Archiv der Kategorie: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

In höchster Not – Bergretter im Einsatz, 2. Staffel, 1. Folge (ARD Mediathek, Mittwoch, 6. Mai, 00.00 Uhr)

Dramatischer

kann sich das ein Drehbuchautor kaum ausdenken, was sich im zweiten Fall dieser ersten Folge der zweiten Staffel an Ereignissen kumuliert.

Der erste Fall ist eine leicht verdauliche Einführung in das Thema Luftrettung mit dem Heli „Christopher Murnau“ mit der Grainauer Bergwacht. Passend, dass einer der Retter seinen ersten Heli-Einsatz hat, der das auch mit Bravour löst, aber auch mit der Erkenntnis, dass in der Theorie alles perfekt sei, aber in der Praxis ….

Es geht um zwei Bergsteiger, die sich unterhalb eines Gipfelkreuzes verstiegen haben und die ungesichert unter einem Felssprung nicht vorwärts und nicht rückwärts können. Eines der Hauptprobleme einer solchen Rettung ist der Downwash, der heftige Wirbel, den die Rotoren des Helikopters produzieren und der Lawinen oder Steinschlag auslösen oder gar die beiden zu Rettenden von ihrem minimen sicheren Standpunkt aus wegwehen könnte.

Der zweite Einsatz lässt sich, wie man eine gute Geschichte erzählt, recht gemütlich an. Drei Asiaten kommen am Rande eines Gletschers nicht weiter, einer ist leicht verletzt.

Beim Anflug des Christopher Murnau winken zwei Gestalten auf dem Gletscher zu. Die scheinen sich verstiegen zu haben, sind aber nicht diejenigen, die den Notruf ausgelöst haben. Am Rande des Gletschers finden die zwei Retter nicht nur die drei Asiaten, da haben sich noch mehrere Bergsteiger dazugesellt, die Heli-Rettung wünschen. Das bedeutet Pendelverkehr.

Das Wetter verschlechtert sich zusehends. Jetzt sieht man, wie einer der zwei Männer auf dem Gletscher ins Rutschen kommt und rutscht und rutscht. Er fällt in eine Gletscherspalte. Mag sein, dass diese Aktion indirekt durch die Retter ausgelöst wurde, weil sie vielleicht versucht haben, zu denen rüber zu gelangen. Das ist Spekulation des Zuschauers.

Der Abgerutschte ruft aus dem Spalt um Hilfe, er sei verletzt, das Bein schmerze. Nicht genug der Dramatik. Es fängt an zu hageln. Das Seil für den Retter, der zum Mann in der Gletscherspalte vordringen will, ist zu kurz. Es muss ein neues geordert werden. Die Lage spitzt sich zu, das Gewitter dreht auf, es entwickelt sich eine Dramatik zu einem einzigartigen Cliffhänger hin, mit dem die Folge aufhört.

Nicht nur, dass das Format eine große Glaubwürdigkeit hat durch die Head-Cams der Retter; auch ist die Bergsteigerei, gerade auch die leichtsinnige, ein boomender Sport. So entwickeln sich die Dinge. Die Retter perfektionieren sich, aber vielleicht, das könnte eine andere Wirkung von so einer Fernsehsendung sein, werden die Leute auch leichtsinniger, weil sie sehen, wenn es nicht weitergeht, sind die Supertypen von der Bergwacht zur Stelle (und vielleicht kommen wir dann sogar im Fernsehen).

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Lebenslinien – Der blinde Skater (BR, Montag, 4. Mai 2026, 22.00 Uhr)

Kuba als Schlüsselerlebnis

Das sollte der deutschen Schulmedizin zu denken geben; der Bub Johannes, der eine selten Seherkrankung hat, bei der die Sicht ständig schlechter wird, weil die Netzhaut sich unaufhaltsam auflöst, hat in Kuba etwas erlebt, was er aus Deutschland nicht kannte.

Johannes ist mit seinem Vater nach Kuba geflogen, weil die deutschen Ärzte nicht mehr helfen konnten, weil es für diese Augenkrankheit in Kuba eine OP gab, die hier nicht erlaubt ist. In Kuba waren alle so menschlich, so freundlich, haben sich Zeit für den Patienten genommen und vor allem konnte der Zerfall der Netzhaut gestoppt werden.

Johannes hat noch eine ganz minime Sehkraft, so als ob er durch ein ganz kleines Löchlein schaut und unscharf Helligkeiten und Farben sieht. Die Kubaerfahrung hat ihm ein bisher unbekanntes Selbstwertgefühl gegeben.

