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Wie Prof. Kirchhof in Magdeburg ins Straucheln kam oder der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Sprengkraft von 86 Cent.

Stefe ist ein Verfechter des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes (im Folgenden: ÖRR) als einem unabdingbaren und unabhängigen Ferment für eine lebendige Demokratie. Der soll Entwicklungen verhindern, wie sie zur Nazi-Diktatur geführt haben, Entwicklungen also, die die Demokratie gefährden, die zu antidemokratischem Populismus, Rassimus und Extremismus führen. 

Es schmerzt, wenn der ÖRR diese Funktion nicht mehr erfüllt, wenn Parteien in Deutschland Fuß fassen, die vom Populismus genährt werden und deren Ziele nicht mehr die Demokratie sind. Solche Entwicklungen sind im Gange. Der ÖRR konnte sie nicht verhindern; er ist dysfunktional geworden. 

Es wäre die vornehmste Aufgabe eines unabhängigen ÖRR, all die Menschen mitzunehmen und anzusprechen, die offenbar unter den herrrschenden Verhältnissen leiden, die sich nicht ernst genommen fühlen, ausgegrenzt und untergebuttert und deshalb anfällig sind für Populismus, Rassismus, Extremismus, vielleicht auch für Verschwörungstheorien. Trotz eines über 9-Milliarden-Budgets gelingt das dem ÖRR nicht. 

In Sachsen-Anhalt hat es sich gezeigt, dass dem ÖRR auch ein Teil des etabliert politischen Supports wegbröselt. Es geht um die Erhöhung der Rundfunkzwangsgebühr um 86 Cent pro Haushalt und pro Monat auf dann immerhin 18.36 Euro ab 2021. Das ist vor dem Hintergrund eines bevorstehenden wirtschaftlichen Einbruches zu sehen, wie es ihn lange nicht gegeben hat. Dieser Erhöhung hätte der Landtag von Sachsen-Anhalt zustimmen müssen. Hat er nicht. Damit kann die Erhöhung (also der neue Rundfunkvertrag) nicht in Kraft treten. Es müssen alle Länderparlamente einstimmig dafür sein. 

Die Einstimmigkeit ist eine demokratische Vorsichtsmaßnahme. Sie soll garantieren, dass eine breite Mehrheit im Lande, und eben auch eine föderale Mehrheit, hinter dem ÖRR steht. Wenn dem nicht mehr so ist, so ist das ein Alarmsignal. Wer dafür das Einstimmigkeitsprinzip schilt, der hat es nicht verstanden. Niemand soll sich vom ÖRR missachtet fühlen. 

Wer jetzt einfach über das Prinzip der Einstimmigkeit schimpft, der macht es sich zu einfach. Es ist hier ein direkt ablesbares Symptom für die Dysfunktionalität des ÖRR, ein Hinweis auf beachtliche Risse oder Defizite in dessen öffentlicher Anerkennung. Das sollte zu denken geben. Wer also über das Abstimmungsresultat schimpft, der zementiert den Riss eher, als dass er zu dessen Kittung beiträgt. 

Wenn so ein Pfeiler der Demokratie wie der ÖRR dysfunktional wird, so muss er dringend repariert werden. Das wird eine schwierige Operation bei einem so großen, so komplexen, so teuren Unternehmen. Voraussetzung, diese Operation überhaupt anzugehen, ist die Analyse der Dysfunktionalität (oder der Auswüchse, der Fehlentwicklungen beim ÖRR). Die Politik aber verspürt wenig Lust dazu. Lieber wird argumentiert, Corona habe doch gezeigt durch die erhöhten Einschaltquoten bei den Nachrichten und Corona-Info-Sendungen, wie wichtig der ÖRR sei. Ob diese Qualität 9 Milliarden teuer sein muss? Das wäre gewiss mit deutlich weniger zu leisten. 

Um zu verstehen, wie es zu dieser Dysfunktinalität kommen konnte, muss man in die Geschichte des ÖRR zurückschauen. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet mit dem dezidierten Ziel, die Demokratie lebendig zu erhalten, sie gegen Extremismus, Faschismus zu immunisieren, damit nie wieder so etwas wie die Nazidiktatur entstehen kann. 

