Archiv der Kategorie: Kommentar

Kommentar zu den Kinostarts vom 18. August 2016

stefe macht Pause und lässt sich faszinieren von drei kurzen youtube-Clips über Harpyien, die sehr sehr lange und sehr sehr genau ihre Umgebung beobachten, bis sie zum ersten Jagdflug ansetzen und die hoch über dem Dschungel logieren – Abbild des Filmkritikers?

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Zu diesen Philosophenvögeln passt durchaus der Neustart CAPTAIN FANTASTIC – EINMAL WILDNIS UND ZURÜCK, in welchem es um pädagogisch-ideologisch-emanzipatorischen Zugriff gegen die Schulweisheit geht mit einem Exkurs in die Wildnis.

Kommentar zu den Reviews vom 11. August 2016

Kleine gemischte Platte aus fett und schwer Bayerischem, Reise- und Kulturlust, aus Verfolgungsjagd und Weltrettung.
Meine Tipps wären: im Kino: El Viaje und bei den DVDs: Klänge des Verschweigens.

EL VIAJE
Rod Gonzalez von der Band „Die Ärzte“ lässt uns unprätentiös teilhaben an seiner persönlichen Entdeckungsreise zur Musik von Chile, seiner Heimat, die er als Bub mit den Eltern vor Pinochet verlassen musste. Der Meinung im Film, es handle sich um einen nützlichen Film, wollen wir nicht widersprechen.

GENIUS: DIE TAUSEND SEITEN EINER FREUNDSCHAFT
Der Kampf zwischen Dichter und Verleger um ein Meisterwerk auf Kosten von Familie und privaten Beziehungen in schönen, milden Bildern.

SCHWEINSKOPF AL DENTE
Hier haben sich die Filmemacher allzu gemütlich eingerichtet im Erfolgsgefühl der zwei Vorgängerfilme und in der bräsigen Wahrheit der Romane von Rita Falk, wie sich abstrampelnde Provinzis einen an sich sympathischen Dorfpolizisten vertrocknen und verdorren lassen.

TEENAGE MUTANT NINJA TURTLES 2
Wer so mutig und tüchtig die Welt rettet wie die Turtles, der darf sich echt als New Yorker Bürger fühlen. Apart sehen sie trotzdem aus.

JASON BOURNE
Ex-Agent Bourne lebt nach der Devise, nur wer untertaucht, kann überleben. Regisseur Ross widerlegt ihn mit reißerisch inszenierten Verfolgungsjagden.

Neu vorgestellte DVDs

KLÄNGE DES VERSCHWEIGENS
Klaus Stanjek ist dem Phänomen innerfamiliärer Sprachlosigkeit auf der Spur, das weiter verbreitet sein dürfte als vermutet; das auch hochaktuell ist zum Beispiel in Familien, aus denen jugendliche Amokläufer entspringen. Bei Stanjek geht es um die familiäre Wortlosigkeit von öffentlich breit abgehandelten Themen wie Homosexualität und KZ.

THE BRAVE
Mal ehrlich, würden Sie auch so handeln, wie Johnny Depp hier, der Marlon Brando das Ehrenwort gegeben hat; ein Ehrenwort mit furchtbaren Folgen?

HANNAHS RENNEN
Coming of Age einer hübschen Protagonistin mit Pferd und Herz und Mut und Charakter.

Kommentar zu den Reviews vom 4. August 2016

Heute eine etwas sparsame Auswahl, darunter ein Meisterwerk von Pedro Almodovar: Julieta.

JULIETA
Pedro Almodovar zeigt hier Altmeisterqualitäten in der Beobachtung eines Mutter-Tochter-Verhältnisses, das zu einer unangekündigten, jahrelangen Kontaktlosigkeit führt.

MAGGIES PLAN
Dass der Planbarkeit des Lebens mittels künstlicher Besamung enge Grenzen gesetzt sind, haben wir schon immer vermutet.

COLLIDE
Hier geht die Liebe nicht durch den Magen sondern über eine Spenderniere, das fehlende Tempolimit auf deutschen Autobahnen und durch die engen Gassen von Fachwerstädtchen in Anlehnung an Luc Besson.

GHOSTBUSTERS
Der Film ist bei den Diskutierern in Amerika nicht gut weggekommen; statt einer Review gibt’s Zitate.