Diese Lebenslinien von Laura Fischbar unter redaktioneller Obhut von Christiane von Hahn gehören zu jenen wenigen exzeptionellen, bei denen das eingefahrene Formatmuster in den Hintergrund tritt vor der Erzählfreude des Protagonisten.

Da Johannes viel durchgemacht hat an Einsamkeit, hat er auch viel nachgedacht und kann seine Entwicklungen bestens formulieren und erzählen. Auch erwecken diese Lebenslinien den Eindruck, als ob nicht nur der Protagonist, sondern auch seine Eltern und seine Brüder richtig glücklich sind darüber, diese Geschichte einer Öffentlichkeit mitteilen und zugänglich machen zu dürfen. Sie kommen nicht rüber als eitle Selbstdarstellung, sie leben vom Mitteilungsbedarf, weil da viel gereift und spruchreif ist. Johannes hat ohngeachtet seiner Behinderung einen Abenteuerdrang, den er im Skaten ausleben kann.

Sportverletzungen erleiden ja nicht nur blinde Sportler, Sportler riskieren immer Grenzen, das ist der Kitzel.

Ein anderer Skater stellt nüchtern fest, sich das Terrain vorher genau anschauen, das machen die anderen alle auch, da sind sie sich exakt gleich, es kommen beim Johannes lediglich ein paar Details dazu, die er besonders berücksichtigen muss.

Dies Lebenslinien werde zu einer menschlichen Begegnung; sie sind mehr, als nur die Befriedigung von Neugier.

Bei so einem Protagonisten könnte der BR es gerne auch versuchen, auf den Voice-Over-Kommentar zu verzichten; wäre mehr Arbeit, könnte sich aber als lohnenswert erweisen.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Holy Mary – Wer glaubt an Marienerscheinungen? (BR, Freitag, 1. Mai 2026, 09.15 Uhr)

Wenn so eine Sendung wie diese von Tobias Henkenhaf und Kira Gantner unter redaktioneller Verantwortung von Sabine Winter öffentlich-rechtlich-taugliches Material sein soll, dann kann bald jeder sein privates Home- und Reisemovie von seiner privaten Campingreise (Papa mit zwei Töchterchen) an einen Pilgerort und angereichert mit Dokumaterial zur 100-Jahr-Feier von Lourdes, wovon sich genug auf Youtube finden lässt, und mit von KI bestimmt bereitwillig zur Verfügung gestellten Schnipseln von der Marienpilgerei allüberall, mit Aufrechnung der Zwangsgebühr öffentlich-rechtlich versenden. Da kann doch jeder gleich sein Programm machen, als Homevideo auf seinem Klo,als YouTube-Channel, da brauchen wir weder die Öffentlich-Rechtlichen noch deren Zwangsgebühren. Dann noch eine Irgend-Musik lieblos drübergelegt, darf auch mal ein Choral sein.

Und das alles, ohne auch nur einen Millimeter Erkenntnisgewinn zum Wesen der Marienverehrung, was nicht innert Minuten im Internet einsehbar wäre. Auch keine soziologische Einordnung. Dafür Blabla-Talking Heads (gerne auch berührt und gefühlsdusselig) und eine laienhafte Führung durch den Papa; der braucht nachher einen Schnaps und Töchterchen mit Bauchkrabbeln meint, ob er ein Fanboy sei.

Papa darf sich hinknien vor einem Bett, persönliche Ergriffenheit mimen und ein Tränchen verdrücken. Eine Wissenschaftlerin plappert etwas vom Blue-Print eines Marienwallfahrtsortes.

Wichtige Erörterung, ob bei einer Wallfahrerversammlung mehr Leute als bei einem Kickerspiel sind und Papa meint, in so einer großen Kirche sei er noch nicht gewesen, die sei ja riesig. Um solche Ergüsse zu finanzieren, zwingt mir der Staat die Rundfunkhaushaltsgebühr ab! (Weil, das ist für den Fortgang meines Lebens eminent wichtig, zu wissen, dass ein mir nicht näher bekannter Herr X, der mir am A. vorbeigeht, noch nicht in so einer großen Kirche gewesen sei). Sendezeit, Sendezeit, du bist so gar nicht kostbar.

Ein weiterer Beitrag zur Delegitimation eines sozial unfair zu Lasten einkommensschwacher Schichten zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkes. Dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk selbst wollen wir den Wunderglauben lassen, mit solchen Sendungen seine eminent wichtige, demokratische Funktion wahrgenommen zu haben. Die AfD nimmt es wohlwollend zur Kenntnis.

Wer ist Anna Kemmer? Redaktionelle Mitarbeit, steht im Abspann; wenn sie schlau ist, wird sie später vielleicht sagen, hier habe sie gelernt, wie man es nicht machen soll.

