Alle Beiträge von Stefe

Kommentar zu den Reviews vom 29. Februar 2024

Und wieder starten jede Menge verführerischer, verlockender Filme in den Kinos. Einige hat stefe vorab gesehen. Gegen die Gedenkroutine gibt es einen extrem schrillen Seitenblick auf eine Vernichtungsmaschinerie. Teensein in Argentinien und sich unsicher und anders fühlen. Heranwachsen im frankophonen Europa und von den Gefühlen und der Herkunft her anders sein. Irgendwo in irgend einer Zeit, da sehen sich die Massen gespiegelt. Als Glocke zur Kinderidentifikationsfigur mit Flügeln werden und den Alpentransitflug wagen. Wenn die Arbeitsplatzbeziehung stärker ist als die Ehe und dieser Arbeitsplatz im Ruhrgebiet wegen Zechenschließung aufgelöst wird. Auf DVD geht es nicht weniger wild zu. Aus der Steppe Äthiopiens sich den Stadttraum erfüllen wollen. Die Kirche in Rom mit realistischer Ikonographie piesacken. Wenn in Frankreich ein Schwuler plötzlich Interesse an einer Frau findet. Und in Deutschland wächst sich Geschlechter-Arthouse ungebremst in den Fantasy-Symbolismus-Himmel aus.

Kino

THE ZONE OF INTEREST
Guter Film oder schlechter Film? Auf jeden Fall ein Muss, Frischhaltefolie für die Erinnerungsarbeit.

ALMAMULA
All das, was einem Heranwachsenden die Erwachsenenwelt und die Kirche madig machen wollen.

LE PARADIS
Gay in der Verwahranstalt.

DUNE: TEIL 2
Diesen Massen-Monumentalismus mit den SciFi- und Ethno-Anarcho-Einschlüssen muss man mögen – und das sind Massen.

DIE KLEINE GLOCKE BIM RETTET OSTERN
Das ist kreative Animationsfantasie, die Ostern bei uns von einem Glockenflug über die Alpen abhängig macht.

WIR WAREN KUMPEL
Wenn die Zechenschließung das Heteroeheleben wieder dominanter werden lässt.

DVD
RUNNING AGAINST THE WIND
Landflucht in Äthiopien ist nicht gleich Landflucht.

DER SCHATTEN VON CARAVIAGGIO
Die Kirchenmoral auf den Prüfstand gestellt.

PASSAGES
Wenn der Seitensprung in einer Männerehe eine Frau ist.

PIAFFE
Hier werden die uralten Geschlechterfragen künstlerisch-performativ-symbolistisch geschmackvoll behandelt.

Dune: Teil 2

Imperiale Konflikte als Family-Business,

ist vielleicht die Kategorie Film, unter der man „Dune: Teil 2“ subsumieren könnte wie schon seinen Vorgänger Dune ebenfalls mit Denis Villeneuve als Regisseur, der erneut mit Jon Spaihts das Drehbuch nach Frank Herbert geschrieben hat.

Villeneuve führt mit seinem neuen Werk mit 2 ¾ Stunden Laufzeit diese Kinotradition, die deutliche Schnittmengen mit dem Monumentalfilm hat, wunderschön fort. Worin genau der Fortschritt, die allenfalls zukunftsweisende Fortschreibung besteht, das mögen Spezialisten analysieren.

Timothée Chalamet als Paul Atreides und Protagonist, gewinnt hier deutlich an Statur, wächst künstlerisch über sein bisheriges Ich hinaus. Er hat ziemlich viel zu stemmen in dieser Wüstenlandschaft, die deswegen gefährlich ist, weil sie von „Würmern“, das sind nichts anderes als Riesenwesen von Urechsen, unterspült ist, die mit einem Sehrohr wie bei einem U-Boot in die Wüste hinausschauen können.

Ein Thema wird sein, diese Würmer anzulocken und zu zähmen. Da braucht es den Listenreichtum eines Odysseus und den Mut des Verwegenen. Damit kann Paul Atreides sich Respekt verschaffen beim Volk der Blauäugigen. Aber Chani (Zendaya), seine Mitverlorene, geht den Weg des Trinkens des Blauen Saftes voran.