Kommentar zu den Kinostarts vom 28. Juli 2016

Diese Woche gibt es lärmigere Tier-Filme und leisere politische, wobei ich letzteren angesichts ihrer Qualitäten den Vorzug gebe, zuallererst:

FUOCOAMMARE
Hier sind die sensible Ahnungshaftigkeit eines Coming of Age mit dem elementaren Kampf ums nackte Überleben auf der Flucht übers Meers rein geographisch und in Zuspitzung weltpolitischer Begebenheiten zu einem erschreckend schönen Bilderbogen verquickt.

HEIMATLAND
Junge Schweizer Filmemacher üben sich in Schweiz-Bashing mittels Herbeiziehung des Katastrophenfilmgenres, welches ihnen allerdings ob der moralischen Bemühungen gelegentlich aus dem Blickfeld gerät.

WIENER DOG
Der Wiener Dog ist ein Dackel und die Filmemacher machen sich einen Spaß daraus, rund um einen Dackel die dramaturgisch bedeutsame Frage zu stellen: was wäre wenn?

PETS
Ist ist die Katz aus dem Haus, tanzt die Maus. Und dann ist wieder Friede, Freude, Eierkuchen. Wenn einem sonst nichts einfällt.

LEGEND OF TARZAN
Der dritte, laute Tierfilm in dieser Woche.

Neu vorgestellte DVDs

DER BUNKER
In diesem Bunker riecht es nicht ganz so modrig nach deutscher Pfründen- und Zwangsgebührenkultur. Hier herrscht die Klassik und ein Gast wird erwartet.

VON 5 – 7 – EINE ETWAS ANDERE LIEBESGESCHICHTE
Ein reichlich pikanter, reichlich akademischer Affärenversuch eines unbeschriebenen Blattes von Dichter und dessen Bedürfnis, das leere Blatt mittels erdachter Affäre zu füllen; eine Ahnung von Größe darf attestiert werden.

Kommentar zu den Filmstarts vom 21. Juli 2016

Heute gemischte Wetterlage bei den Kinostarts mit durchaus beachtlichen Blüten.

STAR TREK: BEYOND
Hochanständiges Unternehmen, das an die Grenzen der Erkundung der Möglichkeiten einer besseren Welt geht, das menschenzentriert ist und uns den 3D-Migräne-Obulus abverlangt; das Anti-Trump-Programm.

MA FOLIE
Die berühmte Liebe auf den ersten Blick zweier weniger berühmter Charaktere, was die die Angelegenheit schwierig und spannend zugleich macht.

FRÜHSTÜCK BEI MONSIEUR HENRI
Und immer wieder tändeln die Franzosen gekonnt rational mit der Liebe; hier erwischt es den großartigen Claude Brasseur.

THE GIRL KING
Das schwedische Königshaus und der Katholizismus vertragen sich nicht; wie erst, wenn eine schwedische Königin nicht nur dem Katholizismus, sondern auch den Frauen zuneigt? Eine Geschichte aus der Geschichte, damals ihrer Zeit weit voraus.

BOLSCHOI BABYLON
Eine Dokumenation so strikt und diszipliniert zusammengeschnitten wie Balletttänzer konsequent üben. Sie gibt einen grausigen Blick frei hinter die Kulissen des Perfektionsanspruches dieser Kunst und wie unzulänglich und verbrechensanfällig das Leben dahinter ist.

BFG: BIG FRIENDLY GIANT
Die bunte Patchworkdecke, die die Protagonistin erst wie ein kleines Gebirge ausschauen lässt, führt durch eine Wunderwelt von Riesen und Traumfängerei.

Neu vorgestellte DVDs

UHF – SENDER MIT BESCHRÄNKTER HOFFNUNG
Die Jugend von 89 habe sich bepisst vor Lachen über diese Werbe- und TV-Show-Parodie, die Übertriebenes noch übertriebener dargestellt hat und doch die Geschichte von einem guten Herzen erzählt.

PALMEN IM SCHNEE
Epische Kolonialromanze und ein bisschen spanische Kolonialzeitaufarbeitung zwischen schneeiger Pyrenäenregion und tropischem Neuguinea von einer Liebe, die nicht sein durfte.

Kommentar zu den Filmstarts vom 14. Juli 2016

Der wichtigste Film diese Woche ist zweifellos TONI ERDMANN. Als Eröffnungsfilm des Münchner Filmfestes hatte er zur Folge, dass in einer Klatschspalte zu lesen war, dass nach diesem Film die Honoratioren ihre Reden besser nicht gehalten hätten. Das lässt aufhorchen. Wobei sich die anderen Neustarts nicht verstecken brauchen, bis auf eine wie gewaltsam erzwungen wirkende Komödie.

