Archiv der Kategorie: Event

Ukrainische Erfahrungen auf dem Kaltenberger Ritterturnier 2026

Staunend ziehen Hanna und Sasha über das brechend volle Gelände des Kaltenberger Ritterturniers. Gleich beginnt der Geländeumzug, die Besucher drängen zu den besten Plätzen entlang der Route. An ein Weiterkommen ist nicht zu denken. Fantasievolle Gestalten auf langen Stelzen scheinen über den Köpfen der Leute vorbeizuschweben, ein Feuerspucker zeigt seine Kunst, Barden spielen Musik, Ritter rasseln mit ihren Kettenhemden, klappern mit ihren Rüstungen und drohen Grimassen schneidend mit ihren Schwertern. Die beiden 23-jährigen Ukrainerinnen aus Zhytomyr genießen das Spektakel – mehr aber noch die Tatsache, dass der echte Krieg heute ganz weit weg ist.

Schon zuhause hatten sie sich mittelalterlich anmutende Kleidung besorgt, Hanna hat sich als Elfe geschminkt. Den ganzen Nachmittag trägt sie spitze Gummiohren, und das bei großer Hitze. „Es fühlt sich an, als würde man an ein Filmset kommen oder in ein anderes Universum eintreten“, beschreibt sie ihren Eindruck. Besonders die große Arena-Show mit ihrer gewaltigen Kulisse und den Spezialeffekten habe sie begeistert. Auch über den Markt sei sie lange geschlendert und habe einige Andenken gekauft – „auch wenn manches schon ziemlich teuer war“, sagt sie schmunzelnd.

Hanna, als Elfe verkleidet

Kaltenberg stand schon vor einigen Jahren auf ihrem Programm. Damals machte allerdings Dauerregen dem Vergnügen einen Strich durch die Rechnung, es war nass und kühl. „Es war trotzdem schön, aber überhaupt nicht vergleichbar“, erinnert sich Sasha.  Sie – von Beruf Ausstatterin in einem Theater – trägt ein Gauklerkostüm und hat einen Heidenspaß an diesem Tag.

Hanna und Sasha in Kaltenberg

Diesmal zeigt sich das Ritterturnier von seiner besten Seite. Ein lauer Sommerabend, angenehme Temperaturen und warmes, buntes Licht verzaubern das Gelände in eine fast märchenhafte Welt. Überall führen Handwerker alte Künste vor, es gibt Essen und Getränke oder Lagerleben: Mitwirkende wohnen hier während der drei Turnierwochen tatsächlich in Zelten oder Hütten. Das Turnier selbst ist eine hochprofessionelle Stuntshow mit Lanzenstechen, Schwertkämpfen und mehr, eingebettet in eine sich jährlich wandelnde dramatische Rahmenhandlung.

In ihrer Heimat gab es vor dem russischen Großangriff durchaus ähnliche Veranstaltungen. Hanna erinnert sich an das Festival „Ancient Kyiv“, bei dem Reitkunst, historische Waffen und mittelalterliche Darstellungen im Mittelpunkt standen. Heute seien solche Veranstaltungen weitgehend ausgesetzt oder durch kleinere Benefiz- und Kulturveranstaltungen ersetzt worden.

Für die beiden Frauen gehört Luftalarm zuhause zum Alltag. Mehrmals täglich heulen auch in Zhytomyr die Sirenen. Zwar bleibt ihre Heimatstadt meist von direkten Angriffen verschont, doch die ständige Unsicherheit begleitet das Leben. Ist es da nicht seltsam, ausgerechnet ein Spektakel zu genießen, bei dem Kämpfe zur Unterhaltung inszeniert werden?

„Nein“, sagt Hanna nach kurzem Nachdenken. „Der Krieg lehrt einen, jeden einzelnen Tag auszukosten und möglichst viele schöne Erinnerungen zu sammeln.“ Dass Menschen hier unbeschwert feiern, störe sie überhaupt nicht. Nur die lauten Explosionen und Knalle während der Show hätten sie ein paar Mal zusammenzucken lassen. „Wenn wir hier sind, möchten wir einfach den Abend genießen. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Heimat vergessen“, ergänzt Sasha.