Die erste Generation der Rundfunkmacher hatte das präsent und hat wohl einen teils sehr aufregenden Rundfunk, sowohl Radio als auch Fernsehen, gemacht. Es gab keine private Konkurrenz. Mit dem aufkommenden Wohlstand und auch mit den technischen Entwicklungen stiegen die Ansprüche. Der ÖRR wurde teurer. Die Finanzierung ging über den Besitz von Geräten. Wer Empfangsgeräte besaß, Radio, TV-Apparat, der musst entsprechend bezahlen. Durch die schnelle Verbreitung der Geräte stiegen auch die Einnahmen des ÖRR sprunghaft an. Geldhaufen machen begehrlich.

Den Einzug des Geldes besorgte die GEZ; durch ihr oft ruppiges Auftreten Schwarzsehern gegenüber war sie nicht besonders gut beleumdet, ein ständiges Ärgernis.

In den 80ern kam zum ÖRR die private Konkurrenz. Diese versuchte Mitarbeiter vom ÖRR abzuwerben. Der wollte sie halten mit traumhaften Pensionsversprechungen. Diese Mitarbeiter sind heute in Pension, sie verdienen zum Teil mehr als je zur aktiven Zeit. Diese Renten belasten den ÖRR heute so stark, dass sie ihn richtiggehend einschnüren. Es handelt sich um Verpflichtungen des ÖRR im Bereich von Hunderten von Millionen Euro. Bezahlt werden müssen sie aus Gebührengeldern. 

Gleichzeitig zur Expansion der Privaten versuchte der ÖRR der Konkurrenz mit dem Ausbau seiner Programme zu begegnen. Das verschlang immer mehr Geld. Ständig bettelte der ÖRR um Gebührenerhöhungen, um seinen steigenden Bedarf zu decken. Gegen die Unersättlichkeit des Rundfunkes wurde als demokratisch regulierende Instanz die KEF erfunden, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes des ÖRR. Diese soll den ÖRR in seinen Geldgelüsten bändigen, das dürfte die politische Idee hinter diesem Organ sein. 

Denn je höher der Finanzbedarf des ÖRR wurde und je mehr sich seine Programme denen der privaten Konkurrenz anglichen, desto mehr wurde öffentlich gemosert, wenn wieder eine Erhöhung anstand. Die Politik hatte wenig Lust zu diesen Auseinandersetzungen; denn sie selbst sieht sich durchaus in Abhängigkeit vom ÖRR, insofern, als er für die Politiker eine wichtige Plattform, eine nicht zu unterschätzende öffentliche Bühne bietet. 

Wie die Politik es leid war und weil sie sich nicht ständig mit dem Geldhunger des ÖRR und der aggressiven GEZ anlegen wollte, beauftragte sie vor einigen Jahren einen gewissen Professor Paul Kirchhof, ein wasserdichtes Modell zur Finanzierung des ÖRR zu entwickeln, das der Politik den stets wiederkehrenden Ärger endlich vom Hals hält. Aus dem vermutlich nicht billigen Gutachten des Professors resultiert die heute gültige Haushaltszwangsgebühr, die seit einigen Jahren als Fixbetrag pro Wohnung erhoben wird. Damit hoffte die Politik, endlich die Probleme mit der Finanzierung des ÖRR dauerhaft gelöst zu haben. Sie hat sich getäuscht, spätestens seit Anfang Dezember dieses Jahres ist das Thema – und brennender als zuvor – wieder auf dem Tisch, Stichwort Magdeburg.

Das Problem bei der Finanzierung nach Professor Kirchhof ist, dass sie demokratisch unfair zu Lasten einkommensschwacher Haushalte geht. Diese Haushaltszwangsgebühr wirkt für solche Haushalte wie eine Strafsteuer. Sie müssen proportional zu ihrem Haushaltseinkommen, wenn man in Steuerkategorien denkt, einen viel höheren Steuersatz bezahlen als ein einkommensstarker Haushalt. Diese Ungerechtigkeit wird mit jeder Erhöhung der Zwangsgebühr größer. Es geht immerhin um einen Geldhaufen von über 9 Milliarden. Wir sprechen hier nicht von Peanuts.

