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Lebenslinien – Von der Krankenschwester zur Sennerin (BR, Montag, 18. Mai 2026, 22.00 Uhr)

PR für eine Bestseller-Autorin

Sicher, eine Protagonistin wie Martina in diesen Lebenslinien von Nicole Joan Islinger unter redaktioneller Betreuung von Christina von Hahn ist für das Format ein Geschenk; allein mit ihrem wunderbar gewachsenen Bayerisch, was sie spricht und auch wie sie denkt und erzählt.

Umso mehr geht einem, gerade weil es einen eh in letzter Zeit immer öfter genervt hat, das Element des entmündigenden Kommentars in einer Sprache von häufig silly Klischees auf den Wecker.

Beispiele
„ … der Ort, an dem ihr Leben völlig unerwartet eine tragische Wendung nimmt.
… steht enorm unter Druck.
… ist frei von Verpflichtungen.
Sie ist gezwungen, innezuhalten.
Die Reha geht extrem schleppend voran.
.. kämpft sie sich langsam aber stetig durch hartes Training in den Alltag zurück.
Jahre später werden aber die Folgen des Unfalls nochmal fast ihr Glück zerstören.
Nun rückt der Kinderwunsch wieder in den Fokus.
… und akzeptiert, dass sie kinderlos bleiben wird.
Der Gedanke lässt sie nicht mehr los.
In den folgenden Monaten kümmert sie sich um siebzig Rinder, die ihr vom Bauern anvertraut werden.
Der Tag beginnt für Martina morgens um sechs Uhr.
Das bringt einen Stein ins Rollen.
Es scheint alles perfekt.
Ihr drittes Buch wird ein Bestseller.
Martina lebt ihren Traum …. geht nicht spurlos vorüber.
Die beiden erarbeiten einen Behandlungsplan … erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin
Das Training ist selbst für die sportliche Martina hart.
Doch ihr Leben im Tal holt sie ein.
Martina gelingt es immer weniger, ihre Probleme von sich wegzuschieben.
Und auch in der Ehe kriselt‘ s.
Die beiden verstehen sich von Anfang an gut.
Für ihre Familie kommt das völlig unerwartet.“

Die Lebenslinien sollten den Mut haben, so wie auch ihre Protagonistin den Mut hatte, mit Gewohntem / Angewöhntem zu brechen, sollten sich trauen, auch ohne diesen redigierten Zusammenhang, der ja aus den direkten Gesprächen stammt, auszukommen; allenfalls könnte ein kurzer Zwischentitel eingefügt werden. Gerade in der Stimme von Martina wären diese Infos sicher aufregender und nicht so einschläfernd wie von den immer selben Routinesprecherinnen und -sprechern des BR.

Ok, es wäre bestimmt mehr Arbeit für das Drehbuch, auch für die Fragen an die Protagonisten und für den Schnitt. Aber man möchte doch sicherlich die Kultur menschlichen Austausches mit so einer Sendung pflegen und fördern und nicht das Publikum einlullen. Hier wirkt es fast so, als möchte der Sender nicht zu sehr zur Nachahmung des freien Willens, des Verlassens eingefahrener Bahnen aufmuntern.

Produziert nach ökologischen Standards. Da ist das BR-Team sicher zu Fuß zur Alm aufgestiegen.

Und noch eine Anmerkung: in letzter Zeit ist mir aufgefallen, dass auch mal gesagt wird, der oder die (Verwandte, Bekannte, Bezugsperson des Protagonisten) wollte nicht in diesen Lebenslinien mitwirken. Das kommt dann rüber wie eine öffentliche Bloßstellung – unangenehmes Geschmäckle.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Bezzel & Schwarz – Die Grenzgänger – Im Hofbräuhaus (BR, Montag, 18. Mai 2026, 20.15 Uhr)

