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Tatort: Das Verlangen (ARD, Freitag, 26. Dezember 2025, 20.15 Uhr)

Ein Staaatstheaterproblem
Zweifacher Bühnentod
Einmal durch Erhängen,
einmal der Darstellerin auf der Bühne beim Spielen

Nachdem Pumuckl sich in die Bayerische Staatsoper verirrt, darf der Tatort nicht hinterherhängen und muss wenigstens im Bayerischen Staatsschauspiel seinen Auftritt haben.

Vor kurzem gab es im Kino den Film Sentimental Value. Dieser skandinavische Film fängt die ganze Aufregung vor einer Vorstellung ein. Da ist die Protagonistin mit privatem Vornamen Nora am Rande des Nervenzusammenbruchs.

In Bayern fällt Nora, also privater Rollenvorname der Darstellerin, aus und eine andere muss die Nina – ebenfalls in Tschechows Möwe – übernehmen. Zwei fast haargenau gleiche Filmanfänge.

Im skandinavischen Film von Joachim Trier spielt das Theaterstück selber keine Rolle, dort geht es um feinsinnige Analyse menschlicher Beziehungsgeflechte, um Freiheit und trangsenerationale Traumata.

Auch in München ist die Nora am Rande der Panik, verkriecht sich in der Toilette, im deutschen Fernsehen kommt das melodramatisch rüber. Sie heult, stößt kurz auf und schon ist sie beschwichtigt. Im deutschen Tatort-Fernsehen folgt ein kleinkarierter Hickhack um die Rolle, denn die andere Schauspielerin darf jetzt doch nicht übernehmen, tut mir leid, meint eine Theaterfunktionärin. Dann füllt minutenlang deutsches Staatstheater mit Hinterdenkulissengeplänkel vermengt den Bildschirm. Dürfte für den einen oder anderen Zuschauer ein Grund zum Wegzappen sein.

Die beiden sonnengebräunten Kommissare wirken, als ob sie ihre Rentenzeit im Süden angetreten haben und aus purer Nostalgie oder weil sie doch irgendwer für unersetzlich gehalten hat, nochmal in ihre alten Berufsbuxen und -schuhe gestiegen sind.

Der Tatort stochert jetzt unentschieden im Staaatstheatermilieu herum, einerseits versucht er – recht gestelzt – Hinter-den-Kulissen-Atmosphäre herzustellen; an den Thomas-Bernhard-Satz vom Theater als einer Falle kommt er nicht heran.

Es sieht so aus, als haben die Autoren Norbert Baumgarten und Holger Joos mal was gehört von Intrigen im Theater, diese aber nicht selber beobachtet und anlysiert, und so ein paar Szenen am Computer aus dem Ärmel geschüttelt, wer weiß, vielleicht war KI auch noch behilflich. Das reimt sich nicht so recht realistisch zusammen. Überhaupt bleiben die Dialoge eher weltfremd und schon gar nicht dem Leben abgeschaut.

In diesem lauen Stochern sind Ermittlungansätze der Kommissare eingefädelt. Ein weiteres Problem bei Theater-im-Film-Projekten ist die Differenz on-stage / off-stage; das ist schlampig gelöst. Das ist vielleicht ein Casting-Problem, es gibt Schauspieler, die können das und solche, die können es eher nicht.

Kommissare müden sich durch einen schlecht erfundenen Theatersumpf.

Der Tatort möchte einen Blick in die Theaterwelt werfen, verwendet dabei ein trübes Brennglas. Zudem sind Theaterintrigen nun nicht gerade ein brennendes soziales Thema für den überwiegenden Teil der Zwangsgebührenzahler.

Die Macher verstehen es auch nicht, den Stoff über das Fachspezifische hinaus interessant zuzubereiten, so wie ein Joachim Trier in Sentimental Value vorgeht. Es wirkt so, als trample das Tatortformat wie ein Elefant im hochkomplizierten Beziehungsgeflecht eines Theaterbiotops umher, ohne dieses dem theaterfremden Zuschauer einsichtig, verständlich oder als spannend zu vermitteln. Also wieder so ein Tatort-DNA-Fremdgänger unter der redaktionellen Verantwortung von Cornelius Conrad, nicht im Sinne eines öffentlich-rechtlichern Unterhaltungsfernsehens.

