Archiv der Kategorie: Event

Everything will Change (Preview am 22. Mai zum internationalen Tag der Artenvielfalt)

Rettung des Planeten als Sci-Fi-Fantasy

in der Art einer gänzlich unverbiesterten, bunt fröhlichen Wissenschaft.

Der Film fängt in einer apokalyptisch-dystopischen Zukunft um etwa 2050 an. Von der Artenvielfalt ist nicht viel übrig geblieben. Die Menschen sind zu halben Robotern mutiert. Aber drei davon, das fabelhafte Trio: Ben (Noah Saavedra), Cherry (Jessamine-Bliss Bell) und Fini (Paul G. Raymond), sind junge Menschen wie vielleicht die Jugend der 70er war: wach, sorglos.

Das Trio stößt auf eine Märchenerzählerin mit einem dicken Buch über das vergessene Königreich. Diese wird als Voice-Over durch den Film und durch die Erdgeschichte bis hin zum Anthropozän führen. Sie wird die drei jungen Menschen zu einem Schloss bringen, in dem es ein Archiv gibt mit Dingen, von denen sie nie gehört haben, denn sie leben in einer Zeit, in der eine Giraffe eine Überwachungssoftware ist. Dass es mal so ein Tier gegeben haben soll, ist neu für sie.

Der Film von Marten Persiel, der mit Aisha Prigann auch das Drehbuch geschrieben hat, verwendet den Trick mit dem Blick in die Zukunft dazu, um seinen Protagonisten die Chance einer Zeitreise zu geben und sie mit einer Mission zu betrauen; denn nur wer weiß, wie Entwicklungen fehl laufen, kann noch rechtzeitig Weichenstellungen vornehmen.

Der Film ist gespickt mit Archivmaterial aus dem unerschöpflichen Pool der Artenvielfalt, mit kurzen, nie verbissenen Statements von kompetenten Forschern und mit den herrlichen Spielszenen des anfangs ahnungslosen Trios, das unserer Heutezeit verkünden wird, dass es womöglich noch nicht zu spät sei, dass der Mensch noch eine Eingriffsmöglichkeit habe, um der Ausradierung von sich selbst durch Zerstörung der eigenen Lebensgrundlage – es ist die Vielfalt von Mensch, Pflanze und Tier auf dem Planeten – zuvorzukommen.

Grüne Tomaten – Fried Green Tomatoes (Kinoevent am Dienstag, den 5. April 2022)

The Whistle Stop Cafe,

irgendwo bei einer Bahnstation im lauschigen Alabama ist die zentrale filmgeniale Location dieses wunderbaren Kinostückes von 1991, das zum 30-jährigen Kinostart-Jubiläum mit einem einmaligen Come-Back ins Kino verdient gefeiert wird, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

Kino, richtig Kino, großes Kino, das kleine menschliche Regungen nicht übersieht, das mit ganz ungestresstem Erzählatem eine Geschichte erzählt, die eine andere, noch unerhörtere Geschichte enthält.

Die Rahmenhandlung des Filmes von Jon Avnet nach dem Drehbuch von Carol Sobieskis und Fannie Flagg nach ihrem Roman „Fried Green Tomatoes at the Whistle Stop Cafe“ dürfte in den 80ern des letzten Jahrhunderts spielen.

Garstig fängt die Rahmenhandlung an. Evelyn (Kathy Bates) und ihr Mann Ed (Gailard Sartain) besuchen eine Tante im Pflegeheim Rose Hill auf dem Lande. Von der Tante gibt es wenig zu sehen, nur Wutausbrüche sind zu hören und Gegenstände fliegen den Besuchern entgegen.

Im Foyer des Heimes wird Evelyn von einer Patientin angesprochen, der gerade die Gallenblase rausgenommen worden sei und für deren Verbleib sie sich lebhaft interessiere und die deshalb davon ausgeht, dass das auch Evelyn interessieren müsse. Sie stellt sich als Ninny (Jessica Tandy) vor und sie wird die geheimnisvolle, auktoriale Erzählerin, die das Kernstück des Filmes begleitet, welches in Alabama in dem erwähnten Café spielt in der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen.

