Archiv für die Kategorie: “Event”

Ich habe eine Schwäche für Frauen.

Europa als Spielplatz für Verführung und Liebe, das Bollywood-Kontrastprogramm zu Eleanor Coppolas Paris kann warten, einer Amerikanerin erotischer Ausflug mit einem Bekannten von Cannes nach Paris.

In diesem Film von Imtiaz Ali muss Bräutigam Rupen in Indien warten. Auf der vierwöchigen Europatour, die er mit seiner Braut Sejal (Anushka Sharma) gebucht hat, hatte er ihr in Amsterdam bei einem Dinner den Heiratsantrag gemacht.

Sejal ist eine indische Schönheit und stammt aus einem Diamantenhandelshaus. Der Ring war zu groß. Der sollte nach ihrer Rückkehr in Indien angepasst werden.

Aber bald schon hat sie den Ring verloren. So kann sie nicht zurückfliegen. Sie verlässt die Reisegesellschaft und den Bräutigam, will unbedingt den Ring wiederbeschaffen. Sie tritt aus dem Flughafengebäude. Da kommt Harinder ‚Harry‘ Singh Nehra (Shah Rukh Khan) zupaß.

Der war froh, seine Mespoke von Touristen losgeworden zu sein. Auf der Tonspur singt er des Fremdenführers Einsamkeit, dessen Heimatlosigkeit und Leere. Harry ist dabei, das Flughafengelände mit seinem Cabrio zu verlassen. Da gestikuliert sich Sejal auf ihn zu, er müsse ihr helfen, den Ring wiederzufinden.

Er hat die Nase gestrichen voll von den Touristinnen, will sich auf nichts einlassen. Sie aber terrrorisiert seinen Chef so lange telefonisch, bis er aus Angst um seinen Job drauf eingeht, einwilligt, sie wenigstens in das Lokal zu begleiten, wo sie den Ring verloren haben will.

Dort ist der Ring nicht. Harry will einen Kollegen an seiner Stelle hinschicken. Nützt nichts. Er greift zur letzten Notwehr, um die Dame abzuschütteln, er sagt ihr, er müsse ihr etwas ehrlich und offen gestehen, er sei ein schlechter Charakter, er habe eine Schwäche für Frauen, Frauen seien bei ihm nicht sicher.

Die von ihm als naiv eingeschätzte Frau reagiert unerwartet, überreicht ihm einen Haftungsausschluss, von ihr unterzeichnet, sie sei Anwältin, darin stehe, dass, egal was zwischen ihnen passiere, er auf gar keinen Fall belangt würde.

So weit die Exposition, auf die ein abenteuerliches Roadmovie zu Zweit durch sehenswerte europäische Metropolen (Amsterdam, Prag, Budapest, Lisabon, Frankfurt) folgt mit ständigen Auf und Abs dieser Nicht-Beziehung-Beziehung, mit ständiger Umpolung des Anziehungs- und Abstoßmagentismus.

Der Film ist ein Starvehikel für den indischen Megastar Shah Rukh Khan und seine ihm ebenbürtige Partnerin Anushka Sharma. Ein Film, der Lebensfreude und Optimismus verbreitet und souverän auf der Klaviatur der Unentschiedenheit und schwierigen Entscheidungsfindung bei der nie ruhenden Suche nach Liebe spielt.

Reisen, Kidnapping, Verfolgungsjagden, Disco, Hochzeit eines Kollegen und Songnummern, das schweißt ungeahnt zusammen – aber ob das die Dinge klärt? Denn Diebstahl passiert wie Liebe – und das Diebesgut? (Wie eine chinesische Vase, schön, rein, zerbrechlich).

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Es gibt nicht nur das Filmfest München, es gibt vielmehr jahraus jahrein ein reges Kinoleben in München. Und da hat sich in aller Stille ein sensationeller Rekord (und Sensation ist ein legitimes Kinoelement!) entwickelt bei den Museum Lichtspielen, die inmitten der ehemaligen Filmfestmeile liegen, laut Pressemitteilung: „seit dem 24. Juni 1977 – seit 40 Jahren – zeigen die Münchner Museum Lichtspiele wöchentlich durchgehend den Kultfilm THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW von Richard O’Brian. Das Kino hält damit den Weltrekord. Zum 40-jährigen Jubiläum planen die beiden Geschäftsführer Mathias Wild und Matthias Stolz ein besonderes Programm: ab Freitag, den 23.6., 23 Uhr bis Sonntag, den 25.6., 17 Uhr wird THE ROCKY HORROR PICTURE SHOW in 20 Vorstellungen 40 Stunden lang ununterbrochen gespielt. Der Eintrittspreis zu diesen Vorstellungen beträgt nur 5 Euro. Zuschauer, die verkleidet erscheinen, werden mit einem Glas Sekt begrüßt.

