Archiv der Kategorie: Kommentar

Kommentar zu den Reviews vom 21. Januar 2021

Die leere Leinwand.

Mit den Reviewzahlen geht es wie mit den Passagierzahlen am Flughafen oder bei der Bahn: sie rauschen in den Keller. Es gibt überhaupt nur zwei Reviews diese Woche: zum einen über einen Coming-of-Age-Film aus dem unendlichen Bezahlstrom des Internets und zum anderen über eine Fernsehdokumentation über die Ära Lilienthal an den Kammerspielen, also auch noch über Theater, was nicht abschätzig klingen soll, Theater kann durchaus eine wichtige Säule für das Kino sein: denn im Theater können die Leute ganz anders rumexperimentieren als im Kino, wo es doch schnell um enorme Geldbeträge geht. 

Der leere Raum des Theaters ist physisch kaum mit der leeren Leinwand des Kinos oder dem leeren Blatt des Autors zu vergleichen, besonders, wenn ein Autor auf dem berühmten leeren Blatt versucht über den Unterschied zwischen leerem Bühnenraum, den Peter Brooks so meisterhaft bespielte, und der leeren Leinwand, wie sie jetzt die Kinos dominiert, zu schwadronieren. 

Letztlich spielt sich alles im Kopf ab und zielt auch auf den Kopf. Keine der Institutionen ist ein Massageraum. Und weil es Kopfsache ist, macht auch erst das Publikum aus seiner Theatervorstellung seinen Theaterabend und jedes Kinopublikum aus jeder Filmvorführung seinen Film. So besehen sind sowohl Kino als auch Theater ursubjektive Angelegenheiten. 

Wobei der Kritiker hoffentlich sich eine gewisse Ursprünglichkeit bewahrt hat und und offen für jeden neuen Film sein sollte; nur dass er, im Gegenteil zum zahlenden ‚Normal’publikum günstigstenfalls präzise erklären kann, woran es liegt, dass ständig im Publikum eine Unruhe zu bemerken war, oder woran, dass atemlose Stille herrschte und dass der Film den Leuten noch lange im Kopf herumgeht. 

Die Solothurner Filmtage, das zentrale Schweizer Filmtreffen, wollen sich dieses Jahr besonders mit dem Filmkritiker befassen (die Chefin kommt aus dieser Richtung) und wie unerlässlich Kritik für eine lebendige Kinolandschaft sei. Nur dass heute keiner mehr bereit ist, etwas dafür zu bezahlen. 

Wir sind die Gratisreviews im Internet gewohnt, auch hier bei filmournalisten.de; hier arbeiten wir ehrenamtlich. Bei anderen Online-Websites wie artechock oder kino-zeit.de sollen die Schreiber allenfalls 30, 40 oder vielleicht 50 Euro für eine Kritik erhalten, für die sie üblicherweise nicht nur den Film sichten müssen, sondern sich auch mit dem Informieren und Schreiben beschäftigen, also dürfte ein Stundenlohn von weit weniger als dem Mindestlohn herausschauen; nicht viel anders schaue es bei der Süddeutschen aus für die Kurzwürdigungen der Filme, die neu ins Kino kommen. 

Das Geld sammeln die erwähnten Internet-Seiten teils von Spendern (artechock) oder von Spenden und Inseraten (wofür sie dann wiederum Klickzahlen schinden müssen), wobei beide Geldquellen jetzt mangels Kinoprogramm zu Rinnsalen schrumpfen. Vielleicht gibt es bei den Print-Medien oder beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk noch ein paar Topverdiener. …

So kommt man auf dem leeren Blatt vor der leeren Leinwand vom Hundersten ins Tausendste, verliert andauernd den Faden, den man gar nicht hat oder spinnt wieder einen neuen und kommt überhaupt nicht zur Sache, weil die Sache sich aktuell entmaterialisiert hat, weil die Politik felsenfest überzeugt ist, dass im Kino Ansteckungen stattfinden, wohl wahr, aber eben nicht im pandemischen Sinne, sondern mittels Faszination durch das bewegte Bild, für das, was es auslöst, wie es in den Körper fährt, ins Gefühlszentrum oder gar, wenn es hoch kommt, auch ins geistige Zentrum, so dass der Zuschauer sich genau in dem ernst genommen fühlt, woführ ihn vielleicht seine Umwelt belächelt oder wofür dem oft rüden Zeitgeist jegliche Sensibilität abzugehen scheint. 

Manch einer glaubt gar, im Kino einen Blick in Wahres zu werfen, auch wenn heutzutage „24 mal die Wahrheit pro Sekunde“ kein zündendes Wort mehr ist; heute ist die Wahrheit im Kino pixelig, verpixelt; während Altmeister Godard sich in eine Nische verflüchtigt hat, die wie aus einer anderen Welt scheint, in der er nach wie vor Bildmaterial als Wahrheitsmaterial betrachten mag, es auf jeden Fall immer noch furios mit den modernsten Mitteln behandelt und nach wie vor genial montiert; aber von Montage spricht auch längst keiner mehr; das Kino ist oft nur noch amorphe Bildmasse, vor der das Publikum längst den Respekt verloren hat, weil Bilder allüberall und oft in nicht zu bemängelnder technischer Qualität verfügbar sind. 

