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Ein politanalytischer Film.

Die Machtmechanismen sind überall dieselben ohne Rücksicht auf die Hautfarbe, bei Schwarzen wie bei Weißen, die Politmechanismen zum Erringen und Erhalt der Macht kennen keine Farbgrenzen.

Steve McQueen, der mit Gillian Flynn auch das Drehbuch nach dem Roman von Lynda La Plante geschrieben hat, exerziert uns diese Lektion am Fallbeispiel der Stadtratswahlen im 18. Bezirk von Chicago so vor, dass jeder Zuschauer als Politstudent mitschreiben kann.

Jamal Manning (Brian Tyree Henry) fordert den jüngsten Sproß der weißen Politikerdynastie (seit sechs Generationen), Jack Mulligan (Colin Farrell), heraus.

Da so eine Politlektion eine ziemlich trockene Angelegenheit ist, versucht McQueen sie aufzupeppen. Er fängt mit mehreren Fäden der Geschichte an, rasch ineinandergeschnitten, sowohl übliche, blutige Actionszenen als auch Dialgoszenen. Er versucht es mit Schockschnitten, von Knutsch-Geräusch eines Kusses schneidet er auf ein Actiongeräusch, das wirkt ab und an etwas bemüht, ja anfängerhaft, was verwundert bei einem Regisseur, der den Kinogeher mit Shame oder zuletzt mit 12 Years a Slave beglückt und für sich eingenommen hat.

Weiter im Sinne der Belebung des Studienstoffes gibt es Tote, Ganoven im Auftrag von Mulligan, die für diesen Gelder beschaffen und transportieren. Der Mulligan-Clan steckt tief im Korruptionssumpf, zuletzt wegen der „Green Line“, wo viele Gelder versickert sind.

Die schauderhafte Schießerei und die Explosionen in einem Lagerhaus, das von der Polizei gestürmt wird, hinterlässt drei Witwen. Sie sind die Titelgeberinnen. Jetzt kommt die schwarze Korruption ins Spiel. Der Anführer der Getöteten, Harry (Liam Neeson), habe dem schwarzen Kandidaten zwei Milllionen Dollar vernichtet. So erpresst Manning dessen Witwe Veronica (Viola Davis). Sie soll das Geld in zwei Wochen beschaffen. Dazu engagiert sie die beiden anderen Witwen. Das ist das Movie, das Laien-Gangster zeigt, die nur einen einzigen Coup landen wollen.

Veronica sucht, überzeugt und engagiert die beiden anderen Witwen, das sind Linda (Michelle Rodriguez) und Alice (Elizabeth Debicki). Alle sind blutige Laien. Aber sie haben Spuren.

Dieser Krimi wird von Steve McQueen nach allen Regeln der Kunst entwickelt und auch vorgeführt. Mir manchmal zu fingerzeigig dick. Wenn Linda auf einer Waffenmesse die illegale Polin spielt und einer fetten Weißen mit Kind vorjammert, wie Frauen in solcher Situation sich wehren müssen und auf volles Verständnis bei der Weißen stößt, und diese sofort für sie drei Knarren kauft.

Das ist das Merkwürdige an diesem Film, dass – vielleicht auch durch die leicht schwerblütige Inszenierungsart von McQueen – das Thesenhafte, das ihm ein wichtiges Anliegen ist – die Szenen oft übertheatral wirken, den Figuren keinerlei Untertext abverlangt wird. Sie sollen ja lediglich eine politische These illustrieren helfen. Vielleicht war das McQueen durchaus bewusst, weshalb er die Tonspur am liebsten zum Treiben benutzt.

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Augen im Hut.

Das charakterisiert den Herrscher der Eiswelt, ein opernhafter Schneemann mit Karottennase: die Augen im Zylinder und eine pinguin-pantomimenhafte Gestik mit seinen schwarzen Scherenschnitthänden, die ihr Echo in seinem Assistenten, einem eloquenten, stilisierten Pinguin finden. Arktos heißt er und möchte alle Drachen vernichten, weil deren Feuer eine für ihn gefährliche Waffe ist.