Die Rahmenhandlung ist eine Geschichte für sich. Evelyn ist unzufrieden in ihrer Ehe, sie möchte wieder Sex mit ihrem Mann; sie fühlt sich ‚zu jung, um alt zu sein und zu alt, um noch jung zu sein‘. Ein Motiv, was jetzt wieder in Wunderschön von Karolin Herfurth zu sehen ist, sogar die einzureißende Wand kommt vor.

Evelyn besucht Frauenemanzipationskurse, kommt damit aber nicht zurecht, die eigene Möse lieben zu lernen. Diese Rahmengeschichte ist von leisem Charme.

Dazwischen versenkt sich der Film in die Geschichte der beiden Freundinnen Idgie (Mary Stuart Masterson) und Ruth (Mary-Louise Parker). Idgie ist ein widerborstiges Kind. Sie muss den Tod ihres Bruders mit ansehen. Wenn sie in dem gepflegten Haus, in dem Schwarze als Personal arbeiten, sich fein machen soll, kommt sie die Treppe runter, hält ihr weißes Röckchen so hoch, dass ihre verschrammten Knie alle Schönheit zunichte machen: eine interessante, charaktervolle Person, die die Geschichte stemmen wird und vorantreibt zusammen mit Ruth, die anfangs Idgie im Auftrag der Familie zivilisieren soll. Das nimmt jedoch andere Wendungen.

Die Freundschaft ist für Idgie beendet, wie Ruth einen weißen Rassisten aus Georgia heiratet. Nach Jahren aber sucht Idgie die alte Freundin doch auf, die Gewalt in der dortigen Ehe ist unübersehbar. Idgie nimmt Ruth mit. Sie gründen das Whistle Stop Café, um welches herum sich all die sympathischen, liebenswerten Figuren reihen und in welche Idylle der Ku-Klux-Klan als auch der enttäuschte Ehemann von Ruth eindringen, mit Gewalt.

Ein Rätsel bleibt fast bis zum Schluss der Tod des Ex-Mannes von Ruth anlässlich eines Versuches, seinen Sohn zu entführen. Ein Kriminalfall also auch, der die Gerichte beschäftigten wird, auch hier mit unerwarteten und nicht unbedingt absehbaren Wendungen. Denn in den 30ern ist der Rassismus noch tief verwurzelt und völlig klar, dass bei unklaren Toden nur ein Schwarzer der Täter sein kann.

Ein Kriminaler aus Georgia steckt seine Nase immer wieder in den Fall; er hat eine Frisur wie Hitler und einen Augenausdruck wie der gestörte Putin.

Die musikalische Untermalung ist wolkenleicht, gerne in Gospel-Jazz-Nähe; nie aufdringlich, schön hintergründig.

Ein starkes Symbol für die Undurchsichtigkeit der Geschichte ist der angeschwollene Fluss, aus dem gleich zu Beginn des Filmes das Auto des offenbar zu Tode gekommenen Ex-Manns von Ruth gezogen wird. Ach ja, und im Café gibt es die beliebten gegrillten, grünen Tomaten oder auch Hamburger mit ganz besonderen Saucen serviert.

Die Kinder der Utopie (Kino-Aktionsabend am Mittwoch, den 15. Mai 2019)

Eine der ganz großen Qualitäten dieses Filmes von Hubertus Siegert ist ein gewisses dokumentarisches Urvertrauen, das er zu seinen Protagonisten hat. Das ist kein Zufall. Das hat er sich 12 Jahre vor dem Dreh zu diesem Film geschaffen.

Im Film „Klassenleben“ von 2005 hat Siegert, was damals noch ungewöhnlich war, ein halbes Jahr lang in Berlin eine Klasse begleitet, in der praktische Inklusion gelebt wurde, Schüler mit unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten, auch solche mit Behinderungen, lernten gemeinsam. Die Dreharbeiten dürften den Klassenverband zusätzlich verbunden haben.

