Archiv für die Kategorie: “Blogging”

Liebe Leser, liebe Fans dieser gar nicht mehr so kleinen Filmseite, liebe (bisweilen streitbare) Kommentatoren!

Heute vor 6 Jahren hat unser mysteriöser Stefe seine erste Review bei filmjournalisten.de veröffentlicht. Er hat sich seit diesem ersten Text über die Maßen eingebracht, hat geradezu eine Berufung gefunden und seither schon sage und schreibe schon über 1.950 Kritiken hier veröffentlicht.

Ich möchte mich an dieser Stelle herzlich und zutiefst bei Stefe bedanken. Ohne ihn und seine cineastische Aufopferung (er schaut wirklich jeden Film, den er kriegen kann, und schreibt über praktisch alle) wäre diese Seite schon lange einseitig und öde, wenn nicht sogar gar nicht mehr online.

Lieber Stefe, Worte können nicht zum Ausdruck bringen, was Du für unsere Seite hier getan hast. Du bist einmalig, ein Wink des Schicksals, ein absoluter Glückstreffer, ein traumhafter Partner in diesem schönen Umfeld. Ich hoffe, dass wir noch lange Spaß miteinander und an der Sache haben, und dass Du auch weiterhin mit Biss, aber nie unfair, berichten wirst – aber nur, solange Du auch Lust dazu hast!

Ich denke, die Leser sehen das genauso – auf die nächsten sechs Jahre, mindestens!

Julian

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Zur Eröffnung der Ausstellung Die Olympischen Spiele: Hinter dem Bildschirm (19.2.2015 – 26.1.2016) lud das Olympische Museum vor einigen Wochen nach Lausanne. Dort stellte man uns Journalisten nicht nur die Ausstellung selbst vor, sondern insbesondere auch die gewaltige Anstrengung, die diese erst ermöglichten.

Das Olympische Feuer brennt ständig. Im Hintergrund das Olympische Museum Lausanne.

Das Olympische Feuer brennt ständig. Im Hintergrund das Olympische Museum Lausanne.

Schwerpunkt der Ausstellung ist das Broadcasting, also die Berichterstattung über die Spiele im Verlauf der letzten 100 Jahre. Wer nicht zu den Spielen anreisen konnte, konnte schon in der Urzeit des Kinos Filmausschnitte in den Wochenschauen im Kino sehen oder Radio hören. Später wurde mit TV-Liveübertragungen begonnen – zu einer Zeit, als man die Anzahl der Fernsehgeräte quasi noch an einer Hand abzählen konnte – und schließlich gelangte man zu der ausgefeilten, aufwendigen Berichterstattung, die wir heute kennen.

Nimmt man die Organisation, die hinter der heutigen Berichterstattung steht, unter die Lupe, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Es ist eine eigene olympische Leistung, hunderte von Kameraleuten und tausende von weiteren Mitarbeitern, vom untersten Assistenten bis zum obersten kreativ Verantwortlichen unter einen Hut zu bringen. Alles folgt einer kreativen Direktive, hat eine spezifische Bildsprache, einen eigenen Schnitt – als wenn 50 Regisseure mit 600 Kameramännern einen Film drehen, und es soll keinen Stilbruch geben. Eine herkulische Aufgabe.

Das IOC hat vor zwanzig Jahren damit begonnen, sämtliche Fotos, Filme und TV-Aufzeichnungen aller vergangenen olympischen Spiele zu sammeln, zu archivieren und zu restaurieren. Der Aufwand ist gigantisch: Nicht nur offizielles Material wird archiviert, sondern auch das von Privatleuten: Jedermann kann seine eigenen Aufzeichnungen und Fotos von Spielen, die er besucht hat, zur Digitalisierung einschicken.

Entstanden ist ein riesiges Archiv historischer Sportaufnahmen aller Art. Da man im allgemeinen nur die beeindruckendsten Momente und die großen Siege gezeigt bekommt, ist es umso beeindruckender, auch das übrige Material sehen zu können: Schmerz, Enttäuschung, Unfälle, die besonders enttäuschenden vierten Plätze, Freude daran, so eine Anstrengung überhaupt geschafft zu haben, Erleichterung, generell emotionale Ausnahmezustände und natürlich jede Menge Material davon, wie alles ganz normal läuft. Also die Dokumentation der Spiele aus vergangenen Zeiten und ihrer Umgebung.