In München steht ein Hofbräuhaus und das ist ein bayerisches Nationalheiligtum, interessanterweise noch kein Weltkulturerbe, wieso eigentlich nicht, es ist der Hort der Bierseligkeit und Bier ist keine Droge, deshalb darf auch niemand behaupten, das Oktoberfest sei das größte Drogenfestival der Welt, und wer das einmal behauptet hat und nicht wieder, der darf dann zum Dank neuer OB werden. Es grünt so grün. In München gibt es Bierbarone und im Hofbräuhaus gibt es Stammtische und an den anderen Tischen setzen sich Kreti und Pleti zusammen und auch zwei Fernsehprotagonisten mit wohligen Bierbäuchen gehören dazu. Sie bekommen zusätzlich ein paar exklusive Einblicke, ein Gespräch mit dem Wirtepaar, eine Führung durch die hochindustrialisierte Bierbrauerei außerhalb des Hofbräuhauses, einen Blick in den Tanzsaal inklusive Tanzstunde, eine Challenge im Maßkrugstemmen, ein kurzes Hallo bei einem Musikerstammtisch und ein Date mit den Erfindern des Sperrbezirksongs. Es lebe die Bierseligkeit. Und alle freuen sich, dass Simon und Sebastian da waren und sie sollen doch bald wieder kommen. Glückliches Hofbräuhaus, felix Minga.

(Allerdings bleibt uns schleierhaft, was an einem Hofbräuhausbesuch grenzgängerisch sein soll – oder ist so ein Besuch schon a priori ein grenzgängerischer Akt?).

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Extrawurst (DVD)

Ein Nebensatz, ein Nebenthema bei der fast schon abgeschlossenen Hauptversammlung des Tennisvereins löst eine Kaskade von total fremdenfreundlich-tolerant gemeinten Spitzen aus.

Siehe die Review von stefe.

Kommentar zu den Reviews vom 14. Mai 2026

In welche Regionen, Sphären, Niederungen, Paradiese, Höllen, Skurrilfelder, Bewusstseins- und Sehnsuchtslagen, Randgebiete, Peripherien und Zentren das Kino uns heute wieder mitnimmt, verführt, entführt, hin- und weglockt, hineinschubst und hineinplumpsen lässt, was es uns alles wieder im Subtext unterjubelt, mitgibt, schenkt, welch raren Einblicke! Eine Amerikanerin entdeckt beim genauen Hinschauen Überraschendes im Wilden Westen. Wie im Reich des Massenmörders vom Kreml Menschen seelisch am Telefon beraten werden, ist beklemmend. Ein mexikanisches Kind verblüfft mit seiner Offenheit im Umgang mit seinen Gefühlen, die nicht zum Körper passen. Auch ein Deutscher hat im Wilden Westen genau hingeschaut und erlebt über die Jahre nicht unbedingt zu erwartende Entwicklungen. Die ganz Kleinen können bei einer ihrer ersten Kinobesuche von vermutlich Vertrautem ausgehen. So hält es auch eine deutsche Kinderanimation. Heftig wird es bei einem Blick in die Geschichte eine chronischen, scheinbar nie zu befriedenden Krisenherdes in Nahost. Aus Frankreich kommt eine mit all den Kommunikationsmodernismen durcheinandergewirbelte Leinwand, selbstverständlich hinsichtlich der Liebe. Ebenfalls mit Modernismen versuchen Deutsche einen Heimatdichter aufzumotzen. Mit dem bestimmt skurrilen britischen Humor tut sich allerdings die deutsche Synchronfassung und der Reviewer schwer. Eine Deutsche macht es sich etwas einfach mit der Dokumentation eines Musik-Festivals. Auf DVD gibt es Horror satt aus den USA und Therapie satt aus Skandinavien.

Kino
EAST OF WALL
Die Wildwest-Idylle hat auch andere Seiten.

INNERE EMIGRANTEN
Wie als wacher Zeitgenosse in Russland sein seelisch-geistiges Gleichgewicht finden?

NINXS – DAS LEBEN GLITZERT
Schon mit sieben das mit dem falschen Körper gewusst und es jahrelang dokumentieren lassen.