Die Museum Lichtspiele, das ist eine bunte Mischung von Mainstream, Arthouse, Kinderfilm, wie ein kleiner Spiegel des Münchner Kinoprogramms der letzten Zeit, voller Mittel- und Langläufer und auch Originalversionen. Aus dem Programm eines Wochenendes im Juni 2017 (16./17., laut Veranstaltungsübersicht Kino der AZ): Vaiana (Kinostart: 22. 12. 16), Bibi & Tina – Tohuwabohu Total! (seit 23. 2. 17), Burg Schreckenstein (seit 20. 10. 16), Ballerina – Gib deinen Traum niemals auf! (seit 20. 1. 17), The Boss Baby (seit 30. 3. 17), Die Schlümpfe – Das verlorene Dorf (seit 6. 4. 17), Hilfe, unser Lehrer ist ein Frosch (seit 16. 6. 17), Bob der Baumeister: Das Mega-Team – Der Kinofilm (seit 15. 6. 17), Born tu be Blue (seit 8. 6. 17), Hanni und Nanni: mehr als beste Freunde (seit 25. 5. 17), Guardians of the Galaxy Vol. II (27. 4. 17), Wonder Woman (seit 15. 6. 17), All Eyez on Me (15. 6. 17), Baywatch (1. 6. 17), The Dinner (8. 6. 17), Pirates of the Caribbean: Salazars Rache (25. 5. 17), die Mumie – The Mummy (OV) (8. 6. 17), Mädelstrip – Snatched (OV) (15. 6. 17), The Rocky Horror Picture Show (seit 40 Jahren), Marie Curie (1. 12. 16), Ein Dorf sieht Schwarz (20. 4. 17), Toni Erdmann (14. 7. 16), Mein Blind Date mit dem Leben (26. 1. 17), Der kleine Drache Kokosnuss (18. 12. 14), Feurwehrmann Sam, Achtung Ausseriridische! (5. 1. 17), Überflieger – Kleine Vögel, Großes Geklapper (11. 5. 17), Alien Covenant (18.5. 17).

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Inklusion statt Integration Behinderter, das ist das erklärte Ziel des wandernden Filmfests „überall dabei“, aber auch das Ziel der es ausrichtenden Aktion Mensch selbst. Inklusion ist völlig gleichberechtigte Integration, also Teilhabe statt „nur“ Aufnahme von Behinderten in die Gesellschaft.

Um dem Thema Gehör zu verschaffen, hat die Aktion Mensch in Zusammenarbeit mit einigen Kooperationspartnern sorgsam ein Bündel von Filmen zusammengestellt, die das Thema einer breiten Öffentlichkeit nahebringen soll. Leider werden Behinderte auch heute noch beiseite geschoben, übergangen, ja geradezu versteckt. Ein paar Lifte in U-Bahnhöfen oder Rampen in Bussen reichen noch nicht, um Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft zu integrieren. Zumal Behinderungen in mannigfaltiger Breite auftreten, geistig und körperlich sind da nur ganz oberflächliche Unterscheidungskriterien.

Für ein reines Gewissen reicht es ebensowenig, Behinderten eine Behindertenwerkstatt an den Stadtrand zu bauen, ein paar Bufdis anzuwerben und das Thema als erledigt zu betrachten. In den Köpfen der Menschen muss sich der Bezug zu Behinderten ändern.

So auch die Kernaussage der heutigen Auftaktveranstaltung von „überall dabei“ (Schirmherr: Guildo Horn). Ich bin extra nach Berlin gefahren (geladen worden), um über den Startschuss zum Festival berichten zu können. Und ich bin ziemlich beeindruckt, was da auf die Beine gestellt wurde.