Trotz aller Begeisterung für Kaltenberg und ihren Urlaub in Bayern freut sich Sasha bereits auf die Rückkehr. „Ich schlafe gern wieder in meinem eigenen Bett“, lacht sie. Während ihres Besuchs schlafen sie und Hanna auf der Gästecouch eines Freundes in Augsburg – bequem ja, aber eben nicht wie zuhause.

Als Hanna und Sasha nachts um halb zwei das Festgelände verlassen, ist klar: Sie werden wiederkommen. Hanna würde dann gern auch ihre Mutter und Freunde aus der Ukraine mitbringen – sobald das Reisen wieder einfacher möglich ist. Nur einen Wunsch hat sie noch: Weil das Ritterturnier jedes Jahr voller werde, wären ein größerer Eingangsbereich oder eine stärkere Begrenzung der Besucherzahl aus ihrer Sicht eine Überlegung wert. Und diesmal wollen die beiden auch auf Sitzplätze sparen.

Beim Kaltenberger Ritterturnier 2026
Beim Kaltenberger Ritterturnier 2026
Lanzenstechen beim Kaltenberger Ritterturnier 2026
Lanzenstechen beim Kaltenberger Ritterturnier 2026

74. Münchner Filmkunstwochen

Vom 22. Juli bis zum 12. August 2026 finden wieder die Münchner Filmkunstwochen statt.

Sie wurden gegründet von Fritz Walter als einer Sommeraktion der Münchner Progammkinos zu einer Zeit, als es noch eine Kinohierarchie gab in der Stadt: in der City waren die Premierenkinos und in den Vorstädten die Zweitabspielstätten, die schauen mussten, was ihnen vom Kuchen übrigblieb.

Heute müssen sich die Kinos wiederum neu definieren und sich abgrenzen von der Allverfügbarkeit von Bildern, besonders durch die Streamingdienste. So betonen die Kinos das, was die Streamingdienste nicht haben: Individualität.

Jedes Kino zeigt in den Filmkunstwochen sein Gesicht, seine Persönlichkeit, denn die Betreiber selber stellen das Programm nach ihrem Gusto, ihrer Leidenschaft und nach ihren Favoriten zusammen. So kommt eine einzigartige Vielfalt und ein ungewönlich persönliches Angebot zustande, eine Vielfalt, die im Gegensatz zur unübersichtlichen Masse von Angeboten im Netz, einzuordnen und differenzierbar bleibt.

Nebst den Filmen gibt es jede Menge von Events und Sonderanlässen.

Aus der opulenten Palette der Filme, die von Spielberg über Almodovar, Christopher Nolan und Winding Refn, Mario Adorf und Sandra Hüller, Western und Musicals, Wort & Vision, Ciné Espanol & Cine Latino, 90er und Neuer Deutscher Film und und seien zwei ganz besondere Münchner Schmankerl herausgepickt und empfohlen, die in einer wundervollen Schwebe zueinander stehen.

Der eine Film, Lebensfreundschaft, porträtiert zwei Münchner Kreative, die nicht nur befreundet sind, sondern das Stadtbild, das Image Münchens der Nachkriegszeit entscheidend mitgeprägt haben und die mit über 90 noch fit sind wie ein Turnschuh, der andere Film, Marios Destino, schaut in der Satellitenstadt Neuperlach vorbei, die einst als sozialer Brennpunkt galt, und entdeckt einen Künstler mit einem ganz anderen Schicksal und Lebensweg als die beiden aus dem Lebensfreundschaft-Film, einen Künstler, der schmerzgetrieben mit Leib und Seele etwas an die Jugend weitergeben, Spuren hinterlassen will, einen, den nicht die Unebenheiten, wie im Olympiapark oder bei Auto- oder Motorradchassis interessieren, sondern die Unebenheiten des Lebens, wie jene, die das Mobile in Bewegung halten.

Lesvia (Queerfilmnacht April 2025)

Lesbischer Urknall

Für manche Frau muss sich der Strand von Eresos auf der griechischen Insel Lesbos in den Sommern ab den 60ern, 70ern wie ein lesbischer Urknall angefühlt haben.

Hier traf sich die internationale lesbische Diaspora, eine Frauengemeinschaft wie sie wohl zu der Zeit ihresgleichen gesucht hat. Ein Strand nur für Frauen, die schönsten dazu, ein Strand nur für die Liebe von Frau zu Frau, frei, abenteuerlich, unterm Himmel, am Meer, nackt wie Gott sie schuf.