THE COWBOY
Aufwachsen im Wilden Westen – Langzeitdoku

TOMMY TOM & DER VERSCHWUNDENE TEDDYBÄR
Die Dinge sind zum Spielen da.

MEINE FREUNDIN CONNI: ABENTEUER MIT KRANICH KLAUS
Kinder kümmern sich um einen abgestürzten Kranich.

PALÄSTINA 36
Das Staatskonstrukt Israel hat in acht Jahrzehnten kein Frieden und keine Sicherheit für niemanden gebracht.

LOL 2.0
Desktop- und Modekonditoreikino

EIN MÜNCHNER IM HIMMEL
Ludwig Thoma zugekleistert mit zeitgeistigen Modernismen

GLENKILL: EIN SCHAFSKRIMI
Das Bemühen seh‘ ich schon, allein mir fehlt der Humor für diese Art von Lustigkeit.

WACKEN – HEARTS FULL OF METAL
Dieser Film will mehr als er kann.

DVD
PRIMATE
Auch Luxusmenschen sind nur Primaten.

THERAPIE FÜR WIKINGER
Nordisch durchgeknallt

Glennkill: Ein Schafskrimi

Wenn Schafe Krimis lösen,

dann benützen sie dazu Malfarbe und ihre Pfoten, mehr sei nicht ausgeplaudert, sonst ist der Krimi ja kein Krimi mehr.

Das ist eine andere Art der Kommunikation von Tier zu Mensch als eben erst im Kinderfilm Jazzy, Chaos im Regenwald mit Gebärdensprache und Übersetzungsapparatur am Arm.

Hier im Film von Kyle Balda mit einem komplexen Aufbau des Autorengeflechtes sprechen die Schafe untereinander Synchronsprecherdeutsch, das genau jene Doppelbödigkeit vermissen lässt, die möglicherweise im englischsprachigen Original die Sinnhaftigkeit der Filmes vermitteln könnte. Denn die kann nicht am Kriminalfall selber liegen. Der wird nicht unbedingt spannungsfördernd erzählt.

Es bleibt überhaupt vorerst unklar, dass Schäfer George eines unnatürlichen Todes gestorben ist. Wie das ruchbar wird, ist immer noch offen, wer daran und wieso ein Interesse gehabt haben könnte.

Ok, zu dem Zeitpunkt taucht seine Tochter auf. Doch der extrem doof gezeichnete Dorfpolizist ist nicht gerade motiviert für Aufklärung.

Ein Thema wird mit dem Winterlamm angedeutet, dass solche innerhalb der Schafsherde als Außenseiter gelten.

Es gibt ein schnuckeliges Dorf. Hier taucht ein blonder, grünschnabelhafter, bebrillter junger Mann mit Kamera auf. Er sei von der Zeitung. Er habe von dem Kulturfest des Dorfes gehört, ist enttäuscht, dass das lediglich aus drei Ständen mit Nippes und Krimskrams besteht und reist wieder ab. Da er mit seinem Auto in einen Baum fährt, kehrt er ins Dorf zurück und ist dabei, wie die Schäferleiche entdeckt wird, mischt sich beobachtend, fotografierend und kommentierend in die Ermittlungen ein.

Im Dörfchen gibt es auch den Metzger, der nach dem Schaffleisch schielt.

Der Abspann wiederum offenbart, dass Herden von Animationszeichnern mit der Herstellung des schwer einzuordnenden Filmwerkes befasst waren, dessen Reiz mir schleierhaft bleibt.

Meine Freundin Conni: Abenteuer mit Kranich Klaus

Übersichtliche Welt

Eine Häuschen mit Vorgarten. Familie Klawitter mit Papa, Mama, ein Töchterchen Conni und ein Brüderchen, die Katze Mau. Ein Fuchs, der keine Beute macht. Nachbar Oswald, ein Witwer, der liebevoll und verbissen ernst sein Blumengärtchen pflegt. Ein Kranichschwarm, der vorüberfliegt.