Theater RambaZamba, hier "La Paloma"Zum Auftakt gab das Theater RambaZamba, ein inklusives Theaterprojekt, das schon seit 1990 existiert, ein paar Klassiker der Unterhaltungsmusik zum Besten, eingeleitet von einem furiosen Schlagzeugduell zweier Könner. (Es folgten die Songs: Die Wilde Mathilde, Über sieben Brücken musst Du geh’n, Micha mein Micha (Du hast den Farbfilm vergessen), Die fesche Lola, Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt, La Paloma, Keine Sorge, mir geht’s gut (aus der Nase rinnt das Blut).) Das Ensemble legte sich mächtig ins Zeug, um das in bequemen Kinosesseln flezende Publikum ordentlich in Fahrt zu bringen. Eine ziemliche Aufgabe, da die Bühne in einem Kino ja weit weniger prominent vor dem Publikum steht als in einem richtigen Theater. Entsprechend groß war die Freude, als der Auftritt voller Inbrunst und Kreativiät mit großem Applaus quittiert wurde. Man hörte die vor Freude kreischende und vergnügt quiekende Truppe selbst nach dem Abgang noch eine ganze Weile durch die Feuerschutztüren.

Im Anschluss kündigte Sascha Decker, der Pressesprecher der Aktion Mensch, noch einige Grußworte an. Neben Schirmherr Guildo Horn traten einige ausgewählte Gäste ans Mikrofon. So wies beispielsweise Hubert Hüppe, den Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, explizit darauf hin, dass es nur rund € 5.000 kostet, die Audiodeskriptionsfassung eines Spielfilms (eine beschreibende Hörfilmfassung) herzustellen. Das sei, so sagte er ganz zu Recht, „eine Summe, die sich jeder Filmverleih leisten kann“.  Schirmherr Guildo Horn und Aktion Mensch-Pressesprecher Sascha DeckerEs folgte ein Zeichentrickfilm über den noch eher wenig bekannten Begriff der Inklusion, dann sprach Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch, über den weiten Weg, den die Inklusion Behinderter schon zurückgelegt, aber zugleich noch vor sich hat. Weitere am Festival und vor allem am Thema Beteiligte treten auf, darunter auch Sebastian Urbanski und Zora Schell. Sie sind zwei der Synchronsprecher für den nun folgenden schwedischen Spielfilm. Beide sind selbst behindert, die anstrengende Aufgabe der Synchronarbeit hat beiden großen Spaß gemacht, berichten sie vergnügt, aber auch ein wenig lampenfiebrig.

Es folgt der Spielfilm Die Kunst, sich die Schuhe zu binden (Kritik folgt) von Lena Koppel. Die Geschichte einer Gruppe Behinderter, die durch einen unerfahrenen und unausgebildeten Betreuer aus der strengen Routine des gesellschaftlich akzeptierten Organisiert-Werdens ausbricht, bewegt das Publikum. Zumal es sich um die wahre Geschichte des Glada Hudik Theaters handelt, das jahrelang schlimmen Vorurteilen begegnete – gespielt übrigens von Mitgliedern des echten Glada Hudik Theaters.

Nach dem Film entspannte sich eine angeregte Publikumsdiskussion, die sich um Themen wie Inklusion behinderter Kinder in reguläre Schulklassen und deren Folgen für alle Beteiligten oder die Forderung nach mehr WGs für behinderte Erwachsene in der Mitte der Gesellschaft (statt am Rand) drehte. Ein engagierter Vater eines Sohnes mit Down-Syndrom wies sogar darauf hin, dass die landläufige Bezeichnung „unter dem Down-Syndrom leiden“ irreführend sei, da die Betroffenen (das ist auch so ein Wort) im Grunde eine Menge Spaß hätten und ihr Leben in vollen Zügen genießen würden. Eine Mutter erzählte die bewegende Geschichte der neuen Freundin ihres älteren Sohnes, die ihren behinderten jüngeren Sohn aus dem Stand akzeptieren konnte und keinerlei Berührungängste zeigte, da sie zur Grundschulzeit in einer Inklusiponsklasse schon sämtliche Erfahrungen gemacht hatte, die man in diesem Bereich nur machen kann.

