit geworden ist.

Bei Degeto entwickelt die Bayerische Art die Attraktivität von Leichenhallen, Grabkammern, aber vermutlich nicht mal von Schützengräben und Fabrikhallen.

Zum Thema historischer Filme: die werden prinzipiell für die Lebenden gemacht, selbst die museale Rekonstruktion. Das ist ein großes Manko dieser fiktionalen Produktion: sie erzählt so gar nichts unserer Gegenwart; es gibt ja auch jetzt einflussreiche Familien in München und die sind gut mit der Politik verbandelt; da kann so mancher Wirt problemlos sich in der FuZO mit Freischrankflächen ausbreiten, während der Wirt mit migrantischem Hintergrund enorme Hürden sieht oder der Neubau rund um den Georg-Kronawitter-Platz, da war in den Zeitungen zu lesen, da sei wohl viel hinter den Kulissen passiert und der Begriff von reichen Münchner Familien tauchte auf. Es gibt auch in München sehr reiche, einflussreiche Damen; eine völlig andere Welt, als hier im Film beschrieben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Oktoberfest 1905, 3. Im Krieg und in der Liebe (ARD, Samstag, 20. September 2025, 21,45 Uhr)

Schwimmfest

Ein Geschichte, um darin rumzuschwimmen. Who is who, wer gehört zu wem, wer betrügt wen, wer will was, wo liegt die Spannung, wer ist wie mit wem verbandelt? Das verschwimmt alles in einer Melosauce, in einem Wettbewerb der Skills, die einen auf Historisch machen. Kein Alkohol nötig, alles ist nebelig, bis wie aus dem Morgenrot Martina Gedeck als Killerin mit Säbel auftritt nach einem kuriosen Duell. Bedröppelung, ernste Gesichter, Zeitlupe, schwere Musik, Geflüster und gar Denken.Wir machen hier, mit kuriosen Besetzungen, so richtig einen auf Althergebracht, was immer das sei, garantiert kein Dallas, weil da muss es ein Drehbuch gegeben haben, das knallhart Konflikte und Charaktere analysiert und in Position gebracht hat. Hier etwas Clangeschichten, verworren, wer hat jetzt gleich welches Bräu? Melo in der Deutschen Eiche, da sitzen sie alle todtraurig da, weil das Lokal geschlossen worden ist. Dann probieren sie das Stripreiten. Überlebenskunst der Künstler. Schummrig, schummrig, Fernsehen im öffentlich-rechtlichen Bierdunst, als ob es was von großer Serie lalle. Es zieht sich zäh.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Oktoberfest 1905, Folgen 1 und 2 (ARD, 20. September 20.15 Uhr)

Ein üppiges Fernsehprodukt

Üppig allein durch die Anzahl der an der Produktion Beteiligten, laut Abspann: Eine Produktion von Zeitsprung und Violet in Zusammenarbeit mit Velvet, gefördert von FFF Bayern, Film und Medien Stiftung NRW, wallimage, wallimage tournages, BNP Paribas Fortis, Belgian Tax Shelter in Koproduktion mit BR, ARD Degeto, MDR.

Üppig auch die Anzahl der namentlich Verantwortlichen: Regie: Stephan Lacant, Konzept: Alexis von Wittenstein, Ronny Schalk, Head-Autor: Ronny Schalk, Drehbuch: Ronny Schalk, Dani Merkel, Redaktion: Daniela Boehm (BR), Bettina Ricklefs (BR), Christoph Pellander (ARD Degeto), Meike Götz (MDR).

So weit ist das jedenfalls aus den Episoden 1, „Das Leben ist eine Achterbahn“, und Episode 2: „Der größte aller Lügner“, ersichtlich.

Üppig wirken auch Bild, Ausstattung,Kostüme und der große Kinossound, der drüber gelegt wird.

Im Vergleich zu all diesen Üppigkeiten wirkt die Erzählweise wenig episch; es scheint nicht viel Zeit da zu sein, das Fundament der Geschichte ausreichend zu etablieren. Schnell werden Konflikte eingeführt. Manches kommt einem bekannt vor. Ach so, es gab vor 5 Jahren schon eine Serie Oktoberfest 1900. Der Eindruck, den stefe dort hatte, der ist heute nicht anders. Es gibt Info-Lücken. Deshalb kommt einem einiges bekannt vor, nicht aber unbedingt schlüssig.