Der größte Herrscher von allen in dieser gigantischen Kinowelt ist der eindrückliche Christopher Walken. Er wird, was den Zusammenhalt seines Reiches betrifft, Überraschungen erleben. Sein Reich hat ein Statikproblem. Das Reich kommt in Bühnenbildkategorien überaus düster daher, protokollarische Aufmärsche gibt es wie zu Zeiten des Faschismus, Rufe.

So einen Monumentalfilm charakterisiert mit den entsprechenden Kampfspektakeln auch ein Faible für die ausstatterische Integration von woodoähnlichen Ethnoelementen, viel Bohei sozusagen im Bereich des Irrationalen, wogegen die Story nach einem Erlöser, einem Heilsbringer schreit, den man am besten vorher noch in die Wüste schickt, und bei dessen Figurentwicklung die Dramaturgie vor einer Aufersteheung nicht zurückschrecken darf. Und dreimal darf man raten, wer das sein wird.

Nach und nach entwickelt der Film das Gespinst der Familienbeziehungen, das sich in Kriegen äußert, in denen fantasievoll-kriegerische Raumgefährte Wüstensand aufwirbeln oder wie kettenraupenbehaftete Panzerschiffe sich vorwärtsbewegen und gegen die nur Guerillataktiken Erfolg versprechen.

Villeneuve scheint sich auf der Blockbusterebene bestens warmgelaufen zu haben. Allein wie er die Anfangssequenzen inszeniert im Sand mit den Figuren, die sich nur flüsternd unterhalten, die Intruder beobachten, wie sie mit Handzeichen Veränderungen ihrer Konstellation bewirken, wie sie über den Sand huschen und wieder still sind, das hat etwas Atemberaubendes und gleichzeitg etwas atemberaubend Schönes.

Später wird die Chose monumentalistischer und damit routinierter. Aber das gehört zwingend zu dieser Art von Family-Business und dass der Held sich zwischen zwei Frauen entscheiden muss, das darf gewiss gespoilert werden, nicht aber, was, die Frau, die den Kürzeren ziehen wird, dann anleiert …

Hans Zimmer hat den tiefsten Wüstensound, den Würmer verursachen können, zu einem prachtvoll-dichten Sounddeckel zusammenkomponiert.

Ein neckisches Detail sind die in die Wüste getanzten Schritte, die eine eigene Zeichensprache ergeben.

Wir waren Kumpel

Staubsaugen statt kohleabbauen –
5 Einzelschicksale

Diesen Film kann man sehen wie eine Vorgruppe zum Film „Vom Ende eines Zeitalters“ von Christoph Hübner und Gabriele Voss, der am 25. April ins Kino kommt und der den Wandel, also den Strukturwandel einer Region ins Zentraum seiner Betrachtung stellt, während hier im Film von Johannes Koch und Jonas Matauschek fünf Einzelschicksale näher unter die Lupe genommen werden im Übergang vom Ende des Kohleabbaus und der Zeit nachher.

Die Auswahl der Protagonisten scheint getroffen nach einem politisch und zeitgeistig korrekten öffentlich-rechtlichem Proporz verschiedener gesellschaftlich relevanter Gruppen: 1 Einwanderer aus Sri Lanka, für den die ersten 21 Jahre „Deutschland unter Tage“ bedeuteten, 1 Transfrau, die einen besonders harten Männerberuf suchte und wohl die einzige Frau im Kohleabbau war, 2 ganz normal verheiratete Heteromänner, die durch die Arbeit zu besten Freunden, zu Kumpels wurden und mehr Zeit miteinander und in großer Tiefe verbracht haben als mit ihren Ehefrauen und schließlich noch 1 unverheirateter Mann, der bei seiner Mutter lebt.

Die ersten 45 Minuten des Filmes widmen sich der Nostalgie, sie begleiten die Bergmänner und -frauen an ihren letzten Arbeitstagen vor Schließung der Zeche. Hier gibt es abenteuerliche Unter-Tage-Aufnahmen vom staubigen Abbau, von engen Gängen, fräsenden Maschinen, rollenden Bändern mit der Kohle und halben Autobahnen – und, oh Wunder, ein Pilz, der zwischen den Schienen wächst.

