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Kommentar zu den Reviews vom 6. Februar 2020

Komplexes und Unterkomplexes. Hat wer den Durchblick in der Dreyfus-Affäre? Wenn das komplexe Gebilde „Familie“ zerbricht. Auch die Oma-Opa-Generation gehört zur Komplexität von Familie. Loslösung aus der Familie und dann wohin? Gnadenhof für überzüchtete Milchkühe. Gnadenhof der Selbstdarstellung in Frankreich? Mit Komplexität halten sich Schlägerfrauen nicht auf. Manhattan dicht zu machen, eine unterkomplexe Knülleridee. Im TV zeigen Leute, mit welch einfachen Mitteln sie Zwangsgebührengeld auf ihre Mühle leiten – das kann doch jeder!

Kino

INTRIGE

In Frankreich perfektioniert.

THE LODGE

Kindes Kollateralschaden durch Trennung der Eltern.

ENKEL FÜR ANFÄNGER

Seniorencracks für Leihenkel. 

DAS FREIWILLIGE JAHR

Verhinderung oder Selbstverhinderung?

BUTENLAND

Die gebrochenen Kühe sind schuld.

VARDA PAR AGNES

Selbstdarstellung durch Selbstdarstellung.

BIRDS OF PREY: THE EMANCIPATION OF HARLEY QUINN

Hübsche Jahrmarktmalerei ist es auf jeden Fall.

21 BRIDGES

Just die Titelidee, ganz Manhattan abzuschirmen, ist nicht ganz dicht. 

TV

BAYERN ERLEBEN – RETTUNG AUS BERGNOT – DIE BERGWACHT

Produkt zur Ableitung von Zwangsgebührengeldern. 

Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn

Das ist die Bilderwelt des Jahrmarktes, schräg, schrill, allem Normalen abhold, durchgeknallt, übertrieben, großspurig gezeichnet, überzeichnet so wie die Protagonistin Harley Quinn (Margot Robbie) mit ihrer exzentrischen Bekeidung, der heftigen Schminke, der aufsässigen Frisur und der Mimik, die in etwa das Gegenteil von Diskretion bedeutet. 

Und so ist Quinns Verhalten in Gotham-City, denn als von Roman Sionis Begünstigte genießt sie Immunität, das heisst, sie kann tun was sie will, es hat keine negativen Konsequenzen, sie kann einen Tanklastwagen klauen und in eine Chemiefabrik rasen lassen, es passiert ihr nichts – und wir bekommen ein feines Feuerwerk. 

Quinn ist keine Kirchenmaus, sie ist jemand, der sich in die Mitte stellt, laut ist, der gesehen und wahrgenommen werden will und schon gar nicht beherrscht werden kann. Und wenn sie ein Sandwich vertilgt, so ist das eine leinwandfüllende Aktion. Extravaganz ist ihr Programm in diesem Film von Cathy Yan nach dem Drehbuch von Christina Hudson.

Klar, es gibt eine Geschichte, grob gesagt, aber das ist wirklich der dünnste Vorwand für diese malerisch-graffitihafte Bildwelt, die sich um aufregende Frauen dreht: es geht um einen Diamanten, hinter dem der Herrscher von Gotham City her ist und eine ganze Menge starker, schlägernder Frauen, das ist der Stoff, der die Bilder füllt, jede eine Persönlichkeit für sich, die Huntress (Mary Elizabeth Winstead), Black Canary (Jurnee Smoillett-Bell), die Polizistin Montoya (Rosie Perez), die Taschendiebin Cassandra (Ella Jay Basco): sie sind alle plötzlich mit Roman Sionis (Ewan McGregor) konfrontiert und liefern den Anlass für eine farbenbunte, hübsche, energievolle Actionbilderwelt mit einem endlosen Countdown und enorm viel händischer Action. 

Schönes Wort, schöne Beschreibung für ein Gesicht, es sei die Folge von „cosmetic vandalism“. Und das T-Shirt einer der Protagonistinnen erzählt: „I shaved my balls for this“.

The Lodge

Die Folgen der Scheidung der Eltern

für heranwachsende Kinder können fürchterlich sein, der reine Horror. Sie sind es für Mia (Lia McHugh) und ihren älteren Bruder Aiden (Jaeden Martell). 

