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Janosch – Komm, wir finden einen Schatz

Einen Schatz suchen und über das Erlebnis des Abenteuers Freunde finden, das ist schon mal nicht schlecht und da kommt es gar nicht so darauf an, was am Ende mit dem Schatz, einem richtig schönen Seeräuber-Goldschatz, passiert.

Jochen Gummibär hat insofern ein Problem, als er zwar Gummibär heißt, aber eigentlich ein Hase ist und um in diesem Zwiespalt nicht so allein zu sein, Freunde sucht. Er lebt in dem wunderschönen Janoschland, das einen Wegweiser nach Panama hat. In diesem Land leben ganz gemütlich der Bär und der Tiger. Ihr oberstes Glück ist die Häuslichkeit. Gerne fahren sie in einem Boot zum Angeln. Und wenns den Bären an der Nase juckt, so ist es, wie er glaubt, garantiert kein Schnupfen, der sich ankündigt, dann, so ist er hundertprozentig überzeugt, wird er gleich was ganz Besonderes angeln.

Und in der Tat angeln er und Tiger, der gerne ein Holztigerentchen hinter sich her zieht, eine große Kiste. In der Kiste ist eine weitere Kiste und darin noch eine und noch eine. Und in der letzten ist ein kleines Holzmodell eines Segelbootes und als Segel dient eine zusammengefaltete Schatzkarte. Jetzt könnte man sich in Ruhe aufmachen, den Schatz zu suchen.

Nun leben aber in diesem herrlich-fröhlich-bunten Janosch-Land auch noch Gokatz und Kurt. Die vertreiben sich die Zeit mit Großtun und Bienenwerfen. Diese schleudern sie in gestreckter Form mit dem Stachel wie einem Pfeil voran in eine Zielscheibe. Gokatz hat auch ein Auto, das so zu manchen Kapriolen fähig ist, die lustig an frühe Disneyfilme erinnern; blinde Maulwürfe sollten sich vor solch rasenden Fahrzeugen hüten.

Gokatz und Rosa kommen nun dahinter, dass Tiger und Bär eine Schatzkarte haben. Sie wollen sich diese unter den Nagel reißen. Dem Jochen Gummibär haben sie inzwischen weisgemacht, wenn er sich an der Schatzsuche beteilige und den Schatz finde, dann werde er Freunde finden.

Jedenfalls sind jetzt die Voraussetzungen für eine wunderbare Abenteuer- und Entdeckungsreise inklusive Verfolgungsjagd geschaffen. Es gibt Schneeballschlachten, die die Kinder besonders amüsieren, oder die Überquerung des gefährlichen Tintensumpfes, hier sind sowohl Taktik, List als auch artistisches Geschick gefordert, um den Krokodilen nicht zum Opfer zu fallen. Im Schiff im ewigen Eis schließlich, wo sich der Schatz befindet, da ist keine normale Lebenslage möglich, denn das Schiff steckt im Eis fest wie das Kreuzfahrtschiff Costa Concordia im Mittelmeer vor Italien. Auch das ist für die Kinder besonders lustig, wenn es dem Bär, dem Tiger oder Jochen Gummibär immer wieder nicht nur den Boden unter den Füssen wegzieht – das ist doch irgendwie auch ein Sinnbild für die Situation des Aufwachsens und Stehens und wieder Hinfallens und Trial und Error bis man die Dinge gerafft hat und wenn dann sogar noch Gegenstände aus Schränken und Schubladen über die Akteure kullern, da kennt das Vergnügen der Kleinen im Zuschauerraum keine Grenzen.

Aber Gokatz hat die Verfolgung aufgenommen und es wird nochmal sehr spannend und abenteuerlich und es braucht viel Einfallsreichtum der Abenteurer, bis alle wieder zuhause angelangt und dann endlich Freunde geworden sind.

Tiger und Bär, die vertreten von mir aus gesehen die guten Onkels von Kindern, die zwar am liebsten häuslich sind, mit denen man aber durchaus mal Pferde stehlen oder eben eine Schatzsuche veranstalten kann, und die nicht überall gleich den pädagogischen Zeigefinger ausstrecken müssen. Eine Verfilmung, die sich nicht vor dem Vorbild von Janosch zu verstecken braucht. Auch die Sprecher der Stimmen wurden ganz angenehm dem Charakter der Figuren entsprechend ausgesucht und haben etwas Vertrauenerweckendes.

