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Zeitreise.

Dieser Footage-Montage-Film von Todd Douglas Miller ist eine doppelte Zeitreise.

Eine Zeitreise in die Geschichte der Raumfahrt, zurück zum Juli 69, als die Amerikaner den ersten bemannten Flug zum Mond erfolgreich starteten und auch zu Ende brachten mit den drei Astronauten Neil Armstrong, Buzz Aldrin und Michael Collins.

Der Film ist aber auch eine Dokumentation aus der Geschichte der Dokumentation, wie über so ein Ereignis damals berichtet wurde, denn Miller montiert lediglich Originaldokumentationsmaterial von damals. Es gibt viel davon, die Auswahl dürfte nicht leicht gefallen sein. So wird der Film zur „statementfreien Zone“, ein Riesenplus.

Der Flug zum Mond von Apollo 11 war ein mediales Ereignis erster Güte, ein Weltereignis. Es gab riesige Pressetribünen in sicherer Entfernung von der Startrampe. Der Film montiert das Material in einer spannende Abfolge von Material aus den Innereien der Nasa, wo unzählige Männer in Hemden – und keine einzige Frau – hinter für uns heute altertümlich erscheinenden Monitoren sitzen, jeder verantwortlich für eine Winzigkeit an Detail aus dem Zusammenwirken des riesigen Apparates.

Frauen gab es nur im Hintergrund, die kommen hier nicht vor, dazu müsste man den großartigen Film Hidden Figures anschauen, das war ganz am Anfang, als Kennedy den bemannten Raumflug ankündigte.

Überhaupt scheint der Film auch eine Hommage an Kennedy und seine Visionen zu sein. Nixon kommt nur klein am Fernsehen. Und vielleicht versucht der Film noch eine dritte Funktion zu erfüllen, dem geteilten Amerika unter Trump ein Momentum entgegenzusetzen, in dem über diesen Mondflug kurzfristig zumindest eine Art Einheit der Nation hergestellt war, so jedenfalls erscheint es im Film.

Der Film selbst berichtet wie über eine brennende Aktualität; geschickt montiert Miller die Archivschnipsel zu einer aufregenden Geschichte. Kurz vor Start wird noch eine undichte Leitung entdeckt, auch diese Reparatur wird spannungserhöhend dokumentiert. Dann die Vorbereitung der Raumfahrer selber, wie sie in einem Transportfahrzeug zuerst mit Begleitkolonne, dann allein zur Startrampe gefahren werden.

Die Drehungen, die wie Saltos aussehen und die die Rakete auf ihrer Bahn ab und an bewusst gemacht hatte, die Abkoppelungen, der Mondumlauf, die ersten Schritte, als ob der Astronaut im ersten Moment nicht wisse, was er auf dieser riesigen leeren Fläche soll, aufgenommen von einer fixen Kamera im Inneren des Landegefährtes „Eagle“.

Nach der erfolgreichen Rückkehr werden die Helden der Nation in einem Gefährt, das aussieht wie eine Hot-Dog-Bude auf Rädern, erst mal in Quarantäne gebracht – und die Ringe unter den Augen der Herrschaften in den Überwachungszentren sind dicker und dunkler geworden – das Abenteuer und Medienereignis hat schließlich über eine Woche gedauert.

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Hinabtauchen in tiefste Tiefen menschlicher Urängste und Verunsicherung, dorthin, wo es am Schmerzhaftesten ist: Verlust des Kindes, Zerstörung des Kindes, Missbrauch des Kindes.

Kinder sind die größte Hoffnung der Menschen auf Zukunft und Fortbestand. Weshalb Missbrauch von Kindern zu den schlagzeilenträchtigsten Verbrechen gehören, gerade in München, der Mann mit der Wolfsmaske, der am hellichten Tag ein efljähriges Mädchen missbraucht hat, die Titel, die die Boulevardpresse verteilt, sind nicht schmeichelhaft.

Borys Lankosz, der mit Magdalena Lankosz auch das Drehbuch geschrieben hat nach dem Roman von Joanna Bator, schickt die Journalistin Alicja (Magdalena Cielecka) von Warschau in die polnische Provinz, wo immer mehr Kinder unter ungeklärten Umständen verschwinden.