Vater Richard (Richard Armitage) arbeitet bei der Zeitung. Über eine Rercherche lernt er Grace (Riley Keough) kennen. Er findet sie aufregend, trennt sich von seiner Frau Laura (Alicia Silverstone). Die Kinder sind mal bei Papa, mal bei Mama. Das kann nicht weiter gut gehen. Papa möchte die Scheidung. Das verträgt Mama schlecht. Sie opfert sich, bildlich gesprochen im Hinblick auf Thanksgiving. Hier tragen die Kinder eine Art Hüte in Form gebratener Truthähne. Symbolik genug. 

Die Kinder lehnen Grace ab. Papa möchte zur Weihnachtszeit Versöhnungs- oder Angewöhnungstage in einem Lodge verbringen. Vorher entdecken die Kinder im Internet den wahren Hintergrund von Grace. Sie halten sie für eine Psychopathin. 

Der Zuschauer ist damit auch informiert. Der wahre Horror läuft im Kopf ab. Aber auch in dem einsamen, zugeschneiten Lodge, wo der Papa seine neue Frau mit den beiden Kindern allein gelassen hat, weil er zurück in die Stadt zu seinem Job musste. Derweil passiert in dem Haus in den Bergen das Maximum an Horror mit einem Minimum an Blut. 

Die Filmemacher Veronika Franz und Severin Fiala (Ich seh, ich seh)(die Originalidee stammt von Sergio Casci) haben eine subtile Herangehensweise. Erst stellen sie Horrorräume pur vor, die finden sie in einem kindsgroßen Puppenhaus, das erstaunliche Ähnlichkeiten mit dem späteren Lodge aufweist. Darin sind Puppen; sie spiegeln die Personen in der Familie. 

Franz und Fiala haben sich für eine konsequente Herangehensweise mit einer quasi „objektiven“ Kamera entschieden: die Kamera steht vor allem in einer Position, die derjenigen entspricht, wenn bei einer Schuhschachtel eine Seitenwand entfernt ist; überwiegend. So entsteht generell schon ein Bild von der Bedrohlichkeit der Räume. Diese Grundstimmung wird auch permanent untermalt von einem subtilen Gefahrensound. Die Macher beweisen damit ein feines Horrorhändchen. 

Von solchen Filmen soll selbstverständlich nicht allzuviel verraten werden. Es gibt noch einen Hund. Und bei Scheidungen gibt es einen Kollateralschaden für die Kinder, und der ist wirklich horribel: dass sie sich schuldig fühlen. Insofern ein Horrorthriller nah an der Realität von durch Scheidung psychisch geschädigter Kinder. 

Intrige

Dreyfus-Affäre.

Über diese Affäre, die Frankreich vor etwa 120 jahren erschütterte, gibt es bereits jede Menge Filme und Bücher. 

Diesen fügt Roman Polanski mit der Verfilmung des Buches von Robert Harris, mit dem er auch das Drehbuch geschrieben hat, ein weiteres Meisterwerk hinzu. Wobei, zugegeben, auch dieses konnte mir nicht alle Zusammenhänge endgültig klar machen. 

Die Hauptfigur in dem großartigen Sittengemälde ist der Offizier Georges Picquart, ein aufrechter Franzose, eine faszinierende Männerbesetzung so ganz ohne Eitelkeit oder modernistische Manierismen. 

Picquart soll in die Intrige gegen Alfred Dreyfus (Louis Garrel) eingesetzt werden, der, auch weil er Jude ist, für die Opferfigur herhalten muss. 

Die Geschichte springt zwischen 1895 und 1899 hin und her. Dreyfus wird verurteilt und auf die Teufelsinsel verbannt. Picquart wird zum Chef der Spionageabteilung ernannt. 

Polanski lässt sich Zeit, ausgiebig die Zustände zu schildern und wie Picquart in der Abteilung aufräumt. Er schildert mit Wonne und großen Bildern, wie Picquart in einer Kirche Dokumente von einer Putzfrau aus der deutschen Botschaft übernimmt, die sie zerrissen in Papierkörben gefunden hat. 

Polanski schildert detailreich, wie in einem Büro der Spionageabteilung diese Dokumente wieder zusammengesetzt (und allenfalls gefälscht) werden. Er fährt ein großes Personal an Staats- und Juristereifiguren auf und aus Schriftexperten, die alle ihr Süppchen mitkochen in der Affäre und ihren Grund haben, für oder gegen Dreyfus zu sein und Picquart gestattet er auch noch eine Liebesaffäre. 