12 Jahre später ist Siegert in einem Zeitungsartikel auf einen der Protagonisten von damals, Dennis, gestoßen. Dieser hatte, jetzt 24, einen Musicaldarsteller-Nachwuchspreis gewonnen. Das brachte Siegert auf die Idee, nachzuschauen, was aus seinen Darstellern von damals geworden ist.

Nach dem Muster eines Reigens lässt er die Schüler sich je zu zweit wiederbegegnen, ein Reigen, der am Schluss zu einem berührenden Gesamttableau zusammenfindet.

Luca ist Hobby-Fotografin, die Umweltwissenschaften studiert. Sie kocht gemeinsam mit Dennis. Dieser lädt Christian in seine Künstlergarderobe ein. Dieser erzählt von seinem Coming-Out, an dem er rumlaboriert. Christian trifft Marvin, der von der Feuerwehr geträumt und in einer Krise zu Gott gefunden hat, der mit Menschen mit Behinderungen arbeitet. Marvin begegnet Johanna, die als Altenpflegerin arbeitet und dadurch Selbstbewusstsein gewonnen hat (wenn sie denkt, wie lange, es gebraucht hat und durch welch ein Wunder – knisterndes Goldpapier – sie sehen gelernt hat). Johanna trifft auf Natalie, die in einer Schulmensa in der Küche arbeitet (drei Rädchen Salami aufs Pizzabrot sollen genügen, so der Chef). Und dann trifft Luca auf Natalie.

Immer schauen sich die sich Begegnenden Szenen aus dem Film von vor zwölf Jahren an. Die Arbeit des Lebens an den Menschen wird sichtbar. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass für die Nicht-Behinderten durch den selbstverständlichen Umgang mit den Andersbegabten Toleranz etwas Normales geworden ist; gewisse Witze, die in Monokulturnormalo-Gruppen aufkommen – gerade über Minderheiten – sind für sie undenkbar.

Das ist das Paradoxe an so einem Film: gerade die Menschen, die sich mit Andersbegabten beschäftigen, lernen Toleranz; das was die Masse lernen müsste. Insofern bleibt so ein Film eine Randerscheinung. Und das einzig Richtige, was die Verleiher entschieden haben: daraus ein Event zu machen: der Film läuft nur am 15. Mai im Kino, da findet ein bundesweiter Kino-Aktionsabend statt. Details dazu finden sich unter hier.

Für das Event seien schon Tausende von Karten vorbestellt; also nichts wie einen Platz reservieren! Der Film ist nicht nur sehenswert, er ist auch von generellem Interesse zum Beispiel im Hinblick auf Teambuilding.

Jab Harry Met Sejal (Kinoevent)

Ich habe eine Schwäche für Frauen.

Europa als Spielplatz für Verführung und Liebe, das Bollywood-Kontrastprogramm zu Eleanor Coppolas Paris kann warten, einer Amerikanerin erotischer Ausflug mit einem Bekannten von Cannes nach Paris.

In diesem Film von Imtiaz Ali muss Bräutigam Rupen in Indien warten. Auf der vierwöchigen Europatour, die er mit seiner Braut Sejal (Anushka Sharma) gebucht hat, hatte er ihr in Amsterdam bei einem Dinner den Heiratsantrag gemacht.

Sejal ist eine indische Schönheit und stammt aus einem Diamantenhandelshaus. Der Ring war zu groß. Der sollte nach ihrer Rückkehr in Indien angepasst werden.

Aber bald schon hat sie den Ring verloren. So kann sie nicht zurückfliegen. Sie verlässt die Reisegesellschaft und den Bräutigam, will unbedingt den Ring wiederbeschaffen. Sie tritt aus dem Flughafengebäude. Da kommt Harinder ‚Harry‘ Singh Nehra (Shah Rukh Khan) zupaß.