GHOSTBUSTERS
Hier schon mal einen Vorgeschmack auf den Film, der bei uns am 4. August startet, anhand eines Blickes in die verheerenden Reviews bei IMDb.

INDEPENDENCE DAY: WIEDERKEHR
Roland Emmerichs versiertes Spiel mit der Kleinheit der Menschen angesichts übermächtiger Aliens und wie sie sich wie Insekten doch ganz lustig zurechtbuddeln.

MIT BESTEN ABSICHTEN
Das Helfersyndrom von Susan Sarandon, mit der Absicht, Lebenssinn aus der Organisation von Glück für andere zu ziehen, verläuft sich im Laufe der vielfältigen, lebensnahen Handlung glücklich.

MULLEWAPP 2 – EINE SCHÖNE SCHWEINEREI
Hütet Euch in Eurer bequemen Idylle vor Herrn Horst: seine Freundlichkeit ist nur Fassade!

STREET DANCE NEW YORK
Ein fühliger New York Film, der die Trauer um 9/11 mit dem Traum von Musik und Tanz kombiniert.

UNTERWEGS MIT JACQUELINE
Eine Kuh, die mit einem kernigen, naturkomischen, algerischen Bauern zu Fuß unterwegs nach Paris ist, wird zum Medienbuzz.

ATOMIC FALAFEL
In der angespannt wirkenden „Komödie“ bleibt zwischen Realität und prätendierter Fiktion kein Platz für Witz und Humor.

Zum Schluss noch ein Lesetipp.
In artechock schimpfen Edelmann und Willman auf dem Filmfest 2016 auf die Jugend von heute.
Ein geistreicher, kenntnisreicher, witziger Rückblick auf das Filmfest München 2016.

Kommentar zu den Filmstarts vom 23. Juni 2016

Angesichts des Beginns des Münchner Filmfestes hat es das reguläre Kinoprogramm schwer. Mein Favorit ist The Neon Demon von Nicolas Winding Refn, der seine private Lust am Horror mit der Begeisterung für die geleckte Modewelt unverschämt zu einem makellosen Hochglanzkino zusammenmischt.

Die Frau mit der Kamera – Portrait der Fotografin Abisag Tülmann hat zwar viel mit dem privaten Abschied von einer besten Freundin zu tun, verliert deshalb ihre bundesrepublikanisch-historische Dimension keineswegs.

The Lobster – Eine unkonventionelle Liebesgeschichte wirft einen schrägen Blick auf den Hang des Menschen, seine Mündigkeit an der Pforte abzugeben.

Bastille Day kommt genau richtig zur EM in Frankreich und setzt noch eins drauf auf die Bedrohung durch den islamistischen Terror und Fankrawalle.

Athos, das Putin kürzlich besucht hat, kann vor allem mit der Seltenheit der Dreherlaubnis und den von-oben-Aufnahmen punkten.

Café Belgica erzählt eine Brudergechichte aus der Discobetreiberwelt, die wir nun nicht unbedingt wissen wollten, die aber zu erfahren kein Zeitverlust ist.

Filmfest München 2016

Brexit hin oder her, das Kino blüht, bunt und quirlig sind sie, die Erzählungen der Menschen.
stefe hat sich einige Filme vorab schon mal anschauen können; wobei die in der Filmkritik prinzipiell schon angelegte Ungerechtigkeit noch mal verschärft wird dadurch, dass die Auswahl der Filme teils von Zufällen, teils von der Laune abhängt. Als Nachteil kommt hinzu, dass die Filme zuhause am Bildschirm und nicht im Kino zu sichten sind. Generell hat stefe einen weiten Bogen um die deutsche Zwangsgebührenkunst gemacht, hat sich Entfernteres vorgenommen. Die Filme sind in alphabetischer Reihenfolge geordnet und mit direkten Links zu den Reviews versehen.

