Archiv der Kategorie: Kurzfilm

Niederbayern: ernst-melancholischer Pfingstmontagsausflug auf Youtube

Die Bilderwelt ist getragen ernst, schwarz-weiß, auf dem Videoclip zum Gedicht WÖDASCHWÜLN von Emerenz Meier (1874 – 1928). Die Musik ist schon wütender dagegen (Jürgen Engl, der auch singt, und Barbara Dorsch). Für die Regie steht Philipp Wagner. Er sollte sich vielleicht mal Murnau-Filme (Nosferatu) anschauen, wie sich innere Emotion, Natur-Aufruhr und Grenzsituation in Pferdekutschenfahrten darstellen lässt. Der Text selbst von Emerenz Meier ist härter als es sich anhört oder anschaut: es geht um enttäuschte Liebe, den Rivalen und den Wunsch nach dem Eingreifen Gottes mittels Einsatz der Naturgewalten.

Searching for Wives (Kurzfilm)

Wie ein dialektischer Vorfilm zum heute startenden Where to, Miss? (einem Film der Filmakademie Baden-Württemberg) kann dieser leichte, schnelle, unterhaltsame, von Peter Lim geschmeidig gschnittene Kurzfilmtupfer von Zuki Juno Tbgye gesehen werden.

Er berichtet nicht von der Emanzipation der Frau in Indien, sondern von der Nicht-Emanzipation eines indischen Mannes, von Shanmugavel Pathakarnan, 34, der in einer Variante der Tradition eine Frau sucht.

Sein Problem: er ist indischer Gastarbeiter in Singapur. Er hat das Geld für eine eigenes Haus zusammen. Aber er hat keine Gelegenheit, Frauen aus seiner Heimat kennenzulernen. Der Brauch ist, dagegen wehrt er sich nicht, dass die Familie die Braut aussucht und die Hochzeit die erste Begegnung der beiden ist.

Entscheidend für die Brautsuche ist also das Foto (Ganzkörperfoto), das er nach Hause schickt und welches in Frage kommenden Frauen gezeigt wird. Es sollte aus diesem Grund ein besonders attraktives Foto sein. Die Dokumentaristin ist beim Fotoshooting dabei. Sie befragt ihn auch zu seiner Haltung. Ihn interessiert eine Liebesheirat nicht. Die Frau muss zuverlässig und herzlich sein.

Allerdings stellt er fest, dass immer weniger Frauen bereit sind, auf diesem Wege ihren Mann zu suchen. Dazu liefert „Where to, Miss?“ ein Gegenbeispiel. Dieser Kurzfilm hier stammt auch aus Singapur, von der The Puttnam School of Film und dem Lasalle college of the Arts.

Pistenzauber (Kurzfilm)

Die Kunst des Kurzfilmes. In zwanzig Minuten etwas erzählen, das aufschlussreich ist, das man rekapitulieren kann, das zu schauen Vergnügen bereitet.

Das ist Korbinian Dufter hier ganz gut gelungen (er hat dafür den Shocking Shorts Award 2016 gewonnen).

Dufter nimmt mit seiner schwarzen Komödie auf weißer Piste in dunkler Nacht den Skizirkus auf die Schippe, resp. dieser geht bei ihm von der Schippe. Er zeichnet ihn als das absurde Ineinandergreifen eines Räderwerkes aus lauter indivduellen, nicht synchronisierten Rädern mit eigenen Zielen – Assozitation: Tinguely-Maschine – aus den Bedürfnissen Yoga und Skifahren, Ficken und Blasen, Pistenraupenvorschriften und knarzende Kette, Schredder und Selbstanzeige, aus bunten Bällen auf der Piste, Erste-Hilfe-Kurs, Disko, Anmache und Lächerlichmachung durch Liebesbriefe.

Nur das Rad der alpen- und menschenvernichtenden Ski- und Tourismus-Industrie, der Investoren, der Geldmacher, das dreht sich rücksichts- und gnadenlos, planiert mit der Pistenraupe alles andere unter sein Ziel des Geschäfts, schaufelt wie ein großes Zahnrad (der Seilbahn) unaufhörlich sich drehend den Gewinn herbei.

Super geschrieben, super inszeniert, super gespielt und last not least, super gefimt von Tim Kuhn, mit dem die aktuelle Ausgabe von Kameramann, Bild, Ton & Schnitt ein Interview führt.

In Our Country (Kurzfilm)

Ein positiver Spot auf das Flüchtlingsproblem, ein edel gesinnter Blick ist dieser Kurzfilm von Louisa Wagner, die mit Saskia Hahn auch das Drehbuch geschrieben hat.

Er könnte als Vorfilm zu Willkommen bei den Hartmanns gezeigt werden; auch er ist eine Illustration zum Satz „Wir schaffen das“, selbst wenn die Kanzlerin davon längst abgerückt ist.

Allerdings bekommt der Flüchtling Tekle (Alexes Feelmo) seine Grenzen zu spüren: er will Fußballstar, Abwehrspieler, werden; dazu reicht es nicht, da ist er zu spät dran; das will ihm der Auftritt in der kleinen, bayerischen Fußballmannschaft aus wohlerzogenen Jungs zeigen; er ist zwar laufstark aber nicht begabt genug.

Dass er seinen Traum nicht erfüllen kann, beschert ihm ein Problem hinsichtlich seiner Heimat Eritrea; denn die Eltern werden dem Staat viel Geld zahlen müssen für die Flucht der beiden Söhne.

Der Bruder ist in der Wüste zurückgeblieben, verdurstet. Die Bilder aus der Vergangenheit werden in brenzligen Fußballsituationen als Flashbacks dazwischengeschnitten.

Nach misstrauischem Beäugen und nachdem unser Protagonist sich mit dem Deutschen Anton (Toto Knoblauch) angefreundet hat, nimmt ihn der Rest der Mannschaft an, eine sympathisch gecastete Truppe junger Talente, und die Schlagwörter zum Zuprosten, die hat der Immigrant schon drauf.

Ute Bolmer verfolgt diese Annäherung mit empathischer Kamera, die ständig in aufmerksamer Bewegung ist. Über sie ist mehr zu erfahren im „Kameradialog“ in der aktuellen Ausgabe von Film & TV Kameramann.