Der war froh, seine Mespoke von Touristen losgeworden zu sein. Auf der Tonspur singt er des Fremdenführers Einsamkeit, dessen Heimatlosigkeit und Leere. Harry ist dabei, das Flughafengelände mit seinem Cabrio zu verlassen. Da gestikuliert sich Sejal auf ihn zu, er müsse ihr helfen, den Ring wiederzufinden.

Er hat die Nase gestrichen voll von den Touristinnen, will sich auf nichts einlassen. Sie aber terrrorisiert seinen Chef so lange telefonisch, bis er aus Angst um seinen Job drauf eingeht, einwilligt, sie wenigstens in das Lokal zu begleiten, wo sie den Ring verloren haben will.

Dort ist der Ring nicht. Harry will einen Kollegen an seiner Stelle hinschicken. Nützt nichts. Er greift zur letzten Notwehr, um die Dame abzuschütteln, er sagt ihr, er müsse ihr etwas ehrlich und offen gestehen, er sei ein schlechter Charakter, er habe eine Schwäche für Frauen, Frauen seien bei ihm nicht sicher.

Die von ihm als naiv eingeschätzte Frau reagiert unerwartet, überreicht ihm einen Haftungsausschluss, von ihr unterzeichnet, sie sei Anwältin, darin stehe, dass, egal was zwischen ihnen passiere, er auf gar keinen Fall belangt würde.

So weit die Exposition, auf die ein abenteuerliches Roadmovie zu Zweit durch sehenswerte europäische Metropolen (Amsterdam, Prag, Budapest, Lisabon, Frankfurt) folgt mit ständigen Auf und Abs dieser Nicht-Beziehung-Beziehung, mit ständiger Umpolung des Anziehungs- und Abstoßmagentismus.

Der Film ist ein Starvehikel für den indischen Megastar Shah Rukh Khan und seine ihm ebenbürtige Partnerin Anushka Sharma. Ein Film, der Lebensfreude und Optimismus verbreitet und souverän auf der Klaviatur der Unentschiedenheit und schwierigen Entscheidungsfindung bei der nie ruhenden Suche nach Liebe spielt.

Reisen, Kidnapping, Verfolgungsjagden, Disco, Hochzeit eines Kollegen und Songnummern, das schweißt ungeahnt zusammen – aber ob das die Dinge klärt? Denn Diebstahl passiert wie Liebe – und das Diebesgut? (Wie eine chinesische Vase, schön, rein, zerbrechlich).

Veranstaltungshinweis: 40 Stunden Non-Stop-Kino

Es gibt nicht nur das Filmfest München, es gibt vielmehr jahraus jahrein ein reges Kinoleben in München. Und da hat sich in aller Stille ein sensationeller Rekord (und Sensation ist ein legitimes Kinoelement!) entwickelt bei den Museum Lichtspielen, die inmitten der ehemaligen Filmfestmeile liegen, laut Pressemitteilung: „seit dem 24. Juni 1977 – seit 40 Jahren – zeigen die Münchner Museum Lichtspiele wöchentlich durchgehend den Kultfilm THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW von Richard O’Brian. Das Kino hält damit den Weltrekord. Zum 40-jährigen Jubiläum planen die beiden Geschäftsführer Mathias Wild und Matthias Stolz ein besonderes Programm: ab Freitag, den 23.6., 23 Uhr bis Sonntag, den 25.6., 17 Uhr wird THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW in 20 Vorstellungen 40 Stunden lang ununterbrochen gespielt. Der Eintrittspreis zu diesen Vorstellungen beträgt nur 5 Euro. Zuschauer, die verkleidet erscheinen, werden mit einem Glas Sekt begrüßt.