Die sehr bewegende Veranstaltung euphorisierte die Teilnehmer, da sie ihr Ziel, die Akzeptanz von Behinderten und den Aufruf zu anständiger Inklusion, voll ins Schwarze traf. Bei leckeren Häppchen, Prosecco und Orangensaft kam man sich im Foyer näher, diskutierte oder sinnierte, Behinderte und Nichtbehinderte, völlig ohne Grenzen. Ideal also.

Das Filmfestival „überall dabei“ läuft vom 20. September bis zum 26. September in Berlin, und zieht dann bis 8. Mai 2013 durch 40 Städte Deutschlands (Spielplan). Die Kritiken zu den sechs Festivalfilmen findet Ihr unter der Kategorie Filmfest oder dem Suchbegriff „überall dabei„, sie werden im Laufe des Freitags veröffentlicht.

Ein ausführlicher Bericht des RBB über das Festival auch hier oder hier.

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Hier der (sehr überzeugende) Trailer zu Avatar, den es ab 17. Dezember im Kino gibt. Und 20 Minuten Ausschnitte morgen in diversen Kinos.


Avatar – Aufbruch nach Pandora

Hier die Zeiten und Termine der Filmausschnitte aus der Pressemeldung:

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Ich habe eine Pressemeldung bekommen, in der für einen „Science Thriller“ namens The Beast geworben wird. Das Interessante: Der Thriller wird irgendwo in Innsbruck (der Aufführungsort ist geheim!) live vor Publikum aufgeführt werden, nur Teaser und Trailer sind vorab produziert worden und online zu sehen.

Die Handlung dreht sich offenbar um die vor wenigen Jahren in Innsbruck neu erbaute Hungerburgbahn (ein architektonisches wie technisches Schmuckstück, tolle Fotos. Hier noch die alte Bahn.) und ein paar dort angebrachte Graffiti. Die Beschreibung des zweiten Teils der Handlung (mit atomphysikalischen Expermenten an einer Pistenraube, wenn ich das recht verstanden habe) war mir jedoch nicht ganz einleuchtend. Doch dieser Teil wird ja erst noch aufgeführt, daher wurde wohl in der Pressemeldung noch nicht allzuviel verraten.

Abgesehen davon, dass das ganze schon rein marketingtechnisch offenbar schon perfekt orchestriert ist, denke ich, dass Theaterfans durchaus Gefallen finden könnten an dieser modernen, multimedialen Inszenierung. Und Innsbruck ist ja sowieso selbstredend einen Tagesausflug wert, geht auch ruckizucki mit der Bahn von München aus.

Nachtrag: Ich habe erfahren, dass die Veranstaltung nicht öffentlich zugänglich sein wird, sondern ausschließlich für geladene Gäste und Journalisten gedacht ist. Das bedeutet, das Theaterstück ist nicht die Hauptsache, sondern eine Marketingveranstaltung. Ich finde das super-interessant, mich juckt es echt in den Fingern, hinzufahren. Vielleicht kann ich ja doch noch alles verschieben am Freitag.

Hier noch die Pressemeldung, Journalisten bekommen bei Hinterland mehr Infos:

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Ich habe mir beim (etwas späten) Angucken (der Aufzeichnung) der Oscarverleihung natürlich so meine Gedanken gemacht:

Red Carpet-Show von Pro7:

  • Haben die bei Pro7 nicht wenigstens zwei Mikros? Eines wird fest am Gätjen montiert, das andere kann er dem jeweiligen Gast vor die Nase halten. Besonders deutlich traten die Nachteile der Ein-Mikro-Technik beim Grüßen der Baader-Meinhof-Delegation an die schlafende Heimat zu Tage, also schon zu Beginn. Das besserte sich dann langsam, doch besser wäre es mit zwei Mikros. Dann hört man wenigstens zuverlässig alles.
  • Heidi Klum sieht aus, als hätte man ihr zwei Fleischpflanzerl unter die Backen implantiert (so auch auf diesem aktuellen Plakat Heidi Klum mit Fleischpflanzerl-Backen, in dem sie einen Schwarm Fische als Rock trägt, ). Ich bin aber auch voreingenommen, weil ich sie nicht besonders mag. Sie sieht süß aus und alles, aber die Augen lächeln nie mit, sie wirkt trotz aller Schönheit kalt und abweisend. Auch ist sie unhöflich, wenn sie das Interview einfach so verlässt, trotz allem Starrummel.
  • Bullys Anwesenheit war eine echte, nette Überraschung. Man sieht ihn allerdings dann nicht mehr, was ich verstehen kann, weil er ja bei den Oscars, zumindest dieses Jahr, wenn überhaupt, nur Zuschuer ist. (mehr …)

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Wer sich als Journalist zu einer Veranstaltung akkreditiert, geht normalerweise eine Art unausgesprochene Abmachung ein: Der Veranstalter läßt den Journalisten ein, dieser wiederum berichtet darüber. Natürlich steht dem Journalisten frei, positiv, neutral oder negativ zu berichten.