Es ist so eine Mischung aus gewaltigem Historienschinken, exezellenter Ausstattung und Schauspielerführung und immer wieder blitzen die Ränke der Staatsräson auf sowie latenter Antisemitismus, die Gewissenskonflikte des ehrbaren Staatsdieners und eben des defätistischen. Der Bildergenuss ist hier sicher größer aber nicht so brutal den Staat demaskierend wie Official Secrets es tut.. 

Enkel für Anfänger

Die Asche von Gerhards Hund

muss herhalten für einen die Stroy initiierenden Gag dieses Filmes von Wolfgang Groos nach dem Drehbuch von Robert Löhr. 

Es ist die Asche des Hundes von Gerhard (Heiner Lauterbach) als einem der drei den Film prägenden Figuren. Er wird eingeführt als traurernder Hinterbliebener erst seines Mannes und jetzt seines Hundes. Dessen Asche führt er in einer rundlichen Blechdose (für Konfekt oder Tabak) spazieren. Er begegnet Karin (Maren Kroyman), der zweiten hervorgehobenen Figur dieser deutschen Komödie. 

Karin ist kinderlos verheiratet mit Günther Maria Halmer; da versteht es sich qua Casting, dass sie Sehnsucht nach Neuseeland hat, während ihm Bad Salzuflen genügt. Sie ist auf dem Weg zu einer Agentur, die Enkel an unterbeschäftigte, von Sinnleere gequälte Senioren vermittelt. Während der Beratung wartet Gerhard draußen. 

Durch den Zusammenstoß mit einem Jungen passiert ein Hundeurnenmissgeschick, die Asche liegt zerstreut sich auf der Straße. Die beiden kümmern sich darum. Das wird von der Agentur aus beobachtet. 

So werden Geschichten angebahnt, die Gemüt und Interesse der Zusschauer bannen, ihn zu Gedanken anregen. 

Als explosives Bündel unkonventioneller Seniorenenergie vervollständigt Barbara Sukowa als Philippa das Senioren-Startrio. Sie lebt alternativ in einer Wohnwagensiedlung, sie hat keine Kinder, kümmert sich als Erzieherin um omalose Enkel. Sie fasziniert mit ihrer unbändigen, mit Rastaelementen durchsetzten Haartracht und der erfrischend, leicht klirrenden, schmalzigen Lache. Den Kindern bringt Philippa lieber das Klauen und Dreckeln statt drögen Benimm bei. 

Der Versuch, den Film, zumindest die personelle Grundkonstellation nachzuerzählen, macht deutlich, dass das Buch gut durchdacht ist, es orientiert sich an realen Lebensproblematiken, erzählt diese gerne auf der Ebene des Witzes und der Vorbereitung zur Pointe, weniger auf derjenigen schwarzen Humors, wobei, wie Philippa sich an ihre Leihenkelin ranwanzt, resp. an deren Elternhaus schon herrlich ist, umso mehr als diese beiden pfiffig ausgesuchten, blutjungen Eltern wie aus dem Elternberatungsbuch in ihrer Überkorrektheit schon an sich eine geradezu kuriose Gegenwelt gegen die von Philippa abgeben. So sind Konflikte absehbar.

Auch wie Gerhard als Probeopa dem Jungen ein Eis kauft und das von Passanten falsch verstanden wird inklusive Polizeiaktion, das sind Konstellationen, die keine Zweideutigkeit auslassen. 

Das Publikum in der Voraufführung für „Family und Friends“ im großartigen Arri Lounge Kino in München, einem aufregenden, neuen Saal in München, amüsierte sich köstlich, mag der Film auch momentweise mit Rhythmus oder Tempo kleinere Probleme haben, sowie eine Schlagseite in Richtung Fernsehen, an Substanz fehlt es ihm sicher nicht, dafür garantieren schon die drei Senioren-Cracks. 

Das freiwillige Jahr

Deutsches Leben: eine gewisse Hilflosigkeit. 

Ulrich Köhler (In My Room, Schlafkrankheit), der mit Henner Winckler auch das Drehbuch geschrieben hat, schaut dieses Mal noch genauer hin auf das deutsche Leben. 