Der Prank, der wollte doch damals von Nürnberg nach München aufs Oktoberfest. Das ist mir noch erinnerlich. Aber das verwirrt jetzt eher. Die aktuelle Serie stellt den Zusammenhang zur vorherigen nicht her, setzt ihn offenbar voraus. Das führt momentweise zu Irritation. Wie heißt dem Prank sein Bier? Capital oder Daibl?

Die Amis würden wahrscheinlich bei für ihre Verhältnisse vergleichbar großem Aufwand deutlich mehr Wert legen auf das Storytelling und die Formung der Charaktere mit ihren Konflikten, auf die Etablierung von Figuren und Konflikten.

Hier kommt einiges, das mag mit den auffällig unterschiedlichen Kalibern von Schauspielern zusammenhängen, unscharf daher, so nett die Atmosphäre in der Deutschen Eiche gezeichnet wird.

Was die Zeitaktualität betrifft, so erscheint die Serie verglichen mit dem, was zur Zeit täglich aus den USA und dem Weißen Haus zu erfahren ist, geradezu harmlos; dagegen wirkt die Serie wie ein Bericht über den Kampf der Touristen mit dem Badetuch um den Platz am Pool.

Gerade, was die Expansion von Prank in die USA betrifft, bleiben schmerzliche Leerstellen, die wirkt wie aus dem Hut gezaubert, so nett historisch sich die Präsentation des Prank-Colosseums und der ersten Achterbahn in Europa darstellen.

Vor allem löst die Serie in den ersten beiden Folgen, das noch vor den Folgetiteln eindrücklich eingesprochene Wort nicht ein: „Es ist beschämend, wie leicht man die Männer berechnen kann“ und dass Frauen sie daran gängeln würden. Das kommt einem vor wie ein leeres Versprechen, das die Autoren so schnell vergessen wie Wahlkämpfer ihre Wahlparolen, sobald sie an der Macht sind.

Es entsteht der uncoole Eindruck, dass die Produktion mehr will, als sie kann, sich aber die Zeit dafür nicht nehmen darf, kann oder nimmt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Leibniz – Chronik eines verschollenen Bildes

Das Emu Fritz
und die Monadenverkostung

Das Emu will in seiner ersten Szene nicht so recht, als ob es sich überlege, ob es in diesem Film von Edgar Reitz in Co-Regie von Anatol Schuster nach dem Drehbuch von Gert Heidenreich und Edgar Reitz überhaupt mitmachen wolle. Es fängt erst auf Druck seines Begleiters – oder Tiercoaches – an, sich im Schlosspark zu bewegen. Zu dem Zeitpunkt weiß man von der Chronik, die der Film laut Titel sein will, dass wir das Jahr 1704 schreiben, nicht aber, dass das Emu Fritz heißt.

Überhaupt ist hier noch nicht klar, welche Bewandtnis es mit diesem Vogel hat. Erst ganz spät wird er, wie er in das zum Atelier umgewidmeten Botanik-Haus seinen langen Hals hineinstreckt, Anlass geben für einen Satz von Leibniz (Edgar Selge). Manche kurze Sätze brauchen eine lange Herleitung. Warum aber heißt das Tier Fritz? Der alte Fritz war zu dem Zeitpunkt noch gar nicht geboren. Vielleicht ein berühmter Filmkritiker vornamens Fritz? Da spukt so einiges im Kopf rum, erst recht wenn dieser Fritz zusammengesunken vor einem in der PV sitzt, mit dem Kopf ehrfürchtig gegen die Leinwand gewandt. Was der wohl von diesem Film denken wird?

