Archiv der Kategorie: DVD

Yummy (DVD und VoD)

Das Virus. Das Virus. Die Körbchen. Die Körbchen.

Selber schuld, kann man nur zombihaft sich freuen, wenn jemand aus Belgien in Osteuropa seine Körbchengröße verändern will. Siehe die Review von stefe. 

Somewhere Else Together (DVD, VoD)

Raus aus dem Corona-Gefängnis!

Ok, die erhoffte Transformation hat nicht stattgefunden, befindet Daniel Rintz, der sich mit Josephine Flohr auf eine am Schluss drei Jahre lange Reise mit Mottorrädern aufgemacht hat und mit dieser Dokumentation einen schnell und abwechslungsreich geschnittenen Abriss davon gibt. 

So ein Film kann sicher eine anregende Abwechslung sein für Reiselustige, die dank Seuchenschutz genau solche Reisen nicht unternehmen können. 

Es ist die Fortsetzung der Soloreise von Rintz von vor 8 Jahren unter dem Titel „Somewhere Else Tomorrow“. Gestartet ist er mit seiner Reisepartnerin in Deadhorse in Alaska. Von dort aus war das Ziel der südlichste Punkt von Patagonien, Ushuaia. Da waren zwei Jahre um und Rintz hat sich die Eingangsfrage gestellt. Aber aufhören mochten die beiden nicht, die sich mit Jobs über Wasser gehalten haben. Allzu viel erfährt man darüber nicht. Manchmal erzählt Rintz von Filmen, die er unterwegs macht. Oder sie helfen bei der Renovierung einer Schule oder bei der Herrichtung einer Wohnung, die verkauft werden muss. 

Der Film ist eine rasche Montage aus spektakulären Landschaftsaufnahmen, immer wieder die Motorräder in Fahrt auf halsbrecherischen Bergstraßen, auf einem Salzsee oder auf staubigen Pisten, im Dschungel oder liegend oder stehend oder in Reparatur und von vielen Begegnungen mit Menschen, die sie kannten oder kennengelernt haben, auch mit anderen Bikern. 

So ergeben sich magazinhaft bunt gemischte Eindrücke von sozialer Situation, von gesellschaftlicher Lage, von der Sicherheitslage eines Landes, von Eigenarten der Kultur, von Einblicken in das Leben eines afrikanischen Stammes oder von Urwaldbegegnungen mit Gorillas. 

Auch die Folklore kommt vor oder der Besuch in einer Höhle mit 1200 Jahre alten Mumien, die in der trockenen Luft bestens erhalten sind. Aber auch der Kampf um einen Job bei der Verladung der schweren Motorräder auf eine Fähre ist zu sehen; originell auch die Fahrt mit dem Schiff „Stahlratte“, das spezialisiert ist auf den Transport von Motorrädern von Mexiko durch die Karibik nach Kolumbien. 

Es ist ein Film wie gemacht für das Homekino. Man kann ruhig zwischendrin plaudern oder sich ein Getränk in der Küche holen oder Knabbereien. Man kann den Film anhalten und später weiter schauen. Es ist sicher ein schöner Eskapismus, besonders jetzt, wo bei uns die Corona-Zahlen wieder steigen und die Tage kürzer, das Wetter schmuddelig wird. 

Der zweite Teil der Reise geht vom Süden Afrikas in Richtung Marokko. Damit wird das dritte Jahr der Reise eingeläutet, die die Fahrer zusehends auslaugt, was das Gefahrenbewusstsein beeinträchtigt und die Sehnsucht nach einem geregelten Leben in Deutschland stärker werden lässt.

Wobei die Frage ist, wie viel Reisen braucht der Mensch? Man könnte, wenn man es sich denn leisten kann, rauschhaft ständig unterwegs sein; wobei sich auch hier sicher ab und an die Sinnfrage stellt, wie sie es auch bei diesen Selbstdokumentaristen getan hat, dabei hatten sie ja sogar ein Arbeits-Reise-Konzept. 