Dieser Film in der Regie von Sven Unterwaldt Jr. (Schatz, nimm Du sie, Hilfe, ich habe meine Lehrerin geschrumpft) nach dem Drehbuch von mindestens 8 Drehbuchköchen, die zum Verderbnis des Breis, zu einer umstandskrämerischen Erzählung angestellt worden sind. Nach der ursprünglichen Idee von Peter Maffay ist eine Mischung aus Kleinkinderanimationsfilm und der Ambition einer großen Oper oder eines großen Rockmusicals geworden.

Der Film fängt nicht wie ein Märchen an, nicht in der Art von „Es war einmal“, eher librettohaft gibt es eine Exposition in wenigen Sätzen über die beiden Reiche, das Eisland und das Grünland. Dieses wird in den kräftigsten Farben, fast wie ein stilisiertes Opernbühnenbild geschildert. Wie überhaupt sowohl von Inszenierung und Story her das Schablonenenhafte einer Oper auffällt, auch die Zeichnung der Figuren.

Es geht um das Überleben des letzten Drachens „Tabaluga“. Alle anderen wurden von Arktos in Eis eingefroren. Das Ei mit Tabaluga drin wird gerettet und vom Raben Kolk in wenigen Sekunden ausgebrütet und Tabaluga ist auf der Welt. Leidet aber aus nicht näheren eruierbaren Gründen an Minderwertigkeitsgefühlen, er sei kein richtiger Drache (woher weiß er, was ein richtiger Drache ist, da es doch keinen außer ihm mehr gibt), könne kein Feuer speien und nicht fliegen; wie ihm sowieso die Artgenossen, die ein Wesen zum Aufwachsen braucht, abgehen.

Er wird umgeben von einem Maikäferchen, einem Eisbären mit Clownsnase und von Eisprinzessin Lilli. Sie erzählt ihm, sein Feuer könne er im Eisland holen. Das ist eine Falle. Aus ihr wird Tabaluga gerade so entkommen.

Dann entdecken die beiden ungleichen Wesen Lili und Tabluga die Liebe zueinander, auch das mehr ein Symbol für die Liebe schlechthin als konkret nachvollziehbar – ein Song besingt das Glück, die Leinwand färbt sich herzrot, der Akt geht zu Ende.

Im letzten Akt rumort es gewaltig im Eisland. Arktos tobt, dass der Drache entkommen sei. Er verbreitet die Mär, dieser habe Lilli entführt und schickt seine entindividualisierte Eisbärenarmee. Diese hat auch die Funktion eines Operchores. Eine solche übernehmen situationsgebunden auch andere Tiere.

Eine weissagerische Wasserschnecke weist Tabaluga darauf hin, dass er sein Feuer selber finden müsse, dass er damit auch sich selber findet. So ist er motiviert für den entscheidenden Kampf mit Arktos, den er mit seinen Freunden und seiner Liebe gewinnen wird.

Die deutsche Sprachbearbeitung ist kein Hörvergnügen. Es sind Profistimmen, teils arg chargiert. Aber sie bleiben opernhaft steril oder trauen sich nicht, den Opernduktus der Angelegenheit voll auszuspielen. So bleibt es etwas Halbes. Besser wäre gewesen, man hätte sich getraut, begeisterte Laien zu gewinnen, um der leicht angestaubt wirkenden Chose Frische zu verleihen.

Das Drehbuch scheint, bis auf den Grundriss der Reise zur Selbstfindung, eine aus dem riesigen Tabaluga-Arsenal unter Zuhilfenahme des Zusfallsprinzipes zusammengeschustertes Potpourri.

Für eine gewise Alterklasse von Buben gibt es ein paar erfolgssichere Slapstickeinlagen. Am Schluss wird die Freundschaft besungen, um die es offenbar gegangen ist.