Doch dem ist nicht genug: Zu jeden olympischen Spielen wird ein Filmemacher ausgewählt und damit beauftragt, einen offiziellen (Kino)film über die Spiele zu drehen. Der Hintergedanke hierzu war früher, dass man auf diese Weise den Menschen mehr als nur die Nachrichtenmomente nahebringen kann. Und da es „Live“ noch nicht gab, gingen die Leute natürlich einfach nach den Spielen ins Kino.

Großmutters Wohnzimmer im 50er-Chic am Eingang der Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wo die Liveberichterstattung erstmals massentauglich wurde.

Großmutters Wohnzimmer im 50er-Chic am Eingang der Ausstellung zeigt eindrucksvoll, wo die Liveberichterstattung erstmals massentauglich wurde.

Die zunehmende Verwöhntheit, alles immer sofort und auf Abruf zur Verfügung gestellt zu bekommen, setzt die Filmemacher unter Druck. Hitler und Goebbels dachten damals an ein paar Wochen für den Schnitt, Leni Riefenstahl dahgingegen hatte zwei Jahre für eine ordentliche Arbeit im Sinn. Kein Wunder: Allein die erste Sichtung allen Materials nahm Monate in Anspruch. Man kann sich gut vorstellen, wieviel mehr Material heute bei den Spielen entsteht.

Besonders beeindruckend ist die Erkenntnis, wie sehr Leni Riefenstahls Stil die filmische Berichterstattung über Sportereignisse noch heute beeinflusst. Sah man auf uralten Filmszenen vom Anfang des letzten Jahrhunderts zum Beispiel noch die Langläufer von der Zuschauertribüne aus die Ziellinie überqueren, so setzte Riefenstahl die Kamera auf Hüfthöhe direkt an die Ziellinie. Diese Entscheidung (und viele andere wie sie) rückte den Zuschauer mitten ins Geschehen, brachte ihm eine völlig neue, ästhetische Perspektive auf den Sport und erhöhte die Dramatik der Sache um ein Vielfaches.

So absurd es einem erscheinen mag, so einen Olympia-Film Monate nach dem Ende der Spiele anzusehen, so erstaunt wird man sein, wenn man sich diese Zeit tatsächlich einmal nimmt. Nirgendwo sonst gibt es Emotionen so ungefiltert zu sehen wie bei Olympioniken, die der Erfüllung ihres Lebenstraumes nahe sind.

Besonders beeindruckend, und dies sei als persönliche Anmerkung des Autors zu verstehen, ist das völlig eigene Universum von Dramaturgie und Bildsprache, das sich innerhalb des Genres Sport entwickelt hat. Da der Cineast sich üblicherweise nicht oder kaum mit diesem Genre auseinandersetzt, und sich den klassischen Genres des meist inszenierten Schauspiels widmet, läuft er Gefahr, etwas Gewaltiges zu verpassen: Echte, wirkliche Dramen und Emotionen auf der großen Leinwand – oder nur dem heimischen TV. Dieser Autor wird Sportberichterstattung von nun an mit völlig anderen Augen wahrnehmen.

Originalkostüme und eine von hunderten von Trommeln der Sommerspiele 2008 vor einer der bewegenden Videoinstallationen.

Originalkostüme und eine von hunderten von Trommeln der Sommerspiele 2008 vor einer der bewegenden Videoinstallationen.

Die Ausstellung im Olympischen Museum Lausanne (Schweiz) nimmt, zusammen mit der regulären Ausstellung, mehrere Stockwerke in Anspruch und ist in drei Teile bzw. sieben Abschnitte gegliedert. In der Broschüre ist mehr zu erfahren, besonders empfehlenswert ist jedoch die großartige interaktive Ausstellung: Sie enthält jede Menge Beispiele rund um das Thema Broadcasting the Games, so auch restauriertes Filmmaterial bis zurück nach 1904 (St. Louis, USA). Doch nur vor Ort kann man all die Gerätschaften sehen, die so eine Übertragung erst möglich machen, von der Kamera, die neben den Wasserspringern in die Tiefe rauscht, über die komplette, mehrere Meter breiten Regiepult-Simulation bis hin zur Rundum-Videokomposition, in der die Aufnahmen zusammenlaufen und einem das Erleben der Spiele erst so richtig nahe bringen.

