Archiv der Kategorie: Kommentar

Anmerkung für die Leser zu den heutigen Reviews

Heute fängt das Filmfest München an. Einige der Filme aus dem Programm des Filmfestes habe ich schon vorab an regulären Pressevorführungen sehen können. Das ist jetzt etwas viel geworden und da auch noch Programmwechsel in den Kinos ist, kommt noch mehr hinzu; deshalb hier eine kurze Übersicht über die neuen Reviews, die Titel sind weder in alphabetischer noch in gewichtender Reihenfolge, diese ist arbeitstechnisch bedingt, so sieht es beim Runterscrollen aus:

Filmfest München:
Das Märchen der Märchen – Il Racconto dei Racconti
Broadway Therapy
Learning to drive – Fahrstunden fürs Leben
Den Menschen so fern – Loin des hommes
Heil
Der kleine Rabe Socke 2 – Das große Rennen
Slow West
Escobar Paradise Lost
Coconut Hero
Boy 7
Becks letzter Sommer
Amy
Men & Chicken
Ooops! Die Arche ist weg
Die Liebe seines Lebens – the Railway Man

Reguläres Kinoprogramm:
Atlantic
Ted 2
Dior und Ich
Underdog – White God Feher Isten
Freistatt
Täterätää! – Die Kirche bleibt im Dorf 2

stefe

Nuscheln gehört zum Handwerk

Mit Willkommen in Hamburg gab Til Schweiger soeben seinen Einstand als Tatort-Kommissar. Man mag über die meines Erachtens stark schwankende Qualität der Tatorte geteilter Meinung sein, oder auch darüber, ob es nun eher ein Karrieresprung oder das Karriereende bedeutet, wenn man dort „Tenure“ erhält – quasi ein Grundeinkommen für Medienschaffende. Aber das ist mir persönlich heute egal.

Was mir im Vorfeld der Ausstrahlung aufgefallen ist: Es gab jede Menge Häme über Til Schweigers Nuscheln. So auch bei Sheng-fui:

Man mag von Til Schweiger halten, was man will. Aber der Mann ist eine Type. Sein Kommissar ist das, was man als typecast bezeichnet: Ein Schauspieler, der von seinem eigenen Wesen her besonders gut zur Rolle passt. Das ist eine nicht unübliche Methode, um passende Leute für Rollen zu finden. Doch während man hier beispielsweise für ein schüchternes Krischperl grundsätzlich Christian Ulmen zu besetzen scheint, würde sich in Hollywood auch ein Tom Cruise oder ein Gerard Butler in so eine Rolle zu finden suchen.

Und nun hat man Til Schweiger, vom Typ her schon immer der gutaussehende Typ, der eher mit dem Kopf durch die Wand geht, anstatt mal innezuhalten und eine Taktik auszutüfteln, eben für den Tatort besetzt. Und ja, Til Schweiger nuschelt.

Aber mal ehrlich: Wieso stört das so viele? Ich finde es nämlich große Klasse, wenn eine Leinwandfigur Charaktereigenschaften hat, die sie hervorstechen lassen. Während sich in anderen Tatorten die komplette Crew damit abmüht, auch artig jedesmal „Konschtanz“ zu sagen, ganz wichtig für den Lokalkolorit nämlich, scheißt sich Til Schweiger nix. Er spielt seinen Nick Tschiller eben so, wie ein Til Schweiger einen Kommissar eben spielt. Und wenn Til Schweiger nuschelt, nuschelt eben auch Nick Tschiller.

Ganz ehrlich: Das ist mir auch tausendmal lieber so. Denn ein Film ist ein Kunstwerk. Der Zuschauer hat nicht den Anspruch, jedes gesprochene Wort kristallklar übermittelt zu bekommen. Es geht hier ja nicht um das öffentliche Verlesen eines Dekrets, sondern um Filmkunst. Gut, abgespeckt fürs TV, aber im Grunde dieselbe Angelegenheit. Denn es ist Schauspiel, was wir hier sehen, trotz Typecasting. Ein Spiel! Eine Performance! Kunst!

