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Lebenslinien: Ricky Harris – Überlebenslustig (BR, Montag, 19. Januar 2026, 22.00 Uhr)

Wonnepfropfen

Rarität bei den Lebenslinien: ein Protagonist, Ricky Harris, für den Publikum und nicht Promitum Lebenselixir ist.

Ein Lebenslinienteam ist für ihn genau so Publikum wie die Schüler, mit denen er ein Geschicklichkeitsspiel macht, das Teamwork lehrt. Dabei wird einem ganz nebenbei eines der verstaubten Elemente des Lebenslinien-Formates bewusst, dass die Dokumentaristen in altmodischer Manier sich unsichtbar machen, so tun, als wären sie gar nicht existent; so hinterwäldlerisch dürfte selbst das Lebenslinien-Publikum nicht sein, als dass man ihm diese relativierende Ebene vorenthalten müsste.

Wenn wir schon dabei sind, auch die redaktionellen Voice-Over-Texte wirken einschläfernd, die von den ewig gleichen Stimmen gesprochen werden und dem Kontent einen unangebracht gleichmacherischen Stempel verleihen.

Wenn wir schon dabei sind, der BR müsste sich selbstkritisch befragen, wieso er dem fabelhaften Entertainer, der kein Karrierist ist und dem man nicht zutrauen würde, sich bei Fernsehredaktionen einzuschmeicheln, einzuschleimen, keine Chance gegeben hatte, nachdem sein kurzer Ruhm bei einem Shopping-Kanal und dann bei Sat1 vergangen war und er händeringend Bewerbungen überhallhin verschickt hatte.

Immerhin ist es der BR-Redaktion unter Rachel Roudyani hoch anzurechnen, dass sie Kim Koch als Regisseur und Autor diese Lebenslinien über einen ehemaligen Protagonisten eines Privatsenders ermöglicht oder ihn damit beauftragt hat; das wäre ja auch mal interessant, einen Einblick in das Zustandekommen von so einer Folge zu erhalten. Prozeduren und Vorgänge offenzulegen, wäre für einen zeitgemäßen Journalismus garantiert kein Makel, schon gar nicht, wenn er für einen öffentlich-rechtlichen Sender tätig ist.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass dieses demokratisch eminent wichtige, gigantische Gemeinschaftswerk eines öffentlich-rechtlichen Rundfunks sozial unfair zulasten einkommensschwacher Haushalte finanziert wird.

Kommentar zu den Reviews vom 15. Januar 2026

Mit einem schmerzhaften, internationalen Rechtsbruch hat das politische Jahr als ein Geschenk für die Schlagzeilenmacher begonnen. Mit einem Bündel an Schmerzfilmen oder mit Filmen zum Thema Schmerz startet das Kinojahr in die dritte Woche, zumindest, was die hier reviewisierten Fime betrifft. Aus Spoilergründen verbieten sich zu deutliche Hinweise auf einen amerikanischen Film um ein Dienstmädchen; ein anderer amerikanischer Film indiziert Dinge, die auf gewisse Schmerzen folgen können, schon im Titel. Ein franzöisch-belgischer Film versteckt das Schmerzpotential hinter der Eleganz der Anrede. Ein alpenländisch deutschsprachiger Film verniedlicht grad gar nicht die Geburtsschmerzen. Schmerz-pur, wenn nicht der Urschmerz (eventuell der weibliche), scheint die Absicht eines deutschen Nachwuchsfilmes zu sein. Ausreißer zum Thema sind ein europäischer Film, der gediegen Wissenschaftliches liebesumrankt und die deutsche Leinwandadaption eines Boulevardstückes nimmt sich des delikaten Themas der Integration an. Auf DVD geht es in Kalifornien um eine Puppenstube samt Besetzung, die in falsche Hände gerät.

Kino

THE HOUSEMAID – WENN SIE WÜSSTE
Wenn sie es gewusst hätte, hätte sie den Job nicht angenommen und der Kinobesucher wäre um ein cleanes, nüchtern-großartiges Schauder-Horrorstück gebracht.

28 YEARS LATER: THE BONE TEMPLE
Christlich-sadistisches Oratorium

MADAME KIKA
Gut gestrauchelt kann aufregende Perspektiven eröffnen.

MOTHER’S BABY
Selbst exklusives, feinstes Dirigentinnenmilieu ist vor postnataler Depression nicht gefeit.