Gottfried Wilhelm Leibniz war ein Universalgelehrter, seiner Welt weit voraus, berühmt wurde er für seine Monadologie und für den Satz, dass dies die beste aller möglichen Welten sei, den Voltaire in Candide kritisch ventilierte, er sei ein Optimist. Eigentlich drängt es sich direkt auf in Zeiten aufkommender KI, sich des Universalismus und der Universalgelehrten zu besinnen und sich zu fragen, wie die mit ihrem Wissen umgegangen sind – allerdings bleibt der Film in dieser Hinsicht erstaunlich stumm, erstaunlich retro. Er begnügt sich – das erinnert an eine Verkostung von Touristen auf dem Viktualienmarkt – mit der Präsentation einer Auswahl von Häppchen seines Wissens und seiner Monadenlehre im Sinne eines Probier- oder Naschbüffets, geschweige denn, dass er sich für die Genese der Monadenlehre interessierte.

Ist der Film nun wiederum unserer Zeit voraus, wegweisend für ein Kino der Zukunft? Was meint das Emu Fritz dazu? Eher nicht, scheint es zu sagen.

Der Film greift auf ein altes (Fast)Quadratformat des Bildes zurück, tut so, als sei die Kamera ein schwer zu tragendes Gerät, das man wie mit Schrauben im Boden befestigen muss und das überwiegend nur für enge Bildausschnitte geeignet ist.

Zweifellos steckt im Drehbuch viel Leibniz drin; das muss die drei im Abspann genannten, mitfinanzierenden Fernsehredakteure überzeugt haben. Es ist viel von Monaden die Rede. Auch technische Erfindungen von ihm wie eine frühe Rechenmaschine oder ein Klappstuhl sind liebevoll und museumslike in die Bildstrecke eingebracht.

Mit den Kostümen wird es schwieriger. Müssen die, weil sie vermutlich eigens für den Film angefertigt worden sind, so prominent ins Bild gesetzt werden? Wenn schon wäre ein Coach für das Tragen der Roben und Klamotten hilfreich gewesen, ebenso für die höfischen Verbeugungsrituale, bei denen nie sicher ist, ob sich die Akteure gerade lustig machen darüber.

Muss die Gicht in den Fingern von Leibniz so ausgestellt ins Bild gesetzt werden? Was denkt sich das Emu Fritz, wenn Leibdiener Cantor (Michael Kranz) (heißt er nun Liebfried oder Siegfried: auch ein Aussprachecoach wäre nicht nur ihm zu wünschen gewesen in dem generell eher nachlässigen Umgang mit der Sprache), kabarettistisch und offenbar miserabel eingeübt, eine Hofszene aus Wien nachspielt.

Mit den Schauspielern ist das so eine Sache hier. Sind die Rollen einmal mehr nach dem Gunstprinzip öffentlich-rechtlicher Redakteure vergeben worden oder gab es einen harten Wettbewerb um die Besetzungen?

Lars Eidinger verbreitet als der erste Maler, der von Sophie von Hannover (Barbara Sukowa) mit dem Porträt des Gelehrten beauftragt wird, Filmflair. Was meint das Emu Fritz dazu? Leibniz wirkt wie eine wenig nachvollziehbare Museumsfigur, die Leibnizzitate absondert. Unbefriedigend ist auch die Szene, in der es heißt, er hätte seinen Ausdruck geändert. Nichts hat sich geändert, da ist das Kino gnadenlos, außer, dass er die Gesichtsmuskulatur zu einem Lächeln verzieht.

Oh, es hapert hier an allen Ecken und Enden, denkt sich vielleicht das Emu, aber laut würde es das nie sagen. Cantor benutzt sein gewiss historisch präzise nachgebautes Notizmaterial, als ob er es gerade erst kennengelernt hat (Pfusch im Handwerk, das die bestimmt anständige Gage nicht wert ist). Auch wird unklar, ob er eine Kurzschrift benutzt; immerhin gab es so etwas damals schon; aber das müsste klargestellt werden, sonst bleibt der Zuschauer bei dem nicht eindeutig definierten Schreibvorgang hängen, nö, so viel Text, das kann er unmöglich alles erfassen; aber nach Kurzschrift sieht es auch nicht aus.

Eine kurze, aber arg verkürzte, Reminiszenz gibt es hinsichtlich Präsentation des Funktionierens der höfischen Befehlskette an Lola Montez von Max Ophüls „Nadel und Faden“ mit einem Brief, der von einem reitenden Boten gebracht wird. Man sieht es dem Film leider an allen Ecken und Enden an, dass gespart werden musste im Vergleich zur sicher großen Ambition. Der echte Leibniz hätte sicher eine raffiniertere Lösung gefunden; dieser Leibniz eher nicht.

