Ein Beitrag zum brennend-aktuellen Thema der Flüchtlinge, der Willkommenskultur, des „Wir schaffen das“ und der Integration der Neuankömmlinge. Clowns sorgen in den gedrängt vollen Sammelpunkten für Flüchtlinge und in Asylheimen für eine Auflockerung der Atmosphäre. Der Dokumentarist Walter Steffen hat sie auf einer Tour durch Deutschland begleitet. Siehe Review.
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Lucia, Engel des Todes? (DVD)
Spannend und sorgfältig geschrieben und inszenierter Justizirrtumsfilm aus Holland nach einer wahren Geschichte um eine Serienmörderin und wie gierig und wie leicht wir bereit sind, so einen Fall zu glauben und als Newsmaterial zu verwursten und zu konsumieren.
Kaum etwas vermag unsere Fantasie mehr anzukurbeln als die Vorstellung von Serienmördern, erst recht, wenn es sich um Pfleger oder Krankenschwestern handelt, die ihnen anvertraute Patienten, Säuglinge, Greise vom Leiden erlösen und hinterhältig mit Medikamenten ins Jenseits befördern.
Es scheint einen regelrechten Hunger nach solchen Geschichten in der Öffentlichkeit zu geben. Zuletzt als Spielfilm Die Vorsehung, wo zur Erhöhung der Spannung hellseherische Fähgkeiten eine Rolle spielen.
In Holland war es die Krankenschwester Lucia de Berk. Ariane Schluter spielt sie als eine verschlossene Person, die sich nicht mit ihren Kolleginnen auf der Säuglingsstation gemein macht, die von einem Leben geprägt ist, was nicht so direkt und einwandfrei abgelaufen ist, sie soll sogar auf den Jugendstrich gegangen sein – außerdem liest sie Bücher wie „In der Haut des Serienmörders“ oder „Der Fluch“, schlimmer noch, sie hätte einmal ihre eigene Todesanzeige aufgegeben, um ihr Mutter zu erschrecken; es fehlt ihr jedes Element der Anbiederung an andere Menschen. Sie gibt sich voll der Pflege der Säuglinge hin. Niemand weiß Näheres über sie.
Und klar, auf Intensivstationen sterben immer wieder Patienten. Wenn allerdings der Verdacht aufkommt, es könnte jemand nachgeholfen haben, dann ist der, das zeigt dieser Film von Paula van der Oest nach dem Drehbuch von Moniek Kramer und Tijs van Marle grausam, kaum mehr aus der Welt zu schaffen, zu sehr bietet sich Lucia als Projektionsfläche an, zu wenig wehrt sie sich, zu fassungslos ist sie über solchen Verdacht und wer ihn einmal erfunden hat, der wird alles daran setzen, ihn auch wahr werden zu lassen, schließlich gibt es in der Justiz den Indizienbeweis.
Vermutlich ist diese Geschichte verfilmt worden, weil sie letztlich ein halbwegs gutes Ende nimmt, weil es Menschen gibt, die den Indizien allein nicht trauen, denen Unstimmigkeiten auffallen und die sich auch mal eines Kniffes bedienen, um an ein Beweisstück zu gelangen.
Wobei sich die Medien, nachdem sie zuerst den Skandal um die Serienmörderin groß gebracht haben inklusive gnadenloser Vorverurteilung mit den entsprechenden Folgen für die Betroffenen, sich im Handkehrum auf den Justiskandal stürzen und diesen zur Schlagzeile ummünzen.
Auch beim Publikum kann die Welle der Ablehung in eine förmliche Explosion der Solidarität umschlagen (ein Phänomen was demnächst auch im Film „Der Kuaför aus der Keupstraße“ zu beobachten sein wird, auch der nach einem wahren Fall), auch das zeigt der Film sehr schön.
Es gibt auf der DVD noch Bonusmaterial von den Dreharbeiten und Statements von Regie und Darstellern. Die deutsche Nachsynchronisation ist sachdienlich, die Musik ist aufgeweckt vorwärts drängend. Nichts kann irritierender sein als der Schein des Eindeutigen.