Manchmal fallen sogenannte Akkreditierungsgebühren an, also Kosten, die auch der Journalist für sein „Ticket“ zu bezahlen hat. Das ist üblicherweise eher selten der Fall, denn der Veranstalter will ja was vom Journalisten (nämlich Publicity). Da kommt eine Art Eintrittsgebühr nicht so gut.

Manche Veranstaltungen sind so groß geworden (nicht zuletzt dank der Pressearbeit vieler fleißiger Journalistenhände in vielen nächtlichen Stunden), dass sie nun von alleine laufen und nur noch „erhaltende“ Publicity brauchen.

Nun hat die Berlinale mal eben unter anderem die Akkreditierungsgebühren für Journalisten von 40 auf 60 Euro angehoben. Das ist ein Plus von 50%, was zum Beispiel bei einem Mietvertrag schonmal gar nicht möglich wäre.

Nicht, dass 60 statt 40 Euro nicht auch noch irgendwie zu berappen wären, es geht hierbei um etwas völlig anderes: Die Journalisten kommen zum Festival, um dort zu arbeiten. Wer bitte ist sonst noch blöd genug, Eintritt für den eigenen Arbeitsplatz zu bezahlen? Gerade im Filmjournalismus wird die Arbeit des Journalisten gerne mit Spaß verwechselt, den ein Kinobesuch ja auch privat machen kann. Es ist fast so, als wäre Arbeit über den Spaß definiert: Je mehr Spaß man an etwas hat, desto weniger ist es als Arbeit anzusehen.

Die bisherigen Akkreditierungskosten waren ja noch irgendwo verständlich: Auch der Journalist vor Ort verursacht Kosten, das Pressezentrum bezahlt sich nicht von selbst, und die technische Ausstattung für Datenkommunikation installiert sich auch nicht von selber. Auch wenn das im Grunde nicht wirklich die Sorge des Journalisten ist, nimmt dieser zähneknirschend die Akkreditierungsgebühr in Kauf, zumindest die von 40 Euro.

Bei „mehr als 4000 Medienvertretern“ aus aller Welt nimmt das Festival also bei einer Akkreditierungsgebühr von 40 Euro bereits rund 160.000 Euro ein, und bei 60 Euro werden es im kommenden Jahr 240.000 Euro sein. Für knapp eine Viertelmillion Euro kann man eine Menge Hostessen für die 10 Tage des Festivals buchen und ein paar WLAN-Router sind sicher auch noch drin.

Nun hat sich der VdFk zu Recht über das Thema aufgeregt und diesen offenen Brief verfasst:

VdFk fordert Rücknahme der hohen Presse-Akkreditierungsgebühr

Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) fordert die Berlinale auf, die massiven Erhöhungen ihrer Akkreditierungsgebühren zurückzunehmen. Journalisten sollen in künftig 50 Prozent mehr bezahlen (60 statt 40 Euro). Diese Anhebung ist weder in ihrem Ausmaß, noch in ihrer Substanz nachzuvollziehen.

Die Berlinale erklärt die Erhöhung mit gestiegenen Kosten für Sonderleistungen für ihre Besucher, u.a. die Einrichtung des Schreibraums, Server-Kapazitäten fürs Herunterladen, Vorhalten einer WLAN-Verbindung. Der VdFk bezweifelt, dass dies eine Erhöhung rechtfertigt. Eine wachsende Anzahl von Journalisten nimmt diese Dienste gar nicht mehr in Anspruch, da sie mit ihrer eigenen Ausrüstung nach Berlin kommen; die WLAN-Verbindung war zudem immer separat kostenpflichtig. Das gleiche gilt für zentrale Arbeitsmaterialien wie den Katalog, der bei anderen Festivals, die Gebühren erheben, gratis erhältlich ist.

