Archiv für die Kategorie: “Allgemein”

Cheveux légers,

die leichten Reiter, die großen Kerle, die hätten‘ s dem König Ludwig angetan; von Schewo-lesche zu schewul ist kein weiter Weg; eine andere hervorragende Eigenschaft des Märchenkönigs ist bereits in einer kürzlichen BR-alpha–Sendung zu Schloss Neuschwanstein deutlich geworden: seine Affinität zu modernster Technik.

Ludwig-Jubiläum, das gibt Stoff für beliebig viele Sendungen über ihn. Hier hat sich Michael Zametzer unter der Redaktion von Ulrike Klenner die in Vereinen organisierte Verehrung des Kini vorgenommen. Wobei zu fragen ist, ob solche Themen nicht besser der Souvernir-Industrie überlassen werden sollten, ob wirklich dafür Zwangsgebührengeld verbrannt werden soll; so ergiebig ist die Recherche nicht. Das ergäbe schönes Sparpotential für den ewig jammernden öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wenn er solche Formate outsourcen täte.

Es gibt die Vereine, es gibt ihre Anlässe, aber bis auf den Gedenkgottesdienst zum Todestag am Starnbergersee sind bei den Veranstaltungen Plätze frei, es gebe keinen Nachwuchs, ist zu hören, es wirkt so, als habe Zametzer Mühe, auch nur eine dreiviertelstündige Sendung zu füllen mit diesem Thema, von den Guglmännern ist auch nur noch in Archivaufnahmen etwas vorhanden, keiner weiß, ob es sie überhaupt noch gibt.

Die Sendung wirkt magazinhaft beliebig. Und dann müssen halt noch Alphörner aus einem Steinbruch im Speßart rein. Nicht mal über die Relevanz der Vereine, die Mitgliedszahlen und ob die steigen oder zurückgehen, kann die Sendung belastbare Angaben machen, es wird lediglich eine Schätzung angeführt.

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Wie angenehm, ein Polizeiruf, bei dem man sich nicht primär mit der gestörten Kommissarsfigur eines von Meuffels von Gnaden überehrgeiziger Fernsehredakteure beschäftigen muss, wie angenehm, ein Polizeiruf, bei dem man sich auf den doch recht rätselhaften Fall konzentrieren kann, wie angenehm, ein Polizeiruf, der eine prima Mischung ist aus Alltagsrealismus (einige offenbar ordentlich recherchierte Polizei- und Therapieverfahren) und Hypnose- und auch Flunkerelementen, im Sinne eines aufregenden Geschichtenerzählens, das sich von der Dokumentation abhebt; wie angenehm, ein Polizeiruf mit einer modernen Besetzung von Leuten, die zwar nicht unbedingt zum Polizisten geboren sind, wohl aber das Bild offenbar gängiger Typen unserer modernen Gesellschaft abgeben. Dabei haben Regisseur Florian Schwarz und seine Drehbuchautoren Thomas Korte und Michael Proehl auch den Humor nicht vergesssen (Redaktion: Cornelia Ackers).

Der Fall dreht sich um den Jugendlichen Polou (Dennis Dorns). Er wird auf den Isarwiesen in München aufgefunden. Er ist voll vernarbt. Die Gegenstände, die er bei sich hat, die lassen kriminalistische Geister erblühen. Er spricht nicht.

Die Kommissarin vom Höheren Dienst Bessie (Verena Altenberger), die auch mal „Streifenhörnchen“ spielt, wie sie ironisch Frau Fabian vom Jugendamt (Anja Schiffel) zu verstehen gibt, entwickelt viel Helfersyndrom, um Polou zum Sprechen zu bringen.

Der Film gibt nun Einblick in verschiedene psychologische Verfahren, bis hin zum Einsatz der Hypnose durch die Fachfrau Dr. Kutay (Katja Bürkle), um solche Patienten zum Sprechen oder Zeichnen zu bringen. Hier geht es sogar so weit, dass die Kommissarin sich gemeinsam in die Hypnose („Doppelhypnose“) begibt, um den Fall einer Lösung näher zu bringen.

An dieser Kommissarin ist noch bemerkenswert, dass Kollege Cem (Cem Lukas Yeginer), ziemlich rundlich, vielleicht in Genderdingen nicht ganz eindeutig festgelegt, ihr Halbbruder sei.

Die Lösung des Falles ist etwas aus dem Hut gezaubert. Und warum ein Waffenhändler in der Schweiz auch noch Kinder gefangen halten muss, das erschließt sich nicht aus sich heraus.