Dann ist Schluss im Schacht und der Film wendet sich gezwungenermaßen dem Privatleben seiner Protagonisten zu, die in gepflegten Häuschen oder in einem Fall auch in einer ebensolchen Hochhauswohnung leben.

Um dem Zuschauer anödende Talking-Heads zu ersparen, gibt es Toninterviews, die über Bildmaterial aus Arbeits- und Privatleben geschnitten werden.

Nach der Schließung der Zeche sieht man mehr als nur einen der Porträtierten beim Staubsaugen. Das erregt die Assoziation zum Staub von unter Tage.

Für die beiden titelgebenden Kumpels wirkt der Einschnitt wie eine Stunde der Wahrheit. Werden sie ohne einander können oder werden sie weiter miteinander können? Test wird eine Campingwagenfahrt nach Frankreich sein.

Generell scheinen die hier dokumentierten Einzelschicksale mit dem Wandel ganz gut zurechtgekommen zu sein und Lösungen gefunden zu haben, die sie eher fragen lässt, wie sie es es so lange in der Mine ausgehalten haben. Das wären vertiefenswerte Fragen.

The Zone of Interest

Gehobener Lebensstandard im Dritten Reich
oder
Die Königin von Auschwitz,

so wird Sandra Hüller als Hedwig, die Frau des Lagerkommandanten Höss, von ihrem Mann, Christian Friedel, genannt wird. Sie hat sich wunderbar eingerichtet in der Villa, die direkt an das Vernichtungslager angrenzt, mit riesigem Garten, Gewächshäusern, vieles nach ihren Vorschlägen, natürlich hat man Gärtner.

Der Film von Jonathan Glazer, der mit Martin Amis auch das Drehbuch geschrieben hat, schildert ausgiebig, so hochmoralisch wie hochkünstlerisch, das Leben der Familie Höss. Es ist ein Film, der wie durch ein lebendiges Museum führt. Den musealen Eindruck verstärken noch die exzellenten Beiträge von Gewerken wie Ausstattung, Kostüm, vor allem aber die Kamera, die meist versucht, einen Gesamteindruck der Räume mit ungewöhnlichem Objektiv zu erwecken.

Eine Story in im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Es sind Szenen, wie sie den Alltag der Familie prägen. Besuch von Verwandten, Kinder müssen zur Schule, Stiefel müssen vom Blut, das an ihnen klebt gereinigt werden, Wäsche wird aufgehängt, einem Gast das Gastzimmer gezeigt, der Garten bewundert oder inspiziert, Papa muss zur Arbeit hoch zu Pferd, Papa telefoniert oder diktiert über das Telefon, Papa empfängt Offiziere vor seinem Haus; aus Gebrauchtkleidung können Stücke ausgewählt werden.

Es gibt später im Film das Problem der Beförderung von Papa und dass er wegziehen soll, während seine Frau in ihrem Paradiese bleiben möchte.

Ganz neckisch ist der Eindruck den die Ehe des Paares erweckt. Wohl selten in einem Film wird eine Ehe, die längst von der Liebe sich entfernt hat, die aber ihren Zweck allerseits erfüllt, so spröde und doch auch fast knuffelig geschildert, so fast ohne Konflikte, ohne Liebesbezeugungen, jeder funktioniert, wie die Gemeinschaft es erfordert und Papa hat seinen Seitensprung – alles so unaufgeregt, und irgendwie eben auch wie in einem Museum. Insofern ist nicht ganz klar, ob in dieser ganz ungewöhnlichen Ehedarstellung, es wirklich so gewollt ist, oder ob das eher ein zufälliges, direkt sensationelles, Nebenprodukt der Museumsidee ist; wozu Sandra Hüller mit ihrer von Natur aus knorrigen Eigenwilligkeit zusätzlich beiträgt.

Das Moralische am Film wird vor allem durch die Tonkulisse erzeugt, die immer wieder an das KZ nebenan erinnert, manchmal auch mit Randblicken auf das Lager, rauchende Krematoriumstürme.

Das Moralische im Film wird auch durch cineastische Kniffe hervorgehoben, das fängt mit den sehr abstrakten Titeln und dem Sound darunter an, mit dem langsamen Verschwinden des Titels, dem langen Schwarzbild mit modernem Sound.