Es drängt sich somit der Verdacht auf,  dass das Festival auf Kosten der Berichterstatter sein Budget entlasten will, das durch immer neue Seitenveranstaltungen aufgebläht wird. Vor allem freie Kollegen werden in diesen Tagen durch die Sparmaßnahmen der Medien mit drastisch sinkenden Einnahmen bei kontinuierlich ansteigenden Lebenshaltungskosten konfrontiert. Als Konsequenz werden immer mehr Kritiker Berlin fernbleiben. Das kann nicht die Absicht der Filmfestspiele sein.

Der Vorstand

Eine Anmerkung noch: Ich bin wahrlich nicht so ein Schmarotzer, der sich mit Hilfe des Presseausweises wichtig macht und überall kostenlos Einlass finden und sich am Buffet durchfressen wil. Solche Leute gibt es, am ehesten dort, wo es einfach ist, an einen Presseausweis zu kommen. Aber die sind keine Journalisten, sondern Opportunisten, zumindest, wenn sie nicht berichten.

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Ich habe es natürlich nicht angeschaut, stattdessen lese ich mich zu später Stunde durch die Nachbeben des Pro7-UFO- und Alien-Livequatsch vom Wochenende (Niggemeier, Spiegel, DWDL). Es muß ein furchtbares Debakel gewesen sein, so abgrundtief hirnverbrannt doof, dass nichtmal die TV-Junkies einschalteten.

Hier ein paar Anmerkungen und Kleinigkeiten, die mir nach wenigen Sekunden des über Niggemeier verlinkten Ausschnitts aufgefallen sind, bzw. schon immer bekannt waren. Volksschulbildung reicht hier übrigens völlig aus:

  • An UFOs kann man nicht glauben oder nicht glauben. UFOs sind „unidentifizierte Flug-Objekte“. Das kann vom Herbstlaub über eine seltsam geformte Wolke bis zu einer Kaffeetasse alles sein – natürlich auch ein extraterrestrisches Raumschiff. Die Verfehlung der Identifikation eines jeden Objekts im irdischen Hoheitsgebiet kann jedoch nur auf menschlicher Seite liegen, sei dies durch eine schmutzige Brille, Kurzsichtigkeit oder schlichte Unkenntnis dessen, was man sieht, bedingt. Diese Frage ist keine Glaubensfrage. Die Ausgangsfrage ist also schonmal falsch gestellt.
  • Ein Radioteleskop kann nicht funken. Es kann nur empfangen. Gesendet wird üblicherweise mit Funkmasten – auch wenn die nicht so schön fotogen sind wie die großen, schwenkbaren Parabolantennen. (Man kann natürlich sehr wohl mit einem Parabolspiegel senden, dann muss man aber schon ziemlich genau wissen, wo man hinzielt. Da empfiehlt es sich auch nicht, den Spiegel so weit zu kippen, dass er praktisch parallel zur Erdoberfläche abstrahlt und dabei viel mehr atmosphärischen Widerstand überwinden muss als das Funken direkt nach oben – aber das ist sowieso alles so dermaßen vermurkst und unlogisch, dass ich hier gar nicht weitervermuten will.)
  • Kein Funkmast der Welt trötet wie eine Luftsirene, während er funkt. Das nervt nur die Anwohner. Man stelle sich vor, jedes Handy würde im Betrieb auch dauernd so tröten – nicht auszudenken! (Ist aber ein interessantes „Achtung!“-Konzept, das man auch in philharmonischen Konzerten anwenden könnte – damit das Publikum weiß, wann es hinhören muß.)
  • Die Menschheit hat schon immer ins All gefunkt, nicht erst jetzt dank Pro7. Funkwellen haben die Angewohnheit, sich kugelförmig auszubreiten, daher ist es auch vollkommen logisch, dass die Außerirdischen im gar nicht so fantastisch-fiktiven Contact als erstes Bilder aus dem Dritten Reich zurückfunken. Denn das war nunmal so ziemlich das erste, was wir Menschen hier in nennenswerter Signalstärke herumgefunkt haben. Richtfunk ist zwar möglich, aber dann muss eben gezielt werden, und das Signal schwächt sich trotzdem ab.
  • Völlig egal, ob jetzt zielgerichtet „zu den Aliens“ gefunkt wurde oder einfach nur so ins Blaue hinein – die Funkwellen bewegen sich ohnehin nur mit Lichtgeschwindigkeit fort. Wir sollten also allerfrühestens in 8½ Jahren eine Antwort erhalten.