Die leichte Erzählhand der Macher zeigt sich bei dem Problem, wie die Sozialfürsorgerin eine weitere Hypnose-Sitzung verbieten will. Streifenhörnchen fragt ihren Kollegen, ob man gegen die Fürsorgerin nicht was finde … und siehe da….(ein Liebhaber, was wunderbar gegen das Sozialarbeiterinenklischee ist) das wird augenzwinkernd erzählt innerhalb vom Film mit einem kurzen verblüffenden Bildstopp …
oder die Sache mit dem verschwundenen Osterei in der Schlussszene, findet eine überraschend banale Lösung, nachdem es kurz größte Hoffnungen auf einen ultimativen Twist geweckt hat …

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Wähernd die Purge-Filme mit der Freigabe der straflosen Selbstjustiz für einen Tag pro Jahr ein gefühltes Gerechtigkeitsdefizit kompensieren, macht sich dieser Film von Cameron Mcgowan einen Spaß daraus, die Schnarchdecke steriler Schlafsiedlungen ein wenig zu lüften, zu testen, wie viel es braucht, die Tötbereitschaft dieser braven, biederen, unauffälligen Menschen zu aktivieren.

Rote, versiegelte, persönlich adressierte Briefe mit der Aufforderung einen bestimmten Siedlungsbewohner, der mit Name und Foto identifiziert wird, zu töten, reichen fast aus. Nicht ganz. Bürgerlich-alltägliche Vernunft kennzeichnet die Bewohner solcher Vororts-Reihenhaussiedlungen eben auch. Die erste, selbstverständliche Reaktion ist die, die Polizei zu rufen.

So handhabt es die Protagonistin Melanie (Dawn Van de Schoot), eine patente Frau mit den zwei Kindern Madison (Halley Foss) und Timothy (Kaeleb Zain Gartner). Sie handelt rational, ruft die Polizei an. Hier fängt die Irrationalität an: die Warteschleife, das Misstrauen der Polizei, ihre Nichtzuständigkeit, dass sie in einer Ewigkeit von Stunden jemanden vorbeischicken werde. Das lässt den Adrenalinpegel der Anruferin bereits auf einen Level jenseits vernunftgesteuerter Entscheidungen steigen.

Wenn es jetzt noch einen begründeten Hinweis oder Verdacht gibt, andere könnten diesen Humbug ernst nehmen und man sei also selber in Gefahr, dann dürften die letzten Sicherungen bürgerlicher Tötbremsen durchgebrannt sein. Dann bewaffnet sich eine patente Frau wie Melanie mit dem erstbesten Küchen- oder Haushaltsgerät; es geht ja um Selbstschutz und auf die Polizei ist kein Verlass. Sie ist nicht die einzige.

Somit ist der Weg frei für ungehobelte Laienkiller, die zum Amüsement des Publikums eine beachtliche Blutspur, einen scheußlich gespaltenen Unterkiefer und andere Hingucker auf der Leinwand hinterlassen. Das sind alleweil belebende Elemente in einem Schlafviertel namens Lakeview.

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Mit den Fans kann man das ja machen,

wird sich der Macher dieses Filmes, Thomas Schwendemann, gedacht haben. Denen reicht es, ihre Stars groß auf die Leinwand und ganz nah zu bekommen, sie ein Statement nach dem anderen abgeben hören, auch wenn sie wenig mehr preis geben, als dass sie Stars sind, dass sie das seit 30 Jahren sind, Die fantastischen Vier, um die es hier geht, die Erfolgsverwöhnten. Den Fans ist das egal. Hauptsache sie sind bei ihren Idolen, wie sie in einem roten Oldtimer durch Stuttgart, den Geburtsort der Band, gondeln oder Backstage, bei Proben und Besprechungen, beim Schnaps zum Start an der Arbeit zu einem neuen Album und selbstverständlich immer wieder auf der Bühne bei Auftritten, im Privatjet oder in Archivaufnahmen.

Aus dem Montageverhau ist herasuzuklamüsern, dass die Band schnell Furore macht, eine Sinnkrise kriegt, sich derrappelt und wie die Kreativität nach Jahrzehnten anfängt, flöten zu gehen, sich nicht zu schön ist, Unterstützung von außen zu holen aus der jungen kreativen Texter- und Rapperszene.