Das Deckelbad (DVD)
Kuno Bont, der Autor und Regisseur dieses Filmes, erzählt Einiges in 90 Minuten, ein ganzes Leben, eine geballte Ladung Alpendrama in drei Akten und hat dabei brisante Themen unserer Zeit im Hinterkopf.
Die Alpen sind hier nicht freundlich, sehen nicht nach Yogurth-Werbung aus wie im neuesten, oberflächlichen Heidi-Film. Die Alpen sind hier abweisend, steil, stotzig, bedrohlich, undurchdringliche Wände. Menschen, die hier leben, müssen Konzessionen machen, sich anpassen, müssen kleinste Räume und Zeitfenster für die Lustigkeit, die Gemeinheit, das Leben und den galligen Humor nutzen.
Bont hat sein Drehbuch nach einer wahren Geschichte, nach der Biographie von Katharina Walser geschrieben, die in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts als Migrantin von Österreich, Armutsmigrantin, Fremdarbeiterin, in die Schweizer Berge gegangen ist, um Geld zu verdienen als Serviertochter und auch Putzfrau im Dorfrestaurant „Schäfli“.
Die Kinder musste Katharina zuhause lassen. Ihr Geld legt sie in einer kleinen Holzkiste zur Seite. Als Frau allein in dieser Position in einem Dorf, in der Wirtschaft dazu. Sie will ein Liebesleben. Verlieben tut sie sich in den attraktivsten, zupackendsten Mann im Dorf, in Tres, Gian Rupf, selber verheiratet, aber ein uriger Mann und Wilderer dazu. Katharina wird gespielt von Simona Specker, vor einem halben Jahrhundert hätte man die Rolle mit Maria Schell besetzt. So ist das adäquat.
Umgeben ist das Liebespaar von einer Dorfgemeinschaft, die die nicht zu verbergenden Anzeichen dieses Liebesleben lebhaft beobachtet. Im Zentrum des Dorfes, im Konsum, Drehscheibe der Moral, steht Frau Gächter, Margrit Knecht, eine fein ziselierte, aber umso bestimmtere Dorfmoralistin, oberste Sittenwächterin, die sich selbst nie als solche bezeichnen würde; sie sitzt im Konsum wie die Spinne im Netz, in dem das Liebespaar hängen bleibt, träufelt ihr wirksames Gift in die empfänglichen Seelen.
Weniger raffiniert bösartig, dafür handlungsaktiver sind die Männer. Sind sie vielleicht vom Frauentratsch gegängelt, von der Denunziation infiltriert? Besonders diejenigen, die bei Katharina nicht landen; denn sie lässt nicht einen jeden ran. Schon gar nicht den Wirt Kari, Leander Marxer, ihren Arbeitgeber und in dessen Haus sie wohnt und der Frau und Kind hat.
Dann der Bürgermeister, eine prototypische Politikerfigur, schmierig bis dort hinaus, Hans-Peter Ulli spielt diesen Lukas Gantenbein als einen, der sich seiner politischen Mittel sehr wohl bewusst ist. Der Gemeinderat tanzt nach seiner Pfeife. Seine Macht reicht bis zur Wegnahme der Kinder. Denn zu dem Zeitpunkt hat Katharina es, pünktlich zur Mitte des Dreiakters, zu einem Moment von Glück mit Tres als Mann und einem gemeinsamen Kind gebracht. Aber schon dem Gesetz des Dramas folgend, kann dieses Glück nicht lange währen. Die Werkzeuge des frustrierten Dorfchefs reichen bis zur Einlieferung von Katharina in die Psychiatrie, da echot der Fall Mollath gewaltig.
Die Politik verfügt über weitere Mittel der Schikane: Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis. Gantenbein setzt sie skrupellos ein.
Gegen diese geballte, gesetzliche, vorgeblich legale Infamie hat der einzig aufrechte Bürger des Dorfes, Toni Gabathuler, Berthold Specker, der nicht so ein Tier und Säufer von Mann oder dumpf ist, wie die übrigen Gemeinderatsmitglieder, sondern der seriöse Betreiber eines Webstuhles, keine Chance, wenn er seine Stimme gegen die bösartige, fremdenfeindliche Dorfpolitik erhebt.