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Eine ganz wunderschön gradlinig und klar erzählte Hausangestellte-Märchenprinz-Romanze aus Indien.

Der Märchenprinz ist kein Prinz, sondern der Sohn eines superreichen Immobilienunternehmers in Bombay. Er wohnt in einer dieser exklusiven und sauteuren Wohnhochhäuser mit Portier. Es ist Ashwin (Vivek Gomber), den man für einen ganz gewöhnlichen Mann halten könnte, überhaupt nicht auffallend, wenn man nicht wüsste, dass er so reich wäre.

Das Dienstmädchen ist Ratna (Tillotama Shome). Sie besorgt den Haushalt, serviert ihrem Herrn Tee und Essen, geht einkaufen.

Rohena Gera, die für Buch und Regie steht, zeigt in ihrem Film elektrisierend, welche Intimität durch ein solches Arbeitsverhältnis zwischen zwei Personen entsteht. Ratna hat ein kleines Kämmerlein in der Superwohnung. Sie macht auch das Bett des Herrn.

Im Eingangsbereich berühren sich die Klassenunterschiede schier beim Verlassen oder Betreten der Wohnung. Und doch ist da diese unüberwindliche Distanz.

So wie das Verhältnis geschildert wird, die beiden Darsteller spielen das hervorragend, kann man sich nicht vorstellen, dass zwischen den beiden eine Beziehung entsteht. Allerdings wären beide rein theoretisch frei. Denn Ashwin hat gerade seine bevorstehende Hochzeit platzen lassen.

Ratna hingegen ist Witwe. Das bedeutet in Indien, auf dem Lande, wo sie herkommt, so viel wie tot zu sein. In der Stadt aber kann sie etwas Geld verdienen und für ihr Kind nach Hause schicken. Mehr noch, sie träumt von größerer Freiheit in der Stadt, von Selbständigkeit; als Personal wird sie, außer vom hochanständigen Ashwin, von oben herab behandelt. Ihre Selbständigkeit sieht sie in der Absolvierung einer Schneiderinnenlehre.

Auch dieser Versuch wirft einen Blick auf die Arbeitsverhältnisse. Dass der Meister, der sie ausbilden will und kein Geld verlangt dafür, vor allem eine billige Arbeitskraft zum Putzen und Einkaufen sucht.

Die unmögliche Annäherung zwischen Ashwin und Ratna hält die Spannung des Filmes aufrecht, denn sie ist selbstverständlich einerseits von einem tiefen, gegenseitigen Verständnis geprägt, andererseits durch den kaum zu überwindenden Klassenunterschied im Bereich der reinen Illusion anzusiedeln.

Ganz indische Tradition gibt es Songs dazwischen oder auch einen Blick auf ein ausgelassenes Fest, aber so wohldosiert, wie die Würze in einer erstklassigen Küche. Wobei die Mauer in ihrem Kopf größer ist als in dem des Industriellensohns. Immerhin, den ersten Schritt zur Emanzipation macht Ratna, indem sie neben dem Dienst bei Aswhin eine Schneiderinnenlehre beginnt, für die sie zahlen muss, eine kleine Emanzipationsgeschichte. Sie lernt, dass sie ein Recht auf den eigenen Traum hat.

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Acid in die Augen.

Das Leben greifen wollen und zur Erkenntnis kommen, dass das Sterben außergewöhnlich sei, eine Schlussfolgerung, die einem nur nach dem enthemmtesten Exzess einfallen kann, nach einer Spielfilmlänge Erfahrung, dass das Leben eine kollektive Unmöglichkeit sei.

Das Kollektiv, das Gaspar Noé (Love) in seinem neuen Film meint, ist eine Tanzgruppe.

Er schickt einen kaum wahrnehmbaren Tod im Eis voraus, der vielleicht verschwommensten aller möglichen Existenzwahrnehmungen an deren Rändern. Nach dem Tod folgt der Abspann. Dabei ist der Film noch ganz jung.