23 KILOMETRES
Noura Kevorkian, Libanon/Kanada
Hautnahe Betrachtung von Demenz, Rückblick auf einen Forscher, Tüftler und dessen Träume, Werk und Philosophien ergeben einen Tochter-Vater-Film, der nebenbei zeigt, dass es noch ein ziviles Leben im Libanon gibt, sogar quietschvergnügte Pfauen.
ABOUT LOVE
Anna Melikyan, Russland
In diesem TV-magazinhaften Mischmasch zum Thema Liebe ist zu erfahren, dass unterschiedliche Rassen besser keinen Sex miteinander haben; kurios ist die Eruierung der Schönheitskosten eine jungen Frau anhand ihrer Leiche.
ACTOR MARTINEZ
Mike Ott, Nathan Silver, USA
Jeder verdammte motherfucker auf der Welt hat irgendwo einen Punkt, wo man ihn ernst nehmen muss. Es geht um den harten Kampf um die Glaubwürdigkeit der Darstellung im Film.
AVALANCHE
Morteza Fashbaf, Iran
Eine mehrtägige Kaltwetterfront über Iran, eine Ärztin in der Midlifecrisis, bei der ein bisschen Rouge auf den Lippen einem Aufstand gleichkommt und ein glücklich-zufriedener Gatte, dem der Stillstand in der Ehe noch gar nicht aufgefallen ist.
BIG JATO
Cláudio Assis, Brasilien
Pubertät eines Dichters in der brasilianischen Steinfisch-Provinz, die ihm Gefängnis und quicklebendiger Nährboden zugleich ist.
BOLSCHOI BABYLON
Nick Read, Mark Franchetti, Russland/England
Die kriminalisierende Widersprüchlichkeit zwischen dem Perfektionsanspruch in der Abbildung des Lebens durch die berühmteste Ballett-Compagnie der Welt und dem Leben selber hinter der Bühne mit Säureanschlag.
CAMINO A LA PAZ
Francisco Varone, Argentinien
Ein nicht näher charakterisierter junger Mann macht auf einer touristisch und menschlich wenig ergiebigen Fahrt mit einem nierenkranken Muslim, der an der Prostata leidet, von Argentinien nach La Paz nicht unbedingt eine Wandlung durch.
CARACAS, EINE LIEBE
Lorenzo Vigas, Venezuela
Aus Aschenbach in Venedig wird Armando in Caracas und statt der Todesstory hebt eine dramatische Wandlung den Begriff „faggot“ mit Wucht aus seiner festen Vorurteilsverankerung.
CINEMA NOVO
Eryk Rocha, Brasilien
Ein Flow kostbaren Footages aus jener aufregenden Zeit, da sich das brasilianische Kino nichts vorschreiben lassen wollte, mit einer Kamera in der Hand und einer Idee im Kopf auf die Realität los ging.
CLOSET MONSTER
Stephen Dunn, Kanada
Dieses kanadische gay Coming-of-Age fällt auf durch stachelige Schnitte und einen sprechenden Hamster, der über den Erzähl-Zeitraum des Filmes ein Methusalem geworden sein muss.
DER JUNGE UND DAS BIEST
Mamoru Hosoda, Japan
Der Junge Ren aus der Menschenwelt und Kumatsetsu aus der Biesterwelt haben die schlechtest möglichen Zukunftsaussichten, raufen sich zusammen zu einem Lehrer-Schüler-Modell und werden am Schluss sogar auf das Schwert verzichten.
DIAS EXTRANOS
Juan Sebastián Quebrada, Kolumbien
Die Beat-Generation hat Kolumbien erreicht, ein lockerer Argentinier, eine feurige Kolumbianerin und eine Frau aus Uruguay haben Zeit für einander und kein Geld; und wenn sie keine Zeit für einander haben, dann knirschts vernehmlich.
DOG EAT DOG
Paul Schrader, USA
Solange es Waffen ad libitum gibt in den USA, so lange wird im Kino dem Gangster-Genre nicht beizukommen sein, selbst wenn Paul Schrader mit zusammengekniffenen Augen und mit altmeisterlicher Eleganz es mit Spott überzieht.
EL CLÁSICO
Halkawt Mustafa, Irak
Weiches Grün im Irak, ein Quad mit zwei kleinwüchsigen Männern drauf mit den Fahnen von Real Madrid und Barcelona geschmückt, begibt sich auf ein teils sehr erfundenes Roadmovie-Abenteuer.
