Archiv der Kategorie: Film

Bad Boys for Life

Vielleicht

ist dieser Film von Peter Carnahan und Peter Craig in der Regie von Adi El Arbi und Bilall Fallah einfach das Produkt einer sich verselbständigt habenden Produktionsmaschinerie. Die Produktionsmittel sind da, die Story ist da, die Figuren sind da, die Namen sind da, das Geld ist da. Das will in Gang gehalten werden. 

Es gibt die Stars Will Smith als Detective Mike Lowrey und sein Partner Martin Lawrence als Detective Marcus Burnett. Die waren vor 25 Jahren mal sehr erfolgreich als diese Cop-Paarung. Vor nicht ganz zwanzig Jahren gabs dann einen zweiten Teil. Und jetzt folgt der dritte (der vierte sei bereits in „pre-production“ ist bei IMDb zu nachzulesen).

Mit jedem Film werden die Jungs älter, da hilft kein Botox und Sprache und Bewegungsablauf werden deutlich schwerer. Der Film ist aber leider offenbar der gleiche geblieben. Es soll Action sein und Buddytum. Als hätten sie geistig keine Entwicklung durchlebt. Als seien sie noch zwanzig und spürten diese Jungmännerkraft, die sich einen Spaß draus macht, mit einem Sportwagen wie Adrenalinjunkies durch dichten Großstadtverkehr zu brausen und das nur, weil der eine in seinem nun reifen Alter Opa geworden ist. Um es höflich auszudrücken, das wirkt irgendwie nicht so ganz frisch trotz hochfrisiertem Hollywood-Apparat, der das gekonnt umsetzt. 

Die Geschichte ist nicht besonders originell. Eine ziemlich böse Frau, la Bruja (die Hexe), Kate de Castillo als Isabel Aretas, die in Mexiko City auf dem Dach eine andächtige religiöse Installation errichtet hat, will den Tod ihres Mannes durch ihren Sohn rächen lassen. Der ist in dem Alter, in dem eigentlich die beiden Protagonisten-Stars sein sollten; der Film setzt diese Diskrepanz nicht zur Thrillerzeugung ein. 

Hauptzielpunkt der Rache ist Dective Mike Lowrey und so ganz unverwundbar wie in jungen Jahren ist er nicht mehr, bald kriegt er schlimm was ab. Da die beiden Cops nicht mehr die jüngsten sind und verletzlich dazu, wird ihnen im Eruieren und Verfolgen des anonymen Angreifers eine frische Truppe von der AMMO beiseite gestellt. Die müssen vor allem gut aussehen. Das tun sie. Dürfen aber nicht die Stars überstrahlen. Auch das tun sie pflichtschuldigst. 

Die zahlenden Zuschauer haben es jetzt in der Hand, mit dem Erstehen eines Tickets die Produzenten in den Vorbereitungen zu einem weiteren Sequel anzuspornen oder aber mit dem Verzicht auf einen Kinobesuch, die Produzenten unter Druck zu setzen, mit frischeren Ideen den Markt sich günstiger gesonnen zu machen. ( Der Markt entscheidet – und nicht der Kritiker!). 

Albrecht Schnider – Was bleibt

Die Dokumentaristin Rita Ziegler fragt ihren Protagonisten, den Schweizer Maler Albrecht Schnider, der mit einer abstrakten Alpenenlandschaft zugange ist, diese würden ja mit seinem zunehmendem Alter mehr Tiefe erhalten. Seine verschmitzte Antwort darauf, ja, vielleicht, um das Ganze etwas hinauszuzögern. Es bleibt dem Betrachter überlassen, wie grundsätzlich er das meint. 

Diesen „versteckten, ekstatischen“ Humor stellt auch ein New Yorker Kunstkritiker anlässlich einer Vernissage in New York fest. 

Rita Ziegler hat über drei Jahre lang Schnider beim Malen und Zeichnen beobachtet. Sie hat ihr Material zu einem spannenden Bilderbogen montiert, der sich ganz in die forschende Herangehensweise des Malers hineinfühlt – sich damit wohltuend abhebend vom gängigen Doku-Verzopf-Mix. 

Sie geht von seiner Arbeit aus. Von seiner beharrlichen Arbeit an einem einzigen Bild. Er möchte eine Schnur mit Wasserfarben in einem 10- oder 15-Sekunden-Gemälde festhalten. Wochenlang arbeitet er daran. Bild. Wasser drüber. Wegwischen. Bild, Wassser drüber, wegwischen. Es dürfte sich um Hunderte, wenn nicht Tausende von Versuchen handeln. 