Was wäre denn ohne diese darstellerische Freiheit, diese Entscheidung, aus den großen Klassikern geworden? Man stelle sich einmal den Paten vor, in dem Marlon Brando nicht mühsam „Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann“ stöhnt, sondern dies ohne jegliche Einschränkung, klar und verständlich in die Kamera spricht? Eddie Murphy hätte sich doch einsalzen lassen können, wenn er seinen Beverly Hills Cop ohne diese Schnauze hätte spielen, stattdessen einfach seinen Text langsam und klar aufsagen müssen. Und überhaupt, Götz George und sein Schimanski, das war doch auch eine ziemliche Nummer in puncto deutscher Sprache. Ich sag Euch was: Eine Katastrophe wäre das.

Ich denke, nicht wenige Zuschauer haben eine gewisse Anspruchshaltung gegenüber dieser Art Kunst entwickelt. Sie fühlen sich vor den Kopf gestoßen, wenn sie die Filmhandlung aus dem Kontext entnehmen müssen, anstatt sie erklärt zu bekommen. Ein ganz ähnliches Problem ergibt sich durch bewusst fehlende Untertitel bei der Verwendung fremder Sprachen. Sicherlich sind nicht wenige von Euch schon in den Genuss eines Sitznachbarn gekommen, der sich zum Beispiel bei einem Agentenfilm, wenn ein gegnerischer Wachposten etwas in sein Funkgerät kauderwelscht, daraufhin eine Antwort bekommt, dann lacht und sich eine Zigarette anzündet, zu einem herüber beugt und fragt: „Was hat er denn jetzt gesagt? Ich hab das nicht verstanden!“. Solche Leute möchte man doch manchmal mit ihrem eigenen Popcorn ersticken, oder nicht?

Also: Lasst ihn nuscheln. Von mir aus kann Til Schweiger in seinen Filmen nuscheln, so viel er will. Solange der Film funktioniert, die Dramaturgie stimmt und man der Handlung folgen kann, kann er von mir aus auch eine chinesische Oper aufführen. Ob der Text wichtig ist, ist eine bewusste Entscheidung, die schon lange gefällt wurde, bevor die erste Klappe fällt.

PS: Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zum Tatort, und schimpfe auch oft gern darüber. Meist „live“, in Rage, auf Twitter. Es gibt so viele Kritikpunkte: Das kalte Licht, das bedeutungsschwangere Geschau (das keiner versteht, weil der jeweilige Konflikt nicht gravierend genug ist), die lahmarschigen Actionszenen (heute war definitiv eine Ausnahme), das Duden-Deutsch, die tristen Settings, die teilweise haarsträubenden Geschichten, die krampfhafte Inszenierung für genau 90 Minuten (nicht nur die Amis können das viel besser), diese schrecklichen „typisch deutschen“ Verhaltensmuster von Hauptfiguren und Nebenrollen (aber auch die vorausgesetzten Wertvorstellungen), und dann doch diese typischen Hollywood-Ansätze, in denen der Täter noch lange erklärt, was er so geplant hat, damit man ihn noch aufhalten kann, ta-daa (heute hat das Mädel diesen Max ja „without further ado“ einfach über den Haufen geknallt, das war ja fast Tarantino-esk, höchst erfrischend) – doch leider wirken diese Hollywood-Manierismen in Filmen, die sich bewusst gegen diese Tradition stellen, absolut anachronistisch (zu deutsch: Tatort-Macher, was wollt Ihr eigentlich?). Nunja, Tatort ist so eine Sache für mich.

Aber heute, da muss ich schon sagen, das war deutlich mehr Kino als TV. Respekt.

Ein Kommentar zu Skyfall

Was zu diesem Bond nicht alles von den Kollegen geschrieben wurde! 50 Jahre James Bond! Der 23. Spielfilm mit dem unglaublichen Agenten! Neue Bond-Girls! Die Musik von Adele! Der Wahnsinn!

Es ist ganz einfach: Wer Bond-Fan ist, wird ihn sich ansehen. Wer immer noch keiner ist, eben nicht. Selber schuld. Ich denke nicht, dass es viele Leute da draußen gibt, die von einer Kritik abhängig machen, ob sie den Film sehen wollen. Und ich denke, dass es jede Menge Leute gibt, die sich Skyfall anschauen werden.