Lotti oder der etwas andere Heimatfilm – Bleicherode der Film (DVD und VoD)

Besuch einer Dame.

Es ist keine Millionärin wie im Dürrenmatt-Stück von der alten Dame, die in die Provinz zurückkehrt, um abzurechnen. Hier ist es eine Mondäne, deutlicher: die Pornodarstellerin Asta, die in das Nest Bleicherode zurückkehrt, nachdem sie sich vor zehn Jahren urplötzlich nach Wien abgesetzt hat und nichs mehr von sich hat hören lassen. 

In Bleicherode erinnert man sich gut an sie. Im lasziven Tigermantel, auf hohen Stöckelschuhen und mit Blondinenperücke kommt sie in dem kleinen Ort an. Es ist bürgerlich Lotti Funke (die fabelhafte Marion Mitterhammer); der Tod ihrer Mutter ist Anlass für die Rückkehr. Lotti hat noch die halbwüchsige Tochter Jenny (Joyce Schenke), die bei ihrer Oma aufgewachsen ist. 

Lotti beobachtet die Beerdigung aus Distanz. Es ist ein Heimatfilm, fast wie es im Buche steht, zumindest von der Geschichte, vom Buch von Horst Hammer her: eine extravagante Figur taucht in einem verschlafenen Nest auf und bringt alles durcheinander, wühlt alles auf. 

Hier ist das besonders pikant, weil es ‚Gerüchte‘ über die Dame gibt; das erinnert etwas an Moral von Ludwig Thoma; auch in Bleicherode gibt es jede Menge amoralischer Figuren, allen voran Bruno Jonas, der den schmierigen Eddi, den Arbeitsplatzvernichter, spielt. Denn im Schacht ist nicht mehr so oft Schicht. 

Viele erkennen Lotti wieder, manche mögen sie, andere weigern sich, sie auch nur zu bedienen im Geschäft, manchen kommt sie bekannt vor, was sie als Konsumenten von Asta-Filmen ausweist. Das Tragische an ihrer Geschichte ist das Verhältnis zur Tochter. Klar, Mutter hat versagt, hat sich nicht gekümmert, jetzt möchte sie es und wird brutal abgelehnt. 

Das gewisse, titelgebende „andere“ an diesem Heimatfilm ist die Inszenierung von Hans-Günther Bücking, die spartanisch knappe Sprachregie, und es sind auch die Dialoge, die einerseits von Anzüglichkeiten andererseits von Lebensweisheiten durchdrungen sind: wenn der Schnee schmilzt, kommt der Dreck zum Vorschein. So eine verführerische Frau, bringt so manchen Schnee zum Schmelzen.

Bücking arbeitet zum Vorteil des Filmes mit Stilisierungen, um den Film von plumpem Realismus zu entfernen. Durch diese sichere Sprach- und Stilisierungsregie vermögen die Schauspieler durchs Band zu überzeugen in dieser Mischung aus Top-Profis und lokalen Laien; jede Figur wird durch Kleinigkeiten, Schwächen charakterisiert und gewinnt Persönlichkeit – was dem Film einen besonderen Charme verleiht, wie das erwachende Selbstbewusstsein der Bäckerin gegen ihren angeberischen, eingeheirateten Mann; auch so hebt sich der Film vom Klischeebild des Heimatfilmes ab. 

Akustisches Dauerkolorit verleihen der Provinz die immer wieder auf der Tonspur vertretenen Ansagen des Lokalradios.

Ich bin Anastasia (DVD)

Respekt, Respekt vor diesem Mann, der parallel zur Karriere bei der Bundeswehr zur Frau wurde; sexy, aber nicht frivol. Siehe die Review von stefe. Eine bessere Werbung für die Bundeswehr als die Verteidigungsministerin, die noch als CDU-Parteipräsidentin öffentlich peinlich Genderwitze gemacht hat. 