Immerhin, das kann dieser Tatort vermitteln: das Theatergebäude als ein Labyrinth, so oft sich die Darsteller durch die Gänge, Treppen, Flure, Brücken bewegen; ist aber eitel genug, das auch noch kommentieren zu lassen „Wer hat denn dieses Theater gebaut? Kafka?“. Schlecht recherchiertes und durchdachtes Drehbuch. Und was ist bloß aus Andreas Kleinert, dem einstigen Regie-Wunderkind geworden?

Die Tschechow-Aufführung selbst scheint von eher durchschnittlich-steifer Stadttheaterqualität zu sein.

Dem Titel „das Verlangen“ – erinnert an die Begierde… – wird schon gar nicht erfüllt.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Sandmännchen Forever – Karriere einer Kultfigur (Das Erste, Freitag, 26. Dezember 18.50 Uhr)

Ein Held für die Ewigkeit

Ein Held für immer. Er hat etwas Heldenhaftes. Das ist die Conclusio dieser Hommage von Sebastian Dehnhardt an ein Fernsehvermächtnis aus der DDR, das offenbar bis heute weiterlebt.

Das Sandmännchen hat Millionen von Kindern die Angst vorm Einschlafen genommen. Es ist ein pfiffiges kleines Bürschchen einerseits, andererseits mit Bart doch etwas alt wirkend, ja es könnte sogar gefährlich sein, wenn man Vergleiche mit Potentaten zieht, die ähnliche Bärte hatten. Es ist kein kitschiger Gartenzwerg; das war bewusst so gewollt.

Und da sind noch die Zipfelmütze und der Umhang, das Mäntelchen, das ihm offenbar magische Kräfte, Superheldenkräfte, verleiht, wie wir sie aus Hollywoodfranchises kennen.

Sandmännchen ist ein kleines, bescheidenes Männchen; es wird in dieser Dokumentation von einer pompös und eitel sich gebenden Sprecherstimme schier erdrückt, die so gar nicht zum Sujet passt. Die Stimme versucht zwar, geheimnisvoll zu tun; sie ist es aber nicht.

Auch die Talking Heads (in manchen Fällen trefflich mit ‚Laberköpfe‘ übersetzt) sind so hergerichtet und inszeniert vor Feenstaubhintergrund, dass sie eher an die einmal erwähnte, geleckte Westfernsehwerbung erinnern, als an bescheiden-smarte Pfiffigkeit. Es ist eine Mischung aus Küchenpsychologen und Fachleuten, die geschmeichelt scheinen von dieser Selbstdarstellungsmöglichkeit. Sie, wie auch der Sprecher, wären wohl eher dem Gartenzwerguniversum zuzuordnen.

Immerhin bringen die Ausschnitte aus den Sandmännchenfilmen die Faszination solcher Puppen, die im Stop-Motion-Verfahren gefilmt werden, genügend zum Ausdruck, gerade auch, weil Sandmännchen nie spricht, das erhöht den Reiz seines Geheimnisses. Das ist sowieso da.

Historiker oder Sprachforscher können letztlich nicht ergründen, woher die Figur kommt und wieso sie es zu einer scheinbar unverwüstlichen Haltbarkeit bringt. Das fing lange vor dem Fernsehen mit dem Radio an und nicht etwa in Deutschland, sondern in den USA. Vorher mit Illustrationen. Der Film gibt mit Archivschnipseln auch einen schönen Eindruck von der trickkünstlerischen Kreativität, die in der DDR möglich war.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Kommentar zu den Reviews vom 25. Dezember 2025

Die Reviewbescherung fällt heute nicht so üppig aus; andere Geschenke sollen auch ihren Lebensraum haben. Was an neuen Kinofilmen besprochen ist, kann guten Gewissens empfohlen werden zur Ablenkung vom Festtagsrummel, zur Erholung vom Lärm in den familiären Gefilden. Ein skandinavischer Film schildert mit unerschöpflichem Erfindergeist ein ernsthaftes Idenitätsproblem. Die Amis vergnügen sich auf verständlichem Niveau über die Blockbusteritis. In Frankreich, und dort im Immigrantenmilieu, geht es um die Liebe, die nicht jeder für konventionell hält. Wer um die Festtage herum die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender einschaltet, ist selber schuld. stefe hat eine olle Kamelle aus Österreich gesehen und ein billiges PR-Feature für einen Kabarettisten mit einem neuen Geschäftsmodell.