Das Museum liegt wunderschön am Nordufer des Genfer Sees (Google Maps). Bei gutem Wetter kann man nach Frankreich hinüberblicken, genau genommen nach Evian, dem Evian. Vom ein paar hundert Meter westlich gelegenen Hafen von Ouchy kann man mit dem Schiff auch hinüberfahren. Die Anreise ist denkbar einfach, denn vom Hauptbahnhof Lausanne (zu dem es unter anderem eine direkte Zugverbindung vom Flughafen in Genf gibt), führt die derzeit steilste U-Bahn der Welt (M2) direkt bis zur Seepromenade hinunter. Zu sehen gibt es in Lausanne und generell der Schweiz natürlich noch viel mehr. Aber wer zum Beispiel auf der Durchreise ist, dem sei ein Stop und ein Besuch dieser Ausstellung hiermit dringend ans Herz gelegt.

Am 30. und 31. Mai gibt es ein Event-Wochenende um die Ausstellung.

(Für Kollegen: Pressebereich, Press Kit)

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Liebe Leser,

diese Seite wird voraussichtlich in den kommenden Wochen zu einem neuen Dienstleister umziehen. Dieser muss jedoch erst noch gefunden werden. Sollte filmjournalisten.de also in Bälde einmal ein paar Tage offline sein, bitte nicht verzagen – wir kommen wieder!

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Mit großer Freude darf ich verkünden, dass Kollege Thorsten Krüger sich daran gewagt hat, eine eigene Filmseite ins Leben zu rufen: Komm und Sieh – World Cinema, Film International & US-Movies. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Lesen!

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Heute vor fünf Jahren ging filmjournalisten.de online, hier der erste Post. Schon interessant, wie sich der Blog seit damals gemausert hat.

Ursprünglich wollte ich einen News-Bereich für meine damals auf dem Weg zur Wiedereröffnung befindlichen Rechercheagentur speziell für Filmkritiker einrichten. Dies war im Budget für die Seite nicht drin, daher entschloss ich, das eben parallel und etwas unabhängiger als Blog laufen zu lassen.

Zu dieser Zeit war ich mächtig enttäuscht, denn im Jahr zuvor war meine Geschäftsidee vorerst gescheitert, nicht zuletzt weil sie kurz nach der Eröffnung (die war übrigens genau heute vor 6 Jahren) von einem Neider anonym torpediert worden war. Ich musste jede Menge Schadensbegrenzung bei jeder Menge Filmfirmen betreiben, bei denen ich ungerechtfertigterweise angeschwärzt worden war, teilweise mit wenig Erfolg.

Als die Wiedereröffnung meiner Seite sich aus Gründen weiter und weiter verzögerte, begann ich eben, im als News-Bereich geplanten und angelegten WordPress zu bloggen, quasi aus Langeweile. Und zwar viel eher über die Zusammenhänge zwischen Filmwirtschaft, Film-PR und Filmkritik als über Filme selbst. Bisweilen eckte ich damit an, bei Kollegen wie bei Filmfirmen, doch zum einen bin ich noch mit allem angeeckt, was ich jemals angefangen habe, und zum anderen habe ich hier nie gelogen.

Natürlich war ich lange Zeit noch grün hinter den Ohren. Heute gehe ich Texte und Berichterstattung völlig anders an, manche meiner eigenen Texte würde ich so jedenfalls heute nicht mehr veröffentlichen. Das Internet war zwar nicht neu für mich, ebensowenig das Bloggen selbst (ich hatte seit 4.2.2006 mit meinem Brottcast erste Blog-Erfahrungen gesammelt), aber das Publikum von filmjournalisten.de war ein völlig anderes.

Über die Jahre mäanderte die Seite thematisch zwischen Filmkritik und Branchenkommentaren. Heute liegt der Fokus stark auf der Filmkritik. Zum einen liegt das daran, dass zu Branchenthemen so gut wie alles gesagt ist, zum anderen hatte ich doch glatt jede Menge Beschwerden, warum es so wenig Filmkritiken auf der Webseite gibt.

Seit Stefe an Bord ist, ist das anders. Nun haben wir jede Menge Filmkritiken, und jede Menge Diskussionen zu diesen.

Ich finde das interessant. Die Nullachtfuchzehn-Filmkritik von der Stange ist nämlich ganz einfach strukturiert: Plot Summary, aber nur bis zu einem gewissen Punkt, so dass der weitere Handlungsverlauf offen bleibt („wird er die Bombe rechtzeitig entschärfen, um seine Tochter retten zu können?“), dann Kritik in der Form, dass einzelne Aspekte des Films beleuchtet werden, also Takt, Dialoge, Licht, Effekte, Ton und so weiter. Viele Kollegen machen hier den Fehler, ihre persönliche Meinung zu sehr einzubringen. Am Schluss gibt es ein Fazit, meist etwas plumpes in der Art, dass man gut was geboten bekommt für seinen Eintritt oder dass man den Film wohl mögen wird, wenn man diesen oder jenen anderen Streifen mochte. So sieht die normale Kritik aus, das lesen die Leute.