EL DESTIERRO
Arturo Ruoiz Serrano, Spanien
Eine fein inszenierte Ménage-à-trois in abgelegenem Steinhaus in der Herrera vor dem Hintergrund des spanischen Bürgerkrieges.
EL PLACER ES MIO
Elisa Miller, Mexiko
Mateo und Rita, er will Triebbefriediung, sie ein Kind, es gibt Hühner und die Handlung ist die, dass die Zeit vergeht.
FRENZY
Emin Alper, Türkei
Hysterie schleicht bedrückend durch Istanbul.
GO HOME
Jihane Chouaib, Libanon
Rückkehr in eine frühere Heimat, in der es zwar noch die Halbruine eines Vaterhauses, aber nur schmallippige Nachbarn gibt. Hier ist kein Halt zu finden und vom Libanon gibt es auch nicht viel zu sehen.
LA CALLE DE LA AMARUGA
Arturo Ripstein, Mexiko
Zeichnet mexikanisches Elend in den eindrücklichen Bildern eines 50-er-Jahre-Kinos und kritisiert die Beherrschung der Welt durch Geld heute.
LA CIÉNAGA – ENTRE EL MAR Y LA TIERRA
Manolo Cruz, Carlos del Castillo, Kolumbien
Lichtdurchflutet: Muskelschwund-Schmerzensmann malerisch auf Matratze in Pfahlbau gelegt, ist der unerbittlichen Mutterliebe ausgeliefert.
LA VANITÉ
Lionel Baier, Schweiz
Warten auf den Tod am Genfer See in einem Motel in Route-66-Design, ohne je etwas mit einem Mann gehabt zu haben, kann das gut gehen?
LITTLE BIRD
Vladimir Beck, Russland
Voll fokussiert auf den jugendlichen Eros im Sommercamp – das Schnäbeln der Tauben auf dem Dach.
LOSERS
Ivaylo Hristov, Bulgarien
Coming-of-Age im rückständigen, in Schwarz-Weiß malerisch schön verkommenen Bulgarien, nicht ohne Selbstmitleid.
MA
Celia Rowlson-Hall, USA
Pantomime und Antibeischlafs-Performance im weiten, amerikanischen Westen nach dem Bibelspruch von der tugendhaften Frau – in Las Vegas wartet ein Baby.
MALI BLUES
Lutz Gregor, Mali/Deutschland
Stippvisite in die Musikwelt des multiethnischen Mali, das durch den Terror getrennt ist.
MA MA DER URSPRUNG DER LIEBE
Julio Medem, Spanien
In seinem dicht gewirkten Filmpoem zerpflückt Medem meisterhaft das Thema Mutterschaft, deren Gefährdung und Vergänglichkeit und wie es trotzdem weitergeht.
MATE-ME POR FAVOR
Anita Rocha da Silveira, Brasilien
Die Jugend der Satellitenvorstadt Barra von Rio in einem frisch geschmeidigen Bilderbogen von der Liebe bis zum Tod.
MR. SIX
Hu Guan, China
Das vom Kino schon x-fach durchgekaute Männer-Gen des Ehrbegriffs wird hier anfällig gegen Krebs, die Widersprüchlichkeit der Moral und den Zahn der Zeit.
MONTANHA
Joao Salaviza, Portugal
David, knapp 15, gibt dem Filmemacher den Vorwand, fühlig ruhig dieser Zeit kurz vorm ersten Mal mit einem Hauch Sentimentalität und Romantik nachzuspüren; sie wirkt wie eine gespannte Wartezeit.
MUTTER UND DIE ANDEREN SPINNER DER FAMILIE
Ibolya Fekete, Ungarn
Ungarische Lebenskunst des 20. Jahrhunderts: lass dich wie ein rohes Ei in die Luft werfen und bleibe beim Aufprall auf den Boden ganz.
NAWARA
Hala Khalil, Ägypten
Da kommt viel Druck auf: verheiratet sein mit einem Nubier in Ägypten und und aus ökonomischen Gründen die erste Nacht nicht hinter sich bringen können; das just im aufgewühlten Moment des Sturzes von Mubarak.
NUR WIR DREI GEMEINSAM
Kheiron, Frankreich
Hier spielt der Sohn den eigenen Vater, aber aus der Sicht des ehemaligen Buben, was dieser Flüchtlingsgeschichte eine ganz eigene Komik verleiht.
OFFICE
Johnnie To, Hong Kong
Büromusical kurz vor der Lehmannpleite, der Teamenthusiasmus hat Showwerte und als Sahneguss gibt es eine märchenhafte Liebesgeschichte.
OLEG Y LAS RARAS ARTES
Andrés Duque, Russland/Spanien