Musikalisch wird der Film anspruchsvoll mit moderner Alpenmusik gemäß dem Spannungslevel untermalt, es kommt einem der Film „Heimatklänge“ in den Sinn und dazu das quellfrische Gurgeln eines nicht weniger musikalischen Alpendialektes.
Wie in einem traditionellen Theaterstück fehlt der Dorfnarr nicht, der Idiot, entzückend von Kevin Oeler dargestellt, immer mit seinem Uniformbüschel auf der Schulter der Jacke. Er ist immer dabei, fungiert als Barometer der Gereiztheit im Dorf.
Es geht hier exemplarisch um Vertrauensverlust zu den Menschen, um Missbrauch von Gesetzen, um Migration, Abschiebung, ungesetzliche Einkerkerung, Armut, Libido, Seitensprung, Heimarbeit und Kindsentzug, Psychiatrie, sowohl Zwangseinweisung (zehn Jahre für Katharina), als auch fragwürdige Behandlungsmethoden, u.a. das titelgebende Deckelbad, worüber man gerne mehr erfahren hätte, und auch persönlichkeitsentstellende Gehirnoperation (präfrontale Lobotomie). Alles Themen, die einem in den Formulierungen dieses Filmes hockaktuell vorkommen, wenn auch selten in einem so überschaubaren Mikrokosmos herausfiletiert.
Hier wird eine Alpenwelt gezeigt, die Menschenwelt auf schwierigem Terrain ist und nicht wie in Heidi eine Alpenwelt die locker-flockig als Kulisse fürs Juhuen, Schockoladenwerbung und Schnellheilungen von Lahmen vereinfältigt wird.
Das Beste von Simon’s Cat Vol. 2 (DVD)
In den Extras dieser sympathischen und kurzen DVD erzählt der Zeichner Simon Tofield, dass er schon als Bub immer gezeichnet hat und auch von Kindsbeinen an Katzen hatte, dass er Zeichner geworden ist und irgendwann Kurzfilme über Katzen zu machen angefangen hat, die dann jemand bei Youtube reingestellt hat und die sofort prima angekommen sind. Kein Wunder, als Zeichner ist er perfekt, schnurrig im Hinblick auf Katzen und auch ein Kenner der Katzen.
Im Extra-Material gibt es sogar einen dokumentarischen Besuch des Zeichners in einer Katzenklinik und anhand von einigen Clips erzählt er, dass er die Ideen für die Filme meist von früheren Erlebnissen hernimmt. Die Clips sind zwischen einer und maximal drei Minuten lang. Wobei die Produktion, selbst wenn sie heute am Computer stattfindet, um die drei Monate in Anspruch nimmt.
So kommen die Katzen, kommt die Katze Hugh, wie sie in seinen Filmen heißt, so raus, wie man sich Katzen vorstellt, wie man sie liebt, wie man sie kennt: eigenwillig, neugierig, erziehungsrenitent und -resistent, trickreich wie phlegmatisch, vernascht und verfressen, vernarrt in manches Spielzeug, nie ein Selfie machend, aber sich im Spiegel oder auf Eis schier verrückt guckend, keiner menschlich-organisatorischen Logik zugänglich, gerne Kettenreaktionen von Unglücken in Gang setzend.
Es gibt Figuren, die immer wieder in den Clips auftauchen: eine andere, kleinere Katze, eine Spinne, die Simon nervt, ein Eichhörnchen, das sein Spiel mit der Katze treibt, ein Goldfisch, der die Katze unter Eis schwimmend an den Rand des Wahnsinns bringt, Schmetterlinge, die die Katze in staunende Verwirrung versetzen.
Es gibt einen Clip, in welchem die Hauskatze einen Rappel kriegt und wie eine Rakete umhersaust in der Wohnung. Und jedesmal, wenn sie sich der Obstschale neben Simons Sofa nähert, nimmt Simon diese rechtzeitig aus der Schusslinie, den Crash verhindernd, erinnert an die berühmte Slapstickszene aus „Dinner for One“.