Kino

THERAPIE FÜR WIKINGER
Am Mythos kratzen.

ANACONDA
Da wiehert der Blockbuster.

DIE JÜNGSTE TOCHTER
Entscheidend ist doch die Liebe von zwei Menschen.

TV
WIE KOMMEN WIR DA WIEDER RAUS?
Fernsehprodukt, das schnell Staub angesetzt hat.

LEBENSLINIEN: GÜNTER GRÜNWALD – HAUPTSACHE ANDERS
Diese Lebenslinien sind so gar nicht anders

Anaconda

Da wiehert der Blockbuster

Blockbuster-Sein ist ein schweres Schicksal für einen Film. Allein der Weg zu diesem Sein ist üblicherweise mit enormem Aufwand, finanziell wie kreativ gepflastert. Und dann erst das Blockbuster-Bleiben. Denn wenn er es geworden ist, so heißt das, dass der Film erfolgreich war, also ein Riesenerfolg, ein Kassenerfolg sondergleichen. Das ruft nach mehr. Es muss ein zweiter Teil folgen und ein dritter, die Ideen müssen fortgeschrieben und ausgewrungen werden bis nichts mehr geht.

1997 gab es den Film Anaconda. Der war vielleicht nicht der erhoffte Blockbuster, der laut IMDb bei geschätzten Produktionskosten von etwa 16 Millionen Dollar immerhin zu einem weltweiten Einspielergebnis von ca. 136 Millionnen führte. Die Versuchung, einen weiteren Film zu drehen, dürften den Produzenten in den Fingern gejuckt haben. Sie haben sich aber nicht von der Bürde des Erfolgszwanges treiben lassen. Sie versuchen anderes. Sie geben Tom Gormican, der mit Kevin Etten und Hans Bauer das Drehbuch geschrieben hat, die Möglichkeit, mit dem Blockbuster- und dem B-Movie-Genre rund um das Anaconda-Thema und den damaligen Film zu spielen.

Doug McCallister (Jack Black) hat als Bub davon geträumt, Horrorfilme zu drehen. Geworden ist er ein braver Hochzeitsfilmer. Das ist kein befriedigender Zustand. Sein Kumpel Ronald (Paul Rudd), ein nicht allzu erfolgreicher Schauspieler, erinnert ihn an jene Zeit und die Träume, die sie hatten. Zusammen mit Kenny (Steve Zahn), der seine eigenen Probleme hat, und mit Claire (Thandiwe Newton) entschließen sie sich, mit kleinem Budget und auf eigene Faust einen Anaconda-Film zu drehen. Ronald behauptet, er besitze die Rechte.

Beste Voraussetzung also für ein B-Movie-Abenteuer in Brasiliens Dschungel. Auch sie geraten in Clinch mit Leuten aus dem Untergrund und auch ein Blockbuster-Film-Team ist mit einer Anaconda unterwegs. Der Stoff und die Herangehensweise bieten genügend Anlass für Pointen, Verweise und Frotzeleien auf das Blockbuster-Geschäft im Allgemeinen, wie hart mit den Rechten umgegangen wird, und auf den Anaconda-Film von 1997, in dem Ice Cube mitgespielt hat, im Besonderen. Ein vergnüglich Ding für düstere Winterabende und nicht so lang wie der unter dem Blockbuster-Syndrom ächzende Avatar.

Therapie für Wikinger

Identität definiert sich über Vergleich

Aus dem Vergleich mit anderen kann sich Zufriedenheit und Glück oder Unzufriedenheit ergeben.