Andererseits blüht der Arthouse-Zweig wie nie; es fehlt an Sälen um all die vielen Wunderblüten von bestechender Qualität zu präsentieren, die gediegen moderne Geschichten erzählen und das kultivierte Publikum anregend unterhalten. Allein was heute in Frankreich auf dem Humus der Nouvelle Vague für ein üppiger Kinogarten sprießt, während in Deutschland der durch die Nazizeit ausgetrocknete und versteinerte Boden nur mittels massiver Düngung durch weisungsgebundene Fernsehredakteure und Filmförderer mit von Funktionären ‚gemachten‘ Stars eine matte Pracht allenfalls mit einigen hübschen Mauerblümchen hervorbringt. 

Stream

YES, GOD, YES – BÖSE MÄDCHEN BEICHTEN NICHT

Hier erfährt der geneigte Zuschauer, was es heißt, jemandem die Sahne schlagen. 

TV

KAMMERSPIELE – JAMMERSPIELE

Nein, kein Kulturpessimismus. 

Kommentar zu den Reviews vom 14. Januar 2021

Wieder in die Gänge kommen MUSS MUSS MUSS das Kino, der Jahreswechsel hat die Jahresrückblicke hervorgebracht. Witzig und spritzig bei artechock: Running Movies. Hier perfektioniert Felicitas Hübner die Kunst des gezielten Text-Pfeils auf ein Movie, da Darts gerade in ist, mit Treffern voll ins Schwarze, unterhaltsam auch wenn man die die Filme nicht gesehen hat. Außerdem macht dieser Rückblick klar, wie aufregend trotz Corona-Lockdown das Kino 2020 gewesen ist und schraubt die Erwartungen für 2021 entsprechend in die Höhe; denn es ödet schlicht an, wenn da, wo neu ins Kino strömende Filme besprochen werden sollten, sich stattdessen – wegen geschlossener Kinos – die Internetbezahldienste breit machen; das hat weder Hand noch Fuß. Es gibt ja auch jede Menge DVDs, bei denen man nur das Einzelexemplar bezahlen muss und nicht gleich ein Jahresabo. So sind zwei sehr sehenswerte DVDs zu empfehlen und auch im TV gab es Erfreuliches, jedoch auch weniger Erfreuliches. 

DVD 

RUN

Je klarer die Erzählung, desto mehr Schauder beim Filettieren dieser Mutter-Tochter-Beziehung. 

VENTO SECO

Liebessehnsucht gegen Homoklischees.

DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN

Wenn das Gegenüber im Zug mehr Geschichten erzählt als der Zug Kilometer frisst.

VoD

VENTO SECO

Nicht alles, was homo ist, ist Hochglanz; kann trotzdem prickelnd sein.

DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN

„Wie viele Zugti­ckets braucht eine multiple Persön­lich­keit?“ (Hübner, artechock)

TV

LEBENSLINIEN: EINSATZ IN DEN BERGEN

Glücklich sein trotz irreparabler Defizite – und ein Ohrwurm von Bayerisch. 

ALLTAGSDROGE CRYSTAL METH

Vielleicht hätte ein Stück der Droge den Dokumentaristen zu mehr Power verholfen.

Kommentar zu den Reviews vom 7. Januar 2020

Kommentar entfällt mangels Reviews.

stefe macht Pause und liest ein Buch. 

Es gab lediglich einen Tipp für einen VoD-Film

PARADISE HILLS

Richtig geheiratet soll im Leben nichts mehr schief gehen. Siehe die Review von stefe.  (Oder: wenn sonst nichts mehr geht, heiraten geht immer. )

Kommentar zu den Reviews vom 31. Dezember 2020

Eine Katastrophe ist das alles, eine Katastrophe. Wo bleibt das Kino? Wird es sich je wieder erholen von der brutalen Niederschlagung durch die Anticorona-Politik?

Das Kino jedenfalls hat die Hoffnung nicht aufgegeben, ja es herrscht regelrechtes Gedränge vor den Startplätzen zur Wiedereröffnung der Kinos – demnächst irgendwann: 

Es wartet BILLIE über die sensationelle US-Jazz-Sängerin Billie Holiday. Und jetzt mal in lockerer, nur teils alphabetischer Reihenfolge weiter: CURVEBALL der für den jetzigen Bundespräsidenten ungangenehm werden dürfte, DAS LETZTE LAND mit seinen Sci-Fi-Endzeit-Weltraum-Farbexplosionen, EIN BISSCHEN BLEIBEN WIR NOCH, wehe wenn Flüchtlinge in Wien Selbstbewusstsein entwickeln und so gekonnt süß EIN GESCHENK VON BOB ist, ranzig dürfte der Film trotz Pandemie nicht werden, während ELISA UND DAS VERGESSENE WEIHNACHTEN mit einem Frühjahrsstart schon vom Titel her gut leben kann und FALLING von Viggo Mortensen, dem Schauspieler, bleibt in seiner kühl existenzialistischen Analyse (Camus-Einfluss) zeitlos. 

Bestimmt schafft es KAISERSCHMARRN, der jetzt schon so viele Fehlstarts zu verkraften hatte, aber das dürfte dem Film kaum was anhaben, wogegen KIDS RUN, zu fixiert auf vorzeigbar Hochglanz-proletarische Oberkörper, es so oder so schwer haben wird, während der demonstrative Jugend- und Sinnlichkeitsoptimismus von MATTHIAS & MAXIME gegen Folgeschäden von Corona nicht im geringsten anfällig sein dürfte. 

Die NARREN aus dem Schwäbischen müssen vielleicht sogar willkommen in eine Veranstaltungslücke springen, wenn schon kein reales Narren, dann wenigstens der sympathische Film. 

PLATZSPITZBABY ist frech zürcherisch, bestimmt auch noch im Frühjahr. VATER – OTAC ist großes Kino, das von Corona-Kinkerlitzchen nicht einen Deut in Mitleidenschaft gezogen werden dürfte. Pepe Danquarts VOR MIR DER SÜDEN befeuchtet dürstende deutsche Mittelmeersehnsuchtskehlen. 