Mit schnellem Urteil stellt er fest, ob das eben gemalte Sekundenbild taugt oder nicht. Er unterscheidet streng zwischen dem Verführerisch-Hübschen, was seiner Ansicht nach nicht brauchbar ist und der Form, die existiert, die man immer wieder anschauen kann. Wenn es aber so weit ist, dann grinst er breit über das ganze Gesicht. Und die gemalte Schnur hält der Betrachtung stand, strahlt Verbindlichkeit, Einmaligkeit aus. 

Selbstkritik ist eines der stärksten seiner Werkzeuge. Und Bescheidenheit. Er sei glücklich, wenn eine Zeichnung mal wirklich gut sei, was überaus selten passiere. 

Gegenüber dieser Methode von Wiederholung und Zufall, wie er sie bei der Schnur anwendet, geht es bei Porträts oder Landschaften geplanter und methodischer zu („Landschaften; Irrgärten oder wenn es hoch kommt ein Ornament“). Die Resultate erinnern an die Kubisten. Er sucht den Moment, in welchem das Porträt ihn anschaut und nicht umgekehrt. 

Wohldosiert und erst ab etwa einem Drittel des Filmes streut die Dokumentaristin Biographisches ein: seine Herkunft aus dem Bauernhof, sein Stubenhockerdasein, dass er zuerst Bilder seine Vaters (Bauernmalerei) abgezeichnet hat und nicht die Landschaft selbst, das katholische Internat, das ihm für den Rest des Lebens geistiges Biotop geblieben ist im Sinne der Konzentration auf das Forschen und Suchen. 

Im Laufe des Filmes gibt Schnider jede Menge druckreifer Aphorismen preis, oft direkt in die Kamera oder zur Dokumentaristin über die Kunst und das Künstlersein:

Nicht über das Verführerisch-Hübsche hinaus, es passiert nichts, nichts darüber hinaus, irgendwann langweilt es.

Es geht nur darum, offen zu sein, bereit zu sein, wenn sich eine Form einstellt, ja zu sagen.

Nicht Geschwätz, sondern etwas, das existiert.

Es macht keinen Sinn, eine Landschaft abzumalen, es ist mehr eine Vergewisserung von Freiheit und Möglichkeiten.

Heimat: seinen Boden spüren..

Das Bild mus seinprägsam sein, aber man darf sich an keine Nase erinnern (über Porträts).

Ein Film so vereinnahmend wie derjenige über Gerhard Richter. Wobei eine Schnittmenge des künstlerischen Prozesses festzustellen ist: dieses in Sekundenschnelle beurteilen ob ein Strich, ein Farbauftrag taugt oder nicht. Oder vielleicht auch: ob Kunst geschwätzig sei oder doch mehr.

Weathering with You

A Rainy Day in Tokio.

Der Film von Makoto Shinkai (Your Name) handelt von mehr als nur einem regnerischen Tag in Tokio, das in den Wassermassen unterzugehen droht. 

Für das Coming-of-Age ist das schon mal eine großartige Symbolik, denn die Verwandlung des Menschen ist mindestens, wenn nicht eine kosmologische, so doch eine geochronologische Epoche; Geochronologie ist das Fach, was unser junge Mann, der Oberschüler Hodaka, von der Insel weitab der Hauptstadt Japans, nach dem Schulabschluss studieren möchte. 

Aber dazwischen kommen die Wirrungen und Irrungen der Liebe. Und auch die pflügt durch kosmologische Welten. Das Mädchen Hina, das mit ihrem Bruder Nagi zusammenlebt, kann Einfluss auf das Wetter nehmen, sie ist ein Sonnenscheinmädchen; sie kann das Sonnenlicht befehligen. 

Shinkai erzählt die Geschichte diese Erwachsen-Werdens als spröd-poetische Animation in einem aparten Mix aus kosmologischen Elementen, Träumereien und harter Action, die zur Folge hat, dass Hodaka mit der Polizei in Konflikt und nur auf Bewährung frei kommt – bis er seine Schule auf der Insel fertig hat. 

Wie schon in seinem Vorgängerfilm „Your Name“ spannt Shinkai den Bogen zwischen Kindheit, Adoleszenz und Erwachsensein auch geographisch zwischen Insel und japanischer Hauptstadt. 