Das hat zur Folge, dass ein Haushalt mit wenigen Hundert Euro Haushaltsgeld (arm über der HartzIV-Grenze und also nicht beitragsbefreit) zu den bisherigen 17.50 jetzt nochmal 86 Cent absparen muss; womöglich um einem fetten Rundfunkpensionär noch mehr Kohle unterzuschieben; eine eindeutig undemokratische Umverteilung von Gesetzes wegen – und das in einem vorgeblich demokratischen Staat. Als Folge der Corona-Krise wird die Zahl der Haushalte mit geringem und weiter sinkendem Einkommen deutlich zunehmen. Es wird also für noch mehr Haushalte ein Problem, die Rundfunkzwangsgebühr aufzubringen, um unter anderem die fetten Rundfunkpensionäre zu finanzieren. Das erkläre man mal einem Menschen mit Gerechtigkeitsgefühl und aus einem solchen Haushalt. 

Satirisch zusammengefasst: In Magdeburg gerät Professor Kirchhof ins Straucheln. (Eine Folge des Kirchhof-ÖRR-Finanzierungsmodells ist, dass jetzt einkommensschwache Osthaushalte gezwungen sind, noch mehr Geld zur Finanzierung der üppig versorgten ÖRR-Pensionäre beizutragen; die in ihrer überwiegenden Mehrzahl Westler sein dürften). 

In einer Demokratie müssen Ungerechtigkeiten benannt und behandelt werden. Sonst bilden sich, nennen wir es mal so: Eiterbeulen. Bildlich gesprochen ist in Sachsen-Anhalt eine Eiterbeule aufgebrochen. Statt auf den Eiter zu schimpfen, sollten Politik und verantwortlich sich fühlende Medien dringend damit beginnen, die Ursache dieser „Krankheit“ zu ermitteln, der ihr zugrunde liegenden Ungerechtigkeit auf den Zahn zu fühlen, sowohl, was die Finanzierung des ÖRR betrifft als auch, was grade im Osten gerne vorgebracht wird, hinsichtlich der Berücksichtigung des östlichen Lebensgefühles. 

Der ÖRR bedarf dringend der Rundumerneuerung. Das eine ist die Finanzierung und zwar auf eine demokratisch faire Art, die nicht die Reichen maximal entlastet; dies wird viel zu wenig thematisiert. Andererseits muss eine Lösung für das Pensionenproblem gefunden werden. Hinzu kommen als Drittes all die häufig vorgebrachten Kritikpunkte wie die exorbitanten Gehälter der Intendanten, das hohe Durchschnittsalter der Zuschauer, zu viel bürokratische Verkrustung, zu viele Landesanstalten, zu viel Pfründentum (also auch so schöne Posten wie Rundfunkräte), das Problem mit den Subunternehmen, Hunderte von Millionen für Sportübertragungen zur Finanzierung von Sportmillionären, zu viele Talkshows, Sendungen zur Finanzierung von Showmillionären, zu viele Wiederholungen, zu wenig Eigenständigkeit, zu viel Orientierung an Quote und an der privaten Konkurrenz. 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist dysfunktional, behäbig geworden und immer fordernder bei gleichzeitiger Reduktion der Leistung (weniger Drehtage, mehr Wiederholungen, wie der scheidende BR-Intendant Ulrich Wilhelm drohend zu sagen pflegte). Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bedarf dringend der gründlichen Erneuerung sowohl was die Definition von Schutz und Lebendighaltung von Demokratie in der modernen Social-Media- und Medienlandschaft bedeutet (da gibt es durchaus Ansätze) als auch was eine faire Finanzierung betrifft, die nicht die einkommensschwachen Haushalte überproportional belastet. Diesmal sollte sich die Politik nicht vor der Aufgabe drücken; das könnte doch ganz gut in einem Aufwasch mit den dräuenden wirtschaftlich-sozialen Problemen in der Nachcorona-Ära passieren. 

Kommentar zu den Reviews vom Donnerstag, 17. Dezember 2020

Der unhaltbare Zustand der Kinoschließungen dauert an ohne Aussicht auf Erlösung. Wen die Politik so bestraft, der muss sich mit DVDs, bei Video on Demand oder am Fernsehen schadlos halten. 

