Archiv der Kategorie: Kino

Art for those who didn’t ask for it

Ab heute finden sich in den Werbeblöcken vor Kinofilmen eigenwillige Kurzfilme, eingebettet zwischen die Werbespots. Es handelt sich hierbei um das Kunstprojekt Choreographic Captures, bei dem Filmemacher 60-Sekunden-Clips zum Thema Choreographie im Film einreichen konnten. Die fünf Gewinnerfilme haben es in die Kinos geschafft, die restlichen der rund hundert eingereichten Werke sind zusammen mit Kinos und Terminen auf der o.a. Webseite zu sehen. Hier erfährt man auch mehr über den Wettbewerb, der dem Projekt zugrundelag.

Als besonders erfrischend habe ich übrigens die Pressearbeit zu diesem Projekt empfunden: Dragova Publicity aus München schien (völlig zu Recht) zu ahnen, dass kein Journalist extra zu einem Screening von fünf Minuten Gesamtlänge anreisen würde, also wurde die Pressevorführung genauso spontan angesetzt, wie das Projekt auch die normalen Kinozuschauer im Saal anspringen soll. Nach dem Ende einer anderen Vorführung wurden wir nichtsahnende Filmkritiker von einem sehr sympathischen Team abgefangen und in einen anderen Saal entführt, wo man uns die Captures vorspielte und uns mit dem Projekt vertraut machte. Ein Journalisten-Kidnapping also, aber sehr gesittet und zu jeder Sekunde freiwillig. Mutig, spontan, erfrischend und dadurch besonders einprägsam und gelungen, mal was ganz anderes in Sachen Pressearbeit.

18:30 Uhr ist das neue 16 Uhr

Hier in München fanden die Pressevorführungen schon immer (zumindest, seit ich dabei bin) in hauptsächlich drei Schienen statt:

  • Die 11-Uhr-Vorführung kommt der bayerischen Gemütlichkeit entgegen (in anderen Städten geht’s meist schon um 10 Uhr los, hier kommt man wenigstens noch zum frühstücken),
  • 13:30 Uhr ist ideal, um vorher noch einen leichten Lunch zu sich zu nehmen, aber auch, um im Anschluss nicht zu früh und nicht zu spät einen schönen Kaffee genießen zu können,
  • und 16 Uhr ist großartig, weil man noch früh genug aus dem Kino kommt, um nötigenfalls noch ein paar Einkäufe zu erledigen. Wer erst zur 16 Uhr-Vorführung anreist, kann fast einen ganzen Tag vorher nutzen; und auch können sich Kollegen, die tagsüber in artverwandten (oder gar artfremden) Jobs festsitzen, bisweilen für diesen Termin loseisen. Uns geht’s also gut in München.

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Ikea im Kino – nette Kampagne

Dass in Filmen gerne Ikea-Möbel und -Utensilien auftauchen, ist ja hinlänglich bekannt (und meiner persönlichen Meinung nach gar nicht mal zwingend Product Placement, sondern einfach nur für die Produktion günstig zu beziehen, zumindest in den meisten Fällen). Nun hat Ikea Österreich eine simple wie geniale Werbeidee durchgezogen, doch seht selbst:

Den Kommentaren bei YouTube nach kommt die Aktion nicht so gut an, doch wenn man der Info des YouTube-Videos glauben darf (und dem Gelächter des Publikums im Film ebenso), gab es nur drei Störungen pro Film. Mein Fazit: Subbr Sach!

(Ab jetzt kommen nur noch vorprogrammierte Beiträge, also schonmal frohes Fest!)

Avatar: Trailer

Hier der (sehr überzeugende) Trailer zu Avatar, den es ab 17. Dezember im Kino gibt. Und 20 Minuten Ausschnitte morgen in diversen Kinos.