Und wie schon in seinem Vorgängerfilm lässt er gerne offen, was ist jetzt Fantasie, was Realität; was bestimmt auch ebenso im Kopf des Protagonisten sich heftige Kämpfe liefert, bis er wieder schweißgebadet aufwacht, wobei offen bleibt, wie weit es sich um Halbwachträume handelt. 

Nicht jeder pubertäre Ausreißer ist auch in Realität einer, es kann auch der Wunsch der Vater des Traumes sein. Ein Hinweis dafür, dass es sich eher um überhitzte Träume eines Erwachsenden handelt ist auch der mehrfache Hinweis auf J. D. Salingers „Der Fänger im Roggen“; auch hier ist der Protagonist ein Junge (16), lebt in der Provinz und träumt von New York. Wobei der kürzliche Film von Woody Allen A rainy Day in New York spätere Thematiken aus dem Leben junger Menschen behandelt. 

Vom Giessen des Zitronenbaumes – it must be heaven

Vergesst uns nicht!

Dieser sympathische Agit(aber nicht:Prop)-Film von Eila Suleiman wirkt wie ein politisches Statement im Sinne eines Aufklebers, den der Regisseur und Autor in Paris oder New York auf den Louvre oder an den Central Park anpeppt, indem er sich vor solche Sehenswürdigkeiten oder in sie hinein vor die Kamera stellt mit seinem Touristen-Strohhut und in gänzlich non-aggressiver Art zu verstehen gibt: es gibt uns noch, die Palästinenser, jene mit den verkürzten Bürgerrechten in Israel und jene ohne eigenen Staat in den Palästinensergebieten. 

Mit dieser Pose und dem traurig-fassungslosen Blick stellt sich Suleiman auch bewusst außerhalb der nicht enden wollenden Spirale aus Hass von Schlag und Gegenschlag der Gewalt in Nahost. Ich bin doch auch nur ein Reisender, der gerne Selfies an berühmten Orten macht. 

Und im Übrigen gibt es überall auf der Welt ähnliche nicht weiter nachvollziehbare Absurditäten, ob mein Nachbar in Palästina die Zitronen von meinem Baum klaut und, wie ich ihn erwische, zu mir auf dem Balkon hinaufruft, er wollte eigentlich fragen und habe geklopft, aber niemand habe geantwortet, oder ob es um die absurde Engelaktion im Central Park von New York geht, bei der die Polizei selber nicht mehr recht weiß, wo ihr die Beine, geschweige denn der Kopf steht. 

Oder der Taxifahrer in New York, der fast ausflippt, einen lebendigen Palästinenser im Fonds zu haben und sofort seine Frau darüber informiert. 

Die Zollkontrolle verblüfft und übertölpelt der Filmemacher mit einem magischen Zaubertrick des Detektorgerätes. Oder die Geschichte, die ein Nachbar erzählt, die vom Adler, der Schlange und dem platten Pneu und wie der Pneu wieder mit Luft gefüllt wurde: solche Mirakel bräuchte es politisch in Nahost. Geschichten, die niemandem weh tun, die aber einen visionären – oder deprimierenden? – Gehalt haben. Nur ja kein Futter für die Mechanik der Gewalt in Nahost. 

Ihr Politiker, bildet’s Euch nichts ein, wir Künstler können absurder. Aber wir behaupten wenigstens nicht, dass wir Politik machen. 

Dass es sich bei dem Film um friedliche Agitation handelt, belegt die Widmung „Für Palästina“; mit der Überhöhung der Realität in – gerne auch parallel – stilisierte Absurdität gibt Suleiman zu verstehen, dass Künstler mehr können als die bescheuerten Realpolitiker mit ihrem bescheuerten Aufrechnungs- und Antifriedensmodus, den sie in Nahost schon seit Jahrzehnten zelebrieren – mit bekannt beschissenem Ergebnis. 

Klavierstunden

„To play a wrong note is insignificant; to play without passion is inexcusable“. Ludwig van Beethoven. 

Kalenderblattdoku. Mit Aussagen von Lehrern, Eltern, Kindern, Pianostudenten. Es gibt schöne Klaviere im Bild, Geklimpere, gut beleuchtete Innenansichten, helle, freundliche Atmosphären, gepflegt, bürgerlich-irische Innenräume, irischen Dialekt, ganz Irland scheint nach diesem Film klavierspielen zu wollen. 

Die Mühen der Tastatur, der Fingersätze, des Rhythmus. Wie Spaß bekommen am Klavierspielen, wenn es an allen Ecken und Enden knarzt und harzt? Oder die Erkenntnis: kein Meister fällt vom Himmel. Es geht um die Geduld und Ausdauer auch der Klavierpädagoginnen und der Klavierpädagogen. Wie die Tasten traktieren? Der Klang der Pedale. 