Dabei konstatiert er „eine gewisse Hilflosigkeit“. Das Zitat blendet er geschickt aus einem laufenden Fernseher in einer frühen Szene ein; es kann programmatisch gelesen werden. Dabei offenbart er – vielleicht unfreiwillig – auch „eine gewisse Hilflosigkeit“ der deutschen Filmkultur, die auch hier mit konsequenter Abwesenheit von Charme und Humor glänzt. 

Es gibt einen trockenen Witz, der passiert, wenn der Vater der Hauptfigur, Urs (Sebastian Rudolf), von zwei Männern zusammengeschlagen wird, weil die glauben, er wolle eine Frau vergewaltigen. Nachdem sich der Irrtum geklärt hat (er wollte lediglich die Tochter bändigen), bedankt er sich für deren Zivilcourage. 

Köhler erzählt, und das ist schon mal ungewöhnlich für einen deutschen Film, eine Begebenheit aus dem deutschen Alltag, wie sie überall im Lande passieren könnte. 

Die Tochter von Urs, das ist die Hauptfigur Jette (Maj-Britt Klenke), soll für ihr Freiwilliges Jahr in Costa Rica zum Flughafen gebracht werden. Es ist ihr anzusehen, dass sie das mit gemischten Gefühlen tut, weil gerade die Liebe zu Mario (Thomas Schubert) am Aufflammen ist. 

Die Abfahrt von zuhause und der Weg zum Flughafen gestalten sich holprig, auch weil Urs selbst in einer gewissen Lebens- und Liebeskrise zu stecken scheint; ein häufiges Phänomen bei Eltern, wenn die Kinder in die Pubertät kommen. Er hat Geheimnisse mit seiner Sprechstundenhilfe Nicole (Katrin Röver); also er ist auch nicht so ganz auf dem Damm. 

Auf dem Weg zum Flughafen will er noch nach seinem Bruder Falke (Stefan Stern) schauen. Dieses kleine Extempore auf der Fahrt zum Flughafen bringt die Reisepläne von Jette vollends durcheinander und stellt ihr ganzes Vorhaben in Frage; bietet aber just den Stoff für die filmische Erzählung. 

Köhler erzählt die Abfolge der Ereignisse und deren Einfluss auf den Fortgang der Handlung, die in einer Verhinderung des Abfluges mündet, konsequent und spannend. Immer möchte man wissen wie es weitergeht und immer kommen menschliche Hindernisse dazwischen, fällen die Protagonisten Entscheidungen aus dem Bauch heraus, die man jedenfalls keine langweilige Lebensplanung nennen kann. In Krisensituationen, da werden Menschen interessant, wie sie reagieren, wie sie handeln und werfen insegesamt einen erhellenden Blick auf die Kultur in einem Lande – und nebenbei, wie hier, auch auf die Filmkultur und deren unerfüllte Sehnsucht nach dem „echten“ Leben. 

Butenland

Gebrochene Kühe

Die Protagonisten dieser Dokumentation von Marc Pierschel sind Jan Gerdes und Karin Mück. Sie betreiben den Hof Butenland. Der ist eine gemeinnützige Stiftung. Diese lebt von Spenden. Der Zweck ist es, „gebrochenen“ Tieren, vor allem Kühen, ein natürliches Leben ohne den Stress der industriellen Landwirtschaft zu ermöglichen; vielleicht könnte auch der Begriff „Gnadenhof“ den Zweck beschreiben. 

Die konzentriert-instruktive und gleichzeitig beachtlich schöne Fotografie zeigt ganz gut, wie Kühe, die nicht gefesselt sind, die ihr ursprüngliches Leben in einer Herde (diese hat auf Butenland einen Umfang von um die 40 Tieren) und ohne Reproduktions- und Milchleistungszwang leben können, aussehen: mit wunderbarem Fell und ganz sauber sind sie, im Gegensatz zu einer Kuh, die man bei ihrer Anlieferung in den Hof zu Gesicht bekommt, verdreckt vom eigenen Kot im hinteren Teil, Becken und Beine. 

Jan Gerdes und Krin Mück erzählen die Geschichte ihres Hofes direkt in die Kamera. Diese Erzählung wird unterfüttert von Archivmaterial, Bildern, Videos, Zeitungsausschnitten, News. 

Es war nicht unbedingt abzusehen, dass die beiden hier landen und unterm Strich glücklich sein würden. Jan hat den Hof geerbt, wollte im Gegensatz zum Vater auf Bio umstellen, aber das scheint ihn überfordert zu haben. 

