Archiv der Kategorie: Kino

Machinima Festival Europe

Machinima Festival Europe LogoAn der De Montfort Universität in Leicester wird vom 12. bis 14. Oktober das erste europäische Machinima-Festival stattfinden. (Was Machinima für eine Art Filme sind, habe ich zum Trailer von MMovie schon berichtet.) Der Online-TV-Sender YUR.tv (derzeit im Beta-Betrieb, zeigt user generated content in einem zentralen Fenster und verschenkt derzeit seine zukünftigen Aktien, auch eine interessante Idee) wird ab Sa., 20. Oktober, 19 Uhr die Preisverleihung Award Show und die ausgezeichneten Filme übertragen streamen. Am folgenden Tag kann man ab 19 Uhr eine Zusammenfassung sehen, zusätzlich gibt es Widerholungen. Mehr in der Pressemeldung und bei der Presseagentur Mit-Schmidt, wo es auch das Material gibt.

Ich persönlich denke, daß Machinima derzeit zu wenig Bedeutung beigemessen wird, denn was ist denn reales Schauspiel schon anderes als die lange und aufwendig zur Perfektion getriebene Kunst, Menschen zu dirigieren, damit nachher auf dem Film (oder der Bühne, doch hier wird’s interaktiv) das gewünschte Ergebnis herauskommt. Was der Planet an Menschen und Landschaften hervorgebracht hat, ist der Baukasten, aus dem Filme gemacht werden. Bei Machinima ist das nicht anders, nur daß man sich die Figuren bauen kann. Die Ausgangspositionen sind also gleich, wenn man mal von den unterschiedlich weit entwickelten Medien absieht. Doch mit Machinima-Baukästen kann nun auch Filme machen, wer keine echten Menschen vor die Kamera bitten möchte. Ich bin gespannt, wie dieses Genre sich in den nächsten Dekaden machen wird. Noch sehen wir ja nur das Äquivalent zu den ersten Gehversuchen des Kinos.

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Boykott von Radiospots zu „Postal“

Hamburg bei NachtZuerst mal: Ich bin wieder da, es waren wirklich schöne Tage in Hamburg und auf Helgoland. Nur schade, daß unsere Ferienwohnung im letzten Moment wegen Einbruch abgesagt worden ist, und wir daher vier Nächte in drei verschiedenen Unterkünften zubringen mußten.

Beim Abarbeiten meiner Mails (ich fange dabei immer bei den neuesten an, in der Hoffnung, daß manche Sachen sich bereits wieder erledigt haben) bin ich über die skurrile Meldung gestolpert, daß die meisten Radiosender den Spot zu Uwe Bolls Postal nicht spielen wollen:

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Underdox 2007 – und ein paar Kleinigkeiten

Underdox Banner 2007→ Vom 4. bis 10. Oktober findet in München zum zweiten Mal das Underdox-Festival statt, ein Filmfest für den experimentellen und künstlerischen Dokumentarfilm. Mit 34 Filmen und 16 Künstlervideos ist das Festival nach eigenen Angaben größer als (je) zuvor, und zeigt Filme, die sonst nicht zu sehen sind. Ich bin so frei, das Underdox Programm 2007, das als Word-Dokument geschickt wurde, hier als PDF bereitzustellen.  (Nachtrag vom 19.11.07: Ich wurde gebeten, das PDF mit dem Programm offline zu nehmen. Der Grund liegt wohl darin, daß ein auf dem Festival doch nicht gezeigter Film, der nun fälschlicherweise im Programm zu finden ist, womöglich auf einem anderen Festival nicht eingereicht werden kann, solange er vermeintlich auf einem anderen – diesem – Festival gelaufen ist. Ich tu den Machern natürlich den Gefallen.) Die Akkreditierung ist formlos hier möglich.

→ Ein Kollege wies mich auf diesen interessanten Artikel bei Stern.de hin, der sich mit der Boll AG und dem upcoming Postal befaßt. Im Artikel wird auf einen weiteren Beitrag zum Thema Dr. Uwe Boll hingewiesen, der dessen filmerische Arbeit unter die Lupe nimmt.

Meine persönliche Meinung: Filmfinanzierung per Fondsanleihe ist eine gute, interessante und zukunftsweisende Idee (diametral entgegengesetzt zum Dinosaurier Filmförderung), nur sollten die Filme nachher halt auch rocken. Nicht jeder Finanzfachmann ist ein guter Filmemacher, und nicht jeder Filmemacher kann gut mit Budgets jonglieren. Damit meine ich nicht Herrn Boll speziell, doch es ist nicht von der Hand zu weisen, daß sein Œuvre bis dato bestenfalls die Geister scheidet.