Ich persönlich fand ihn ganz wunderbar, erfrischend anders, endlich mal ein menschlicher, fehlerbehafteter Agent! Auch muss nicht mehr die ganze Welt gerettet werden, sondern die Handlung dreht sich um einen relativ kleinen Konflikt in genau dem Milieu, für das man Agenten braucht. Also keine geheimen Raketenabschussbasen in erloschenen Vulkanen, keine Unterwasserzentralen von Bösewichten, und auch keine unsichtbaren Autos im ewigen Eis. Viel besser, und daher viel packender!

Bond ist zu seinen Wurzeln zurückgekehrt – nicht nur dadurch, dass es herrlich menschelt in Skyfall, sondern auch durch Twists und Anspielungen, wie sie noch schöner kaum hätten inszeniert werden können. Javier Bardem gibt einen tollen Gegner, genau richtig. An Goldfinger, Dr. No oder Ernst Stavro Blofeld kommt er natürlich nicht heran, so viel sei den sonntagabendlichen Prägungen aus der Kindheit am Sonntag Abend vor dem Fernseher geschuldet, aber schwer beeindruckend ist sein Auftritt ebenso wie der Hintergrund seiner Figur. Welcher, wird natürlich nicht verraten. Auch die Handlung nenne ich hier nicht – ins Kino locken muss ich hier niemanden mehr, und jedes Wort wäre zuviel gesagt.

Wer jetzt noch „in Style“ im Kino auflaufen will, der sollte sich auch ein entsprechendes Outfit zulegen. Und mal ehrlich, wer wäre nicht gerne so gut gekleidet wie James Bond persönlich? Auf die Idee sind auch andere gekommen, so entdeckte ich jüngst dieses Schaufenster in der Münchner Innenstadt:

Ohne viel Gelatsche kann man sich sein Outfit zum Beispiel auch bei Zalando zusammenstellen. In der Herrenausstatter-Abteilung gibt es neben passenden Anzügen auch Krawatten, Uhren und sogar Manschettenknöpfe. Das nenne ich mal geschickt eingefädelt!

Wikileaks, oder: Who you gonna call?

Nun gibt es also diese sogenannte „Enthüllungsplattform“ Wikileaks im Netz, und sie stellt sich nach und nach als Nest unbequemer Troublemaker heraus. Dieser Gründer und Chef, Julian Assange, wurde wegen mehrfacher Vergewaltigung per internationalem Haftbefehl gesucht, nun ist er also eingeknickt und hat sich am 7. Dezember in London gestellt. Währenddessen spritzt die Webseite, zwischenzeitlich mehrfach von Hackern attakiert, dann abgeschaltet und mittlerweile auf viele Spiegelserver verteilt, weiter Gift und Galle, wie eine Hydra, der man einen Kopf abgeschlagen hat (1). Es ist eine Katastrophe, die Katze ist aus dem Sack, die Büchse der Pandora geöffnet. Wo soll das nur enden, wenn nichtmal mehr Staatsgeheimnisse sicher sind?

So zumindest der Tenor des Mannes auf der Straße. Neulich haben sich ein paar Kollegen und ich nach einer Pressevorführung über Wikileaks unterhalten, deren Übereinkunft war, dass Wikileaks grundsätzlich eine gute Idee sei, aber dass die kürzliche Veröffentlichung von Botschaftsdepeschen (im Gegensatz zur Veröffentlichung von Kriegsverbrechen von vor einiger Zeit) ein dummer Fehler war, denn beleidigende Depeschen nützen nicht und schaden nur.

Doch lasst uns zuerst einmal die Ausgangssituation beleuchten: Vereinfacht gesagt teilt sich die Bevölkerung des Planeten aus rein organisatorischen Gründen schon seit immer in Gruppen auf. Diese Gruppen bestehen nicht zwangsweise aus nationalen Zugehörigkeiten, sondern sind oft genug Interessengemeinschaften. Diese mögen sich über Landesgrenzen hinweg bilden (wie Großkonzerne oder „die Oberschicht“), oder von Landesgrenzen umschlossen werden (wie z.B. die Hartz IV-Empfänger), sie können verschwindend klein sein (wie die Stammkunden einer gewissen Kneipe) oder auch riesengroß (wie die regelmäßigen Zuschauer der Tagesschau). Auf jeden Fall fällt jeder Mensch in eine Vielzahl von Interessengemeinschaften, vom Brokkoli-Verachter bis zum Linkshänder, ob er will oder nicht, und vor allem oft, ohne dass er sich dessen bewusst ist. In diesen Gruppen bringt er sich mehr oder weniger intensiv ein, das Engagement reicht von völlig passiv (Sauerstoffatmer) bis euphorisch (Grundeinkommensbefürworter). (Interessant dazu übrigens: Transnational Republic)