Manche mögen bei so einer Pilgerfahrt den Glauben an Maria wiederfinden; wir selbst verlieren angesichts solcher Sendeformate endgültig das letzte Körnchen Glauben an eine demokratisch wichtige und wirksame Funktion dieses öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Und wem das in die Hände spielt, siehe weiter oben.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Himmel, Herrgott, Sakrament: Staffel 2, Folge 6 „Langsam aber sicher“ (BR, Freitag, 24. April 2026, 20.15 Uhr)

Es werde Licht!

Das ist vielleicht die symbolträchtigste Selbstauskunft dieses Fernsehproduktes. Die beiden Protagonisten Stephan Zinner, beim BR aktuell offenbar der angesagte Protagonist schlechthin, als gäbe es keine anderen bayerischen Mannsbuider, und Anne Schäfer sitzen nebeneinander nächtens auf dem Viktualienmarkt. Mangels natürlicher Lichtquellen wird Stephan Zinner so inszeniert, dass er sich selbst beleuchtet. Er tut so, als habe er ein Handy in der Hand. Es übt aber die Funktion der Beleuchtung aus; er muss diese ganz unnatürlich die ganze Szene lang etwa an seinem Oberschenkel auf sich gerichtet halten. Dem Zuschauer wird das dadurch erklärt, dass er eine Akte studiere, die er auf dem anderen Oberschenkel vor sich liegen habe.

Die Szene versucht, Licht in die Beziehung der beiden zu bringen. Sie wird die Frage stellen, wie es denn mit ihnen weitergehe. Er ist der katholische Pfarrer mit Keuschheitsgelübde und sie ist die Angestellte im Ordinariat.

Licht wird gesucht auch in weiteren Fällen. Es wird eine Erbgschichte an den bayerischen Papst eingebaut. Lisa sieht darin einen Betrug des Kardinals. Der ist so eine hinterfotzig-schlitzohrige Figur, wie sie einem bayerischen Stück gut ansteht.

Es gibt einen Diebstahl von Almosen; das wird für den Zuschauer klar und deutlich inszeniert, samt Vorbereitung, wie nachlässig der Pfarrer mit dem Geld umgeht. Eine Obdachlose beobachtet das und mit einem aufwändig inszenierten Ablenkungsmanöver einer Gruppe von Menschen, die resozialisiert werden müssen, greift sich die Hilfsbedürfte das Spendengeld, bedankt sich artig mit ein paar handgeschriebenen Zeilen.

Diese Folge sechs der zweiten Staffel hat etwas mehr Schwung als die fünfte; sie glaubt aber auch nicht an sich, sondern sieht sich zu einem Eskapismus nach Rom genötigt. Zufälligerweise hält dort der neue Papst grade seine erste Messe. Man holt sich päpstlichen Support. Vielleicht bringt der mehr Licht in die Angelegenheit. Die Lisa macht kurz und bündig Schluss mit ihren Eltern. Ach so, und den Wasserschaden hätten wir beinah vergessen. Zupf- und ab und an Akkordeonmusik versuchen den Eindruck von Leichtigkeit zu erwecken.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers! (der sich fragt, ob er für so etwas auch nur einen Cent ausgeben würde).

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Batic und Leitmayr – Die Zwei vom Tatort sagen Servus (Das Erste, Montag, 6. April 2026, 21.45 Uhr)

Mehr verdient

Die zwei Münchner Tatort-Kommissare, die nach 35 Jahren des Ermittelns in Ruhestand gehen und die über eine so lange Zeit fast schon wie ein Stubenmöbel sonntagabends in den deutschen Wohnungen aufgestellt wurden (also ins Design-Museum mit ihnen?), hätten mehr verdient zum Abschied als nur eine Selbstlobhudelei des BR.

Es gibt doch sicher Journalisten, Soziologen, Kulturphilosophen, Fernsehanalytiker, die sich mit dem öffentlich-rechtlichen Fernsehprogramm beschäftigen und die diese Einmaligkeit, dass zwei Kommissare sich darin über 100 Tatort-Folgen halten, in einen etwas größeren Zusammenhang hätten stellen können.

Auch das Phänomen, sich über eine so lange Zeit die Redaktionen gewogen zu halten. Aber nein, BR-Redakteur Florian Kummert hat sich für die bequeme Variante des Familienalbums, des Klassentreffens entschieden, womit er Heiko Rauber die Gunst des Auftrags hat zukommen lassen. Der hat schön brav Ausschnitte aus früheren Folgen zu den neuesten hinzu ausgesucht; er hat bestimmt berücksichtigt, was den BR-Redakteuren teuer und lieb an Namen ist. Er hat nur Gutes sagende Talking Heads vor die Kamera geholt und auch die beiden Kommissare plaudern über das Buch gebeugt oder über ein Fotoalbum aus dem Nähkästchen. Wobei Anekdoten unterhaltsam sein können.