DVD

DARKROOM

Gays Süße und Gift nah beieinander.

DIE EPOCHE DES MENSCHEN – DAS ANTHROPOZÄN

Die Menschen sind rücksichtslose Zerstörer des Planeten. Die Bilderstreite von dieser Spur der Verwüstung sind elektrisierend. 

MOSSAD

Wenn die Geheimdienstler in Nahost wirklich solchene Deppen wären, wäre ein Friede womöglich vorstellbar. 

VoD

DARKROOM

Blind Dates mit schnellem Exitus im Gefolge. 

DAS NEUE EVANGELIUM

Filmische Zeitlosigkeit der biblischen Geschichte in Matera. 

MOSSAD

Wehe, wer solchem Geheimdienst in die Quere kommt – der findet sich im Ulk-Genre wieder. 

TV

DAS GLÜCK IST EIN VOGERL

und zwitschert weihnachtlich überzuckert.

Kommentar zu den Reviews vom 10. Dezember 2020

Kino

fällt aus. Bitte achten Sie auf die Lautsprecherdurchsage.

Adventskalender

TÜRCHEN, TÜRCHEN

Was aus diesem Adventskalender guckt, ist nicht unbedingt nur sittsam und brav. 

DVD

I STILL BELIEVE

Der Glaube kann zwar den Tod nicht verhindern; aber der Gesang vom Glauben bringt den Erfolg. 

IRREVERSIBEL

Hat zu Beginn des Jahrtausends in Cannes für Furore gesorgt.

IRREVERSIBEL STRAIGHT CUT

Hier rückt der Direktor zurecht, was er original von hinten aufgefädelt hat. 

CRESCENDO

Friedensträumerei weit weg von der Nahostrealität. 

VoD

I STILL BELIEVE

Dem Gläubigen helfen Gott – und Hollywood.

DAS HAUS DER GUTEN GEISTER

Faszinierender Enthusiasmus trotz High-Society-Tempel. 

CRESCENDO

In der Musik ist Harmonie möglich – glauben Idealisten. 

TV

TATORT – IN DER FAMILIE- TEIL 2

Diesmal kommt der nördliche Kommissar, der so prägnant spricht, persönlich nach Bayern und überbringt den Fahndungsaufruf. 

WANN. EIN VERSUCH ÜBER DIE ZEIT

Kein Denken kann die Zeit aufhalten. 

Türchen, Türchen

Türchen, Türchen öffne Dich, wer ist die Schönste im ganzen Land, oh, nein, falsche Baustelle, es ist Advent, in jedem Fenster ein Kerzlein brennt, Zeit für Adventskalender, Zeit für tägliche Überraschungen und es herrscht Kinoverbot im Lande. 

Aber das Kino lässt sich nicht unterkriegen, aus allen möglichen Spalten und Netztteilen lugt es heraus, spricht uns an. X-Filme hat seit erstem Dezember den Adventskalender 2020 hamlet_X von Herbert Fritsch online.

Herbert Fritsch persönlich, ein sympathischer, älterer Herr, hat die erste Kerze in einem kleinen Video angezündet. 

Egal, ob man die Aktivitäten von Herbert Fritsch kennt oder nicht. Er hat sei Januar 2001 Kurzszenen inszeniert und verfilmt in einer „smarten Kreuzung zwischen Monumentalfilm in gigantischer Besetzung und Low-Budget-Projekt“ (aus dem Werbetext von X_Film). 

Der Geist Hamlets habe sich in die Filme reingeschlichen. Jeden Tag gibt es einen neuen Clip. 

Am zweiten Dezember kämpft Christoph Schlingensief sich ab in einem Parforceritt zwischen Gynäkologen-Besteck, Ophelia und Hamlet. 

Vielleicht könnte man die Methode des Herangehens an so einen klassischen Stoff mit Destruktion im Sinne eine Neukomposition beschreiben, um die Kunst vorm Risiko des Ausleierns und des Erstarrens im Gebetsmühlenhaften zu bewahren.

