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Confessions – Geständnisse (Filmfest München)

Da ist es wieder einmal, das gelegentliche Rezeptionsproblem mit asiatischen Filmen. Zum einen sprechen die Leute oft sehr schnell und deutsche Übersetzungen, sprich Untertitelungen können sehr lange sein und nur kurz zu sehen. Dieses Problem ist hier prima gelöst, sowohl was die Sichtbarkeit als auch Verständlichkeit der Untertitel anlangt.

Das andere Problem ist das der Physiognomie. Für mich jedenfalls ist es immer schwierig, die einzelnen Figuren zu unterscheiden, und auch noch die Namen, die sich für uns doch alle sehr ähnlich anhören: Moriguchi, Watanabe, Naoki Shimomura – also bei genauem Hinschauen sind die schon sehr verschieden, aber mir fehlen dann vielleicht die Eselsbrücken, sie zu merken.

Mit den Gesichtern habe ich das Problem, besonders wenn es sich um junge Darsteller handelt und erst recht, wenn sie alle noch ähnliche Frisuren haben, lange oder kürzere grade schwarze Haare und wenn die Kids dann noch wie hier meist Schulunfiormen tragen. Nur das Opfer, das Mädchen das kleine ist durch ein kitschiges Requisit, ein Handtäschchen, charakterisiert.

Aber das Mädchen sehen wir vor allem tot im Teich. Um diesen Tod geht es im Film. Genauer gesagt, um die Rachefantasien, in die sich die Beteiligten hineinsteigern.

Das erste Opfer ist die Lehrerin, die Mutter des Kindes, das zwei ihrer Schüler umgebracht haben.

Zur Erzähl-Methode von Tetsuya Nakashima muss noch erwähnt werden, dass sie sich streng nach dem Titel richtet. Der Film ist in Kapitel eingeteilt. Ein jedes ist das Geständnis der Rachefantasie eines der Beteiligten. Die Geständisse sind sehr innerlich, sehr reflexiv gesprochene Monolge, sei es der Lehrerin, oder der mörderischen Schüler, die auf die perfide Rachefantasie der Lehrerin mit noch perfideren Rachefantasien reagieren. Jedes Kapitel hat eine angenehm unaufgeregte, besonnene Voic-Over der jeweiligen Hauptperson.

Anfangen tut es mit dem Geständnis der Rachefantasie der Lehrerin. Wie allerdings bereits die Schulklasse geschildert wird, dieser Lärm, dieses explosive, schier nicht zu bändigende Leben, dieser ständige Aufruhr und Pegel, allein das ist schon geniales Regiewerk. Und wie anfangs die Milchtüten überall da sind, durch die Luft fliegen, wie sie auskippen – und immer wenn eine Bewegung oder ein Unfall spannend wird, dann geht die Kamera nah ran, verlangsamt die Aufnahme und bewirkt so die irrsinnigsten Effekt, die noch dazu immer grandios ineinander geschnitten sind, die Effekte, der Tumult in der Schule, die Rückblenden auf das Vebrechen und der Lehrerin sanfte Voice-Over.

So geht es in allen Kapiteln. Jedenfalls gibt die Lehrerin Ende der Stunde bekannt, dass sie den beiden Tätern, die sie kenne, Schulmilch zugesteckt habe, die mit dem Aids-Virus infiziert seien und sie sagt es ganz drastisch und direkt, wie lange die Inkubationszeit laufe und wie die Krankheit dann verlaufe und ende.

Im Gegenzug zu dieser Rache entwickelt der eine der Mörder, ein wie es heisst hochbegabter Schüler, was später auch wieder in Zweifel gezogen wird, eine böse Bombe, die er bei seiner Dankesrede für einen Preis, den er erhält, unterm Rednerpult versteckt hat und mit dem Handy zur Explosion bringen lassen will. Je intelligenter einer ist, desto raffiniertere Tötfantasien kann er entwicklen. (Kim Ki-duk wird sich in seinem Film ARIRANG, der auch am Filmfest läuft, wunderbar aufregen darüber, wie leicht es sei, das Böse im Film darzustellen).

Jedenfalls wird der Auftritt gezeigt. Der Schüler steht am Rednerpult, sehr diszipliniert bejubelt vom grossen Auditorium. Er steht vorn, streckt einen Arm in die Höhe, mit der anderen Hand versucht er mit dem Handy die Bombe, die eine ungeheure Zestörungskraft hätte, zur Explosion zu bringen. Aber nichts rührt sich. Er schaut nach. Die Bombe ist entfernt worden. Nun bringt ihm die Lehrerin, die alles vorhergesehen hat, die Auflösung, und sie selbst hat die Bombe, die wohl dieletanttischst gebastelt worden sei (also nix da mit superintelligent) und leicht zu entschärfen, mit einem Knipser mit der Drahtschere unschädlich hat.

Es geht dann um Relief, um Erleichterung
Dabei hatte der böse Schüler noch Raskolnikov zitiert mit dem Satz vom Recht auf das Töten. Spätestens mit dem Anruf der Lehrerin nach der nicht statt gefundenen Bombenexplosion wird klar, dass es sich hier nicht um einen Revenge-Streifen der üblichen Art handelt, sondern viel mehr um ein Spiel mit Rachefantasien; es kommt auch kurz die Psychologie ins Spiel: die Lehrerin hat beim bösen Schüler wunderbar seine Einsamkeit als Schwachstelle analysiert. Darüber wir ein Lied eingespielt, dessen Text fragt, erinnerst Du Dich an den Pfad, auf dem wir uns trafen, lang, lang, lang ists her.

Rachefantasien sind menschlich, aber für die Realisierung ungeeignet. Das ist die hier in cineastisch brilliant bebilderter Atemlosigkeit vorgetragene These. Drum kann am Ende auch das Wort vorkommen, es sei ja alles nur ein Witz gewesen.

Als kurze Gedankenpausen in den Monologen, die diese GESTÄNDNISSE aussprechen, gibt’s immer wieder den Blick auf einen malerischen Wolkenhimmel, Wolken, die in gewittrigen-giftigen Farben drohend leuchten und schnell herbeiziehen.

Dass es sch vielleicht doch um einen augenzwinkernden Witz über Rachefantasien gehandelt haben könnte, zeigt erst das allerletzte dieser Wolkenbilder, welches schon weit zwischen den Titeln im Abspann platziert ist: da lugt zum ersten Mal die Sonne kurz hervor! Das Augenzwinkern des Himmels.

The Journals of Musan (Filmfest München)

Hier die koreanische Variante für die Dardenne-Strömung im Weltkino. Dabei dürfte auch erstaunen, mit welche Leichtigkeit in Korea ein solcher Film, der offenbar sehr genau beobachtet, produziert wird. Im Gegensatz zum auch heute auf dem Programm stehenden MAJORITY aus der Türkei, würde ich hier allerdings nicht von einem explizit abstrakten Thema, wie Unterdrückung der Minderheit durch die Majority sprechen. Hier geht es um den Überlebenskampf eine Outsidergruppe in Südkorea, wenn ich das richtig verstanden habe, Menschen, die aus Nordkorea abgehauen sind, die illegal in Südkorea leben, resp. mit gefälschten IDs und die sich am Rande der Gesellschaft in anonymen Megavorstädten von Seoul vermutlich durchschlagen. Insofern ist dieser Film vielleicht näher beim Dardenne-Modell dran. In der englischen

Der Regisseur selbst spielt die Hauptrolle, den defector, wie die aus Nordkorea abgehauenen in der englischen Untertitelung heissen, JEON Seung-chul.