Der BR ist der Versuchung erlegen, ein PR-Feature draus zu machen, es als Propagandainstrument einzusetzen und somit sich selbst gesellschaftlich unwichtig zu machen, statt dass sie jemanden von außen damit beauftragt hätten. Es köchelt sich so wohlig im eigenen Saft, so interessant es ist, über Folgen hinweg zu beobachten, wie die Kommissare sich verändern.

Nett halt, aber was nett ist, muss nicht gut und teuer sein. Die Art Familienalbum erinnert an die Art Verabschiedung eines langjährigen Vereinsvorsitzenden im Kegel- oder im Kaninchenverein; berücksichtig zu wenig den Stellenwert in der Öffentlichkeit.

Gerade so eine objektivierende, einsortierende Sendung und Würdigung durch andere gesellschaftliche Instanzen könnte dem unter immer stärkerem Rechtfertigungsdruck stehenden öffentlich-rechtlichen Rundfunk nützen; das ist hier nicht gegeben und offenbar auch nicht gewollt.

Eine Betrachtung und Einordnung von außen, ob die beiden nun ins Museum für Möbel zum Sonntagabend kommen oder ob sie gar wie Kokuho: Meister des Kabuiki würdig wären der Zuschreibung eines lebendigen nationalen Schatzes, hätte der Glaubwürdigkeit des Unterfangens nicht geschadet.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Tatort: Unvergänglich (Teil 2) (Das Erste, Montag, 6. April 2026, 20.15 Uhr)

Schablonenhaftes Hit-and-Run nach Mord am Schlüsseldienstmann

Sie wühlen weiter im Dunkeln, reimen sich ein paar Dinge zusammen. Einen gewissen Charme hat die private, die Rentnerseite der beiden Kommisssare und zum Teil die freischaffende Wiederaufnahme der Ermittlertätigkeit; wobei sie zu oft, speziell Batic, in ihre Ermittlerroutinen zurückfallen, wähend Leitmayr sichtlich Spaß an der neuen Rollennuance hat. Insgesamt wäre Spielraum für deutlich mehr Reiz.

Für solche Durchschnittsschablonendrogenkrimiware braucht es wirklich keinen Tatort. Schade, dass der Abschluss dieser Protagonistenreihe solch austauschbare Schlussverkaufs-Sonderangebot ist, die so gar keinen neuen Aspekt des Drogenproblems beleuchtet.

Wirkt, wird spätabends gesendet, einschläfernd; wegen null Überraschung. Nicht mal spannend gebaut und inszeniert. Das Potential an Reiz, was die Konstellation der Rückkehrer bietet, in keiner Weise ausgeschöpft. Zu schwerfällig inszeniert und geschrieben, was wohl inspiriert sein soll durch das Genre der leichten Gaunerkomödie.

Nichtssagendes Fernsehen ist das und wirkt bemüht, konstruiert und so beliebig, ja, extrem langweilig, weil es ersichtlich Konstrukt um des Krimis willen ist und nicht Krimi wegen menschlicher Beweg- und Abgründe. Bis zuletzt arbeiten sie mit verlangsamenden Rückblenden. Und dann die Art Location für den Countdown, so was von abgedroschen, schade um jeden Gebührencent!

Die Auflösung folge am 6. April im Ersten. (es ist doch schon der 6. April um 22.45 Uhr); wird eh kaum jemanden mehr interessieren.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Tatort: Unvergänglich (Teil 1) (Das Erste, Sonntag, 5. April 2026, 20.15 Uhr)

Pflegefamilie ist Scheiße –
Kommissaren tappen im Dunkeln.

Schon merkwürdig, in einer Zeit, wo Tausende von Stellen in vielen Industriebranchen abgebaut werden und die Leute auf der Straße stehen, so ein Getue und Gewese zu machen bei zwei Kommissaren, wo manch einer gar froh ist, wenn er sie nicht mehr aus Gewohnheit schauen muss, die garantiert gut, hervorragend sogar versorgt sind, gerade auch mit der Pension aus dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk (wäre schön, wenn sie das offenlegen würden); für so einen Abschied die Öffentlichkeit mit so einer Gefühlsduselei zu missbrauchen, das ist widerlich. Ein Abgang, der in jüngster Zeit an Peinlichkeit nur noch übertroffen wurde, von der Abwahl des Münchner OBs bei den Kommunalwahlen im März dieses Jahres. Die Leute haben ganz andere Sorgen, als diejenige des Renteneintritts von zwei weißen, alten Männern, denen ein exklusives Leben als TV-Subventionsstars auf Kosten der Zwangsgebührenzahler vergönnt war.