WANDA, MEIN WUNDER weiß polnische Pflegerinnen zu schätzen, nach Corona vermutlich mehr denn je, erst recht am schicken Zürichsee. WAS GESCHAH MIT BUS 6707 zeigt, dass es Brutaleres gibt als ein daher gelaufenes Virus und seine schlampige Bekämpfung. 

Wer von Frauen nicht genug kriegt, wird nahrhaft und hervorragend bedient mit WOMAN – 2000 FRAUEN, 50 LÄNDER, 1 STIMME.

DIE WAND DER SCHATTEN wird auch mit einem späteren Start an seiner Faszination zwischen Himalaya-Mythos und Bergführergeschäft nichts verlieren. Das gilt ebenso für PICTURE A SCIENTIST – FRAUEN IN DER WISSENSCHAFT, die immer kämpfen müssen, auch sie gegen womöglich schlimmeres als Corona: gegen Männerintrigen. 

MALSANA 32 ist ein zeitlos klassischer Horrorfilm erster Güte. DER BOANDLKRAMER UND DIE EWIGE LIEBE, der hat es eh mit dem Tod mehr als mit dem Leben, ganz schön aktuell. MORGEN GEHÖRT UNS musste lange, lange auf einen Kinostart warten, Porträts geschäftstüchtiger Kinder – bis der Film ins Kino kommt, sind die bestimmt schon wieder einen Kopf größer. 

PARFÜM DES LEBENS steht auch schon ewig in der Warteschlange; wetten, dass die feinen Gerüche nicht so schnell sich verflüchtigen (Magie des Kinos)? HIMMEL ÜBER DEM CAMINO ist ein weiterer Jakobswegfilm – und jeder Jakobsweg ist ein eigener Weg und ein eigener Film, eine eigene Begegnung. In MATERNAL geht es um einen schwierigen Start ins Leben, insofern dürfte der Film gegen die Fährnisse mutwilliger Kinozerstörpolitik gefeit sein. Verträumt videocliphaft ignoriert MUSIC die schnöde Lebens(- und Virus)realität. 

Bis zum überraschenden Ja-Wort ist es zu ROSAS HOCHZEIT mit oder ohne Virus ein harter Weg gegen eingewachsene Vorurteile. JESUS SHOWS YOU THE WAY TO THE HIGHWAY, eine spanisch-estisch-äthiopisch-litauisch-rumänische Produktion, allein der multiple Hintergrund sorgt für Virusresistenz. PROXIMA – DIE ASTRONAUTIN erzählt wie geimpft, dass Frauen im Weltall es schwieriger haben. 

VERPLANT – WIE ZWEI TYPEN VERSUCHEN, MIT DEM RAD NACH VIETNAM ZU FAHREN ist ein weiteres Glanzstück auf der Welle der Weltreisenden, als Reiseausfallsentgelt mehr als tauglich. HILFE, ICH HABE MEINE FREUNDE GESCHRUMPFT, wenn Kleine Große schrumpfen, ist es ein Machtspiel, wenn Kleine andere Kleine schrumpfen, kommen sie in Nöte. 

SHANE CROCK OF GOLD – A FEW ROUNDS WITH SHANE MACGOWAN möchte ich unbedingt noch auf der Leinwand sehen, jetzt macht endlich die Kinos wieder auf, es reicht, es herrscht enormer Andrang, auch MARTIN EDEN will uns seine kinoverführerische Dichtergeschichte erzählen und NOW gibt dringend nötige Impulse und Infos über Umweltaktivisten, so bittschön, macht so schnell wie möglich die Kinos wieder auf, macht sie kundenfreundlich, lasst die Kinobetreiber nicht wieder Hygienesheriffs spielen, auch mit geschlossenen Kinos hat sich doch Corona ungebremst ausgebreitet. Wir fordern die Wiederöffnung der Kinos: SOFORT! —- Es gibt viel zu schauen – und zu besprechen. 

Oder, pathetisch gesprochen: es geht um den geistigen Abwehrkampf gegen Corona.

Stream

FAREWELL AMOR

Der Mensch lebt nicht von der Fernliebe allein. 

TV

TATORT: ANIMALS

So sahen junge Kommissarshoffnungen vor 30 Jahren aus. 

ÜBER 30 JAHRE BATIC UND LEITMAYR – DIE ZWEI VOM TATORT

Bescheidenes Eigenwerbungs- und Selbstdarstellungsfilmchen des BR. Rechtfertigt nie und nimmer eine Erhöhung der Zwangsgebühr. Macht unfreiwillig auf verschlafenes Produktionsmanagement bei den öffentlich-rechtlichen aufmerksam.

Kommentar zu den Reviews vom 24. Dezember 2020

Ohne Kino leben. Dazu zwingt einen die Politik. Aber will man auf Dauer mit Ersatzlösungen zufrieden sein? Sich daran gewöhnen? Nie und nimmer. Und doch, irgendwie geht es auch ohne Kino ganz gut. Ich muss nicht jeden Tag einen Film sehen. Jetzt eben als Sichtungslink auf dem Rechner, was sogar gewisse Vorteile hat, man kann den Film anhalten, kann ein Zitat rausschreiben, kann eine Szene nochmal schauen, ja man könnte sogar auf einem anderen Fenster bereits die ersten Eindrücke tippen; es soll sogar Kollegen geben, die auch die Vorlauftaste nutzen. Man spart sich den Weg ins Kino. Aber es bleiben einem die Gespräche mit den anderen Filmmenschen vorenthalten. Andererseits muss man keiner Presseagentur ein Statement abgeben. 