Das verbindet sie mit anderen Rentner-Bands, die auch im hohen Alter noch auf der Bühne rumhopsen und ein jugendliches Publikum in Massen anziehen und zu begeistern wissen wie Spider Murphy Gang – Gloria Days of Rock’n Roll, wobei die Dokumentation über diese deutlich interessanter ist, zumindest für den Nichtfan und Kinomenschen.

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Heikle Verhältnisse. In Griechenland kommen zwei Frauen mit vibrierend ähnlichen Schicksalen zusammen. In Argentinien gibt es Familie hautnah. In Frankreich libertiniert der Freiheitsbegriff im dunklen Wald. In Belgien sieht es unter der glatten Oberfläche unglatt aus. An der Côte d‘ Azur hat das leichte Mädchen eine unleichte Freundin. In Kolumbien geht es um die diffizile Beziehung zwischen Indigenen und den Weißen. In Berlin gibt’s Coming-of-Age auf Leben, Tod und Ertrinken, an der Nordsee funkt es im Chat zwischen einem Linguisten und einer Pianistin und irgendwo in Deutschland geht es ungelenk um Behinderte. Im Fernsehen gab es Hintergründe zum Bau von Schloss Neuschwanstein und harte Kost über Kindersoldaten in Afrika.

Kino
DAS WUNDER IM MEER VON SARGASSO
Das Wunder ist der Traum von der griechischen Küste gegen griechische Frauenschicksale.

DIE UNTERGEGANGENE FAMILIE – FAMILIA SUMERGIDA
In Argentinien ist nicht so sicher, ob „intakte“ Familie so intakt ist.

LIBERTE
Die andere Seite der Freiheit: wenn die Triebe über den Menschen regieren.

INTRIGO – SAMARIA
Wie aus einer Dokumentation eine kriminalistische Recherche wird.

EIN LEICHTES MÄDCHEN – UNE FILLE FACILE
So leicht ist leicht nicht für alle Mädchen.

THINKING LIKE A MOUNTAIN
Man sollte hinhören auf die Natur, von den Indios lernen.

SCHWIMMEN
Gedankenlosigkeit in der Unsicherheit der Pubertät und die leichte Verfügbarkeit von Bildern über Smartphone setzen dramatische Ereignisse in Gang.

GUT GEGEN NORDWIND
Wie verfilme ich einen Chat, der Hörspielcharakter hat?

IDIOTEN DER FAMILIE
Gut gemeint.

TV
GEHEIMNISVOLLES SCHLOSS NEUSCHWANSTEIN
Der Kini war, was den Bau des Schlosses betrifft, alles andere als verrückt.

WRONG ELEMENTS
En starker Film über ehemalige Kindersoldaten in Afrika – das Zwangsgebührenfernsehen enthält diesen starken Tobak seinen 20.00-Uhr-Zuschauern vor.

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Geschredderte Porsches und Zahnimplantate.

Das Vorhaben von Michael Klier, der mit Karin Aström auch das Drehbuch geschrieben hat, ist schwierig und mutig zugleich: den Umgang von drei Brüdern und einer Schwester mit ihrer behinderten Schwester und deren Übersiedlung in ein Heim möglichst direkt und unvestellt zu schildern.

Es handelt sich um eine künstlerisch-bürgerliche Familie. Die Eltern sind schon tot, die Kinder erwachsen. Heli (Jördis Triebel) wohnt mit der behinderten Schwester Ginnie (Lilith Stangenberg) im elterlichen Einfamilienhaus und kümmert sich seit Jahren um Ginnie; dafür hat sie ihre künstlerischen Ambitionen mit der Malerei aufgegeben.

Die Brüder sind außer Haus. Tommie (Hanno Koffler) ist Jazzer, kein Karrierist, nicht besonders erfolgreich, Frederik (Kai Schieve) ist hochkulturbürgerlicher Musiker; sein Interesse gilt seinen geschredderten Porsches und den dadurch nötig gewordenen Zahnimplantaten und den durch diese ausgelösten Ängsten, bei einem Konzert (er spielt Oboe) könnten die Implantate herausfallen, Bruno (Florian Stetter) ist der Geisteswissenschaftler („Ethnologie und nicht Philosophie“, korrigiert er), will nach Mali und isst Äpfel so, dass ganze Stücke ihm dabei aus dem Mund auf den Boden fallen und er kümmert sich nicht drum; mit seiner Kreideschluck-Stimme scheint er alle immer wie ein Apotheker beschwichtigen zu wollen.