Die Reihe der Filme von Herbert Fritsch sei noch nicht abgeschlossen. Aber die kurzen, anregenden, vielleicht auch verstörenden, manchmal womöglich auf Anhieb nicht gleich entzifferbaren Einblicke durch die Türchen des Adventskalenders dürfte mit Heilig Abend vorerst zu Ende sein. Dann fangen die Tage wieder an, länger zu werden. 

Kommentar zu den Reviews vom 3. Dezember 2020

Jetzt sollte es volle Pulle wieder losgehen mit heftiger oder deftiger Kost nach der Knowckdown-Strecke; jetzt wollte sich das Kino nicht mehr bremsen lassen.

Für die ersten Dezembertage scharrten mit den Hufen: KAISERSCHMARRNDRAMA, DRIVEWAYS, THE GREAT GREEN WALL, GREENLAND, SCHWESTERLEIN, YAKARI, YOUTH UNSTOPPABLE, DER PATE: DER TOD VON MICHAEL CORLEONE – EPILOG, ELISE UND DAS VERGESSENE WEIHNACHTSFEST, IRREVERSIBEL STRAIGTH CUT, KIDS RUN, MONSTER HUNTER, PERSISCHSTUNDEN, PLATZSPITZBABY, TONSÜCHTIG – DIE WIENER SYMPHONIKER, REGELN AM BAND BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT, ROJO – WENN ALLE SCHWEIGEN – IST KEINER UNSCHULDIG, THE SECRETS WE KEEP – SCHATTEN DER VERGANGENHEIT, TONSÜCHTIG, UND MORGEN DIE GANZE WELT, WEIHNACHTEN IM ZAUBEREULENWALD …

und jetzt können wir sie gleich als Helden und Opfer im Anticoronakriegsheldenfriedhof beisetzen. Das ist unerträglich vor allem angesichts dessen, dass im Kino so gut wie keine Ansteckungen nachweisbar sind dank ausgeklügelter Hygienemaßnahmen und Besucherlisten. 

So tummeln wir uns denn in Ersatzbiotopen. 

Filmfestival

HALDERN POP – DORF MIT FESTIVAL

Ganz am Rande des Mittendrin oder mittendrin am Rande. 

Filmmuseum online

GESCHLECHT IN FESSELN

Brillanter Film zum unzulänglichen Strafvollzug (1928!).

VoD

EINE GESCHICHTE VON DREI SCHWESTERN

Tschechow grüßt Anatolien – kinematographische Seinserforschung.

THE WHALE AND THE RAVEN

Hört den Gesang der Wale. 

GANZE TAGE ZUSAMMEN

So unaufgeregt einfühlsam dürfte Schule noch selten porträtiert worden sein. 

TV

BETA STORIES: DISKRIMINIERENDE ALGORITHMEN

Keine Panik vor Algorithmen; sie sind auch nur von Menschen gemacht. 

TATORT: IN DER FAMILIE – TEIL 1

Schlottriger Marketing-Gag als Jubiläums-Gehalt. 

DIE ABENTEUER DER MENSCHEN

Und wo kam das Denken her?

Kommentar zu den Reviews vom 26. November 2020

Kinostart-Zangengeburten.

(über zwei Dutzend Filme sollten in den ersten Dezember-Tagen an den Start gehen).

Die Lockdown-Politik hinterlässt Spuren der Verwüstung in der Kinolandschaft. Kann dem Kino wirklich so viel Verantwortung bei der Ausbreitung der Epidemie aufgebuckelt werden? 

Es ist unglaublich, dass die Politik das Kino mit in Haftung nimmt für die Ausbreitung des Virus! Waren nicht die Hygienekonzepte mit von den ausgeklügeltsten und staatlich anerkannt? Vor allem: die Zahlen während dieses zweiten Lockdowns werden schlechter statt besser, die Ansteckungszahlen. Das beweist doch: dass nicht das Kino der Ort der Ansteckungen sein kann. Es wäre also völlig unsinnig, den Lockdown weiter über die Kinos zu verhängen. Denn sie trifft keine Schuld bei der Verbreitung des Virus; sie dürften mit von den sichersten geselligen Orten trotz Pandemie sein. Es ist nicht ein Fall bekannt, bei dem eine Ansteckung bei einer Kinoverostellung oder im Kinofoyer stattgefunden hat. Die Listen zur Nachverfolgung werden hier genau geführt. 

