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Crowdfunding: Cicada Princess

Ein weiteres vielversprechendes Crowdfunding-Projekt ist Cicada Princess von Mauricio Baiocchi, einem ehemaligen ILM-Mitarbeiter. Bei diesem Beispiel sehr schön: Der Teaser, der Investoren aller Größe anlocken soll:

Cicada Princess from Mauricio Baiocchi on Vimeo.

Sonntag Oscarnacht!

Es ist mal wieder so weit, die Oscars werden vergeben. Wie jedes Jahr finden Montag regulär Pressevorführungen statt, die, wie jedes Jahr, sehr schlecht besucht sein werden. Denn wer was auf sich hält, guckt die Oscars live, von ein Uhr früh bis kurz vor sechs.

Ich habe, ebenfalls wie jedes Jahr, nicht alle Filme gesehen, die zur Auswahl stehen, daher kann ich keine wirklich gute Einschätzung der Chancen vornehmen. In früheren, privaten, Oscar-Tippspielen lag ich meistens sehr falsch, weil zu oft Wunsch Vater des Gedanken war. Ergo versuche ich es dieses Jahr gar nicht mit einer Prognose.

Für die vielen Grüppchen von Cineasten, die sich landauf, landab tief in der Nacht erwartungsfreudig um die Flimmerkisten sammeln werden, gibt es jedoch eine Menge Möglichkeiten, sich die Nacht zu versüßen. Hier einige davon:

  • Der Westen aus Essen hat die Oscar-Kandidaten auf einen schönen, 2-seitiges Sofa-Stimmzettel eingedampft, mit dem man das klassische Oscar-Lotto veranstalten kann. (an besten beidseitig ausdrucken, so hat jeder nur ein Blatt)
  • Die Academy höchstselbst bietet ein Oscar Party Kit mit Koch- und Cocktailrezepten. Die Amerikaner haben’s natürlich leichter, bei denen kommt die Verleihung ja zur Prime Time. Natürlich gibt es auch hier einen Stimmzettel, und außerdem ein Oscar-Bingo für 9 Teilnehmer. (Bingo-Spielregeln hier! Ich nehme an, beim Oscar-Bingo gewinnt, wer als erster eine Reihe oder Spalte markieren kann. Jeder Mitspieler bekommt eine Karte.)
  • Diese Designerin hat ein eigenes Oscar-Bingo für 12 Teilnehmer kreiert. Da es nicht „offiziell“ ist, ist es sicher wesentlich lustiger.
  • Auch im iTunes Store gibt es eine Menge Apps zum Thema Oscar, manche ermöglichen auch ein Oscar-Lotto. Ich hab das nicht näher getestet.
  • Bei Kritikerpapst Roger Ebert gibt es satte 100.000 Dollar zu gewinnen, und zwar für den- oder diejenigen, der sämtliche 24 Oscars richtig tippt. Outguess Ebert heißt dieses Tippspiel.Hier geht’s zur Teilnahme, beim Überfliegen der Regelnhabe ich nichts gefunden, was darauf hindeutet, dass man aus Deutschland nicht teilnehmen dürfe. Nimmt jemand teil, weil er es hier gelesen hat und gewinnt, wäre ich für eine kleine Spende sehr dankbar!
  • Weitere Tippspiele gibt es natürlich massenhaft, hier zum Beispiel Prinz, Moviereporter und Filmstarts.de. Bei MovieMaze.de organisieren sogar die Fans ihr eigenes Tippspiel! Auf englisch sucht man übrigens am besten nach „Oscar Pool“ oder „Oscar Bet“. Und man schreibt es immer noch „Oscar“, nicht „Oskar“…

Und nun: Viel Spaß, eine gute Nacht und möge der beste Film gewinnen!

Life in a Day

Regisseur Kevin MacDonald tat sich mit Ridley Scott zusammen, um das cineastische Experiment Life in a Day zu verwirklichen: YouTube-Nutzer aus aller Welt waren dazu aufgerufen, am 24. Juli 2010 Impressionen aus ihrem Leben mit der Kamera einzufangen, und diese auf das entsprechende YouTube-Konto hochzuladen. Aus den eingereichten Materialien (über 4.500 Stunden Material aus 192 Ländern, 1) wurde der Film kreiert und hatte schließlich gestern in Sundance Premiere, was live auf YouTube übertragen wurde. Heute um 19 Uhr wird der Film wiederholt, und zwar hier. Ob und wann er wieder zu sehen sein wird, ist noch nicht sicher.

Klar ist jedoch: Das Experiment in Sachen Crowdsourcing ist auf jeden Fall beeindruckend.

Nachtrag: So wird das nichts, YouTube:

Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Zur Verleihung der Golden Globes 2011 lud die Hollywood Foreign Press Association HFPA ein zweites Mal den britischen Komiker, Schauspieler und Regisseur Ricky Gervais ein, durch den Abend zu führen.

