PR für eine Bestseller-Autorin
Sicher, eine Protagonistin wie Martina in diesen Lebenslinien von Nicole Joan Islinger unter redaktioneller Betreuung von Christina von Hahn ist für das Format ein Geschenk; allein mit ihrem wunderbar gewachsenen Bayerisch, was sie spricht und auch wie sie denkt und erzählt.
Umso mehr geht einem, gerade weil es einen eh in letzter Zeit immer öfter genervt hat, das Element des entmündigenden Kommentars in einer Sprache von häufig silly Klischees auf den Wecker.
Beispiele
„ … der Ort, an dem ihr Leben völlig unerwartet eine tragische Wendung nimmt.
… steht enorm unter Druck.
… ist frei von Verpflichtungen.
Sie ist gezwungen, innezuhalten.
Die Reha geht extrem schleppend voran.
.. kämpft sie sich langsam aber stetig durch hartes Training in den Alltag zurück.
Jahre später werden aber die Folgen des Unfalls nochmal fast ihr Glück zerstören.
Nun rückt der Kinderwunsch wieder in den Fokus.
… und akzeptiert, dass sie kinderlos bleiben wird.
Der Gedanke lässt sie nicht mehr los.
In den folgenden Monaten kümmert sie sich um siebzig Rinder, die ihr vom Bauern anvertraut werden.
Der Tag beginnt für Martina morgens um sechs Uhr.
Das bringt einen Stein ins Rollen.
Es scheint alles perfekt.
Ihr drittes Buch wird ein Bestseller.
Martina lebt ihren Traum …. geht nicht spurlos vorüber.
Die beiden erarbeiten einen Behandlungsplan … erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin
Das Training ist selbst für die sportliche Martina hart.
Doch ihr Leben im Tal holt sie ein.
Martina gelingt es immer weniger, ihre Probleme von sich wegzuschieben.
Und auch in der Ehe kriselt‘ s.
Die beiden verstehen sich von Anfang an gut.
Für ihre Familie kommt das völlig unerwartet.“
Die Lebenslinien sollten den Mut haben, so wie auch ihre Protagonistin den Mut hatte, mit Gewohntem / Angewöhntem zu brechen, sollten sich trauen, auch ohne diesen redigierten Zusammenhang, der ja aus den direkten Gesprächen stammt, auszukommen; allenfalls könnte ein kurzer Zwischentitel eingefügt werden. Gerade in der Stimme von Martina wären diese Infos sicher aufregender und nicht so einschläfernd wie von den immer selben Routinesprecherinnen und -sprechern des BR.
Ok, es wäre bestimmt mehr Arbeit für das Drehbuch, auch für die Fragen an die Protagonisten und für den Schnitt. Aber man möchte doch sicherlich die Kultur menschlichen Austausches mit so einer Sendung pflegen und fördern und nicht das Publikum einlullen. Hier wirkt es fast so, als möchte der Sender nicht zu sehr zur Nachahmung des freien Willens, des Verlassens eingefahrener Bahnen aufmuntern.
Produziert nach ökologischen Standards. Da ist das BR-Team sicher zu Fuß zur Alm aufgestiegen.
Und noch eine Anmerkung: in letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass auch mal gesagt wird, der oder die (Verwandte, Bekannte, Bezugsperson des Protagonisten) wollte nicht in diesen Lebenslinien mitwirken. Das kommt dann rüber wie eine öffentliche Bloßstellung – unangenehmes Geschmäckle.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.