SILENT FRIEND
Edle, rankenhafte Darstellung des Männchen-Weibchen-Spiels in der Pflanzenwelt (Gingkobaum), zwischen Pflanzen- und Forscherwelt und innerhalb der Forscherwelt und dies auch noch an einem Ort über 100 Jahre.

SMALLTOWN GIRL
Dieser unendliche Schmerz, der vermutlich dank einer Legion von Beratern in eine unendliche Anzahl TV-tauglicher, mit Schmerzsalbe belegter Häppchen zerlegt wurde.

EXTRAWURST
Der Filmsenf zum erstklassigen Boulevard-Theaterstück ist wenig würzig.

DVD
GABBY’S DOLLHOUSE – DER FILM
Abenteuerliche Puppenhausrettungsaktion in Kalifornien

28 Years Later: The Bone Temple

Ein Oratorium des abendländisch-christlichen Sadismus

„Mein Gott, mein Gott“ oder auch „Vater“, „warum hast Du mich verlassen“. Das kann vielleicht als die zentrale Aussage dieses Filmes von Alex Garland nach dem Drehbuch von Nia Da Costa gelesen werden. Kann, muss nicht.

Die christlich-sadistische Ikonographie liefert einen wesentlichen Bestandteil zu den Horrorbildern. Auch der Zombie-Fundus ist wichtiger Zulieferant zur packenden Kinobilderwelt.

Dr. Kelson (Ralph Fiennes) mit viel nackter, mit Jod eingesprühter Haut lebt in seinem Knochentempel in den Highlands, dem Ossuarium. Das ist ein kunstvoll installierter Wald aus meterhohen Knochenkunstwerken, Knochenstelen.

Kelson schießt Infizierte ab, er zerlegt sie, nimmt sie aus, häutet sie, kocht die Knochen aus; das dürfte über die christlich-abendländische Ikonographie hinausgehen. Bei einem Zombie zögert er. Es ist der nackte Riese Samson (Chi Lewis-Parry). Lange Haare hat dieser auch. Hier entwickelt sich eine zarte Zuneigung. Das wird den Reiz des Tötens und damit des Heimholens in die Heimstätte des Knochentempels erhöhen.

Außerhalb des abesperrten Bezirkes des Zombiereservates hat sich die wilde Truppe der Streuner um Jimmy Crystal (Robert Rhodes) bei einer Bauernfamilie selbst eingeladen. Die Jimmys sind eine Gang von Pubertären und Jimmy Jimmy ist auf der Suche nach seinem Vater; bittschön nicht mit dem Satan verwechseln.

Reizvoll oder vielleicht auch strange oder pikant wird die Angelegenheit dadruch, dass Dr. Kelson nicht nur ein exzellentes Englisch spricht, sondern lateinische Floskeln in seine Rede einfließen lässt.

Auf der Musikspur finden sich Dinge zwischen Ethno-Jam und Oratoriumsmusik. Die Innenausstattung der Schutzraumes von Dr. Kelson, Fotos, erzählen von einem früheren, bürgerlichen Leben. Ohne so einen Nexus würde die Geschichte doch recht ankerlos im Bilderfantasieraum schwadronieren. Wobei es mir nicht reicht, daraus irgend eine geistige Anregung zu holen.

Vielleicht muss man stark katholisch geprägt sein, um eine inspirierende Beziehung zu dem Film herstellen zu können. Oder vielleicht muss man sich das nachgeschobene Kapitel, das in einer zivilisierten Gesellschaft stattfindet, genau anschauen, um an Intrepretationshilfen zu gelangen. Was hat ein Ossuarium mit dem Marshallplan zu tun? Bei diesem ging es darum, dem besiegten Gegner auf die Beine zu helfen, damit man wieder Geschäfte mit ihm machen kann – oder um ihn umso liebevoller auf die Heimkehr vorzubereiten?

Madame Kika

Im sozialen Stress

So zeigt der Film von Alexe Poukine, die mit Thomas Van Zuylen auch das Drehbuch geschrieben hat, Kika (Manon Clavel), alles andere als eine Madame, wie im Titel angegeben.

Kika ist eine zupackende junge Frau, unkompliziert. Sie lebt seit 16 Jahren mit ihrem Freund zusammen. Mit ihm hat sie die Tochter Louison (Suzanne Elbaz). Sie arbeitet in einem sozialen Beruf, hat es mit lauter sozialen Miseren zu tun. Im Feierabendstress will sie, eine Hand am Handy, die andere am Fahrrad ihrer Tochter, bei einem Fahrradladen eine Reparatur machen lassen. Aus lauter Stress und Ungeschick sperrt sie sich mit dem Betreiber des Ladens, David (Makita Samba), in seinen Geschäftsräumen ein.