Könnte Studentenulklogik sein, genau so wie die Idee, die Titel mitten in den Film reinzuschneiden – spielt bei einer Lebensphilosophie, die sich vor Leben betrinken möchte, die sich Acid in die Augen träufeln möchte, keine Rolle.

Das Kollektiv, der Exzess, der Rausch, die Körper, das fasziniert Noé mit Naturgewalt und so lässt er sie über die Leinwand wie mit dem Hozhammer donnern, dem Zuschauer eine einzige Ekstase einbläuend.

Kino als Ersatz für ein Rauscherlebnis, zuschauen, wie andere sich immer mehr in den Extremzustand versetzen, bis sie nicht mehr können, bis sie nur noch wie Todesbilder ihrer selbst am Boden, in Ecken und in Kammern liegen.

Vorne im Film werden die Mitglieder der Tanzcompagnie vorgestellt und auch befragt. Die Fragen zielen dahin, wie weit sie gehen würden, wie extrem sie ihren Einsatz sehen. Dabei bleiben manche Dinge offen.

Es folgt eine lange, ungeschnittene Sequenz einer umwerfenden Gruppentanzchoreographie. Dabei stellte sich mir gleich die Frage, wenn Noé diese Sequenz so lange macht, wie will er daraus wieder herauskommen?

Ein Mischmittel, sicher auch ein symbolisches für Sinnlichkeit und Rauschhaftigkeit orgiastischen Lebens, dürfte die Sangria sein, zu der immer wieder gerne gegriffen wird.

Das ist ein Kino, das nicht eine Geschichte erzählen will mit einer Moral, ein Kino eher, das nach dem Leben greifen möchte mit der bitteren Erkenntnis, dass es, dass die Ekstase nicht zu greifen ist, dass die Sinnlichkeit nicht festzuhalten, nicht festzunageln ist – oder dass sie stirbt dabei. Deshalb wohl der Todeswunsch. Eine Idee die gerne auch im Zusammenhang mit unsterblicher Liebe konnotiert wird.

Kinostart ist am Nikolaustag – ein klein wenig vergiftet ist diese Schockonikolaus schon.

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Ein Fanartikel,

speziell für Frauen, die Astrid-Lindgren-Bücher verschlungen haben, für die der Name Astrid Lindgren mit tiefen Gefühlen und mit Bewunderung aufgeladen ist. Ihnen bietet dieser Film von Pernille Fischer Christensen, die mit Kim Fuqz Aakeson auch das Drehbuch geschrieben hat, eine Homestory wie in bunten Klatschblättern (in skandinavisch gedeckten Farben) aus einigen Jahren aus dem Leben dieser Erfolgsautorin. Daraus wird den Leserinnen klar, dass hinter dem Erfolg der Geschichten ein schwieriges Schicksal als Mutter gestanden hat.

Es gibt eine minimale Rahmenhandlung. Eher wie ein Schemen ist die 82-jährige Schriftstellerin in ihrem Arbeitszimmer zu sehen, wie sie begeisterte und zugewandte Geburtstagspost von Kindern öffnet und genau studiert. Säckeweise stehen noch Briefe herum.

Die Nachbebilderung fängt mit Astrid als 15jähriger (Alba August), frühreifer Göre an. Sie wächst in streng kirchlichem Milieu auf.

Einen Hinweis auf ihre lebendige Fantasie gibt eine Szene in der Kirche. Der Pfarrer predigt ellenlang über Sodom und Gomorrha. Astrid verdreht derweil die Worte und spricht – auch noch lange nach dem Gottesdienst – von Soda und Guten Morgen (in der deutschen Untertitelung wird für Soda „Limonade“ eingesetzt).

Astrid gilt als aufgeweckt und wird vom lokalen Zeitungsredakteur gefragt, ob sie in der Redaktion mithelfen wolle. Sie ist begeistert. Nicht nur vom Job. Sie fängt eine Affäre mit dem nicht besonders attraktiven, ruhigen, deutlich älteren Mann an.