So ein Gewese. Ist denen ihr Kommissartum, was ja nun wirklich keine besondere schauspielerische Leistung ist, sondern längst reine Routine, in den Kopf gestiegen? Sie hätten sich ja nicht hergeben müssen dafür. Immerhin sind ihre Gesichter schon, als ob sie panische Angst vorm Abtreten hätten, einem Schicksal, was täglich Tausenden passiert, als Litfasssäulenposter aufgetaucht.

Dieser Tatort wirkt – wieder einmal – wie die Ambition eines Zwerges, der ein Riese sein möchte.

Drehbuchminderqualität mit Sätzen wie: „Ich glaub, der hat was“, schinden Zeit, bringen den Fall weder vorwärts noch leuchten sie tiefer hinein. Oder: „Wie Du das alles machst, so ganz allein.“ „Ich weiß wirklich nicht, wer Euch beide ersetzen soll“, „Hat noch keiner die Stelle, wird aber bald ausgeschrieben“ (schön wärs beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn es da einen Wettbewerb um die Schauspielerstellen gäbe und nicht der Gnädigkeitserweis per Gunst die Normalität wäre) „Gut, dann sind alle Aufgaben verteilt, auf geht’s!“, sowie überflüssiges Bed-and-Breakfast-Gebabbele.

„Sie war sehr fleißig und da hat man keine Zeit für das Leben, nur für das Sterben“, überflüssige Banalphilosophiesätze, die die sprechende Person kaum charakterisieren und auch kein besonderes Licht auf das beschriebene Opfer werfen.

Immerhin wird Ad-hoc-Dramatik entwickelt mit der Tante, die nicht glauben will, dass das Opfer so gar nichts dabei gehabt haben soll. Sie nimmt es den Kommissaren nicht ab. Aber auch das wirft kein Licht auf den Fall, noch erleuchtet es irgendwelche sozialen Belange unserer Gesellschaft; füllt nur Zeit mit Scheindramatik. Diese Aufregung trägt rein gar nichts zur – immer noch gesuchten – möglichen Substanz des Falles bei. Auch nicht illustrativ, außer dass sie dem einen Kommissar die Möglichkeit gibt, einen Satz auf Kroatisch zu sagen.

„Ich habs mir gedacht“, „Schick sofort die Spusi in die Wohnung“ „Die ist schon unterwegs“ – reine Routinefüllsätze, die bestimmt bei jeder KI leicht abrufbar sind. Und was, bittschön, soll uns das erzählen: „Gehts bitte zu Zweit und nicht allein“ und gleich darauf „Anscheinend geht es auch allein“ …

Weiteres Füllmaterial: „Aber eine Bewohnerin möchte noch was zur Aussage bringen, Stock höher“ „ok, links oder rechts?“ „zweite Tür links“: wenn so eine Aussage nicht mal einen Krimi in Schwung bringt und tiefschürfende Einblick in das soziale Gefüge Münchens gibt!, zu Schweigen vom pseudospontan abgesonderten „Ach, Herr Batic!“.

Dann ein breiter Klischee-neugierige-Nachbarin-Auftritt, klischeeiger geht nicht und die Darstellerin wird in den Anfangscredits als „Gast“ (von der Bauerntheater-Klitsche?) annonciert; mit solch unangebrachter Hervorhebung macht sich der Tatort zum Affen in einem Wichtigtuerzirkus. „Wenn Sie einen Zettel haben und einen Stift.“ „Bittschön“ – „ah, Kreuzworträtsel, ja, gut, bitte dann“, so viel Blabla, so ein schwaches Drehbuch, was versucht eine Fernsehrealität zu behaupten, die mit Alltagsrealität so gar nichts zu tun hat, weil die entsprechenden Sätze ja auch nicht beiläufig genug abfallen; sondern ordentlich schauspielerisch erlernt und eingeübt sind.

Dann eine unbedingt originell und schräg sein müssende Hausmeisterfigur Pfannenmüller mit Fetisch, die von der Konstruktion her jeglicher Plausibilität entbehrt. Weiteres Dialogfragment „Ach, ach, ach, eh, Scheiße“.

„Ach, Kalli, frag mal in der Rechtsmedizin, ob in der Schusswunde Bauschaumpartikel waren“ .. „wir haben noch ein ganz anderes Thema, komm mal mit“.

„Grausamer Leichenfund unter dem Quirin-Platz“, eine Zeitungsschlagzeile zur Lokalisierung der Eingangsbilder. Dann ein Schlagzeilen-Zusatz, der einer gewissen Partei Futter gibt: „Ist München nicht mehr sicher?“ (geradezu absurd, im Hinblick auf den verschlossenen Fundort der Leiche). Einige Dialogfetzen als nicht sonderlich originelle KI-Apercus.