Ohne Kino leben. Es einfach ausblenden. Es vergessen. Was ich nicht weiß, macht mir nicht heiß. Kino? Ach ja, da war mal was vor Urzeiten. Was ist Kino überhaupt? Geistige Ablenkung, anregende Bilderfolgen, Zudröhnung mit Dolby-Atmos und Bilderactiongewittern? Ein Rausch oder ein Eskapismus, eine therapeutische Qual, eine Entspannung, eine Flucht, Reisen des armen Mannes oder des Corona-Quarantänlers? Kino, was ist das? Ist der Kinogänger eine spezielle Spezies, so wie der Leser, der Raucher, der Briefmarkensammler, der Kleingärtner, der Fußballfan, der Trainspotter, der Poet, der Kleinkalibersportler, der Videogamer? Ist Kino sytemrelevant? Man darf es gar nicht laut sagen, falls es einem auch ohne Kino gut geht. Wie viele Bundesbürger gehen wenigstens ein Mal im Jahr ins Kino, freiwillig und nicht etwa mit Schulzwang? 

Ohne Kino leben. Es gibt so viele andere Unterhaltungen vom Wandern, Chorsingen, Töpfern, Malen, Fotografieren, ins Caféhaus gehen, Surfen, Raften, Freeclimbing, fein Essen gehen, Ausflug im Oldtimer, Museumsbesuch, Gärtnern – und es gibt noch die Musse, falls es sie noch gibt. Bilder Revue passieren lassen. Je länger ein Leben, desto mehr Bilder. Je länger ein Kinogängerleben, desto mehr Kinobilder. Sich vorstellen in einem Kino, in dem man oft war, zu sitzen, allein, in Richtung Leinwand schauen und Bilder, die man darüber hat flimmern sehen, in Erinnerung rufen – das könnte eine zeitraubende Angelegenheit werden. Können Filme bilden? Es gibt immer wieder Versuche, Kanons herzustellen mit den wichtigsten Filmen oder auch Ende Jahr mit Have-Seen oder Should-Have-Seen-Filmen, Top-Tens. 

Ohne Kino leben. Anfang 2020 war das noch kein Thema. 

Da gab es noch Filme. Mit denen prima sich zu beschäftigen war!

JEANNE D’ARC

So fixiert wie Greta.

QUEEN & SLIM

Blind Date mit üblen Folgen.

DIE WÜTENDEN – LES MISERABLES

Banlieu-Krimi nach dem Leben.  

SORRY, WE MISSED YOU

Und Corona begünstigt diese Entwicklung noch (Paketlieferdienste).

INTRIGE

Den Begriff – und dessen Inhalt – perfektioniert.

TOMMASO UND DER TANZ DER GEISTER

Amikünstler in Rom.

FÜR SAMA

Nahostgrauen aus erster Hand.

ÜBER DIE UNENDLICHKEIT

Nordisch, philosophisch, vielsagend.

Das waren jede Menge Highlights bis kurz vor Ostern, Filme, die das Leben reicher, lustiger, tiefer und lebenswerter gemacht haben. – Es kommt einem vor, als erzähle man aus einer anderen Zeit.

Das Jahr fing also an mit vielen sehens-, beachtens- und bedenkenswerten Filmen. Dann sollte MULAN kommen. Stattdessen kam, ebenfalls aus China, Corona. Ab da gab es lange nur Konjunktiv-Programme (Corona Notprogramm), Filme die geplant waren, aber nicht mehr gezeigt werden durften. Es folgte die Lockerung mit mühseligem, hygienebürokratisch drangsaliertem Kinobesuch. Kinofreude ist etwas anderes und die Kinobetreiber mussten auch noch Hygienesheriffs spielen. In dieser trüben Zwischenphase sollte Christopher Nolans TENET alles überstrahlen; mit wachsender Distanz verblasst er schnell. 

Es folgte eine Phase des Hü und Hott, der ständigen Startankündigungen und Verschiebungen bis die von manchen Virologen lange prognostizierte zweite Coronawelle mit voller Wucht das Land überrannte und alles, was an Kinohoffnung blieb, unter sich begrub und wegriss. Verzagtheit macht sich breit in der Branche. Werden die Kinos je wieder öffnen und wenn ja, wie viele werden es sein? Lockdown, das heißt: Leben ohne Kino

Leben ohne Kino. Das ist ein Stück weit auch: leben ohne Orientierung. Mit Kinos in Betrieb ist Orientierung da. Immer donnerstags kommen die neuen Filme. Donnerstags sind die Feuilletons voll mit den Besprechungen und mit den Hinweisen. Und Donnerstag ist der Tag, an dem der Filmgeneigte nachguckt, welche Starts von der Vorwoche noch im Programm sind, nachschaut, wie lange sich ein Film im Kino hält. Das erzählt wiederum von unserer Gesellschaft, was sie beschäftigt, oder wie sie sich amüsiert, wie sie lacht, mitleidet, gar diskutiert. Diese Eigenschaft des Kinobetriebes ist einzigartig. Die kann von den Streams nicht kompensiert werden; Streams wirken von Anfang an archivarisch und beliebig. Bei Streams fehlt das ausgetüftelte Auswahl-Verfahren, das entscheidet, was überhaupt gezeigt wird, wie es beim Kino der Fall ist, von den Produzenten, den Verleihern bis zu den Kinobetreibern, die oft ihrer Spielspätte ein eigenes Gesicht geben. Die Bezahl-Streams wurden anfänglich hochgejubelt von den Feuilletons; denn es war geschäftlich-kapitalistisches Kalkül der Investoren, für den PR-Rummel Meisterregisseuren freie Hand zu geben. Das wurde goutiert. Aber es kann das gesamt-gesellschaftliche Kinostart-Donnerstag-Ritual nicht ersetzen. Dies ist einmalig. Die Schaufenster der Kinos sind Aushängeschilder, was Streams nie sein können (wer kennt das nicht: man ist in einer fremden Stadt und ein Orientierungspunkt ist es, das oder einige Kinos anzusteuern und zu schauen, was dort gezeigt wird; das wird das Bild der Stadt mitprägen; Kinos können eine einzigartige Visitenkarte einer Stadt sein – undenkbar bei Streams. Leben ohne Kino heißt auch, auf einen Leuchtturm und Fixpunkt gesellschaftlichen Bewusstseins, gesellschaftlicher Auseinandersetzung zu verzichten. 