Sicher, man kann auch versuchen zu singen zum Spielen, also sich beim Singen mit dem Klavier begleiten. 

Der Dokumentarist Ken Wardrop setzt die Klavierschüler auf geschmackvolle Sofas, Sessel oder auch in Gartenmöbel und lässt sie frontal zur Kamera und gut im Bild erzählen. 

Nächste Stufe.

Der Klang des Pedals. Die Hingabe des Pädagogen oder der Pädagogin. Auch vierhändig kann man spielen. Das Spiel wird im Verlauf des Filmes und der Zahl der Lektionen flüssiger und anhörbarer. Zwischendrin darf im Meer geschwommen werden. Oder Gitarre spielen zur Abwechslung. Mit fortschreitender Ausbildung der Schüler erobert die entsprechende Dynamik auch den Film. Dabei entwickelt sich das Gefühl für die Musik. 

Jetzt werden die Räumlichkeiten vornehmer, dazu die gepflegten Warteräume vor den Prüfungen – dagegen gibt es Schicksalsschläge (Gehirntumor). Und Glücksmomente einer Klavierlehrerin. 

Crescendo „makemusicnotwar

Dieser Film von Dror Zahavi nach dem Drehbuch von Stephen Glantz, Volker Kellner, Marcus O. Rosenmüller, Johannes Rotter nach der Idee von Art Bernd und Alice Brauner wirkt wie ein Echo auf den Oslo-Prozess im Hinblick auf Friedensstiftung in Nahost zwischen Israelis und Palästinensern. Zahavi verlagert den Versöhnungsprozess, die Friedenssuche – anders als Daniel Barenboim – das Orchester selbst hinein. Es ist eine Initiative, die von außen kommt. 

Der fiktionale Film ist mehr eine Erfindung. Die Finanzjongleurin Karla de Fried (Bibiana Beglau) will mit dem bekannten Dirigenten Eduard Storck (Peter Simonischek), dessen Eltern seien Naziärzte gewesen, mit einer reichlich konstruierten Geschichte im Rahmen der „Stiftung für effektiven Altruismus“ ein solches Konzert auf neutralem Boden im filmförderfreundlichen Südtirol veranstalten, in Sterzing. 

Schon die Auswahl der Mitglieder für das Orchester scheint an den Verhältnissen in Nahost zu scheitern. Dabei sind die Grenzkontrollen für die Palästinenser noch das Geringste. Es sind die gegenseitigen Vorurteile, die das Zusammenstellen des Orchesters schier verunmöglichen. Da ist der israelische Crack Ron (Daniel Donskoy) mit seinem gemischten Orchester aus Israelis und israelischen Arabern. 

Auf der Gegenseite spielen vor: der hochbegabte Omar (Mehdi Meskar), der, seit er zehn ist, mit seinem Vater auf Hochzeiten in den Palästinensergebieten spielt, und die geltungssüchtige Layla (Sabrina Amali). 

Storck legt allerdings wert darauf, nicht politisch zu sein, sondern lediglich nach der künstlerischen Qualität zu urteilen. Da hinken die Palästinenser den Israelis meilenweit hinterher; das ist friedensprozessideologisch ungüngstig. 

Das Vorspielen in Tel Aviv nimmt ausführlichen Raum ein. 

Es folgt der Schnitt nach Südtirol. Hier entwickelt sich der Film zu seinem eigenen Friedensworkshop. Der besteht aus Partnerübungen, dem Erlernen des Zuhörens, der Wahrnehmung des Partners. 

Es ist ein Ritt über den Bodensee, aber Fortschritte stellen sich ein. Kurz vor dem endgültigen Frieden, das ist wie beim Oslo-Prozess, passiert ein Unglück, ein Missverständnis, das die ganze Bemühung – wie den Oslo-Prozess – in den Bereich der Reminiszenz rückt. Insofern ein realistischer Beitrag zur nicht enden wollenden Hass- und Gewaltspirale in Nahost. Während die idealistische Sponsor-Organisation auf dem Fuße kehrt macht und sich einem erfolgsversprechenderen Projekt in Somalia zuwendet. 

Der Airport Bozen erhält einen werbefreundlichen Auftritt. 

Lindenberg! Mach Dein Ding!

Subventioniertes Reenactment.