Das Archivfootage von Filmemacherin Tzeli Hadjidimitriou ist aufregend, vermittelt diesen Eindruck einer lesebenhistorisch einmaligen Sitution.

Die Frauen, frei von Diskriminierung, Ausgrenzung, Versteckspiel in ihren Wohnorten überall in Europa oder Amerika. Wochen der freien Liebe, des offenen Händchenhaltens, des unbegrenzten Glücks, frei von Intrigen, Tage und Nächte der Lust und zwischendrin wieder ins Wasser.

Als Icherzählerin begleitet die Filmemacherin ihre Chronik dieses Strandes, dieser Community und wie sie sich im Laufe der Jahre gewandelt hat. Die große Zeit mit eigenen Hotels und Discos im Ort, die schon wieder vorbei ist. Die langsame Bewegung, dass Lesben verfallene Häuser aufkaufen und zu ihrem Erst- oder Zweitwohnsitz gemacht haben, die hält an.

Die wechselhafte Geschichte mit den Einheimischen, indirekt auch das Bedauern des Verlustes der Exklusivität der Sommergemeinschaft, bei der auch Kulturelles und Politisches verhandelt wurde.

Andererseits die Zufriedenheit darüber, dass man auf der Insel inzwischen eine Gemeinschaft sei, die sich gegenseitig helfe und unterstütze. Zwischendrin blendet die Filmemacherin Zitate der Inseldichterin Sappho ein, der literarischen Schutzpatronin der Lesben, wenn man so will. Ein den Augen schmeichelnder Film voll unerhaltsamer Anekdoten aus einem Biotop mit einer einmaligen Geschichte.

Mobile Suit Gundam GQuuuuuux: Beginning

Der helle Wahnsinn,

ein Feuerwerk an japanischer Animation, da kannste nur noch begeistert hingucken, was denen alles einfällt, welche Form- und Farbexplosionen.

Allerdings ist das so viel, dass es mir unmöglich ist, es in Gänze zu erfassen. Allein die englischen Untertitel zu lesen, ist ein Kraftakt. Da ärgere ich mich, dass ich kein Japanisch versteh.

Es sind Sternkriegsexplosionen und – situationen. Aber bei aller KI und aller modernen Technik, immer können die Menschen noch in beschränktem Rahmen eingreifen, haben Verantwortung, müssen Vertrauen haben.

Geerdet ist die Geschichte durch Amate Yuzuriha, eine High-School-Studentin. Aber ich will mir hier gar nicht erst anmaßen, zuverlässige inhaltliche Angaben zu machen. Ein Hinweis auf die Filmwebsite solle genügen.

Der Animationsfilm fällt durch außerordentlich vielfältige Gestaltung auf. Gerne laufen sich Animationsfilme auf einem bestimmten Schema von Zeichnungen fest. Hier sind nicht nur die verschiedenen Welten, die verschiedene Zeichenarten, es sind auch zusätzliche Effekte, bei denen sich die Zeichenkünstler in schieren Farbenorgien suhlen.

Und trotzdem bleiben die Bewegungen, die Kämpfe visuell nachvollziehbar, im Gegensatz zu manchen Hollywoodproduktionen, die immer meinen noch eins und noch eins draufsetzen zu müssen. Hier gibt es Innehalten, Diskutieren, Reflektieren, so dass man die Raumkämpfer, die Raumschiffe, die Sternenwelten auch als Zuschauer genießen kann.

Münchner Filmkunstwochen 2023

Festival mit Ausflug

Vom 26. Juli bis 16. August 2023 finden die 71. Münchner Filmkunstwochen statt in den Kinos ABC KINO ARENA CITY KINOS KINO SOLLN MONOPOL NEUES MAXIM NEUES REX NEUES ROTTMANN RIO FILMPALAST STUDIO ISABELLA und THEATINER FILMKUNST.

Zum ersten Mal ist es ein Festival mit einem Ausflug (am 12. August). Ziel ist der Walchensee. Dort liegt nicht nur das Café aus dem Münchner Dokfilm-Hit Walchensee Forever; dort gibt es auch ein Museum mit filmgeschichtlichen Überraschungen, mit Zeichnungen, die Lovis Corinth von Ernst Lubitsch angefertigt hat. Womit klar ist, dass auch Lubitsch mit einigen seiner umwerfenden Komödien an den Filmkunstwochen vertreten sein wird.