→ Ein weiterer Kollege wies mich auf diese Webseite hin, auf der ein Klassiker des Experimentalfilms mit den neuesten Features in Google Maps zusammengeführt wird: Claude Lelouch ließ an einem sehr frühen Augustmorgen 1978 einen befreundeten Formel 1-Fahrer mit einem Ferrari 275 GTB samt aufmontierter Route des Claude Lelouch Film in ParisFilmkamera durch Paris pressen – unter Mißachtung sämtlicher Verkehrsregeln.

Die Kamera lieferte eine Straßenschlacht, wie sie wohl noch nie zu sehen war (und nie mehr zu sehen sein wird).

Wenn man bedenkt, daß sämtliche heutige Actionszenen gestellt sind, ist diese Fahrt durch Paris (ohne Explosionen und ohne Beteiligung fremder Verkehrsteilnehmer) schon allein für sich gewaltig.

Startet man jedoch zum richtigen Zeitpunkt die auf der Webseite bereitgestellte Tour auf Google Maps (Anleitung auf der Webseite), kann man die gefahrene Strecke mitverfolgen. Einen besonderen Reiz bietet das Umschalten auf Satellitenbild, und wenn man ordentlich hineinzoomt, kann man gut nachvollziehen, wie sehr der Fahrer in die Pedale gestiegen sein muß.

Das eher undramatische Ende rechtfertigt zwar noch nicht unbedingt, daß der Film als dramatisches Werk gesehen werden kann, hauptsächlich, weil sich Suspense rückwirkend nicht aufbauen kann, doch der kleine Gag am Ende ist für sich genommen nett genug. Dumm nur, daß man mit Google Maps nun gut sehen kann, wie unwirtschaftlich die Streckenführung eigentlich war…

→ Zuletzt noch der Hinweis auf Outfoxed, eine Doku über die Berichterstattung im Murdoch-Imperium, ebenfalls von einem Kollegen erhalten. Die offizielle Webseite hier, der Film bei Google Video hier:[googlevideo]http://video.google.com/videoplay?docid=6737097743434902428[/googlevideo]

→ In eigener Sache: Meine Freundin und ich verbringen nun ein paar schöne Tage in Hamburg, daher gibt’s hier eine kleine Pause. Oder schenkt mir wer ein MacBook? Samstag fliege ich wieder ein, nächste Woche geht’s dann weiter. Doch Wies’n muß natürlich auch sein! Und nicht vergessen: Autoren willkommen! â†?

Kleines Get-Together im Gabriel

Button GabrielGerade komme ich von der Vernissage im Gabriel zurück, und ich kann Euch sagen: Hervorragende Stimmung, wirklich gute und ansprechende Fotos rund ums Thema „100 Jahre Gabriel Kino„, Sekt und Häppchen.

Kollegen waren da, teilweise aus vergangenen Zeiten, aber auch Freunde und Bekannte aller, die mit diesem Kino zu tun haben. Es war richtig irritierend, sich nicht in eine Liste eintragen zu müssen oder abgetastet zu werden.

Es gab kein besonderes Programm, lediglich eine kurze Ansprache der Kinotochter Alex von einer Trittleiter aus (s.u.), und neben den Bildern und visuellen Interpretationen klassischer Motive auch eine DVD-Vorführung im Großen Saal.

Die 45-Minuten-Rolle war ein buntes Potpourri (ich glaub’s ja nicht, daß ich diesen furchtbaren Ausdruck tatsächlich mal in einem Text verwende!) aus Trailern und Ausschnitten zu Filmen vergangener Zeiten, allesamt große Klassiker: King Kong, Der Dritte Mann, Citizen Kane, eine großartige Szene mit Stan und Ollie als Nachbarn, Gabriel Kino AußenansichtPillow Talk, Manche mögens heiß, Spiel mir das Lied vom Tod, 12 Uhr Mittags, und dazu noch der Zeichentrick-Oscargewinner von 1946, ebenfalls ein berechtigter und großer Klassiker.

Auch gab es Trailer zu einigen Käutner-Filmen (Hauptmann von Köpenick, Züricher Verlobung z.B.), zu Sissi und weitere, die mir gerade nicht einfallen. Auch sind die hier verlinkten nicht immer die exakt selben, doch das ist egal.

Wichtig ist, daß die Stimmung stimmt, und diese hat heute sehr wohl gepaßt, teilweise gab es sogar Szenenapplaus oder schallendes Gelächter (bei Tom und Jerry zum Beispiel).

