Archiv der Kategorie: Film

Brainious, das Potential unserer Kinder (DVD)

Was ist der Mensch,

was macht den Menschen aus?

Was ist genetisch bedingt, also nicht veränderbar? Wieviel trägt das Gehirn zur Entwicklung bei und wie weit entwickelt sich das Gehirn durch die äußeren und sozialen Bedingungen? Wie weit ist die Entwicklung eines Menschen förderbar durch die entsprechenden schulischen Maßnahmen? 

Wie ist es möglich, Kids aus sozial benachteiligten Verhältnissen zB in L.A. zu einem ordentlichen Schulabschluss zu verhelfen, der weit über der Sozialprognose liegt, und somit die Tür für ein Studium aufzustoßen? 

Diesen und ähnlichen Fragen geht die Journalistin Stéphanie Brillant in ihrer unterhaltsam-tv-magazinhaften Dokumentation nach. Sie schaut sich Projekte an, unterhält sich mit Forschern, Experten, Wissenschaftlern, Spezialisten, die sie mit Attributen versieht wie Expertin für Neugier, Empathie-Verfechter, Gleichstellungsverfechterin, Verfechter des positiven Widerstandes, Achtsamkeits-Lehrerin, Dankbarkeits-Aktivistin, Befürworterin der Gehirnpause, Klassenraum-Fee. 

Prinzipielles Ziel der verschiedenen Ansätze ist es, das Gehirn der jungen Menschen mit unterschiedlichen Mitteln und Methoden ernst zu nehmen, zu fordern und damit zu formen. Auch Förderung des Bewusstseins für das Gehirn, für den Atem, für die Bewegung, Konzentration und Sensorik, insgesamt für die Entwicklung eines dynamischen Selbstbildes, das auch weiß, dass es Pausen braucht. Die Forscher sind bass erstaunt, dass das Gehirn im Zustand der Musse, wenn es also nicht durch eine von außen gestellte Aufgabe beschäftigt ist, eine enorm viel stärkere und tiefere Aktivität entwickelt. 

Kommentar zu den Reviews vom 7. Mai 2020

Kino muss sein! Kino so fern! Alles ist politisch. Sowieso die Stimmung in Argentinien 1975. Der Kampf der Frauen in der BRD um politische Positionen erst recht. Nicht weniger die Integration einer Französin aus Haiti in ein Internat in Paris. Die Nazizeit ist inzwischen vorwiegend routiniert oder spezialitätenklamüserisch politisch. Und junge Menschen, die sich entscheiden müssen, sind es auch, wenn nicht explizit. Das DOK.fest München bringt viel Politisches; es findet wegen Corona im Internet statt. Im TV tanzt eine Allgäuer Bäuerin Tango. 

Kino

ROJO – WENN ALLE SCHWEIGEN, IST KEINER UNSCHULDIG

Sicher nicht in Argentinien 1975.

DIE UNBEUGSAMEN

Frauen müssen mehr kämpfen als Männer – und wenn sie es nicht tun, dann fallen sie wieder zurück. 

ZOMBI CHILD

Culture Clash in Paris. 

PERSISCH STUNDEN

Eine Randpointe im Meer der Naziaufarbeitungsfilmroutine. 

DREISSIG

So, jetzt bitte mal ernsthafte Entscheidungen!

DOK.fest

stefe hat sich drei Reihen vorab angeschaut.

TV

LEBENSLINIEN: DIE TANGOBÄUERIN AUS DEM ALLGÄU

Ein Élan vital, der fasziniert. 

Zombi Child (Kinostart verschoben)

Haiti 1962

HÖRT IHR WEISSEN

UNSERER TOTEN AUFRUHR

HÖRT MEINE ZOMBIE STIMME

ZU EHREN UNSERER TOTEN

René Depestre

Spätfolgen des Kolonialismus

oder eine Einführung in den Haiti-Voodoo

für höhere Töchter eines exklusiven, katholischen, französischen Institutes, das sich dadurch auszeichnet, dass dessen Schülerinnen von Trägern oder Trägerinnen französischer Ehrenorden abstammen. Deshalb auch tragen sie zur Schuluniform staatstragend eine Schärpe und von ihnen wird besondere, nationale Verantwortung erwartet. 

Was die wunderhübschen jungen Damen, die in den späten Teens stecken, nicht daran hindert, Liebesgefühle oder Liebesvorstellungen zu entwickeln, das können Gefühle zu Mitschülerinnen sein oder auch der Traum von einem Tarzan in strammer Jeans im Dschungel. 

Cliquenbildung gehört zu dieser Altersstufe. Fanny (Louise Labeque) ist in der verschworenen Gemeinschaft einer Literatur-Gang. 

Regisseur und Autor Berrand Bonello lässt neu in diesem Institut Mélissa (Wislanda Louimat) erscheinen. Was hat sie als Haitianerin da zu suchen, wie sollen da Vorfahren französische Ehrenauszeichnungen haben? Das bringt das Thema der Mambo in den Literaturzirkel, denn Fanny mag Mélissa und will sie in ihren Zirkel einführen, nach voodoohaftem Ritual. Ihre Mutter war in der Ehrenlegion, weil sie sich gegen die Diktatur auf Haiti gewehrt hat. 

Bonello montiert in der Art einer Collage die Gegensätze des Lebens auf Haiti, beginnend in 1962 bei Zombies auf Zuckerrohrplantagen mit denen des elitären französischen Mädcheninstitutes von heute. 

In Haiti wird ein Zombi-Pulver in einen Schuh gestreut. Der Mann bricht bald drauf auf der Straße zusammen. Das ist der Beginn der Rahmenhandlung, die einiges über die Zombies auf Haiti erzählt. Das Gegenstück findet im Heute in Frankreich im vornehmen Institut statt. Hier wird Geschichtsphilosophie doziert, ob es einen Fortschritt in der Entwicklung der Freiheit gibt oder über die Reinheit von Elementen und auf Balzac ist ebensowenig zu verzichten. Das ist die Tagesseite. Nachts können Parallelhandlungen zum Zombietum in Haiti in den Internatsräumen stattfinden, nichts Ungewöhnliches für Anstalten mit Pubertierenden. 

Bonello bebildert in seinem Film Sklaven-Traumata, die sich über Generationen fortpflanzen, die ein Eigenleben führen und die zurückzuführen sind, auf die grausame Geschichte Haitis und wie solches Unrecht bis in die heutige Zeit noch nach Frankreich hineinwirken kann. Die Frage, ob es einen Fortschritt in der Geschichte gebe, die bleibt offen. 

Rojo – Wenn alle schweigen, ist keiner unschuldig (Kinostart auf unbestimmte Zeit verschoben)

Sonnenfinsternis

Alles ist glasklar in diesem Film von Benjamin Naishtat, der 1975 in Rio Seco in der argentinischen Provinz spielt. Aber es kommt darin eine Sonnenfinsternis vor. Die verändert die Stimmung und das Leben auf der Welt. Dies ist symbolisch gemeint. Passt aber ganz gut dazu, dass die Bilder und Szenen des Filmes quasi bei vollem Sonnenlicht inszeniert sind, dass also kein Zweifel an der gezeigten Realität aufkommt, andererseits, das ist das magisch Anziehende, schwebt darüber ein „Etwas“, eine Stimmung, die mit den politischen Verhältnissen zu tun hat. 

Als Unterstützung der Klarheitsthese ist die Hauptfigur ein Rechtsanwalt, Claudio Mora (Dario Grandinetti), ein seriöser, ordentlicher und erfolgreicher, in Rio Seco auf jeden Fall bekannt. Er ist verheiratet und hat eine halbwüchsige Tochter. 

Ein Zwischenfall in einem Restaurant mit einem Fremden, eine knallige Peinlichkeit in der ordentlichen Provinz, führt bei Claudio zu einem unrechtmäßigen Verhalten. Denn der Fremde verfolgt ihn auch außerhalb des Restaurants, es kommt zu einer Rangelei, der Fremde schießt sich in den Kopf und der Anwalt geht mit dem Schwerverletzten nicht korrekt um. Das ist wie die Initialzündung für die Verfinsterung der Sonne.

Es gibt plötzlich unseriöse Anfragen an Anwalt Mora. Ein Detektiv, der nicht nur aus dem Fernsehen berühmt ist, sondern selbst ein erfolgreicher Privatdetektiv war, taucht auf. Er sucht nach einem Vermissten aus der besseren Provinzgesellschaft. 

Das Verhältnis zu Amerika wird symbolisch zitiert. Es gibt Besuch von berühmten Rodeoreitern. Aber nicht alle im Lande sind begeistert von Amerika. Der Form halber gibt es eine offizielle Begrüßung und Übergabe hochinteressanter Geschenke, Nachfragen eines Reporters werden von Claudio brüsk weggebürstet. 

Ganz am Rande gibt es eine Tanzschulung, eine Liebesannäherung zwischen der Tochter des Anwalts und einem milchbubihaft-ordentlichen jungen Mann. Auch symbolhaft wirkt eine Einlage in einem Kabarett mit einem Zauberer (Rudy Chernicoff). Der sucht eine junge Frau, die er verschwinden lassen kann. 

Hinweise auf Menschen, die verschwinden, haben unter den politisch herrschenden Umständen Explosivkraft und müssen vorsichtshalber verwinkelt passieren. 

Naishtat zaubert ein Stimmungsbild eines Landes, das einerseits in einem wachsenden Wohlstand sich befindet, das andererseits merkwürdige Einwanderer aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergt und selber in wechselnden, instabilen politischen Verhältnissen ist, in denen die Amerikaner ungengiert drin rumrühren. 

Persisch Stunden

Erschreckend,

wie glaubwürdig deutsche Schauspieler nach wie vor sind, wenn sie in SS-Uniformen dieses rasserein-arische Nazideutsch sprechen, wie hier Lars Eidinger als anfänglich stotternder Sturmbannführer Klaus Koch in einem KZ.

Koch vernarrt sich in den vorgeblich persischen Gefangenen Gilles (Nahuel Pérez Biscayart). Von diesem möchte er die persische Sprache beigebracht bekommen, weil er im Iran ein Restaurant eröffnen will – mitten in der Nazizeit. Dadurch genießt Gilles im KZ Privilegien. 

Nur ist Gilles leider kein Perser und muss das Persisch – Koch möchte täglich vier Vokabeln lernen – fortlaufend erfinden und darf sie nicht vergessen. Die Methode dazu hat es in sich. 

Dieses Programm wird von Regisseur Vadim Perelman nach dem Drehbuch von Ilja Zofin in dieser russisch-weißrussisch-deutschen Koproduktion zwei Stunden lang vorexerziert in einem Setting und einer Ausstattung, die nach Nazizeitaufarbeitungs-Formalin riecht; präzise, dompteurhaft geführte Regie, die nichts daran ändert, dass die zwei Schlusspointen, auf die der Film hinausläuft, gerade mal für einen schnoddrigen Kurzfilm im Stil eines Jo-Jo-Rabbits reicht.

Der Film zeigt auch, dass nach wie vor mit dem Thema Nazizeit jedweder Film gemacht werden kann, dass die Gelder fließen, obschon ich mich frage, wer diesen Film braucht und wer ihn überhaupt anschauen will oder ob es nicht viel mehr um irgendwelche Kulturförderung geht oder gar Freundschaftsdienste oder hm, was, oder Gönnertum vom hohen Ross herab? 

Dreissig

Berliner Nächte um die Ohren.

Drei Männer, drei Frauen..

Gelungenes Experiment..

Die „Wir-sind-cool“-Generation.

Die Kamera von Anselm Belser verfolgt und beobachtet mit belatarrscher Langmut und Beharrlichkeit das, was Simona Kostova geschrieben und mit einer prägnanten Riege junger Schauspielerinnen und Schauspieler inszeniert hat. 

Es ist der dreissigste Geburtstag von Övünc (Övünc Güvenisik). Er scheint Schriftsteller-Ambitionen zu haben, spricht davon, dass er schreiben müsse. Mit dem Aufwachen in seinem sparsam möblierten Zimmer mit genügend Fenstern fängt der Film an. 

Hier drängt sich dieser Bela-Tarr-Eindruck auf. Die Kamera verharrt vor allem ruhig, macht keinen Mucks. Övünc muss sich irgendwie in diesem Tag hinein- und zurechtbuddeln. Es gibt telefonische Verabredungen. Es ist sein dreißigster Geburtstag. 

Der Film macht anschließend Station bei einen Freund von Övünc, bei Pascal (Pascal Houdus). Der ist gerade dabei, aus der ebenfalls höchst sparsam eingerichteten gemeinsamen Wohnung mit seiner Freundin Raha (Raha Emami Khansari) auszuziehen; sie ist Schauspielerin. 

An der Geburtstagsparty von Övünc wird festgehalten. Jetzt folgt die Kamera rasend lange dem durch Berlin radfahrenden Pascal. Nach und nach werden die Teilnehmer der langen Geburtstagsnacht, die bevorsteht, vorgestellt; da ist noch Henner (Henner Borchers), er wird mit einer Clownsnase und mit langem, wehendem Mantel als der Gruppenunterhalter eingeführt. Mit Raha kommt deren Freundin Anja (Anja Langer). Neu zur Gruppe stößt Kara (Kara Schröder). 

Ein intelligenter Mensch hat einmal gesagt, vernünftige, gscheite Entschlüsse könne man ab dreißig fällen. Das bedeutet wohl auch defnitive Entschlüsse. Das kann den Beruf oder das Paarungswesen betreffen. Die drei Männer und die drei Frauen, die sich hier die Berliner Nacht vorcoronamäßig um die Ohren schlagen, die stehen an dieser Schwelle. 

Das gelingt Simona Kostova ziemlich gut, diese Charakterisierung einer Schwelle im Leben. Es geht diese bunte Freiheit und Möglichkeit zur Möglichkeit zu Ende. Irgendwann muss man sich entscheiden. Auch in Paarungshinsicht. Wozu so Disconächte gut sind, auch wenn sie tendenziell, wie auch hier, mit einem Kater enden. 

Entscheiden müssen sich die Individuen und nicht die Filmemacherin, der ein recht glaubwürdiges Stimmungsbild dieser sorglosen Vor-Corona-Generation gelingt, der kurze Moment von sich anbahnenden Roaring Twentieths in Berlin; die abrupt durch Corona unterbrochen wurde; die möglicherweise einen neuen Ernst auch in Lebensentscheidungen verlangt. Und wie im richtigen Leben, zieht sich die Nacht, die philosophischen Einsprengsel verschwinden, die Musik übernimmt die Regie bis hin zu einem ansprechenden Jazzkonzert.

Die Unbeugsamen

Erstmals nach 20 Jahren ist der Frauenanteil im Bundestag wieder zurückgegangen und beträgt nur noch 31 Prozent“,

das ist eines der Abspannfazite dieses magazinhaft unterhaltsamen Kompendiums von Torsten Körner zum Thema „Frauen in der Bundespolitik“. 

Schon die Eingangsarchivszene von 1958 mit der dannzumal 80-jährigen FDP-Politikerin Marie-Elisabeth Lüders ist eine archivarische Trouvaille, die dem Dokumentarfilm Singularität verschafft. Es ist zu köstlich, wie die Dame mit kleinem Begleittroß und an einem Stock gehend aus einem Bonner Gebäude kommt und eine Straße überqueren will, dabei von einer Fernsehjournalistin untertänigst um ein Interview gebeten wird, das die alte Dame gnädigst auf eine Minute beschränken will und dabei auch noch auf den Autoverkehr achtet und bemerkt, überfahren möchte sie nicht werden. 

Und was Lüders dann antwortet zum Thema der Gleichberechtigung der Frau: „Zum Teil ist sie erreicht, zum Teil nicht. Wenn die Leute nicht weiterkämpfen, dann werden sie das, was sie haben, wieder verlieren“. Das ist denn auch die Erkenntnis am Ende des Filmes. 

Offenbar kämpfen die Frauen, seit eine ihrer Geschlechtsgenossinnen Kanzlerin ist, weniger, weshalb, siehe oben, eine deprimierende Schlussfolgerung zu ziehen ist. Ähnlich ergeht es allerdings auch dem Film. Anfangs kämpft er zielbewusst um Fauenmandate im Bundestag, im Kabinett mit jeder Menge spannender historischer Aufnahmen, quergeschnitten zu Inteviews mit heute noch lebenden ehemaligen Kämpferinnen, schön gesetzt und auch edel gekleidet, in historischen Bonner Räumlichkeiten. 

Und wie diese älteren Damen nach und nach zusammenkommen, so ist es wie beim Boulevard- oder beim Bauerntheater, wenn das gesamte Personal sich auf der Bühne einfindet, dann ist das Stück erfahrungsgemäß – oder hier der Film – bald um. 

Einer der vielen Höhepunkte in diesem nicht zu verhindernden Aufstieg der Frauen ist die Rede von Waltraud Schoppe 1983 im Bundestag, in der sie bis zur privaten Zärtlichkeit auf das Selbstbestimmungsrecht der Frauen hinweist und die dominante Männerclique im Bonner Parlament zu peinlichen Lautäußerungen treibt. 

Allerdings scheint der Kampf, je erfolgreicher er war, auch weniger spannend zu werden, so dass Körner auf Dinge zurückgreift, die nicht unmittelbar damit verbunden sind: die AIDS-Thematik, der NATO-Doppelbeschluss, die Wehrmachtsausstellung, auch das Kapitel mit Hannelore Kohl und Petra Kelly wirkt etwas zufällig. Hier verläppert sich der Film, fängt an, beliebig zu wirken. 

Fürs Auge hingegen bleibt der Film auch dank großzügigem Bilder-Beifang von der Wandskulptur über Architektur, leere Parlamentsinnenräume bis hin zum Ruderboot ergiebig. 

Ernüchtert fragt sich jedoch der Zuschauer, wie kann es kommen, wenn so viele Frauen in Spitzenpositionen sind, dass der Frauenanteil im Parlament schwindet, dass Frauen im Durchschnitt bei gleicher Tätigkeit immer noch weniger verdienen? 

Für die Frauen, die gekämpft haben, scheint es sich auf jeden Fall gelohnt zu haben; sie kommen zum Interview alle distinguiert mit ausgesucht feiner Kleidung und Schmuck, wie es sich nicht jede Frau leisten kann. 

Atompilz und Raketenabschuss als Symbole törichter männlicher Politik können eine Diskussion nicht unbedingt beleben. Nicht zu vergessen, wäre Merkel schon Kanzlerin gewesen, als noch Schröder war, wären die Deutschen mit den Amis und den Briten in den grauenhaften Irakkrieg gezogen, das sollte vielleicht auch mal erinnert werden. 

Erstaunlich scheint, mir, dass das überhaupt nach wie vor ein Thema ist, die Bürger sollten doch die Menschen zu ihren Vertretern wählen, die ihnen vertrauenswürdig scheine, egal ob Mann ob Frau. 

DOK.fest München vom Mittwoch, 6. bis Sonntag, 24. Mai 2020 im Internet.

Das Dok.fest München zieht sich dieses Jahr aus der Öffentlichkeit, aus den öffentlichen Räumen zurück, weil Vater Staat überfürsorglich mit seinem Bürgern umgeht und ihnen nicht zutraut, aus Coronängsten genügend Abstand zwischeneinander zu halten, was im Kino ohne weiteres möglich wäre. 

Das DOK.fest München als ein Streaming-Festival. Filme im Internet zu sichten, ist zwar für den Reviewer kein ungewöhnlicher Vorgang, er hat sogar gewisse Vorteile, wobei die Vorführung im Kinosaal das Non-Plus-Ultra bleibt und der wahre Härtetest für Filme. 

Andererseits fehlt dem Festival genau das, was es zum Festival macht: der Kontakt zu den anderen Menschen, der Austausch über die Filme, die Reaktionen der anderen Zuschauer während der Vorführung, die auf Dinge aufmerksam machen können, die man selber übersieht. 

Insofern ist dies nur der Torso eines Festivals, was immerhin für die teilnehmenden Filmemacher den Ausweis einer Festivalteilnahme mit sich bringt, was mitunter für die weitere Laufbahn eines Filmers entscheidend sein kann und noch mehr, die Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben, was für die Finanzierung neuer Projekte hilfreich sein kann, für Filme, die wir vielleicht nächstes oder übernächstes Jahr zu sehen bekommen; das allein ist Grund genug, sich hier Filme anzusehen, um dem Kino beim Überleben in diesen krassen Zeiten zu helfen. 

Coronapolitikgeschädigte Bürger haben hier die Möglichkeit, als Online-Zuschauer ein sicher spannenderes Programm zu erleben als das übliche Fernsehprogramm bietet. 

stefe hat sich im Vorfeld einige der Filme anschauen können.

Reviews zu den Filmen des Internationalen Wettbewerbes DOK.international.

Reviews zu den Filmen der Reihe DOK.horizonte.

Reviews zu den drei Filmen von DOK.network Africa

Und last but not least 3 Reviews zu Filmen außerhalb dieser Reihen, zu JENSEITS DES SICHTBAREN – HILMA AF KLINT, WALCHENSEE FOREVER, zu SCHLINGENSIEF – IN DAS SCHWEIGEN HINEINSCHREIEN und zu SPACE DOGS.

stefes Lieblingsfilm: 143 RUE DU DÉSERT, auf einen Tschai für Müßiggänger!

DOK.international (DOK.fest München 2020)

Der internationale Wettbewerb des DOK.festes München 2020 bringt eine Mischung unterschiedlicher methodisch-thematischer Ansätze des Dokumentarfilmes. Der politische Dokumentarfilm über den bröselnden Mittelstand in den USA, über ein mexikanisches Staatsverbrechen und über Straßenkämpfe in Hong Kong. Der reizvoll cinéphil-essayistische Dokumentarfilm, der Dokumentarmaterial montiert um Literatur zu bebildern, eine Filmemacher-Biographie zu schreiben, die Auseinandersetzung mit dem Tod zu führen oder die eigene Mutter als cinésynthetisierte Frau zu erfinden; aber auch die Künstlerin, die sich selbst zum Dokumentarmaterial macht, sei es als Malerin mit krasser Krankheit (in Norwegen) oder als Tänzerin mit bewegt-bewegender Vergangenheit (in Ungarn). Pittoreske Außenseiterthemen als Stimmungsbilddokus wie Zwangsumsiedlung von Roma in Rumänien oder einer Minderheit in China; die Mäuschendoku über die Erziehung holländischer Punks auf dem Bauernhof oder Eintauchen in den unteren Rand der Gesellschaft in Persien gleich zweimal als mordende Frauen im Knast oder als drogenabhängige Prostituierte im Obdachlosenheim. Schließlich der Aufarbeitungsfilm als Befragungs- und Stimmungsbildfilm, der in Chile Menschen besucht, die Teil eines brutalen Systems gewesen sind. 

BABENCO – TELL ME WHEN I DIE

Der Tod, das sind Flitterwochen mit einem Hongkong-Star!

ACASA, MY HOME

Rumänischer Versuch, eine eigenwillige Romafamilie zu integrieren. 

THE EUPOHRIA OF BEING

Die Komplexität der Frau. 

UNE FEMME – MA MÈRE

Erfinden einer Mutter – aus dem kanadischen Filmarchiv. 

VIVOS

Ungesühntes, unaufgeklärtes mexikanisches Staatsverbrechen an Campesinos. 

LE CHANT D‘ EMPÉDOCLE

Literaturverfilmung als Portrait einer Insel. 

THE DISRUPTED

Bröselnder Mittelstand in den USA.

QUIANG’S JOURNEY

Erdbebenbegründete Zwangsumsiedlung von Minderheit in China. 

SUNLESS SHADOWS

Persischer Frauenknast.

THE SELF-PORTRAIT

Kunst und Anexorie – tiefhuman bildstark. 

SONGS OF REPRESSION

Niemand kann das irgendwo lernen: damit umgehen, dass man eine furchtbare Vergangenheit in einem Zwangssystgem gehabt hat. 

HONG KONG MOMENTS

Reißerische Frontreportage des Kampfes um die Demokratie. 

THE UNSEEN

Vom Abschaum Teherans – nicht im Sinne der Mullahs.

PUNKS

Selbtdarsteller für Mäuschenkamera oder Punkploitation.