Vielfalt

Die 71. Münchner Filmkunstwochen bieten ein überbordendes Programm; sie pflegen die Artenvielfalt, wie man es sich für die Natur nur wünschen könnte. Vielfalt als Grundlage für Gedeihen, als Grundlage für Lebensqualität, für Kinoqualität, ja für Demokratie.

Diese Vielfalt verdankt das Festival seiner Grundstruktur, dass die Inhaber oder Betreiber der Progammkinos ihre eigenen Schwerpunkte setzen, ihre eigenen Highlights anbieten. Und sie sind nun wahrlich Filmfreaks, Filmliebhaber und Idealisten dazu, also nicht die schlechtesten Ratgeber für ein Festival, das für manche dazu dient, Bildungslücken zu schließen, jüngere Filme nachzuholen, das Sommerloch intelligent und unterhaltsam zu füllen, Juwelen aus der Filmgeschichte zu entdecken oder sich an ein Genre zu wagen, wovor man bislang vielleicht zurückgeschreckt ist, zu Beispiel bei Creepy Crypt im City.

Das Programm kann nicht annähernd angemessen referiert werden, deshalb hier der Link dazu.

Und hier Tipps zu Filmen, die stefe gesehen und reviewisiert hat – ein Tipp dabei ist von Julian:

VENUS IM PELZ
Roman Polanski wundert sich, was die Frauen aus ihm gemacht haben.

OFFENES GEHEIMNIS – TODOS LOS SABEN
Der Iraner Asghar Farhadi praktiziert sein gelobtes Regiehandwerk auf spanischem Boden.

LADY BIRD
Hier spielt Greta Gerwig Autobiographisches aus.

AUGENBLICKE – GESICHTER EINER REISE
Agnès Varda klopft auf einer fotogenen Reise durch Frankreich erfolglos bei Godard am Genfer See an.

NOMADLAND
Immer haarscharf am amerikanischen Traum vorbei (Amazone bei Amazon). Glanzrolle für Francis McDorman.

AMERICAN HONEY
Energievolle, amerikanische Jugend zwischen Freiheitsdrang und ökonomischer Abhängigkeit (mit Zeitschriftenverkäufern unterwegs).

ALL THE BEAUTY AND THE BLOODSHED
Das ist der Oberhammer: Milliarden mit tödlichen Medikamenten verdienen und dann den Kunstmäzen spielen. Zwei Frauen sind der üblen Tour auf die Schliche gekommen.

INCEPTION
„Neckische Gedankenspielereien um das Infektiöse und die Wirksamkeit von Ideen … aus dem Fundus der Untiefen des amerikanischen Actionkinos neu verschnürt“ (stefe)

DUNKIRK
Die Schlacht von Dünkirchen als Vorwand für eine grandiose Fotostrecke mit hübschen Jungs.

TENET
Christopher Nolan, die Zeitreise und Opas Paradox

FANTASTIC MR. FOX
Julians Empfehlung dieses Wes Anderson-Filmes

MOONRISE KINGDOM
Wes Anderson bettet eine präpubertäre Liebe ein in einen größeren gesellschaftlich-naturhaften Kosmos.

THE GRAND BUDAPEST HOTEL
Liebevoll ausgeklügelte Miniaturwelt

ISLE OF DOGS
Und nochmal Wes Anderson, diesmal auf Japanisch und animiert: ein Junge, sein Hund und eine hilflos zwischen Verboten und Umweltzerstörung agierende Politik.

JULIETA
Almodovar berührt und fasziniert stärker denn je und ist näher an schmerzhaften menschlichen Beziehungen denn je.

Nix wie hin!

Ab ins Kino!