Usw usf

Über eine halbe Stunde tappen die Kommissare im Dunkeln, es gibt noch keinen Hinweis auf das brennende, soziale Thema, auf das der Tatort aufmerksam machen möchte; allenfalls randständig, aber man vermutet eher zum Behufe des Originellseins das Fetischthema beim Hausmeister.

Bis hierher hat der Tatort nur erzählt, dass die Kommissare im Dunkeln tappen, wie Rätsellöser. Eigentlich ist es dem Zuschauer vollkommen wurst, ob die beiden den Fall noch lösen, bevor sie in Ruhestand gehen; da dieser letzte Fall auf zwei Folgen angelegt ist, ist nicht zu erwarten, dass sie so schnell zu einem Resultat kommen; da werden die Autoren bestimmt einen Cliffhanger am Ende des ersten Falles eingebaut haben.

Ein klischeedrogenverhunztes weibliches Geschöpf tritt auf mit rosa gefärbten Haarsträhnen.

Nach etwa 40 Minuten ist ein Sonderfall ins Visier der Fahnder geraten, Mike Werner, ein Typ, der immer für eine Nacht Bed-and-Breakfast (wäre moderner nicht AirBnB, wenn die schon ständig mit der KI rumalbern?) gebucht hat; mögliches Vergehen: er hat die Schlüssel nachmachen lassen. Ein in Deutschland sicher gravierendes, soziales Problem und sonntagabendwichtig. Doch eher: an den Haaren herbeigezogen. Dass der BR brandaktuell kann, hat er eben wunderbar bewiesen mit Kings of Scam – Wer klickt, verliert. Dagegen wirkt dieser Tatort durch und durch verschnarcht.

Immerhin: zur Halbzeit gibt es eine abstruse Mordtheorie und eine Werweißerei im Kommissarsmilieu.

Dann wird wie die zweite Zündstufe einer Rakete das hohe Risikoprofil des Täters aus dem Hut gezaubert; nein, München ist nicht sicher. Die Kommissare legen nun einen Zahn zu; das gibt die antreibende Musik zu verstehen flankiert von Polizeisirenen; es ist beinah, als würde Iran München angreifen.

Aber statt Action folgt die müde Frage, „Du, was machen wir jetzt eigentlich am letzten Arbeitstag der beiden“ und der längst routinegeschliffene Nachfolger meint, er komme nicht zum Nachdenken.
Mei, wirklich schad, dass sie aufhören, die san ja so tüchtig, schade. Für den Fortgang der Action bleibt, da alles so ungeschickt eingefädelt ist, nur noch absurde Thrillerelemente zu bemühen, die in austauschbarem B-Movie-Aktionionismus versanden. Da loben wir uns doch den Polizeiruf 110: Ablass! vom 15. März.

Mit Minute 55 wird das Thema Pflegefamilie als pures Klischee akut („Ich war immer allen egal.“). Das könnte die Kernaussage dieses Tatortes sein: Pflegefamilie ist Scheiße und lässt kriminelle Früchtchen gedeihen.

Unerklärlich, warum dieses schwache Drehbuch die Gunst des BR-Redakteurs Cornelius Conrad erhalten hat.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers wegen unqualifizierten Umganges mit seinem Geld!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Kontrovers – Die Story; Mein Großvater – der Nazi – Schuld und Schweigen in der eigenen Familie (BR, Mittwoch, 1. April 2026, 21.15 Uhr)

Reißerisch

ist die grafische Umrandung der schwarz-weiß Fotos des Opas mit einer Art rostrotem Gitter, das an den Ecken die Ansätze eines Hakenkreuzes insinuiert. Da weiß man, der war ein Böser.

Rein gar nichts ist kontrovers an dieser Sendung, die sich mit just diesem Eigenschaftswort schmückt, rein gar nichts. Gut und Böse sind klar aufgeteilt. Der Enkel ist der Gute, der mit demselben Ernst, mit dem sein Opa Nazi war, eine Aufarbeitung angehen möchte.

Reißerisch ist der Film auch mit den Aufmarsch- und Führerpropagandabildern, die er telquel übernimmt. Wie man das klüger, schlauer, dezidiert distanzierender handhaben kann, zeigt der „Film Friendly Fire – Erich Fried“, der am 30. April ins Kino kommt. Auch die Präsentation der Nazi-Devotionalien des Opas passiert andächtig, als ob sie etwas Kostbares wären.