Alicja ist aus der Gegend. Das erleichtert den Einstieg in die Recherche. Sie hat noch einen Schlüssel ihres leerstehenden Elternhauses. Darin kommen Erinnerungen hoch, vergrabene, ungeklärte.

In der Nacht überwältigt Alicja im Garten einen Mann, der angeblich Jagd auf die ‚Katzenfresser‘, die Zigeuner, macht, denen die Schuld am Verschwinden der Kinder zugeschrieben wird.

Lankosz beschreibt die Gegend, die Erinnerungen meisterlich mit den Mitteln des Horrormovies, Schlaglichter, viel Dunkel, dazu eine exquisite Musik, die auf die Abgründe hinweist, eine weiche Erzählerstimme und Settings mit wenig Perspektive, keine renovierten Häuser, Zerfall.

Zur Bebilderung des Kinderhorrors kommen gekonnt die einschlägigen Motive wie Teddy, Barbiepuppe, schwarze Puppe, Perlen, Kreisel, Prinzessinnenpuppe, Äffchenpuppe, erhängte Katze, Kapuzenmann, eine Herzogin Daisy vor, krasser wird es mit einem Aschenbecher in Form eine nackten Barbiepuppe, in welcher Zigaretten ausgedrückt werden. Aber auch die Katzenfrauen spielen eine Rolle; eine macht ein Geräusch wie eine Klapperschlange.

Einzig die Journalistin ist heutig, sie joggt in modernen und auch im Film heller und frischer wirkenden Jogginganzügen. Sie wird durch ihre Recherche mit der eigenen Familiengeschichte konfrontiert, die komplex und düster genug ist, sie befragt die Mutter eines verlorenen Kindes, den Leiter eines Heimes. Dort ist die Bemerkung zu hören, dass immer die falschen Menschen die Kinder bekommen, der soziale Abschaum, und dass die Eliten zu wenig Kinder in die Welt setzen. Sie kann nicht widersprechen, ist sie doch selber kinderlos.

Die Recherchen bringen Hintergründe für die Verbrechen ans Licht sowie zeitgeschichtliche Ausformungen von Brutalität wie Naziherrschaft (ein Junge, der Mengele spielt – vorerst nur bei Tieren) oder Einmarsch der Roten Armee in Polen.

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Etwas lastet auf den ersten Szenen dieses mit Elektropop und Gruselmusik unterlegten Filmes von Gabriela Amaral Almeida. Der Film spielt im nächtlichen, abgelegenen Restaurant „La Barca“ irgendwo in Brasilien. Es ist kurz vor Geschäftsschluss. In einer Viertelstunde macht die Küche zu.

Ein Gast ist noch hier, ein korpulenter Herr, der Kaninchen bestellt. Es ist Amadeu (Ernani Moraes); er ist ein Kommissar mit einem lahmen Bein, der schon viele Verbrecher umgebracht habe. Er wird von zwei Seiten beobachtet. Vom Inhaber des Restaurants Inácio (Murilo Benicio) und der Bedienung Sara (Luciana Paes). Die stehen auf Distanz im Restaurant. Hinter Glas aus der Küche schauen und machen sich ihre Gedanken Djair (Irandhir Santos) – die parfümierte Schwuchtel, wie es später heißt, und langhaarig dazu – und weitere Küchenangestellte.

Die Szene wechseln sich zwischen diesen drei Positionen ab. Es wirkt, als habe die Filmemacherin zuerst das in Lateinamerika häufig seinen Niederschlag in Filmen findenden Thema von Herrschaft und Dienerschaft im Auge. Jeder Satz eines jeden Beteiligten wird vom Film quasi wie mit der Briefmarkenwaage auf diesen Herrschaftsgehalt hin geprüft.