KINO ALS GESICHT EINER STADT

Vom 27. Juli bis 17. August finden in den Münchner Kinos ABC Kino, Arena, Cincinnati, City Kinos, Filmeck Gräfelfing, Studio Isabella, Neues Maxim, MuLi -Museum Lichtspiele, Neues Rex, Rio Filmpalast, Neues Rottmann, Theatiner Filmkunst die 70. Münchner Filmkunstwochen statt. Diese geben dem Sommer ein unverwechselbares Kinogesicht, indem die Betreiber der einzelnen Kinos nach eigenem Gusto Lieblingsfilme, Klassiker oder Hits in ihren Abspielstätten wieder zeigen, oft sind es Filme, die Leute gerne mal gesehen hätten, aber noch nicht sehen konnten, Evergreens, Erfolgsfilme der jüngeren Zeit, Previews.

Die Kuratierung oder Koordination für das glitzernde, vibrierende Programm, das förmlich nach Beachtung schreit, übernehmen Dunja Bialas und Ludwig Sporrer. Sie haben das Programm anlässlich einer Pressekonferenz im mit neuen Sitzen fesch ausgestatteten Leopold-Kino präsentiert.

Ungewöhnlich ist der Eröffnungsort: im Cincinnati-Kino mit dem Stummfilm A PAGE OF MADNESS – KURUTTA IPPELIJI mit Musikbegleitung durch das Linzer Ensemble.

Hier die Kinos und die Filme, wenn vorhanden mit Link zur Besprechung bei filmjournlisten:

ABC
LIEBER THOMAS / DER SCHLIMMSTE MENSCH DER WELT / EL BUEN PATRON – DER PERFEKTE CHEF / PETER VON KANT / IT CAME FROM OUTER SPACE / BROKER / VERLORENE ILLUSIONEN / DER GROSSE DIKTATOR / ELFRIEDE JELINEK – DIE SPRACHE VON DER LEINE LASSEN / SONNE / LICORICE PIZZA / SCARLET / DER ENGLÄNDER, DER IN EINEN BUS STIEG UND BIS ANS ENDE DER WELT FUHR / MÄRZENGRUND / ALLES IN BESTER ORDNUNG / PARALLELE MÜTTER / MENSCHLICHE DINGE / HALLELUJAH: LEONHARD COHEN, A JOUNREY, A SONG / DER GESANG DER FLUSSKREBE / ALCARRÀS / ALICE SCHWARZER / ENNIO MORRICONE – DER MAESTRO / DER PATE / DIE ZEIT, DIE WIR TEILEN / ANNETTE / LA DOLCE VITA / DIE KÜCHENBRIGADE / FREIBAD

ARENA
DIE FRAU, DIE SINGT – INCENDIES / PRISONERS / DIE ZEIT, DIE WIR TEILEN / ENEMY / PETER VON KANT / SICARIO / ARRIVAL / BLADE RUNNER / DUNE

City
IL DIVO / GESCHLOSSENE GESELLSCHAFT / NACH DER ARBEIT / PORNFLUENCER / WER WIR GEWESEN SEIN WERDEN / MULHOLLAND DRIVE / LA GRANDE BELLEZZA / DAS PIANO / ALCARRÀS / 100 TAGE, GENOSSE SOLDAT / DIE HAND GOTTES / APOCALYPSE NOW / EWIGE JUGEND / JEDERMANN / ANIMA – DIE KLEIDER MEINES VATERS / MONEYBOYS / CHEYENNE – THIS MUST BE THE PLACE /

Cincinnati
A PAGE OF MADNESS

Filmeck Gräfelfing
HARAOLD AND MAUDE / CARMEN / THE OUTSIDERS – REBELLEN OHNE GRUND / MON ONCLE

Isabella
EL BUEN PATRON – DER PERFEKTE CHEF / PLEIN SOLEIL – NUR DIE SONNE WAR ZEUGE / KINDER DES OLMYP / MY HERO / COCOTTE / LE CERCLE ROUGE – VIER IM ROTEN KREIS / LA DOLCE VITA / SING A BIT OF HARMONY / ALCARRÀS / LE SAMOURAI – DER EISKALTE ENGEL / DIE REIFEPRÜFUNG – THE GRADUATE / DETEKTIV CONAN – DIE HALLOWEEN BRAUT / THINKING LIKE A MOUNTAIN / UN AMOUR DE SWANN

Neues Maxim
KILLING THE EUNUCH KHAN / DIE UNBEUGSAMEN / WHERE‘ S THE BEER AND WHEN DO WE GET PAID / WER HAT ANST VOR SIBYLLE BERG / SCHOTTER WIE HEU