Als überraschende Info kommt bei einen Gespräch heraus, dass sie für ganz spezielle Kunden gebrauchte Unterhosen verkauft. Der plötzliche Tod ihres Lebenspartners lässt sie selbst zum Sozialfall werden. Job weg, Wohnung weg, Geld weg. Schwanger ist sie obendrein.

Kika hält sich nicht lange mit Trauer auf. Erst kann sie mit Louison bei ihren Eltern unterkommen. Der Wunsch eines ihrer Unterhosen-Kunden nach mehr eröffnet ihr den Weg in Welten, in denen es um das Aushalten und Zufügen von Schmerz geht, in der sie ganz neue Erfahrungen macht und wo aus Kika „Madame Kika“ wird.

The Housemaid – Wenn sie wüsste

Muttergestörtes Söhnchen

Andrew (Brandon Sklenar) ist der perfekte, schöne, erfolgreiche Mann, verdammt gut aussehend, verständnisvoll, immer freundlich, immer ein Lächeln auf den Lippen. Er wohnt mit seiner nicht minder gut aussehenden Blondine von Frau, Nina (Amanda Seyfried), in einem protzigen Villenanwesen in New York.

An Personal gibt es noch den grimmig dreinschauenden, wortkargen Gärtner Enzo (Michele Morrone). Erstaunlich wenig für so viele Zimmer und so viel Umschwung.

Da ist auch noch das siebenjährige Töchterchen Cece (im Amerikanischen ausgesprochen hört es sich wie Sissi an). Die schaut finster, kein Wunder, sie nimmt Ballettstunden, deshalb ist ihr Haar wohl auch streng gekämmt. Fast so streng wie das ihrer Oma, der Mutter von Andrew, Evelyn (Elizabeth Perkins), die immer weiß, was für ihren Sohn gut ist und die sein Lächeln mag, es ihm vielleicht antrainiert hat.

Die Familie sucht ein neues Kindermädchen. Millie (Sydney Sweeney) meldet sich. Von ihr erfährt der Zuschauer, dass sie keine Wohnung und kein Geld hat, dass sie in ihrem schäbigen Kleinwagen lebt.

Der souverän zusammengestellte Film von Paul Feig nach dem Drehbuch von Rebecca Sonnenshine, die den Roman von Freida McFadden bearbeitet hat, ist einer von der Sorte, bei dem man unweigerlich spoilert, wenn man ihn beschreiben möchte.

Der Film selbst sieht sich bei IMDb als Thriller, von mir aus gesehen nicht ganz treffend, die Kategorien Horror oder gar Psychohorror wären zutreffender. Man könnte ihn als das Porträt eines Psychopathen bezeichnen, allein all das spoilert zu viel.

Der deutsche Titelzusatz „Wenn sie wüsste“ verrät immerhin, dass offenbar der faszinierende, männliche Glanz nur Fassade ist, der Eindruck des gutmütigen Trottels, den er zeitweilig abgibt, möglicherweise nur vorgetäuscht, und aus einer gewissen Filmerfahrung heraus könnte hochgerechnet werden, dass es dahinter ziemlich duster aussieht.

Lange Zeit wirkt der Film wie ein Bericht nach Aktenlage, nüchtern, jedoch spannend aufgedröselt. Man glaubt erst alles zu wissen. Bis man dann mehr erfährt.

Es ist ein Thriller über menschliche Verdrängung, Abhängigkeit, Unterdrückung und Machtmissbrauch. Ein Film auch über menschliches Kalkül. Ein Fim aber auch, das macht ihn so quasi klinisch, der in keiner Weise psychologisiert, sondern in all seinem Horror faktenbasiert sich gibt; er täuscht mit den Mitteln des filmischen Kammerspiels noch dazu anfänglich ein anderes Genre vor. Und nur nach und nach gibt auch die Kamera zu verstehen, dass sie weiß, dass wir in einem puren Horrorfilm gelandet sind. In den Sexszenen ist der Film nicht ganz so prüde wie der amerikanische Mainstream inzwischen, hier entledigen sich die Mimen schon mal eines Teils der Unterwäsche oder sogar aller.

Silent Friend

Kinderhirn oder Erwachsenenhirn?