Dabei haben auch die Herrschaften, einerseits der Kunde, andererseits der Chef, ihre Ängste. Dem Chef bangt vor einem erwarteten Besuch eines Restaurantkritikers. Er übt für ein Interview vorm Spiegel. Entsprechend wird das Verhalten von Personal und Kunden durchleuchtet. Jeder Satz hat in Bezug auf Herrschaft und insofern auf zwischenmenschliche Gewalt Gewicht. Wobei es anfänglich die nicht physische, nicht blutige Gewalt ist. Die ist bis hierher nur latent vorhanden, ahnbar, dass im netten, formal korrekten Menschen (so verhalten sich vorerst alle gemäß ihren Rollenmustern innerhalb der Hierarchien) das Biest, wie der Titel andeutet, steckt.

Zwei späte Gäste, ein turtelndes Paar, bringen den Feierabendplan des Personals durcheinander. Sie verursachen erste Unruhe, könnten ja die Kritiker sein. Sie gefährden das labil austarierte Herrschaftsgleichgewicht im Restaurant, denn sie führen sich launisch auf.

Es folgt ein dilettantischer Überfall durch zwei Maskierte samt Gewalt gegen die Frauen. Das bringt diese Machtbalance zum Kippen; distilliert im Folgenden mit vivisektiererischer Akribie und Lust das Animal im Menschen inklusive Blutsex heraus.

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1 mal Superheldisches, 1 mal Musikalisches, 4 mal Politisches, 1 mal Spukhaftes, 1 mal Fußballerisches und 2 mal DDRiges. Gut nachvollziehbar und spektakuläre Superheldengeschichte aus den USA. Ein Film, der weit mehr ist als ein Musikfilm, kommt aus München. In England wird eine alte Frau von ihrer studentischen Spionage-Aktivität eingeholt. In Amerika bringt das Thema Todesstrafe zwei Frauen einander näher. In Wien glaubt ein russischer Oligarch, alles kaufen zu können. Ein Österreicher besichtigt Wunden, die der Mensch der Erde zufügt. In den USA kommt eine Puppe in eine gefährliche Artefaktensammlung. In Deutschland sucht ein leinwandunergiebiger Topfußballer Kinowirkung, blickt einer zurück auf DDR-Modisches und versucht geballte Subvention eine Babelsbergrekonstruktion. Auf DVD erschien Ryan Goslings erste Kinohauptrolle, eine polnische Fluchtgeschichte aus der Nazizeit und ein Film zum Sonderthema Geschwister mit Behinderung. Im Fernsehen gibt es fiktionale Abarbeitung an Kunsttheoremen und Geier kreisen über dem Zwangsgebührenhaufen.

Kino
SPIDER-MAN: FAR FROM HOME
Coming-of-Age mit Superheldenbegabung belastet.

SPIDER MURPHY GANG – GLORY DAYS OF ROCK ‚N‘ ROLL
Dieser Musikfilm erzählt auch eine Lebensgeschichte.

GEHEIMNIS EINES LEBENS – RED JOAN
Spionin? Das war doch für den Weltfrieden durch das atomare Gleichgewicht.

MY DAYS OF MERCY
Das Thema Todesstrafe verbindet zwei ganz unterschiedliche Frauen.

KAVIAR
Als Satire gedacht, vom Fall Strache eines Besseren belehrt.

ERDE
Der Mensch verändert die Erdoberfläche mehr als die Natur selbst.

ANNABELLE 3
Das Spukhafte soll klar machen, wie gut wir es diesseits haben.

KROOS
Ein genialer Fußballer ohne Show- und Starallüren auf der Leinwand, kann das funktionieren?

COMRADE COUTURE – EIN TRAUM IN ERDBEERFOLIE
DDR-Modenschau war nicht nur Kuhwiese, da gab es die aufregende CCD.

TRAUMFABRIK
Das deutsche Kino will wieder den großen Kinotraum träumen.

DVD
THE BELIEVER – INSIDE A SKINHEAD
Jüdischer Glaubenszwiespalt und Neonazitum.

FLUCHT AUS LENINGRAD
Heute passiert das Menschen am Rande des Mittelmeeres, hier war der Lagodasee Ort zwischen Hoffnung und Lebensgefahr.

UNZERTERNNLICH
Natürliche Wege zur Toleranz.

TV
MANIFESTO
Cate Blanchett leidet spannend an den Unzulänglichkeiten von Kunsttheorien.