Die Museum Lichtspiele, das ist eine bunte Mischung von Mainstream, Arthouse, Kinderfilm, wie ein kleiner Spiegel des Münchner Kinoprogramms der letzten Zeit, voller Mittel- und Langläufer und auch Originalversionen. Aus dem Programm eines Wochenendes im Juni 2017 (16./17., laut Veranstaltungsübersicht Kino der AZ): Vaiana (Kinostart: 22. 12. 16), Bibi & Tina – Tohuwabohu Total! (seit 23. 2. 17), Burg Schreckenstein (seit 20. 10. 16), Ballerina – Gib deinen Traum niemals auf! (seit 20. 1. 17), The Boss Baby (seit 30. 3. 17), Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf (seit 6. 4. 17), Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch (seit 16. 6. 17), Bob der Baumeister: Das Mega-Team – Der Kinofilm (seit 15. 6. 17), Born tu be Blue (seit 8. 6. 17), Hanni und Nanni: mehr als beste Freunde (seit 25. 5. 17), Guardians of the Galaxy Vol. II (27. 4. 17), Wonder Woman (seit 15. 6. 17), All Eyez on Me (15. 6. 17), Baywatch (1. 6. 17), The Dinner (8. 6. 17), Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (25. 5. 17), die Mumie – The Mummy (OV) (8. 6. 17), Mädelstrip – Snatched (OV) (15. 6. 17), The Rocky Horror Picture Show (seit 40 Jahren), Marie Curie (1. 12. 16), Ein Dorf sieht Schwarz (20. 4. 17), Toni Erdmann (14. 7. 16), Mein Blind Date mit dem Leben (26. 1. 17), Der kleine Drache Kokosnuss (18. 12. 14), Feurwehrmann Sam, Achtung Ausseriridische! (5. 1. 17), Überflieger – Kleine Vögel, Großes Geklapper (11. 5. 17), Alien Covenant (18.5. 17).

Start des wandernden Filmfests „überall dabei“ in Berlin

Inklusion statt Integration Behinderter, das ist das erklärte Ziel des wandernden Filmfests „überall dabei“, aber auch das Ziel der es ausrichtenden Aktion Mensch selbst. Inklusion ist völlig gleichberechtigte Integration, also Teilhabe statt „nur“ Aufnahme von Behinderten in die Gesellschaft.

Um dem Thema Gehör zu verschaffen, hat die Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit einigen Kooperationspartnern sorgsam ein Bündel von Filmen zusammengestellt, die das Thema einer breiten Öffentlichkeit nahebringen soll. Leider werden Behinderte auch heute noch beiseite geschoben, übergangen, ja geradezu versteckt. Ein paar Lifte in U-Bahnhöfen oder Rampen in Bussen reichen noch nicht, um Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren. Zumal Behinderungen in mannigfaltiger Breite auftreten, geistig und körperlich sind da nur ganz oberflächliche Unterscheidungskriterien.

Für ein reines Gewissen reicht es ebensowenig, Behinderten eine Behindertenwerkstatt an den Stadtrand zu bauen, ein paar Bufdis anzuwerben und das Thema als erledigt zu betrachten. In den Köpfen der Menschen muss sich der Bezug zu Behinderten ändern.

So auch die Kernaussage der heutigen Auftaktveranstaltung von „überall dabei“ (Schirmherr: Guildo Horn). Ich bin extra nach Berlin gefahren (geladen worden), um über den Startschuss zum Festival berichten zu können. Und ich bin ziemlich beeindruckt, was da auf die Beine gestellt wurde.

Theater RambaZamba, hier "La Paloma"Zum Auftakt gab das Theater RambaZamba, ein inklusives Theaterprojekt, das schon seit 1990 existiert, ein paar Klassiker der Unterhaltungsmusik zum Besten, eingeleitet von einem furiosen Schlagzeugduell zweier Könner. (Es folgten die Songs: Die Wilde Mathilde, Über sieben Brücken musst Du geh’n, Micha mein Micha (Du hast den Farbfilm vergessen), Die fesche Lola, Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, La Paloma, Keine Sorge, mir geht’s gut (aus der Nase rinnt das Blut).) Das Ensemble legte sich mächtig ins Zeug, um das in bequemen Kinosesseln flezende Publikum ordentlich in Fahrt zu bringen. Eine ziemliche Aufgabe, da die Bühne in einem Kino ja weit weniger prominent vor dem Publikum steht als in einem richtigen Theater. Entsprechend groß war die Freude, als der Auftritt voller Inbrunst und Kreativiät mit großem Applaus quittiert wurde. Man hörte die vor Freude kreischende und vergnügt quiekende Truppe selbst nach dem Abgang noch eine ganze Weile durch die Feuerschutztüren.

