Altmeisters Kinohimmel
Mit dem Fest kann Altmeister Pedro Almodóvar nur den Kinohimmel gemeint haben, in welchem er sich seit seinen ersten Erfolgen befunden haben dürfte mit weltweiter Anerkennung, Preisen, Ehrungen und Festivals, ja mit Einladung nach Katar für 200′ 000, so viel scheint man dort für den Besuch eines Weltklassefilmemachers zu zahlen bereit zu sein, zumindest kommt dieses Angebot in diesem Film vor, der von einem Regisseur handelt, Raoul (Leonardo Sbaraglia), unverkennbar eine jüngere Version des Meisters selbst, der nach Jahren ohne einen Film zu drehen wieder an einem Drehbuch schreibt. In diesem ist das Fest Weihnachten als Zeitpunkt für die Handlung angegeben.
Raoul lebt im Kinohimmel, in einer Kinoblase, drum findet er auch hier seinen Stoff, wenn ihm sonst nichts mehr einfällt, und er muss welchen finden, denn er hat seit fünf Jahren nicht mehr gedreht, aber er dürfte von Produzenten, Geldgebern, Förderern dazu gedrängt werden; er gibt aber auch zu verstehen, dass er den Drang zu drehen hat. So gibt er sich damit zufrieden, aus dieser Blase zu berichten, ein Insiderbericht also, wobei die menschlichen Wehwehchen, die ihm am meisten auf den Wecker zu gehen scheinen, nur allzu menschlich sind und in jeder anderen Blase so oder ähnlich vorkommen dürften.
Filmemacherin Elsa (Bárbara Lennie) ist die Protagonistin des Scriptes, das er zu schreiben anfängt und das 2004 spielt. Sie leidet extrem unter Migräne – darunt litt auch Almodovar selbst. Sie ist seit einem Jahr mit Bonifacio (Patrick Criado) zugange, einem „Bombero“ (Feuerwehrmann) und Freizeitstripper, den sie bei einer Strippshow kennengelernt hat. Sie verschafft ihm einen Job bei der Unterwäschewerbung. Sie selbst ist nach zwei Flops aus dem künstlerischen Film ausgestiegen und macht nur noch Werbung, das ist lukrativer. Das wenige Publikum hätte aus ihr allerdings eine Kultregisseurin gemacht. Das war Almodovar zweifelsohne auch.
Die rechte Hand des Meisters, Mónica (Aitana Sánchez-Gijón), braucht eine Auszeit. Der Meister denkt sozial, seine Mitarbeiter haben alles veranlasst, dass sie ordentlich gekündigt wird und so zwei Jahre Arbeitslosengeld erhält. Sie wird ersetzt durch den treuherzig-sinnlichen Santi (Quim Gutiérrez), der wie ein Dackel dem Meister seine Wünsche erfüllt. Es dürfte, wie auch bei seiner Vorgängerin, nicht nur bei dienstlichen Aktivitäten geblieben sein, was diskrete Hinweise vermuten lassenl; obwohl im Hinblick auf Santi der Begriff des Zölibates fällt. Der Himmel eines Regisseurs.
Das Gefühl in diesem Himmel wird immer bitterer, je näher der Tod rückt, und je weniger der Meister Neues zu erzählen hat. Zu den Wehwehchen in seiner Umgebung zählen Suizid-Versuche, Trennungen, Tode, Verdacht auf Seitensprung in einer Beziehung.
Im Kinohimmel entwickeln die Figuren Eigenleben. Sind die Szenen jetzt real oder ist es das, was der Meister beim Schreiben entwickelt. Elsa zieht sich zum Schreiben auf eine Villa auf Lanzarote, Traumvilla, zurück, hält es dort nicht allein nicht aus. Erst ist eine Freundin da, dann holt sie Natalia (Milena Smit), die auch in einer problematischen Situation ist.
Wenn man den Film nur einmal schaut, ist man sehr damit beschäftigt, zu sortieren, wer ist jetzt wer, wer steht in welcher Beziehung zu wem, wer ist Fiktion und wer ist real. Das erschwert den Genuss, des an sich wieder meisterlich inszenierten Filmes.
Er ist zum Teil eine bittere Betrachtung seiner selbst als als eines erfolgreichen Regisseurs, der doch nur von Unglück umgeben ist, das er in seinen Drehbüchern verwertet, mit denen er dann Erfolg hat, dem aber nichts Neues zu schreiben einfällt.
Musikalisch dominiert wehmütige Trauermusik von Streichern, Höhepunkte sind Archivauftritte von Chavela, wie sie fast schon ohne Stimme ihre Texte gerade noch so spricht und einmal singt eine junge Frau eines ihrer Lieder, die vom Schmerz und der Liebe und dem Tod handeln.
Altmeisters Kinohimmel Mit dem Fest kann Altmeister Pedro Almodóvar nur den Kinohimmel gemeint haben, in welchem er sich seit seinen ersten Erfolgen befunden haben dürfte mit weltweiter Anerkennung, Preisen, Ehrungen...