Das Emu, bei weitem die interessanteste Figur in diesem Spiel, das mittemang dabei ist, ganz scharf beobachtet, rumäugt, und irgendwie doch außerhalb steht (siehe PostScriptum), aus welchen Gründen auch immer, das nicht unbedingt zu zähmen ist und sicher nicht berechenbar, Fritz eben.

Es ist nichts dagegen einzuwenden, einen Film über Leibniz zu machen und auch die Idee, über die Anfertigung eines Porträts die philosophische Hintertreppe à la Weischedel zu benutzen, ist durchaus brauchbar (der Porträtauftrag von Herzogin Sophie von Hannover scheint historisch belegt). Dank dem Drehbuch ist genügend Philosophisches drin rund um die Monadenlehre. Speziell zur Präsentation seiner technischen Erfindungen dürfte außer einem Museum, das Medium Film erstklassig geeignet sein.

PostScript: ich habe die KI ‚le Chat‘ gefragt, ob ihr/ihm ein Zusammenhang zwischen dem Philosophen Leibniz und einem Emu bekannt sei, hier aus der Antwort: „Kuriosität: In der Popkultur oder in humorvollen Kontexten wird manchmal ein Bezug zwischen Leibniz und Emus hergestellt, etwa in Wortspielen oder als absurde Assoziation. Ein bekanntes Beispiel ist der „Leibniz-Emu-Effekt“, ein Scherzbegriff, der in einigen Internetforen oder Memes auftaucht, um eine völlig willkürliche Verbindung zwischen zwei scheinbar unzusammenhängenden Dingen zu beschreiben.“

Und noch ein sachdienlicher Hinweis von Le Chat: „2. Keine Erwähnung in Leibniz’ Werken. Leibniz schrieb ausführlich über Metaphysik, Mathematik, Theologie und Naturwissenschaften, aber es gibt keine Hinweise, dass er jemals von Emus wusste oder sie erwähnte.
Emus waren zu seiner Zeit in Europa schlicht unbekannt. 3. Wissenschaftliche Klassifikation Der Emu wurde erst 1790 wissenschaftlich beschrieben – fast 80 Jahre nach Leibniz’ Tod.“

Der echte Leibniz würde bestimmt auch folgenden Satz unterschrieben haben:

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische, öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Tatort: Ich sehe Dich (ARD, Sonntag, 14. September 2025, 20.15 Uhr)

Ein Tatort hat gemäß seiner Konstruktion 90 Minuten Zeit, anhand eines Kriminalfalles mit seriell feststehenden Ermittlern ein aktuelles soziales Problem Deutschlands, also der Region der Gebührenzahler, spannend und unterhaltsam zu präsentieren, wenn ich das Format richtig interpretiere. Da zählt jede Minute.

Dieser Tatort von Max Färberböck und Danny Rosness nach dem Drehbuch von Max Färberböck und Catharina Schuchmann unter redaktioneller Verantwortung von Claudia Luzius verplämpert die ersten 5 Minuten: ein Hammer, ein im Dunkeln von Unbekannt in nicht identifizierbarer Gegend geschleppter Leichensack, ein Kommissar (Fabian Hinrichs) nackt – zu sehen ist der Oberkörper – unter der Dusche, ein Schrei des Komissars aus dem Off, er scheint gestürzt zu sein, ein Anruf, er eilt das Treppenhaus hinunter, zwischendrin Nürnberg-Ausblick, im Treppenhaus gibt ein fetter Nachbar das fränkische Couleur vor, der den Kommissar wegen des Schreis zusammenscheißt.

Vorm Haus erwartet den Kommissar eine Tatortschauspielerin in ihrer Rolle, der Fall sei dringend, weshalb er in seiner Freizeit einspringen müsse. Dann Wald, ein Loch, eine Menge Komparsen tun so als ob sie täten, Diskussion über das tiefe Loch, weshalb dort gebuddelt wird und der Kommissar darf zur Nürnberger Stadtgeschichte beitragen, indem er darauf hinweist, dass aus diesen Steinen Nürnberg erbaut worden sei. Dazu Dunkelbilder, die Düsterstimmung erzeugen.