Im Anschluss kündigte Sascha Decker, der Pressesprecher der Aktion Mensch, noch einige Grußworte an. Neben Schirmherr Guildo Horn traten einige ausgewählte Gäste ans Mikrofon. So wies beispielsweise Hubert Hüppe, den Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, explizit darauf hin, dass es nur rund € 5.000 kostet, die Audiodeskriptionsfassung eines Spielfilms (eine beschreibende Hörfilmfassung) herzustellen. Das sei, so sagte er ganz zu Recht, „eine Summe, die sich jeder Filmverleih leisten kann“.  Schirmherr Guildo Horn und Aktion Mensch-Pressesprecher Sascha DeckerEs folgte ein Zeichentrickfilm über den noch eher wenig bekannten Begriff der Inklusion, dann sprach Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch, über den weiten Weg, den die Inklusion Behinderter schon zurückgelegt, aber zugleich noch vor sich hat. Weitere am Festival und vor allem am Thema Beteiligte treten auf, darunter auch Sebastian Urbanski und Zora Schell. Sie sind zwei der Synchronsprecher für den nun folgenden schwedischen Spielfilm. Beide sind selbst behindert, die anstrengende Aufgabe der Synchronarbeit hat beiden großen Spaß gemacht, berichten sie vergnügt, aber auch ein wenig lampenfiebrig.

Es folgt der Spielfilm Die Kunst, sich die Schuhe zu binden (Kritik folgt) von Lena Koppel. Die Geschichte einer Gruppe Behinderter, die durch einen unerfahrenen und unausgebildeten Betreuer aus der strengen Routine des gesellschaftlich akzeptierten Organisiert-Werdens ausbricht, bewegt das Publikum. Zumal es sich um die wahre Geschichte des Glada Hudik Theaters handelt, das jahrelang schlimmen Vorurteilen begegnete – gespielt übrigens von Mitgliedern des echten Glada Hudik Theaters.

Nach dem Film entspannte sich eine angeregte Publikumsdiskussion, die sich um Themen wie Inklusion behinderter Kinder in reguläre Schulklassen und deren Folgen für alle Beteiligten oder die Forderung nach mehr WGs für behinderte Erwachsene in der Mitte der Gesellschaft (statt am Rand) drehte. Ein engagierter Vater eines Sohnes mit Down-Syndrom wies sogar darauf hin, dass die landläufige Bezeichnung „unter dem Down-Syndrom leiden“ irreführend sei, da die Betroffenen (das ist auch so ein Wort) im Grunde eine Menge Spaß hätten und ihr Leben in vollen Zügen genießen würden. Eine Mutter erzählte die bewegende Geschichte der neuen Freundin ihres älteren Sohnes, die ihren behinderten jüngeren Sohn aus dem Stand akzeptieren konnte und keinerlei Berührungängste zeigte, da sie zur Grundschulzeit in einer Inklusiponsklasse schon sämtliche Erfahrungen gemacht hatte, die man in diesem Bereich nur machen kann.

Die sehr bewegende Veranstaltung euphorisierte die Teilnehmer, da sie ihr Ziel, die Akzeptanz von Behinderten und den Aufruf zu anständiger Inklusion, voll ins Schwarze traf. Bei leckeren Häppchen, Prosecco und Orangensaft kam man sich im Foyer näher, diskutierte oder sinnierte, Behinderte und Nichtbehinderte, völlig ohne Grenzen. Ideal also.

Das Filmfestival „überall dabei“ läuft vom 20. September bis zum 26. September in Berlin, und zieht dann bis 8. Mai 2013 durch 40 Städte Deutschlands (Spielplan). Die Kritiken zu den sechs Festivalfilmen findet Ihr unter der Kategorie Filmfest oder dem Suchbegriff „überall dabei„, sie werden im Laufe des Freitags veröffentlicht.