In solchen Fällen ist auf die Katze als Garant des Unglücks Verlass, das denn auch seinen Verlauf nimmt, denn Katzen sind nicht gemacht dazu, Benimm zu lernen, brav zu sein, hündisch schon gar nicht. Ihr Privileg ist es, Unsinn zu produzieren, Sinn und Zweck von Gegenständen zu unterminieren, zu konterkarieren, zu unterlaufen oder sich auf einem Wäschehaufen auszuruhen, wenn da nicht die Fasern und die Materialien wären, die das Schlummerstündchen andauernd störten und eine weiteren Dominoeffekt von Unglücken in Gang setzten.
Eine Katze lässt nichts unversucht; lässt dem Herrchen nie seine Ruhe, auch wenn der noch so versucht, cool zu bleiben. Doch wozu und weswegen liebt er seine Katze.
Diese DVD enthält 23 Clips, ihre englischen Titel sind gerne auch Wortspielereien. Die Spielorte sind bei Simon zuhause oder im Garten oder in der Nähe im Freien. Die Clips werden zuerst in englischer Schrift als Titel eingeführt, in den Clips selber gibt es keinen Dialog, nur Geräusche, ab und an ein gemurmeltes „Oh!“ oder „No“. Während die Extras auf Englisch gesprochen sind und mit deutschen Untertiteln versehen.
Nichts ist sicher vor einer Katze, weder Zahnbürste, Wäsche, noch Klopapier, Popcorn oder Christbaum und schon gar nicht Gartenzwerge und wozu einen Horrorfilm im Fernsehen schauen, wenn man eine Katze hat, denn es gibt nichts Kurzweiligeres, als sich Clips eines begnadeten Zeichners über Katzen reinzuziehen, falls nicht irgendwo in der Wohnung eine Katze zugange ist und das Schauen stört. Wer Katzenfreunde und Katzenfreundinnen hat, der kann mit dieser DVD als Weihnachtsgeschenk nur gewinnen.
Spooks: Verräter in den eigenen Reihen (DVD)
Zuerst kommt der Fall ins Spiel. Der britische Geheimdienst MI5 hat einen der Topterroristen mit Hilfe und im Auftrag des CIA in London gefangen genommen und ist dabei, diesen an den CIA zu überstellen. Ein schwerbewachter Konvoi steckt im großstädtischen Verkehrsstau fest. Der Konvoi wird topüberwacht von allen möglichen Kameras, von einem Helikopter und in einem PKW vorneweg sitzen zwei kleinere Chargen des MI5.
Zwischen den stehenden Autos rasen Motorräder heran. Sie befreien den Hochsicherheitsgefangenen und brausen mit ihm weg; der Heli ist dummerweise abgezogen worden.
Der Terrorist Qasim, Elyes Gabel, wird als der Prototyp einer neuen, besonders gefährlichen Generation von Terroristen charakterisiert, als sprachgewandt, charismatisch und überzeugend; außerdem lernte er im Nahen Osten das Töten. Immerhin habe der MI5 einen Undercover Agenten ins Netzwerk von Qasim eingeschleust.
Nun kommen die Gegenspieler um den Fall ins Spiel, die den entfleuchten Qasim, aufspüren und dingfest machen sollen; denn er hat einen ganz großen Anschlag mitten in London angedroht, einen wie nie zuvor, der unbedingt verhindert werden muss.
Diese Gegenspieler aus dem Geheimdienstmilieu werden in der Jagd auf Qasim die bestimmenden Figuren sein. Beide sind für die Geheimdienste nicht ganz koscher, aber wahre Asse; sind in gewisser Weise Agenten „hors classe“, mit ihren unkonventionellen Mitteln außerhalb der regulären Jobbewältigung anzusiedeln.
Harry Pearce, Peter Firth, ist der alte mit allen Geheimdienstwassern gewaschene Fuchs mit einem Gesicht, in dem die Menschheitsgesichte oder auch nur die eines Psychopathen eingeschrieben sein könnte, so sicher ist man sich nicht. Er ist immer wieder für eine Überraschung gut. Die Leute unterschätzen ihn auch noch nach Jahren.