Leben ohne Kino. Das bedeutet für die Disney-Studios, wir können das, wir bringen alle Produkte gleich als überall empfänglichen Stream, wir verzichten auf die Leuchtturmfunktion des Kinos resp. wir haben das nicht nötig. 

Leben ohne Kino. Das bedeutet, den Kinoschreiber erreichen immer weniger Meldungen über Filme, über Filmstarts: es gibt immer weniger zu berichten im Kommentar zu den Reviews der Woche, hier in der Woche vom 17. bis 24. Dezember 2020. 

DVD

ANTEBELLUM

Generationentraumata.

DIE OBSKUREN GESCHICHTEN EINES ZUGREISENDEN

Bunuel-Reinkarnation?

VoD

VITALINA VARELA

Eine Originalpersönlichkeit, eine fiktive Geschichte im heutigen Portugal und wie Horror wabert dunkel über allem der Kolonialismus. 

SAG DU ES MIR

Ein kaum beachteter Sturz von einer Brücke, Perspektiven und Personen, die ihn einzukreisen versuchen.

TV

LEBENSLINIEN: WILLY BOGNER – DURCH FEUER UND EIS

Ein Leben voll extremer Höhe- und Tiefpunkte. 

Kommentar

WIE PROF. KIRCHHOF IN MAGDEBURG IN STRAUCHELN KAM ODER DER ÖFFENTLICH-RECHTLICHE RUNDFUNK UND DIE SPRENGKRAFT VON 86 CENT

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist dysfunktional geworden; sein Finanzierungsmodell geht unfair zu Lasten einkommensschwacher Haushalte; arme Ossis müssen reiche Wessi-Pensionäre noch reicher machen – von Gesetzes wegen. 

Wie Prof. Kirchhof in Magdeburg ins Straucheln kam oder der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die Sprengkraft von 86 Cent.

Stefe ist ein Verfechter des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes (im Folgenden: ÖRR) als einem unabdingbaren und unabhängigen Ferment für eine lebendige Demokratie. Der soll Entwicklungen verhindern, wie sie zur Nazi-Diktatur geführt haben, Entwicklungen also, die die Demokratie gefährden, die zu antidemokratischem Populismus, Rassimus und Extremismus führen. 

Es schmerzt, wenn der ÖRR diese Funktion nicht mehr erfüllt, wenn Parteien in Deutschland Fuß fassen, die vom Populismus genährt werden und deren Ziele nicht mehr die Demokratie sind. Solche Entwicklungen sind im Gange. Der ÖRR konnte sie nicht verhindern; er ist dysfunktional geworden. 

Es wäre die vornehmste Aufgabe eines unabhängigen ÖRR, all die Menschen mitzunehmen und anzusprechen, die offenbar unter den herrrschenden Verhältnissen leiden, die sich nicht ernst genommen fühlen, ausgegrenzt und untergebuttert und deshalb anfällig sind für Populismus, Rassismus, Extremismus, vielleicht auch für Verschwörungstheorien. Trotz eines über 9-Milliarden-Budgets gelingt das dem ÖRR nicht. 

In Sachsen-Anhalt hat es sich gezeigt, dass dem ÖRR auch ein Teil des etabliert politischen Supports wegbröselt. Es geht um die Erhöhung der Rundfunkzwangsgebühr um 86 Cent pro Haushalt und pro Monat auf dann immerhin 18.36 Euro ab 2021. Das ist vor dem Hintergrund eines bevorstehenden wirtschaftlichen Einbruches zu sehen, wie es ihn lange nicht gegeben hat. Dieser Erhöhung hätte der Landtag von Sachsen-Anhalt zustimmen müssen. Hat er nicht. Damit kann die Erhöhung (also der neue Rundfunkvertrag) nicht in Kraft treten. Es müssen alle Länderparlamente einstimmig dafür sein. 

Die Einstimmigkeit ist eine demokratische Vorsichtsmaßnahme. Sie soll garantieren, dass eine breite Mehrheit im Lande, und eben auch eine föderale Mehrheit, hinter dem ÖRR steht. Wenn dem nicht mehr so ist, so ist das ein Alarmsignal. Wer dafür das Einstimmigkeitsprinzip schilt, der hat es nicht verstanden. Niemand soll sich vom ÖRR missachtet fühlen. 

Wer jetzt einfach über das Prinzip der Einstimmigkeit schimpft, der macht es sich zu einfach. Es ist hier ein direkt ablesbares Symptom für die Dysfunktionalität des ÖRR, ein Hinweis auf beachtliche Risse oder Defizite in dessen öffentlicher Anerkennung. Das sollte zu denken geben. Wer also über das Abstimmungsresultat schimpft, der zementiert den Riss eher, als dass er zu dessen Kittung beiträgt. 