Dieser Film von Hermine Huntgeburth nach dem Drehbuch der Subventions-Routine-Autoren Christian Lyra, Alexander M. Rümelin und Sebastian Wehlings zeichnet das Leben von Udo Lindenberg nach zwischen den 50er Jahren und seinem Durchbruch in den 70ern in bewährt TV-asthmatischer Verhackstückelung und mit deutlichem Erklärgestus der Texte unter Verzicht auf nunancierte Arbeit mit den Schauspielern, aber mit viel Hingabe an eine aufwändige Ausstattung. 

Es gibt verschiedene Udo-Darsteller. Den älteren spielt Jan Bülow und er sieht wirklich und glaubwürdig wie ein 70er-Jahre-Hippie aus, wie auch seine Mitspieler und Mitmusiker. 

Das Drehbuch könnte ein Küchendrehbuch sein: man hat eine Biographie des Künstlers vor sich und sucht geeignete Szenen zum Nachillustrieren. Dadurch ergeben sich keine Konflikte, ergibt sich auch nicht die Möglichkeit der Empathie mit der Hauptfigur. Das dürfte mit ein Grund sein für den schnellen Ineinanderschnitt, damit der Zuschauer gar nicht erst zur Besinnung kommt, und auch die ständige Hin- und Herhupferei zwischen den 50er-, 60er- und 70er-Jahren. 

Damit der Hinterletzte es versteht, folgt auf eine Szene als Kind, in der er davon träumt, was er werden will, eine Szene, die ihn auf diesem Weg zeigt. Es ist handwerkliches Hauruckkino zu Lasten tieferer Einblicke in die Künstlerseele, in die Abgründe seiner Beweggründe. 

Udo bekommt als Kind zum Geburtstag vom Papa Drums geschenkt; ab da ist er Drummer.

Es fließt unermesslich viel Alkohol in diesem Film und LSD wechselt auch gerne von einer Zunge zur nächsten. Die Rollen bleiben auf deutschem Subventionsniveau, oft, als seien sie in ein enges Korsett eingespannt. 

Den K.o. erhält der Restfilm mit dem Einspieler am Schluss mit dem echten, inzwischen über 70jährigen Udo Lindenberg mit einem Act vor einem praktisch leeren Keller. Der ist nicht nachahmbar, nicht nachspielbar, nicht reenactbar. Insofern scheint die ganze Mühe wieder einmal vor allem der Geldbeschaffung und Arbeitsbeschaffung von Filmberuflern gedient zu haben, die in ihren Gewerken oft Hervorragendes leisten, scheint es darum gegangen zu sein, mit diesem überflüssigen Biopic Zwangsgebührengelder auf die eigenen Mühlen zu lenken.

ROTE KARTE DES ZWANGSGEBÜHRENZAHLERS!

Kommentar zu den Reviews vom 9. Januar 2020

Nahrhaftes. Nahrhafte Milch aus Island, nahrhafte Ehrenmordgeschichte aus der Türkei, nahrhafte Musik aus den USA, nahrhafte Liebe aus den USA, gleich zwei nahrhafte Rockopa saus den USA, Design und Pflanzenmanipulation aus Österreich, Teenie-Girls aus Deutschland mit magischen Kräften und ein deutscher Thriller versucht sich an einem nahrhaften Vorbild. In der entferntesten Ecke der Welt die Globalisierung finden. Ja, und auch dem Alkohol wird ein Nährgehalt zugeschrieben, aus traurigem Anlass hochaktuell. Der deutsche Thriller versucht sich an einem nahrhaften Vorbild. Weniger nahrhafter Horror aus den USA. Im Fernsehen hatte ein deutscher Allzeitstar mit Schnauzer umjubelte Auftritte und die Bayernbegeisterung kennt keine Grenzen.

Kino

MILCHKRIEG IN DARLSMYNNI

Wir wundern uns, dass es vielen Bauern so schlecht geht, obwohl die Bauernverbände so stark sind. Aus Island kommt ein Schlaglicht darauf. 

BROTHERS

Und über allem schwebt lastend ein Ehrenmord – auch der Mord an der Demokratie?

MILES DAVIS – BIRTH OF THE COOL

Ein Gott der Musik – menschlich anfällig für Eifersucht, Drogensucht, Gewalttat gegen Ehefrau.

QUEEN & SLIM

Der Rassimus ist Anfeuer- und K.o.-Stoff dieser 6 Tage dauernden Liebe.