BEZZEL & SCHWARZ – DIE GRENZGÄNGER – FOLGE 1
Da der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch die Haushaltzwangsgebühren zuviel Geld einnimmt, muss er ständig neue „Formate“ entwickeln, sonst bleibt das Geld liegen und er kann keine Zwangsgebührenerhöhung fordern.

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Klarheit kann für einen Spuk-, Horror- oder Dämonenfilm das Körnchen Salz sein, das ihn attraktiv macht. Und mit eineindeutiger Klarheit fängt dieser dritte Annabelle-Film (Annabelle 2) an.

Die Spuk- und Dämonenforscher Ed und Lorraine Warren (ihr ist der Film gewidmet, da sie dieses Jahr gestorben ist) haben eben die dämonische Puppe Annabelle bei einer Familie für ihre Sammlung von Artefakten besonders gefährlicher Dämonengestenstände abgeholt. Dass bei dieser nächtlichen Nachhausefahrt durch einsame Gegenden Dinge passieren, die sich im Grenzbereich des Eineindeutigen bewegen, verstärkt nur die Klarheit des realistischen Vorgangs.

Im Film selbst wird sogar eine Begründung für das Dämonische, das Übersinnliche im Zusammenhang mit der Sammlung vorgetragen: das sei der Sinn des hier Gesammelten, Dunklen: das Gute der Welt draußen umso deutlicher herauszustellen.

Die Warrens, verkörpert von Vera Farmiga und Patrick Wilson, haben ein Mädchen im Pubertätsalter. Es ist Judy (Mickenna Grace). Wobei auch das noch in den Bereich des Realistischen gehört, dass Pubertierende eine besondere Affinität zum Übersinnlichen haben.

Die Puppe Annabelle wird zuhause in der Sammlung im Keller in eine eigene Vitrine eingesperrt. Ein Pastor segnet sie, will ihre dämonischen Kräfte besänftigen. Das wird mit den Artefakten einmal wöchentlich so gehandhabt, um den Keller nicht zu unerwünschtem Leben zu erwecken.

Weiterhin wird mit überdeutlicher Klarheit erzählt, dass durch einen Zeitungsbericht die Beziehung der Warrens zum Dämonischen bekannt wird, dass im Ort getuschelt wird, Schulkameradinnen ihre Bemerkungen machen. Am Distanziertesten verhält sich Daniela (Kaie Sarife).

Eine Ortsabwensenheit der Eltern macht es nötig, dass Judy von Mary (Madison Iseman) gehütet wird. In fortschreitender Klarheit des Exposition wird verdeutlicht, dass die Artefaktensammlung keinesfalls zu betreten sei; sie ist auch mehrfach verriegelt.

Wie der Drehbuchautor, das ist Regisseur Gary Dauberman, der eine Geschichte von James Wan zur Vorlage nahm, es will, besucht Daniela Judy und wie sie es – jetzt schon sehr deutlich und breit ausgelegt – weitererzählt, verlassen Mary und Judy unter einem Vorwand das Haus mit der ausdrücklichen Warnung an Daniela, nichts anzurühren.

Nun beschäftigt der Film die beiden außer Hauses so lange, dass Daniela sich sehr, sehr, sehr viel Zeit lassen kann, das Haus zu erkunden, die mehrfach verschlossene und mit Warnschildern versehene Tür zur Artefakten-Sammlung zu entdecken, den Schlüssel mit Durchwühlen von vielen Schubladen zu suchen … um endlich Annabelle aus ihrer Vitrine zu befreien, wodurch dem Okkulten, dem Dämonischen explosiv die Seinsmöglichkeiten eröffnet werden und es sich wie in einem Irrgarten über die Beteiligten und die Leinwand ergießt und der Zuschauer sich wundern darf, wie viel Dämonentum hinter der doch arg lädierten Maske von Püppchen Annabelle schlummert.

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Das deutsche Kino möchte wieder groß träumen. Von Liebe und von großem Kino. Auch wenn es aus der Fabrik kommt. Das erzählt der Titel dieses Filmes von Martin Schreier, der mit Arend Remmers, Tom Zickler und Sebastian Fruner auch das Drehbuch geschrieben hat.