Die defectors sind eine Aussenseitergruppe, halten aber offenbar auch wichtige illegale Geschäftsadern nach China aufrecht. Das wird deutlich bei einem Bewerbungsgespräch unseres Protagonisten für einen Job als Kurier nach China, der immerhin pro Reise 200 Dollar bringen würde, viel im Vergleich zum bescheidenen Stundenlohn von drei oder vier Dollar als Plakatkleber. Den Kurierjob erhält er aber nicht, obwohl er wegen der Sprachkenntnisse geeignet wäre, aber seiner ID ist wegen der Nummerkombination die Fälschung sofort abzulesen. Das würde an der Grenze sofort auffallen.

Jeon verdient etwas Geld als Plakatkleber, er ist bei einem Bekannten untergekommen in einer Wohnung in einem riesigen Wohnblock. Der Hauptbewohner ist ein älterer Nordkoreaner, den sie alle den Detective nennen und der sich auch ein bisschen um die neu angekommen Flüchtlinge kümmert, ihnen Obdach bietet oder Jeon auch das weiße Hemd für den Sonntagsgottesdienst leiht.

Jeon scheisst sein Job als Plakatkleber ziemlich an, er macht ihn nicht besonders gut, die Plakate halten nicht lange; er läuft sowieso etwas verstört und verschlossen rum. Wir lernen ihn kennen, wie er an einer endlos langen Plakatwand am Rande einer vielspurigen Stadtautobahn Plakate klebt. Dann watschelt er mit seiner Umhängetasche für die Plakate und einigen Kleberollen am Arm über ein Ruinenfeld eines abgebrochenen Dorfes auf die mächtige Kulisse an Wohnblocks zu. Dort wäscht auf dem Boden im Clo ein blutiges Kleidungsstück; eine Frau kommt rein, setzt sich auf die Closschüssel, raucht. Es ist die Geliebte eines Mitbewohners. Denn da ist ein weiterer Nordkoreaner, den er schon von früher kannte. Der war immer etwas halbseiden, und wie wir bald sehen, ist es noch. Er ist aber erst nett zu Jeon, kauft ihm eine wärmende Daunenjacke. Gleichzeitig will er aber noch Hosen klauen im Laden. Der Alte geblieben.

Jeon hat aber noch ein Ausfluchtsumfeld und das betritt er sehr ernsthaft. Es ist die Kirche. Dort verliebt er sich in eine Sängerin vom Chor. Er geht ihr nach, sieht dass sie in einer Karaoke-Bar arbeitet. Er bewirbt sich auch dort und kann als Bedienung anfangen. Eine Karaoke-Bar ist ein Etablissement mit vielen Separees, kleinen Tonstudios, in denen ein bis zwei Personen Karaokesingen üben können. Jeon darf Getränke servieren. Da er aber ein sehr verschlossener Mensch ist und Gefühle nicht zeigen kann, da sich einiges in ihm aufgestaut haben dürfte, zettelt er eine Schlägerei an. Ihm passt es nicht, dass ein Mann eine Frau begrapscht, obwohl die das mit Vergnügen mit sich machen lässt.

Nicht genug des Ärgers. Solchen bekommt er auch mit einer anderen Gruppe von Plakatklebern, die finden er dürfe nicht in ihrem Revier Plakate kleben. Die lauern ihm im Ruinenödland vor den Hochhäusern auf.

Einmal steht er auf dem Balkon der kleinen Wohnung. Im Zimmer bumst der Detectiv gerade eine Frau. Ganz neugierig schaut Jeon durchs Fenster. Er hat sowas nicht. Er ist sehr einsam. So wie der Hund, den er kauft, eine weisse Mischung, ein niedliches kleines Tier, für das er eine Hütte aus Pappkarton baut.

Das Mädchen vom Kirchenchor, das er jetzt kennengelernt hat, möchte übrigens nicht, dass die Gemeindemitglieder erfahren, dass sie sich kennen und dass sie in dem Etablissement arbeitet.

Beim ersten Mal, da die Plakatkonkurrenten ihn verfolgen, rennt er davon, überquert unter Lebensgefahr die Autostrasse – direkt einem Polizisten in die Arme. Busse: 20 Dollar.

Rührende Szene: zuhause angekommen schlafen die Kumpels schon, einer auf dem Bett, einer auf dem Boden, angezogen, er deckt sie mit Decken zu.

Der Halbseidene aus der WG möchte, da ihm hier der Boden zu heiß wird, in die USA abhauen. Sie haben ein Hustler-Magazin vor sich. Und Jack Daniels. Sie unterhalten sich über den Unterchied zwischen amerikanischen und koreanischen Titten. Und in den USA würde man 8 Dollar die Stunde verdienen. Der Halbseidene verdient sich ein bisschen Geld mit Reden bei Veranstaltungen zur antikommunistischen Erziehung für Nordkoreaner.

Der Halbseiden versucht jetzt, da ihm die Kohle ausgeht, den Hund von Jeon zu verkaufen. Aber eine Mischung will niemand. Er zerrt ihn dann brutal hinter sich her. Schließlich lässt er ihn einfach auf der Strasse stehen. Jeon muss ihn dann suchen. Vielleicht ist diese südkoreanische Geschichte doch etwas sentimentaler als die erwähnte türkische. Zum Beispiel ganz am Anfang schenkt die Bettgefährtin vom Detectiv dem armen Schlucker Jeon ein wunderschönes Kopfkissen in Herzform, das er rührend anschaut, wie ein Nackenrolle zwischen seinen Hals und die Wand klemmt und so an die Wand gelehnt ein Buch liest. Was für eines, wissen wir nicht.

Es gibt dann mit dem Halbseidenen grössere Problem um 25`000 Dollar, die verschwunden sind. ER wird von seinen Geläubigern gesucht, sie zerstörunge die Wohnung. Und nur Jeon kann dorthin zurück, um das Geld aus dem Hundhäuschen zu retten. Weil er ein gutmütiger Kerl ist, will er ihm das auch bringen. Schon sitzt er im Bus, den Hund auf seinem Schoss. Die Haltestelle nähert sich, wo der Halbseidene auf ihn wartet. Er sieht ihn. Er duckt sich. Er wird nicht gesehen. Jetzt ist das Geld sein. Frisch eingekleidet und frisiert taucht er nun im Karaoke-Etablissement auf. Und die Kirchenchorsänerin führt ihn offiziell in der Gemeinde ein und er wird Mitglied im Kirchenchor.

Nun ja, das wird dann doch etwas süsslich, so wie es bei den Gebrüdern Dardenne wohl nicht enden würde.

Andererseits gibt’s eine bittere Szene: vor den Gemeindemitgliedern gesteht Jeon, dass er in Nordkorea aus purem Hunger einen Menschen umgebracht habe. Weiter wird dieses Thema aber nicht vertieft.

Mein Fazit: ein interessanter Einblick in eine Ecke der südkoreanischen Gesellschaft und auch des Filmeschaffens, das sich heimischer Probleme annimmt. Genau richtig für ein Filmfestival.

Majority (Filmfest München)

Ganz in der Art der Gebrüder Dardenne, und das ist sicher eine der spannenderen Strömungen im aktuellen Kino, verfolgt Seren Yüce ganz nah Mertkan, den Sohn von Kemal, der wie schon der Name sagt ein durchaus stolztürkischer Familenvater und Geschäftsmann ist, durch sein Leben: Das ergibt auch einen spannenden Bericht über die Lebensverhältnisse in der modernen Türkei und wie nebenbei wird das zentrale Thema „Missachtung oder Unterdrückung von Minderheiten“ behandelt. .

