Gust Van den Berghe hat sich in die afrikanische Mythologie begeben. Er lässt zwei Geschwister, den Buben Bafiokadié und seine etwas ältere Schwester Téné einen Tag weg von zuhause in der afrikanischen Savanne verbringen, vorgeblich auf der Suche nach einem Blauen Vogel, der ihnen am Morgen weggeflogen ist. Im Laufe dieses Tages gibt es verwunderliche und erstaunliche Begegnungen mit einer sehr symbolischen Erwachsenenwelt und auch mit dem Thema Tod und am Ende des Tages werden die beiden nicht mehr in die T-Shirts passen, die sie am Morgen noch spielend anziehen konnten.
Der Film fängt in dem Lehmgehöft an, in welchem sie mit Vater, der Schreiner ist und Mutter wohnen. Die Mutter leert Wasser von einem Gefäss in ein anderes. Sie wäscht die Kinder, indem sie Wasser über sie schüttet. Der Bub hat einen blauen Vogel in der Hand und die Geschwister unterhalten sich über den Vogel und wieso er blau sei. Es gibt Stilleben in den Hof, ein Hund allein, der Vogel allein, ein Huhn.
Die Kinder kommen zurück. The bird is gone. Sie müssen ihn jetzt suchen. Sie gehen in die Weite der afrikanischen Landschaft hinaus. Das wird, wie es scheint, kein anstrengender Film.
Einmal liegt das Mädchen da und der Bub erscheint in einem Kornfeld, das heftig hin und her wogt und immer wieder taucht sein Kopf auf. Mystisch-mythisch, symbolisch-symbolistisch bis belgisch-surrealistsich, aber was erzählend? Schöne Bilder auf jeden Fall, praktisch alle Farben bis auf das Blau sind rausgefiltert, flirrender Eindruck, unwirklicher Eindruck, Eindruck wie durch ein Fenster in eine andere Menschenzeit hineinzuschauen, vielleicht in die Mythologie Afrikas oder doch nur in den rätselhaften Vorgang des Weges vom Kind in die Erwachsenenwelt..
Die Kinder hören den Vater singen. Er singt vom Tod, er fühlt sich tot, er sieht alles und alle tot. Sie treffen ihn unter einem Baum. Er hat eine Holzkiste dabei. Er ist Schreiner und hat einen Sarg gemacht. Den Sarg soll er abliefern. Später fährt er in Richtung Heimatdorf. Er hat eine Frau auf sein Rad gepackt nebst dem Sarg. Die Frau trägt auf dem Kopf einen geflochtenen Einkaufskorb, von der Art, wie ihn vorher die Kinder als Vogelkäfig für eine Taube benutzten. Der Frau wird dann schlecht. Er legt sie auf die Strasse. Fährt zurück. Kommt wieder. Jetzt packt er die Frau in den Sarg. Er fährt wieder zurück. Der Einkaufskorb bleibt auf der Strasse liegen. Das ist nur ein kleiner Nebenstrang der Geschichte dieses Tages von den beiden Geschwistern.
Die Kinder sind also auf der Suche nach ihrem blauen Vogel und gehen in leere Steppenlandschaft hinaus auf eine endlose Piste. Sie begegnen Ungetümen von Lastwagen.
Bei Bekannten finden sie eine weiße Taube. Sie streiten, wieso die Taube jetzt weiß sei. Das sei eine andere Taube, meint das Mädchen. .Sie spielen, tot, lebendig, tot mit der Taube, die sie sich zu dem Wortwechsel reichen. Jungs kommen zu den Beiden, während der Bub sich entfernt hat und das Mädchen auf einer Matte liegt, bedrängen sie mit Steinschleudern, und wie der Bub zurückkommt, rufen sie, der Chef komme. Der hat bald eine Begegnung mit Buschmännern, die ihm Vorwürfe wegen des Vaters und dem Holzverbrauch machen und greifen ihn an, aber er ist mit Steinwürfen erfolgreicher und vertreibt sie.
Estensiv-Movie. Visionäre Bilder Savanne. Ellenlanger Vogelflug. Beschwörung der Naturkräfte. Kein Handlugnsgerüst. Die Kinder spazieren in ihrer Fantasiewelt. Sie gelangen zur den Sonnenschirmerwachsenen, die erzählen, nur der Spass zählen. Sie sind die chiefs of pleasure. Der Vogel wird nicht zurückkommen. My life is full of joy, der Song und sie tanzen dann dazu.
Man muss sich als Zuschauer seine eigenen Gedanken machen.
Bei den Regenschirmmenschen gibt’s weitere abstossende Weisheiten, so dass die Kinder finden, sie möchten nie so werden, also dieses Versprechen verlangt das Mädchen von dem Jungen. Die Regenschirmmenschen sitzen alle in einer Reihe unter Regenschirmen und sehen aus wie ein Fantasie-Establishment. Nicht erwachsen werden. Aber die Natur arbeitet dagegen.
Die beiden Geschwister begegnen den Kindern mit den weißen Zipfelmützen, das sind die noch nicht geborenen Kinder unserer Protagonisten. Grosse Regierungs- und Herrschafts-Symbolik steht an mit dem Auftritt des Mannes mit dem Megaphon und der weißrandigen Sonnenbrille, militärische Vorschriften, die Zipfelmützkinder müssen sich in einer Reihe aufstellen. Der Megaphon-Mensch bereitet sie auf den sehr langen Marsch vor, bei dem es keine Sieger, nur Schicksal gebe, und dass alles nur ein Joke sei. Sie werden auf einen grossen Laster aufgeladen, der dann ganz langsam fährt, als sei die Last kostbar. Aurevoir, au Revoir, au Revoir.
Felsentor im Meer. Felsen davor im Spalier. Die beiden Kinder drauf zu. Die Kinder bewegen sich auf dem Strand drauf zu.
Am Abend wir die Mutter die beiden wieder waschen. Diesmal ganz gründlich mit Einseifen. Sie wird sich aufregen, dass sie sie schon wieder waschen muss, dass die Wäsche am Morgen nichts genützt habe.
Aber die Natur oder die Zeit, der Tag, hat gearbeitet, denn die Kinder passen jetzt nicht mehr in die Shirts, in die sie am Morgen spielend reingeschlüpft sind. Nun ja, dann muss die Mutter halt neue machen, sie ergibt sich diesem Schicksal, sie weiß, dass Widerstand dagegen zwecklos ist.