Ein Film nach dem anderen erlebt einen Zangengeburt-Start, viele Filmstarts wurden bereits ein-, zwei-, drei-, vier-, ja gefühlt ein halbes Dutzend-mal verschoben; so manchem dürfte die Luft noch vor Erblicken des Lichtes der Leinwand ausgehen; Kinototgeburten noch und nöcher. Und die Politik hat kein Einsehen, nicht in nächster Zeit, nicht vor Weihnachten; es ist ganz furchtbar für Produzenten, Agenturen, Kinobetreiber, Kinomitarbeiter, Journalisten. Man möchte sich ins Grab legen, um sich darin umzudrehen. Das Kino wird einem so richtig madig gemacht. DVD, VoD sind kein adäquater Ersatz.

Entsprechend mau ist die Review-Bilanz für die Woche. 

Eine Review

OEKOZID

Gut gemeintes Bashing von Merkels Klimapolitik. 

Ein Kommentar

SOCKEN-KAMPAGNE

Gut gemeinte Propagandafilmchen der Bundesregierung zur Rettung der Welt vor Covid 19. 

Socken-Kampagne

Vor Jahren gab es im Lande die Rote-Socken-Kampagne. Damit versuchte eine politische Partei eine andere fertig zu machen. Gebracht hat es nicht viel. Heute klammern sich diese Parteien einträchtig (und einträglich) an die Regierungspfründen. Ihnen macht das Virus zu schaffen und sie sehen den Wohlstand – und ihre Pfründen – davonschwimmen. Deshalb versucht diese Regierung mit einer Faule-Socken-Kampange im Internet dagegen anzukämpfen. 

Es handelt sich um drei Propaganda-Kurzfilmchen der Bundesregierung, die die jungen Menschen dazu bewegen sollen, in Pandemie-Zeiten zuhause zu bleiben.

Besondere Helden 1

Faul wie die Waschbären, so wurden sie zu Helden. Sich auf die Couch legen und Verantwortung übernehmen. Die Jugend soll bittschön aufs Feiern verzichten. 

Besondere Helden 2

Das ganze Land schaute auf die Jugend. Die durch Nichtstun die Ausbreitung von Covid verhinderte. Tapfer zuhause rumgammeln. Besondere Zeiten brauchen besondere Helden. 

Besondere Helden 3

Besondere Zeiten, schwere Zeiten. Faule Socke. Es war leicht ein Held zu sein. Blieb die ganze Zeit zu Hause. Hier wird, wer Home-Office macht, als faule Socke dargestellt und zum Helden gemacht. 

Es heißt immer, Schauen schult. So kann das Schauen solcher Filmchen in kinodürftiger Zeit als Schauschulung gesehen werden. Diese lehrt uns, wie viel vielfältiger und reichhaltiger doch unsere Kinowelt ist (gegenüber solch bescheidenen Propagandaprodukten) und dass die Kinos dringend wieder geöffnet werden müssen. Umsomehr als offenbar Lockdown 2 der falsche Lockdown war, der also die Falschen erwischt hat; denn wenn er die Antsteckungsbereiche betroffen hätte, dann hätten die Zahlen ja rückläufig sein müssen; aber im Gegenteil: die Zahlen sind gestiegen und gestiegen. Was beweist, im Kino – jetzt mal parteiisch gesprochen – hat sich noch kein Mensch angesteckt. Deshalb die Forderung: Wiederöffnung der Kinos SOFORT!

Immerhin dürften durch die Arbeit an den Bundesregierungs-Spots einige Soloselbständige etwas Bundes-Soforthilfe erhalten haben – und nicht einmal durch Nichtstun. 

Kommentar zu den Reviews vom 19. November 2020

Immer noch ist das Kino eine staatlich verbotene Sache. So weit sind wir schon. Nichtsdestotrotz!

Kino

MATERNAL

Nicht so klischeehaft, wie es sich anhört: Gefallene Mädchen im Kloster. 

