Archiv der Kategorie: Kino

Just like the Movies

WTC 1993 Julian

Am 11. September kommt die Ausstellung „Just like the Movies“ nach Berlin, in die Oranienstraße 164. In der dortigen Galerie Sakamoto Contemporary wird die mehrfach ausgezeichnete Ausstellung von Michael Kosakowski gezeigt.

Anhand der Pressemeldung (siehe unten) läßt sich nicht unbedingt sofort erschließen, was genau die Ausstellung ausmacht, doch der Beispielfilm von der Webseite sagt in wenigen Bildern alles – und beeindruckt zutiefst.

Anbei ein (im September 1993 von mir geschossenes) Foto vom (Dach des) World Trade Center, das diesen Post thematisch untermalen soll.

Man muß die oft so stark betonte amerikanische Betroffenheit(sromantik), meist vertreten durch patriotische Insignien vor der stolz wehenden US-Flagge, nicht generell nachvollziehen können, um diese künstlerische, aber doch konkrete Auseinandersetzung mit den schrecklichen Terroranschlägen vom 11. September 2001 annehmen zu können.

Hier zuerst noch der Trailer, unten dann die Pressemeldung.

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Die Crux mit den Kurzfilmen

Als ich noch Regisseur großen Hollywoodkinos werden wollte, war ich nur einer unter einer Unzahl ähnlich Ambitionierter. Ein Heer von Hoffnungsvollen, das den Filmschulstudenten als willige, unbezahlte Arbeitkräfte rund um die Uhr zur Verfügung stand, was natürlich ausgiebig genutzt wurde. Der Deal war immer derselbe: Erfahrung und Kontakte gegen Arbeitskraft und Zeit. So läuft das Spiel eben.

Auch ich war ein Teil dieses Heeres, und ich habe meinen Teil geleistet. In der Preproduction von Produktionen organisierte unserseins Dienstleistungen und Material. (Meine persönliche Meisterleistung war die kostenlose Organisation eines Sattelschleppers für Matthias Lehmanns „Low Season“ 1995, und zwar für mehrere Wochen.) In der Produktion fuhren wir Cast, Crew oder Equipment, kochten Kaffee, sperrten Straßen und tankten Gennies (Mann, die sind Schwergewichte auf der Straße!) oder hatten andere, vielfältige Aufgaben. In der Postproduction wurden wir meist nicht mehr gebraucht, außer einige wenige für Sekretariatstätigkeiten und ähnliches.

Der große Trick beim Anlocken der edlen Sach- und Dienstleistungsspender bestand immer darin, ihnen zu verklickern, daß der fertige Film im regulären Kinoprogramm vor einem Hauptfilm gezeigt werden würde und dies Werbung für das jeweilige Unternehmen darstellte. Product Placement also, ganz offen.

Nur: Ich hab noch nie einen Kurzfilm vor dem regulären Programm im Kino gesehen. Noch nie. Außer bei Pixar, okay, aber das gilt nicht.

Kurzfilme fristen also eine Art Schattendasein. Als „Übungsgenre“ der Filmschüler, in nächtlichen Kultuprogrammen der Dritten, auf ein paar Festivals und neuerdings im Internet (natürlich illegal), doch wirtschaftlich wohl eher unrentabel, wahrscheinlich sogar bei den Oscarprämierten.

Nun wagt die Kurzfilmagentur Hamburg den DRM-freien Downloadvorstoß: Für drei Euro kann man sich den gewünschten Film als Disk-Image samt Menustruktur und Cover zum Selberdrucken herunterladen. Ob man das Image dann tatsächlich als DVD brennt oder sich den Film nur auf seinen digital Entertainment Hub (z.B. AppleTV) rippt, ist jedem natürlich freigestellt.