Insofern ist dieser Film ein Affären-Film, der Gefühlsaufruhr in den Zuschauerinnen auslösen soll, der aber auch gut enden wird. Denn die Affäre ist außerehelich und mit einem Kind der unmündigen, unverheirateten Mutter gesegnet.

Der Bub wird in Dänemark zu einer Pflegemutter gegegeben. Astrid ist inzwischen Sekretärin beim Schwedischen Automobilclub. Dort gibt es bei einem feierlichen Anlass die Bemerkung eines gewissen Jungbürokraten Lindgren, da sei ihr Report doch lustiger, ein weiterer Frühhinweis auf ihre Begabung. Den Herrn wird sie später heiraten. Aber das ist erst nach Ende des Filmes.

Im Film ist sie weiterhin vor allem eine Mutter, die insofern überfordert ist, als sie ihr Kind nicht bei sich haben und es aus Finanzgründen auch nur selten in Dänemark besuchen kann.

Inzwischen sagt der Bub zur Pflegemutter Mama. Er hat dort ein gleichaltriges Brüderchen. Astrid kämpft um ihren Buben. Sie versucht, ihn mit dem Erfinden von Geschichten für sich zu vereinnahmen, dabei schmiegt er sich in ihrem Bett an sie. Dabei dürften sich Biographie und Rührgeschichte kurzzeitig überlappen.

Eine Wohlfühlklangwolke unterstützt die Indikation, dass es sich bei diesem Biopic um eine rührende Verehrungs- und Affärengeschichte handelt.

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Zombie-Enthusiasten.

Britisch. Frisch. Unbekümmert.

Das Coming-of-Age in Zombie- und Weihnachtspapier gepackt als ansprechendes Filmmusical. Coming-of-Age, das ist für Anna (Ella Hunt) der Ausbruch von Zuhause, sie möchte nach Australien. Das bedeutet Trennung von ihrem Vater Tony (Mark Benton). Der ist Pedell an ihrer Schule. Der Direktions-Nachrücker und Repräsentant verstaubten Bildungsbürokratismus‘, eine Karikatur von Figur, ist Savea (Paul Kaye). Der lässt den Klassendünkel am Pedell aus.

Coming-of-Age heißt für Ana auch erste, enttäuschte Liebe, sitzengelassen vom führerhaften Nick (Ben Wiggins) und zarte Liebesbanden zu John (Malcolm Cumming). Coming-of-Age heißt auch schon dem Abschied von der Jugend in die Augen schauen. Wer diese hinter sich hat, landet in der Welt der Zombies, eine Sicht, die nicht ohne Weiteres abgelehnt werden sollte.

Die Zombies spielen die Darsteller unter der Regie von John McPhall und nach dem Drehbuch von Alan McDonald und Ryan McHenry mit dem Enthusiasmus, den das Laienspiel immer schon der Profiroutine voraus hatte.

So kreieren die Macher, auch mit dem übrigen exzellenten, unverbrauchten Cast, just diese Provinzatmosphäre, die die Aussicht auf das Erwachsensein so deprimierend macht. Und dass hier nicht mit einem Hollywood-Ende zu rechnen ist. Denn der Abschied von der Jugend heißt hier, zum Zombie werden.

Das zelebrieren die Filmemacher ausgiebig: die Zombie-Invasion in dem kleinen Ort Little Heaven, die vom Weihnachtsfest an der Schule mit herrlichen Gigs der Schüler ausgeht, diese beherrscht mit vielen originell erfundenen Situationen den letzten Drittel des Filmes, dessen Spannungsakku dadurch etwas überstrapaziert wird.