Wenn so ein Pfeiler der Demokratie wie der ÖRR dysfunktional wird, so muss er dringend repariert werden. Das wird eine schwierige Operation bei einem so großen, so komplexen, so teuren Unternehmen. Voraussetzung, diese Operation überhaupt anzugehen, ist die Analyse der Dysfunktionalität (oder der Auswüchse, der Fehlentwicklungen beim ÖRR). Die Politik aber verspürt wenig Lust dazu. Lieber wird argumentiert, Corona habe doch gezeigt durch die erhöhten Einschaltquoten bei den Nachrichten und Corona-Info-Sendungen, wie wichtig der ÖRR sei. Ob diese Qualität 9 Milliarden teuer sein muss? Das wäre gewiss mit deutlich weniger zu leisten. 

Um zu verstehen, wie es zu dieser Dysfunktinalität kommen konnte, muss man in die Geschichte des ÖRR zurückschauen. Er wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet mit dem dezidierten Ziel, die Demokratie lebendig zu erhalten, sie gegen Extremismus, Faschismus zu immunisieren, damit nie wieder so etwas wie die Nazidiktatur entstehen kann. 

Die erste Generation der Rundfunkmacher hatte das präsent und hat wohl einen teils sehr aufregenden Rundfunk, sowohl Radio als auch Fernsehen, gemacht. Es gab keine private Konkurrenz. Mit dem aufkommenden Wohlstand und auch mit den technischen Entwicklungen stiegen die Ansprüche. Der ÖRR wurde teurer. Die Finanzierung ging über den Besitz von Geräten. Wer Empfangsgeräte besaß, Radio, TV-Apparat, der musst entsprechend bezahlen. Durch die schnelle Verbreitung der Geräte stiegen auch die Einnahmen des ÖRR sprunghaft an. Geldhaufen machen begehrlich.

Den Einzug des Geldes besorgte die GEZ; durch ihr oft ruppiges Auftreten Schwarzsehern gegenüber war sie nicht besonders gut beleumdet, ein ständiges Ärgernis.

In den 80ern kam zum ÖRR die private Konkurrenz. Diese versuchte Mitarbeiter vom ÖRR abzuwerben. Der wollte sie halten mit traumhaften Pensionsversprechungen. Diese Mitarbeiter sind heute in Pension, sie verdienen zum Teil mehr als je zur aktiven Zeit. Diese Renten belasten den ÖRR heute so stark, dass sie ihn richtiggehend einschnüren. Es handelt sich um Verpflichtungen des ÖRR im Bereich von Hunderten von Millionen Euro. Bezahlt werden müssen sie aus Gebührengeldern. 

Gleichzeitig zur Expansion der Privaten versuchte der ÖRR der Konkurrenz mit dem Ausbau seiner Programme zu begegnen. Das verschlang immer mehr Geld. Ständig bettelte der ÖRR um Gebührenerhöhungen, um seinen steigenden Bedarf zu decken. Gegen die Unersättlichkeit des Rundfunkes wurde als demokratisch regulierende Instanz die KEF erfunden, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfes des ÖRR. Diese soll den ÖRR in seinen Geldgelüsten bändigen, das dürfte die politische Idee hinter diesem Organ sein. 

Denn je höher der Finanzbedarf des ÖRR wurde und je mehr sich seine Programme denen der privaten Konkurrenz anglichen, desto mehr wurde öffentlich gemosert, wenn wieder eine Erhöhung anstand. Die Politik hatte wenig Lust zu diesen Auseinandersetzungen; denn sie selbst sieht sich durchaus in Abhängigkeit vom ÖRR, insofern, als er für die Politiker eine wichtige Plattform, eine nicht zu unterschätzende öffentliche Bühne bietet. 

Wie die Politik es leid war und weil sie sich nicht ständig mit dem Geldhunger des ÖRR und der aggressiven GEZ anlegen wollte, beauftragte sie vor einigen Jahren einen gewissen Professor Paul Kirchhof, ein wasserdichtes Modell zur Finanzierung des ÖRR zu entwickeln, das der Politik den stets wiederkehrenden Ärger endlich vom Hals hält. Aus dem vermutlich nicht billigen Gutachten des Professors resultiert die heute gültige Haushaltszwangsgebühr, die seit einigen Jahren als Fixbetrag pro Wohnung erhoben wird. Damit hoffte die Politik, endlich die Probleme mit der Finanzierung des ÖRR dauerhaft gelöst zu haben. Sie hat sich getäuscht, spätestens seit Anfang Dezember dieses Jahres ist das Thema – und brennender als zuvor – wieder auf dem Tisch, Stichwort Magdeburg.

Das Problem bei der Finanzierung nach Professor Kirchhof ist, dass sie demokratisch unfair zu Lasten einkommensschwacher Haushalte geht. Diese Haushaltszwangsgebühr wirkt für solche Haushalte wie eine Strafsteuer. Sie müssen proportional zu ihrem Haushaltseinkommen, wenn man in Steuerkategorien denkt, einen viel höheren Steuersatz bezahlen als ein einkommensstarker Haushalt. Diese Ungerechtigkeit wird mit jeder Erhöhung der Zwangsgebühr größer. Es geht immerhin um einen Geldhaufen von über 9 Milliarden. Wir sprechen hier nicht von Peanuts.