Ihn soll ausgerechnet Will Holloway, Kit Harington, unterstützen. Den muss der MI5 allerdings erst aus Moskauer Gefangenschaft befreien, so ganz nebenbei eine kleine waghalsige Action mit britischem Understatement vorgetragen. Er ist ein freier Agent und hat keine Lust, für den MI5 zu arbeiten, hat doch ausgerechnet Harry ihn vor drei Jahren aus dem Dienst gechasst aus weiter nicht einsichtigen Gründen. So zeichnen sich denn in Wills Gesicht oft Zweifel und Verwunderung, tiefe Skepsis wie Unsicherheit, so dass jede seine Aktionen zum Vornherein zum Risiko wird; und genauso wie Harry wirkt er oft am Rande des Anschlags. Sie sind in keiner Weise glatte Typen, geleckte Typen; sie ziehen Misstrauen und Vorurteil an.
Spannungserhöhend kommt in diesem brillanten Thriller von Bharat Nalluri, der ein Drehbuch von Jonathan Brackley und Sam Vincent nach der Fernsehserie von David Woistencroft zur Vorlage hatte, hinzu, dass die Flucht Qasims offenbar von höchster Stelle im MI5 gedeckt, ja sogar ermöglicht worden ist. Es sind nicht allzu viele Figuren, die auf dieser Ebene im Film vorgestellt werden, die den Verrat begangen haben könnten. Wobei auch hier die Raffinesse des kleinen Bauernopfers, resp. des geopferten Laufburschen, von den Autoren souverän eingesetzt wird.
Allein schon die Annäherung von Will und Harry, bis sie sich überhaupt begegnen, ist ein hyperkonspiratives Versteck-, Hase- und Igelverfolgunsjagd- und Abschüttelspiel der Sonderklasse, setzt von beiden höchste Raffinesse und gleichzeitig Vertrautheit mit Verdunkelungsmethoden voraus und der Schirmkontakt ist nur ein lässiger kleiner Gag dazwischen, wenn Will auf dem Weg zu Harry den ganzen CIA und MI5 und wer auch immer hinter ihm her ist, abschütteln muss.
Dann fängt es erst richtig an, ob und wieso die beiden überhaupt zu einander Vertrauen entwickeln können. Das erscheint immerhin mit dem Rekurs auf ein Stück gemeinsame Geschichte und den Tod des Vaters von Will möglich; da gibt es gemeinsame Verbindungen in die Vergangenheit.
Eine besondere Pille mit erschütternden Wirkungen spielt ein Rolle: auf dem Couvert, das sie enthält steht verheißungsvoll: Way out /Ausweg. Die Agenten immerhin, die finden immer einen Ausweg. Wenn das mal nicht beruhigt.
Den Count-Down zelebrieren die Filmemacher in Zeitlupe und mit vielen inneren Monologen von Fassungslosigkeit und die deutsche Nachsynchronissation trägt ihr Teil zur Spannung dieses exzellenten Thrillers aus London bei.
Mundstuhl Ausnahmezustand! Live! (DVD)
Mundstuhl, Lars Niedereichholz und Ande Werner blödeln und witzeln sich in Aschaffenburg vor Publikum durch ihr neues Programm „Ausnahmezustand! Live!“. Der hessische Rundfunk hat die Aufzeichnung besorgt, die jetzt als DVD erhältlich ist. Die Skala von Mundstuhl streift alle Regionen von tief unter der Gürtellinie über das Sexistische und Rassistische, das Hygienische, das Vulgär-Obszöne bis zum abgehoben kopfig-absurd Dadaistischen.
Ohne Skrupel, ohne Hemmung, ganz ohne einen Storyfaden stehen die beiden Akteure vor dem Publikum, werfen sich die Bälle lang geübt zu, verbreiten eine familiäre Atmosphäre und das Publikum ist anständig genug, das Perfide zu schlucken, was die Gute-Laune-Verbreiter ihnen unterjubeln. Sie klamauken und klamotten sich mit wenig Requisiten und ein paar Verkleidungsstücken und Perücken durch ihr Programm, gelegentlich verhaspeln sie sich gekonnt in Abstrusitäten.
Wenn sie, was gottseidank nicht oft vorkommt, singen, dann ihren Hauptschlager „Ich hab noch Sand im Po von Santa Lucia“, der auch als Videoclip auf der DVD samt einem kurzen Making-of in einem Hotelzimmer in Stuttgart als Bonus-Material drauf ist.