Dies hat Gervais am vergangenen Sonntag in Los Angeles getan, und zwar mit ungewohnt spitzer Zunge. Seine Scherze und Anspielungen auf Benehmen, Befindlichkeiten oder auch nur das Alter der Anmoderierten unterschieden sich deutlich von den weichgespülten Floskeln, die meist bei der Oscarverleihung zu vernehmen sind. Ganz in der Tradition des bisweilen kruden, aber immer mit einem Augenzwinkern versehenen, schwärzestmöglichen britischen Humors (den das deutsche Publikum, das vorwiegend nach dem im Stechschritt organisierten Schenkelklopfhumor des närrischen Rheinlands zu ticken scheint, wohl erst durch die Monty Pythons flächendeckend kennenlernte, sich aber davon nicht weiter beeindrucken ließ), lieferte Gervais einen Hieb unter der Gürtellinie nach dem anderen ab.

Nun regt sich scheinbar die ganze Welt über Gervais‘ Gags auf. Auf YouTube gibt es Videokommentare, bei Twitter und Facebook gingen entsprechende Sprüche über den Äther, und die Presse sprang bereitwillig auf den „Bandwagon“ auf (1, 2, 3). Ich verstehe das nicht.

Zum einen ist der rabenschwarze britische Humor ja ein altbewährtes Mittel zum Lockern selbst maximalzementierter Zwerchfelle, zum anderen ließ die HFPA den netten Herrn aus England ihre Verleihung ja bereits im letzten Jahr moderieren und kann nun nicht behaupten, die Katze im Sack gekauft zu haben. Außerdem ist Gervais und sein bissiger Humor durchaus allgemein bekannt (hier ein Auftritt aus einem seiner Kabarettprogramme). Und obendrein waren die Gags offenbar abgesprochen, denn bei Conan O’Brien erzählte Gervais (vor der Globes-Verleihung!) einen geplanten Eröffnungsgag, der es dann doch nicht in die Verleihung geschafft hat.

Meine persönliche Erkenntnis aus dieser Sache: Die ganze Aufregung ist weitgehend gespielt und von den Medien überproportional aufgeblasen wurden. Dass Gervais sich nun selbst äußern muss (zu welchen Vorwürfen, bitteschön?), ist geradezu lächerliches Schmierentheater (4, 5). Schade, dass die Presse da mitspielt. Denn dass Ricky Gervais bei der Verleihung bestens ankam, hört man eindeutig an der Reaktion des Publikums. Und dass es nicht wenige überempfindliche, weltfremde, chronisch beleidigte und streckenweise besonders klagefreudige Menschen in den Staaten gibt, ist ja auch bekannt. Doch Rückhalt erhält Gervais aus den Reihen der Kollegen, also ist alles dann doch gut ausgegangen.

Hier die Gags von der Verleihung, der „banned“ Gag bei Conan und die Reaktion der Zuschauer bzw. Betroffenen:

Nachtrag: Hier ein längeres Interview mit Ricky Gervais bei Piers Morgan Tonight mit einer sehr gut formulierten Erklärung, worüber man Witze machen darf und worüber nicht:

Blake Edwards: 1922 – 2010

Es ist eine undankbare Aufgabe, Komödien zu drehen. Alle lieben Komödien, jeder lacht gerne herzlich im Kino oder schmunzelt gern beim Fernsehen, doch die großen Preise räumen Komödien nicht ab. Die Oscars und all die anderen renommierten Auszeichnungen gehen an die Dramen, die großen Konflikte, die Tränendrücker. Komödien gelten als zu oberflächlich, zu leicht, geradezu unfair im Kampf um die Gunst des Publikums.

Blake Edwards, bzw. seinen Humor kannte ich viel länger, als ich dachte, denn seine Arbeiten war mir schon als Kind bekannt, ohne dass ich wüsste, wer dahintersteckt. Insbesondere natürlich durch den rosaroten Panther kam ich in Kontakt mit Edwards‘ „funny bone“, aber auch der eher unsubtile Humor in Das große Rennen rund um die Welt, der bei uns als klassischer Nachmittagsfilm zum Kinder-Ruhigstellen in der Vorweihnachtszeit (mit der besten Tortenschlacht aller Zeiten!) fungierte und jedes Jahr begierig aufs Neue geguckt werden musste. Der Partyschreck ist natürlich auch so ein Klassiker. Auch das Spätwerk, zum Beispiel Skin Deep und Switch, konnte sich sehen lassen.

Eine der ersten Schallplatten, die ich mir nach meiner Kasperl-und-Seppl-Zeit gewünscht habe, war der Soundtrack zum rosaroten Panther. Meine Eltern müssen mich für verrückt gehalten haben, nicht wie alle anderen Rock- oder Popmusik zu wünschen. Ich wollte nicht Queen und nicht Michael Jackson, ich wollte Henry Mancini. Den kannte in der Schule natürlich keiner, den Hit natürlich jeder.