Das erzählt auch die Geschichte, die im Filmstudio Babelsberg zur Zeit des Mauerbaus spielt. Da ist Babelsberg plötzlich vom Westen abgeschnitten. Das hat unmittelbar Konsequenzen auf den Betrieb, speziell, wenn Gäste aus dem Westen engagiert sind: aus Frankreich Milou (Emilia Schüle), Omar (Nikolai Kinski) und Beatrice Morée (Ellenie Salvo González).

Das deutsche Kino will in diesem Film sich wieder trauen, Starkino zu machen, eine Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen in den Mittelpunkt zu stellen mit vielen Großaufnahmen, Idole auf die Leinwand zu zaubern.

Das sind Milou und der Kleindarsteller Emil (Dennis Mojen), die hier zu Stars stilisiert werden. Manchmal zuckt bei Emil ein Lächeln um die Lippen wie bei Heinz Rühmann, überwiegend aber ist er auf guten alten, jugendlichen Filmhelden mit seiner Stirnlocke getrimmt. Das Drehbuch schreibt ihm immerhin einige Konflikte zu.

Zuerst sind es Sitcom- oder eher: Screwball-Geschichten, wie er sich ungeschickt im Filmbetrieb benimmt, tölpelhaft, zu dem er durch seinen Bruder Alex (Ken Duken) kommt; wobei, dass die beiden Brüder seien, mehr eine theoretische Behauptung bleibt.

Emil verliebt sich beim ersten Augenkontakt in Milou, die gerade eine Szene dreht als Zigeunertänzerin. Dadurch verliert er die Zusammenhänge im Studio aus dem Blick und stiftet teures Chaos. Er versucht sich aus der Verantwortung zu stehlen.

Es gibt Liebesanbandel-Szenen mit Milou, die sind recht gut durchdacht geschrieben, wie die beiden einander einschätzen. Eine ist auch lauschig in all dem Gestänge über einem großen Studio inszeniert.

Emil erwartet Milou am nächsten Tag wieder. Doch der Mauerbau kommt dazwischen. Milou bleibt im Westen stecken; die Produktion wird gestoppt. Das Chaos, das dadurch im Studio entsteht, nutzt Emil, um sich eine Funktion als Regisseur und Autor mit Künstlernamen unter den Nagel zu reißen.

Der Film vergisst jetzt über eine Strecke den Liebesfilm und amüsiert sich dabei, zu beweisen, dass in diesem Business der Bluff wichtiger ist als jede Qualifikation.

Emil hat den gloriosen Einfall, ein Kleopatra-Projekt vorzuschlagen, bei dem Milou der Star sein wird und wieder eingeflogen würde. Funktioniert reibungslos gegen den Widerstand von Funktionärschargen (Heiner Lauterbach als Studioboss), aber ein Knaller von Stasimann gibt seinen Segen. Konflikt für Emil wird sein, dass Milou inzwischen ein Verhältnis zu Omar hat.

Das Thema Kleopatra gibt einen Erinnerungshinweis an die Monumentalfilmzeit, Kostümschinken, inhaltlich ist nicht allzuviel zu erfahren.

Die nächste Stufe der Erkenntnis des Liebenden ist die, dass seine Angebetete doch nicht für ihn sei. Auch das wird in einer Diskussionsszene klar. So wird er ein Verzichtheld, will ihr aber ein schönes Abschiedsgeschenk, ein Erinnerungsgeschenk machen, sie eine große Tanznummer, die dann auch schön lang im Film vorkommt, tanzen lassen.

Während des Drehs der Tanzszene verabseitigt sich der Held vom Set, der Zuschauer darf Zeuge seiner Generosität werden, indem er diesen Abschied für sich allein zelebriert, genießt, im inneren Monolog diesen Verzicht für sich evaluiert.

Die Führung des Chores ist militant geraten, die Massen agieren deutlich auf Befehl.

Es gibt eine Rahmenhandlung. Der alte Emil (Robert Gwiesdeck) erzählt seinem Enkel diese Geschichte. Auch hier ein Besetzungsproblem, es gibt so grad gar nichts, das es einem ermöglichen würde, sich vorzustellen, er sei einst der junge Emil gewesen.

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Coming-of-Age mit Heldenhypothek.