Hochkünstlerisches Portrait des russischen Filmkomponisten Oleg Karavajchuk; Dissonanz gibt mehr her als Harmonie.
O PREFEITO
Bruno Safadi, Brasilien
Spaßige Kunstperformance mit einem fiktiven Bürgermeister von Rio, der zwischen Vision, Halluzination und Tablettenrausch davon schwadroniert, stadtplanerisch alles besser zu machen, so ganz allgemein, bevor er sich zu seinem eigenen Gipsdenkmal transformiert.
ORESTES
Rodrigo Siqueira, Brasilien
Das Thema Rache wird im Hinblick auf den griechischen Fall „Orest“ als dem ersten Justizfall der Geschichte und vor dem Hintergrund der Militärdiktatur und auch moderner Polizeigewalt in einem Fake-Prozess mit echten Beteiligten verhandelt. Der Film belegt die hohe Kultur des Diktaturverarbeitungsgenres in Lateinamerika.
OSCURO ANIMAL
Felipe Guerrero, Amazonas
Der Dschungel ist so grün wie langsam. Die Frau ist das Opfer. Mal passiert ein Mord. Aber seine hässliche Fratze zeigt der Dschungel erst bei den rot gemalten Buchstaben ACC.
POESÍA SIN FIN
Alejandro Jodorowsky, Chile
Jodorowskys hochpoetische, filmpoetische Poetikvorlesung anhand eines autobiographisch gesponnenen Fadens.
PSYCHO RAMAN
Anurag Kashyap, Indien
Indische Variation zum Serienkillerthema unter dem Aspekt der Seelenverwandtschaft von Cop und Killer.
RALÉ
Helena Ignez, Brasilien
Copacabana Mon Amour, aber Alain Resnais sind wir nicht, wir können nicht die 60er Jahre nochmal spielen, umso mehr verlustieren wir uns an deren späten Errungenschaften, zum Beispiel der Homo-Ehe.
TE PROMETO ANARQUÍA
Julio Hernández Cordón
Bunuels „Los Olvidados“ war einmal; jetzt sind die Straßenkids von anno dunnemal in den Bluthandel und in heftige, schwule Liebe involviert.
THE BLACK HEN
Min Bahadur Bham, Nepal
International gefördertes Gugemeint-Movie – Eine Schulstunde für ein Ei.
THE FIND
Viktor Dement, Russland
Fischereiinspektor Trofims eingefahrenes Selbstbild erfährt nach einem Babyfund gehörige Erschütterungen.
THE LAND OF THE ENLIGHTENED
Pieter-Jan De Pue, Belgien/Afghanistan
Ein Belgier realisiert Traumbilder knackig-kerniger Knaben im afghanischen Grenzgebiet zu Tadschikistian, die Schmuggel und Lapis Lazuli-Abbau betreiben statt Pfadfinderspiele.
THE SHELL COLLECTOR
Yoshifumi Tsubota, Japan
Der blinde Muschelsammler auf der Hanare-Insel wird dokumentarisch eingeführt; wie ihm aber der Pazifik eine Frau an den einsamen Strand schwemmt, kennt die fiktionale Erfinderei kein Halten mehr.
THE STUDENT
Kirill Serebrennikov, Russland
Wer mit Bibelworten beschlagen ist, kann effektvoll gegen die Argumente „unkontrollierte Erektion“ und „vorübergehende, geistige Verwirrung“ anreden und seine gesamte Umwelt zur Verzweiflung bringen. Nach dem Stück „Märtyrer“ von Marius von Mayenburg.
TONI ERDMANN
Maren Ade, Deutschland/Österreich
Der Humanismus als Klumpfuß des Kapitalismus.
TRAMONTANE
Vatche Boulghourjian, Libanon
Die Beschaffung eines Passes artet für den markanten, blinden Musiker Rabih, der faszinierende Georges Dib, zu einem Thriller aus, der Suche nach der eigenen Geschichte, die aus tausend Geschichten zu bestehen scheint.
YOU CARRY ME
Ivona Juka, Kroatien
Der Krieg hat Kroatien und die Kroatier grob und chaotisch gemacht; drei Frauen schlagen unerbittlich um sich.
WEST NORTH WEST
Takuro Nakamura, Japan
Barfrau liebt Frau in Pink und die Frau mit dem Kopftuch bringt die Gefühlsbalance der beiden durcheinander, dabei sucht sie nur nach der richtigen Himmelsrichtung, wo liegt Mekka?