Grade ertragreich ist auch das gebrochene Schweigen in der eigenen Familie nicht; denn da nichts gesagt worden ist, ist nichts weitergegeben worden. Über den Opa ist, außer, dass er ein ernster Mann gewesen sei, nicht viel mehr zu erfahren, als dass er bei der SS in aktiver Funktion tätig war. Auch ist der Titel der Sendung irreführend, da es praktisch nur um die Reichsprogromnacht geht. Der Titelzusatz mit „Schuld und Schweigen in der eigenen Familie“ wirkt angeberisch, da das nicht weiter behandelt wird außer der Feststellung, dass das kein Thema gewesen sei.

Der Film konzentriert sich auf die Reichsprogromnacht und da habe der Opa an vorderster Stelle mit gebrandschatzt. Was er sonst noch bei der SS getrieben hat, bleibt im Dunkeln. Kein Wunder, dass dessen Tochter unter einem Transgenerationentrauma litt, das sie wiederum an den Protagonisten dieses TV-Features von Christian Stücken und in beschämender redaktioneller Verantwortung und Leitung von Birgit Kappel weitergegeben hat. Deshalb gibt es ein anskizziertes Gespräch mit einem Psychologen.

Die Leiterin des NS-Dokumentationszentrums in München (wenn der Film nach München wechselt, wird mit Schrift der Name eingeblendet und ein roter Pfeil weist daraufhin, für alle, die es von den Bildern her nicht merken) geht auf den Auslöser für die Reichsprogromnacht ein: das Attentat des polnischen Juden Grynspan auf den Legationssekretär der deutschen Botschaft in Paris.

Vielleicht ist der Film lediglich als vorsorgliche Werbung für das Buch gedacht, das der Protagonist am Schreiben sei. Es scheint darin um seinen Herkunftsort Rheine zu gehen und wie die wie das übrige Deutschland den Wahnsinn mitgemacht haben. So entfährt denn dem Protagonisten auch und mal ein „Wahnsinn, verrückt, wirklich verrückt!“. Und dann werden noch ein paar Stolpersteine aufpoliert.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Kings of Scam – Wer klickt, verliert. Folge 1: Sie haben Post (Das Erste, Mittwoch, 1. April 2026, 22.50 Uhr)

Internetlangfinger

Untrennbar mit dem Besitzdenken scheint das Diebstahlsdenken verbunden zu sein. Da das Internet eine relativ junge Kulturtechnik ist, haben es hier Diebe besonders leicht, speziell, wenn es um Kreditkarten und deren Daten geht. Da lassen sich Menschen reinlegen, die nicht unbedingt auf den Enkeltrick reinfallen würden.

Man ist in Hektik, erwartet ein Paket, bekommt eine SMS mit der Mitteilung über einen erfolglosen Zustellversuch und soll mal schnell ein paar Daten preisgeben, damit das gelingen kann. Und schwups kann der schlaue Datenfischer irgendwo auf der Welt mit der Kreditkartennummer shoppen gehen.

Das Rechercheteam aus Julia Schweinberger, Lena Walbrunn, Alexander Nabert, Arne Meyer-Fünffinger und Sammy Khamis, redaktionell betreut von Verena Nierle, Pia Dangelmayer und Maximilian Zierer, hat sich dieses leidigen Themas aufklärerisch angenommen und präsentiert seine Erkenntnisse als spannendes Infotainment.

Dem Rechercheteam des BR ist ein größeres Datenkonvulut, das detailliert hundertausendfachen Smishing-Betrug dokumentiert, in die Hände gefallen. Sie haben Kontakt zu ethischen Profihackern und einem Datenjournalisten aus Norwegen aufgenommen und sie kommen selber einem von sich sehr eingenommenen Datenlangfinger auf die Spur, weil der seinen Life-Style und seine Beute stolz im Darcula-Chat präsentiert.

Schöner Cliffhanger am Schluss dieser ersten Folge: einer vom Team macht sich auf den Weg, um den Datendieb von Bangkok eventuell persönlich ausfindig zu machen.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Polizeiruf 110: Ablass (Das Erste, Sonntag, 15. März 2026, 20.15 Uhr)

Neue Sachlichkeit?

Kehrt mit Johanna Wokalek als Ermittlerin Cris Blohm eine neue Sachlichkeit in die öffentlich-rechtliche Sonntagabendkrimiwelt ein, die mit ihrer Schnörkellosigkeit und Unaufgeregtheit eine neue Glauwürdigkeit und damit eine Verstärkung der Relevanz mit sich bringt?

So scheint es auf jeden Fall mit diesem Fall von Christian Bach, der sowohl das Buch geschrieben als auch die Regie geführt hat unter den redaktionellen Auspizien der Zwangsgebührentreuhänder Claudia Simionescu und Tobias Schultze vom BR.