Der Zuschauer selbst bleibt im Dunklen. Warum soll er sich für eine solche Waldleiche, bei der nicht mal das Geschlecht bestimmbar ist, interessieren? Bis jetzt kein Hinweis zum Thema, das brisante soziale Thema, das zur Rechtfertigung der Tatortproduktion essentiell ist.

Fazit nach 5 Minuten: Zeitverschwendung, Gebührengeldverschwendung. Man hätte in der Zeit doch Interessantes erzählen können, sei es aus dem Milieu, sei es über die Denkweise im Täterumkreis, sei es über das wirtschaftlich-politische Umfeld, das möglicherweise die Tat, den Mord erklärbar macht.

Stattdessen wird der Schrei des Kommissars erklärt, so könnte der Titel der Folge auch lauten. Ein Chiropraktiker oder Arzt erklärt ihm, er habe einen AC-Gelenksprung. Folgerichtig wird im Kommissariat bei einer Aufklärungsrunde zum Leichenfund– auch da stehen wieder jede Menge Komparsen rum wie bestellt und nicht abgeholt – sein Gesundheitszustand thematisiert, ob er arbeitsfähig sei oder nicht. Das ist natürlich von Interesse für Deutschland.

Aha, der Tatort will vielleicht das Gesundheitssystem des Landes unter die Lupe nehmen, auf Risse und Schwachstellen hin untersuchen oder gar in diesem Bereich den Mörder finden? Wäre doch mal was. In diesen zweiten fünf Minuten wundert man sich, wieso der Dr. Kaiser (Stefan Merki) zweimal täglich informiert werden möchte, bei einer doch zwei Jahre alten, unbekannten Leiche. In dieser Runde wird auch Wanda (Eli Wasserscheid) namentlich erwähnt.

Es könnte aber auch sein, dass dieser Tatort sich mit Personalproblemen der Polizei beschäftigen möchte, denn es gibt Lücken im Besetzungstableau. Bei Minute 8.22 will der lahmende Film Fahrt aufnehmen mit plötzlichem Telefonklingeln, „Ja, Ja“, schwungvoller Musik, sich bewegender Kamera und dem Statement von Felix Voss, er bleibe am Ball.

Kostet alles Fernsehzeit, die Minute wohl ein paar mal zehntausend Euro Gebührengeld, das sollte man vielleicht nicht vergessen und deshalb etwas bedachter damit umgehen.

Ein Herr Manfred Kramer (wer die Besetzungsliste vor sich hat, weiß, dass das der Sigi Zimmerschied sein wird, der, als er noch nicht so gefragt war beim Fernsehen, mal eine ganz bösen Film über öffentlich-rechtliche Fernsehredakteure gemacht hat, ‚Schartl‘) wird jetzt als irrlichternde Personalie eingeführt und gleich angerufen. Seine Rolle wird nicht so recht klar und trägt zur Story nichts bei, wäre verzichtbar; viel Geld zu sparen.

Bis Minute zehn wissen wir immerhin, wer das Opfer ist, ein damals 37-jähriger Mann, der polizeilich bis auf eine Ordnungswidrigkeit im Straßenverkehr nie aufgefallen ist, dessen Mutter sich über 70 Mal nach dessen Verschwinden gemeldet hat.

Der Zuschauer tappt nach zehn Minuten weiter im Dunkeln, was uns dieser Tatort erzählen will, in welches gesellschaftliche Milieu er uns hineinführen, welches gesellschaftliche Milieu er uns näherbringen und eröffnen will.

Da nützt auch die plötzlich intensivierte, also aufgeregtere – unbegründet – Ermittlungsaktivität wenig. Man kann davon ausgehen, dass ein Drehbuch, das so anfängt und den Zuschauer so in der Luft hängen lässt, nichts taugt und also nicht wert ist, verfilmt zu werden. Aber vielleicht hält es Überraschungen bereit.

Zwischen Minuten 10 und 15 wird das anvisierte Milieu etwas präzisiert: kirchliches Milieu, eine Vikarin, Frau Schönfeld, taucht in den Akten auf. Die Befindlichkeit des Kommissars spielt weiter eine wichtige Rolle, „Also ein- und aussteigen, das schaff ich noch allein“ und stöhnt vernehmlich „das kann nicht wahr sein“.