Im animierten Wikingerreich, das Anders Thomas Jensen (Helden der Wahrscheinlichkeit, Men & Checken) als Klammer um seine Geschichte fügt, ist der Herrscher der Meinung, die Menschen seien nur glücklich, wenn alle gleich seien. Wie einer seiner Untertanen im Axtkampf einen Arm verliert, schafft der König Gerechtigkeit und Gleichheit, indem er allen seinen Untertanen einen Arm abhauen lässt. So sind sie wieder alle glücklich und zufrieden. Die Geschichte geht am Ende weiter, bitter.

Dazwischen nutzt Anders Thomas Jensen die Zeit um anhand des Plots einer simplen Banküberfallsgeschichte seinen Fantasien über Identität und deren Folgen freien Lauf zu lassen mit immer wieder ergötzlich schrulligen Momenten.

Anke (Nikolaj Lie Kass) hat erfolgreich eine Bank überfallen. Eine Tasche voller Geldnoten versteckt er in einem Schließfach. Er wird bereits mit großem Polizeiaufgebote gesucht, da auch ein Mann zu Tode gekommen ist. Den Schlüssel für das Schließfach übergibt er seinem Bruder Manfred (Mads Mikkelsen) mit dem Auftrag, die Tasche zu holen und an einer bestimmten Stelle im Wald bei ihrem Geburtshaus zu vergraben. Schnitt.

Die 16 Jahre Knast überspringt der Film. Anke kommt wegen guter Führung vorzeitig frei. Jetzt will er das Geld. Hinter diesem ist allerdings auch der Mitwisser Flemming (Nicolas Bro), der freundliche, wie er apostrophiert wird her. So weit, so üblich, so tauglich so brauchbar.

Der Haken an der Geschichte, speziell an der Person des Bruders, ist das Identitätsproblem. Das kann mit Traumata aus der Kindheit zusammenhängen. Charmante Rückblenden werden aus dieser Zeit und von Wikingerträumen des kleinen Manfred erzählen. Er will heute nicht mehr Manfred sein. Man muss ihn jetzt John nennen, John Lennon.

Jon leidet unter einer dissoziativen Identitätsstörung, ist kaum berechenbar, stürzt sich unvermittelt aus dem Auto und leicht handzuhaben ist er sowieso nicht.

Das verkompliziert erheblich die Suche nach dem Geld. Erschwerend kommt hinzu, dass das Elternhaus der beiden Brüder, es lebt auch noch Schwester Freija (Bodil Jorgensen), inzwischen an Margrethe (Sofie Grabol) und Werner (Soren Malling) verkauft ist.

So quartieren sich die beiden Brüder über Airbnb bei denen ein. Hier wiederum stöbert das Drehbuch bei Manfred eine saukomische Airbag-Geschichte auf, skandinaviesches Geschichtenstroh der herrlich trockenen Art.

Psychiater Lothar (Lars Brygmann) verleiht der Entwicklung der Dinge weitere Dynamik, indem er behauptet, man müsse bei Identitätsstörungen die Realität der Vorstellung des Patienten anpassen. Es geht also darum, ein Beatles-Revival zu schaffen, um John eine glaubwürdige Umwelt zu verschaffen, in der er letztlich das Geldversteck erinnern und preisgeben würde, so die Hoffnung von Anker. Zufälligerweise kennt der Psychiater weitere Fälle von Beatles-Identitäten … Flemming, der freundliche, lässt nicht lange auf sich warten.

Die jüngste Tochter

Liebe, Liebe

Was ist Liebe? Lässt sie sich festzurren? Haben andere Menschen in der Liebe von anderen mitzureden? Haben sie gar Vorschriften zu machen? Wie ist es mit den ersten Liebesgefühlen, wie wenn sie nicht der Konvention entsprechen?

Fatima (Nadia Melliti) wächst in einer algerischen Einwandererfamilie in Paris auf. Es ist das Jahr, in dem sie mit dem Philosophiestudium an der Uni anfangen will – ein Professor wird etwas von Emanzipation bei einem Zeitgenossen Montesquieus dozieren.

Es gibt da zwar einen jungen Mann, der möchte, um rein zu bleiben, sie gleich heiraten, denn er hat eine Festanstellung in Sicht. Fatima ist sich nicht so sicher. Sie fühlt sich zu Frauen hingezogen.