SWANS – WHERE DOES A BODY END

Der Spirit des Protagonisten bezwingt den Film.

LITTLE JOE

Nicht Entzücken, Glücksgefühle solle diese Pflanze evozieren.

VIER ZAUBERHAFTE SCHWESTERN

Dem Film sieht man sein klares Storyboard an. 

FREIES LAND

Immerhin ist diese DDR gar nicht klischeehaft.

ALKOHOL – DER GLOBALE RAUSCH (Kinotour)

Ein in unserer Gesellschaft gezielt verdrängtes Problem – dank der Alkohollobby. Auch nach dem Tod von 6 jungen Menschen nach Alkoholraserfahrt in Südtirol wird nur über das Strafmaß, nicht aber über das Grundsatzproblem diskutiert.

SMALL PLANETS

Ein deutscher Versuch, mit globalisierungskonditionierten Augen globalisierungskritisch zu sein.

THE GRUDGE

Schaufenstersaubere Horrorbilderstrecke.

TV

BOMBENKRIEG: NÜRNBERGS UNTERGANG

Die deutsche TV-Ikone Hitler darf mal wieder mit dem entsprechenden Gruß umjubelte Paraden abfahren. 

BAYERN – SAGENHAFT

Hätte Bayerns damals nicht fertig gewordener Imagefilm für den G7-Gipfel in Elmau werden können.

Swans – Where does a Body end

Rockopas

sind der Hit. 

Ein Phänomen unserer Tage scheinen die Rockopas zu sein; sie füllen Säle und Arenen mit ihren Fans und deren erwachsenen Kindern, gehen auf Tour, produzieren Alben und alle paar Wochen erscheint ein neuer Film über einen von ihnen. 

Dieses Musiker-Biopic von Marco Porsia, der mit Rodney Ascher, Marco Bresba, David Hyde, Pedro Orrego auch das Buch geschrieben hat, fährt in die Knochen. So intensiv scheint Michael Girahttps://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Gira, ehemals SWANS („eine der lautesten Bands des Planeten“), immer noch gegen die Traumata der Jugend zu kämpfen, auch Trauerbewältigung, scheint zu versuchen, den Augenblick zu erhaschen oder die Ewigkeit zu greifen. Oder: die Musik als Bussritual. Die komplette Unterwerfung des Publikums verlangt. 

Hinzu kommt die philosohische Fundierung für Giras Leben als auch für den Film. Er denkt nach darüber, was der Körper sei, wo er endet, was mit ihm passiert nach dem Tod und ob man nicht das Individuum viel zu wichtig nehme, ja ob er überhaupt existiere. 

Gegen solche Fragen spielt Gira an, schreit er an, spielt er an, versinkt in Ekstase, liefert physisch bannende Performances, geht Metamorphosen durch, verausgabt sich total auf der Bühne. 

Gira sieht das Leben als eine spirituelle Reise. Auf die nimmt er sein Publikum mit, auf diese zwingt er sein Publikum, dagegen ist nicht anzukommen, meint ein Fan. Er wolle einen Sound machen, der einem Gehirn und Gedärm wegblase, hat Gira früh gesagt. Sie seien mit SWAN die wohl lauteste Band der Welt gewesen. 

Es gibt eine Aufnahme, da verstummen seine Musiker, er schreit nur noch, das sieht ungeplant aus, der Schrei wird heller, dann setzt wieder die Musik befreiend ein. Er rudert mit den Armen. Es sei eine Herausforderung, mit ihm zu arbeiten. Das Personal wechselt. Immer neue Inkarnationen. SWAN löst sich auf, damit die Beziehung zu Jarboe, die mitprägend war.https://de.wikipedia.org/wiki/Jarboehttps://de.wikipedia.org/wiki/Jarboe

Der Film ist ein knochenharter Gang durch diese hartnäckige Biographie, Alkoholprobleme, Tour fast ohne Publikum, ein Versuch der Anbiederung ans Publikum misslingt, dann wieder die eigene Musik. 

Es ist ein Gang durch dieses Musikerleben mit Stimmen von anderen Musikern, Managern, Produzenten, Kritikern, Fans und dominierend mit Aufnahmen seiner Musik (erst sehr spät im Film gibt es einen Einblick in neuere Proben zur Albenaufnahme), von Porsia kunstvoll-künstlerisch montiert und besonders für Musikfans, Rockpop-Fans ist es eine spannende Reise durch ein modernes Stück Musikgeschichte wie ein Talking Head meint. 

Giras Spirit macht sich diesen Film untertan.