Kranich Klaus hat Kontakt mit einer Überlandleitung und stürzt ab. Er wandert in den Vorgärtchen des Idyllen-Ortes umher. Er knickt Oswalds Blumen ab, versteckt sich im Gärtchen der Klawitters. Die sind mit dem Buben verreist. Töchterchen bleibt zurück. Opa Willi hütet und Connis Freunde Anna und Simon dürfen bei ihr übernachten. Sie entdecken den Kranich, der Lärm schlägt wegen der Füchsin. Sie nehmen ihn auf. Sie kümmern sich um ihn.

Herr Oswald alarmiert die Polizei. Und die Kinder gehen mit dem Kranich zum Arzt. Der kann nicht helfen. Der Kranich muss wieder fit werden, damit er noch einen Vogelzug erreicht. Deshalb bringen die Kinder ihn, wie er wieder flugtüchtig scheint, zum Kranichlandeplatz.

Es ist ein einfache und gut nachvollziehbar Geschichte, die Dirk Hampel nach dem Drehbuch von Oliver Huzly und Sven Severin nach den Büchern von Liane Schneider als Animationsfilm mit kindereinfachen Zeichnungen inszeniert hat. Grad gut eine Stunde dauert die Alltagsgeschichte mit einem Vorfall und einem guten Ende für alle und dürfte die ganz Kleinen nicht überfordern. Zum Karaoke-Singen werden sie außerdem animiert.

LOL 2.0

Massiv desktopaufgepeppt

serviert Lisa Azuelos, die mit Thais Alessandrin und Frédéric Da auch das Drehbuch geschrieben hat, in diesem zweiten LOL-Film das alte Spiel der Geschlechter, wer mit wem, ob Elterngeneration oder Nachwuchs.

„Massiv aufgepeppt“ meint die kinematographische Erzählweise, die mit Überlappungen arbeitet, mit jeder Menge Chat- und SMS-Unterhaltungen, die parallel zum gesprochenem Dialog auf die Leinwand gebracht werden, auch überlappen sich gesprochene Texte.

Es ist ein Film, der sich direkt heranschmeißt an die Sturm- und Dranggeneration, die noch nicht definitiv ihr Nest gebaut hat.

Aber auch für die Menopausen-Generation ist was drin. Die wird zentral verkörpert von Sophie Marceau als Architektin Anne, die am Arbeitsplatz eine Erniedrigung erleben muss. Bei ihr zuhause taucht plötzlich Tochter Louise (Thais Alessandrin) auf, schwanger dazu, die von ihrem Freund rausgeworfen worden ist.

Es ist ein Beziehungskistenfilm mit verwirrend viel Personal und jeder und jede und alle wollen geliebt und am liebsten auch besessen sein, im Besitzsinne.

Es ist ein besinnungsloses Hin und Her garniert mit einer Überdosis an Feelgoodbildern und -musik.

Dazwischen kristallisiert sich eine neue Beziehung heraus. Die von Louise zum Uber-Typen, der ihr im Café begegnet, wo sie arbeiten will, da ihre Mutter Miete verlangt. Und just ihr Zimmer hat sie umgeräumt, nicht das von der Schwester, die weit weg ist.

Die Mutter selber lernt den Hundespaziergänger kennen. Auch hier knistert es vom ersten Moment an; die Fortsetzung lässt nicht lange auf sich warten. Personenkuddelmuddel. Einer aus der jungen Clique ist gelähmt nach einem Sturz für ein Internetvideo und sein Freund, der ihn liebevoll betreut erhält die Zusage zur Filmschule in London.

Im Hinblick auf einen End- und Schlusspunkt bedient sich der Film des dramaturgischen Mittels eines Konzerts, das die Akteure in Minne zusammenführt. Zwischendrin spielt eine Pokerrunde eine Rolle (so eine, ebenso sinnfrei, haben wir doch gerade im ebenfalls heute startenden Ein Münchner im Himmel gehabt?)