Nach dem mehr dekorativen denn wisschaftlichen Eröffnen mit Bildmaterial vom erste Sprießen eines neuen Gingko-Baumes wendet sich der Film den ebenfalls mehr dekorativen denn wissenschaftlichen, neurologischen Untersuchungen von Hirnen zu.

Ein Baby und ein Erwachsener sind am Kopf voll mit Elektroden verkabelt. Beiden wird ein – ebenfalls sehr dekoratives – Bildmaterial vorgeführt. Das Hirn des Babys wird hochaktiv, große Gebiete des Hirnes färben sich auf dem berichtenden Bildschirm ein, während das Hirn des Erwachsenen auf Routinemodus verharrt.

So scheint es mir der Regisseurin Ildió Enyedi, die mit Tina Kaiser auch das Drehbuch geschrieben hat, zu ergehen. Während ihre beiden Vorgängerfilme Die Geschichte meiner Frau und Körper und Seele geprägt schienen von diesem Unvoreingenommen-Offenen, sich anregen lassenden Babyhirn, scheint es mir, als gebe sie auch hier zwar die Absicht kund, dieses ebenso tun zu wollen, aber es scheint ihr nicht zu gelingen, sie scheint nicht über die Routinen einer ‚acclaimed‘ Künstlerin hinauszukommen mit ihrem überaus ambitionierten Ziel, sich dem Leben zu nähern, dem Wachsen und Entstehen, der Kommunikation zwischen Mensch und Natur, dem Seelenleben von Pflanzen und außerdem noch dem Männchen-Weibchen-Spiel unter den Menschen, die das erforschen, und auch das scheint ihr nicht Ambition genug, es soll auch noch, dem Trend der Zeit entsprechend, die Geschichte eines Ortes über die Zeiten erzählt werden, so wie schon In die Sonne schauen, Sentimental Value, Die Farben der Zeit.

Es bleibt uninspiriert.

Der Ort ist eine Alma Mater, ein schöner Backsteinbau um 1832, dann zur Zeit der Studenten-Sit-Ins und mit einem eleganten Glasanbau erweitert im Heute. Hier ist Prof Wong (Tony Leung Chiu Wai) zu Gast.

Um 1832, diese Phase ist in schlaglichtlastigem Schwarz-Weiß auf der Leinwand, vermutlich in Farbe gedreht, zwar knallig aber nie so schön und poetisch wie Ozons Der Fremde. Hier will Grete (Luna Wedler) sich als Frau in den akademischen Betrieb einbringen. Die Vorurteile der Zeit sind krass und werden krass ausgespielt.

Es gibt eine Episode, die nebst all dem gediegenen, textilen Wirkwerk an Impressionen aus Natur und wissenschaftlichen Experimenten und den Menschen dazwischen, eine kleine Story vorhält.

Hannes (Enzo Brumm) soll für eine Kommilitonin, die ein paar Tage auf Wanderung geht, das Experiment mit ihrer Blume betreuen, regelmäßig gießen, aber auf gar keinen Fall eine Beziehung zu ihr aufbauen. Das ist eine lustig-listige Episode, was er daraus macht. Wobei sich hier typisch deutsche Drehbuchsätze hineinschmuggeln.

So geschmackvoll die Filmemacherin das Thema der Fortpflanzung der Fauna in den Film einbringt, so geschmackvoll lässt sie es unter den Forschern knistern, nette Zweideuteleien.

Ferner bringt sie geschickt kulturelle Parameter ins Spiel. Hannes, der im Gras liegt, liest Rilkes Duineser Elegien. Eine Forscherin hat in ihrer Wohnung ein Plakat von Hilma af Klint hängen. Solche kulturelle Wegmarken können womöglich entscheidend sein, ob Fernsehredakteure auf ein verquastes Projekt anspringen oder nicht.

Verquast kommt mir die Chose ein wenig vor. Denn eine wissenschaftliche Doku ist der Film nicht. Er ist aber auch nicht so furios, dass er wie das Babyhirn den Wissenschaftsbetrieb vollkommen unvoreingenommen als lebendiges, berichtenswertes, möglicherweise kurioses bis erschreckendes Ereignis wahrnimmt; da ist zu viel Vernünftelei davor. So tun als ob. Dieses allerdings ist zu einem ästhetisch unstreitbar schönen Wandteppich verwebt. Für die Freunde der textilen Kinokunst.

Smalltowngirl

Dieser Schmerz

Ein doppelt delikates Thema nimmt sich Hille Norden für ihren Film vor: Minderjährigkeit und Sex und Sex und Gewalt.