Die Handlung des Filmes spielt am Tag vor und am Tag der Abreise von Ginnie, alle sind dafür zusammengekommen. Es wird nicht diskutiert, was man ihr mitgeben soll, was da bleibt, wie man es mit Besuchen hält, oder wie die Geschwister künftig den Kontakt pflegen wollen, wer die Vormundschaft übernimmt, ob man für sie eine Patientenverfügung erstellen soll; es geht nicht um konkrete Problem, die mit der Umsiedlung von Ginnie verbunden sind, was doch ein Minimum an Handlungsfaden vorgeben könnte, anhand dessen sich die Charaktere der Familie bestens herauskristallisieren könnten; stattdessen werden lauter papierene Dialoge geführt werden, die Hintergrund-Informationen über die Geschwister liefern, die von wenig Interesse sind.

Überhaupt leidet der Film an katastrophalen handwerklichen Mängeln. Das Filmemachen als Schreinerhandwerk genommen, liefert Michael Klier einen Tisch, der vier verschieden lange Beine und eine löchrige, wellige, durchängende Tischplatte hat. Es sind Problem des Drehbuches, der Inszenierung und der Performance, weshalb dem Film jegliche Street-Credibility abgeht.

Bei der Hauptfigur ist nicht klar, welcher Art genau die Behinderung ist, wie weit es Hirnschäden sind, wie weit Schäden der Motorik, der Physis, welche Art Intelligenz die Figur hat, welche Art Emotionalität; Ginnie macht Dinge, die sie als Monster erscheinen lassen, sie stellt Essen in die Mikrowelle und lässt es anbrennen, Küchenbrand wäre sofort möglich, sie zerschnippelt Dinge mit einer Schere, egal was, sie schmeißt Besteck aus der Schublade auf den Boden. Sie wird so charakterisiert, dass man sie nicht eine Sekunde allein lassen darf. Das tun aber die Geschwister, weshalb sie verantwortungslos mit der Schwester umgehen, als ob sie keine Ahnung hätten und nicht mit ihr aufgewachsen wären. An solchem Verhalten hätte der Regisseur just Familie plausibel machen können; das verliert sich ja nicht, wenn es von Klein auf geübt ist, auch wenn die Kinder ausgeflogen sind. Es fehlt Ginnie weitgehend die natürliche Motorik, die bleibt, wenn bei einem Menschen gewisse, die Rationalität steuernde, Gehirnteile deaktiviert sind.

Mag sein, dass Michael Klier Street-Credibility mit allen Mitteln vermeiden wollte, um ja nicht in die Schublade des TV-Themenfilmes zu geraten. Was aber will er uns stattdessen erzählen? Dass die Mitglieder solch bürgerliche-künstlerischer Familien alle Idioten seien? Setzt er sich da nicht selber dem Verdacht aus?

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

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Unter eleganter Oberfläche.

Während Intrigo – Tod eines Autors überkomplex war, scheint dieser Intrigo von Daniel Alfredson nach dem Roman von Hakan Nesser zuerst eher unterkomplex.

Er gibt auch gleich zu Beginn den Hinweis, dass man bei keinem Menschen, der beispielsweise ins Abendrot hinein einen Fluss entlang joggt, wissen könne, was er für Geheimnisse in sich trage.

Der Film macht sich eine Kunst daraus, Menschen mit genau dieser Oberfläche zu schildern, denen man unter keinen Umständen kompliziertere Sachverhalte zutraute. Er macht die Kinoeleganz zur Methode, zur Kunst; damit bannt er die Zuschauer.

Eine junge Frau, Paula (Phoebe Fox), ist an eine Filmschule angenommen worden und macht jetzt eine Doku über eine damals verschwundene Mitschülerin. Deren Vater Jacob (Jeff Fahey) sitzt als Mörder im Gefängnis. Der gewalttätige Mann, der seine Tochter zu schlagen pflegte, bewohnte mit dieser und seiner Frau ein einsames Gehöft, das Samaria heißt. In dieses dringt die Dokumentaristin unerlaubt ein und filmt die Innenräume.

Wie zufällig trifft sie in der Stadt den früheren Klassenlehrer Henry (Andrew Buchan). Der arbeitet jetzt in der Werbewirtschaft. Er lebe in Antwerpen mit einer Cora zusammen und sei nur aus beruflichen Gründen hier. Nach anfänglichem Widerstand lässt er sich überreden, Paula bei ihrer Dokumentation zu helfen. Er kann im feinen Holzbungalow der Eltern von Paula unterkommen. Er brauche keine Angst vor Beziehungsgeschichten haben, sagt ihm Paula, sie sei lesbisch.