In der folgenden, fürs Philosophische vorgemerkten Autofahrt, darf Sigi Zimmerschied alias Manfred Kramer, no difference, zum Besten geben, dass kurz vor dem Ruhestand zu sein, sei, wie Schwimmen ohne Wasser (haben die Autoren vielleicht aus einem Handbuch der gefälligen Füllsätzen). Sigi Zimmerschied hüstelt auf die Anweisung des Kommissars, dass man aus Rücksicht auf die Bewohner nie direkt vor dem Haus parken soll. So richtig klar wird seine Rolle nicht.

Dann macht der Kommissar mit dem behinderten Aussteigen aus dem Auto, wie man in Darstellerkreisen zu sagen pflegt, ein großes Fass auf und der Zuschauer erinnert sich, er soll ja eine verletzte Schulter spielen. Aber was ist nun das sozial relevante Thema dieses Tatorts? Auch der Tatort gibt sich einen Ruck und erinnert daran, dass er ja ein Krimi sei und lässt den Kommissar, ganz allein merkwürdiger Weise, aber wir sind ja hier nicht beim Dokumentarfilm, die Villa von Frau Schönfeld aufsuchen.

Die Garage ist offen, darin ein Wagen mit Nürnberger Nummer, die Haustür ist nur angelehnt und jetzt, Minute 15, betritt der Kommissar die Villa, ruft immer wieder seinen oder den Namen der Hausbesitzerin. Keine Regung.

Nach 15 Minuten ist somit eine neue, austauschbare, Spannungsfeder angezogen. Es sieht ganz darnach aus, als ob er gleich eine Leiche finden wird oder eine schwer verletzte Person. Vielleicht ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk jetzt nach einer Viertelstunde, da müssen schon Hunderttausende von Produktionsgeld ausgegeben worden sein, gnädig genug, dem Zuschauer endlich bekanntzugeben, worum es sich diesmal handelt.

15 von 90 Minuten, das ist immerhin ein Sechstel der Sendezeit. Ok, schauen wir weiter, gleich werden wir’s wissen. Die Musik deutet für den, dem es noch nicht schwant, Dräuendes an. Einen Menschen ganz allein ein offenbar leerstehendes Haus erkunden zu lassen, ist nun billigst verfügbares Mittel des Horrorgenres; wirkt wie aus Selbstzweck und mangels Stoffideen an den Haaren herbeigezogen. Das dauert über zweieinhalb Minuten bis er schließlich in einer Dunkelkammer gewesen ist, Fotos gesehen hat, da könnten Motive von sozialem Gewicht gewesen sein, gerade so erkennbar, und wie er aus der Dunkelkammer zurück die Treppe hochsteigt, steht die Hausherrin wie ein Gespenst vor ihm. Sind wir jetzt aus dem Krimi in das Gespenstergenre gewechselt?

Im Dialog mit der Frau wird das Kümmerelement in den Krimi eingeführt „Ihren Beruf möchte ich nicht so gerne haben“. Und dann die typische Frauenfrage „Wird man mit so etwas irgendwann mal glücklich?“.

Bis Minute 20 hat sich das Melodram in den TV-Krimi in einem vertraulichen Gespräch zwischen Kommissar und der Vikarin, die immer noch um ihren toten Sohn trauert, eingeschlichen; er versucht, zur Enttäuschten Vertrauen aufzubauen und verrät dem Zuschauer, was die Bilder im Keller darstellen: totales Elend (richtig, die Bilder hätten von Sebastiao Salgado stammen können). Aha, vielleicht nähert sich der Tatort jetzt seinem Thema: der Armut, dem Elend und von Menschen, die sich damit beschäftigen, sich auflehnen gegen Ungerechtigkeit auf der Welt, gegen Ausbeutung.

Fabian Hinrichs, nicht mehr eingebremst durch Counterpart und Persönlichkeit von Dagmar Manzel, kennt keine Grenzen mehr im schieren Zerfließen freundlichen Bettelns um Verständnis.