Ich finde das einen guten Schritt, denn Kurzfilme haben eigentlich keinen wirklichen Markt. Diese Entscheidung, und die Erfahrungen, die die Kurzfilmagentur mit dem Downloadservice machen wird, könnte Signalwirkung auf die Filmverleiher haben. Schade ist nur, daß man den Film nicht online vorab ansehen kann, um die Kaufentscheidung zu treffen. So bleibt das Dilemma, daß man den Film erst kennen muß, um in kaufen zu wollen – doch woher?

Ich persönlich bin gegen einen dauernden Krieg von DRM vs. Hacker und für eine vernunftorientierte Regelung. Auch denke ich, daß die große Mehrzahl aller Kunden grundsätzlich bereit ist, für gutes Programm auch zu zahlen, aber die goldenen Zeiten des Sahne-Abschöpfens sind für Verleiher vorbei. Langfristig hoffe ich sogar, daß auch die Star-Gagen wieder auf ein weniger perverses Maß zurücksinken werden, aber das ist wohl nur eine wilde Fantasie von mir. Ein paar Euro für einen Film, den ich mit Freunden teilen kann, wären fair. Immerhin sind wir 6 Milliarden potentielle Kunden, es läppert sich also in jedem Fall, und mehr als gut Leben kann (und braucht) keiner.

Nun, Schluß mit meinen halbgebildeten und tagträumerischen wirtschaftsphilosophischen Exkursionen, hier die Pressemitteilung der Kurzfilmagentur, DRM-frei und zum Selberlesen (Verlinkungen von mir), oder als PDF:

Neuer Kurzfilmdownload!

Die KurzFilmAgentur Hamburg bietet Kurzfilme als Download-to-Burn

Hamburg, 30.08.2007

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Drehbuchautoren sind nun auch „empowered“

Die Fox hat einen Teil ihrer üblichen Drehbuchautoren empowered, ihnen also mehr Rechte gegeben. Das bedeutet im Alltag, daß sie nun schlechter bezahlt werden, aber an der Produktion mehr Mitspracherecht haben, und natürlich entsprechend höhere Tantiemen erhalten.

Der Defamer nimmt kein Blatt vor den Mund und weist auf die Problematik hin, die entsteht, wenn das Buch eines Autoren an kritischen Stellen nicht funktioniert, der Autor aber aufgrund seiner neuen Rechte nicht einfach ersetzt so werden kann. Ich begrüße es natürlich, daß ein Autor nicht einfach gefeuert werden kann, doch kann diese Politik tatsächlich dazu führen, daß wir im Kino zuerst einmal das Scheitern mehrerer Autoren mitansehen werden müssen. Hoffen wir, daß besagte Autoren genug Mumm in den Knochen haben, nach Hilfe zu rufen, wenn sie erkennen, daß sie ein Projekt doch nicht alleine stemmen können.

Ein begrüßenswerter Modellversuch ist die Fox-Entscheidung jedoch allemal, finde ich.

(via Defamer und Variety)

Mit Kanonenkugeln auf Spatzen

Weil eine 19-jährige 20 Sekunden der Transformers mit ihrem Mobiltelefon aufzeichnete, um den Clip ihrem kleinen Bruder zu zeigen, drohen der jungen Frau bis zu einem Jahr Knast und 2.500 Dollar Strafe. Via BoingBoing.

Bei diesen Summen frage ich mich, wie eigentlich der Schaden, den die Piraterie angeblich anrichtet, berechnet wird. Wenn ein 20-Sekunden-Clip 2.500 Euro wert sein soll – eine Annahme, weil ich keine anderen Daten habe – dann ist das Abfilmen eines ganzen Films von 90 Minuten demnach 675.000 Dollar wert. Bei einem Gesamtschaden von 18,2 Mrd. Dollar (gesamt für 2005, genannt im Artikel) resultiert dieser folglich aus 26.963 Raubkopien. Eine übersichtliche Angelegenheit, wie ich meine, nur ein wenig teuer. Man will den Film ja nur sehen, nicht drehen.