Karin Mück kommt aus der Szene radikaler Tierschützer, die in den 80er Jahren mit beachtlichem Medienecho Aktionen gegen Tierversuche unternommen haben. Das ging so weit, es kommen auch andere Tierschützer aus der Zeit zu Wort, dass die Gruppe beim Versuch, einen Neubau, der für Tierversuchzwecke geplant war (Borstel), noch vor der Inbetriebnahme massiv beschädigen wollten. Dabei wurden sie erwischt, die Bundesanwaltschaft übernahm den Fall, behandelte die Leute wie Terroristen. Beim Prozess – und nach Isolationshaft – konnten sie allerdings mit ihrer idealistischen Überzeugung den Richter mild stimmen. 

Gegen die Bilder vom Butenhof gibt es immer wieder Inserts aus der industriellen Landwirtschaft, von einer Leistungsshow mit Hochleistungskühen. Es stellt sich die Frage, wieso der Mensch glaubt, Kuhmilch sei für ihn ein nützliches Nahrungsmittel. 

21 Bridges

Fetter Ballermann Manhattan

In Manhattan gibt es viele Waffen, viele Polizisten und viele Ganoven. Man stelle sich vor, es gebe keinen Ausweg mehr aus diesem Distrikt, alle 21 Brücken seien geschlossen – und selbstverständlich, auch wenn es realistisch schwer vorstellbar ist – ebenfalls die Tunnels, Luft- und Seewege, alle Schotten dicht, so dass es kein Entkommen mehr von der Insel im Hudson River gibt, tja was dann? 

Dann wird noch viel mehr als sonst in amerikanischen Thrillern rumgeballert. Bis die beiden Bösewichte Michael (Stephan James) und Ray (Taylor Kitsch) erledigt sind. Hinter ihnen her ist die ganze Polizei von New York. Voran der Detective Andre Davis (Chadwick Boseman) und in seinem Windschatten die Drogenfahnderin Frankie Burns (Sienna Miller). 

Da es hier aber nicht nur zwei gegen zwei geht, sondern faktisch einer gegen die ganze Drogenmafia und die korrupte Polizei dazu, müssen entsprechend viele Pistolenmagazine leergeschossen werden. Insofern ein Ballermann-Film.

Aber auch ein Film mit Botschaft. Das zeigt die erste Szene, die etwa 20 Jahre früher spielt. Hier wird mit soviel Pathos wie kaum Platz auf der Leinwand hat, der Vater von Andre beerdigt. Er war Cop mit Leib und Seele und wurde erschossen. Das ist die fette Message der Szene, dass es nicht gut ist, Polizisten zu erschießen. Fett ist auch die geschminkte Tränenbahn über die eine Wange von Bub Andre, der neben seiner Mutter der Abdankungsszene beiwohnt. 

„Fett aufgetragen“ ist auch ein Begriff, der ganz gut zu diesem Film von Brian Kirk nach dem Drehbuch von Adam Mervis und Matthew Michael Carnahan passt. Das gilt nicht nur für das gesprochene Wort, dass immer laut, plakativ, gut verständlich beinah geschrien wird, Nuancen nicht vorgesehen, so wenig wie bei der Charakterisierung der Figuren. 

Fett aufgetragen passt zur Moral der ersten Szene, wie schlimm es doch sei, einen Cop zu erschießen. Dem ist auch nicht zu widersprechen, obwohl Andre als Polizist in den ersten Jahren eine hübsche Anzahl von „Kills“ vorzuweisen hat, was eine Art Verhör bei der Einführung des erwachsenen Andre als Cop in den Film zeigt.

Fett aufgetragen ist vor allem die Musik, die aufdreht und uns die Ohren zudröhnt, als ginge es um die Eroberung Roms und Jerichos zugleich, allein schon, wenn einige Polizeifahrzeuge mit Blaulicht auf eine Kreuzung zu fahren.

Fett aufgetragen ist die Musik in fast jeder Szene, als wolle sie die Inhaltsleere und Brüchigkeit in der Logik und der Entwicklung der Geschichte einfach wegdrücken. 