Der Film erinnert in seiner Machart an modisches Gebäck, das affig aufgemotzt Cookie Couture oder Cinamood heißt: Altbewährt-Traditionelles mit überteuert überzuckertem Schnick-Schnack drapiert. Modekonditorei-Kino.

Tommy Tom & der verschwundene Teddybär

Dinge sind zum Spielen da.

Tommy Tom und Mauzi Maus sind Freunde und zwar die besten Freunde in diesem Mitmachkino für Anfänger mit entzückenden, ganz einfachen Animationen, die für Kinoneulinge prima zu rezipieren sein dürften, so wie auch die Geschichte.

Kater Tommy Tom hat zum Einschlafen in seinem Körbchen, das auf einem Bügelbrett steht, einen Teddybär. Der ist plötzlich verschwunden.

Zusammen mit Mauzi Maus fängt er an, sein Kuscheltier zu suchen. Zuerst im Haus, der Radius weitet sich mit jedem Misserfolg. So wird aus dem Film von Joost van den Bosch und Erik Verkerk nach dem Drehbuch von Burny Bos nach den Büchern von Jet Boeke eine Abenteuer- und Entdeckungsreise durch die Welten, die auch kleinen Kindern am nächsten stehen.

Zuerst das Haus oder die Wohnung, dann kommt der Garten, der Nachbarsgarten, die Felder, der Wald – hier wird das Thema Angst angesprochen – und schließlich das Meer. Aber wo der Teddy sich aufhält und was mit ihm passiert ist, soll hier nicht gespoilert werden, dass es ein gutes Ende geben wird dagegen schon.

Es ist gerade eine angenehme Stunde, mehr wird den Kindern nicht zugemutet, mehr würde sie überfordern. Sie werden oft direkt angesprochen, sollen Hinweise geben oder warnen oder gar mitsingen. Über den pädagogischen Wert kann ich wenig sagen.

Jedenfalls machen die beiden Katzen mit den Dingen, das, was Kinder auch machen, sie spielen mit ihnen, sie rutschen das Treppengeländer herunter, bringen die Kleider im Schrank durcheinander, hüpfen auf Matratzen, machen akrobatische Übungen auf dem Wäscheseil und reiten auf Schafen; sie sind für jeden Blödsinn und jede Allotria zu haben.

Tommy Tom und Mauzi Maus begegnen anderen Tieren und vergessen dabei das Ziel ihrer Aktion, den Teddy zu finden, nicht. Sie stellen die Alltagsnützlichkeit der Umwelt erst mal auf die Probe durch geänderten Gebrauch. Sie machen das zu einem flotten, improvisatorisch wirkenden Sound, auch wenn die Gesangsmelodie vom Tommy-Song schon sehr einfach ist. Am Strand träumen sie poetisch von Bärenwolken.

East of Wall

Inspired by real people

Das macht diesen Film von Kate Beecroft vielleicht so physisch, so sinnlich, so fleischlich, so lebensnah, dass er sich hat von realen Menschen und Menschenverhältnissen inspirieren lassen, auch wenn die Geschichte fiktionalisiert wurde.

Geschichte wiederum ist nicht der vollumfänglich zutreffende Ausdruck, eher handelt es sich um eine Milieuschilderung mit melodramatischen Einschlägen, die ganz unspektakulär von einer Emanzipation berichtet.

Erst mal ist es angenehm, sich für die Zeitspanne eines Kinofilmes von der düsteren Weltpolitik abzuwenden, einzutauchen in das Leben auf der Farm von Tabatha (Tabatha Zimiga) im Wilden Westen. Sie scheint die Verbindung zum Dokumentarischen herzustellen, da hier Rollen- und fiktionaler Name identisch sind. Ebenso derjenige ihrer Tochter Porshia. Beider Familiennamen ist Zimiga. Wunderbare Darstellerinnen allemal!