Auf dem Weg zurück ins Foyer, das zu keiner Zeit leer war, da die Rolle den ganzen Abend laufen sollte, einigten ein Kollege und ich uns darauf, daß eigentlich keine Filme mehr gedreht werden müßten, die guten gibt es nämlich alle schon.

Ansprache Alex Gmell

Wer sich die Ausstellung im Gabriel anschauen möchte, dem sei angeraten, dort am besten einmal auf einen Kinobesuch vorbeizuschauen. Das Kino ist nämlich nicht nur von einem rekordverdächtigen Alter, sondern auch noch äußerst bequem, gut bezahlbar und technisch auf dem neuesten Stand. Von zentral gelegen mal ganz zu schweigen. (ich spreche übrigens von München…)

Jetzt bleibt mir nur noch, auf den 150sten des Gabriel zu warten. Das wird dann 2057 sein, da bin ich 84. Könnte klappen. (Mein eigentliches Ziel ist es ja, den hier nochmal zu erleben.)

Vielleicht schaffe ich es ja, mich bis dahin trotz der angespannten Wirtschaftslage finanziell über Wasser zu halten…

100 Jahre Gabriel: Das älteste Kino der Welt?

Die Münchner Pressevorführungen finden meistens im Gabriel Kino in der Dachauer Straße 16 statt. Das Gabriel, von manchen „Gabi“ genannt, ist ein sympathisches Kino mit historischem Flair und wirklich liebevollem, nettem und zuvorkommendem Team, zentral gelegen in der Nähe des Hauptbahnhof, mit prima Cafés und Mittagsrestaurants in der Umgebung. Das Gabriel ist eines der ältesten Kinos der Welt und macht dieses Jahr das Jahrhundert voll.

Zur Eröffnung vor 100 Jahren war das Filmprogramm noch nicht ganz so umfassend (und unrealistisch) wie heute, Charlie Chaplin würde seinen Tramp erst in sieben Jahren erschaffen, Stan Laurel und Oliver Hardy würden noch volle zehn Jahre nicht zusammen drehen. Selbst Thomas Edisons Studioverbund war noch nicht gegründet. Der Farbfilm wurde zwar schon fünf Jahre nach Gründung des Gabriel erfunden, setzte sich aber erst zum 30sten Geburtstag unseres geliebten Kinos durch.

Bei der (nicht allzu umfassenden, geb ich ja zu) Recherche für diesen Blogeintrag stolperte ich über diesen hervorragenden Artikel in der SZ, der leider einen kleinen Fehler aufweist: Es gibt im großen Saal nur einen einzigen Sitz mit Getränkehalter (ganz links, zweite Reihe von hinten), dort hat die Autorin wohl gesessen. Die wirkliche vielfältige und interessante Geschichte des Gabriel wird umrissen, auch die Porno-Vergangenheit (bis 1993!) wird nicht verschwiegen. Auch gibt es noch ältereKinos„, doch die wenigsten dürften noch in Betrieb sein. Meine persönliche Meinung: Weiter so, und bitte wieder Wurstsemmeln! Und natürlich meine herzlichsten Glückwünsche!

Am kommenden Donnerstag um 19 Uhr findet zum 100-jährigen eine kleine Foto-Vernissage statt, zu der die Öffentlichkeit herzlich eingeladen ist. Hier die Webseite, und der Flyer zum Event:

Flyer 100 Jahre Gabriel

Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull

Soeben durch Shia LaBeouf angekündigt (mit Video): Der Name des vierten Indy-Abenteuers lautet Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull. Quelle: MTV Movies Blog.

Ich finde den Titel, wie auch schon der MTV Movies Blog schreibt, sehr Temple-of-Doom-y. Hoffen wir, daß der Film keine pralle in den 1940ern angesiedelte Fantasyklamotte wird, sondern ein anständiger Indiana-Jones-Streifen. Doch Moment – was genau macht ihn denn aus, unseren Indy? Ich fürchte, ich werde mal wieder entdecken, daß ich aus einer weiteren Kultfilmreihe herausgewachsen bin.

Nachtrag vom 12.9.2007:

@ RW: Natürlich weiß ich, was unseren Indy ausmacht, doch es fällt schwer, das kurz & knapp in Worte zu fassen. Das ist ja die Kunst beim Filmemachen. 🙂

Nun sind außerdem erste Informationen zu einer potentiellen Handlung ans Licht gekommen, zumindest wurde von MTV in die Richtung von Kristallschädeln recherchiert.