Ein Krimi, der sich möglicherweise an der entspannten Art von früheren, sorgsam gemachten Reihen wie Derrick orientiert. Es ist ein Krimi, der keine hirnrissigen Ausflüge in eitler Extravagenzlerei auf Kosten der Gebührenzahler in irgendwelche Luxusherbergen in den Alpen, in die Innenwelt eines Staatstheaters oder besonders sensationsgierig mitten in die Münchner Sicherheitskonferenz unternehmen muss, kein Krimi, der sich als verkapptes Kino fühlt, kein Krimi, der überambitioniert gleich alle gesellschaftlichen Probleme auf einmal auffächern, mit einem Themenwust sich aufspielen will.

Es ist ein Krimi, der einen Einblick in ein modernes München gibt, in feinere Schichten und in weniger feine und wie die feinen Schichten die weniger feinen ausnutzen. Es geht um Fälle, die man durchaus für möglich hält. Es ist eine Erzählung, die auch dank der klaren, schnittfreundlichen Bildgestaltung von Namche Okon prima verdaulich und nachvollziehbar präsentiert wird. Sie zeigt ein München aus verschiedenen Perspektiven.

Es ist ein Krimi, der nicht mit erzwungener Originalität, sowohl der Texte als auch der Figuren, auffallen will. Der schrägste Witz ist derjenige mit dem Kondom am Feuermelder; von der feineren Art ist eine Pointe wie diejenige, dass die Diplomatie eine Bereicherung darstelle vor allem für die Charakterbildung (wäre einer genaueren Evalutaion wert).

In einem der beiden Fälle spielt eine Diplomatenfamilie eine Rolle. Das sind die Assauers. Mutter Mona (Liliane Amuat) ist Diplomatin. Tochter Kim (Josefine Keller) ist in einen Fall von Fahrerflucht verwickelt. Mit diesem Delikt fängt der Krimi schön konventionell an. Ein Porsche überfährt bei der Renatastraße in Nymphenburg einen Radfahrer. Der ist tot. Der Fahrer auf der Flucht.

Den Porsche melden die Assauers zwei Tage nach dem Vorfall als gestohlen. Den Kopf für Diebstahl und Fahrerflucht hält Timo Reisinger (Christopher Todt) hin. Der ist ein bekannter Autoknacker, arbeitslos. Er wohnt mit Frau und zwei Kindern in einem Wohnblock. Die soziale Spanne ist somit angedeutet.

Es gibt einen zweiten Fall, einen Cold Case. Eine in einen Sack gepackte Frauenleiche wird an einem Isarwehr angespült. Für den Mord an der Frau sitzt der Afrikaner Léon Kamara (Yoli Fuller) in Stadelheim ein. Er hatte den Mord damals auch gestanden. Allerdings hatte er behauptet, die Leiche zerstückelt und im Müll entsorgt zu haben.

Ermittlerin Blohm und ihr angehm zurückgenommen spielende Kollege Stephan Zinner als Dennis Eden stoßen in beiden Fällen auf den Staranwalt August Schellenberg. Der wird blendend diskret gespielt von Tobias Moretti.

Überhaupt setzt der Regisseur seine prima von Nessie Nesslauer gecasteten Darsteller mit feiner Führung in sein Krimipuzzle ein, das er nie aus dem Auge verliert. Die Musik von Ege Ateslioglu trägt in ihrer Diskretion und Unaufdringlichkeit das ihre bei.

Es ist Fernsehen, bei dem man gern zuschaut, Sympathie für die Figuren empfindet, weil es nicht mehr sein will, als gut erzählendes Fernsehen, weil es so ganz bei sich ist und weil es Dinge erzählt, die durchaus vorstellbar sind in einer Stadt wie München. Oh, da schaudert einen, vor allem, wenn man das Ende bedenkt, das möglicherweise für Diskussionen sorgen wird.

Eine Mäkelei gibt’s dennoch. Sie betrifft das Buch. Die 90 Minuten würden vermutlich noch ergiebiger, wenn sich der Film auf den Fall der Assauer beschränkt hätte und den nötigen Vergleichsfall nur kursorisch, so weit nötig, angeführt. Es wäre schon spannend, etwas mehr Einblick in das Diplomatenmilieu, vor allem das Leben der Tochter und ihrer Handlungsmotive zu erhalten. An Erzählfutter dürfte es hierbei nicht mangeln. Dass der Polizeiruf mit kleinen Szenen auf Rechtsbestände aufmerksam macht, das ist ganz ok, da etwas zu lernen, falls man es noch nicht weiß, zum Beispiel, dass ein verurteilter Straftäter nicht ein zweites Mal für dasselbe Delikt verurteilt werden kann.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.