Das wird in den ersten Szenen angekündigt. Sowohl das Verhältnis zum Vater. Der Vater läuft durch einen Wald mit dichten Stämmen und der dickliche, sprich verwöhnte Bub, 50 Meter hinter ihm her. Der Vater treibt ihn an.

Dann sind sie zuhause in einer gut bürgerlichen Wohnung in Istanbul angekommen. Die kurdische Putzfrau ist gerade im Flur mit Putzen beschäftigt. Sie begrüsst Mertkan mit einem Kosenamen und wird aus dem Off rigide korrigiert, wie man den Namend des Sohnes anzusprechen haben.

Dann kommt aus dem Zimmer, wo der Junge verschwunden ist, ein kindliches Bein, versetzt der Putzfrau einen Fusstritt in die Seite, dass sie gegen die Wand klascht. Ende Einleitung.

Ein Sprung über einige Jahre. Kemal ist jetzt erwachsen, wohnt aber noch zuhause. Er sollte im Geschäft des Vaters mitarbeiten, hängt aber lieber mit den Kumpels rum und onaniert zuhause, denn eine Frau oder Freundin hat er auch nicht.

Der Film begleitet jetzt Kemal in immer sehr kurzen signifikanten Szenen durch sein Leben, erfasst dabei seine verschiedenen sozialen Umfelder und berichtet etwas darüber und auch über die Spannungen, die innerhalb und zwischen den verschiedener Umfelder entstehen können.

Das eine Gebiet ist das Zuhause mit der fürsorglichen Mutter, die sich später im Film fragen wird, ob sie mit der Erziehung alles richtig gemacht habe. Das andere, das für ihn unanenehmste, ist das geschäftliche Feld von seinem Vater, der ein Bauunternehmer ist. Der schickt ihn einmal mit einer Ladung Holz an eine entfernte Baustelle, nur damit er weg von Zuhause und von dummen Gedanken ist. An der Baustelle können die gar nichts mit dem Holz anfangeb. Es gehört ein Büro dazu, wo er statt zu arbeiten am Computer Kartenspiele spielt, das wird in einer Szene ersichtlich, wie er Spielkarten auf dem Bildschirm hat und wie sein Bruder, der wohl nach dem Vater geraten ist, reinkommt und sich an den Computer setzen soll. Er muss erst zu den Seiten mit Zahlen und Tabellen wechseln. Es gehören die Baustellen dazu, zu einer solchen wird er, wie die Familie mit seiner Liebesgeschichte nicht mehr zurechtkommt als Wochenaufenthalter zwangsversetzt. Es gehört der Sauna-Besuch mit dem Vater und seinen Freunden dazu. Er darf einen Freund vom Vater, einen Teppichhändler und allenfalls auch mal Polizeirapportfälscher an den Schultern massieren. Hier wird von ihm verlangt, er müsse selbstverständlich zu Armee gehen, in den Betireb einsteigen und dann heiraten.

Zum familiären Umfeld gehört selbstverständlich seine Mutter, die sich nach seinem ersten Wochenaufenthalt in Gebze am dringlichsten nach seiner Wäsche erkundigt, die sie machen möchte. Die ihn aber auch früher geschimpft hat, dass selbst zwei Einkaufstüten zu tragen für ihn zu viel sei.

Sein Ausfluchtsumfeld sind seine Buddies, mit denen er rumhängt in Bars und Discos, mit denen er Hasch und Alkohol konsumiert über Frauen redet und die meist auch vergeblich anmacht.

Sein intimes Umfeld wird plötzlich erweitert durch Gül, eine Kurdin wie wir später erfahren, die in einem Imbiss jobbt. Erste Anbandelversuch lässt er aus Blödheit platzen, er hätte sie sehr gut auf ihrem Heimweg mitnehmen können mit seinem arroganten schwarzen Cherokee-Jeep, also mit dem vom Vater. Die Liebesgeschichte nimmt einen türkischen Verlauf. Einmal sitzen sie nur nebeneinander im Zimmer und dann muss er plötzlich los. Also, er hat Schiss gekriegt. Inzwischen haben Ganoven sein Auto aufgebrochen und den Musikplayer rausgeklaut. Das heißt Anzeige bei der Polizei, Ärger mit dem Vater und das Auto in die entfernte Garage bringen. Und von dort mit dem öffentlichen Bus, wie armselig eingeklemmt steht er dadrin, wie fremd, nach Hause fahren. Das nächste Mal bei Gül, sie hat ihn übrigens damit gekriegt, dass sie ihn handsome, so die englische Untertitelung, findet. Das hat ihm noch nie jemand gesagt. Und sie bringt ihm beim nächsten Treffen ein Geschenk mit, einen Bildband über Architektur. Er sagt, sein Vater baue andere Häuser und ein Buch habe er noch nie in Händen gehabt. Wenn das mal nicht tief blicken lässt.

Das zweite Mal sitzen sie erst lange nebeneinander. Eigentlich liegt in der Luft, was folgen soll. Das folgt dann erst mit einem urplötzlichen Kuss auf die Wange und sofortigem Rückzug. Dann stürzt er sich aber fast auf sie. Endlich der lang ersehnte Fick. Fuck and dump wird ihm später der buddy sagen. Mit den Buddies kann man sich ungeniert über die Frauen unterhalten.

Also die Beziehung kommt in Gan. Gül wohnt übrigens in einer Art Frauen-WG, da ist noch ein kleines Mädchen aus verwahrlosten Verhältnissen, das hier besser die Hausaufgaben machen kann und eine Freundin von Gül. Diese wird also bei den Eltern von Mertkan eingeführt. Für ein Bauernmädchen ohne Geschichte aus dem Osten des Landes hat nun Papa kein Verständnis. Das kann nur eine Kurdin sein. Die heiratest Du nicht.

Nun wird also Mertkan hin und hergerissen zwischen seinen verschiedenen Beziehungsfeldern und bringt nichts zustande.

Zwischendrin stirbt noch Mirschan, die kurdische Putzfrau. Da ist Mertkan einen Moment sehr melancholisch.

Dadurch, dass er Gül nicht mehr sehen soll, wendet er sich wieder mehr den Buddies zu, das heißt also auch dem Hasch und dem Alkohol. Es gibt noch einen beschssenen Anbandelversuch in der Disco. Und dann: eine Alkoholfahrt mit Sachschaden bei einem Taxifahrer. Das will eben der Vater mit einer Abänderung des Polizeibefundes aus der Welt schaffen. Er lässt auch den Taxifahrer, wie der mit der Restforderung bei ihm auftaucht, brutal abfahren und stürzt sich auf ihn. Der Teppichhändler ist der Retter in der Not und sorgt für die richtigen Protokolle.

In der heißeren Phase des Filmes trägt der alte Kemal, der mit dem Glatzkopf, also der Vater, einen grünen Pullover mit der Aufschrift RAPTURE (Begeisterung, Entzückung, Freudentaumel sagt mir Leos Internet-Dictionnary dazu). Während der Sohn einen Pullover trägt, auf dem zu lesen ist: erst das durchgestrichene Wort „Amuse“, dann „Desing MOOZ, was immer das heissen mag.