Stefe macht das nicht so. Stefe schreibt über Filme in einer Weise, als wenn Kinobesucher sich nach dem Film unterhalten. Stefe schreibt keine Kritiken, sondern wahrliche „Re-Views“. Auch sind sie massiv von der Autorenmeinung durchtränkt, sie bilden daher ein ganz eigenes Genre der fachlichen Besprechung eines Filmes. Diese Meinung ist jedoch nicht an den Text drangeklatscht, sondern aus den Erfahrungen mit dem Film entwickelt und ebenso im Text geäußert. Und es gibt jede Menge Diskussionen um Stefes Texte, inklusive persönlicher Antworten, teilweise melden sich die Filmemacher selbst zu Wort. Ich finde diese Texte toll, denn sie ermöglichen dem Leser einen anderen Blickwinkel auf die aktuellen Filme, abseits von dem üblichen „Es war einmal“-Geschwurbel. Und ich bin begeistert, dass über die Filme diskutiert wird.

Wie soll es weitergehen? Sollte ich diese Webseite monetarisieren? Die Klickzahlen ließen dies gerade so zu, die Einnahmen würden wohl ungefähr die Hostingkosten decken. Zweimal habe ich bezahlt gebloggt, diese Einträge sind übrigens mit „Kooperation“ gekennzeichnet. Die Gegenleistung war gering, aber ich war jung und brauchte den Amazon-Gutschein. Tendenziell bin ich gegen sowas, auch gegen Werbung, aber irgendwie muss die Butter ja aufs Brot. Sollte ich sonst was ändern? Inhaltlich, optisch? Habt Ihr Wünsche oder Vorschläge? Sagt es in den Kommentaren!

Für die Zukunft habe ich noch keine konkreten Pläne. Nicht, weil ich alles perfekt finde, wie es ist. Sondern, weil man natürlich erst mal ein Ziel braucht, wo man hin will. Also bleibt erstmal alles, wie es ist. Um es mit einem geflügelten Wort meiner schwäbischen Vorfahren zu sagen: „Nur id hudla!“

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Hinweis: Wegen technischer Arbeiten beim Hoster, so ließ man mich wissen, wird das Blog von Mi., 20.4. 23 Uhr bis Do., 21.4. 6 Uhr früh offline sein.

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Ganz ehrlich: Für mich lief 2010 nicht so besonders. Es läuft ganz allgemein nicht so besonders in den letzten Jahren, aber nun weiß ich endlich und eindeutig, warum: Ich bin zu gutmütig, zu nett, zu zuvorkommend, zu entgegenkommend und im Geschäftsleben zu preiswert.

(mehr …)

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Wir wünschen unseren Lesern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch in ein filmreifes Jahr 2011.

(Lockere Blogpause bis ca. Heilig Drei Könige.)

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Wahre Cineasten dürften sich über diese Sammlung der 50 besten Film(emacher)blogs des MovieMaker Magazines freuen.

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Immer wieder bekomme ich Anfragen per e-Mail, ob ich denn nicht an einem Linktausch interessiert sei. Ich werde in Zukunft auf diesen Blogeintrag hinweisen, wenn ich solche Anfragen bekomme.

Meist wird zuerst dieses Blog gelobt, dann kommt eine „wir sind auf Sie aufmerksam geworden“-Formulierung, die Professionalität und Business-Savvyness vermitteln soll, ganz so, als wäre mein Blog bei einer Sitzung von wichtigen Leuten ein eigener Tagesordnungspunkt gewesen, das Ganze ist dann garniert mit Begriffen wie „Linkpartnerschaft“, „Tauschprogramm“, was suggerieren soll, man würde gerade vom Club of Rome umworben.

Schließlich folgt eine Liste von URLs, von denen als Gegenleistung aus auf meinen Blog verlinkt werden kann.

Klickt man dann aus schierem Interesse auf eine oder mehr von den genannten Adressen, findet man sich in fast jedem Fall auf schlecht geschriebenen, schlecht recherchierten und auch sonst nicht weiter interessanten Webseiten oder Shops wieder, die vorgeben, sich jeweils auf ein Thema spezialisiert zu haben, sei dies Schmuck, Gartengestaltung, Finanzen, Gesundheit oder sonstwas.