Nun liegt es in der Natur des Menschen, sich innerhalb der einzelnen Gruppen Konkurrenz zu machen, sich überbieten zu wollen. Die Angler wetteifern um den größten Fisch, die Sportler um die beste Zeit, die Schnäppchenjäger um das beste Angebot, die Filmjournalisten um das beste Fachwissen und die Brünftigen um die meisten Kerben am Bettpfosten. Jeder will am stärksten glänzen, obwohl das für den Forbestand der Menschheit eigentlich nicht nötig ist: Der Zweck des Angelns ist das Stillen von Hunger, beim Weglaufen fressen nur den letzten die Wölfe, kein Schnäppchenjäger muss nackt herumlaufen und so weiter. Wozu also die Anstrengung? Im Gegensatz zum Rest der Erdbewohner haben wir ein wirklich großes Gehirn, ein ausgeprägtes Bewusstsein und vor allem die Fähigkeit, die Konsequenzen unseres Tuns abzuschätzen, woraus sich in unserem Tun ein Pfad der Vernunft. Warum nutzen wir dies nicht stärker?

Inhärentes Merkmal allen Übervorteilens anderer ist das Geheimnis. Egal, welcher Gruppe man zugehört. Geheimnisse sind stets Herrschaftswissen, kriegswichtig, Chefsache und daher immer zu hüten wie der eigene Augapfel. Geheimnisverräter galten schon immer als Abschaum des Abschaums, das ist so gut wie jedem Menschen in Fleisch und Blut.

Doch mit Geheimnissen wird auch immer ein großes Geschäft gemacht. Die Coca-Cola-Formel ist so ein Geheimnis, das natürlich nicht verraten werden kann, wo kämen wir denn hin, wenn jeder Coca-Cola herstellen könnte? Bombenbauanleitungen ins Internet zu stellen ist auch so eine infame Sache, solches Wissen darf doch nicht frei verfügbar sein! Und wenn die Deutschen den Transrapid erfinden, dann hat China den nicht nachzubauen, weil, das ist fei unfair.

Auf Geheimnissen basiert der Weltfriede! Gäbe es nicht den heißen Draht zwischen Washington und Moskau (oder hieß es das rote Telefon?), wäre bestimmt schon die halbe Welt in die Luft geflogen. Diplomatische Geheimnisse sind unantastbar, denn sie sind für erfolgreiches Mauscheln und Taktieren absolut nötig. Man kann nicht den Außenminister eines befreundeten Landes einen unfähigen Deppen schimpfen und eine Woche später in irgendwelche Verhandlungen gehen und so tun, als wäre alles eitel Sonnenschein.

Natülrich geht das nicht. Geheimnisverrat ist völlig kontraproduktiv für unsere Gesellschaft. Geheimnisverrat untergräbt die Fundamente der Welt, die wir uns aufgebaut haben, und die auch wunderbar funktioniert. Verräter von Staatsgeheimnissen gehören verurteilt, weggesperrt oder gleich unauffällig beseitigt.

Nur: Stimmt das auch? Ist unsere Gesellschaft richtig so, wie sie ist? Führen wir unsere Welt auf eine gute Weise? Ist das alles okay, was wir hier veranstalten? Funktioniert alles wirklich so wunderbar?

Aha, denkt man jetzt, das ist es nicht, es gibt Verbesserungsbedarf. Verklappung von Müll in den Weltmeeren, das muss natürlich ans Licht gezerrt werden. Ebenso wie Kriegsverbrechen der USA im Irak. Oder auch perverse Abfindungen für unfähige Pleitebanker und andere schlagzeilenwürdige, leicht verständliche Stoffe. Aber was wichtige Politiker von anderen wichtigen Politikern halten, das ist natürlich Geheimsache, wenn das veröffentlicht würde, wäre das kontraproduktiv.