Die Geschichte mit Gül nimmt dann die Wendung, dass Verwandte aus dem Osten sie aufgespürt und sie zurück in die Heimat geholt haben. Zwangsheirt dürfte die richtige Assoziation dazu sein.

Als Resultat all der Krisen wird Mertkan für während der Woche vom Vater auf den Bauplatz von Gebze beordert und führt sich dort auf wie ein brutaler Diktator. Hat dann einen Reinigungstraum. Und dürfte ab da sein kemalitsiches Türkentum nach den Vorstellungen des Vater praktizieren können.

Ein spannender Soziorealismus, der viel über die heutige Türkei erzählt und sehr glaubwürdig inszeniert und gespielt wird, allen voran der untaugliche Sohn Mertkan von Bartu Kücükcaglayan. Türkisches Kino mit Weltformat.

Wedding in Bessarabia (Filmfest München)

Das ist eine fröhliche Werbeveranstaltung für das bei uns wenig bekannte Land Bessarabien oder Moldawien, was im Vorurteilswiderspruch zwischen Russland und Rumänien steht. Mit viel Folklore und auch Humor wird uns anhand einer gemischten Hochzeit einer bessarabischen Pianistin, Vica, mit Vlad, einem rumänischen Dirigenten dieser kleine Flecken Erde und seine Bewohner mit ihrem Temperament näher gebracht.

Die beiden sind noch ganz jung. Sie ist schwanger. Die Einnahmen sind mager und für geeigneten Wohnraum fehlt das Geld. Sie wohnen und leben in Rumänien. Da die Braut jedoch aus Bessarabien ist und eine Hochzeit dort ein einträgliches Geschäft, so ist die Idee naheliegend, dorthin zu fahren und nochmal Hochzeit zu feiern. Also machen sich die beiden auf den Weg. Wir begegnen ihnen zum ersten Mal in der Eisenbahn in einem altmodischen Zugsabteil kurz vor der Grenze von Moldawien.

An der Grenze bleibt der Zug stehen. Umständliche Grenzkontrollen. Da loben wir uns doch unser Schengen-Europa. Aber nicht nur das. Auch die Schienenbreite ist in Bessarabien anders als in Rumänien. Mit einem aufwändigen Verfahren müssen neue Räder unter den alten Zug geschoben werden.

Am Bahnhof in Moldawien wird das Paar schon erwartet. Die erste Begegnung mit dem Schwiegervater ist von einer Todesnachricht überschattet, sein Hund Ott ist nämlich verstorben. Ein dunkler Klang vor sehr vielen fröhlichen Akkorden, die uns noch erwarten werden. Als kleines Häppchen vorab gibt es eine Stadtrundfahrt, keine Attraktion, die diese Stadt, wie heisst sie noch, zu bieten hat, wird ausgelassen: Kirchen, Denkmäler, Repräsentationsbauten, Werbung für Moldawien in Reinkultur.

Die Hochzeitsvorbereitungen laufen auf Hochtouren. Als langes Hauptkapitel des Filmes folgt die Hochzeit selbst mit vielen Details in moldawisch unbeschwerter und lockerer Machart gefeiert und gefilmt. Der Begriff Mankurts spielt eine Roll, hat nach Google was mit dem Wolfsmann zu tun. In den Dialogen geht es immer wieder um die Vorurteile der Moldawier gegen die Russen, der Russen gegen die Moldawier, der Rumänen gegen die Moldawier und der Moldawier gegen die Rumänen. Ein fröhliches Spiel der Vorurteile und nur die Moldawier sprechen sowohl russisch als auch rumänisch, sind also in dieser Beziehung ihren grossen Nachbarn haushoch überlegen.

Die Hochzeit, das ist eine Abfolge der verschiedenesten Darbietungen, Auftritte, Musik, des Geldspendensammelns oder Eintreibens, kleinere Konflikte, der Tanz mit der Citrone, die die Partner mit der Stirn aneinanderdrücken, die ersten, die sie fallen lassen, müssen die Citrone essen, kriegen sie in feine Scheiben geschnitten serviert. Sprüche und Reden und Gesang und ein Verwandter verspielt gleich einen Teil des Geldes für das Hochzeitspaar und viele Couverts werden in das Haus aus Karton reingesteckt, es kommt einiges zusammen.

Ganz am Schluss gibt es im schon fast verwaisten Hochzeitssaal ein Casting, wofür habe ich nicht ganz verstanden, da treten vor allem junge Frauen, eine einzige begleitet von einem Gitarristen auf und trällern ein Liedlein vor. Aber das ist ein Problem bei dieser Kopie: da der Film sehr viel in hellem Licht spielt und die englischen Untertitel sehr porös sind, und dann noch äusserst kurz nur stehen bleiben, sind sie über grosse Strecken kaum zu lesen. Aber wer einer Reise nach Moldawien den Kinosessel vorzieht, kann nicht unbedingt jeden Komfort für sich reklamieren.

Und um die Liebe geht es selbstverständlich auch!

A Year without Summer (Filmfest München)

Diesen Film habe ich eher skeptsich zur Kenntnis genommen.

Ich habe mich gefragt, ob Tan Chui Mui auch das Bedürfnis gehabt hätte, diesen Film zu machen und irgendwie zu finanzieren, wenn es die europäischen Fördertöpfe, die im Abspann erwähnt sind, nicht gegeben hätte. Für mich ist dieser Film  ein Beispiel für Gewächse, die Subventionsmodelle hervorbringen, Gewächse, die künstlich bleiben, für die auch niemand ausserhalb des Förder- und des damit verbandelten Festivalbetriebes eine Verwendung hat. Vielleicht tue ich der Regisseurin Unrecht. Man müsste dann auch die anderen Filme von ihr sehen, wenn die denn so wesentlich wären.

Apichatpong Weerasethakul ist im Moment sehr In auch in vielen europäischen Kulturzirkeln. Für diese Art Kino sind sie offen und zeigen sich spendabel. Das entgeht potentiellen asiatischen Filmemachern nicht. Geh mit einem Buch, das indigenes asiatisches Leben ganz lose beschreibt nach Europa und die Geldtöpfe stehen Dir offen. Blöd, wer das nicht nutzte.

Das Rezept scheint einfach: asiatisches Landleben möglichst in Originalzeit ablaufen lassen, Dschungel, eine Familie, Essen, Fischen, den Dschungel roden, Meer, all das mögen die Europäer. Dann noch eine ganz einfache Geschichte, vielleicht auf zwei Zeitebenen erzählt. Hier sind es die Jugendfreunde Ali und Azam. Azam hält es nicht aus zuhause und haut ab nach KL. Siam ist zu eng. Das in ganz wenigen Szenen skizziert. Der Film fängt mit Azam an, der zurückkehrt.

Das Meer, ein Mann kommt aus dem Meer auf den Strand zu gelaufen. Es ist Jahre später nach der Jugendphase der beiden Freunde. Azam kehrt zurück. Ali ist mit Minah verheiratet. Die drei veranstalten eine Bootsfahrt auf ein „creepy island“. Verbringen dort die Nacht. Es gibt einige wenige Gespräche. Es wird der Vater von Azim zitiert, der gerne Geschichten von Meerjungfrauen erzählt habe und der mit seinem Vater auch nicht klar gekommen sei.

Azam trägt anfangs immer ein rotes Piratenkopftuch. Und natürlich sind es leinwandschöne Bilder, wenn drei Menschen bewehrt mit einer Batterietaschenlampe, einer Oellampe durch den Dschungel einer nächtlichen Insel gehen. Oder wenn sie nachts im Boot sind alle drei. Am Tag drauf veranstalten sie einen Tauchwettbwerb, weil Ali vorher auf der Insel erzählt hat, dass Minah drei Minuten tauchen könne. Sie will es aber nicht in der Brandung vor der Insel zeigen, das ist zu gefährlich, das macht sie dann lieber vom Boot aus im ruhigen Wasser. Und sie bleibt wohl ganze drei Minuten unten. Dann will Azam das auch nachahmen. Was dieser Tauchwettbewerb mit einer allfälligen Geschichte zu tun hat, das mögen die Dschungel- oder Wassergötter wissen; er bleibt jedenfalls sehr lange unten.

Während Azam noch taucht, verlangt die patschnasse Minah – die gehen dort alle immer in den Klamotten ins Wasser, weils so warm ist, – Minah aber friert auf dem nächtlichen Boot, so verlangt sie eine Cigarette und dann soll ihr Mann Ali sie mit einem Tuch wärmen. Derweil vergessen sie Azim, der immer noch taucht. Ali wird etwas aufgeregt, wie er wieder an Azam denkt und ihm auffällt, dass die drei Minuten längst vorbei sein müssen. Bis er schliesslich selber ins Wasser springt. Mit parallel einsetzenden Unterwasseraufnahmen, die aber keinen Azam finden. Derweil wartet eine Frau der noch älteren Generation an einem gedeckten Tisch in einem Haus. Also ich frage mich, was bittschön soll das alles. Die Tauchszene ist damit auch vergessen. So was könnte in jedem beliebigen Urlaubsfilm vorkommen. Hat hier auch absolut keine Bedeutung.

Ferner war beim Lagerfeuer auf der Insel zu erfahren, dass der Opa von Azam sich als Tiger bezeichnete und über „crazy obscure knowledge“ verfügte, Gespensterwissen, aber das ist nicht weiterführend, also heisst es den gefangenen Fisch braten.

Ali erzählt, er habe, weil er die Tochter des Lehrers liebte, bei diesem 3 Jahre Silat gelernt. Er solle das mal vormachen, verlangen die anderen. Die beiden Männer stehen kurz auf zu einem Ansatz von Kampf, und Ali rühmt sich, dass er ihn mit zehn Prozent der Kraft abgewehrt habe. Auch das ist sicher interessantes Wissen. Aber reiner Dekor. Geht es hier einfach darum, ein bisschen Asiatica den europäischen Förderern schmackhaft zu machen?

Manchmal ergeht es mir beim Versuch, einen Film zu rekapitulieren so, dass ich sagen muss, hey, das Buch war ja gar nicht so schlecht; auch wenn mir die Realisierung nicht gefallen hat. Hier aber hilft alles rekapitulieren nichts: dieser Film scheint mir eine beliebige Ansammlung mehr oder weniger zufälliger Szenen, „Asiatica“, die nur eines gemeinsam haben, die drei Hauptakteure und ihre jugendlichen Pendants und den Ort. Fast klassisch, nur leider fehlt das dritte Teil dazu vollkommen: die Handlung.

Jetzt zurück in die Jugend. Vater von Azam bei der Fruchternte. Azam sitzt passiv dabei. Jetzt muss er aber für den Vater „clear the Bushes“, also schnell nachwachsendes Grünzeug wegsicheln. Er sagt dem Vater, dass er weg wolle nach KL. Vater entgegnet, das koste 100 Ringit. Das ist viel. Job in KL? Das sei auch nicht leicht.

Die beiden Jungs im Dschungel. Sie finden ein Tier, das in eine Falle geraten ist, braten es. Azam fragt Ali, ob er ihm 20 Ringits leihen könne. Der Freund meint, er könne nur 5 geben.

Da bis jetzt alles dahingeplätschert ist, das hat wohl der Macher vielleicht doch gespürt, oder um zeigen, dass es natürlich mehr als nur Dschungel und Meer und Einheimische geben, fügt er jetzt plötzlich eine Ortschaft und ein Holzsägewerk in den Film ein.

Dann die Info, jemand sei gestorben. Das gibt Gelegenheit für Gräberfelderbilder: die Jungs kauern vor einem Grab. Im Hintergrund geht eine Reihe männlicher Trauergäste in den weißen, langen Hemden vorbei. Europäer mögen Friedhofsbilder.

Dann sind die Jungen am Meer. Sie finden eine Höhle. Aber ein Budget für ein Licht hat auch die Förderung nicht hergegeben. Also hört man das Gespräch der Jungs nur, während die Kamera sich Objekte in der besser zu sehenden Umgebung der Höhle sucht. Die beiden schicken eine Krabbe auf einem schwimmenden Untergrund in die Strömung. Die steigt dann runter. Ach, solche Dinge könnte man jetzt noch beliebig viele filmen! Einer ist von einer Krabbe gebissen worden. Dann kauern sie auf der Schattenseite vor einem massiven, ins Meer ragenden Felsen.

Die europäischen Förderer sollten wach und kritisch bleiben mit dem Einsatz ihrer Gelder kommt, gerade hinsichtlich vielleicht doch etwas überkommener noch vom Kolonialismus geprägter Bilder von anderen Kontinenten, Ethnien und Kulturen und sich nicht an diesen vielleicht unbewusst aber tief sitzenden Vorurteilen gängeln lassen.

Gekidnappt (Filmfest München)

Afrika mit seinen Widersprüchen und menschlicher, landschaftlicher und tierischer Schönheit und dem Elend, liegt den Weißen, die für das Elend mitverantwortlich sind, immer noch schwer auf dem Magen. Davon zeugt auch die nicht enden wollende Reihe von filmischen Versuche, mit dem Thema klar zu kommen.

Dies tut auch die dänische Regisseurin Vibeke Muasya. Sie schickt eine dänische Ärztin mit ihrem Sohn Simon auf Luxusurlaub nach Kenia. Die Ärztin ist mit einem Dänen verheiratet, sie haben Simon mit zwei Jahren aus einem Waisenhaus bei Nairoba adoptiert und zu Hause haben sie inzwischen noch ein eigenes kleineres Kind.

Die Regisseurin will nun Simon mit seinen Altersgenossen in einem Slum konfrontieren. Das geht so: er hat aus Dänemark einen schönen Fussball vom Vater bekommen mit der Unterschrift eines Fussballstars. Er kickt nun in der Hotelanlage, die merkwürdigerweise direkt an einen Slum angrenzt. Der Ball geht über den Hotelzhaun hinaus, wird von Slumkids gegriffen und die hauen ab damit. Simon hinterher.

So wird er nun mit der Armutsperspektive sehr detailliert und sehr grauenhaft konfrontiert werden. Aber die Kids verstehen sich schnell, er zeigt sich auch nicht sehr irritiert. Spät erst bemerkt die Mutter das Fehlen von Simon. Versucht ihn zu suchen. Das geht bis in eine Fernsehsendung, wo sie Geld auslobt, wenn man ihn wiederbeschaffe. Das sehen Ganoven und verschleppen Simon, der null Widerstand gegen seinen Ausflug zeigt. Sie fordern Lösegeld. Der Junge wird über einer Disco gefangen gehalten.

Die korrupte Polizei kommt ins Spiel. Inzwischen aber hat Amos, mit dem er sich sofort und unkompliziert anfreundete, sich mit einem Messer auf den Weg gemacht, schleicht sich über das Gebälk der Disco, befreit ihn. Es folgt eine unendlich lange, traumhafte, trancehafte Fluchtszene über das Gebälk, während direkt unter den Jungs der Discobetrieb auf Hochtouren läuft. Amos wird dabei angeschossen, bemerkt das erst viel später. Dann können sie die Eltern informieren.

