Wonnepfropfen
Rarität bei den Lebenslinien: ein Protagonist, Ricky Harris, für den Publikum und nicht Promitum Lebenselixir ist.
Ein Lebenslinienteam ist für ihn genau so Publikum wie die Schüler, mit denen er ein Geschicklichkeitsspiel macht, das Teamwork lehrt. Dabei wird einem ganz nebenbei eines der verstaubten Elemente des Lebenslinien-Formates bewusst, dass die Dokumentaristen in altmodischer Manier sich unsichtbar machen, so tun, als wären sie gar nicht existent; so hinterwäldlerisch dürfte selbst das Lebenslinien-Publikum nicht sein, als dass man ihm diese relativierende Ebene vorenthalten müsste.
Wenn wir schon dabei sind, auch die redaktionellen Voice-Over-Texte wirken einschläfernd, die von den ewig gleichen Stimmen gesprochen werden und dem Kontent einen unangebracht gleichmacherischen Stempel verleihen.
Wenn wir schon dabei sind, der BR müsste sich selbstkritisch befragen, wieso er dem fabelhaften Entertainer, der kein Karrierist ist und dem man nicht zutrauen würde, sich bei Fernsehredaktionen einzuschmeicheln, einzuschleimen, keine Chance gegeben hatte, nachdem sein kurzer Ruhm bei einem Shopping-Kanal und dann bei Sat1 vergangen war und er händeringend Bewerbungen überhallhin verschickt hatte.
Immerhin ist es der BR-Redaktion unter Rachel Roudyani hoch anzurechnen, dass sie Kim Koch als Regisseur und Autor diese Lebenslinien über einen ehemaligen Protagonisten eines Privatsenders ermöglicht oder ihn damit beauftragt hat; das wäre ja auch mal interessant, einen Einblick in das Zustandekommen von so einer Folge zu erhalten. Prozeduren und Vorgänge offenzulegen, wäre für einen zeitgemäßen Journalismus garantiert kein Makel, schon gar nicht, wenn er für einen öffentlich-rechtlichen Sender tätig ist.
Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.