Yellow Sea

Durch die Dauer von über zweieinhalb Stunden entsteht gegen Ende doch noch so etwas wie ein Kinogefühl. Das dürfte vor allem dem Hauptdarsteller geschuldet sein, der den Film trägt und immer interessant ist. Er hat einen stets wachen Blick, kann vom Bewegungsgestus her bald wie ein aufgeweckter Junge, bald wie ein Taxifahrer vom Lande wirken. Vor allem fasziniert er, und das wiederum ist dem Buch und der Regie von Na Hong-Jin zu verdanken, durch diese innere Autonomie unter der er zu handeln scheint.

Unser Protagonist, ein hochverschuldeter Taxifahrer aus China handelt zwar unter Auftrag. Um seine Schulden zu begleichen hat ihm sein Schuldner ein Angebot gemacht, illegal nach Südkorea einzureisen und dort jemanden umzubringen, das erstere eine offenbar gängige Praxis. Privat geht es dem Typen auch nicht gut. Seine Frau hat ihn verlassen, ist nach Südkorea abgehauen. Da es ihm wirtschaftlich wie menschlich beschissen geht, entscheidet er sich, das Angebot anzunehmen. Er, der nun nicht gerade ein Killer ist. Genau das wird den Reiz seiner Küchenmesserkämpfe in Südkorea ausmachen.

Nach vielen Impressionen aus China, wie er Taxi fährt, wie er spielt und verliert, gibt es Eindrücke von der illegalen Überfahrt; dicht gedrängt hocken sie im Schiffsbauch und unser Protagonist mitten unter ihnen, in einem kahlen, grauen, großen Schiffsbauch schaukeln sie über die See.

Mitten in der Nacht werden die Leute brutal geweckt und praktisch vom Schiff in zwei wartende Schlauchboote gestoßen. Die meisten springen erst ins Wasser und klettern dann in die Schlauchboote. Eine Person ist im Schiffsbauch gestorben, man sieht von einem der sich entfernenden Schlauchmotorboote aus, wie ein Körper ins Wasser geworfen wird.

Unser Protagonist ist gut ausgestattet mit Geld und Papieren. Und sieht sich in Seoul um. Er findet eine bescheidene Unterkunft. Er beobachtet sein ausersehenes Opfer. Das hat ein bestimmtes Ritual mit Heimfahrt in der Schwarzen Limousine. Mit dem Lift hochfahren in den 4. Stock. Es gehen Flurlampen an und später wieder aus, die an Bewegungsmelder angeschlossen sind. Das wird sehr schön und klar im Film gezeigt.

Er macht sich in seinem Zimmer Notizen. Da hängt auch ein Kalender, denn genau zehn Tage später ist die Rückfahrt für ihn geplant. Einmal ersticht er erfolgreich sein Opfer. Das ist aber ein Traum gewesen. Er kann das in dem Moment tun, wo der Fahrer auf das An und Aus der Lampen im Treppenhaus achtet, dazu muss er sich an einer bestimmten Stelle verstecken.

Dann macht er sich auf die Suche nach seiner Frau. Vorher hatte er übrigens, das hat ihm einer geraten, eine Mütze gekauft, weil er mit seiner chinesischen Frisur sofort als Illegaler erkennbar wäre. Mit dieser Mütze sieht er recht cool aus.

Dann ist er wieder vorm Gebäude seines Opfers, auch das wurde von den Location Scouts gut ausgesucht, es ist ein Gebäude, was so ein bisschen ausgewuchtet scheint, was recht einmalig ist und gut zu merken, eine filmische Qualität.

Dann folgt der definitive Mord. Und wer sich jetzt die Spannung an dem irgendwie doch bemerkenswerten Film nicht nehmen lassen will, der sollte tunlichst nicht weiter lesen.

Täter beobachtet zwei Individuen, die sich ins Haus schleichen und das Opfer in Kämpfe verwickeln, bis einer aus dem Fenster stürzt, direkt auf das Dach der Limousine, der Fahrer nix wie ins Haus und der Auftragskiller hinterher. Der findet sein Opfer nur noch tot und darf in koreanisch genüsslicher Manier, so wie sie genüsslich Schmatzen beim Essen, in einer längeren Sequenz, in der man nur sein Gesicht und seinen Bewegungen sieht, den Finger abzutrennen versuchen.

Doch da ist schon die Polizei im Anmarsch. Es folgt eine der üblichen Fluchtgeschichten. Wobei das sicher eine koreanische Originalität ist, wie 50 Polizisten hinter ihm her rennen und Polizeiautos dazu und wie er denen einfach entkommt, das macht schon was Superheldisches aus ihm, das attestiert ihm unheimliche Kräfte, diese Autonomie der Figur, die offenbar durch nichts aufzuhalten, noch zu bremsen noch vom Kurs abzubringen ist. Das sind fulminante Actionszenen, aber irgendwie wirken sie auch ein bisschen hausbacken, es fallen einem amerikanische Filme ein, bei denen doch viel durchgeknalltere Verfolgungsjagden stattfinden, zum Beispiel wie die Fast and Furios Five mit ihrem Autos schreddernden Tresor als Anhänger und der Jagd durch Rio.

Hier wirken die Polizisten immer auch ziemlich deppert und benehmen sich wie Kindsköpfe, unfähig, einen einsamen nordkoreanischen Wolf dingfest zu machen.

Ab hier etwa kommt mir die Chose doch sehr fernsehmässig vor und ich verstehe überhaupt nicht, wie manche Leute von Film Noir reden können oder vom besten Mafiafilm seit langem. Dafür ist doch die Konstruktion zu routiniert, wer da wem ins Gehege kommt. Und die Figuren, die verschiedenen Gang- und Polizeibosse bleiben mir zu wenig charakterisiert.

Der Film zieht sich und man fragt sich, was daran noch so spannend sei. Der Täter entkommt dem riesigen Polizeiapparat, erledigt noch diverse rivalisierende Gruppen, bis er ein Boot kidnappt und damit auf See sticht, wo er stirbt und vom Kapitän ins Meer gekippt wird.

So faszinierend ich den Schauspieler finde, irgendwie agiert er ins Leere. Die Gegenfiguren sind nicht spannend genug entworfen, das dürfte der Grund sein, dass es lediglich um Verfolgungsjagd geht und überhaupt keine Psychologie im Spiel ist. Eine oberflächliche Verfolgerei. Die dauert und dauert. Und sehr viel Gemetzel, was auf die koreanische Art vor allem mit Küchenmessern erledigt wird. Brutalität, die mir nicht viel erzählt.

La Yuma

La Yuma wird ausgesprochen la Tschuma und heißt die Unbezähmbare.

In der ersten Szene wird vorgegeben, wie erzählt werden wird, nämlich locker und atmosphärisch und wo erzählt wird, nämlich irgendwo in Nicaragua, es gibt hier keine Teerstrassen, alles andere als unser gewohntes, mitteleuropäisches Milieu. Armselig und ärmlich.

Das erste, was auf uns zukommt ist der Eierwagen. Ein LKW mit Lautsprecher, der seine günstigen Eier anpreist. Er nähert sich dem Standort der Kamera, die schwenkt nach links, da ist gerade ein Rugby-Spiel im Gange, Kids aus schwierigen sozialen und armen Milieus gegen Cops, die das als Integrationsmaßnahme verstehen. Denn die Kids stammen aus dem Milieu wie Yuma, sie hängen rum, Drogen, Diebstähle; einmal wird der Pollo(Hühner)-LKW-geklaut das zeitigt eine wilde Verfolgungsjagd des bescheidenen Polizeiautos mit dem Tiefkühl-LKW und am Schluss erschießt einer auch noch einen Polizisten; ein anderer wird verhaftet.

Yuma ist eine pubertäre junge Frau, knackig im Körperbau, mit einem Gang, der aller Welt klar macht, dass man sich mit ihr nicht anlegen soll, sie könnte auch Fußballspielerin sein, kommt aus einer Familie, die in einer ärmlichen Behausung lebt, der Vater liegt nur in der Hängematte, die Mutter schlägt die Familie mit selbst zubereiteten Esswaren durch, die sie verkauft. Yuma hat noch einen kleinen Bruder.

Da Yuma auch nicht zur Schule geht, soll sie wenigsten bei, Scarlett arbeiten die einen Klamottenladen betreibt; Yuma hat aber anderes im Sinn, sie will raus aus dem Elend und sieht im Boxen ihre einzige Chance. Sich aus der Misere rausboxen. Insofern ist sie in einem Kleider-Laden denkbar fehlplaziert, verscheucht die Kunden mit ihrer abweisenden Art eher, als dass sie sie zu Käufen überredet. Und sie will eh nicht voll arbeiten, denn sie hat Termine, nämlich im Boxclub, wo ihr Talent erkannt worden ist.

Das ist so eine der kleinen Geschichten, ihr Verhältnis zu Scarlett, ihrer Chefin, der Matrone von Ladenbesitzerin, wie es sich allmählich positiv entwickelt. Sie beobachtet vom Laden aus einen Entreißdiebstahl. Yuma findet das Diebesgut später unterm Bett zuhause, sieht das Foto des Bestohlenen mit seiner Freundin und die CD mit seinem ersten Zeitungsartiekl, denn er ist Journalismus-Student. Sie sucht den Kontakt zu ihm, das könnte auch ein Weg aus dem Elend werden. Aber dass sie mit einem Studenten aus besseren Verhältnissen anbandelt, das kann nicht funktionieren, denn ihre Kumpels schlagen den Studenten Ernesto, so heißt er, brutal zusammen und der glaubt, sie hätte das angeleiert.

So gibt sie ihn ohne weiteres auf. Konzentriert sich auf das Boxen und hat bald schon ihren ersten Preiskampf. Dazu lädt sie auch Scarlett ein, die hin und weg ist. Vorher schon sind die beiden vom einen Typen vom Boxclub zu einer Stripshow eingeladen geworden. Showszene mit kreischenden Frauen.

Yuma möchte aus „la mierda“, aus dem Elend raus. In ihrem ersten Kampf besiegt sie gleich eine Meisterin. Das gibt also Hoffnung. Und schon hauen sie ihre Freunde um Geld an, weil sie glauben sie sei jetzt reicht.

Eine Nebengeschichte ist noch die mit der kleinen Schwester, die vom Vater vernascht wird und die nimmt sie von zuhause weg und zieht bei einer Schwuchtel, die gerne in Frauenkleidern rumläuft ein und muss für sie sorgen.

Das alles wird im Stil einer Telenovela erzählt. Mit viel Humor und großer Lockerheit. Unter ihrer Gang gibts auch den Kumpel Down, der unterm Downsyndrom leidet. Eine bunte Mischung an Figuren um die Kämpferin Yuma, die im Untertext sicher auch erzählt, Lateinamerika ist im Kommen.

Buch und Regie sind von Florence Jaugey.

DVD: Awake

Catharina Roland nennt ihren Film „Awake“ einen „Reiseführer ins Erwachen“. Man könnte den Film auch eine subjektive Dokumentation nennen, gar, um in heilsgeschichtlicher Dimension zu sprechen, vom Zeugnisablegen spirituellen Erwachens mit filmischen Mitteln.

Frust im Leben, Burn-Out, Stress als alleinerziehende Mutter, Verlust des Einsseins, Lähmung durch eine Überzahl an Problemen, Rückzug in Winterstarre und schließlich frägt der Bub auch noch, wenn ich groß bin, sind wir dann noch hier, wenn wir alles kaputt machen?

Das war für die Regisseurin der Zeitpunkt, aufzuwachen, sich aufzumachen auf die Suche nach der verlorenen Einheit. Aus dieser Reise in alle Welt, die sich über mehrere Jahre erstreckte, ist als Resultat der vorliegende Film geworden, „Ein Reiseführer ins Erwachen“.

Außerdem schrieb Roland ein Tagebuch: das wird im Film oft gezeigt, sie sitzt angenehm auf malerischem Wurzelwerk oder singulären Baumstrünken, im Boot oder zu Füßen eines Buddhatempels oder mitten unter Affen an einem Affendenkmal und schreibt. Idyllen für sich, Bilder vom Beisichsein, von Zufriedenheit mit sich und der Welt, immer auch in angenehm temperierten Weltgegenden, am Meer oder vor Wasserfällen, so dass leichte Gewandung, die luftig und frei erscheinen lässt, möglich war.

Ihr filmischer Reisebericht ist ein hochkonzentrierter Ineinanderschnitt von Interviews mit Schamanen, Gehirnforschern, Klangtherapeuten, Ärzten, Zukunftsforschern, Advaitalehrern, spirituellen Lehrerinnen, Transformationscoaches, Herzlehrern, Filmemachern, viele davon Autoren und Bestsellerautoren. Sie alle sind in angenehm eingerichteten Wohnsettings zu sehen, oft naturnah. Sie alle sprechen im Gestus des Wissenden über die Zusammenhänge zwischen All und Individuum, die ihnen plausibel erscheinen. Sie sehen sich als Bestandteil des kollektiven Erwachens, von dem die Rede ist und das nach einem alten Mayakalender noch Ende 2012 passieren soll.

Ferner geht es um die Zeit der Transformation, um den Herzschlag der Galaxie, um Synchronizität und Telepathie, um das Potential, das der Mensch nur einschalten muss, denn 95 Prozent seines Gehirnes lässt er ungenutzt; um die atemberaubende Aussicht auf die Freiheit, die sich der Filmemacherin bot, um Perzeption, um den Sitz des Bewusstseins, um Programmierung in der Kindheit (Anmerkung des Autors: das nutzten schon die Jesuiten: gebt uns die Kinder bis 6 Jahre und sie gehören uns), um Magiertum und Vibration, um Tools (“warum leide ich und wie kann ich was dagegen unternehmen”), um das JETZT, um revolutionäre Erkenntnis, Liebe, um den Tropfen, in dem die ganze Welt enthalten ist (Anmerkung des Autors: da könnte man schon beim guten alten Leibniz fündig werden, in der Monadenlehre), dass alles Energie sei (Max Planck wird zitiert).

Auf jeden Fall beweist Catharina Roland mit diesem Film auch einem Skeptiker des spirituellen Gewerbes, dass es sich lohnt bei Frust und Burn-Out den Finger rauszunehmen, auf Reisen zu gehen, sich ein Thema vorzunehmen, gezielt auf Menschen zuzugehen, Tagebuch zu schreiben und einen Film zu machen; dass es sich lohnt den Cocon zu verlassen, und wenn es ihr gelingt, die DVD gut zu verkaufen, so hat sie so ganz nebenbei auch noch einen Beweis der calvinistischen Prädestinationslehre geliefert.

DVD: A beginner’s guide to endings

Hier geht es um ein Testament. Ein klein bisschen vergiftet ist es schon, denn die Familienverhältnisse von Duke White (Harvey Keitel), dem Testamentsverfasser, sind in etwa das Gegenteil von „geordnet“.  Duke will sich umbringen, was will er noch, fünf mehr oder weniger misslungene Söhne aus fünf verschiedenen Liebesverhältnissen. Ein Haus, ein klein bisschen Vermögen. Und eine Last aus der Vergangenheit, die es in sich hat, resp. die drei seiner Söhne in sich haben sollen. Was gibt es da noch an Zukunft? Die Lösung für Duke heißt also erst das Testament handschriftlich verfassen, was er für die Kaputtheit, die er behauptet,  erstaunlich sorgfältig macht, was fast den Eindruck  von „geordnet“ erweckt. Dann einen Strick um den Hals gelegt, die zerzausten langen, ungepflegten Haare über dem abgefuckten Gesicht zu kämmen ist unwichtig, einen dicken Holzprügel an das Seil geknotet, damit der sich im Gestein am Boden des Flußes verfängt und Duke nicht mehr an die Oberfläche lässt, nachdem er sich in denselben geworfen hat. Es ist der Niagara-Fluß kurz vor den Niagarafällen. Im Vergleich dazu, wie sein Leben verlaufen ist, scheint das der Erlösung versprechende Abschluss. Eine Anfängerlektion übers Aufhören, wie der Titel verspricht. Was ein Mensch im Leben daneben setzen kann, das hat Duke daneben gesetzt – hoffentlich nicht auch noch sein Ende! Seine fünf Söhne stehen nun da mit dem Vermächtnis, das an die Geschichte vom Bauern erinnert, der seinen Söhnen einen Acker versprach, in dem sich ein Goldschatz befinde, und sie gruben und gruben… Es werden viele Sprüche geklopft in diesem Movie, die handeln von den einfacheren Instinkten kaputter Männer, von ihren Träumen und Niederlagen; zur Rezeption am ehesten geeignet in brüllender Männerrunde in einem rauchigen Hinterzimmer und dort auf Großbildschirm. Lob der angeknacksten Männlichkeit, ein Hohelied auf die Kaputtheit, die sich aber doch nicht ganz abfinden will damit.

DVD: Magic Beyond Words – Die zauberhafte Geschichte der J.K. Rowling

Ein Feel-Good-Biopic über das Leben von J.K. Rowling, der Erfinderin und Autorn der sieben Harry-Potter-Bücher, die sie zu einer der reichsten Frauen Englands gemacht haben. Von der Sozialhilfe zur Multimillionärin, das ist die Strecke, die dieser Film zurücklegt, die Wikipedia-Angaben über die Autorin auf wenige klischeehaft vereinfachte Stationen verknappt, Sätze wie:  „Schlampe, wo willst Du hin“ (Mitschülerinnen, die was gegen die hochintelligente Jeanne, wie sie noch hieß, hatten, und die im Unterricht zeichnet und auch noch alles mitkriegt, was der Lehrer sagt), „Mein Gott, sie fehlt mir so sehr, ich kann nicht einmal atmen, ich will sie wieder haben“ (über die tote Mutter), „ich zeige dir etwas, das macht mich glücklich“ (wie sie zum ersten Mal ihrer Schwester das Harry-Potter-Manuskript zu lesen gibt), „ich habs geschafft, Mom“ (mit dem ersten gedruckten Exemplar in der Hand vor dem Portait der Mutter), „Dein Leben wird sich dramatisch ändern“ (nach dem Vertrag mit Amerika). Das Ganze in ein zähe Feelgood-Musik-Sauce getunkt und insgesamt mit wenig wenig bis null „magic beyond words“.

DVD: KJB – Das Buch, das die Welt veränderte

In jakobinisch-puritanisch luzider Manier und mit Liebe zum Detail präsentierte “Schulstunde” über ein Kapitel englischer Geistes- und Machtgeschichte. John Rhys-Davies führt in der Rolle eines gebildeten und mit breitem Wissen ausgestatteten Moderators oder Tour-Guides mit didaktischer Verve durch die Räume, Geschehnisse und die geistigen Auseinandersetzungen des jakobinischen Zeitalters.  Im Zentrum des Interesses steht die King James Bible. King James VI. und I. von Schottland und England hat diese Übersetzung veranlasst, und wie er das zustande gebracht hat, dass 50 Gelehrte aus zerstrittenen religiösen Fraktionen sieben Jahre lange gemeinsam gearbeitet und ein Jahrhundertwerk geschaffen haben, das sich auch wunderbar laut vorlesen lässt, das grenzt an einen geistig-machtpolitischen Hattrick, der hier spannend nachgezeichnet wird mit Spielszenen, kurzen Statements von Historikern und Experten und den verbindenden Erläuterungen unseres Tour-Guides. Auch die deutsche Fassung ist überzeugend, nicht das hekitsche Lippensynchrongeschäft verströmt Unruhe, sondern ein Voice-Over in cooler und respektvoller Distanz zu den Akteuren, dazu kann man noch deutsche Untertitel haben und im Hintergrund hört man die britischen Originalstimmen, ein für die Rezeption angenehm hilfreiches Verfahren.

Genialer Helfer: elgato turbo.264 HD

Auch wenn man nur sporadisch mit Videodateien aller Art jongliert, ist das der elgato turbo.264 HD eine echt gute Hilfe für den Alltag. Die Idee ist einfach: Da die meisten Rechner da draußen eher langsam sind und für das Umcodieren von Videos in z.B. das gewaltig platzsparende H.264-Format Stunden über Stunden Rechenzeit benötigen, deckte elgato diesen speziellen Bedarf mit einem Gimmick: Der turbo.264 HD ist ein USB-Stick, der einfach an den Mac gestöpselt wird. Im Stick befindet sich ein Chipsatz für hardwareseitige Videokompression.

Zusammen mit der (beiliegenden) Software Turbo.264 HD hat auch der ältere Mac plötzlich eine Video-Konvertierungs-Power, die sich sehen lassen kann. Auch die Bedienung der Software ist denkbar simpel: Einfach die zu konvertierenden Videos in das Fenster ziehen, Zielformat einstellen und „Start“ klicken.

Wer will, kann die einzelnen Videos auch noch (mit dem aus eyeTV bekannten Editor) schneiden oder mehrere Videos auch aneinanderfügen. Auch können eigene Formate vorprogrammiert werden. Hier zeigt sich erst, wie klasse das turbo.264-Paket wirklich ist: Wer alte eigene Videos digitalisiert, kann zum Beispiel das Deinterlacen hier vornehmen, aber auch andere Einstellungen beeinflussen wie zum Beispiel Bildgröße, Bildseitenverhältnis, Overscan, Bildrate, Datenrate, H.264-Profil und -Level, GOP-Größe und Struktur, die Bild- und die Entropie-Codierung ebenfalls. Vieles von diesen Details wird man wohl erstmal nachschlagen müssen.

Der Stick lässt sich von EyeTV aus ansteuern, so dass man direkt über den Exportbefehl Filme aus der Datenbank z.B. automatisch verkleinert auf den iPod exportieren kann. Die Software funktioniert übrigens auch ohne Stick, nur läuft die Kodierung dann über den Hauptprozessor und kann schonmal den eigenen Rechner für ein paar Stunden schwer beschäftigen.

Praktisch ist auch, dass man gleich seine Kontodaten für YouTube oder auch einen FTP-Server (und andere) angeben kann, so dass das Video bei der Auswahl des entsprechenden Filmformats (z.B. „YouTube HD“) gleich automatisch hochgeladen wird. Einziges Manko von Seiten YouTubes: Neu hochgeladene Filme erscheinen sofort öffentlich, anstatt dass sie zunächst unsichtbar sind, damit man die ganzen Details noch eingeben kann.

Alles in allem ist der turbo-264 HD in Zusammenarbeit mit Quicktime 7 Pro eine sehr kleine, aber feine Editing Suite. Profis sind natürlich anders aufgestellt, aber an die richtet sich das Produkt ja nicht. Ich habe meinen turbo.264 nun schon über ein Jahr und bin rundum zufrieden. Ohne möchte ich keine Videos mehr umcodieren. Das wollte ich nur mal gesagt haben.

Die Farbe des Ozeans

Armutsflüchltingsthemengestützte Abschöpfung von Filmförder- und Fernsehgeldern mit zwei mager ausgearbeiteten Geschichten, die fürs Kino schlicht zu dünn sind.

Man versuche einen Film über folgende Sachverhalte zu machen: ein spanischer Cop hat eine drogenabhängige Schwester und weil sie einen Arm im Gips hat, muss er ihr das Dope verabreichen. Eine Deutsche macht Urlaub auf dieser Insel vor Spanien, deren Namen nie erwähnt wird, sie wartet darauf, dass ihr Freund aus Deutschland nachfliegt, denn es sind die Tage zwischen den Jahren. Sie wird von einem Flüchtling aus Afrika um Geld für die Überfahrt aufs Festland gebeten.

Der spanische Cop, der nun wirklich ein fabelhaft aussehender und cool agierender Spanier ist, er heißt Alex Gonzales, ist im Film José und handelt aus ruhig überlegenem Habitus, der möchte einerseits nicht, dass seine Kollegen mitkriegen, was mit seiner Schwester los ist; andererseits ist er mit angelandeten Afrikaflüchtlingen befasst, führt Befragungen durch und ist nicht unbedingt freundlich zu den armseligen Kreaturen.

Die Deutsche ist in der ersten Szene als Bikini-Schönheit am Strand unterwegs, wie ein Boot mit ausgedürsteten und teils toten Afrikanern eben gelandet ist. Einem von ihnen hat sie ihre Telefonnummer gegeben. Von diesem, es dürfte Zola sein, gibt’s anschließend auch eine kleine Geschichte: wie er mit seinem Sohn unter Vorwänden und Lügen ins Leichenschauhaus gelassen wird, um von dort auszubrechen.

Dann zeigt uns Maggie Peren, so heißt die Schreiberin des Buches, die auch die Regie geführt hat, wie die Polizisten diskutieren, dass der Ausbüchser versuchen werde, zum nächsten Parkplatz durchzukommen, um dort in den Abfalltonnen nach Trinkwasserflaschen zu suchen. Wie er sich dann tatsächlich dran machen will, kommt ihm die Polizei zuvor und transportiert die Müllsäcke ab.

Anhand von Zola wird ein Flüchtlingsschicksal angetippt, das uns zeigen soll, wie schlimm das alles ist. Es ist schlimm. Nur ist es für einen Spielfilm wiederum sehr wenig, dieses als Hauptabsicht zu haben und darumherum ganz dünne Handlungsfäden zu spinnen, die vermutlich kaum jemanden ins Kino zu locken vermögen. Denn wer will im Kino schon darüber aufgeklärt werden, wie brutal mit diesen Flüchtlingen umgegangen wird.

Der Film ist in fernsehasthmatisch kurzen Szenen mit teils harten, noch dazu akustisch verdeutlichten Übergängen gar nicht besonders kinoaffin gedreht. Eher Fernsehware würde ich sagen. Gutmenschenkino, das versucht Misstände aufzuzeigen statt eine spannende Geschichte zu erzählen; Kino eines geringen Aufwandes.

Von der Sprache her ist verwunderlich, dass spanische Polizisten makellos-langweiliges Synchronhochdeutsch sprechen, während einige afrikanische Flüchtlinge original französisch sprechen.

Zum Thema scheint von Regieseite her wenig geistiger Input geleistet worden zu sein. Fehlt nur noch, dass als Werbegag gebracht wird: 1 Euro vom Kinoeintritt kommt illegalen Afrikanern in Spanien zugute.

Die Geschichte steht da, wie ein Baum ohne Wurzeln. Man weiß nicht, wieso die Deutsche hier Ferien macht. Man weiß nicht, was José gegen die Flüchtlinge hat. Man weiß nicht, wieso die Flüchtlinge diese lebensgefährliche Flucht unternehmen. Auch sie lernt man kaum näher kennen. Bis auf den Moment, wo Zola die Geschichte erzählt, die die Begründung für die Titelgebung hergeben soll, dass es um sterbende Wale gehe. Ja, ja, afrikanische Flüchtlinge sind sterbende Wale. Oder wie?

Der Film wird niemandem weh tun, er wird niemanden aufrütteln. Er kommt mir mehr vor wie ein Flüchtlingsploitation-Movie. Denn das gute Geld damit verdient Maggie Peren und ihr Team, Subventions- und Fernsehgeld. Auch sehen die Szenen nicht unbedingt nach gründlicher Recherche aus. Mag sein, dass die Autorin ein bisschen Anekdoten gesammelt hat vor Ort. Wie die Geschichte mit dem Wasser im Mülleimer. Insgesamt kommt mir der Cast auch sehr strange zusammengewürfelt vor. Am meisten beeindruckt wie erwähnt José, dem bessere Filme zu wünschen wären.

Es ist der ganze Aufwand für die Katz, wenn die Geschichten nicht gut genug gebaut sind. Und das Werk hier lässt den Exploitation-Verdacht aufkommen, dass da jemand ein Thema gesucht habe, was Förderer, die glauben Gutmenschen sein zu müssen, nicht ablehnen können. So autmatisch sagen sie zu, wie das berühmte „Negerlein“ aus den früheren Sonntagsschulen nickte, wenn ein Kind ein Groschen eingeworfen hat. Insofern vermutlich sogar ein recht rückständiges Kino, das es nicht schafft, die Thematik verbindlich und so schmerzhaft, wie sie sein soll, zu präsentieren, sondern lediglich als Förder-Schnorrer-Produkt.

Hanni & Nanni 2

Mit Kinderfilmen kann man alles machen. Da muss man weder viel von Regie noch viel vom Drehbuchschreiben verstehen. Man nehme ein berühmtes Buch, das ist schon die halbe Miete; wie man das dann bearbeitet ist relativ wurst, Hauptsache die beiden Identitfikationsfiguren, Hanni und Nanni kommen darin vor und sie sind in einem Internat. Und da das zwei Mädchen im zuckersüßesten Teenie-Alter sind, so darf der Film eine zielgruppenübersüßte zuckersüße Sauce sein. Es müssen noch die Freundinnen vorkommen.

Man hole sich aus den Kinderbüchern noch das eine oder andere Sujet heraus. Hier zum Beispiel das Gerücht, dass unter den drei Neuen eine Prinzessin sei. Man besetze Katharina Thalbach als Mademoiselle Bartoux – sie ist immer ein Clown, aber eher für die Kleinen – mit einem herrlichen Akzent und als überforderter Ersatz für die Schulleiterin, die wegen einer dringlichen Angelegenheit den Hauptteil des Filmes nicht anwesend sein kann (dafür darf man einen Star wie Hannelore Elsner engagieren und sie „als Gast“ in den Credits aufführen – vom Auftritt her besehen erklärt sich die Sondernennung nicht so ganz – vielleicht möchten sich die Macher mit solchen Sperenzien „großes“ Kino beweisen?).

Man lasse einen Hühnerfarmer eine Ladung Hühner ins Internat anliefern. Die kann man dann für den Rest des Filmes als lustig sein sollende Requisite überall hinstellen, wo gerade Platz ist.

Ferner engagiere man eine Kamera mit eigenen Ambitionen.

Über das alles streue man einen scheußlich süßen Musikguß.

Zu guter letzt bringe man am Rande noch etwas Scheidungsproblematik in die Story, in der Geschichte der Eltern von Hanni und Nanni.

Wobei dann doch verwundert, da ja Hanni und Nanni die Hauptfiguren sind, wie die Szene plötzlich in Berlin bei den Eltern ist, und nicht in dem Internat im Schloss.

Dann engagiere man noch einen mittpubertären, blonden schlacksigen Bengel von Franzosen, der eine Zeit auf dem Mädcheninternat verbringen soll. Da ist schon vom ersten Auftritt an abzulesen, wie die Regisseurin die Schmachtblicke der Mädels zeigen wird. Er kann ja auch fechten.

Wenn man also ein bekanntes Kinderbuch und genügend Geld von diversen Filmförderanstalten und vom ZDF hat, ist es gar nicht mehr so wichtig, eine stringente Geschichte zu schreiben, gar eine, die Tiefe hätte. Man möchte schön auf der mädchenhaften Oberfläche bleiben, keine Figur richtig ernst nehmen, ein bisschen Trallala und obendrein noch Songs dazu. Und da, wenn einer keine richtige Geschichte zu erzählen hat, auch viel Zeit übrig bleibt so engagiert man auch noch Schafe und zum Schluss muss noch eine quälend lange Concert-Nummer her. Friede, Freude, Eierkuchen-Kino für Mädchen, denen der Weg zur Frauwerdung keine Probleme bereitet. Ach ja, fast hätten wirs vergessen, eine ganz nette Entführung spielt hier auch noch eine Rolle.

Für das Drehbuch stehen Christoph Silber und Jane Ainscough, für die Regie Julia von Heinz.