Das Happy End; Amos kommt ins Spital und überlebt und auch seine Mutter bekommt die Spitalbehandlung, die sie nötig hat. Simon ist längst zurück in Dänemark. Er chattet live übers Internet mit den Jungs vom Slum und dann endlich haben wir unser altes Afrikabild wieder, lauter nette, strahlende schwarze Buben, die mit ihrem weissen Zähnen lächeln was das Zeugs hält; Afrikabild gerettet.

Der Film macht es einem nicht leicht. Er wird in einer unglaublichen Atemlosigkeit präsentiert, als ob die Macherin Angst hätte, sich Zeit zu lassen, kaum eine Eintellung dauert länger als ein paar Sekunden; das macht die Rezeption nicht leicht; noch erschwerender kommt hinzu, dass sie kaum über die dramaturgische Skizze hinauskommt und kein Bewusstsein für den Erzählpunkt hat, sodass sich die Empathie für die Figuren in Grenzen hält. Man kann ihnen ja auch nie länger zuschauen. Ausser bei ein paar Dialogen der Mutter mit der Polizei oder Hotelpersonal oder mit ihrem Mann und das ist dann gar nichts Besonderes. Irgendwie zu hart für einen Film, zu undifferenziert. Die Methode funktioniert einzig bei den Tanzeinlagen im Film. Kein Wunder, die Regisseurin kommt vom Tanz. Hat also auch die entsprechende Härt.

Pequenas Voces (Filmfest München)

Ein Aufarbeitungsfilm.

Es geht um traumatisiserte Kinder, traumatisiert von Vertreibung durch Guerillas, durch die Ausbildung zum Guerilla oder durch Gliedamputationen nach Raketeneinschuss.

Zuerst erklären die Macher ihr Vogehen. Es gab eine Menge Originalinterviews mit traumatisierten Kindern. Ausschnitte daraus sind auf der Tonspur zu hören. Es kristallisieren sich vor allem zwei Jungen und ein Mädchen heraus. Dann haben die Illustratoren kinderbuchähnliche Zeichnungen gemacht und diese animiert. Über den animierten Zeichnungen läuft die dokumentarische Tonspur.

Im Vornewegspann, in dem die Macher direkt in die Kamera ihr Vorgehen erklären, ist das Problem bei der Kopie hier auf dem Festival, dass das Weiß der Untertiteln vorm genaus weißen Hintergrund der Zeichnungen kaum lesbar sind. Der nicht spanisch sprechende oder verstehende Zuschauer wird also davon nicht viel haben.

Die Kindergeschichten. Der Grossteil beschreibt die glückliche Phase der Kindheit. Es sind Kinder von Bauernhöfen, die lange Zeit ein glückliche Kindheit hatten mit Kühen und Hunden und Familienglück, das wird so schön geschildert, dass es eine Welt für sich ist und sehr vergnüglich. Und obwohl man weiß, dass diese Welt gefährdet werden oder gar zusammenbrechen wird, kommt es einem nicht vor, als müsse es notgedrungen geschildert werden. Das ist garantiert eine Qualität dieses Filmes.

Dann kommen die Guerilleros. Mal sind sie nett. Mal nehmen sie den Vater mit. Mal muss der Junge mit. Mal wird die Familie vertrieben. Ein Junge muss zu den Guerilleors und wird dort trainiert. Einmal wollen sie zu mehreren abhauen, 5 werden erschossen. Oder vorher schon beim Training, das ist eine harte Szene, die Kinder müssen über einen Baumstamm, der über eine Einbuchtung im Gelände gelegt ist, balancieren, ohne runterzufallen, wer runterfällt und sich verletzt, der wird erschossen, brutal genug.

Aber unser Junge, der ist auf den Zeichnungen als der Schwarzschopf identifizierbar. Der konnte dann legal abhauen, weil er einen Verwandten unter den Guerillas hatte. Einmal gibt es einen Kampf und er hat sich versteckt. Ein Guerillero entdeckt ihn und und droht, ihn zu erschießen, wenn er nicht schieße. Er schießt dann in die Luft.

Sie bleiben relativ unindividuell die Geschichten, weil gewiss vieles, was sie erzählten, und was vielleicht nicht unbedingt jugendfrei war, nicht im Film erscheint. Das wäre natürlich interessant zu erfahren, was da drin geblieben ist überhaupt. Der kleine Junge, der zuhause auf dem Bauernhofe gerne mit dem Cowboyhut rumgelaufen ist, den erwsicht eine Explosion, ihm müssen dann ein Arm und ein Bein amputiert werden. Seine Heilung, die Prothesen, dass er wieder laufen lernt und sogar Fussball spielen kann und dabei lieber im Tor ist, weil er sonst die anderen Spieler verletzt, der bringt dann auch die gute Message, dass man weiter machen müsse und sich nicht durch solche Schicksalsschläge verbittern lassen dürfe, so mal locker übersetzt.

Prinzipiell sind die Geschichten aber nicht so leicht zu unterscheiden, da wir ja nur die Stimmen hören, und die auch noch spanisch sind und auch nicht immer klar ist, ob es eine Mädchenstimme oder eine Jungenstimme ist und die Dramaturgie der Zeichenfiguren ist keine subjektive, so dass sie ein bisschen entindividualisiert sind.

Das Guerilla-Camp. Eine Strafe: Essen beim Joggen. Dann das brennende Dorf. Die Helikopter, die auf dem zu erntenden Feld landen. Aber eben, die waren zu diskret, um das Ausmass der einzelnen Schicksale richtig klar zu machen. Vielleicht wollten die Macher nicht allzu viel der Grausamkeit. Prinzipiell ist es aber eine schöne Idee zur Verarbeitung von solchen Traumageschichten.

Aardvark (Filmfest München)

Aufschneiden und Wichtigtun gehören zum Film wie der Wirbel zur Trommel. Es ist ein Anfang, Begabung zu zeigen und sie gross zu präsentieren. Die Begabung besteht hier vielleicht in der Personenführung, im Inszenieren von Emotion, in Bildgestaltung, in einem sehr speziellen Sound; der Wagemut ist schon deutlich beschränkter, vielleicht gerade mal eine kurze Sequenz als Hörspiel zu zeigen, wenn der Blinde an der Tür von Candy Eintritt verlangt.

ABER: Begabung allein kann auch sehr langweilig sein, mit reiner Begabung können sich 80 Minuten sehr ziehen; ein begabter Bilderbogen kann dauern. Denn wenn einer nichts zu erzahlen hat, außer der Message, er sei begabt, er könne „Film“ im Sinne der amerikanischen Independent, was immer das sein möge, so ist das noch nicht unbedingt viel.

Zur geschäftlichen Begabung dürfte auch der Titel gehören, der mit zwei As beginnt und dadurch garantiert in den Festivalverzeichnissen (im normalen Kino würde ich dem Film kaum Chancen geben) immer an erster Stelle auftaucht.