Nur: Wer bewacht die Wächter? Wer sollte entscheiden, was veröffentlicht werden darf und was nicht? Und in wessen Interesse? Mit welchen Folgen? Nichts geringeres als die Meinungsfreiheit steht gerade auf dem Spiel. (2, 3, 4, 5)

Wikileaks tut das einzig Richtige: Sie veröffentlichen alles. Sie zensieren nicht selbst und stellen sich daher früher oder später, gewollt oder ungewollt, auf die eine oder andere Seite. Und Junge, fliegt denen gerade all das um die Ohren. When the fit hits the shan, sozusagen. Allerdings, das muss man zugestehen, sichtet Wikileaks das eingereichte Material, sonst wäre ja alles voller UFO-Sichtungen.

Sicher kann das pauschale Veröffentlichen von allem auch falsch sein, zum Beispiel bei Identitäten von aktiven Geheimagenten. Doch wie eingangs schon erwähnt: Die Katze ist aus dem Sack, und Wikileaks ist eine Institution geworden. Das Rad der Zeit lässt sich nicht mehr zurückdrehen, und selbst wenn Wikileaks dichtgemacht werden sollte (wie soll das gehen?), wird es andere Portale geben, die dasselbe bieten (6). Es geht um die Idee, und Ideen, deren Zeit gekommen ist, sind bekanntlich nicht aufzuhalten.

Die große Aufgabe für die Menschheit besteht nun darin, sich diesen neuen Gegebenheiten anzupassen. In einer Zeit, in der es möglich ist, in zwei Tagen jeden Punkt der Erde zu erreichen; in der es möglich ist, sofort und ich Echtzeit mit so gut wie jedem anderen Menschen der Welt zu kommunizieren, werden Geheimnisse Luxus werden. Und ich persönlich halte das für gut, denn es steht weit weniger Schaden als Nutzen zu erwarten.

Die Angstschürerei gegen den Geheimnisverrat läuft in allen Medien auf Hochtouren. Was, wenn medizinische Daten online einsehbar sind? Riesenpanik in der Bevölkerung. Doch mal ehrlich, wer interessiert sich schon für die Krampfadern von Oma Müller? Die Versicherung? Dann sollten wir eher mal die Gesetzgebung unter die Lupe nehmen, die es Versicherungen erlaubt, Leute aufgrund von Vorerkrankungen abzulehnen, als den Geheimnisverrat von Oma Müllers Krampfadern zu ahnden, finde ich. Die Gesellschaft muss sich den neuen Umständen anpassen, nicht die Umstände der Gesellschaft. Denn die Gesellschaft, zumindest der Teil mit politischem Einfluss, möchte natürlich nichts ändern an den vielen kleinen Tricks und Kniffen, die es ihm über die Jahrhunderte ermöglichten, reich, satt und fett zu werden, während der Rest es gar nicht schaffen kann, sich aus den Kreditschulden zu buckeln. Nein, Geheimnisverrat ist richtig und wichtig, nur her mit der neuen Offenheit.

Dies ist unser aller Planet, und ich wage zu bezweifeln, dass der afghanische Ackerbauer eine Gefahr für mich darstellt, die am Hindukusch verteidigt werden muss. Könnten wir, das Volk, solche Themen direkt mit ihm und den Seinen ausbaldowern, müssten unsere Politiker nicht gegenüber seinen Politikern mit den Ärmeln rauschen und jede Menge große Gesten und noch größere Missverständnisse und Gesichts-Wahr-Aktionen starten. Das Tolle ist: Wir können. Über das Internet und wenn es sein muss, sogar über das Telefon. Fragt mich nicht, wie, aber es ist doch offensichtlich, dass es wenigstens eine bessere Lösung geben muss als schwarz-gelb. Wir müssen sie nur finden.

Ich hoffe, dass Wikileaks weiter so macht, und in zwanzig Jahren wird auch der Letzte verstanden haben, dass Geheimnisse ganz generell keine gute Grundlage für ein friedvolles Zusammenleben sind.

Nachtrag: Ach ja, und das mit der Vergewaltigung… Naja… Da gibt es auch andere Versionen. Auch sind die gesellschaftlichen Umwälzungen mittlerweile auch an der Oberfläche zu erkennen, wie dieses und dieses Beispiel zeigt. Michael Moore sieht es übrigens ähnlich.

Und so ganz unwichtig waren die Botschaftsdepeschen wohl doch nicht: