Von Ludwig Thoma
ist in diesem Film von David Dietl nach dem Drehbuch von Marcus Pfeiffer und Co-Autor Christian Lex nicht mehr die Rede, also bei den Autoren im Abspann kommt er nicht vor.
Irgendwas wird schon geblieben sein vom berühmten bayerischen Autor. Dieses Irgendwas wurde angereichert mit zeitgeistigen Modernismen; das sind die Dinge, die man beim Verlassen des Kinos schon wieder vergessen hat, oder sich nur mühsam zurückholt.
Ach ja, richtig, Michaela May spielt die typische Klischee-Esoterikerin, die macht was mit Steinen. Sie ist die Mutter von wem jetzt. Entweder vom Protagonisten Wiggerl (Maximilian Brückner) oder von dessen Frau (Barbara Herzsprung, die auch irgend so ein Bayerisch spricht).
Es gibt die Tochter (Momo Beier). Sie ist diejenige mit dem dritten Gesicht, sie kann Wiggerl nach seinem Unfalltod noch sehen. Der hat inzwischen eine Reise in den Operettenhimmel gemacht, hat dort eine Harfenistin getroffen; die Harfe kennt man aus dem berühmten Bild des Loiserls im Himmel, der hier offenbar Wiggerl heißt.
Dieser Wiggerl möchte nochmal zurück zu all den Klischeebildern von München, die der Film bislang schon aufgefahren hat, so dick wie es geht und ohne jede verschmitzte Distanz. Der Wiggerl will noch a bisserl was erledigen. Er möchte seiner Tochter zum Geburtstag den auf dem Viktualienmarkt geklauten Dackel schenken, der im Unfallwagen zurückgeblieben ist. Dann ist da noch ein Taxigefährt, das beim hochoriginell ausgestatteten Passauer Sigi Zimmerschied auf dem Hof abgeladen worden ist. Dort ist unsauberes Geld versteckt. An das möchte der Wiggerl gelangen.
Wiggerl ist eine Zwischengestalt, sichtbar nur für seine Tochter. Die leitet er zur Beschaffung des Geldes an. Auch das passiert ohne jeden cineastischen Witz noch Charme.
Das cineastische Geschick des Filmes besteht darin, dass womöglich, wer spricht, im Bild ist. So wird das weniger Kino, denn eine Aneinanderreihung von Bildern eines inhomogenen Castes, der garantiert nicht vorm Dreh eine Minute sich in einem Kreis aufgestellt und schweigend sich die Hände gegeben hat (als Symbol für Teambuilding genommen), um zu erreichen, dass eins plus eins mehr als zwei werden. Es bleibt beim eins plus eins und dann noch eins und dann noch ein Kabarettist und dann noch einer.
So erschließt sich denn auch nicht der Satz, dass München so schön sei. In Moosach sitzt der Opa (Heiner Lauterbach), der kann seinen toten Sohn sehen. Ein Sündenkompass wird ab und an uninteressiert in der Hand gehalten. Mietschulden kommen vor. Aber das verwundert in München nun wirklich niemanden. Ach ja, und eine Pokerrunde, in der beschissen wird, kommt auch vor. Alles, worauf wir im Kino so dringend gewartet haben.