Hafsia Herzi verfilmt den Roman von Fatima Daas. Der dürfte in vielem autobiographisch sein, denn die Hauptfigur heißt ebenfalls Fatima und in einem vertraulichen Gespräch mit ihrer Mutter, die spürt, dass Dinge die Tochter umtreiben, die sie offenbar so nicht äußern kann, sagt die Tochter, sie schreibe an einem Roman, vieldeutig. Das wiederum dürfte diese Geschichte sein.

Es ist die Geschichte eines vorsichtigen, immer wieder von Rückziehern begleiteten Coming-of-Ages als eines Coming-Outs als Lesbe.

Eine Frau hat es Fatima besonders angetan. Es ist Ji-Na (Park Min-ji). Bei ihr kommt als ein Hindernis hinzu, dass sie unter Depressionen leidet. Auch Fatima hat eine gesundheitliche Behinderung, sie leidet an Asthma.

Fatima konsultiert einen Geistlichen, konfrontiert ihn mit dem Thema als mit dem Fall einer Bekannten. Was der zu dem Thema sagt, überrascht nicht besonders.

Der Film ist jahreszeitlich gegliedert. Er erzählt behutsam, wie Fatima sich mit dem Thema beschäftigt. Es gibt Vorlesungen, Studentpartys und Mamma backt zuhause Madeleines, von denen man gleich kosten möchte.

Der Film kann als konkreter Einzelfall gesehen werde, als illustrierendes Beispiel zum Film Girls and Gods.

Wie kommen wir da wieder raus? (BR, Samstag, 20. Dezember 2025, 20.15 Uhr)

Harmonischer Abend

Das ist das, was sich Wanda (Caroline Peters) zu Weihnachten wünscht. Souveränes Storytelling geht davon aus, dass sich genau das Gegenteil einstellen wird. Das ist auch nicht so schwierig bei der verzwickten verwandtschaftlichen Konstellation, wer getrennt ist und doch wieder Sex miteinander hat, wer in welcher neuen Beziehung steht. Die Hauptfrage ist: wer spielt den Nikolaus bei all den Absagen.

Wichtigste Dialgothemen sind moderne Lebensbewältigungsstrategien, zum Teil von gestern (so schnell geht das, gestern meint, vor ein, zwei Jahren, das zeigt aber auch, wie schnell so modische Strömungen vorbeiziehen; ach so, es ist ein Film von 2023, erstaunlich, wie viel Staub schnelllebige Themen in so kurzer Zeit ansetzen) anhand von Begriffen wie:

Bio, vegan, öko-zertifiziert, genderfluid, weird, Lockdown, veganer Superkleber für Klimaaktivisten, Corona-Tests, Social Media, nachhaltiges Weihnachten, Spanferkel kontra kein Fleisch, Klimaerwärmung, sexuelle Aneignung, Yoga, Pronomenrunde, Transition zum Transmann, ungeimpftes Sperma, Binärgeschlechtlichkeit, fake-outen, Aufmerksamkeitsproblem, fake-vegan, luctosefrei, rassistische Geschenke, woke Polizei, Kopfmassagestab, Mitte stärken, Pepperoni-Socken, random, no shame.

Diese werden mit sichtlichem Spaß an der Freud und an der Trendsauce und dem Trendsalat – und nicht immer gut verständlich – vorgetragen von Caroline Peters, Simon Schwarz, Chantal Zitzenbacher, Marcel Mohab, Hilde Dalik, Pie Hierzegger, Michael Ostrowski als Mitglieder dieser Patchwork-Family.

Es gibt eine bis mehrere Nikolauskomplikationen. Das Covid-Masken- und das Impfthema werden breitgetreten inklusive dem Thema des Spermas ungeimpfter Männer. Michael Ostrowski hält ein paar einfache Zaubereien bereit. Als soziales Thema spielt das Zuschütten von Gräben eine Rolle. Und auch der Bitcoin wird durch den Dialog-Fleischwolf gedreht. Ein Aufruf zur Freiheit der Frauen darf nicht fehlen in einem Film von einer Frau, von Eva Spreitzhofer, die selber auch einen Auftritt bei einer Demo hat; dafür rechnen die Öffentlich-Rechtlichen bestimmt noch ein Zusatzgeld ab.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Kommentar zu den Reviews vom 18. Dezember 2025