Nore (Dana Herfurth) ist Nymphomanin (im Film selber wird der Begriff nicht verwendet). Und das schon seit lange vor der Volljährigkeit. Eine ihrer ersten Fragen lautet, die eigentliche Frage sei, sie wird in einer Kneipe mit mehreren Rumhängemännern gestellt, wer sie als nächstes ficke.

Wer so etwas als ‚eigentliche Frage‘ in den Raum stellt, gibt dezidiert einen gewissen Level an Oberflächlichkeit vor. Jonna (Luna Jordan) beobachtet wie fixiert Nore. Sie wird sich keck zwischen sie und einen Mann hocken und sie auf ihre lesbische Seite hin anmachen. Daraus wird eine Freundschaft, in der viel über das Ficken geredet wird und Nore etwas ihre Vergangenheit lüftet.

Als pubertierendes, männergeiles Mädchen wird Nore gespielt von Vera Fay.

Es ist der Film einer gequälten Seele, ein Film zum Sichten und Ablegen. Es ist ein Film, der mehr auffällt durch seine expressive Kamera – sie könnte sich an der Malerei eines Goya orientiert haben und sie setzt die Räume klar als Kulisse ein.

Der Sound ist ein alarmistischer Sound; es spielen eine Menge austauschbarer Männer mit; diese Austauschbarkeit ist dem Drehbuch zu verdanken.

Es ist ein Film, wo man neugierig wäre, wie er ausgeschaut hätte, wenn nicht jede Menge dramaturgischer Berater und dazu noch die ZDF-Redaktion vom Kleinen Fernsehspiel ihre Finger im Spiel gehabt hätten. Vielleicht wäre dann wirklich ein kleiner, wilder, schmerzhafter, wüster Film draus geworden, eines der erinnernswerten guilty pleasures des Kinojahres, das die Geschichte der vielen Narben, die die Maskenabteilung mit beachtlichem Einsatz auf nackte Körperteile geschminkt hat, aufregend erzählt.

Möglicherweise also legt der Film Zeugnis ab vom Mittelmaß einer Menge von Beratern. Ohne diese wäre vielleicht ein Film draus geworden, bei dem nicht nach jeder schmerzhaften Szene gefühlt eine Kuschel- und Streichelszene kommen muss. Vielleicht wäre ein Film draus geworden, der wie Edward Munchs Schrei in die Welt hinausbrüllt von der Unfähigkeit der Menschen im Umgang mit Liebe und Sex. So aber dürfte niemand mit dem Resultat recht glücklich sein.

Extrawurst

Exzellentes Theaterstück

Das Theaterstück „Extrawurst“ von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob war ein Hit auf den deutschen Bühnen. Es sorgte landauf, landab für ausverkaufte Häuser.

Verständlich ist der Wunsch, aus so einem Erfolg auch einen Film zu machen. So kommen in Deutschland fast zwangsläufig Fernseheinflüsse dazu; im Abspann findet sich Degeto und finden sich Fernsehredakteure und Script-Beratung.

Das bedeutet aber noch lange nicht, dass auch nur irgendjemand sich die Frage gestellt hat, wie das Stück filmisch zu einem Drehbuch verarbeitet werden kann, das dem Film dann jene filmischen Qualitäten verleiht, die ihn zu einem entsprechend großen Erfolg im Kino machen könnten. Diese Frage scheint hier niemand gestellt zu haben.

Die Fragestellung schien eher die gewesen zu sein, wie lässt sich mit Einfällen das dialogdominierte Stück visuell aufmotzen. Es bieten sich Ballspukmaschinen auf dem Tennisplatz an. Oder ein Gag mit einem „Betreten Verboten“- Schild an einem See, ein Spiel mit Hosenträgern, eine Treppenliftaction von Hape Kerkeling als Vereinsvorsitzendem Heribert, gar eine Ischias-Geschichte für ihn oder Pillen- und Rollstuhlaction für die wunderbare Gaby Dohm als Mutter von Matthias.

Für das Drehbuch stehen auch hier die beiden Autoren; der Torso ihres Stückes scheint gewahrt.

Im Theater in der Komödie im Bayerischen Hof war es ein furioser Abend in der Inszenierung von Michael von Au. Der hat eine pointierte Sprach- und Dialogregie geführt. Davon scheint Rosenmüller relativ unbeleckt.

Im Theater fängt das Stück mit einem staubtrockenen Schlusspunkt an. Ende der Hauptversammlung des Tennisvereins von Langenheide. Im Theater haben die das so desillusionierend gebracht, dass man dachte, jetzt könne man gleich nach Hause gehen.