Ein ausführlicher Bericht des RBB über das Festival auch hier oder hier.

Avatar: Trailer

Hier der (sehr überzeugende) Trailer zu Avatar, den es ab 17. Dezember im Kino gibt. Und 20 Minuten Ausschnitte morgen in diversen Kinos.


Avatar – Aufbruch nach Pandora

Hier die Zeiten und Termine der Filmausschnitte aus der Pressemeldung:

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Mal was Neues: Trailer für Theaterstück

Ich habe eine Pressemeldung bekommen, in der für einen „Science Thriller“ namens The Beast geworben wird. Das Interessante: Der Thriller wird irgendwo in Innsbruck (der Aufführungsort ist geheim!) live vor Publikum aufgeführt werden, nur Teaser und Trailer sind vorab produziert worden und online zu sehen.

Die Handlung dreht sich offenbar um die vor wenigen Jahren in Innsbruck neu erbaute Hungerburgbahn (ein architektonisches wie technisches Schmuckstück, tolle Fotos. Hier noch die alte Bahn.) und ein paar dort angebrachte Graffiti. Die Beschreibung des zweiten Teils der Handlung (mit atomphysikalischen Expermenten an einer Pistenraube, wenn ich das recht verstanden habe) war mir jedoch nicht ganz einleuchtend. Doch dieser Teil wird ja erst noch aufgeführt, daher wurde wohl in der Pressemeldung noch nicht allzuviel verraten.

Abgesehen davon, dass das ganze schon rein marketingtechnisch offenbar schon perfekt orchestriert ist, denke ich, dass Theaterfans durchaus Gefallen finden könnten an dieser modernen, multimedialen Inszenierung. Und Innsbruck ist ja sowieso selbstredend einen Tagesausflug wert, geht auch ruckizucki mit der Bahn von München aus.

Nachtrag: Ich habe erfahren, dass die Veranstaltung nicht öffentlich zugänglich sein wird, sondern ausschließlich für geladene Gäste und Journalisten gedacht ist. Das bedeutet, das Theaterstück ist nicht die Hauptsache, sondern eine Marketingveranstaltung. Ich finde das super-interessant, mich juckt es echt in den Fingern, hinzufahren. Vielleicht kann ich ja doch noch alles verschieben am Freitag.

Hier noch die Pressemeldung, Journalisten bekommen bei Hinterland mehr Infos:

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Oscar-Gedanken

Ich habe mir beim (etwas späten) Angucken (der Aufzeichnung) der Oscarverleihung natürlich so meine Gedanken gemacht:

Red Carpet-Show von Pro7:

  • Haben die bei Pro7 nicht wenigstens zwei Mikros? Eines wird fest am Gätjen montiert, das andere kann er dem jeweiligen Gast vor die Nase halten. Besonders deutlich traten die Nachteile der Ein-Mikro-Technik beim Grüßen der Baader-Meinhof-Delegation an die schlafende Heimat zu Tage, also schon zu Beginn. Das besserte sich dann langsam, doch besser wäre es mit zwei Mikros. Dann hört man wenigstens zuverlässig alles.
  • Heidi Klum sieht aus, als hätte man ihr zwei Fleischpflanzerl unter die Backen implantiert (so auch auf diesem aktuellen Plakat Heidi Klum mit Fleischpflanzerl-Backen, in dem sie einen Schwarm Fische als Rock trägt, ). Ich bin aber auch voreingenommen, weil ich sie nicht besonders mag. Sie sieht süß aus und alles, aber die Augen lächeln nie mit, sie wirkt trotz aller Schönheit kalt und abweisend. Auch ist sie unhöflich, wenn sie das Interview einfach so verlässt, trotz allem Starrummel.
  • Bullys Anwesenheit war eine echte, nette Überraschung. Man sieht ihn allerdings dann nicht mehr, was ich verstehen kann, weil er ja bei den Oscars, zumindest dieses Jahr, wenn überhaupt, nur Zuschuer ist. Oscar-Gedanken weiterlesen