Die Oma Tracey (Jennifer Ehle) lebt auf der Farm, wie auch der Bruder von Tabatha, Clay (Clay Paeneaude). Vater John hat sich vor etwas über einem Jahr erschossen. Ein Schock für die Farm. Seither schmeißt Tabatha den Laden mehr schlecht als recht. Sie hat ein halbes Dutzend Jugendliche auf der Farm aufgenommen, die aus schwierigen Verhältnissen stammen und hier mit Regeln heranwachsen sollen.

In der Männerdomäne des Pferdehandels nimmt niemand eine Frau ernst. Tabathas Pferde erzielen Preise weit unter Marktwert, egal wie toll ihre Kids sie bei den Auktionen vorführen. Als Retter der Farm bietet sich der reiche Roy Waters (Scoot McNairy). Der mag ein geschickter Geschäftsmann sein, nicht unbedingt ehrenhaft. Er sieht die Qualität der Pferde und das Pferdemanagement von Tabatha und ihren Leuten. Er will die Farm kaufen und ihr dafür helfen, die Pferde zu einem angemessenen Preis auf den Markt zu bringen.

Das stellt Tabatha vor ein Dilemma, denn die Farm ist ihr Leben, auch das der Jugendlichen, hier liegt ihr Mann begraben; dieser hat die Farm an den jüngsten, erst zwei Jahre alten Sproß der Familie vererbt. Tabatha wird eine Lösung finden, denn auf den Kopf ist sie nicht gefallen. Der Film beeindruckt nicht nur mit Wild-West-Bildern at its best, er nimmt sich Zeit, in die Schicksale der Menschen auf der Farm hineinzuleuchten.

Ninxs – Das Leben glitzert

Ein Stück gemeinsamen Lebensweges

Das ist sicher nicht die schlechteste Idee, Dokumentation als ein Stück gemeinsamen Lebensweges zu begreifen und das selbst im Film wiederum zu reflektieren.

Kani Lapuerta fragt Karla, wie sie sieben ist, ob sie damit einverstanden sei, ihr Leben über mehrere Jahre hinweg mit der Kamera zu begleiten. Das besondere Augenmerk gilt der Tatsache, dass Karla im Körper eines Jungen geboren ist, sich aber sehr früh schon als dem weiblichen Geschlechte zugehörig empfindet.

Auch Karlas Eltern machen mit bei der Dokumentation. Es sind Hippies, Mutter war in der Jugend sogar Hausbesetzerin. Die Familie lebt im Smog von Mexiko City. Da Karla deswegen von Asthma geplagt wird, zieht die Familie nach Tepoztlán. Für das Heranwachsen als Transmensch nicht das Paradies, was sich Karla erhofft hat, im Gegenteil, speziell während der Pubertät ist es die Hölle, die ständigen Bemerkungen.

Da Karla aber keinen leidgeprägten Film machen möchte, sondern einen mit Humor, das zeigt eine kleine Rahmenhandlung mit ihr als Chirurgin bei einer Mastektomie, hat sie die Superkräfte der Dissoziation entwickelt.

Der Film wirkt spontan, spontaneistisch, auch wenn oft klar ist, dass man sich für Szenen ein Thema vorgenommen hat, zum Beispiel über Ängste zu reden.

Der Film ist aber auch gerne beim Kochen und Essen dabei oder mit ihrem Freund Oliver. Der Film spielt mit dem Medium des Filmes, was den Eindruck der kindlichen Freude am Erzählen und der Absicht der Leichtigkeit und des Verzichts auf Leidensmitteilung noch verstärkt.

Immerhin ist Karla jetzt Protagonistin in einem Film, und keine schlechte, keine uninteressante, wenn auch sonst noch vieles offen ist, aber der Traum von der Majorette, den kann sie sich erfüllen.

Dieser Film zum Trans-Thema hat fast noch mehr Leichtigkeit als der kürzliche Denn dieses Leben lebst nur du!; vielleicht ist es der mentale Unterschied zwischen einer schwäbischen Leichtigkeit und einer mexikanischen.