Dagegen halten die prima performten Songs und die peppigen Choreographien, besonders jene im Schulraum, aber auch das Duett von Anna und John auf dem Friedhof und andere Regieeinfälle, wie der Turnschuh, der Mrs Hinzmann (Janet Lawson) zu Boden gehen lässt oder die Spielplatzschaukel, mittels welcher ein Zombie außer Gefecht gesetzt wird oder die umgedrehte, aufblasbare Gummiwanne als Deckung vor den Zombies.

Die Einfälle haben die Spontaneität von ebensolchen Einfällen, wie Schüler sie auf dem Pausenplatz aushecken. Für Savage sind Zombies ein Zeichen der Zivilisation am Abgrund, für die jungen Leute heißt es, man müssen den Zombies den Kopf zerschmettern, eben das tun sie ausgiebig und effektvoll, gerne auch mit einem gebogenen, weiß-rot gekringelten Stab, den es in klein auch aus Zucker und zum Lutschen gibt.

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Ein deutscher Themenfilm

zum Thema Konsum und wie viel braucht der Mensch.

Drehbuch und Regie stammen von Florian David Fitz. Wäre er doch noch einmal oder zweimal übers Drehbuch gegangen oder hätte es einem kritischen Geist vorgelegt. Wie viel mehr wäre zu gewinnen gewesen, sind doch er (als Paul) und sein Mitprotagonist Matthias Schweighöfer (als Toni) nicht nur begabt, sondern durchaus auch attraktiv auf der Leinwand.

Die beiden Stars geben sich mit billig zufrieden: dem überwiegend angepeilten weiblichen Publikum machen sie schon vom Filmplakat herab Nacktavancen. Und im Film noch mehr. Dabei halten sie – da kommt ihre Kaffeekränzchenmoral zum Tragen – immer ihre Hände vors Gemächt. Das erinnert an Nudistenzeitschriften in der alten Bundesepublik: da waren über die Geschlechtsteile in den Auslagen gerne die Preisetiketts geklebt. Damals nannte man das Schund. Sind solche Maröttchen ein Hinweis auf ein Revival des 50er-Jahre-Käseglocken-Kinos? Jungstars à la recherche du temps de l‘ Oma?

Auch Fitzchens Drehbuchrezept ist bescheiden zu nennen. Hauptsächlich scheint er unter Drehbuchschreiben zu verstehen: Witze aneinanderreihen , die in verschiedene Szenen aufgelöst werden (die eigenen Penisse als notorische Witzmagnete).

Ein dünner Plot wird anskizziert. Paul und Toni betreiben ein Start-up. Sie haben die App „Anna“ entwickelt. Sie schließen eine Wettbewerb (das wird nicht sauber nachvollziehbar eingeführt), wer es 100 Tage aushalte mit nichts am ersten Tag, also: leerer Raum, nichts anzuziehen und nichts zu essen. Jeden Tag darf nur ein Ding, ein Gegenstand dazukommen. 100 Dinge also bis zum hundertsten Tag.

Richtig ausgetüftelt wurde die Idee nicht. Immerhin machen sie dankenswerter Weise bald schon Sprünge, vergessen das Zählen, das fällt ihnen bei Tag 99 wieder ein.

Fitz merkt, dass 100 Tage lang Witze erfinden, nicht tragfähig ist, so mixt er denn, je länger und müder der Film wird, noch einige Melo-Stellen darunter, ein paar Schnipsel vorgeblich ernsthafter Gespräche (über das Glück oder das Loch in der Seele und über das Hase/Igel-Prinzip in der Freundschaft), es muss etwas fürs Gemüt in den Witzchenfilm.

Das macht er so locker, als ob er das aus einer Tube Mayonnaise ohne weitere Gedanken ins Drehbuch drückt. Und schon ist wieder ein Film fertig, den über Deutschland hinaus kaum jemanden interessieren dürfte, weil er am Elementaren des Kinos, dem Drehbuch oder der Geschichte, die erzählt werden soll, notleidend ist.