DIE ADERN DER WELT

Der Mensch beutet den Boden, die Erde aus, auch in weiten Teilen der Mongolei. 

KURZFILMTIPP

DREI KURZFILMPREZIOSEN AUS BAYERISCHEN LANDEN

In coronaverdunkelten Zeiten wird selbst eine finstere Au zum Lichtblick.

DVD

MELLO MUD

So jung und schon eine Leiche im Keller. 

DAS ENTSCHWINDEN

Tochter als Kollateralschaden der Weltkarriere einer Pianistin.

AFRICAN KUNG-FU NAZIS – DIE DOKU ZUM FILM

Ist Afrika das heißere Hollywood?

UNDINE

Ihr Credo: es gibt nur eine Liebe. 

VOD

UNDINE

Ihre Rache ist unerbittlich. 

Kommentar zu den Reviews vom 12. November 2020

Wenn in den Hygienebürokratien denkende Menschen sitzen würden, gäbe es ab heute im Kino zu sehen: einen wundervollen amerikanischen Independent Film zum Thema Misstrauen und Annäherung; die Geschichte eines von wenig beachteten Opfern des Nazi-Regimes, eine Außenseiter-Geschichte aus der Ueckermark, eine Spuren- und Befindlichkeitssuche einer Holocaust-Nachfahrin. Auf DVD meldete sich meisterfotografisch der Rassismus im Süden der USA und eine internationale Action-Komödie aus Afrika. Im Fernsehen wurde der 9. November als Juxdatum betrachtet. 

Kino

DRIVEWAYS

Wenn ins Gespensterhaus die Menschlichkeit einzieht.

FREISTAAT MITTELPUNKT

Rekonstruktion einer erschütternden Holocaust-Opfer-Stimme.

NEUBAU

Außenseiter in der Provinz haben es nach wie vor schwer.

DISPLACED

Dritt-Generation von Holocaust-Opfern stellt die Deutschen zur Rede. 

DVD

WHAT YOU GONNE DO WHEN THE WORLD’s ON FIRE?

Ronaldo und Titus, Mardi Gras, New Black Panther, anno 2017.

AFRICAN KUNG-FU NAZIS

Stretches, Punches, Kicks, Moves aus Kumawood. 

TV 

LEBENSLINIEN: DER OBERPFÄLZER, DER DIE MAUER PLATT MACHTE

Na ja, wenn der Mauerbau zur historischen Skurrilität verkommt, dann sind wir inzwischen offenbar beim zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelandet. 

Kommentar zu den Reviews vom 5. November 2020

CORONA DIE ZWEITE.

Es kommt überhaupt nicht in Frage, dass wir uns durch bornierte Hygienepolitiker die Lust an der Beschäftigung mit Kino nehmen lassen. Es gilt wie beim ersten Mal das Konjunktiv-Programm. Es gibt Reviews über Filme die geplant waren. Die sollen der Vorfreude dienen und wenn die Filme dann von Notstandsverordnungen ungehindert wieder starten dürfen, dann gibt es erneut einen Hinweis zu den Reviews.

Kino

MATTHIAS & MAXIME

Diese schwule Liebe braucht eine Frau als Katalysator.

DOCH DAS BÖSE GIBT ES NICHT

Nein, es gibt nur Gesetze.

SCHATTEN DER VERGANGENHEIT – THE SECRETS WE KEEP

Einer Frau läuft ein Gesicht aus einer dunklen Vergangenheit über den Weg. 

GEFANGEN IM NETZ

Das Kino auf Verbrecherpirsch.

DAS HAUS DER GUTEN GEISTER

Staatsoper und Bescheidenheit, geht das zusammen? Bei Jossi Wieler, ja!

TONSÜCHTIG – DIE WIENER SYMPHONIKER VON INNEN

Die Reproduktion eines berühmten Klangkörpers ist ein delikates Unterfangen.

DVD & VoD

EINE FRAGE DER HALTUNG

Die Antwort liegt in der Zeidlerei – und die zeigt Haltung. 

WHAT YOU GONNA DO WHEN THE WORLD’S ON FIRE?

Wie lange noch Rassismus?