Das hat zur Folge, dass ein Haushalt mit wenigen Hundert Euro Haushaltsgeld (arm über der HartzIV-Grenze und also nicht beitragsbefreit) zu den bisherigen 17.50 jetzt nochmal 86 Cent absparen muss; womöglich um einem fetten Rundfunkpensionär noch mehr Kohle unterzuschieben; eine eindeutig undemokratische Umverteilung von Gesetzes wegen – und das in einem vorgeblich demokratischen Staat. Als Folge der Corona-Krise wird die Zahl der Haushalte mit geringem und weiter sinkendem Einkommen deutlich zunehmen. Es wird also für noch mehr Haushalte ein Problem, die Rundfunkzwangsgebühr aufzubringen, um unter anderem die fetten Rundfunkpensionäre zu finanzieren. Das erkläre man mal einem Menschen mit Gerechtigkeitsgefühl und aus einem solchen Haushalt. 

Satirisch zusammengefasst: In Magdeburg gerät Professor Kirchhof ins Straucheln. (Eine Folge des Kirchhof-ÖRR-Finanzierungsmodells ist, dass jetzt einkommensschwache Osthaushalte gezwungen sind, noch mehr Geld zur Finanzierung der üppig versorgten ÖRR-Pensionäre beizutragen; die in ihrer überwiegenden Mehrzahl Westler sein dürften). 

In einer Demokratie müssen Ungerechtigkeiten benannt und behandelt werden. Sonst bilden sich, nennen wir es mal so: Eiterbeulen. Bildlich gesprochen ist in Sachsen-Anhalt eine Eiterbeule aufgebrochen. Statt auf den Eiter zu schimpfen, sollten Politik und verantwortlich sich fühlende Medien dringend damit beginnen, die Ursache dieser „Krankheit“ zu ermitteln, der ihr zugrunde liegenden Ungerechtigkeit auf den Zahn zu fühlen, sowohl, was die Finanzierung des ÖRR betrifft als auch, was grade im Osten gerne vorgebracht wird, hinsichtlich der Berücksichtigung des östlichen Lebensgefühles. 

Der ÖRR bedarf dringend der Rundumerneuerung. Das eine ist die Finanzierung und zwar auf eine demokratisch faire Art, die nicht die Reichen maximal entlastet; dies wird viel zu wenig thematisiert. Andererseits muss eine Lösung für das Pensionenproblem gefunden werden. Hinzu kommen als Drittes all die häufig vorgebrachten Kritikpunkte wie die exorbitanten Gehälter der Intendanten, das hohe Durchschnittsalter der Zuschauer, zu viel bürokratische Verkrustung, zu viele Landesanstalten, zu viel Pfründentum (also auch so schöne Posten wie Rundfunkräte), das Problem mit den Subunternehmen, Hunderte von Millionen für Sportübertragungen zur Finanzierung von Sportmillionären, zu viele Talkshows, Sendungen zur Finanzierung von Showmillionären, zu viele Wiederholungen, zu wenig Eigenständigkeit, zu viel Orientierung an Quote und an der privaten Konkurrenz. 

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist dysfunktional, behäbig geworden und immer fordernder bei gleichzeitiger Reduktion der Leistung (weniger Drehtage, mehr Wiederholungen, wie der scheidende BR-Intendant Ulrich Wilhelm drohend zu sagen pflegte). Der öffentlich-rechtliche Rundfunk bedarf dringend der gründlichen Erneuerung sowohl was die Definition von Schutz und Lebendighaltung von Demokratie in der modernen Social-Media- und Medienlandschaft bedeutet (da gibt es durchaus Ansätze) als auch was eine faire Finanzierung betrifft, die nicht die einkommensschwachen Haushalte überproportional belastet. Diesmal sollte sich die Politik nicht vor der Aufgabe drücken; das könnte doch ganz gut in einem Aufwasch mit den dräuenden wirtschaftlich-sozialen Problemen in der Nachcorona-Ära passieren. 

Kommentar zu den Reviews vom Donnerstag, 17. Dezember 2020

Der unhaltbare Zustand der Kinoschließungen dauert an ohne Aussicht auf Erlösung. Wen die Politik so bestraft, der muss sich mit DVDs, bei Video on Demand oder am Fernsehen schadlos halten. 

DVD

DARKROOM

Gays Süße und Gift nah beieinander.

DIE EPOCHE DES MENSCHEN – DAS ANTHROPOZÄN

Die Menschen sind rücksichtslose Zerstörer des Planeten. Die Bilderstreite von dieser Spur der Verwüstung sind elektrisierend. 

MOSSAD

Wenn die Geheimdienstler in Nahost wirklich solchene Deppen wären, wäre ein Friede womöglich vorstellbar. 

VoD

DARKROOM

Blind Dates mit schnellem Exitus im Gefolge. 

DAS NEUE EVANGELIUM

Filmische Zeitlosigkeit der biblischen Geschichte in Matera. 

MOSSAD

Wehe, wer solchem Geheimdienst in die Quere kommt – der findet sich im Ulk-Genre wieder. 

TV

DAS GLÜCK IST EIN VOGERL

und zwitschert weihnachtlich überzuckert.

Kommentar zu den Reviews vom 10. Dezember 2020

Kino

fällt aus. Bitte achten Sie auf die Lautsprecherdurchsage.

Adventskalender

TÜRCHEN, TÜRCHEN

Was aus diesem Adventskalender guckt, ist nicht unbedingt nur sittsam und brav. 

DVD

I STILL BELIEVE

Der Glaube kann zwar den Tod nicht verhindern; aber der Gesang vom Glauben bringt den Erfolg. 

IRREVERSIBEL

Hat zu Beginn des Jahrtausends in Cannes für Furore gesorgt.