Irgendwie ist das alles schief. Man sollte das mal gründlich hinterfragen, insbesondere die Schadensberechnung. Denn die junge Frau hatte ja bereits Eintritt bezahlt, ihr kleiner Bruder durfte wohl ohnehin nicht ins Kino. Tatsächlicher Schaden also: Null. Oder?

PS: Lustig übrigens, auch wenn heutige Bedrohungen nicht wirklich mit der des Dritten Reiches verglichen werden können, die ebenfalls dort verlinkte Gedankenspielerei, wie der 2. Weltkrieg gelaufen wäre, wenn Roosevelt damals so fähig gewesen wäre wie Bush heute.

PPS: Außerdem kann man im Fernsehen mehr als 20 Sekunden der Transformers sehen. Klar sollte Piraterie bestraft werden, aber Piraterie fängt woanders an, finde ich.

Äpfel und Birnen

Was ich ja schon in diesem und diesem Beitrag anmerkte, ist das Spiel mit den Besucherzahlen ein oftmals irreführendes. Während ich jedoch bisher nur auf die Gefahr der Mißinterpretation der gemeldeten Zahlen durch uns Journalisten hinwies, hier nun ein konkretes Beispiel für einen Vergleich von Äpfeln mit Birnen in einer Publikation. In diesem Fall gab es nichtmal eine Pressemeldung, die Fehlinterpretation ist allein auf dem Mist der Kollegen gewachsen.

Farbschemastudie von Filmpostern

Farbanalyse von FilmposternEine interessante Studie habe ich bei BoingBoing entdeckt: Eine Analyse der Farbkomposition von Filmpostern, aufgedröselt nach Einspielergebnis (Top 5 aller Zeiten), Farbhäufigkeit und Altersfreigabe.

Zu deutsch: Je höher die Altersfreigabe, desto dunkler die Farben auf dem Poster. Auf der Seite sind die Filme und die analysierten Poster gelistet, allerdings sind die eingespielten Summen meinem Verständnis nach nicht inflationsangepaßt.

Der Schlöndorff-Eklat

Bei der Constantin-Pressemeldung von neulich wußte ich noch nicht, welche Diskussion da zwischen Regie und Produktion tobte, den Artikel in der SZ hatte ich verpaßt.

Mittlerweile ist der Streit und die daraus entstandene Diskussion in der Öffentlichkeit angekommen. Hier also eine Übersicht für alle, die nachlesen wollen:

  • 5. Oktober 2006: Die Constantin Film gibt bekannt, daß Schlöndorff bei der Päpstin Regie führen wird, aber auch, daß parallel ein TV-Zweiteiler entstehen soll. Pressemeldung (so nehme ich an) gefunden im Forum von DVD-Sucht.
  • zu einem mir noch unbekannten Zeitpunkt am 12. Juli 07 schreibt Volker Schlöndorff in der Süddeutschen Zeitung den aus Sicht der Constantin anstößigen Artikel Vorhang auf, Vorhang runter. Wer hat den Link?
  • 19 Juli 2007: Günter Rohrbach antwortet auf den oben erwähnten Artikel (kostenpflichtig).
  • 23. Juli 2007: Um 10.29 Uhr geht der o.a. Schlöndorff-Artikel Vorhang auf, Vorhang runter online und ist nun auch kostenfrei zu lesen.
  • 23. Juli 2007: Um 10.40 Uhr ist der Rohrbach-Artikel Das Kino bleibt ein Traum auch ohne E-Paper-Abo online erhältlich.
  • Nur zwei Minuten später (ein Zufall) geht Fritz Göttlers Schlöndorff-Interview zum Thema online.

Seit heute stapeln sich die Meldungen online:

Und auch die ersten Kommentare der Blogger lassen nicht lange auf sich warten:

Mal sehen, wie’s weitergeht – und was wohl den größeren Imageschaden an der Päpstin angerichtet hat: Schlöndorffs Artikel in der SZ oder das Theater danach?