Avatar – Aufbruch nach Pandora

Hier die Zeiten und Termine der Filmausschnitte aus der Pressemeldung:

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Martin Scorsese zur Weekend Film Series des LACMA

Das Los Angeles County Museum of Art (LACMA, mit nicht uninteressantem künstlerischen Intro) stellt nach über 40 Jahren seine Weekend Film Series ein, in der Filmklassiker wiederaufgeführt wurden. Dies hat zu nicht unerheblichen Erschütterungen unter Filmliebhabern geführt. Regisseur Martin Scorsese selbst wendet sich in einem lesenswerten offenen Brief an die Verwantwortlichen. Es ist schade, dass selbst Museen profitorientiert zu denken gezwungen sind.

Ab heute: Filmkunstwochen München

Bereits im 57. Jahr laufen ab heute wieder die Filmkunstwochen München. Ins Leben gerufen, um das Sommerloch mit Filmklassikern zu füllen, hat sich die Reihe weiterentwickelt und zeigt nun sogar Wunschfilme (was der Betreiber vom Aeroport FJS Schwabing und ich übrigens schon vor ein paar Jahren einmal für einige Aufführungen aufgezogen haben).

Im Gegensatz zu einem Filmfest muss man sich aber nicht eine ganze Woche oder mehr freinehmen, um die Filme genießen zu können. Nein, die Filme laufen in lockerem Verbund über mehrere Wochen, dieses Jahr bis zum 26. August. Das Programm ist bunt gemischt, zwischen No Country for Old Men und dem umwerfenden Manche mögen’s heiß ist viel geboten. Die teilnehmenden Kinos liegen, bis auf das Kino Gräfelfing (wo man mit der S-Bahn aber bequem hinkommt), schön zentral. Statt einer Videosession kann man sich also die Klassiker in richtiger Kinoatmosphäre anschauen. Also: Viel Spaß!

Underdox: Zur Halbzeit ein Mini-Festival

Nicht uninteressant ist das Vorgehen des Underdox-Festivals, das ja eigentlich im Oktober stattfindet, zur Halbzeit zwischen den Festivals 2008 und 2009 ein paar Termine und Filme unter ihrem Banner aufzuführen.

Marketingleute sehen hier sicher eine gute Entscheidung zur Kundenbindung und Imageförderung, und im Zuge der allgemeinen Verkürzung der Aufmerksamkeitsspanne (Generation YouTube) ist es sicher nicht falsch, das Festival so wieder ins Bewusstsein der Münchner zu rücken.

Natürlich wären Halbjahresoscars im Herbst lächerlich, aber in der Schule gibt es ja auch Zwischenzeugnisse. Nein, das ist schon okay so.

Die beiden Halbjahrestermine sind die Filme Ich schaff’s einfach nimmer und Langsamer Sommer von John Cook, die unter dem „Lost&Found-Fundus“ des Festivals laufen, und zwar am Donnerstag, den 26. März um 19 Uhr im Filmmuseum.

Der andere Termin ist der 4. April, 22:30: Ein Musik-Salon mit Attwenger, Sonic Youth und anderen, im Werkstattkino. Mehr zu den Terminen auf der Webseite. (Leider kein Permalink zu den Terminen gefunden, der Link wird also in einigen Monaten obsolet sein.)

Wo beginnt der professionelle Freiraum?

Ich erlebte eine etwas seltsame Situation bei einer der Pressevorführungen der vergangenen Woche: Ich habe ca. eine Minute nach Filmstart den Saal betreten, da ich mich ausnahmsweise verspätet hatte. Die Pressebetreuung befand sich im Saal, noch im Eingangsbereich, und hatte sich noch nicht gesetzt. Ich fragte flüsternd, ob man mir bitte kurz die bisherige Handlung zusammenfassen könnte. Dies war schnell gemacht, dann suchte ich einen Platz in der letzten Reihe auf, wo ich ja üblicherweise sitze, zog möglichst leise Rucksack und Mantel aus (wir mussten nichts abgeben bei dieser Vorführung), ließ meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnen und verfolgte den Film.