MuLi
DOWNTON ABBEY – A NEW ERA / TOD AUF DEM NIL – DEATH ON THE NILE / HOAMWEH LUNG / DESIRED CHILD / ÜBERLEBEN / HOUSE OF GUCCI / RIEFKINS FESTIVAL / DER ENGLÄNDER, DER IN EINEN BUS STIEG UND BIS ANS ENDE DER WELT FUHR / GOOD LUCK TO YOU, LEO GRANDE / DER GESANG DER FLUSSKREBSE

Neues Rex
PASTA IMPERIALE / FUOCO SACRO – SUCHE NACH DEM HEILIGEN FEUER / DER BAUER UND DER BOBO / CONTRA / DIE UNBEUGSAMEN

Rio
DIE FRAU, DIE SINGT – INCENDIES / ALCARRÀS / PRISONERS / ENEMY / SICARIO / DER GESANG DER FLUSSKREBSE / ARRIVAL / BLADE RUNNER 2049 / DUNE

Neues Rottmann
FUSSBALLVERRÜCKT / ALLES IN BESTER ORDNUNG / A-MAN AND THE CITY / DER WALDMACHER / NAMASTE HIMALAYA / WALCHENSEE FOREVER / LIEBE, D-MARK UND TOD / FACING DOWNUNDER / DEAR FUTURE CHILDREN / DER FILMVORFÜHRER / DER SCHNEELEOPARD / ZEITREISE-ABENTEUER ZWISCHEN ANDEN UND AMAZONAS

Theatiner Filmkunst
AMORE / DIE SWEETHEARTS / CHAMPAGNER FÜR DIE AUGEN, GIFT FÜR DEN REST / ZBIGNIEW SEIFERT – AN INTERRUPTED JOURNEY / ROTE WÜSTE – IL DESERTO ROSSO / WILDE ERDBEEREN / MAHLER / LE NOTTI DI CABIRIA – DIE NÄCHTE DER CABIRIA / NACHTZUG – POCIAG / DAS MESSER IM WASSER / LE SIGNE DU LION – IM ZEICHEN DES LÖWEN / BEL AMI / EIN BISSCHEN LIEBE / ZABRISKIE POINT / FREMDE STADT

Everything will Change (Preview am 22. Mai zum internationalen Tag der Artenvielfalt)

Rettung des Planeten als Sci-Fi-Fantasy

in der Art einer gänzlich unverbiesterten, bunt fröhlichen Wissenschaft.

Der Film fängt in einer apokalyptisch-dystopischen Zukunft um etwa 2050 an. Von der Artenvielfalt ist nicht viel übrig geblieben. Die Menschen sind zu halben Robotern mutiert. Aber drei davon, das fabelhafte Trio: Ben (Noah Saavedra), Cherry (Jessamine-Bliss Bell) und Fini (Paul G. Raymond), sind junge Menschen wie vielleicht die Jugend der 70er war: wach, sorglos.

Das Trio stößt auf eine Märchenerzählerin mit einem dicken Buch über das vergessene Königreich. Diese wird als Voice-Over durch den Film und durch die Erdgeschichte bis hin zum Anthropozän führen. Sie wird die drei jungen Menschen zu einem Schloss bringen, in dem es ein Archiv gibt mit Dingen, von denen sie nie gehört haben, denn sie leben in einer Zeit, in der eine Giraffe eine Überwachungssoftware ist. Dass es mal so ein Tier gegeben haben soll, ist neu für sie.

Der Film von Marten Persiel, der mit Aisha Prigann auch das Drehbuch geschrieben hat, verwendet den Trick mit dem Blick in die Zukunft dazu, um seinen Protagonisten die Chance einer Zeitreise zu geben und sie mit einer Mission zu betrauen; denn nur wer weiß, wie Entwicklungen fehl laufen, kann noch rechtzeitig Weichenstellungen vornehmen.

Der Film ist gespickt mit Archivmaterial aus dem unerschöpflichen Pool der Artenvielfalt, mit kurzen, nie verbissenen Statements von kompetenten Forschern und mit den herrlichen Spielszenen des anfangs ahnungslosen Trios, das unserer Heutezeit verkünden wird, dass es womöglich noch nicht zu spät sei, dass der Mensch noch eine Eingriffsmöglichkeit habe, um der Ausradierung von sich selbst durch Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage – es ist die Vielfalt von Mensch, Pflanze und Tier auf dem Planeten – zuvorzukommen.