Im Kino hat Marcus H. Rosenmüller versucht, das so bunt und lebendig wie möglich zu gestalten. So fehlt schon mal das Sprungbrett mit der klitzeleinen Zusatzfrage des zweiten Vorsitzenden des Vereins Matthias (Friedrich Mücke, der brillanteste unter den Darstellern) wegen dem Grill.

Die atemberaubende Mechanik des Theaters, eine Art Jojo-Effekt, die fehlt im Film. Im Theater glaubt man immer wieder, so jetzt ist das Thema erledigt und dann lässt eine Zusatzfrage das zentrale Thema, das ist jenes der Integration, wird hochschießen.

Im Kino geht es sozusagen linear zu und her. Auch wird im Theater von Anfang an deutlich, dass Melanie (Anja Knauer) und Erol (Fahri Yardim) das Traumdoppel des Vereins sind und die sportliche Stütze schlechthin. Umso spannender wird das Thema mit dem Grill. Die Forderung, für das Vereinsfest einen zweiten Grill anzuschaffen, damit Erol mit türkischen Hintergrund eine Halal-Bratwurst grillen und genießen kann.

Wenn das Theaterstück auf der Bühne ein Hochkonzentrat ist, so wirkt der Film wie eine Schorle.

Extrem mühsam ist die Witzgeschichte mit der schweren Geburt eines nicht besonders orginellen Ausländerwitzes. Die Besetzung im Kino mit Hape Kerkeling kommt nicht an Gerd Wittman im Bayerischen Hof heran, wobei das hier nicht um die Evaluierung von Schauspielerqualitäten geht, sondern um das Typecasting; da müssen sich die entscheidenden Redakteure, denen es vielleicht primär um einen bekannten Namen ging, oder die Castingabteilung an der Nase nehmen.

Kommentar zu den Reviews vom 8. Januar 2026

Das Familiäre dominiert bei den Filmen vom zweiten Kinostarttag in 2026, die stefe vorab sehen konnte. Familiär an einem wunderschönen Independent-Film aus den USA ist nicht nur die Liebesbeziehung zwischen den beiden Künstlern, familiär ist auch die Atmosphäre ihrer Kunst. Extrem um Familie geht es in einem amerikanischem Katastrophen-Überlebensfilm. Die ganze Familie eines Untäters eines Verbrecherregimes wird in die Folgen eines Unfalles, den er mit seinem Auto hat, hineingezogen. Die Deutschen gehen das Familiäre vom Kopf her an: sie wollen wissen, wie weit Geschwisterliebe in einem Fall für die Justiz gehen kann. Die Japaner machen sich ein Vergnügen daraus, wie Lücken im familiären Beziehungsgeflecht mit Mietmenschen gefüllt werden können. Kern einer jeden Familie ist die Liebe zwischen zwei Menschen, ganz Mainstream: zwischen Mann und Frau. Die Amis finden, so eine Liebe müsse vorher getestet werden. Familiär ist der Ton von jenem deutschen Wissensvermittler, der die Schulstuben flieht und überall auf dem Planeten vor Ort nachschaut. Im Öffentlich-Rechtlichen will bei einem aus dem Hut gezauberten Krimi so gar keine familiäre Gediegenheit entstehen.

Kino
SONG SUNG BLUE
Dieses Duo hat es tatsächlich gegeben; es scheint die anrührende Hommage verdient zu haben, auch als Hommage an die Kunst in der Provinz.

GREENLAND 2
Wir leben nun mal in einer Zeit der Katastrophen.

IT WAS JUST AN ACCIDENT – EIN EINFACHER UNFALL
Vor kompliziertem Hintergrund

SCHWESTERHERZ
Konstruktion eines Konfliktes zwischen Familienloyalität und juristischem Wahrheitsanspruch

RENTAL FAMILY
Menschliche Beziehung zu mieten

THE BAD BOY AND ME 2
An Krisen wächst die wahre Liebe.

CHECKER TOBI 3 – DIE HEIMLICHE HERRSCHERIN DER ERDE
Düst wieder mit enormem CO2-Abdruck um den Globus und fabuliert sich seine eigene Geschichte zusammen – ungecheckt.

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WATZMANN ERMITTELT – DIE TRÄNEN DER MADONNA
Das Drehbuch ragt hervor – mindestens gut abgekupfert – Inszenierung und Performance können nicht mithalten.