Archiv für die Kategorie: “Kurzfilm”

Hier sind die Links zu den Reviews der Filme aus dem Kurzfilmwettbewerb an der Pantalla Latina in St. Gallen.
Das Publikum hat Corp zum Sieger gekürt.

A
Wer oft A sagt, kommt nicht immer dazu, B zu sagen.

AL SILENCIO
Ein Mann geht seinen Weg. Er trägt eine Last.

CON SANA ALEGRIA
Pflege der Oma muss in Kuba die Lebensfreude nicht dämpfen.

CORP
Eigenes Fenster schützt nicht vor der Maschinerei des Geldverdienens.

ENCARNACION
Postmassacker-Ttraumatisierung eines Täters.

GENARO
Genaro liefert die Leichen von Opfern der Paramilitärs den Hinterbliebenen aus.

LUPUS
Die Haut der Erde, die Haut des Menschen und der Wolf im Hund.

LOS AERONAUTAS
Überleben und sich verteidigen in arider Animationsgegend.

ONION
Die Zwiebel ist das neue Om.

PARTIR
Ein langer Weg zu einem kurzen Blick.

PEQUENO MANIFIESTO CONTRA EL CINE SOLEMNE
In die Quatschmaschine mit den eheren Regeln des Filmemachens.

REO
Schweirig, sich nach dem Knast in einer fremden Welt sich zurechtzufinden.

TODOS BAILABAN
Mobbing kann einen wahren Tänzer nicht umwerfen.

VERDE
Die Blase, in der Security-Personal von Realitätsschwund heimgesucht wird.

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Die erklärte Intention des Filmemachers Alonso Ruiz Palacios ist laut Festivalpräsentation das Porträt von Ariel.

Ariel ist ein Geldtransportfahrer, seine Frau ist schwanger.

Während seine Kollegen den gepanzerten Geldtransporter zur Ausführung eines Auftrags verlassen, studiert Ariel hinterm Steuer Ultraschallbilder seines ungeborenen Kindes. Ein Systemausfall lässt ihn die Möglichkeit eines Geldraubes erwägen.

Faktisch jedoch schildert Palacios gänsehauterregend die Blase, in die solche Security-Leute hineinsinken, die Isolation, die sie in ihrer Waffen- und Panzerwagenwelt weltfremd und wirklichkeitsabgehoben inhuman werden lässt, den über sie hereinbrechenden Realitätsverlust, der zu fürchterlichen Exzessen in undemokratischen Systemen führen kann und auch in Lateinamerika vielfach geführt hat; da zeugen nicht zuletzt die vielen Aufarbeitungsfilme davon. Insofern kann dieser Film als ein Mosaikstein im wichtigen Genre der Diktaturaufarbeitungsfilme gesehen werden.

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Ein Plakativ- oder Appellativfilm zum Thema Mobbing von Jurek Jablonicky Pineda aus Honduras.

Fernando (Cristhian Lazo) ist ein wunderbar tänzerischer junger Mann. Mit der fließender Bewegung eines schnellen Ganges saugt er sich gleich in das Auge des Betrachters. Er trabt lange in harmonisch-leichten Bewegungen auf dem Weg zur Schule.

Kurz davor setzt er sich und tauscht sein Tanz-Schuhwerk gegen gewöhnliche Straßenschuhe, wie sie zu seiner Schuluniform passen. Er nähert sich dem Eingang.

Von den Mitschülern wird er sofort und unisono gemobbt, mit blöden Sprüchen überzogen. Klar, wer Tänzer ist, ist sowieso eine Schwuchtel.

Das Einzige, was der Lehrer tun kann, ist, ihm zu raten, sich zu wehren.

In kinostenographischer Kurzschrift schneidet Pineda jetzt, wenn es der Lehrer schon nicht richten kann, ausgestellte Mobbingszenen mit vollkommenen, in sich gekehrten Tanzszenen von Fernando in der Turnhalle in betörendem, leicht nebeligem Gegenlicht. Tanzzauber gegen Mobber.

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Resozialisierung?

Nach einem längeren Gefängnisaufenthalt in der bürgerlichen Welt wieder an- und unterzukommen ist ein schwierig Ding.

Nicht leichter wird es, wenn man darnach als Tagelöhner versucht, sich durchzuschlagen.

Und auch nicht leichter wird es, wenn Manuel, der in diesem Film von Mauricio Corco Espinoza aus Chile die Hauptrolle spielt, bei einem Stricher unterkommt.

Und auch nicht leichter ist es, wenn so einer nach seiner ihm kaum bekannten Tochter sucht, die auch schon 27 Jahre alt ist und ein Kind hat.

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Repetitions- und gleichzeitig Befreiungs (oder auch Verinnerlichungs?)übung von Roberto Porta aus Argentinien.

Abwerfen der Fesseln der Kinoregeln, die an einer Filmschule gelehrt werden. Die Vorschriften humorvoll übertreiben oder sie ins Gegenteil verkehren, um zu zeigen, dass man sie längst kapiert hat (halten die uns Studenten für blöd?).