Grüne Tomaten – Fried Green Tomatoes (Kinoevent am Dienstag, den 5. April 2022)

The Whistle Stop Cafe,

irgendwo bei einer Bahnstation im lauschigen Alabama ist die zentrale filmgeniale Location dieses wunderbaren Kinostückes von 1991, das zum 30-jährigen Kinostart-Jubiläum mit einem einmaligen Come-Back ins Kino verdient gefeiert wird, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Kino, richtig Kino, großes Kino, das kleine menschliche Regungen nicht übersieht, das mit ganz ungestresstem Erzählatem eine Geschichte erzählt, die eine andere, noch unerhörtere Geschichte enthält.

Die Rahmenhandlung des Filmes von Jon Avnet nach dem Drehbuch von Carol Sobieskis und Fannie Flagg nach ihrem Roman „Fried Green Tomatoes at the Whistle Stop Cafe“ dürfte in den 80ern des letzten Jahrhunderts spielen.

Garstig fängt die Rahmenhandlung an. Evelyn (Kathy Bates) und ihr Mann Ed (Gailard Sartain) besuchen eine Tante im Pflegeheim Rose Hill auf dem Lande. Von der Tante gibt es wenig zu sehen, nur Wutausbrüche sind zu hören und Gegenstände fliegen den Besuchern entgegen.

Im Foyer des Heimes wird Evelyn von einer Patientin angesprochen, der gerade die Gallenblase rausgenommen worden sei und für deren Verbleib sie sich lebhaft interessiere und die deshalb davon ausgeht, dass das auch Evelyn interessieren müsse. Sie stellt sich als Ninny (Jessica Tandy) vor und sie wird die geheimnisvolle, auktoriale Erzählerin, die das Kernstück des Filmes begleitet, welches in Alabama in dem erwähnten Café spielt in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Die Rahmenhandlung ist eine Geschichte für sich. Evelyn ist unzufrieden in ihrer Ehe, sie möchte wieder Sex mit ihrem Mann; sie fühlt sich ‚zu jung, um alt zu sein und zu alt, um noch jung zu sein‘. Ein Motiv, was jetzt wieder in Wunderschön von Karolin Herfurth zu sehen ist, sogar die einzureißende Wand kommt vor.

Evelyn besucht Frauenemanzipationskurse, kommt damit aber nicht zurecht, die eigene Möse lieben zu lernen. Diese Rahmengeschichte ist von leisem Charme.

Dazwischen versenkt sich der Film in die Geschichte der beiden Freundinnen Idgie (Mary Stuart Masterson) und Ruth (Mary-Louise Parker). Idgie ist ein widerborstiges Kind. Sie muss den Tod ihres Bruders mit ansehen. Wenn sie in dem gepflegten Haus, in dem Schwarze als Personal arbeiten, sich fein machen soll, kommt sie die Treppe runter, hält ihr weißes Röckchen so hoch, dass ihre verschrammten Knie alle Schönheit zunichte machen: eine interessante, charaktervolle Person, die die Geschichte stemmen wird und vorantreibt zusammen mit Ruth, die anfangs Idgie im Auftrag der Familie zivilisieren soll. Das nimmt jedoch andere Wendungen.

Die Freundschaft ist für Idgie beendet, wie Ruth einen weißen Rassisten aus Georgia heiratet. Nach Jahren aber sucht Idgie die alte Freundin doch auf, die Gewalt in der dortigen Ehe ist unübersehbar. Idgie nimmt Ruth mit. Sie gründen das Whistle Stop Café, um welches herum sich all die sympathischen, liebenswerten Figuren reihen und in welche Idylle der Ku-Klux-Klan als auch der enttäuschte Ehemann von Ruth eindringen, mit Gewalt.

Ein Rätsel bleibt fast bis zum Schluss der Tod des Ex-Mannes von Ruth anlässlich eines Versuches, seinen Sohn zu entführen. Ein Kriminalfall also auch, der die Gerichte beschäftigten wird, auch hier mit unerwarteten und nicht unbedingt absehbaren Wendungen. Denn in den 30ern ist der Rassismus noch tief verwurzelt und völlig klar, dass bei unklaren Toden nur ein Schwarzer der Täter sein kann.

