Archiv der Kategorie: DVD

Drifters – Die Versuchung meiner Schwester – Gli Sfiorati (DVD)

Alles ist im Fluss,

auch das Bild der italienischen Familie. Die Mama spielt zwar hintergründig ab und an noch eine Rolle. Aber die italienische Familie gibt es nicht mehr.

Der Vater Sergio (Massimo Popolizio) hatte schon bei der ersten Heirat die Frau nicht geliebt, die Mutter seines Sohnes Méte (Andrea Bosca) und seiner Tochter Belinda (Miriam Giovanelli). Die beiden Geschwister kennen sich kaum; Belinda wächst in Madrid auf.

Zur Hochzeit ihres Vater, der eine TV-Größe ist, mit seiner Liebe Virna (Altana Sanchez-Gijón) sind beide in Rom. Das hochattraktive Schwesterchen kommt in der komfortablen Wohnung des Bruders unter. Dieser ist Graphologe und wirkt in Bezug auf Selbstbewusstsein, auch im familiären Sinne, verunsichert. Mit Bruno (Claudio Santamaria) betreibt er eine kleine Firma zur Analyse von Schriften (das wird eine eigene kleine Rolle in einem Fall spielen). Das ist auch ein Stück soziales Netz für Méte.

Auch Brunos Familie ist auseinander. Ab und an muss er für sein kleines Töchterchen sorgen. Méte gerät für eine Nacht in die Fänge der sehr selbstbewussten Beatrice Plana (Asia Argento), die ihm vorrechnet, ein wie spannendes Leben rund um die Welt sie habe. Aber auch sie hat kein Glück, normalerweise sind die Männer, die sie für eine Nacht anschleppt, morgens wieder weg.

Dann ist da noch Damiano (Michele Riondino), auch er verführbar, weil nicht in einen festen Familienzusammenhang einzementiert. Der kommt mit den Gefühlssphären von Méte ins Gehege.

Der Film von Matteo Rovere nach dem Roman von Sandro Veronesi, erzählt das nicht primär als eine Story nach den Regeln des Thrills. Viel wichtiger ist ihm die Atmosphäre in diesem modernen Rom, das Abbild einer Generation ist, die mit dem etablierten Familienbild nicht mehr zurechtkommt, die viele Freiheiten hat, grad auch die Frauen entdecken ihre Eigenständigkeit und sind nach tradierten Methoden nicht zu manipulieren. Was für sie neue Probleme bringt.

Die Leichtigkeit und Lebendigkeit der Erzählung erinnert in ihrer Fragmentiertheit an die Racconti von Cesare Pavese, nicht an der Schwere von Leben, Schicksal und Liebe klebend, sondern eher wie ein Blatt im Wind sich von den Regungen und Bewegungen, die die immerwährende Sehnsucht nach Liebe des Menschen erzeugt, tragen lassend.

Quo Vadis, Aida? (DVD)

Drama

Mit allen Mitteln des filmischen Dramas erzählt dieser Film von Jasmila Zbanic nach dem Buch „Unter der Flagge der UN“ von Hasan Nuhanovic die Geschichte des Massackers von Srbrenica, so dass sie den Zuschauer fassungslos macht, ihn erschüttert, ihn schier an der Menschheit verzweifeln lässt; umso mehr, als es sich um ein Ereignis von 1995 handelt, also aus der jüngsten europäischen Geschichte.

Filmisches Drama, das heißt, die Geschichte um eine hervorragende Protagonistin fokussieren. Es ist dies die Lehrerin Aida (Jasna Djuricic). Sie ist die Hauptheldin und Bezugsperson für den Zuschauer. Sie arbeitet bei der UN als Übersetzerin auf der dünn besetzten UN-Basis. Sie schafft es, wegen eines Verhandlungsauftrages, ihren Mann und ihre beiden erwachsenen Söhne auf die UN-Basis zu holen.

Vor deren Toren warten Tausende von Bürgern, die aus Srbrenica geflohen sind. Auf der Basis selber drängen sich in einem Hangar ebenfalls Tausende.

General Mladic hat Srbrenica eingenommen. Jetzt will er mit der UN über die geflohenen Bürger verhandeln. Die UN macht einen unglücklichen, schwachen Eindruck, die paar holländischen Soldaten, teils in kurzen Hosen und ärmellosen Oberteilen, ein Gewehr in der Hand. Sie versuchen verzweifelt mit der UN in Kontakt zu kommen, nach dem Verstreichen des Ultimatums den Einsatz der Bomber zu erreichen, die Mladic zurückhalten sollen. Keiner ist erreichbar bei der UN. Die sind wohl grad kurz mal verreist.

Die Vorgänge der Hilflosigkeit der UN, die brutale Falschheit und Rücksichtslosigkeit, der Zynismus von Mladic sind schmerzhaft zu verfolgen, umso mehr, als der Zuschauer im Normalfall weiß, dass die Geschichte mit einem grauenhaften Massacker enden wird; umso unerträglicher wirkt es, wenn der serbische General vorher noch Wasser und Brot an die ausersehenen Opfer verteilt; umso schwerer ist es, mitanzusehen, wie die schwächelnden UN-Soldaten diese dem Tod Geweihten widerstandslos an die Konvois aus Bussen und LKWs übergeben.

Vom Massacker wird im Film nur der Beginn gezeigt, ein Teil der Männer ist in einem leeren Kinosaal versammelt: die Todesschüsse kommen aus den Wanddurchbrüchen für die Projektion aus dem Vorführraum.