Also ob das Erwachsenwerden nicht so schon schwer genug wäre, ist Peter Parker (Tom Holland) zusätzlich mit der Begabung „Spider-Man“ versehen, die von ihm verlangt, ab und an in dieser Zweitidentität zur Rettung der Welt beizutragen. Dabei ist er noch nicht mal volljährig, darf keinen Alkohol trinken.

Auf der Klassenfahrt nach Europa möchte er diese Zusatzbelastung ablegen und der von ihm verehrten MJ (Zendaya) näher kommen. Verlässliche Untersstützung bietet ihm Freund Ned (Jacob Batalon). Vorsichtshalber schmuggelt Peters ahnungsvolle Mutter May (Marisa Tomei) noch den Spider-Anzug ins Gepäck, man kann nie wiessen. Wie recht sie haben soll.

Vor der filmergiebigen und augenfanghaften Kulisse europäischer Metropolen wird Peter spektakuläre Kämpfe zu bestehen haben, wird bis auf die letzte Faser gefordert, auch psychisch, wem kann man trauen auf dieser Welt, wem nicht, Happy (Jon Favreau) oder Quentin Beck (Jake Gyllenhaal), der in Italien Mysterio genannt wird?

Die Bilderwelt erzählt aufregend, wie dieses Erwachsenwerden ein nicht enden wollender Kampf zwischen immer wieder überraschend auftauchenden, manchmal gar glühenden Riesen ist und gegen raffinierte Drahtzieher, die über die modernsten Überwachungsmittel inklusive Hologrammen und Drohnen verfügen.

Und was ist mit Nick Fury (Samuel L. Jackson) und seiner Mitarbeitrin Maria Hill (Coble Smulders)?

Jon Watts hat diese Geschichte nach dem Drehbuch von Chris McKenna und Erik Sommer nach den Marvel-Comics von Steve Ditko und Stan Lee so inszeniert, dass sie auch ohne weitere Kenntnis des Marvel-Universums gut verständlich und nachvollziehbar bleibt und einem oft der Atem ins Stocken gerät vor Superlativen an Action.

Innerhalb eins glänzend ausgewählten Castes ist die Hauptfigur des Peter Parker mit Tom Holland der glänzende Diamant: seine athletische Körperlichkeit, seine Tänzerfigur und seine Bewegungen, die nicht durch Erdenschwere belastet sind, verleihen der Spiderfigur die Nötige Leichtigkeit, den Charme und zusammen mit seinem Spiel von Augen und Gesichtsausdruck wird die Figur, die ein Held (ein David gegen lauter Goliathe) sein muss und möchte doch nur ein Liebender sein und kann noch nicht mal das, besonders eindrücklich – inmitten des riesigen Superaction-Spektakels um ihn herum.

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Auch eine Lebensgeschichte.

Bald 50 Jahre machen die beiden Grundpfeiler der Spider Murphy Gang Günther Sigl, Bass und Lead Gesang, und Barny Murphy, Gitarre und Gesang, zusammen Musik. Jens Pfeifer hat diese Geschichte unter Drehbuchmitarbeit von Stefan Donaubauer in rockig-antörnender Art dokumentierend montiert, sich ganz von Flow und Geist dieses bayerischen Rock’n Rolls tragen lassen. So ist daraus eine weit über den Durchschnitt der Masse an Musiker- und Bandbiopics herausragender Dokumentarfilm geworden.

Pfeifer hatte Zugang zu genügend Archivmaterial. Er selbst hat die Band mit kleinem Team im Heute begleitet und von daher die Geschichte aufgerollt.

Ihre spektakulärste Zeit läutet in den frühen 80ern ihr Song „Skandal im Sperrbezirk“ ein. Damit stoßen sie an die Spitze der Charts vor. Das Geld fließt in Strömen. Es folgt die Zeit den Entfremdung von sich selbst durch den Zwang zu Auftritten in TV-Shows mit Playback und TV-Gekasperle. Das bekommt der Gruppe nicht gut, die Songs werden steriler, die Plattenverkäufe gehen zurück, die innere Einheit der Gruppe existiert nicht mehr, jeder wuselt für sich, wie fremdgesteuert. Es gibt Wechsel bei den Musikern. Drogen spielen eine Rolle, Alkohol.