Ein Kriminaler aus Georgia steckt seine Nase immer wieder in den Fall; er hat eine Frisur wie Hitler und einen Augenausdruck wie der gestörte Putin.

Die musikalische Untermalung ist wolkenleicht, gerne in Gospel-Jazz-Nähe; nie aufdringlich, schön hintergründig.

Ein starkes Symbol für die Undurchsichtigkeit der Geschichte ist der angeschwollene Fluss, aus dem gleich zu Beginn des Filmes das Auto des offenbar zu Tode gekommenen Ex-Manns von Ruth gezogen wird. Ach ja, und im Café gibt es die beliebten gegrillten, grünen Tomaten oder auch Hamburger mit ganz besonderen Saucen serviert.

Die Kinder der Utopie (Kino-Aktionsabend am Mittwoch, den 15. Mai 2019)

Eine der ganz großen Qualitäten dieses Filmes von Hubertus Siegert ist ein gewisses dokumentarisches Urvertrauen, das er zu seinen Protagonisten hat. Das ist kein Zufall. Das hat er sich 12 Jahre vor dem Dreh zu diesem Film geschaffen.

Im Film „Klassenleben“ von 2005 hat Siegert, was damals noch ungewöhnlich war, ein halbes Jahr lang in Berlin eine Klasse begleitet, in der praktische Inklusion gelebt wurde, Schüler mit unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten, auch solche mit Behinderungen, lernten gemeinsam. Die Dreharbeiten dürften den Klassenverband zusätzlich verbunden haben.

12 Jahre später ist Siegert in einem Zeitungsartikel auf einen der Protagonisten von damals, Dennis, gestoßen. Dieser hatte, jetzt 24, einen Musicaldarsteller-Nachwuchspreis gewonnen. Das brachte Siegert auf die Idee, nachzuschauen, was aus seinen Darstellern von damals geworden ist.

Nach dem Muster eines Reigens lässt er die Schüler sich je zu zweit wiederbegegnen, ein Reigen, der am Schluss zu einem berührenden Gesamttableau zusammenfindet.

Luca ist Hobby-Fotografin, die Umweltwissenschaften studiert. Sie kocht gemeinsam mit Dennis. Dieser lädt Christian in seine Künstlergarderobe ein. Dieser erzählt von seinem Coming-Out, an dem er rumlaboriert. Christian trifft Marvin, der von der Feuerwehr geträumt und in einer Krise zu Gott gefunden hat, der mit Menschen mit Behinderungen arbeitet. Marvin begegnet Johanna, die als Altenpflegerin arbeitet und dadurch Selbstbewusstsein gewonnen hat (wenn sie denkt, wie lange, es gebraucht hat und durch welch ein Wunder – knisterndes Goldpapier – sie sehen gelernt hat). Johanna trifft auf Natalie, die in einer Schulmensa in der Küche arbeitet (drei Rädchen Salami aufs Pizzabrot sollen genügen, so der Chef). Und dann trifft Luca auf Natalie.

Immer schauen sich die sich Begegnenden Szenen aus dem Film von vor zwölf Jahren an. Die Arbeit des Lebens an den Menschen wird sichtbar. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass für die Nicht-Behinderten durch den selbstverständlichen Umgang mit den Andersbegabten Toleranz etwas Normales geworden ist; gewisse Witze, die in Monokulturnormalo-Gruppen aufkommen – gerade über Minderheiten – sind für sie undenkbar.

Das ist das Paradoxe an so einem Film: gerade die Menschen, die sich mit Andersbegabten beschäftigen, lernen Toleranz; das was die Masse lernen müsste. Insofern bleibt so ein Film eine Randerscheinung. Und das einzig Richtige, was die Verleiher entschieden haben: daraus ein Event zu machen: der Film läuft nur am 15. Mai im Kino, da findet ein bundesweiter Kino-Aktionsabend statt. Details dazu finden sich unter hier.

Für das Event seien schon Tausende von Karten vorbestellt; also nichts wie einen Platz reservieren! Der Film ist nicht nur sehenswert, er ist auch von generellem Interesse zum Beispiel im Hinblick auf Teambuilding.