Außer mir waren vielleicht noch zehn, fünfzehn Kollegen über den Saal verteilt, niemand sonst saß in der letzten Reihe. Der nächste Kollege saß bestimmt 8 Plätze weiter rechts, drei oder vier Reihen weiter vorne. Die Pressebetreuung setzte sich in die zweite Reihe von hinten ganz links, etwa 5 Meter von mir entfernt. Ich zog mein Handy aus der Hosentasche, schaltete es auf lautlos und begann, eine SMS zu schreiben, deren Verfassen nötig war. Dem Film konnte ich dabei leicht folgen, denn die Handlung plätscherte so dahin und war zu diesem Zeitpunkt nicht besonders anspruchsvoll. (Hint: Das Genre war nicht Thriller)

Nach etwa einer Minute stand die Pressebetreuung plötzlich auf, betrat die letzte Reihe, kam zu mir herüber, und beugte sich zu mir hinunter: „Machst Du das aus jetzt!“ – „Ach so, hätte ich das Handy abgeben müssen? Sorry, hab ich nicht gesehen, Moment.“ antwortete ich. – „Nein, aber Du musst doch aufpassen!“ war die Antwort.

Ich schickte die SMS unter den strengen Blicken der sich nun wieder hinsetzenden Pressebetreuung ab und verstaute das Handy dann ostentativ unerreichbar in meiner Hosentasche. Erst dann fiel mir auf, dass die Pressebetreuung nicht einmal „bitte“ gesagt hatte.

Mal ehrlich: Ist es mir nicht freigestellt, im Kino Nase zu bohren, mich im Schritt zu kratzen oder die Lautsprecher zu zählen, wenn ich mag? Solange es niemanden stört, kann ich ja wohl auch das Handy benutzen (für eine geräuschlose SMS im fast leeren Kino wohlgemerkt, nicht zum telefonieren). Allein durch die räumliche Entfernung kann die Pressebetreuung mein Verhalten ja nur durch einen Kontrollblick mitbekommen haben. Ich habe nie unterschrieben, dass ich verpflichtet bin, aufzupassen. Und ob ich an meinem Arbeitsplatz eine (möglicherweise arbeitsbezogene) SMS schreibe, ist ja wohl immer noch mein Bier!

Ich finde es eine bodenlose Frechheit, wie ein Schuljunge gemaßregelt worden zu sein, noch dazu als Selbständiger und von jemanden, der mich eigentlich auf Augenhöhe und partnerschaftlich behandeln sollte – und der nachher auch noch meine Meinung zum Film abgreifen will.

Wenn der Veranstalter verhindern will, dass die Journalisten ihre Handies benutzen, sollen sie eine Garderobe einrichten und die Geräte vor der Vorstellung einsammeln. Das ist gängige, akzeptierte Praxis und kein Problem. Wenn sie es aber gestatten, seine kompletten Gerätschaften mit in den Saal zu nehmen, dann sollte es auch kein schräges Anmachen von der Seite geben, wenn mal einer eine SMS schreibt.

Was anderes wäre es gewesen, wenn ich mich des Mitfilmens verdächtig gemacht hätte. Hier hätte man höflich eine entsprechende Frage stellen können oder vorsichtshalber (ebenfalls höflich) auf ein Mitfilmverbot hinweisen können. Auch kann ein Handy im Kino natürlich durch die Displaybeleuchtung stören – doch ich war völlig alleine in meiner ganzen Reihe, die ja auch noch dazu ganz hinten war. Hier genügt ein höflicher Hinweis, und nahezu jeder würde das Handy verschwinden lassen.

Aber mich ohne „bitte“ anfahren wie einen unartigen Hund, der sein Stöckchen nicht loslassen will, und das dann auch noch mit einer absolut lachhaften Begründung untermauern, finde ich eine zu große Einflußnahme in meine berufliche und persönliche Sphäre. Das geht einfach niemanden was an – zumindest unter diesen Umständen.

Nichts gegen die Pressebetreuung persönlich – aber der Ton macht die Musik.

40 Jahre MPAA-Ratingsystem

Ich gebe es zu, ich hab nicht alles nachgeprüft. Aber nach Info des Defamer wird das US-System der Filmbewertung der MPAA (offiz. Webseite) am heutigen Samstag 40 Jahre alt. Happy Birthday!

Der Rest des Artikels ist allerdings weniger erfreulich zu lesen.