Eines haben diese Webseiten jedoch gemein: Sie alle quellen über mit Anzeigen und sonstigem Geld-für-Klick-Nepp. In Kombination mit den stupiden, hohlen Texten voller Platitüden („Thema X ist in der heutigen Zeit aktueller denn je„, „Willkommen bei Y, Ihrer kompetenten Adresse für Y„), grausamer Grammatik und Rechtschreibung, schrecklichen Ausdrucksfehlern und obendrein ohne echtes Fachwissen.

Worauf diese Seiten aus sind: Möglichst viele Klicks auf die Anzeigen. Die Seite soll von Leuten gefunden werden (daher der Linktausch, um Leser zu bringen), diese sollen dann von gewissen Themen angefixt werden (aber nicht zuviele Infos finden) und sich in Folge in der Hoffnung auf mehr Infos bei den Anzeigen zu weiteren Seiten und Shops usw. durchklicken, was Geld und bei Kauf sogar Provision für die weiterleitende Seite bringt.

Für mich schreit das Ganze sofort „unlauter“, denn das Systen nutzt die Idee der Werbeklick-Vergütung mit dümmlicher Motivation aus. Eine Analogie zu solchen Webseiten in der Wirklichkeit sind die abgerissenen Typen, die z.B. in den USA auf Flughäfen rumlungern und frisch Gelandeten ihre Partnerkaschemme als Hotel anpreisen (ob diese das hören wollen oder nicht, ist denen dabei egal), um dann ein paar Dollar Provision kassieren zu können. Werbung um der Werbung Willen also, zum puren Selbstzweck, absolut unterste Schublade. Kein Mensch mit Rückgrat würde ernsthaft so ein Feld auch nur als fünftes Standbein jemals in Betracht ziehen.

Meine Seite der Angelegenheit ist jedoch ein genausowichtiges Argument: Ich freue mich, wenn mein Blog Leser hat. Ich will aber nicht einfach nur irgendwelche Leser, kaum mehr als hirnlose Klicksklaven, sondern ich will die Leser, die diesen Blog hier finden, auf ihn stoßen, von ihm erzählt bekommen. Kritische Menschen mit den verschiedensten Meinungen, die austeilen und einstecken können, mit denen ein veritables Tjosten in den Kommentaren ein intellektuelles Vergnügen ist. Menschen, deren unterschiedliche, aber stets fundierte Ansichten man respektieren und mit denen man im wirklichen Leben problemlos auskommen kann.

Ich werde bestimmt nicht die treuen Leser meines Nischenangebotes (es sind vergleichsweise wenige, aber dafür kommen sie wieder) vergraulen, indem ich ihnen grenzdebile Schmuck-, Gesundheits-, oder Gartengestaltungswebseiten ohne jegliche Individualität ans Herz lege („Tibet Style„, mich dreht’s gleich). Und im Gegenzug soll ich dann auch noch Busladungen von Leuten begrüßen, die eine Klickfarm nicht von einer Webseite mit Herzblut unterscheiden können? Nicht wirklich, echt.

Also, liebe Onlinemarketingsuchmaschinenoptimierwebzweinullsocialmediaundsoweitermanager, ich lehne dankend ab. Ich verlinke auf das, was mir gefällt, und wenn mir eines Eurer Angebote gefallen und thematisch hier irgendwie hineinpassen sollte (was bis jetzt noch nicht der Fall war), dann verlinke ich auch gern dorthin. Ihr könnt gerne auf mich verlinken, denn dies ist ein freies Land (leider noch kein freier Planet), aber bitte schminkt Euch ab, dass ich die lansgam gewachsenen Sympathien der Stammleser dieses Blogs verschleudere, indem ich zu einer von Euren Kackseiten verlinke. Nehmt es mir bitte nicht persönlich, aber ich pisse ja auch nicht in meine Badewanne.

Ich denke ja sowieso, dass alle, die glauben, mehr Friends auf Fecesbook, mehr Klicks auf der Webseite und so weiter wären was Gutes, nicht mehr alle Kerzen am Christbaum haben. Nichtmal mehr Geld auf dem Konto ist was Gutes. Zu wenig bzw. nicht genug ist schlecht, bei Klicks wie Friends wie echten Freunden wie auch bei Geld, aber zuviel verwässert die Sache. Hätte ich 100 Millionen Euro, könnte ich ein Leben im Luxus führen und würde schätzungsweise doch nur 5 bis 10 davon wirklich brauchen. Hätte ich 100 Freunde, wären 95 zu Recht sauer, weil ich kaum Zeit mit ihnen verbringen könnte. Das ist doch surreal. Dieses Blog ist für die, die es interessiert. Und wenn das nur ein einziger Mensch ist, hat sich’s schon gelohnt.

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