Der Film lässt die beiden Material zu dem Fall sammeln, alte Fotos und Videos sichten, Leute aufsuchen, die mit Vera (Mille Brady) zu tun hatten. Dabei entwickelt sich die Dokumentation zusehends zur kriminalistischen Recherche mit Spuren und Fehlspuren, dabei konsequent weltkinostilistisch an der filmisch eleganten Oberfläche bleibend, zu welchem Eindruck die steril-saubere deutsche Synchronisation ihr Teil beiträgt. Damit schafft der Film sein ganz eigenes Faszinosum mit dieser konsequenten Oberflächenschilderung, dabei nie den Eingangssatz vergessend, dass sich darunter Dinge befinden könnten, die alles andere als glatt sind.

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Reisebericht mit Schwerpunkten.

Alexander Hick ist für seinen Dokumentarfilm mehrere Wochen durch die Sierra Nevada de Santa Marta Colombia gereist. Die wird von vier indigenen Stämmen seit 500 Jahren bewohnt, nachdem ein Kolonialistengemetzel sie in die Berge getrieben hat.

Für seine Reise durfte Hick nur einen Kompass, nicht aber Landkarten benutzen, da diese von den Indios als Herrschaftsinstrumente gesehen werden.

Er fängt seine Reise mit gesteins- und landschaftsphilosophischen Gedanken zu exzellenter Fotografie der Gegend an; bizarre Gesteinsformationen, teils mit Schnee überdeckt; belebte Natur; überall kann man mit etwas Fantasie Menschen- und Tierformen sehen. Das dürfte als eine Hommage an die Naturreligion der Indios zu verstehen sein. Denn auch sie betrachten die Landschaft genau und lesen daraus.

Einzelne Schwerpunkte kristallisieren sich heraus.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen in Kolumbien mit Staat, Drogenbossen, Milizen und der Guerilla FARC, die just zum Zeitpunkt der Dreharbeiten nach 50 Jahren die Waffen abgegeben haben. Dabei steht die Geschichte eines FARC-Kämpfers im Vordergrund, der jetzt nach 20 Jahren seine Familie wieder sucht und findet; eine anrührende Szene aus respektvoller Distanz erzählt.

Überhaupt hat die Politik die Indigenen entdeckt. Ein Präsidentschaftskandidat landet mit Heli und Gefolge in der Sierra, um sich dorft filmen zu lassen.

Kolonialismus und tolpatschige Christianisierung spielen eine Rolle. Hick hat Archivmaterial gefunden von Missionierungen, Verhaftungen durch die Kolonialherren; und ethnologisch interessant: die vermutlich erste filmisch festgehaltene Beerdigungszeremonie.

Die Doku zeichnet sich durch ein ruhiges Auge, Zeit für Gespräche und Geschichten oder zur Landschaftsbetrachtung aus, der Bau eines Steges, und durch dezenten, teils elektrosphärischen, in der Nähe zu Naturgeräuschen angesiedelten Sound.

Der Film findet ein frühes filmisches Beispiel für Warentausch zwischen Indigenen und Weißen: ein Stück Tuch gegen einen Vogel. Heute sieht das so aus: ein 50′ 000 Peso-Schein zeigt auf der einen Seite zwei Indios, auf der anderen ein Indigenen-Dorf in der Sierra.

Der Dokumentarist sieht sich in seinem Vorwort im Film als einer, der etwas festhält, was allmählich am Verschwinden ist und nicht mehr lange existiert, was aber von Gewicht ist.

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Auf Leben und Tod

kann es beim Coming-of-Age gehen. Da braucht es nicht viel. Besonders aber, wenn noch andere Stresssituationen hinzukommen wie bei Elisa (Stephanie Amarell). Ihr ist der Vater abgehauen, Mutter als Ärztin und jetzt mit Geldproblemen muss Nachtdienste übernehmen. Mutter und Tochter sind aus dem Haus ausgezogen in eine Mietwohnung. Die sieht wenig wohnlich, wenig eingerichtet aus. Elsa, wie sie oft auch genannt wird, ist auf sich angewiesen.

Damit fängt der Film von Luzie Losse an, die die Geschichte als schöne Bildergeschichte erzählt, als Bilderbogen, der garantiert nicht belehren, sondern vor allem beobachten will.

Lise in dieser nicht eingeräumten Wohnung. Sie kratzt an einem Aufkleber auf einem Lichtschalter rum. Sie sitzt auf einem Heizkörper am Fenster neben unausgepackten Schachteln. Hinzu kommt, dass sie Ohnmachtsanfälle hat. Sie wird anfangs als die typisch verschlossene 15-jährige Pubertäre vorgestellt.