Farmer John kommt!

Neulich gab es die PV eines sympathischen kleinen Dokumentarfilms: The Real Dirt on Farmer John, hierzulande wohl nur Farmer John. (offizielle Webseite)

The real dirt on Farmer John PostermotivDa geht es um einen amerikanischen Bauern, der den Hof erbt und wirtschaftlich abstürzt. Dann versucht er es mit einer Künstlerkolonie, schließlich mit Bio-Erzeugnissen. Heute sind die Angelic Organics gut situierte Lieferanten einer Biokiste in der Gegend von Chicago.

Alles in allem ein interessanter, sehenswerter Film. Wäre da nicht die kleine Tatsache, daß der Autor des Films niemand anderes ist als Farmer John selbst. Hier steckt also irgendwie mehr dahinter als eine simple Doku, die ein Filmemacher über ein würdiges Subjekt gemacht hat. Wer macht schon Filme über sich selber?

Doch wenn man das erstmal geschluckt hat, kann man den Film umso mehr genießen. Denn die Lebensgeschichte des Farmer John ist wirklich weder uninteressant, noch ereignislos, zumal sie die Modeströmungen der durchlebten Zeiten widerspiegelt – daher auch die Tagline „Mit Mistgabel und Federboa“, und gehört tatsächlich verfilmt. Ich kann den Film nur empfehlen.

Wer nun Farmer John Peterson persönlich kennenlernen will, kann dies tun: Auf einer „KulTour“ wird der Film in Deutschland von ihm persönlich vorgestellt. Livemusik gibt’s von Lesley Littlefield, mehr erfahrt Ihr weiter unten bei der Pressemeldung, die unter dem Trailer kommt.

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Katastrophe: Nur 4 Mrd. $ diesen Sommer

Daß Hollywood ein Haifischbecken ist, in dem echte Nemos keine Chance haben, ist uns ja allen klar. Daß das Business in der heute 226-jährigen Stadt knallhart und gnadenlos ist, können wir selbst hier spüren, sei es durch Von-Ganz-Oben-Entscheidungen der Verleiher rund um das Marketing eines Films gegenüber der Presse, oder aber durch die Suppen-Entsalzung fast jeder größeren Produktion, das „Streamlinen“ des Films für eine maximal breite Zielgruppe. Natürlich auf Kosten der Originalität, wer braucht schon sowas.

Der cinematische Einheitsbrei der Gegenwart enthält viel Schon-Gesehenes, Wiedergekäutes, eben Bewährtes. Kein Wunder, wie mir ein Kollege neulich erzählte, daß die Filmstudenten von heute sich am Wochenende am liebsten die dramaturgisch anarchischen wie archaischen Bud Spencer und Terence Hill-Filme von vor Jahrzehnten reinziehen. Damals hat man sich noch nicht so sehr ums Einspielergebnis geschissen und lieber einen Film gedreht, der Spaß macht.

Nun lese ich über den Defamer einen bemerkenswerten Artikel in der NY Times, laut dem ganz Hollywood lamentiert, daß die Einnahmen dieses Sommers trotz Rekordhöhe hinter den Erwartungen zurückblieben. Hintergrund dieses öffentlichen Wehklagens sind wohl die anstehenden Gewerkschaftsverhandlungen der Unterhaltungsindustrie, die natürlich bei Rekordmeldungen positiver für die zu Bezahlenden verlaufen würden. Wie formuliert es der Defamer doch so schön:

„To keep public opinion from favoring the avaricious guilds, who are unreasonably demanding to be paid when their work is selflessly released onto the faddish internets platform, the studios are going to need to step up their „Movies: A Decades-Old Business Where No One Has Ever Made Any Money“ PR campaign.“

Wie traurig es doch ist, dieses öffentliche Eingeständnis, daß die Filme für die Heuschrecken von Hollywood-Executives wirklich nichts weiter sind als nur Mittel zum Zweck, also zu unserem Geld. Sozusagen die Karotte, die man vor uns Esel hängt, damit wir den Karren ziehen. Und sich dann auch noch beschweren, wenn nicht so viel hereinkommt wie erträumt oder nur so tun, um die Kosten zu drücken. Armselig.

Erstaunlich eigentlich, daß es überhaupt noch Filmemacher gibt, die tatsächlich eine Geschichte erzählen wollen. Sonst gäbe es wohl nur noch Genre-Pornos, so wie The Fast and the Furious es für die Pimp-meinen-fahrbaren-Untersatz-Community gewesen ist.