Noch ein Musikfilm
Gefühlt alle paar Tage kommt inzwischen ein Musikfilm in die Kinos. Da will das Fernsehen nicht hintanstehen. Eine ganze Kohorte von öffentlich-rechtlichen Redakteuren, Helge Freund und Martin Kowalczyk vom BR, Kristian Costa-Zahn und Franciscus Wenner von ARD Kultur, Kerstin Woldt und Martin Schindel vom SR, waren nötig, um diese absolut gewöhnliche Altherrenbanddoku von Thorsten Berrar auf die Beine zu stellen (gegen Freitickets?).
Gewöhnlich im Sinne von üblichem Bildverhau aus Backstage, Proben, Konzert, Talking Heads, Archivfootage; hier wühlen sie noch in alten Zeitungsausschnitten und zitieren aus Kritiken. Immerhin, früher haben sie sich damit beschäftigt und schlechte Kritiken haben ihnen zu denken gegeben; oder auch wenn im Konzert ein einziger Zuschauer war, der sich nicht massenmanipuliert verhalten hat, so hat sie das irritiert; das erinnert daran, was Shakespeare seinen Hamlet den Schauspielern raten lässt: sie sollen sich nicht von einem Saal voller Bravorufer beeindrucken lassen, wenn ein einziger Weiser im Saal nicht mitschreie. Durchaus positiv zu dieser Band. Oder auch ihr früheres Prinzip, lieber nicht perfekt zu sein, also Fehler zuzulassen, statt auf Perfektionismus zu setzen.
Es gibt aber auch die Phase in dieser Doku, in welcher sie trieft vor Eigenrühung über frühere Erfolge. Schmalzig. Dann noch kurz eine Krise, eine kreative Pause erwähnt, und dass die Freundschaft und die gemeinsame Geschichte doch stärker waren und zum Schluss ein Schuss Wohltätigkeit für die Ukraine drübergekippt. Sicher ein nettes Werbeprodukt für Fans. Dazu hätte es nicht gleich mehrerer öffentlich-rechtlicher Sender bedurft; das könnte man ruhig dem Kommerz überlassen.
Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!
Vergessen wir nicht, dieser öffentlich-rechtliche Rundfunk wurde einst gegründet, damit nie wieder extremistische, die Demokratie gefährdende Entwicklungen passieren würden; jetzt haben wir diesen fetten öffentlich-rechtlich 10-Milliarden Rundfunk und gleichzeitig das Umfragehoch einer Partei, die zumindest in Teilen „als gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft wird.