Klug ist die Beschränkung der vorgeblichen Geschichte auf wenige Personen. Es gibt den blinden, alkoholabhängigen Larry; der freundet sich ein bisschen mit dem Brasilianer Darren an, der ihm Jiu-Jitsu-Unterricht erteilt, der wiederum hängt gelegentlich mit dem Kumpel Darius (gespielt vom Regisseur selber) rum; auch Darren ist Alkoholiker; man geht aus, säuft, macht blinde Autofahrten – alles sehr ergiebig für die Leinwand, aber nicht neu – da schließt sich ihnen Candy, eine blondes kurzhaariges Flittchen, auch sie filmschön – an und Larry verbringt sogar eine Nacht mit ihr. Dann wird aus unbekannten Gründen Darren umgebracht, Larry entdeckt die Leiche und weiß offenbar, dass Candy ihn zum Täter führen kann. Das könnte ein Filmhochschülerkonstrukt sein, dem zu einem Pflichtfilm nichts einfällt.

Die Geschichte, die anfing, als solle sie ein PR-Film über die Nützlichkeit des Jiu-Jitsu auch bei der Blinden- und Alkoholheilung werden (was krass ist, das geht mir erst jetzt auf, dass Darren zu harten Sachen greift); aber es zieht sich, diese ersten Lektionen, nur Männerkörper, die eng aneinandergeschmiegt sich auf dem Boden rollen oder verharren, dazwischen auch schön filmreif, was sage ich: werbefilmreif Darren oder Larry unter der Dusche; einmal Darren wie er sehr lange nur mit einer engen Shorts bekleidet schattenboxt; dann gibt es die Klique und den Mord; also muss noch ein Kommissar her, eine unförmige Eieerkopf-Figur, die wunderbar in einem kaum verständlichen Dialekt brabbelt, aber leider hat uns Kitao nichts zu erzählen, nichts was ihn scheinbar bewegt, außer dass er bewegte Bilder machen und aneinanderschneiden und musikalisch von Szene zu Szene individuell untermalen möchte.

Wie geistig simpel, wie anfängerhaft das alles von der Geschichte her ist, erhellt der Schluss, wirklich sehr anfängerhaft und man kann die Figuren dann überhaupt nicht mehr ernst nehmen, wenn Larry sich von Candy zum Täter führen lässt und er in dieser Villa ankommt, dann über den Garten zum Pool gerufen wird von einer Südamerikanerin, die noch ein Kind bei sich hat, dann tappselt der Täter mit Sonnenbrille hervor, setzt sich in Lehnstuhl, dann gibt’s noch eine kleine Haue von der Frau, die das Kind wegnimmt und dann ballert der Blinde auf den Sitzenden los, und nach ein paar Schreien ist Ruhe und der Blinde läuft weg.

A Tiro de Piedra (Filmfest München)

Ein Film, an dem man besonders schön grundlegende Elemente spannenden Geschichtenerzählens studieren kann. Abgsehen davon, dass wir einen faszinierenden, richtigen Filmschauspielertypen als Protagonisten und Star haben: Gabino Rodriguez als Jacinto Medina, den mexikanischen Schäfer, der in der Wüste Mexikos im Strassengraben einen Schlüsselanhänger mit einer Ortsanagabe in Ontario, USA, findet und da er irgendwie nicht ganz zufrieden ist mit seinem Leben als Ziegenhirt, eine Frau hat er auch nicht, schlägt das Bild, das auf dieses Adressschildchen eingeprägt ist, ein Haus und zwei Berge Ontarios dahinter, wie ein Blitz in ihm ein. Er muss dahin, das wird sein Leitbild dahin sein. Ein Mann, ein unmögliches Ziel, ein Wille und viele Hindernisse unterwegs, das Erreichen des Zieles, das aber mit unerfreulichen Konsequenzen verbunden ist und ihn schliesslich wieder ins mexikanische Hirtenleben zurückwirft, in dem aber fortan Bilder von eiskalten, verschneiten Wäldern Ontarios wie Alpträume rumgeistern.

Dies reicht als Skizze für eine spannende Geschichte und Hiriart erzählt sie noch in einer kusnstvollen Schlaufe dazu. Wie ausladend dann erzählt wird, wie nebenbei die Menschen charakterisiert werden, denen Jacinto unterwegs begegnet, die ihn beklauen, die ihn schlagen oder die ihm weiterhelfen, wie weit er trainiert für das Aufspringen auf den Zug, wie er kurz vor der Grenze sich mit einer Nutte einlässt, auch ein Erlebnis, das ihn schier vom Weiterverfolgen seines Zieles abhalten könnte, was an Landschaftsaufnahmen dazwischen kommen, das liegt dann alles in der Ausschmückkunst und Erzählkunst des Verfassers, der hier vielleicht gelegentlich des Guten etwas zuviel wollte. Aber eine Geschichte zustande brachte, der man gerne folgt, auch weil Rodriguez mit dem markanten Kinn sowohl den Ziegenhirten als auch den entrechteten Illegalen, der des Englischen nicht mächtig ist, überzeugend spielt.

Der Fluss war einst ein Mensch (Filmfest München)

Das einzige was mir an diesem Filmprodukt sicher scheint: dass es nicht für die Zuschauer gemacht worden ist, dass keiner der wesentlichen Beteiligten auch nur irgendwas gehabt hätte, was er den Zuschauern unbedingt erzählen wollte. Wenn dem so ist, und ich werde vesuchen, die Behauptung zu untermauern, dann ist das schon mal eine grundsätzliche Katastrophe. Dann hat die öffentliche Hand mal wieder für eine künstlerische Katstrophe Geld ausgegeben.

Worum geht es? Das genau ist die Frage!

Am besten beschreibe ich erst ein Stück weit, was es denn zu sehen gegeben hat.
Afrika von oben. Das ist immer schön. Da kann man sich freuen. Da gibt es sicher schöne Tier- und Landschaftsaufnahmen. Gut, das ist etwas, was die Filmemacher dem Zuschauer auch bieten werden. Das stimmt. Aber wenn es das allein gewesen wäre, dann hätten sie auch einen Naturfilm machen können, wenn es ihnen um die Natur gegangen wäre, dann hätten sie sich die nebulöse Handlung gleich sparen können. Denn die Handlung im Film ist ja mit eine Begründung und Rechtfertigung, warum man eine Geschichte erzählt. Es war einmal ein Märchenprinz. Der hatte folgendes Problem. Um das zu lösen hat er diese und diese Handlungen begangen und das hat zu folgenden Konflikten geführt. Nichts davon hier. Aber der Reihe nach.

Nach den Flugaufnahem muss die Kamera gelandet sein. Sie fotografiert jetzt einen weißen Jeep. Der fährt über Land. Weite. Regen. Wir wissen noch gar nichts, wer wieso woher und wohin in diesem Jeep fährt. Dunkelheit. Gegenlichtscheinwerfer. Die Tropfen platschen auf die Windschutzscheibe und die Kamera liebt das Spiel mit dem Licht, das fast blitzartig aufscheint. Aha, die Kamera hat Freude an was. Und das sieht auch aufregend aus. Experimentalfilm vielleicht? Der Jeep kommt jetzt an der Landestelle einer Flussfähre.

Ein Mensch, ein Mann steigt aus. Stellt sich fotogen neben das Auto mit dem Rücken zur Kamera, steht etwas unbeholfen da , schaut, ob die Fähre kommt. Das zumindest vermuten wir. Sie kommt aber nicht. Jetzt liegt ein Weißer auf der Kühlerhaube des Jeepes, sonnt sich. Erinnert mich an Posen aus diversen Afrika- und Abenteuerfilmen. Könnte auch Werbung für Zigaretten einläuten. Noch wissen wir nicht, mit wem wir es zu tun haben. Was dieser Weiße so ganz allein in diesem Jeep vor hat. Das ist schon mal verdächtig, zumindest ungewöhnlich, ein Weißer allein in Afrika unterwegs.