Eine Ohnmacht in der Schwimmbaddusche nutzen die Jungs, um für Handyfotos neben der Ohnmächtigen zu posen. Die Bilder finden den Weg ins Internet. Wie damit umgehen? Elisa und ihre Freundin Anthea (Lisa Vicari) sinnen auf Rache. Anonym posten sie wiederum Bilder von den Jungs in unangehmen Situationen. Das setzt die Dramatik in Gang, die in lebensbedrohliche Situationen mündet.

Die Geschichte wird nicht als Krimi erzählt, vielmehr taucht der Film in das Leben dieser Schüler ein, wie diese selbst ins Schwimmbad tauchen, lässt sich mitreißen von den Aktivitäten, von Schule, Disco, Rausch, Lagerfeuer, See, von Musik, von Stoff, der besorgt werden muss.

Luzie Loose vermeidet es konsequent, die Schuld für die Entwicklungen den modernen Kommunikationsmedien in die Schuhe zu schieben, sie dienen lediglich der Artikulation von Konflikten, die es vor diesen Medien auch schon gab, und mit denen sie ohne Rücksicht auf Moral umgehen, was dramatische Entwicklungen in Gang setzen kann.

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Eine Nacht voller Schweinekram in verdorbenen Wäldern.

Klassisch: Einheit von Ort, Zeit und Handlung. Der Ort ist ein kleines Stück Studiowald, die Zeit ist eine Nacht, die Handlung, hm, was ist die Handlung?

Auf diesem Waldstück stehen drei Sänften ohne Pferde. Ein Grüppchen europäischer Adeliger verschiedener Provenienz mit Lakaien ist auf der Flucht vor dem französischen König. Sie erhoffen sich Hilfe vom Preussenkönig. In einer Sänfte sind drei Frauen, aus einem Konvent entführte Damen.

Die Geschichte? Hat Albert Serra mit Der Tod von Ludwig XIV schon eine spannende Nacht am Rande der Perversität im Schlaf- und Todeszimmer vom Franzosenkönig Ludwig XIV inszeniert, so packt er hier noch ein Scheit Dekadenz drauf.

Das Spannungsmoment der Macht, die am Hofe die Ärzte nur flüstern ließ, fällt hier im Wald weg. Hier ist das Warten auf den Tod genereller oder existentieller, da der Tod nicht konkret in Sicht ist. Eine gewisse Gefahrensituation wird behauptet, aber der Ort im Wald scheint vorerst sicher. Warten auf das Abspritzen mit der perversest möglichen Lust als Ersatz für das Warten auf den Tod, vielleicht.

Serra füllt den Film mit dem Treiben dieser Menschen in dieser Nacht auf diesem kleinen Studiowaldstück, alles düster.

Erst gibt es eine schauderhafte Erzählung von Folter und Vierteilung eines Damien, der versucht habe, den König zu ermorden, grauslich detailliert. Von drei Frauen ist die Rede, die diesen Qualen gebannt zugeschaut hätten und die den Menschen im Wald weiterhelfen könnten.

Gröberen Schweinekram bietet anschließend die Anleitung zur Herstellung einer Salbe aus Pisse und Kot, die der Patientin eingeflößt werden müsse.

Dann verstummt die Nacht. Die Herren und auch ihre Lakaien in ihren höfischen Kostümen mit den Perücken und den weißen Kniestrümpfen treiben sich schleichend, lauschend, schauend, wartend im Wald herum („Das sind wahre Männer“). Das Waldstück wird zur schwulen Cruising-Aerea, alles sehr langsam, erst andeutungsweise, dann konkreter.

Eine Rolle spielt auch die Beobachtung des Geschehens oder das Belauschen von (seltenen) Gesprächen.

Später kommen die Frauen als Objekt von Sadismus oder der Begierde ins Spiel. Der Film artet in Schweinekram pur aus. Die Nacht will nicht enden. Die Menschen werden nicht müde. Und noch ein Geschlechtsteil herausgekramt. Und wenn es regnet, ziehen sich die Triebmenschen in die Sänften zurück – und machen dort weiter, querbeet.

Bild einer tierischen Menschheit, triebgesteuert. Gesprochen wird blasiert. Negativbeschreibung der menschlichen Freiheit, resp. exzessive Negativschilderung der menschlichen Freiheit..

Süße Lust: die Nonnen sollen Qualen erleiden, wie der von ihnen verehrte Jesus.

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