Kommentar zu den Filmstarts vom 9. Juni 2016

Und wieder gibt es eine ganze Reihe schöner Filme neu im Kino.

Mein Favorit ist Sky, Diane Kruger als Lieferantin jeder Menge magischer Kinomomente in einem Film, der erst wie von einer anderen Stern wirkt und den Abgründen der Liebe großes Kinoformat verleiht.

Einmal Mond und zurück: hier lässt es die raumfahrtbegeisterte Jugend krachen und probiert die Raketen schon mal am Maskottchen aus.

Erlösung: „Im dänischen Flachland gedeihen mysteriöse, grausame Serien-Verbrechen der grässlichsten Art und es schluckt sie lange, bis sie, wenn überhaupt, an den Tag kommen. “ so fängt stefes Review an; es geht um verschollene Kinder, die keinem aufgefallen sind. In bester Adler Olson-Krimimanier.

Himmelskind: Was nützt alle ärztliche Kunst gegen Darmverschlaufungen, wenn doch im Garten ein hohler Baumstamm steht? Nach einem erst kürzlich „real“ passierten Wunder.

Stolz und Vorurteil & Zombies oder Jane Austen angerichtet als filmischer Toast Hawai mit Zombies und Shaolin-Kampfkunst.

Hannas schlafende Hund: ehrenhafte Erinnerungsbemühung eines HFF-Professors, die sich leider für die schwierigst mögliche Erzählstruktur entscheidet.

Pierce Brosnan interpretiert in Professor Love als Dozent für Romantik die These „carpe diem“ als „vögle und fühle dich frei“, lavishly buttered.

Kommentar zu den Filmstarts vom 2. Juni 2016

Wieder so viele Filme neu im Kino, das ist wie ein Dauerfilmfest und auch heute sind wieder viele schöne dabei.

Mein Favorit sind die Dirty Games von Benjamin Best; vor jeder Übertragung von Sportereignissen am Fernsehen sollte künftig ein 30-Sekunden-Trailer aus diesem Film gesendet werden.

Der Moment der Wahrheit: aufregender Recherchethriller, der elektrisiert ist von der Sprengkraft eines – vermuteten – Körnchens Wahrheit im Heuhaufen der Geschichte; hätte die Beibringung eines höher gestellten „th“s einer bestimmten Schreibmaschine der Geschichte einen andern Drall geben können?

In Everybody Wants Some!! spürt Richard Linklater minutiös dem delikaten Übergang junger Männer vom College zur High-School und zum Baseball nach.

Green Room testet reichlich schön, reichlich amerikanisch und reichlich akademisch unsere Musikidologie anhand eines Horrormotives.

Tomorrow – Die Welt ist voller Lösungen: Auf ihrer sympathischen Suche nach der Nachhaltigkeit müssen diese französischen Idealisten ganz schön viel „fuel“ verbrannt haben.

The other side of the door: Horror auf fein Indisch, eine Mutter, die sich vom toten Kind nicht anständig verabschiedet, die kann was erleben.

Die Buben Mikro und Spirit verhüllen originell in einem romantischen, fahrbaren Holzhäuschen ihre Verpuppung von träumerischen Jungs zu konventionellen Erwachsenen.

Doktor Proktors Zeitbadewanne: Die Norweger haben ihr Pupspulver noch lange nicht verschossen und mit Zeitseife angereichert verlebendigen sie sogar amüsant Historie.

Die beiden deutschen Spielfilm-Neustarts handeln vom Schreiben und verheddern sich darin, leiden unter enormen Drehbuchschwächen – einmal mehr.
Vor der Morgenröte – Stefan Zweig in Amerika: Maria Schrader inszeniert in ihrem Film viel Applaus für Stefan Zweig.
In Agnes hat Johannes Schmid mit seiner Konzentration auf Gediegenheit anstelle der Entscheidung für eine Hauptfigur das Storyneed Schachmatt gesetzt.

Ehrliches Bolzplatzkino mit Stargusto zeigen Russel Crowe und Ryan Gosling in The Nice Guys.

Whiskey Tango Foxtrot: Subalternisierung, die mit greller, sich gegenseitig anstachelnder Lache die katastrophale Lage in Afghanistan zu übertönen versucht und jede Verantwortlichkeit von sich weist.