Archiv der Kategorie: Film

Monster Camp

Die Rollenspieler unter uns (ich war mal ein ganz aktiver, zu Pen & Paper-Zeiten) sollten sich Monster Camp auf keinen Fall entgehen lassen. Ich habe schon nach dem Trailer entschieden, dass ich diesen Film sehen muss.

Beim Live-Rollenspiel (LARP – Live Action Role Playing) schlüpfen die Spieler tatsächlich in die von ihnen verkörperten Spielfiguren. Im klassischen, normalen Rollenspiel sitzt man um einen Tisch, der Spielleiter erläutert die Spielsituation, und die Spieler entscheiden, was ihre Charaktere (Spielfiguren) in der Fantasiewelt anstellen. Die Ergebnisse reichen von taktisch geschicktem Teamwork bis zu selbstmörderischem Blödsinn, Hauptsache, es macht Spaß. Beim Liverollenspiel dahingegen verkleiden sich die Spieler als ihre Spielfiguren, die Fantasiewelt verschmilzt mit der unseren, die Spieler/Charaktere laufen in Folge dann tatsächlich durch den Wald / das Burgverlies / des Bauern Maisfeld, schwingen ihre Gummischwerter oder verzaubern sich gegenseitig mit durch straffe Regeln festgelegte Magie. Bei Kämpfen sind Schiedsrichter zugegen, die verhindern, dass groß gewachsene Rollenspieler einfach die kleineren, aber im Spiel vielleicht mächtigeren oder geschickteren Gegenspieler ignorieren oder umhauen, um einen Kampf doch zu gewinnen.

Monster Camp ist eine Doku über Liverollenspiele, wie es sie weltweit gibt. Ich freue mich schon sehr auf den Film, der bei uns leider noch keinen Starttermin hat.

Ritter Lustig und sein total verrückter Sidekick!

Mit heutiger Pressemeldung zum Drehstart von 1 1/2 Ritter – Auf der Suche nach der hinreißenden Herzelinde glimmt mein Funke Hoffnung für den deutschen Film einmal mehr nur noch halb so hell wie zuvor:

Hunderte Gags statt Heiliger Gral : Das Mittelalter, wie wir es noch nicht kannten (…)

Die Zeit der Ritter weist verblüffende Parallelen zur Gegenwart auf: Markenrüstungen, gecastete Minnesänger, Ride-Ins und Gleitzeit bei den Leibeigenen. Der ehrenwerte Ritter Lanze (Til Schweiger) und der türkische Kleinganove und Möchtegernritter Erdal (Rick Kavanian) machen sich auf, um die entführte Tochter des Königs zu befreien und erleben dabei ein Mittelalter, wie man es so noch nie auf der Kinoleinwand gesehen hat.

Ich kann mir den Film schon jetzt bildlich vorstellen: Ritter Lustig und sein total verrückter Sidekick! weiterlesen

Das Ende einer Ära

Indiana Jones 4 PV-EinladungHeute war sie endlich im Briefkasten, die Einladung zum neuen Indy-Abenteuer. Das letzte Mal, als Dr. Jones auf der Leinwand zu sehen war, stand die Mauer noch, ich hatte noch 5 Jahre Schule vor mir und war kinomäßig ohnehin wesentlich leichter zu beeindrucken als heute.Wir Teenager geiferten damals wochenlang auf den Tag unseres Kinobesuches hin, lachten uns scheckig ob der noch so prallen Gags (ein Autogramm von Hitler, also echt!), trauten uns natürlich nicht, Stunts nachzumachen und wollten allesamt Archäologie studieren.

Ich bin gespannt, ob der neue, wohl letzte Indiana Jones unseren über Jahrzehnte gewachsenen Anforderungen auch nur halbwegs genügen kann. Nichts ist so verzerrt wie Kindheits- und Jugenderinnerungen, ein Film wird nie in der Lage sein, diesen gerecht zu werden. Aber wenigstens will ich mich amüsieren, wenn ich dann im Kino sitze.Was mit dieser Einladung ebenfalls sachte ausklingt, ist die lange Ära der analogen Pressearbeit: Früher wurde ausschließlich per Post eingeladen.

Heute geht fast alles digital, und bei manchem Verleiher muss man einen Ausdruck der Einladung zur Vorführung mitbringen. Als ob man ein PDF nicht beliebig oft ausdrucken könnte, duh! Die letzte papierne Einladung, die ich vor dieser hier bekommen habe, ist Monate her.

Früher hab es ja auch noch Fotoabzüge oder fortschrittliche Dias zum Film, hier scannte jede Redaktion noch selbst. Daher sahen dieselben Bilder in verschiedenen Zeitungen auch anders aus, denn ohne vorgegebene Farbprofile kommt natürlich bei jedem Scanner was anderes heraus. Auch wurden den Radiokollegen noch Kassetten (!) und später CDs mit Tonausschnitten zur Verfügung gestellt. Heute gibt es nur noch Materialien für das TV-Geschäft auf physischem Medien, in Bälde dürfte auch dieses in HD vom Presseserver herunterzuladen sein.

Die Digitalisierung ist nicht aufzuhalten, und ich finde das super. Wo heute noch kleine Schlupflöcher und Logikhürden sind (z.B. besagte Ausdrucke), wird es morgen sicherlich ein kompetentes Akkreditierungssystem für Journalisten geben, das das ganze, teilweise hochnotpeinliche „Du kommst hier nicht rein“-Kompetenzgerangel verschiedenster Parteien ad acta legen wird.

Aber auch ich habe mich digitalisiert: Wenn ich mich unten im Wohnzimmer vor die Glotze hocke, ärgert es mich mittlerweile, dass ich nicht wählen kann, was ich anschauen will, sondern gezwungen bin, aus dem laufenden Programm einen Sender auszuwählen. Ich kann keine Pausen überspringen, ich muss den Anfang einer Sendung erwischen und es muss was laufen, das mich interessiert. Es ist der Horror schlechthin, wenn man sich mittags vor die Glotze hängt und eine Kleinigkeit isst: Es kommt im Grunde nur Scheiße, unterbrochen durch grauenhafte Werbung. Kein Wunder, dass Leute im ganzen Land am Rad drehen, bei dem Dreck im tagsüber-Fernsehen. Man kann förmlich fühlen, wie einem die wertvollen IQ-Punkte zum Ohr raustropfen.

Durch die Digitalisierung der Welt sind die Informationen (also auch Filme) natürlich leichter zu erreichen, doch besser werden sie davon eben noch lange nicht. Da lob ich mir ab und an eben das Old-School-Filmvergnügen eines guten Regisseurs mit fähigen Schauspielern, perfekter Musik und eben passend dazu mit analoger Einladung. Dazu werde ich ein analoges Popcorn genießen, denke ich.

PS: Ausdrucken des obigen Bildes und Auftauchen bei den natürlich nicht veröffentlichten Terminen hilft nichts: Die Einladung ist eine Faltkarte.

PPS: Angeblich ist Indy 5 kein Ding der Unmöglichkeit.

Zum Thema Indy

Allen, die aufgrund der Suchbegriffe „Indiana Jones Pressevorführung“ auf diese Seite kommen (laut Statistik sind das einige): Ich weiß, wann und wo sie in München sein wird, aber ich werde das hier natürlich nicht veröffentlichen. Was ich mich aber zu sagen traue: Die PV wird sicher in der deutschen Fassung sein, deutschlandweit zum selben Tag und dieser wird in der Startwoche liegen. Doch Gemach: Wenn alles so läuft, wie ich’s gehört habe, liegen die Einladungen morgen in der Post. Analog, stilvoll.

Trailerrecycling

Ein Freund hat mich auf diesen Trailervergleich zwischen Batman (1989) und The Dark Knight (2008) hingewiesen. Erschreckend: Beide Trailer sind praktisch identisch. Was mag hinter dieser Psychologie stehen? Von sublimer Psychologie über eine Standard-Köderrezeptur für die Massen bis zur simplen Faulheit eines Cutters ist alles möglich:

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Nachtrag vom 13.5.08: Ein findiger Kollege (und offenbar Batman-Fan) hat ein wenig nachgeforscht und kam zu der überraschenden Erkenntnis, dass der 1989er-Trailer dem 2008er-Trailer nachempfunden wurde. Hier die Auflösung, hier der Originaltrailer von 1989. Dafür liegt dieser Eintrag jetzt zusätzlich in der Kategorie „Fan Fiction“.

Michael Bully Herbig: Fluch oder Segen?

Okay, die Überschrift ist ein wenig reißerisch. Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich Bully noch so gut finde wie früher. Als Münchner bin ich ein Bully-Kenner der ersten Stunde: Noch zur Schulzeit ließ ich mich von Markus Langemann und der Morgengcrew radiowecken. Bereits damals spielte Bully, eigentlich nur ein Sidekick, den Moderator an die Wand, der bisweilen recht gestreßt wirkte und auch mal schnappig wurde. Könnte aber auch alles nur Show gewesen sein. Dann kamen die Bayern-Cops, die Bullyparade und auch die Filme.

Heute ist Bully allgegenwärtig: Er castet im TV für seinen Wickie-Film (nein, ich gehe nicht als Faxe), dreht selbst und spielt auch mal kleine Rollen in den Filmen anderer. So zum Beispiel jüngst in Asterix bei den Olympischen Spielen. Und nun kommt der Brandner Kaspar:

Ich halte Herrn Herbig für einen hochkreativen Menschen und für einen überaus fähigen Regisseur. Seine Fähigkeiten für Dialog und Schauspielerführung suchen ihresgleichen. Allerdings halte ich auch Erkan und Stefan für seinen besten Film – denn die anderen Filme zeigen zu deutliche Zeichen der Institutionalisierung des Humors, der zudem auch für meinen Geschmack zu sehr dem Mainstream-Geschmack angepaßt ist*. Ich habe den Eindruck, dass es eine Art „Comedy-Clique“ gibt, die als für den Spaß im Lande verantwortlich verkauft wird (nicht zuletzt durch die Einspieler bei ProSieben).

*Nachtrag an dieser Stelle: Natürlich habe ich mich beim Schuh des Manitu und bei Traumschiff Surprise streckenweise fast bepisst vor Lachen, aber diesen Filmen fehlte die … jugendliche Frische und die cineastische Unschuld, wie Erkan und Stefan sie eben noch hatten. Lissi war dann nur noch nett, da fand ich die ganze Yeti-Story zu aufgesetzt, das hätte man auch schöner lösen können.

Abgesehen davon, dass es mir bei deutscher Comedy grundsätzlich die Zehennägel aufstellt (nicht zu verwechseln mit Kabarett, wohlgemerkt), frage ich mich, ob „die Prise Bully“, die so oft zu finden ist, einem Werk nicht eher schadet denn ihm zu nützen. Klar, für die Kasse ist es gut, wenn Bully seine Grimassen zieht, weil der, sagen wir, durchschnittlich interessierte Bürger mehr Bully tendenziell sicher besser findet als weniger Bully. Bully ist irgendwie wie Maggi, das sich früher auch jeder übers Essen geschüttet hat. Er ist jedoch nicht das Salz in der Suppe, eine notwendige Zutat.

Andererseits habe ich mir zum Beispiel die Figur von Hui Buh, dem Schloßgespenst schon immer anders vorgestellt als in der jüngsten Verfilmung. Dieses läppische Gespenst kommt meinen Kindheitserinnerungen an die Hörspielserie mit Hans Clarin nicht einmal entfernt nahe.

Nun mimt Bully den Boandlkramer (den Gevatter Tod, für alle Nichtbayern) in der Vilsmaier-Verfilmung, siehe Teaser. Ich habe jedoch meine Probleme mit dieser Besetzung, denn ich kann den Tod (!) nicht ernstnehmen (!!). Und das ist ja wohl Grundvoraussetzung für den Brandner Kaspar. Mit dem Tod anzustoßen und um sein eigenes Leben zu spielen, ist outrageous, nicht lustig.

Nichts gegen Michael Herbig in Person. Doch man sollte aufpassen: Starke Gewürze verwendet man ja auch nur in kleinen Dosen. Wenn man mich fragt, kann er sich hinter der Kamera besser entfalten, sollte sich mehr auf seine Wurzeln konzentrieren und weniger den Pro7-Comedy-Massengeschmack bedienen. Denn Bully Herbig dürfte noch einige Talente „up the sleeve“ haben, die uns noch gewaltig überraschen können. Doch denke ich, dass der Mann mehrere sehr zufriedenstellende Verträge mit dem Entertainment-System haben dürfte und daher eher wenig Interesse, sich in nächster Zeit neu zu erfinden. Schade. Doch ich bin geduldig.

Das Ministerium für Friedenserziehung informiert

Als <ironie> linientreuer Bürger dieses Landes </ironie> bin ich natürlich gerne bereit, folgende e-Mail des MFFE ohne jegliche Hinterfragung öffentlich zu machen:

Sehr geehrter Bürger, sehr geehrte Bürgerin,

wir möchten Sie hiermit darüber informieren, daß das im Rahmen der jüngsten Sicherheitsgesetzgebung neu gegründete Ministerium für Friedenserziehung (www.mffe.de) ab sofort seine Arbeit aufnimmt. Bitte lesen Sie die folgenden Informationen aufmerksam, da sie zum Verständnis künftiger politischer Prozesse und Entscheidungen in diesem Land von großer Wichtigkeit sind.

Die Hauptaufgaben des Ministeriums für Friedenserziehung liegen in der politischen Aufklärung der Bevölkerung, in der Herausbildung einer engagierten Bürgerschaft, die aktiven Anteil an der Gestaltung und Verteidigung unserer Demokratie nimmt. Zu diesem Zweck veröffentlicht das Ministerium diverse Informationsmaterialien und Aufklärungsfilme und unterhält ein weites Netzwerk geschulter politischer Berater. Im Rahmen seiner Arbeit für den Friedensschutz wertet es die Beobachtungen von Bürgern und Polizeikräften aus, kämpft gegen Spionage und Terrorismus und koordiniert die Arbeit von Schutztruppen und Geheimpolizei. Unsere Abteilung 7b beschäftigt sich letztendlich mit der Einschätzung verdächtiger Individuen und entscheidet gegebenenfalls über ihre Behandlung im Rahmen des institutionalisierten Strafvollzugs.

Viele weitere Details zur Arbeit unseres Ministeriums finden Sie auf unserer neugestalteten Website unter www.mffe.de. Neben ausführlichen Informationen über die zahlreichen Aspekte unserer Arbeite finden Sie Formulare, mit denen Sie verdächtige Beobachtungen in Ihrer Umgebung melden können, einen Test zur Feststellung Ihres persönlichen ideologischen Profils sowie eine Liste ab sofort indizierter literarischer und filmischer Werke.

Da unserem Ministerium daran liegt, das ihm zur Verfügung stehende Budget für Ihre Sicherheit und nicht für Werbemaßnahmen zu verwenden, bitten wir Sie um Ihre persönliche Unterstützung bei der Bekanntmachung unserer Arbeit. Es ist ganz einfach:

Senden Sie einfach diese Mail (den Link zu diesem Post, Anm. d. Red) an alle Ihre Bekannten, Verwandten und Arbeitskollegen,

und in kürzester Zeit wird unser Ministerium im ganzen Land bekannt sein, ohne auch nur einen Cent Ihrer Steuergelder dafür verschwendet zu haben. Sie werden merken, daß sich die Sicherheit Ihrer Umgebung innerhalb kürzester Zeit um ein Vielfaches verbessern wird!

Also zögern Sie nicht – tun Sie Ihr Bestes zum Wohl Ihrer Mitbürger, zum Wohl der Menschen, die Sie lieben. Tun Sie Ihren Teil für eine sichere Zukunft!

Hochachtungsvoll dankt,

Ihr Ministerium für Friedenserziehung

Abteilung 1

Abteilung für öffentliche Aufklärung

(mehr Infos? Hier.)

BloodSpell ready for Download

Scheinbar hat mein Blogeintrag von vor einiger Zeit ausgereicht, mich auf eine exklusive Mailingliste zu setzen. Gerade wurde ich darüber informiert, daß der Machinima Bloodspell nun als fertiges DVD-Image zum Herunterladen bereitsteht. Derzeit saugt mein Rechner (völlig legal übrigens) die zwei Scheiben mit 4,36 und 4,22 GB (in der PAL-Version, fertig zum Brennen), auf der Download-Webseite gibt es auch eine DivX- bzw. eine Quicktime-Version. Auch kann man sich ein Cover laden (das hätte ich allerdings in die ISO-Datei gepackt, als DVD-ROM-Extra), drucken, in eine Hülle packen und dann das Ganze ins Regal stellen. Was andere Kollegen so denken, findet sich in der Press-Sektion und Pressematerial gibt’s auch.

Viel Spaß also beim ersten Machinima in DVD-Qualität zuhause!

Kleiner Film, große Kampagne

Das Schöne am Internet ist: Man kann mit etwas Geschmack, Geduld und Kunstfertigkeit eine schöne Webseite auf die Beine stellen, der man die tatsächlichen wirtschaftliche Situation des Betreibers nicht ansieht. Das hat nicht nur auf der oberflächlichen Glitter-Ebene des schönen Scheins den Vorteil eines verbesserten Images, nein, auch bei eingehender Betrachtung der Implikationen so einer schönen Fassade kommt man unweigerlich zu dem Schluß, daß das Budget des Betreibers tatsächlich auch egal ist: Solange jemand tatsächlich etwas zu sagen hat, bietet das Internet ihm die Möglichkeit, dies auch zu tun. Die virtuelle Repräsentation ist das alleinige Merkmal, an dem man fürderhin gemessen wird.

Was früher von vielen als Marktplatz der Großmäuler prophezeiht wurde, hat sich nicht bewahrheitet: Substanz ist Trumpf. Nachdem Trolle sich in den allermeisten Fällen praktisch sofort selbst disqualifizieren und somit automatisch wegfallen, zeichnet sich der Rest durch mehr oder weniger Substanz aus. Der Betrag an Substanz in einem Auftritt / Kommentar / Post (…) muß jedoch nicht einmal ein Kriterium für eine Wertung sein. Es handelt sich lediglich um eine Geschmacksfrage: Wem gefällt, was er sieht, der bleibt, wem’s nicht gefällt, zieht halt weiter. No harm done, no harm taken. Nur die Trolle, die erstmal eine Ladung Kot absetzen müssen, um ihr „Ich war hier“ zu markieren, hinterlassen bisweilen einen üblen Nachgeschmack im Netz.

Nun wurde ich von einem alten Bekannten auf die Existenz des Ministeriums für Friedenserziehung hingewiesen. Es handelt sich hierbei um eine Kampagne für den Film Das Verhör, aber um eine gewaltige. Der Film selbst, mit Manfred Möck in der Hauptrolle, ist eine sehr kleine, ambitionierte Produktion, ein Erstlingswerk, zumindest in diesen Dimensionen. So klein, daß der Regisseur noch seine private Mailadresse auf der Filmwebseite hinterlegt, so klein, daß besagte Webseite auf irgendeinem Unterbereich eines kleinen Providers liegt und die Webadresse entsprechend viele Punkte, Slashes und Subdomains enthält. Aber egal, denn die Filmseite ist ansehlich und informativ, und das gefakte Ministerium für Friedenserziehung jagt mir einen kalten Schauer den Rücken hinunter. Warum? Nun, da gibt es mehrere Gründe.

Wer sich nur ein paar Minuten mit dem Ministerium für Friedenserziehung auseinandersetzt, stellt bald fest, daß hinter der Kampagne ein ziemlich gutes Konzept steht. So läßt sich zum Beispiel der Flash-Film der Startseite nicht ohne weiteres in Blogs wie diesen einbinden, was natürlich von der Werbe-Intention der Seite ablenkt. Die Seite selbst besteht nicht nur aus einigen oberflächlichen Einträgen, sondern ist ganz schön tief und vielschichtig, triefend vor bissiger Ironie. Formulare zur Meldung von Straftaten, Stellenangebote (Motivationsprüfer, Erfassungskoordinator und Facharbeiter für Raketentriebwerksmontage werden derzeit gesucht) und Wahl“empfehlungen“ gibt es auch ein Gästebuch mit wundervollen Einträgen, eine Liste indizierter Werke von Mein Kampf bis Kafkas Prozeß, und vieles mehr, eingerahmt von einem fantastisch archaischem Emblem eines sein Volk beschützenden Adlers. Im „Ideologischen Gutachten“ (30 Fragen mit tollen Antworten, was ein Spaß) habe ich einen negativen Wert erreicht und werde wohl morgen um diese Zeit ausgebürgert und spurlos verschwunden sein. Hätte die DDR das Internet noch erlebt, so hätte es sicherlich ausgesehen.

Das Verhör läuft in ausgewählten Kinos.