Die Macher setzen auf falsche Energien: mordsviel Energie investieren sie in hart-zackig-schnelle Schnitte von grellen Situationen und in den Ehrgeiz, Schnellsprechvirtuosität zu entwickeln, sie produzieren selbstbewusst die Energie aus ihrem schauspielerischen Karrierehoch, statt diese und das Temperament in den Charakter und den sich daraus entwickelnden Konflikten zu suchen, die eine schlüssige und weit über den Sprachraum hinaus auf Interesse stoßende Geschichte ergeben könnten.

Für die Witzchenteile wirken die beiden Protagonisten inzwischen deutlich zu alt. Bei der krankhaft kettenrauchenden Hannelore Elsner, die Pauls Mutter spielt (als ob sie diejenige von Rudolph Mooshammer wäre), gibt es pausenlos Anschlussprobleme mit der Länge der Zigarettenkippen, was, wenn die Geschichte gut wäre, nicht weiter ins Gewicht fallen täte.

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Dickens-Destillat.

Dem Reiz des Marionettentheaters ist auch im Kino nicht zu wiederstehen. Das hat die Augsburger Puppenkiste schon vor einem Jahr mit Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel bewiesen. Der Film wurde damals nur an einigen Wochenenden vor Weihnachten im Kino gezeigt.

So auch wieder heuer mit der Weihnachtsgeschichte von Dickens. Die ist ganz rational auf die Moral zusammengedampft. Erst sieht man den alten Scrooge in seinem Geldzählbüro. Er hat nur Geld im Kopf und immer mehr Geld. Von frohem Fest will er nichts hören. Er will die Familie Smith bis auf den letzten Cent betreiben.

In einem kleinen Nebenraum arbeitet sein Assistent Cratchit. Er möchte ein gutes Wort für die Smiths einlegen; aber er stößt auf ein kaltes Herz. Cratchit friert und niest und hustet, denn sein Chef ist zu geizig, um anständig zu heizen; die Scheiben sind mit Eisblumen verziert. Heizen kostet ja nur. Es kommen Spendensammler vorbei. Die werden abgewiesen. Ein Hund ist ebenso unerwünscht. Immerhin bekommt Cratchit einen freien Tag zu Weihnachten.

Dann hat Scrooge einen kathartischen Traum. Der wird in allen Situationen inszeniert. Es ist ein Spaziergang durch London mit dem Weihnachtsgeist. Dieser Weg, der auch über den Friedhof führt, öffnet Scrooge die Augen für seine Herzlosigkeit. So dass am Ende ein fröhliches Fest steigt mit überbordend vielen Geschenken inklusive Rollstuhl für den Sohn von Cratchit.

Vielleicht will sich die Dickens-Atmosphäre nicht so ganz herstellen, weil Judith Garnder, die Bearbeitung und Inszenierung verantwortet, den prioritären Wert auf die inhaltliche Herausarbeitung der Dickens-Message gelegt hat (was ja ein hoher Wert ist) und nicht primär auf die atmosphärischen Imitation einer Britishness, die auf Deutsch eh schwer zu erreichen wäre (das leistet zur Zeit der britische Film Charles Dickens – Der Mann, der Weihnachten erfand). In diesem Sinne dürfte auch die Sprachregie interpretiert werden. Und wenn wir das richtig verstanden haben, können wir uns für nächstes Jahr bereits auf eine Piratengeschichte freuen, denn der zum gütigen Opa verwandelte Scrooge schenkt dem Buben von Cratchit Piraten – mit denen soll er spielen. Da freuen wir uns heute schon drauf.

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Da wird man doch allein vom Schauen dieser DVD mit dem heilausstrahlenden Ayurveda-Doktor halb gesund! Siehe Review von stefe.

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Mario Götze, ein Bundesligafußballer von Weltformat, über den ein Film zu machen sich durchaus lohnt, nicht nur für den Fan – vielleicht auch unter dem Aspekt, wie Deutschland – hier am Beispiel des Fußballes – mit Sondertalenten umgeht.

Siehe Review von stefe.

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