Und einmal, da habe ich ihn so gut wie getroffen, den Blake Edwards. Da habe ich nämlich ein Interview gemacht mit Anne Hathaway und Julie Andrews (Mary Poppins persönlich!) zu Plötzlich Prinzessin 2. Während ich in Anwesenheit diesen beiden Rasseweiber – die eine nicht mehr ganz taufrisch, zugegeben, aber dafür umso mehr Grand Dame, die andere noch sehr jung, gerade am Erblühen und heute tatsächlich eine unsagbar attraktive Frau – also Blut und Wasser schwitzte, fiel mir ein, Julie Andrews doch ihren Mann von mir grüßen zu lassen, besser noch, ihm meinen ewigen Dank für nicht wenige Fundamentsteine meines eigenen Humorverständnisses ausrichten zu lassen. Das ging natürlich nicht, während die Mikros an waren, doch beim Verabschieden habe ich meinen Mut zusammengekratzt und Mrs. Andrews um diesen Gefallen gebeten. Sie freute sich sichtlich, dass es in diesen hektischen, oberflächlichen Kinozeiten noch Fans der soliden Arbeit wie der ihres Mannes gibt und versprach mir an Ort und Stelle in die Hand, ihm meinen Dank auszurichten. Ich vertraue darauf, dass sie es getan hat. Und so habe ich ihn wenigstens um eine Ecke getroffen, den großen Blake Edwards – und was für eine Ecke noch dazu!

Blake Edwards ist gestern im Alter von 88 Jahren in Santa Monica gestorben. Möge er in Frieden ruhen, dieser eifrige Handwerker im Dienste des Zwerchfells. Er wollte nie mehr sein als das, aber auch nicht weniger. Ich denke, er hat seinen Job blendend gemacht.

Und ach ja: Eine meiner überpeinlichen Wissenslücken in Sachen Film sollte ich dann besser auch bald schließen: Ich habe Breakfast at Tiffany’s nie gesehen. Peinlich, nicht?

(IMDb, Wikipedia, Google News)

Anbei eine kleine Playlist aus Kultszenen: Zunächst die Tortenschlacht aus Das große Rennen rund um die Welt, die man im Alter von sieben Jahren sicher am besten genießen kann, dann zwei geniale Szenen aus dem rosaroten Panther, die durch die Zeitlupe, insbesondere mit Zeitlupenton, für den kleinen Julian damals das Repertiore der in der komödie erlaubten Stilmittel mit einem Aha-Effekt stark erweiterten und ihm so die Kino-Augen ein wenig weiter öffneten und das Hirn ein wenig weiter in Richtung Querdenker verkabelten, schließlich als Kompromisslösung (ich müsste ja eigentlich das Gesamtwerk posten) eine Zusammenstellung von schönen Szenen aus dem rosaroten Panther (Peter Sellers ist und bleibt einfach unschlagbar), dann die Szene aus der Exposition des Partyschreck, die man als „defining moment“ für die Figur des Hrundi V. Bakshi betrachten könnte, dann der herrliche Cock Fight aus Skin Deep und schließlich die Verleihung des Lifetime Achievement Awards an Blake Edwards bei der Oscarverleihung 2004 durch Jim Carrey. Richtig gewonnen hat er ja leider keinen Oscar, was sehr schade ist.

Also, viel Spaß!

[Leider ist es bei zweien der o.a. Videos das Einbetten deaktiviert, bitte einzeln anklicken]

Und wer möchte, kann gerne weitere Videos in den Kommentaren vorschlagen, ich binde sie dann ggf. ein.

Know your Actors

Großartig, dieser Mann schafft es doch glatt (mit einem Hauch Selbstironie), 500 Filmstars in 2 Minuten zu imitieren. Ich bin wirklich platt.

(Ja, das Video ist 3 Jahre alt. Ich kannte es trotzdem noch nicht. Man kann ja echt nicht alles kennen. Für die Übersicht ist aber Know Your Meme ganz hilfreich.)

Roger Ebert: Filmjournalismus mal ohne Zuckerguss

Filmkritikerpapst Roger Ebert hat in seinem Blog resümiert, wie es zur Zeit aussieht in unserer Branche, und kommt zu dem Schluss: Es gibt mehr Filmjournalismus denn je, und auch ambitionierteren denn je, was gut ist; aber die Zahl derer, die von diesem Beruf tatsächlich leben können (mit oder ohne Familie) geht rapide zurück, was schlecht ist. Es verhält sich also ganz so, wie es die Anzüge ja immer wollten.

Fachkollegen empfehle ich dringendst, den Blogeintrag zu lesen.

Ich werfe jetzt bestimmt nicht das Handtuch, aber ich werde mich verstärkt auf meinen Umstieg in die Filmjournalismus-Dienstleisterbranche konzentrieren.

Interessant außerdem Roger Eberts Meinung zum aktuellen 3D-Boom. Ich stimme zu, aber hauptsächlich, weil ich als Nicht-Brillenträger von dem Gestell auf meinem Gesicht fortwährend irritiert werde. Ich trage ja nichtmal Sonnenbrillen.