Ein Schwarzer steht in einem Kanu, rudert es durchs Wasser. Der Weiße liegt wie ein Ausflügler relaxed im Kanu. Ausflugskino? Es ist eine idyllische Schilf-Seenlandschaft, durch die das Kanu sanft gerudert wird. Ein Nilpferd wird im Hintergrund sichtbar. Ist das nicht gefährlich. Der Weiße wirkt keineswegs beunruhigt. Was will der Weiße hier. Wir haben noch keine Anhaltspunkte. Da jetzt schon bald zehn Minuten um sind, und wir noch kaum Infos haben, aber oft diesen Weißen im Bild, ist wohl davon auszugehen, dass er der Protagonist ist. Der Bootsmann fängt einen Fisch. Ein Platzregen kommt. Ok, nach 15 Minuten hat unser Protagonist jetzt einmal mit offenem Mund zum Nilpferd rübergestarrt. Keine Ahnung wer das ist und was der will.

Der Schwarze und der Weiße flüchten sich im Regen ins Schilf, bereiten sich zum Nachtlager, irgendwo da in den Gewässern muss das sein. Jetzt sind bald 20 Minuten vergangen und es kommt eine sensationelle Mitteilung, denn der Schwarze versucht ein Gespräch mit dem Weißen, wenn ich mich recht erinnere, ist das am Lagerfeuer beim Fischessen. Der Schwarze will wissen, was der andere macht. Dieser sagt, er sei actor aus Germany, na das ist doch mal eine Info nach 20 Filmminuten! Was denn der Actor mache, er mache wie ein Nilpferd, die Pointe ist leider gut, das darf festgehalten werden. Der Schwarze erzählt dann noch vom Haus der Tiere und dass die Tiere den Menschen als Eindringling verstünden. Gut zu wissen, falls man allein in Afrika unterwegs ist.

Was aber macht ein German actor allein in Afrika? Will er die Nilpferde studieren? Wir wissen es nicht. Mehr hat er über sein Unternehmen auch dem Schwarzen nicht verraten. Mein Eindruck in diesem Moment ist der, dass ich es hier mit einer filmischen Kuriosität zu tun haben, in der ein German actor sein privates Homemovie drehen will. Tja, immerhin besser als rumsitzen und jammern.

Warum aber soll ich mich als womöglich zahlender Zuschauer für dieses Homevideo interessieren. Das konnte mir der Film bis hierhier, es sind bald 25 Minuten vergangen, nicht erklären.

Die Nacht ist vorbei. Der nächste Tag, der Schwarze und der Weiße sind immer noch in einem ziemlich undefinierten Schilf-Seenland. Im Hintergrund ist jetzt ein vorbeitrottender Elefant zu sehen. Der German actor stellt sich in Schau-Position. Die Kamera filmt das. Nach 25 Minuten ist ein Unglücksfall passiert. Den hat die Kamera aber nicht mitgekriegt, weil sie mit der Schau-Pose des German actors beschäftigt gewesen ist. Der Schwarze rührt sich nicht mehr. Für den Zuschauer sieht es aus, als ob er schlafe, die Kamera traut sich nicht richtig ran. Aber aus der Hektik, die der German actor entwickelt zu schliessen, muss sowas wie Tod passiert sein. Der German actor scheint nicht der Typ zu sein, ruhig Blut zu bewahren, in städtischer Hektik versucht er jetzt den Schwarzen, auf die realistischen Feststellungsversuche, ob der wirklich tot sei, hat er verzichtet, mit blauen Planen einzupacken und ihn dann aufs Kanu zu schleppen. Kurz denkt man an Werner Herzog, was der aus sowas gemacht hätte.

30 Spielminuten sind vorbei und der German actor ist mit der blau verpackten Leiche und einer ebenfalls blauen Kühlbox am Fuße eines großen Baumes. Er macht jetzt einen Urschreiversuch. Dann döst er. Ein Vogelschwirren weckt ihn auf. Jetzt klettert er auf einen Baum. Vielleicht denkt der German actor in diesem Augenblick an Johnny Weißmüller. Und ich denke, na ja, ein bisschen crazy ist das alles schon, hier trauen sich Leute wenigstens mal was.

Nach 35 Minuten, inzwischen hat der German actor die Leiche durch den Sumpf gezogen. Er findet eine Hütte. Da mimt der German actor einen Wutausbruch.

Nach etwa 40 Minuten bricht der zweite Morgen an. Der German actor findet verbrannte Turnschuhe. Denn abends hatte er tatsächlich noch Feuer zustande gebracht und offenbar eine Hütte angezündet. Etwas später steht er in der Landschaft wie zum Fotoshooting, aber ohne Spannung, denn bis jetzt wissen wir immer noch nicht, was das Need dieser Figur ist, warum wir uns für sie interssieren sollen, welches Motiv hinter dieser Reise, die offenbar gezielt in die Sümpfe führen sollte, steckt.

Das ist natürlich etwas schwierig, um es vorsichtig auszudrücken, wenn ich im Kino nach etwa der Hälfte des Filmes immer noch nicht weiss, worum es geht. Und das wird sich leider auch in den nächsten 40 Minuten nicht ändern. Er wird noch die Leiche entsorgen. Er wird ein Dorf finden. Ein paar Afrikaner dürfen mitspielen in des German actors private Homemovie. Er darf staunen darüber, wie ein Laden in Afrika aussieht. Was vor allem in Erinnerung bleibt, ist sein Kopf mit dem immer frisch geföhnten Haar, dem frisch gebügelten Hemdkragen, bis auf die eine Stelle, wo er richtig im Dreck landet, und sein Profil, das er schön ruhig kamerafreundlich für die Großaufnahme hinhält.

Aufnahempositionen, die an andere Abenteuerfilme erinnern. Nur warum, sind mir die Gesichter aus den anderen Filmen alle viel lebendiger im Gedächtnis? Ich vermute, weil jene Schauspieler, denen der German actor hier vielleicht nacheifert, in einen spannenden Zusammenhang eines professionellen, spannenden Drehbuches gesetzt worden sind. Der fehlt hier gänzlich. Und wo der Zusammenhang fehlt, da muss man zu Ideen greifen. Zum Beispiel zum Schlachten einer Ziege. Das haben wir schon besser gesehen. Was aber kein Beinbruch ist, da der für den Zuschauer spannende Zusammenhang, nämlich warum der German actor hier ist und warum es eventuell wichtig wäre, dass er lebendig wieder rauskäme oder dass er das Schlachten einer Ziege erlebt, immer noch nicht exponiert worden ist. Nicht mal in einem privaten Beziehungszusammenhang ist dieser German actor. Zumindest wissen wir Zuschauer es nicht, ob eine Freundin oder eine Redakteurin, ein Mutter oder ein Kind dringend auf seine Rückkehr oder seinen Erfolg in Afrika wartet. Von unserem Wissen über sein Umfeld her wäre es völlig egal, wenn ihn das Nilpferd frässe. Ganz am Schluss sitzt er im Flugzeug, schaut auf Afrika. Zumindest dürfte er jetzt eine Fotostrecke im Gepäck haben, mit der er sich für eine deutschen Fernseh-Abenteuerserie empfehlen kann. Ich würde ihm allerdings Comedy anraten, denn die Pointe mit dem Nilpferd, die kam super!