Idyllen werden geschildert aus ferner Perspektive, ein Familienausflug ins Grüne an einen See. Hier ist das KZ noch in weiter Ferne. Oder mit einem Intermezzo in verfremdetem Schwarz-Weiß zu einer Märchenerzählung. Mit einem auf einem Tasteninstrument begleiteten Lied, dessen Text in Gelb als Untertitel erscheint.

Der Film wirkt wir eine hochkünstlerische Bebilderung des Hannah-Arendt–Satzes von der Banalität des Bösen. Ein Kabinettstückchen fürs Raritätenkabinett. In der Nähe der Kupferstecherkunst anzusiedeln.

Le Paradis

Gay Jugend-Verwahrzentrum-ComCom

Joe (Khalil Ben Gharbia) ist Jugendlicher noch unter 18, lebt mit seiner Mutter zusammen, die weder Zeit noch Interesse für ihn hat. Wegen kleinkrimineller Delikte landet er in einem „Zentrum“, wie sie es nennen, einer knasthaft gesicherten Verwahranstalt für junge Männer wie ihn. Hier sollen sie auf ein anständiges, selbständiges Leben vorbereitet werden, hier können sie auch Berufe erlernen wie Schreinern oder Metallbearbeitung.

Die Gruppe im Zentrum des Filmes von Zeno Graton, der mit Clara Bourreau und Maarten Loix auch das Drehbuch geschrieben hat, wird beaufsichtigt von Sophie (Eye Haidara). Joe ist desorientiert, was er im Leben will, er hat den Hang, aus der Anstalt abzuhauen, ist aber schnell wieder zurück. Das Funktionärstum bemüht sich redlich, das zu diskutieren und ihm die Konsequenzen deutlich zu machen.

Eines Tages kommt William (Julien De Saint Jean) zur Gruppe. Ihm eilt das Gerücht voraus, er sei ein schwerer Junge. Er hat Tattoos am ganzen Körper. Joe ist sofort fasziniert von ihm, fühlt sich zu ihm hingezogen. So weit das unter solchen Bedingungen möglich ist, entwickelt sich ein holprige Liebesgeschichte.

Jeder Mensch hat ein Recht auf Liebe, das ist der Untertext im Film. Aber die äußeren Umstände machen es nicht leicht. Umso mehr, als Joe vor der Entlassung steht.

Zeno Graton schildert mit warmer Anteilnahme das Leben in so einer Institution, sogar eine Camera Oscura dürfen die Jungs bauen und die Bilder, die sie damit machen, sehen eindrücklich aus. Joe bastelt eine Tätowiermaschine, damit William ihm das nordische Symbol des Paradieses, von dem er ihm erzählt hat, in den Oberarm eingravieren kann.

Die kleine Glocke Bim rettet Ostern

Fliegende Glocken,

Kuhglocken, Kirchenglocken mit Flügeln, wo gibt es das schon, Glocken die gar eine Abenteuerreise nach Rom unternehmen und dabei über die Alpen fliegen müssen.

In Rom sollen sie ein Elixier besorgen, das nördlich der Alpen den Frühling weckt. Der Ältestenrat schickt Aurora, Rummel, Bim und noch eine Glocke auf diesen Flug, die den Testparcours erfolgreich bestanden haben, auch wenn bei einer Glocke nicht sicher ist, ob sie eventuell geschummelt hat.

Aurora verfolgt eigene Interessen, sie ist lang, schlacksig und rostig und möchte mit dem Elixier diesen Zerfall bekämpfen; also ist sie egoistisch. So sind die anderen Drei mit der Hauptfigur Bim, einer eher kleinen Glocke, auf sich gestellt auf dieser Reise. Sie sind ausgerüstet mit einem Kompass, einer Landkarte und je einem niedlichen Rucksäcklein. Sie werden versuchen, mit dem Zug zu reisen, sie werden ein eigenes Fluggerät basteln, sie überleben einen Lawinenniedergang. Sie werden anderen Glocken begegnen und in Rom die Katakomben kennenlernen. Einmal drohen sie sogar im Schlamm zu versinken und müssen sich etwas mit Hebelkraft einfallen lassen. Auf einem Rummelplatz schließlich geraten einige Fahrgeschäfte außer Rand und Band kurz vorm Ende des turbulenten Heimflugs.

