ALR 134
Darum geht es in diesem Berchtesgadener Krimi. Das hat lokalen Bezug. Nicht nur hatte ein erfolgloser Maler und Massenmörder seine Datsche am Obersalzberg. Hier in der Nähe wurde auch Raubkunst der Nazis kurz vor Kriegsende in einem Stollen versteckt.
Das zeigt der Anspannfilm: Kinder am Kriegsende spielen in diesem Stollen und entdecken die Kisten. ALR 134 ist die Bezeichnung der Forscher für ein Lot davon.
Eines der Werke ist die titelgebende Madonna mit den Tränen. Sie wird im Internet für einen Spottpreis ausgeschrieben. Es melden sich mehrere Interessenten. Sie machen ihre Aufwartung beim Kunsthändler in Berchtesgaden, der sie verkaufen will. Der ist bald tot.
Da setzt die Krimihandlung ein. Der Kommissar (Andreas Giebel) ist auf dem Weg in die Oper mit Frau und Tochter und muss sich stattdessen, bereits im Smoking, mit einem Toten befassen. Die Toten haben Vorrang, meint seine Frau.
Berchtesgaden wird zum Stelldichein für Kunstexperten (Marcus Mittermeier), die serbische Mafia (Luka Dimic) und Holocaustgeschädigte (Inge Maux und Daniel Langbein). Der Sohn Anton (Paul Wellenhof) von Marianne Sägebrecht, der den Hof übernehmen soll, spielt auch einen Part. Die verdeckten Ermittler Jery (Peter Marton) und seine Kollegin Sophie (Katharina Leonore Goebel) mieten sich im Luxushotel die Hochzeitssuite, um einen Verdächtigen zu observieren. Dafür gibt es Champanger; die ersehnten Pralinen folgen mit Verspätung.
Andreas Giebel, der den Hauptkommissar spielt, mag ein honoriger Kabarettist sein; zum bayerisch-hinterfotzigen Charmebolzen fehlt ihm die gewisse Bauernschläue (wenn man an die großen Vorbilder denkt). Er wirkt, als ob er ohne Reserve spiele, immer mit dem Tank grad kurz davor, leer zu sein; die Sätze wirken hart, ohne dieses Etwas, was Platz lässt für ein Augenzwinkern, für Zweideutigkeiten, für die inkludierte Widersprüchlichkeit; dieser Kommissar schaut erzfinster und böse; ein Kommissar am Anschlag; ja, er kommt bemüht rüber, klotzig, uncharmant, ihm fehlt das, was die Walter Sedlmayrs, Gustl Bayrhammers oder auch den Otti Fischer so unwiderstehlich gemacht hat (an solchen Kalibern von bayerischen Schauspielern scheint es offenbar akutell zu fehlen oder es wurde nicht gründlich gesucht).
Ihm fehlt auch jene notwendige Protagonisten-Eigenschaft, die ein Ensemble wie magisch zusammenhält. Er bleibt Einzeldarsteller. Warum hinkt der Kommissar? Das bräuchte eine Begründung; wenn es rein privater Natur ist, wirkt es unbeholfen; eine Knie-OP oder eben eine Rollenstory von bösartiger Arthrose und Angst vor OP könnten das heilen.
Giebel scheint eine administrative Notlösung zu sein für die Redakteure Antje Schlüter (BR), Elmar Jaeger (BR), Niklas Wirth (ARD Degeto), weil es den gesuchten bayerischen Typus offenbar nicht mehr gibt, jene zwiderwurzigen Charmebolzen, wie ein Helmut Fischer; auch in seinem Gang wirkt Giebel schwerfällig, es bleibt kein Spielraum, den Fuß, das Bein vielleicht anders zu setzen. Es ist alles so eineindeutig und damit eindimensional.
Als Krimi scheint mir das Drehbuch – schön verwurzelt in der Nazizeit – von Paul Milbers, Lars Albau, Lauras Haufe tv-ordentlich und tv-tauglich, sowohl BR- als auch Degeto-hauptabendprogrammkompatibel; es räubert souverän bei bewährten Versatzstücken aus dem Halunkengenre, flapsig gesagt; das ist eher ungewöhnlich, dass das Drehbuch stärker ist als die üblichen Gewerke.
Der schwere, dramaturgische Melo-Hinkefuss des Drehbuchs ist der Moralzeigefinger im Endspurt: „Sie haben die Bilder nicht versteckt, um sie zu behalten, Sie haben sie versteckt, um nicht hinsehen zu müssen“ … „Aber heute hast Du Dein Schweigen gebrochen, Du hast nicht zugelassen, dass ich abgefahren bin ohne das, was meiner Familie gehört“. Das Buch ist indes schön nachvollziehbar aufgebaut; die Musik sorgt für den Finish.
Der Cast dagegen wirkt holprig zusammengestellt, das dürfte mit der Besetzung der Hauptfigur zusammenhängen; dieses Problem scheint die Regie von Sabine Derflinger ungefiltert weiterzugeben; die wirkt momentweise steif und unbeholfen; selbst eine Marianne Sägebrecht scheint mit der Überdosis an Melo, die ihr abverlangt wird, zu hadern, und bei ihren ungebetenen Pensionsgästen, die sie nach einem bestechenden Angebot reinlässt, merkt man sofort, dass die Koffer leer sind; diese Defizite bleiben am Zuschauer hängen. So ergibt sich wenig Synergie und kaum Sympathie.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.
ALR 134 Darum geht es in diesem Berchtesgadener Krimi. Das hat lokalen Bezug. Nicht nur hatte ein erfolgloser Maler und Massenmörder seine Datsche am Obersalzberg. Hier in der Nähe wurde...