IRREVERSIBEL STRAIGHT CUT

Hier rückt der Direktor zurecht, was er original von hinten aufgefädelt hat. 

CRESCENDO

Friedensträumerei weit weg von der Nahostrealität. 

VoD

I STILL BELIEVE

Dem Gläubigen helfen Gott – und Hollywood.

DAS HAUS DER GUTEN GEISTER

Faszinierender Enthusiasmus trotz High-Society-Tempel. 

CRESCENDO

In der Musik ist Harmonie möglich – glauben Idealisten. 

TV

TATORT – IN DER FAMILIE- TEIL 2

Diesmal kommt der nördliche Kommissar, der so prägnant spricht, persönlich nach Bayern und überbringt den Fahndungsaufruf. 

WANN. EIN VERSUCH ÜBER DIE ZEIT

Kein Denken kann die Zeit aufhalten. 

Türchen, Türchen

Türchen, Türchen öffne Dich, wer ist die Schönste im ganzen Land, oh, nein, falsche Baustelle, es ist Advent, in jedem Fenster ein Kerzlein brennt, Zeit für Adventskalender, Zeit für tägliche Überraschungen und es herrscht Kinoverbot im Lande. 

Aber das Kino lässt sich nicht unterkriegen, aus allen möglichen Spalten und Netztteilen lugt es heraus, spricht uns an. X-Filme hat seit erstem Dezember den Adventskalender 2020 hamlet_X von Herbert Fritsch online.

Herbert Fritsch persönlich, ein sympathischer, älterer Herr, hat die erste Kerze in einem kleinen Video angezündet. 

Egal, ob man die Aktivitäten von Herbert Fritsch kennt oder nicht. Er hat sei Januar 2001 Kurzszenen inszeniert und verfilmt in einer „smarten Kreuzung zwischen Monumentalfilm in gigantischer Besetzung und Low-Budget-Projekt“ (aus dem Werbetext von X_Film). 

Der Geist Hamlets habe sich in die Filme reingeschlichen. Jeden Tag gibt es einen neuen Clip. 

Am zweiten Dezember kämpft Christoph Schlingensief sich ab in einem Parforceritt zwischen Gynäkologen-Besteck, Ophelia und Hamlet. 

Vielleicht könnte man die Methode des Herangehens an so einen klassischen Stoff mit Destruktion im Sinne eine Neukomposition beschreiben, um die Kunst vorm Risiko des Ausleierns und des Erstarrens im Gebetsmühlenhaften zu bewahren.

Die Reihe der Filme von Herbert Fritsch sei noch nicht abgeschlossen. Aber die kurzen, anregenden, vielleicht auch verstörenden, manchmal womöglich auf Anhieb nicht gleich entzifferbaren Einblicke durch die Türchen des Adventskalenders dürfte mit Heilig Abend vorerst zu Ende sein. Dann fangen die Tage wieder an, länger zu werden. 

Kommentar zu den Reviews vom 3. Dezember 2020

Jetzt sollte es volle Pulle wieder losgehen mit heftiger oder deftiger Kost nach der Knowckdown-Strecke; jetzt wollte sich das Kino nicht mehr bremsen lassen.

Für die ersten Dezembertage scharrten mit den Hufen: KAISERSCHMARRNDRAMA, DRIVEWAYS, THE GREAT GREEN WALL, GREENLAND, SCHWESTERLEIN, YAKARI, YOUTH UNSTOPPABLE, DER PATE: DER TOD VON MICHAEL CORLEONE – EPILOG, ELISE UND DAS VERGESSENE WEIHNACHTSFEST, IRREVERSIBEL STRAIGTH CUT, KIDS RUN, MONSTER HUNTER, PERSISCHSTUNDEN, PLATZSPITZBABY, TONSÜCHTIG – DIE WIENER SYMPHONIKER, REGELN AM BAND BEI HOHER GESCHWINDIGKEIT, ROJO – WENN ALLE SCHWEIGEN – IST KEINER UNSCHULDIG, THE SECRETS WE KEEP – SCHATTEN DER VERGANGENHEIT, TONSÜCHTIG, UND MORGEN DIE GANZE WELT, WEIHNACHTEN IM ZAUBEREULENWALD …

und jetzt können wir sie gleich als Helden und Opfer im Anticoronakriegsheldenfriedhof beisetzen. Das ist unerträglich vor allem angesichts dessen, dass im Kino so gut wie keine Ansteckungen nachweisbar sind dank ausgeklügelter Hygienemaßnahmen und Besucherlisten. 

So tummeln wir uns denn in Ersatzbiotopen. 

Filmfestival

HALDERN POP – DORF MIT FESTIVAL

Ganz am Rande des Mittendrin oder mittendrin am Rande. 

Filmmuseum online

GESCHLECHT IN FESSELN

Brillanter Film zum unzulänglichen Strafvollzug (1928!).

VoD

EINE GESCHICHTE VON DREI SCHWESTERN

Tschechow grüßt Anatolien – kinematographische Seinserforschung.

THE WHALE AND THE RAVEN

Hört den Gesang der Wale. 

GANZE TAGE ZUSAMMEN

So unaufgeregt einfühlsam dürfte Schule noch selten porträtiert worden sein. 

TV

BETA STORIES: DISKRIMINIERENDE ALGORITHMEN

Keine Panik vor Algorithmen; sie sind auch nur von Menschen gemacht. 

TATORT: IN DER FAMILIE – TEIL 1

Schlottriger Marketing-Gag als Jubiläums-Gehalt. 

DIE ABENTEUER DER MENSCHEN

Und wo kam das Denken her?