Die Größe der Band zeigt sich darin, dass sie nicht schmollen, sondern sich dazu durchringen, übers Land zu tingeln. So fassen sie wieder Fuß, wissen erneut die Massen zu begeistern. Der lange Weg zum Kult.

Der Film kommt nicht als billiges PR-Produkt, als Exploitation-Movie oder als Fanartikel daher. Er erzählt zwischen all den Erfolgsstories, den Aufs und Abs, wie Sigl und Murphy ein Duo sind, denen die Musik das A und das O ist, die Rockmusiker sind durch und durch und denen das Bayerische zugute kommt.

Dass sie beim normalen Alterungsprozess zwei Jungs geblieben sind, denen die Musik das Höchste ist, das erzählt eindrücklich die Schlusssequenz, bei der die beiden vor leerem Saal sich gegenüber stehend auf der Bühne spielen und spielen, einen neuen Song üben, ihre Gesichter, ihre Harmonie und wie sie sich nachher vorm leeren Saal beim Publikum bedanken, allein das ist ein großes Kino. Die beiden sind eine widersprüchliche Paarung, künstlerisch hakeln sie sich aneinander ab und können nicht voneinander lassen. Das Geheimnis diese Filmes ist vielleicht, dass es diese künstlerische Lebensgeschichte nicht grell als solche ausstellt, sondern sich entwickeln lässt innnerhalb der Gruppe kreativer Bandmitglieder wie Franz Trojan, Michael Busse, Ludwig Seuss und den anderen.

Ein schrilles Licht auf die DDR und die Stasi wirft das Dokumaterial über einen Auftritt in Zwickau zu DDR-Zeiten und das später aufgefundene Stasi-Protokoll.

Für den chronischen Pressevorführungsbesucher wirkt wehmütig der Auftritt von Alexandra Gmell. Sie ist mit Barny Murphy verheiratet, dessen bürgerlicher Name Gmell ist. Alexandra Gmell war die Betreiberin des Kinos Gabriel Filmtheaters an der Dachauerstraße in München, in dem bis zur kürzlichen Schließung ein Großteil der hiesigen Pressevorführungen stattgefunden hat. So ist der Film ganz persönlich gesehen und indirekt ein Stück Erinnerung an dieses Kino, das dem grassierenden Kinosterben zum Opfer gefallen ist.

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Nikolaus Geyerhalter hat eine souveräne, elegante Art der Dokumentation entwickelt, diesmal Grubenhopping auf hohem Niveau. Er nimmt den Zuschauer mit auf eine Reise durch die halbe Welt zu einigen der größten Narben, die der Mensch der Erdoberfläche zufügt, seien es Erdbewegungen in einem hügeligen Gebiet Kaliforniens (ein Arbeiter: „ich versetze Berge“), die für eine Ortsansiedlung benötigt wird, der Brenner-Basis-Tunnel in Österreich (Berührung mit jahrmillionenaltem Gestein beeindruckt), Kohletagbau in Ungarn (versteinerte Sumpfzedern im Kohleflöz können den Baggern die Zähne ausreißen), er interviewt einen Arbeiter in Carrara in Italien (die Arbeit mit dem Marmor versetzt diesem einen Adrenalinkick), in Spanien berichtet er vom Kupferabbau in den Minos de Riotinto (Kupfer ist essentieller Bestandtteil unseres Lebens, schon seit den Römern) und schaut in Wolfenbüttel vorbei (Atomendlagerung im Schacht Asse ist nicht ohne Risiko).

Bis hierher hat Geyerhalter sich direkt in die Betriebe begeben, hat reflektierte Interviewpartner gefunden, die sich des brutalen Vorgehens des Menschen gegenüber der Natur bewusst sind, die Ehrfurcht vor der Natur haben, die aber auch nicht zurück in die Steinzeit wollen. Er stellt seine Antwort- und Auskunftgeber mitten in ihre Arbeitsumgebung, direkt vor die Kamera, mit kurzem Schwarzbild zeigt er Schnitte im Interview an.