Miniatur oder eine lateinamerikanische Minivariante zum Film „Manifesto“, der bei uns bald ins Kino kommt. Denn nur wer die Gesetze über das Filmemachen reflektiert, wird sie smart anwenden können, ohne dass sie noch als Regeln erkennbar wären.

Bombardiert das Regelsystem, treibt es auf die Spitze!

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Die Wüste ist der Ursprung des Wortes und vielleicht auch des Kinobildes. Die Wüste lässt Raum für Träume und Assoziationen. Die Wüste ist der Leinwand Leere und Fülle zugleich.

Figuren in die Wüste stellen, heißt, sie einem extremen Seinszusammenhang auszusetzen.

Maria Gracia Saavedra aus Venezuela lässt Rita (Haydee Faverola) mit zwei anderen Frauen auf dem offenen Gepäckraum in einem alten Amischlitten lange durch die Wüste fahren. Ein Weg von links nach rechts.

Diese Fahrt bemisst den Spielraum der Liebe von Rita, die in der Stadt (einige Häuser) ihren Mann sehen möchte, der sie verlassen hat. Die Blicke, die die beiden tauschen, müssen die Wüstenfahrt aufwiegen.

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Hier wird die Onion, die Zwiebel, zum alternativen Om, was gleich zu verstehen gibt, dass Juan Pablo Zaamella aus Argentinien seine kleine Fingerübug in Kinospielereien nicht todernst angeht.

Seine Protagonistin Jessica (Paloma Contreras) wird von ihrem Macker in PS-starker Sportwagen-Fahrt mit durchgetretenem Gaspedal und Brumm-Brumm zum Zodiac-Yoga gefahren.

Die Kamera lässt sich davon nicht blenden und ergeht sich lustvoll in allerlei Extravaganzen; vergnügt sich im Experimentalmodus.

Astral Emotion und Knetfiguren sind nicht die einzigen weiteren Zutaten zu dieser cineastischen Kurzweiligkeit.

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Ein Animations-Experimentalfilm von Carlos Gómez Salamanca aus Kolumbien, der unter die Haut geht.

Denn mit der Haut hat er es. Haut als die Oberfläche der Erde, auf der wie Haare, Auswüchse oder gar Geschwüre der Mensch seine Städte plant, seine Urbanisierung stattfinden lässt.

Haut aber auch als Ort für die Krankheit Lupus und wenn wir schon dabei sind beim Lupus: Gedankensprung zur anderen Bedeutung des Wortes, zum Wolf und seiner gezähmten Variante, dem Haushund, dem Wachhund.

Salamanca bringt in seinem skeptisch-kritischen Film zum Thema Urbanisierung und Hybris der Menschen diese drei Faktoren interdependent in Aktion und in Vergleich miteinander.

Zwischendrin hält die phototechnisch bearbeitete Politik ihre Sonntagsreden zum sozialen Wohnungsbau, wenn da nicht der Zwischenfall passiert wäre, den der Filmemacher als Zeitungsnotiz vorgefunden hat und die ihn zu dieser bissigen Animation zum Thema verleitet hat.

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Faszinierende Animationsfiguren leben in einem kargen Land, in einem stilisierten Andenhochland.

Sie sind eine Mischug von Urtier und drollig, wirken gemütlich und empathieerregend, verhalten sich nicht unsensibel auf ihre Situation und Lebensumstände. Sie reden gerne über und mit dem Kleinsten Soo’go. Sie sind eine bärige Mischung aus Dino und Gecko.

Ein bedrohlicher Vogel taucht als Gefahr am Horizont auf. Sie müssen sich wehren und sich bewaffnen, schnitzen Pfeile für den Bogen.

León Fernández aus Mexiko hat diesen Film entworfen und realisiert, der eine erstaunliche Vertrautheit verbreitet, vielleicht wegen der gewissen Langsamkeit der Figuren, vielleicht aber auch, weil sie doch recht viel reden; was allerdings für denjenigen, der die Untertitel, die hier teils zweizeilig sind, ein gewisses Problem für den Nachvollzug der Geschichte bereitet, denn man möchte auch nicht eine Bewegung dieser Figuren verpassen.

Vielleicht gefällt einfach auch die gewisse Einfachheit und Übersichtlichkeit dieser Lemurenwelt, zieht Blicke und Mitgefühl wie magnetisch auf sich.

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Thema ist die Gesetzlosigkeit der Paramilitärs in Kolumbien und ihre Opfer.

Jésus Rayes und Andrés Porras bringen den Topos auf die Leinwand und ins Bewusstsein mit einem Porträt von Genaro mit dem eindrücklichen, vom Leben geprägten Gesicht. Dieser fährt im Auftrag der Paramilitärs die Leichen von Ermordeten und Angeschwemmten zu den Hinterbliebenen und übergibt ihnen gleichzeitig einen Umschlag mit Geld.

Die Leichen liegen in einfach gezimmert Holzkisten. Aber Genarrt ist nicht nur Überbringer von Toten und Geld, er hat ein ganz persönliche Interesse.

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