Bis zur ersten halben Stunde geht es weiter mit dem Spiel von Betroffenheit bei Aussagen von Zeugen, auch die Betroffenheit des Kommissars („Ich hab das alles gespürt“), als Kommentar zum Suizid der Mutter, die der Zuschauer zwischenzeitlich von der Decke hat hängen sehen.

Mit den gefundenen Fotos will der Film versuchen, das Interesse für den Ermordeten zu erwecken. War er ein Verklemmter, gar ein Triebtäter, ein Voyeur? Will der Film Verständnis für solche Menschen wecken, die kein Sexualleben haben, das gesellschaftlich akzeptiert ist? Will der Film Verständnis für stille Wasser wecken, für Intimitätsräuber, Triebtäter?

Gegen die Hälfte der Zeit kommt ein neuer Handlungsstrang hinzu, ein Paar, bei dem die Frau blind ist, er hat eine Verbrechervisage. Die wollen in Urlaub fahren, aber wegen Streiks wird der Flug verschoben. Parallel wird das Thema Blindheit bei den Ermittlern artikuliert. Also was jetzt?

Nach etwa einer Stunde löst der Film selber den Fall in Rückblenden. Was er nun wirklich schildern wollte oder was, wie man beim Märchen zu erwarten pflegt, die Moral der Geschichte ist, kann er bis zum Ende nicht klarmachen. Das Besetzungsgunstgewerbe dürfte auch hier wieder wettbewerbslos und nicht wettbwerbsoffen geblüht und zum Brei beigesteuert haben. Der Count-Down zieht sich, weil es nur noch darum zu gehen scheint, wenn man schon nichts zu erzählen hat, die 90 Minuten vollzubekommen.

Und am Schluss sind wir noch immer nicht schlau geworden, welche unserer Gehirnzellen dieser Tatort aktivieren wollte.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische, öffentlich-rechtliche Rundfunk sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Check In – Marinas Räsel-Abenteuer (KiKa, Montag, 1. September 00.00 Uhr)

Viel Garnitur, wenig Substanz –
oberflächlich

Langweilig und kindisch wirkt diese Moderation für Kinder, die vermutlich nicht so kindisch sind und sich nicht so kumpaneihaft fühlen, wie sie von Marina unter der Regie von Amelie Cran und der Redaktion von Monika E. Schweiger präsentiert wird.

Es ist interessant, etwas über wenig populäre oder wenig verbreitete Sportarten zu erfahren und zu lernen. Aber könnte man das nicht spannender und fantasievoller darstellen? Muss so viel Smile-Anbiederung an ein nicht allzu hell postuliertes Publikum sein, so viel Fishing for Compliments, so viel Ablenkung vom Thema; soviel grimassierende Selbstkommentierung?

Warum soll sich der Zuschauer interessieren, ob eine Moderatorin bei einer in einer Stunde erlernten Rhönrad-Kür 3 von möglichen 10 Punkten macht, vor allem wenn dann noch aufgerundet wird, sie also die Prüfung gar nicht besteht und nachher so tut, als hätte sie es geschafft? Sollen die Kinder das Bescheißen lernen?

Man könnte das Rhönrad, die beiden Kinder, die das offenbar regelmäßig üben, sind wunderbare Beispiele, auch richtig ernsthaft vermitteln, wobei Ernsthaftigkeit Humor nicht ausschließt. Der fehlt hier sowieso. Dafür ist bei Selbstdarstellerin Marina kein Platz. Da kann sie sicher nichts dafür.

Aber muss die Redaktion das dem Publikum zumuten? Es wird zwar textlich erwähnt, dass so etwas vor allem üben, üben, üben heißt. Faktisch aber stellt die Sendung es so dar, als würde Marina das in wenigen Minuten erlernen. Das ist meines Erachtens grobe Täuschung des Publikums.

Der BR preist das Produkt als „eine spannende Mischung aus Wissensreportage und Gameshow“ an, dem können wir uns nicht anschließen, das ist vielleicht eine Selbttäuschung des BR. Und was es mit dem Roboter CheXomat auf sich hat, ok, vielleicht können Kinder damit was anfangen, da müssen wir passen.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieser gigantische öffentlich-rechtliche Rundfunk unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.