Zuletzt begibt Geyerhalter sich nach Fort McKay in Kanada. Hier begleitet er Ureinwohner und betrachtet mit ihnen Schäden und Hinterlassenschaften, die das Fracking von Ölsand hinterlassen hat.

Der Film hat Magazin-Hochglanzqualitäten. Er kapriziert sich nicht auf billiges Konzernbashing, diese bösen Kapitalisten und wir Verbraucher haben nichts damit zu tun. Durch die Reflektiertheit der Protagonisten wird immer die Zweischneidigkeit der Ausbeutung der Erde durch den Menschen sichtbar: dass die moderne Zivilisation ohne diesen Raubbau kaum denkbar wäre, und die Arbeiter wollen ihr Geld verdienen; wobei nicht gesagt ist, dass die Konzerne die Minen oder Grabungsstellen so verheerend hinterlassen müssen wie in Kanada, wo den Dené abgeraten wird, Fisch aus ihren Flüssen zu essen.

Geyerhalter lässt sich an den einzelnen Drehorten genügend Zeit für sinnliche, kinomächtige Impressionen von Maschinen und Erdbewegungen.

Im Vorlauf zu den Bildern bringt Geyerhalter die Info, dass täglich über 60 Millionen Tonnen Oberflächenmaterial durch Flüße, Winde und andere natürliche Kräfte bewegt werden, durch den Menschen dagegen 156 Millionen Tonnen Erde täglich. Wobei ich mich immer frage, wie solche Zahlen zustande kommen. Im Abspann wird auf „The Human Dimensios of Geomorphological Work in Britain“ hingewiesen.

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Satire im Schatten der Realität.

Wenn es die Strache-Videos in Österreich nicht gäbe, würde man diesen kecken Streifen von Elena Tikhonova, die mit Robert Buchschwenter auch das Drehbuch geschrieben hat, für herrlich überrissene Satir halten, die mit unverhohlen lüsternem Blick auf die Oligarchen- und Österreicher-Klischees Österreich und Wien fett wie mit Mayonnaise beschmiert.

Der Fall Strache, der zwar auch eine filmische Manipulation ist, erzählt anderes. Wobei die Satire doch noch übertriebener vorgeht. Der russische Oligarch Igor (Mikhail Evlanov), der glaubt, im Westen alles kaufen zu können wie in Russland, weil Menschen überall das Geld lieben und käuflich seien, will einen Privatpalazzo auf der Schwedenbrücke in Wien bauen. Zudem will er gegen Bestechung die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten.

Auf der Seite der bestechlichen Wiener Mitspieler finden sich Klaus (Georg Friedrich), Ferdinand (Simon Schwarz), der jedes Gesetz kennt und weiß, was man dagegen tun kann, sowie Hans Zech (Joseph Lorenz), Stadtrat: die Interessen der Öffentlichkeit dürfen den seinigen nicht im Wege stehen.

Das Frauentrio Nadja (Margarita Breitkreiz), Vera (Darya Nosik) und Teresa (Sabrina Reiter) entwickelt aber, weil die Frauen von sich doch ein anderes Selbstbild haben als die Russen- und Korruptions-Machos, Eigeninitative, die zu Hindernissen, Komplikationen und anderen Überraschungen in der Geschichte führen, die selbstverständlich anders ausgeht als erwartet, denn einer ist immer der Noch-Schlauere. Wodurch der Satz: sie hatten das große Geschäft gerochen, eine eher unappetitliche Duftnote erhält.

Und da Igor die Baustelle auf der Schwedenbrücke sehen möchte, ist es gut, dass Teresa eine politische Künstlerin ist (sie macht antikapitalistische Kunst) mit Beziehungen in Künstlerkreise.

Die umrahmende Szene des Filmes ist eine grelle Szene, die illustriert, wie wenig Spaß Igor mit den Geschäften versteht und wie spaßig er sich die Reaktion auf misslungene Geschäfte macht, denn für Süßes müsse man bitter bezahlen.

Die Ich-Erzählerin Nadja ist Übersetzerin im Dienste Igors und vergleicht ihr Liebesleben mit sauren Gurken, aber zwei Kinder seien der lebende Beweis dafür, dass sie mal Sex gehabt habe.

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