Dann macht der Film einen Sprung in die Heutezeit. Der Schmerz der Hinterbliebenen ist kaum darstellbar. Aida hat überlebt, aber nur sie. Sie ist noch zu sehen, wie sie in einer Halle die am Boden ausgelegten Knochen und persönliche Habe Exhumierter durchgeht, um an einer der Stellen zusammenzubrechen. Sie wird ihre Wohnung von früher besuchen, mit der jetzigen, schicken Bewohnerin sprechen. Sie wird wieder an der Schule unterrichten, eine junge Generation, der hoffentlich solche Dinge erspart bleiben. Übel, übel, wenn der Begriff der Schutzzone zu der der Todeszone wird, wenn Evakuierung Evakuierung zur Erschießung bedeutet. Unfassbares Drama. Und das nicht in grauer Vorzeit, sondern im fortschrittlichen Europa des ausgehenden zweiten Jahrtausends.

Love Lesson – Verführung auf Koreanisch (DVD)

„Sie ist verdammt heiß“,

meinte der übergewichtige Kommilitone des Kunststudenten Seung-Ho (Joon-Suk Byun) über die erfolgreiche Songschreiberin und Komponistin Hee-Soo (Sun Yeong Kim). Damit meint er bestimmt nicht nur, dass Hee-Soo immer durch und durch sexy angezogen ist, ständig eine elegante, schmale Lederhandtasche untern Arm geklemmt hat, sondern auch dass aus ihren hübschen Augen Reife schaut, aber auch Neugier auf Männer, dass sie einen teuren Audi fährt, in einem großzügigen Loft wohnt und dort auf einem blitzblank-weißen Flügel der Marke S. Ritter komponiert.

Seoung-Ho hält an der Akademie eine Vortrag und Hee-Soo wird fast übel vor überquellender Erotofantasie, die sie in ihm auslöst. Schon vorher hatte sie ihn beobachtet, wie er seine Freundin auf einer Bank betouchen will und sie ihn empört von sich weist.

Es ist ein erotischer Softporno aus Südkorea aus dem Jahr 2013 von Ko Kyoung. Es wird eine Lektion in Liebe, die die reifere Frau dem Grünhorn von Studenten erteilt, der noch bei seiner Mama wohnt.

Eine Geschichte, die gradlinig erzählt wird und die sich am Ende noch zwei tiefere Gedanken zur Liebe erlaubt, die eine selbständige, emanzipierte Frau zeigt, die sich ihre Früchte holt, sie andererseits aber auch schamlos ihrer als Muse bedient, um wieder einen Hit in den Charts zu landen, „Goodbye for my Romance“.

Eine Geschichte, die den jungen Mann eine traumhafte Erfahrung machen lässt, ihn auch wieder auf den Boden der Tatsachen mit der Freundin zurückwirft. Ein Film vor allem für jene, die solche Geschichten als Tatsachen nehmen oder auch für jene, die sich darüber freuen, wie die Koreaner das Erzählen solcher Geschichten nicht für bare Münze nehmen und sich erlauben, Albernheiten aus dem Hit-Business einzubauen, ständig werden dem Knalltypen von Produzenten die Songs geklaut – und die Sängerin, nun ja, die ist nicht gerade eine Begabung; andererseits scheint es mit der Postproduktion und dem leichten Rezept der Songs trotzdem zu funktionieren.

Juicy Affair – Kleine Sünden (DVD)

Der Kein-Sex-Tag

Niedliche, koreanische Häuschen-Siedlung, viele Ehen, bei denen meistens der Kein-Sex-Tag stattfindet oder wo gelebt wird wie bei Mönchs.

Tagsüber sind die Nachbarinnen zuhause und dazu neuerdings ein Hausmann. Je öder das Sexleben, desto heißer die Fantasien, erst recht am einzigen Mann! Zwar wird mangels der entsprechenden Kliedungsstücke nicht unterm Dirndl gejodelt, aber es gibt viele altmodische Ehebetten auf denen der Fremdgang ausgiebig Urständ feiert mit hübschen nackten Männer- und Frauenkörpen, prallen Brüsten und der restliche Rhythmus ist Softporn.

Der Seitensprung wird mental vorbereitet in Frauengesprächen, in begehrlichen Blicken. Initiiert wird er anschließend mit gezielten Remplern per Auto oder mit dem Einkaufswagen im Supermarkt, mit bewusst ungeschickt verschütteten Flüssigkeiten auf Blusen oder anlässlich von verbranntem oder verkochtem Essen.

Bald schon checken drei dicke Freundinnen, dass eine davon beim Hausmann ein- und ausgeht. Er ist deshalb bald gut beschäftigt während der Abwesenheit seiner Frau. Die ist Fondsmanagerin, war seine Chefin und will ihn nach seinem Rausschmiss zum Hausmann machen mit ungeahnt sexuell belebendem Erfolg für das Quartier.

Die Geschichte um den Vorwand der Softpornoszenen herum ist locker zu Faden geschlagen, ohne Anspruch auf allzuviel Ernst und Kunst, eher im Sinne einer frivolen Lustigkeit inszeniert. Da kann die Flatulenz eines Trockensaunabesuchers nach akkustisch ergiebigem Pupsen auch noch computeranimiert sichtbar gemacht werden.

Die Frauen kreischen auch mal maßlos, wenn sie in der Gruppe zugange sind. Und die Tonspur quietscht dazu vor Vergnügen. Alles halb so wild, sagen sich die Koreaner bei dem Sujet und schrecken vor Übertreibung nicht zurück. Dann wieder nackte Körper unter der Dusche, elaborierter Softsex mit kostbaren Venedig-Masken als einzigem Kleidungsstück oder ein in der Postproduktion besonders viril gemachter männlicher Oberkörper.