Heute ist alles sehr künstlerisch im Kino. Ein Animationsfilm nimmt sich die Lebens- und Überlebenskunst mit Humor vor. Ein amerikanischer Film nimmt uns mit mitten in die abgehobene Blase um einen Popstar. Bei einem europäischen Justizfilm ist die Machart künstlerisch auf Hochkulturniveau. Dann wieder amerikanisch, auch in einer bestimmten Blase, aber in der akademischen, spielt ein weiterer amerikanischer Film. Der Film einer französischen Filmemacherin schwebt wie schwerelos und instinktsicher in den Sphären von Liebe und Kälte, dies wiederum im Milieu des Filmes. Viel Fleiß und Talent legt ein amerikanischer Blockbuster in Design und Ausstattung. In Italien geht es zur Hochkultur in 80 Tagen im Sauseschritt zur Operneröffnung. Auf DVD ist Schluss mit herrlicher, britischer Monarchitis. Und im Öffentlich-Rechtlichen machen sie mal wieder einen auf Gewerbegratiswerbung.

Kino

SPONGEBOB SCHWAMMKOPF: PIRATEN AHOI!
Weil er gewachsen ist, möchte er ein Haudrauf werden.

LURKER
Macht- und Gunstkämpfe in der Blase um einen Popstar

ZWEI STAATSANWÄLTE
Frage des Weges der Wahrheit in erstickend dicht gewobenen Geheimdienstgeflechten.

SORRY BABY
Eine Me-Too-Geschichte im amerikanischen Ostküsten-Akademikerinnen-Milieu

HERZ AUS EIS
Liebe im Ephemeren

AVATAR: FIRE AND ASH
Kein Seniorenkino

LA SCALA – DIE MACHT DES SCHICKSALS
Hingehen, sich umschauen und dabei sein

DVD
DOWNTON ABBEY – DAS GROSSE FINALE
Aus und vorbei der Spaß

TV
LEBENSLINIEN: ALLES FÜR MEINE KONDITOREI
Dieser Feminismus ist Karrierismus.

Spongebob Schwammkopf: Piraten Ahoi!

36 Muscheln,

so groß ist Spongebob inzwischen. Das weckt Wünsche nach mehr als nur Seifenblasenpusten mit seinem Freund Patrick. Mr. Krabs will er beweisen, dass er jetzt ernst genommen werden muss. Dafür lässt er sich auf ein sagenhaftes Abenteuer mit dem fliegenden Holländer ein, der für alle Zeiten mit seinem Geisterschiff auf den Weltmeeren unterwegs ist. Das ist nicht ungefährlich.

Schwammkopf muss mehrere Prüfungen absolvieren und in die Tiefen des Meeres abtauchen – vorbei an den Sirenen. Er gerät in eine schier aussichtslose Lage. Aber Rettung in Form von Krabs ist unterwegs.

Es ist eine quirlig-vergnügte Animationswelt, um keinen Gag verlegen und scheint inspiriert von der Freiheit, die für die frühen Disney-Zeichentrickfilme typisch war. Sie ist schnoddrig, respektlos, schnörkellos und lässt sich nichts gefallen.

In der deutschen Synchro könnte sie ruhig noch etwas pfiffiger sein. Sie nennt den Schwammkopf auch mal Minon; es gibt durchaus Parallelen der beiden Figuren, dass sie abstrakt sind, dass sie gelb sind, dass sie kämpferisch sind und nicht auf den Kopf gefallen und trotzdem sich ein Stück Naivität bewahrt haben, was sie in Fallen rennen lässt, aber ihr Pfiff hilft ihnen, sich daraus zu befreien.

Es sind Muntermacherfiguren voller Humor; das krasse Gegenteil des Bierernstes der Cameronschen Avatar-Welt, die eben in in dritter Folge gestartet ist und irgendwie stehengeblieben scheint. Das können Schwammköpfe gar nicht, die kämpfen ständig ums Überleben, die sind Stehaufmännchen. Diese Eigenart führt dazu, dass sie Freunde haben und Figuren, die sie unterstützen und ihnen beistehen, ihnen aus der Patsche helfen.