Face It! (DVD)

Über die unersättliche öffentliche Datensammelwut – wobei die aktuelle Maskendoktrin dieser diametral entgegenläuft; pikant speziell hier, da es vor allem um Gesichtserkennung geht. Siehe die Review von stefe. 

Malak (DVD)

Ein Stück deutscher Realität

roh und blutig, also ob ein Stück Fleisch aus einem Körper rausgeschnitten worden wäre, dabei das Kanaken-Deutsch, das seit Fatih A’kin im deutschen Kino und TV salonfähig und klischeehaft geworden ist, zu einer sprachlichen Härte gepeitscht, was aus dem düsteren Genrefilm ein remarkables B-Movie macht. 

Als ob über dem Film die Überschrift zu Dantes Hölle steht, „lasst alle Hoffnung fahren“, hier heißt es an einer Stelle über den zentralen Ort des Geschehens, ein anonymes Hochhaus am Rande einer deutschen Stadt (gedreht ist in Hannover worden), „Alles hoffnungslose Familien ohne Zukunft“. 

Timo Hinkelmann beobachtet oder berichet in seinem Film über eine dieser Familien. Er tut dies über zwei Zeitpunkte, in Schwarz-Weiß erzählt sind es Baba (Lewis Lovely Asamoah), Mama Mariam (Veronique Aleiferopoulos), Kazim und Zahra, die in der ersten Phase noch Kinder sind und in der zweiten, farbigen Phase Erwachsene (Bunga Loperz und Carla Sow). 

Zarah geht auf den Strich, wie soll sie sonst leben. Die Familie ging in Brüche, weil Baba Spielschulden hatte mit Gefängnisfolgen. Mama ist abgehauen. Hinkelmann taucht tief ein in die Hoffnungslosigkeit dieses Milieus von Zuhälterei und Drogenhandel. 

Der Oberboss ist Burak (Daniel Chadalakian Kurz), der extrem grimmassierend seine Vorstellung eines solchen Übeltäters auf die Leinwand bringt, garantiert nicht so, wie ein öffentlich-geförderter Film es täte. 

Es ist eine harte Welt; es gibt kaum ein kompensatorisches Gegengewicht von Gefühligkeit und Idylle. Das Leben ist ein Kampf und ein Fluchen und Schimpfen und Sich-Prostituieren. Wobei der Islam durchgängig dabei ist. Es sind praktizierende und im weiblichen Falle kopftuchtragende Muslime. Aber es kümmert sie wenig, wie sie ihr Geld verdienen. Da ist kein Unterscheid zum Christentum, was von Christen schon alles für Verbrechen begangen worden sind. 

Ob das jetzt zynisch gemeint ist oder stocktrocken feststellend, sei offen gelassen, seinem Film voran stellt Hinkelmann (ein Künstlername?) eine Sure aus dem Koran „Der Glaube an die Engel gehört zu den grundlegenden Verpflichtungen der Muslime. Wer an Gott, seine Engel, seine Schriften, seine Gesandten und den jüngsten Tag nicht glaubt, ist damit (vom rechten Weg) weit abgeirrt.“(Sure 4, 136; eine ähnliche Aufzählung: Sure 2, 285) und die Erklärung, dass Malak Engel heiße. 

Musikalisch untermalt Hinkelmann seinen Film auf top-notch-Niveau vom Surengesang über Klassik, Hip-Hop und weitere. Düsteres Hannover-Melo. Spannende, harte Gegenposition zu den Hamburger und Berliner Kanaken-Filmen. 

Germans & Jews (DVD)

Da bleibt noch viel zu tun, wenn es je zu einer Normalisierung und Selbstverständlichkeit der Beziehung zwischen Juden und Deutschen kommen sollte. Der Film zeigt einen Schritt in diese Richtung. Siehe die Review von stefe.