Und zur großen UFO-Frage: Damit ist natürlich gemeint, ob man glaubt, dass außerirdisches Leben existiert oder nicht. Ich persönlich bin davon überzeugt, denn wie es ebenfalls in Contact hervorragend begründet wird:

Young Ellie: Dad, do you think there’s people on other planets?
Ted Arroway: I don’t know, Sparks. But I guess I’d say if it is just us… seems like an awful waste of space.

Diese Aussage mag zwar kitschig klingen, ganz unrecht hat der Papa aber nicht: Von der Drake-Gleichung haben bestimmt schon die meisten gehört, wenn vielleicht auch nicht namentlich. Nach dieser gibt es 37964,97 außerirdische Zivilisationen – allein in unserer Galaxis. Und ich bin sicher, dass keine von denen Pro7 guckt. Oder nach so einer Show bei uns anrufen würde. Die schicken höchstens eine fette Bombe, um uns gnädigerweise von dem Hirn-Kolbenfresser, unter dem die Menschheit offenbar zu leiden scheint, zu erlösen.

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Manch Kollege lebt zur Zeit ein Doppelleben: Meistens ergibt es sich, dass wir nach der letzten PV des Tages in Gruppen vom Kino zum Hauptbahnhof flanieren. Während ich mich geistig auf die Heimfahrt, die zu dieser Uhrzeit beste Busverbindung und die dringende Frage des Abendessens konzentriere, verabschiedet sich manch Kollege jedoch ins Kino. Denn das Asia Filmfest ist „on“ hier in München.

Leider blogge ich sehr spät darüber (um nicht zu sagen viel zu spät), denn das Filmfest läuft nur noch bis Mittwoch Sonntag. Dass die Zeit verfliegt, scheint immer dann zu passieren, wenn man besonders viel um die Ohren hat. Neben einigen Deadlines im Filmjournalismus habe ich gerade noch ein paar andere Dinge zu erledigen. Außerdem habe ich sieben Liter Marmelade aus den Früchten unseres Gartens eingekocht, obwohl wir nicht eine Kirsche geernetet haben dieses Jahr.

Nun ärgert es mich ziemlich, dass ich das Asia Filmfest praktisch verpaßt habe, denn es laufen eine Menge interessanter Filme. CJ7, der Asien-E.T., hätte mich zum Beispiel interessiert – aber vielleicht gehe ich ja noch am Dienstag. Ich muß einfach mehr ins Kino gehen.

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Der Verband der deutschen Filmkritik (VdFk) lädt zu einer Tagung über Online-Filmkritik nach Berlin. Am 20. November, tagsüber, im Filmhaus, Potsdamer Straße 2.

Ich finde es sehr wichtig, sich über die Bedeutung des jungen Mediums Internet im Zusammenhang mit der Filmkritik auszutauschen. Noch ist Online wegen der schnellen, aber umfassenden Berichterstattung vielen Verleihern ein Dorn im Auge und wird nicht ernst genug genommen. Doch bin nicht nur ich sicher, dass Print-Magazine ihre besten Zeiten hinter sich haben, und dass es die Zeitungen auch schwer haben werden. Auch TV ist nicht mehr das, was es mal war, denn wer setzt sich denn heute noch zu einer vom Sender bestimmten Zeit vor die Glotze, wenn alles On Demand nach Hause, auf den Computer oder das iPhone kommt, wann ich es will?

Leider verdiene ich mit Online-Filmkritik zu wenig Geld, um nach Berlin fahren zu können… Aber vielleicht könnte man ja, in den Zeiten des Web 2.0, die Veranstaltung streamen und per Chat, Skype oder sonstwie Diskussionsbeiträge aus den Weiten des Netzes zulassen? Wäre ja ganz im Sinne von „Online“, finde ich. Dann wäre ich sicher auch dabei.

Ach ja: Jeder ist geladen: Man muss weder Filmkritiker sein, noch VdFk-Mitglied. Und die Veranstaltung ist kostenlos.

Hier die offizielle Meldung:

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