Ihre Themen irren und springen und hüpfen von der Pinguinheizung über das Duschen und dass Frauen schneller stinken, über die Verschiebung der Erdachse, Sebastian Vettel und die Pole-Kappen, über das Sehen, das Licht, die Grubenarbeiter und Totgeburten, über Frauen, ihre langen Beine und deren Waschlappen, über das Alt- und Runzligwerden, Besuch aus Rothenburg und die rosa Tante, das freiwillige asoziale Jahr, eine Verbraucherschau-Parodie mit einem Mittel gegen Arbeitslosigkeit und zur Eindämmung von Alimentenzahlungen sowie über einen healthy selfcastrator, Ausländerproblematik mit Deutsch, Transgender, eine Siegfried- und Roy-Parodie und die wichtige Frage, hat es Elute gegeben? Oder die elementare Frage, spricht man Stute nicht besser als Schetute aus?
Zwischen den Liveauftritten gibt es Video-Inserts, die beiden im Wald, wichsen und sich tarnen und andere Unebenheiten, von zwei Lederschwulen im Supermarkt oder zwei Eichhörnchen am Frankfurter Flughafen und ähnlichen Quatsch.
Für Fans und Freunde des Hessischen und des sprachlich-dadaistisch-vulgär-derb-seichten Blödelns und von viel Scheissendreck.
Der Hessen verdorbene Enkel von Datterich nennen sich Comedians und kennen keine Scham.
Und immer noch einen Joke aus dem Handgelenk.
Ein Hühnchen hat nicht mal ein Euter.
Shit Happens (DVD)
Das Bonusmaterial dieser Sammlung von Cartoons von Ralph Ruthe bietet einen Einblick in die Werkstatt des Cartoonisten. Im Sketch „Das Telefonat“ versucht der Zeichner Ruthe mit Joscha am Telefon ausgehend von einem Pinguin einen Cartoon zu entwickeln und macht klar, wie mühsam diese Arbeit sein kann, wie widerhakenkonstruktiv und in „HNO-WG P.5 – Storyboardvergleich“ läuft parallel zum Cartoon, der als Nr. 7 bereits im Hauptprogramm zu sehen war, das Storyboard ab und gibt somit einen lehrreichen Blick hinter die Kulissen, der das Anschauen der Cartoons noch ergiebiger machen kann und einen vielleicht drauf bringt, warum solche Zeichnungen uns immer und immer wieder faszinieren.
Die Cartoons sind einfach einerseits und so gesetzt anderseits in einer Art stupender Folgerichtigkeit, die allerdings nicht einer Real-Life-TV- noch einer TV-Realismus-Logik entsprechen. Genau die setzt der Zeichner außer Kraft oder nimmt sie beim Wort und zwar mit großem Genuss und nicht ganz ohne Hinterlist, befreit uns dadurch von Telefonwarteschlaufen, TV-Sendungen wie „Wer wird Millionär“, Shitstorms, Abhörskandalen, Putin-Antischwulen-Gesetzgebung, Flixbus, Großraumbüro und Wandertag (an dem man sich verlaufen kann), Greenpeace und Gummiboot, Weihnachtsmann und Angela Merkels Skiunfall, TV-Werbung und Blockbuster-Politik, TTIP, NSA und Tempora, GEZ, Fracking, Fairtrade und die WM in Brasilien, dem Kyotoprotokoll oder lässt einen Baumgartner sich im Triebwerk eines Flugzeuges verfangen.
Das alles auf einen Nenner hinunterzureferieren geht gar nicht, man kann höchstens die Lust auf Schauen anstoßen mit der Wiedergabe des Inhaltsverzeichnisses dieser DVD: 1. Flossen (die beiden Fische Barry und Sting und ihr Allwelt eines 50 Liter-Aquariums), 2. Biber und Baum, 3. Nachrichten, 4. Die Geier, 5. Weihnachten, 6. Brohmsen und Schwarz, 7. Die HNO-WG, 8. Werbeparodien, 9. Shit happens Sketch Show und 10. Musik, das sind ganz fantasievoll oft mit Textspielereien illustrierte Songnummern.
Alle Texte spricht Ralph Ruthe selbst. Ein vielseitiger Künstler und gänzlich subventionsunmündigkeitsfrei. So lassen sich spielend Angelhaken vom Kieferchirurgen wieder entfernen.