Das alles, was die Fantasie der Kinder anregt, ist möglich und findet statt im originellen Animationsfilm des Belgiers Tom Van Gestel, der auch auf der Tonspur das Glockenelement weidlich und vielfältig einsetzt.

Die kleine Yasmin, die gerade mal fünf Jahre alt ist und für die die Kinder-Sci-Fi-Geschichte von Arkie noch etwas zu schwierig war, fand nach der Pressevorführung jedenfalls, dass es sich um „ein Meisterwerk“ handle, „100 Prozent!“. Das bestätigt wohl bestens das Leitmotiv des Filmes: Kreativität und Freundschaft.

Almamula

Nino

ist ein 14-jähriger Junge, Milchbub mit Brille und versonnenem Gesicht, voller Irritation über das, was mit der Pubertät auf ihn zu und über ihn kommt, auf der Suche nach der männlichen Identität.

Nino fühlt sich zu einem Schulkameraden hingezogen. Heimlichkeiten, die nicht heimlich bleiben. Dafür misshandeln seine Jahrgangsgenossen ihn arg, denen sensiblere, tiefere Gefühle und Ahnungen offenbar verschlossen sind.

Mutter Elsa (María Soldi) zieht mit Nino und seiner Schwester Natalia (Martina Grimaldi) aufs Land zu Vater Ernesto (Cali Coronel). Der arbeitet mit Holz am Rande des Dschungels.

Der Film spielt in Argentinien. Nino besucht auf dem Land den Konfirmandenunterricht von Padre César (Adrián Ramllo). Bei ihm kann, darf, muss er auch beichten. In blumigen Worten erzählt der Padre von der Sünde, von Reinheit, Unreiheit und dass der Körper ein Tempel sei oder der Mensch ein Blatt oder ein Ast des Carobskoten. Es ist Ausdruck einer Erwachsenenwelt, die selber keinen befriedigenden Umgang mit der Sexualität gefunden hat und dies mit Scheinheiligkeit und schönen Worten bemäntelt.

Die Welt in diesem Film ist eine erotisch aufgeladene Welt aus der Perspektive von Nino, die Juan Sebastina Torales als Drehbuchautor und Regisseur entwirft und mit pointierter Kamera nachzeichnet.

Das sind anregende Szenen, wenn die erwachsenen, die hübschen Girlies und die kräftigen Holzarbeiter im Pool „blinde Kuh“ mit Personen-Erraten durch Ertasten spielen – aber da darf Nino, den es wohl mehr als alle anderen interessieren würde, nicht mitspielen.

Nino hat Erektionen und kann auch masturbieren. Ein Christusbild regt ihn dabei an. Er fühlt sich, je weniger er zurechtkommt mit der neuen Lebenssituation, zu den Männern hingezogen. Ein Fischer am Fluss hat es ihm angetan. Der mag ihn zwar, hat aber kein Verständnis für seine sensibleren Regungen.

Nino sucht Antworten bei Gott, aber der reagiert nicht. Vieles wird symbolistisch behandelt vom Film wie von der Erwachsenenwelt: die Almamula ist das, wohinter sich das erahnte erotische Geheimnis verbirgt. Es ist der Dschungel, in den Nino nicht hineindarf und in dem ein gewisser Panchito verschwunden ist. Der Wald ist gefährlich – und der mystische Wald für das Coming-of-Age sowieso.

Juan Sebastian Torales entwirft ein präzises Bild der Verlorenheit dieses jungen Mannes, der absolut sich selbst überlassen ist mit den aufkeimenden Gefühlen und Sehnsüchten, den Veränderungen im Körper und das in einer Erwachsenenwelt, die so tut, als kenne sie all das nicht, weil sie sich offenbar mit Minimalerotik oder mit Ausschweifungen abgefunden hat oder in dieser vibrierenden Welt längst abgestumpft ist.

Der Schatten des Caravaggio (DVD)

Dass Caravaggio sich beim Entwurf seiner Gemälde zu religiösen Topoi wie der Leidensgeschichte Christi beim echten Leben bedient, stößt der Kirche gewaltig auf; da kriegt sie mehr als nur Schluckauf.

Siehe die Review von stefe.