Den Rest an Fett liefert die überwiegend schummrige Beleuchtung mit ihren vielen Spiegelungen in Wasserlachen, mit Dämpfen und Lichtreflexen sowie Schlaglichtern in der häufigen Dunkelheit, als ob es darum ginge, ein Betroffenheitskino zu machen. Um die vielen erschossenen Polizisten tut es einem allerdings dann doch nicht so leid, weil sie ja alle durch und durch korrupt waren. Womit sich ein Widerspruch zur Eingangsszene auftut. 

Ein Nachsatz: Der Film NEW YORK – DIE WELT ZU DEINEN FÜSSEN, der am 12. März ins Kino kommen soll, der zählt 35 Brücken!


Bayern erleben: Rettung aus Bergnot – Die Bergwacht (BR, Montag, 3. Februar 2020, 22.00 Uhr)

Typisch oberflächliche TV-Verzopf-Doku von Jürgen Eichinger und BR-Redakteur Peter Giesecke. 

Beliebige Rumhupferei zwischen den Allgäuer Alpen, dem Bayerischen Wald, der Rhön, Ruhpolding, Bad Tölz. 

Bergwachtler bei Übungen, Rettung eines Paragliders aus einem Baum, Suche eines Verletzten, Abseilen von Rettern. Ein nachgestellter Wanderunfall. Thema Biker. Ausbildungszentrum. 

Die moderne Ausrüstung, die Ausbildung. Statements von Bergwachtlern und dazwischen geschnitten eine Archivfilm von anno dunnemals in Schwarz-Weiß. 

Dabei wäre das Thema spannend und aktuell: das Ehrenamt. Bergwachtler sind Ehrenamtler, die viel Zeit und auch Geld in ihre Ausbildung stecken. Es dauert Jahre bis die siebenteilige Ausbildung beendet ist. Dabei wird die Arbeit undankbarer und stressiger durch den modernen Freizeittourismus, die Dankbarkeit der Geretteten kleiner. 

Was hält die Leute trotzdem bei der ehrenamtlichen Tätigkeit? Ansätze zu Antworten sind eingestreut: die Natur, die soziale Beziehung. Aber alles bleibt vage, die Doku wirkt beliebig und seicht zusammengeschustert. Solche oberflächlichen Kamerahinhalt-Dokus rechtfertigen nicht die Verwendung von Zwangsgebührengeldern. 

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Kommentar zu den Reviews vom 30. Januar 2020

Meisterliches. Aus Britannien: präzise Beschreibung der Folgen von Amazon. Tierisch-Schräges aus den USA. Aus dem deutsch-österreichischen Subventionstümpel: amerikanisches Toppen der Nazfilmikonographie. Aus Holland ein Coming-of-Age im Spannungsfeld zur Oma aus Dänemark. Aus Australien in die Welt: Leben und Leiden eines Musikstars. Geheimes Leben im Kleinen für die Kleinen. Solches von künftigen Meistern: Kurze Oscar-Kandidaten in einer Rolle.  Noch nicht so Meisterliches: Begeisterung für ein 4-Mädel Haus im historischen Amerika, der Tod hat eh nichts Meisterliches und gute Integrations-Absichten in Paris. 

Kino

SORRY WE MISSED YOU

Die Internetbestellerei hinterlässt eine Schneise von Opfern. 

DIE FANTASTISCHE WELT DES DR. DOLITTLE

Manche Menschen täten besser daran, sich mit Tieren zu verständigen.

EIN VERBORGENES LEBEN

Bergbauernaufrichtigkeit in naziverseuchter Zeit. 

ROMY’S SALON

Demenz als Kontrapunkt zum Coming-of-Age.

MYSTIFY: MICHAEL HUTCHENCE

Rockstar mit Hirnschäden nach Unfall mit Fahrerflucht. 

DIE HEINZELS – RÜCKKEHR DER HEINZELMÄNNCHEN

Der Mützenwettbewerb ist an allem schuld. 

OSCAR SHORTS 2020

Die Kurzfilmnominierten aus Fiktion und Animation.

LITTLE WOMEN

Sich nicht satt sehen können an der Begeisterung für ein 4-Mädel-Haus aus dem vorletzten Jahrhundert.

COUNTDOWN

Lesen sie die Nutzungsbdingungen!

DIE KUNST DER NÄCHSTENLIEBE

Der französische Titel ist deutlich treffender: die guten Absichten. 

TV

TATORT: UNKLARE LAGE

Chaos als Chaos dargestellt – da blickt keiner durch.