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Da muss irgendwo ein Raubtier in der Nähe sein.

Es gibt Fernsehsendungen, die spüren fast vergessene, einst berühmte Namen auf und stellen die Frage, was macht heute …? Diese bayerisch-italienisch Fernseh-Koproduktion könnte so eine Sendung sein, sie beantwortet die Frage, was Terence Hill heute macht. Und sie gibt die Antwort.

Hill verdient sich sein Geld, indem er sich abfilmen lässt als berittener Bergförster unter den Bergen Südtirols, die hier Kathedralen des Himmels genannt werden. Wir können ihm beim Geldverdienen zuschauen. Er ist umgeben von einem durchwachsenen Cast. Regie führt Riccardo Donna und den Dreherklärbuchbrei hat ein halbes Dutzend sogenannter Fernsehautoren verdorben.

Es kommen vor in den beiden Folgen „Leichte Beute“ und „Am Seidenen Faden“: ein Braunbär, dem ein Wilderer Fallen stellt, der Wilderer, Terence Hill in Försteruniform hoch zu Pferd, eine Erbpachtgeschichte mit Giftanschlägen im Gefolge, radioaktiv verseuchte Pellets, eine im Bergwald versprengte Ukrainerin, die in einer Bärenfalle verletzt wird und sich erst an nichts erinnern kann, ein Polizist, der nie dazukommt, seiner Verehrten den Heiratsantrag zu machen und dessen Verlobungsring ungewollt Irrwege geht, sowie Pferde, Wölfe, Ziegen, ein Bär, Gebirgslandschaft, blühende Alpenweide, Bauernmöbel, See, blühende Wiesen, gedeckter Tisch, Idylle und ein voluminöses Orchester, das frech beim Western klaut und schnell sich zur Süßtube aufplustert, wenn es gefühlig wird, eine deutsche Synchronisation die auf Tempoteufel runtergerotzt wird und Dialoge, die immer alles erklären, so dass man die Serienteile auch von der Küche aus ganz ohne Bild und ohne Verluste mitbekommen kann.

Dieses Bild- und Szenenzusammengeschustere streng nach Klischee ist in typisch fernsehhysterischer Kurzatmigkeit geschnitten, so dass keiner der Zuschauer auch nur ansatzweise nachdenken kann oder muss.

Das scheint der Sinn dieser Zwangsgebührenproduktion zu sein: die Menschen vom Denken abzuhalten, sie unmündig und dumm zu lassen, sie abzulenken mit Geschichten, die den Menschen zum Strichmenschen reduzieren. Und der BR kann verzapfen, dass er im Sommer nicht nur Wiederholungen bringe im Wettbewerb um die schwächsten Legitimationsversuche.

Das kann alles nicht im Sinne des öffentlich-rechtlichen Rundfunkes sein, dürfte eher demokratiefeindlich wirken, den Zuschauer so unmündig zu behandeln, ihm alles zwei- und dreifach zu erlkären, ihn davon abzuhalten, seine eigenen grauen Zellen zu aktivieren.

Aus dem Textbuch:

Ich weiß, du wirst alles versuchen.
Wenn du willst, kannst du das haben, das braucht niemand mehr.
Du, du, du bist sehr wichtig für mich geworden.
Ganz ruhig, hier bist du in Sicherheit.
Wer vergiftet denn ein vierjähriges Mädchen?
Sie war so abgelenkt, dass sie einen Autounfall gebaut hat.
Pass auf, mein Vater ist da draußen und hackt das Holz.
Entschuldige, kannst du kurz kommen, der Bär ist etwas unruhig.
Wahrscheinlich wurde die Falle vom Bärenjäger ausgelegt.
Sie hat fast keine weißen Blutkörperchen mehr.
Du hast recht, es ist Eifersucht im Spiel, es ging nicht um Geld.
Ich muss das erst nähen, danach gehen wir essen.
Sicher ist nur eine einzige Sache, die Vergiftungsgefahr ist noch nicht gebannt.

Der Sack, was macht er hier?
Ich hoffe, es hat die richtige Größe.
Danke, dass du soviel für mich machst (mit ukrainischem Akzent)
Wie du siehst, gab’s hier einen Erdrutsch.
Wieso hast du dich so schick gemacht?
Ich hab immer gesagt, er soll sich nicht so abkapseln.
Die musst du probieren, die sind von mir.
Für das, was ich vorhabe, passt das sehr gut.
Die Geduld hab‘ ich verloren.
Ich muss die Sachen ins Auto bringen, es gibt noch Arbeit im Wald.
Was? Wann denn? Wie ist das passiert?
Ich weiß, wo der Ring ist.
Ich hab das nicht so gemeint.
Hör zu, Johann, ich schwör, zwischen deiner Frau und mir ist nie was gewesen.
Ich befürchte, er ist weg.
Und die Analyseergebnisse des Brunnenwasssers sind hier.
Er ist da oben, kommen Sie schnell, los.
Er ist bewaffnet.
Kommen Sie raus, wir wissen, dass Sie da sind.
Es tut mir so leid, es sind Komplikationen aufgetreten.
Dunja, du hast aus mir einen anderen Menschen gemacht.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers!

Es kann nicht wahr sein, dass um Geld für solche überflüssigen Produktionen zusammenzutreiben, der sogenannte BEITRAGSSERVICE Menschen mit sehr wenig Geld mit Zwangsvollstreckung bedroht, wenn sie die Haushaltszwangsgebühr nicht zahlen können.

Rote Karte für Ulrich Wilhelm, den Intendanten des BR, der eine automatisierte, an die Inflation angepasste, regelmäßige Zwangsgebührenerhöhung fordert!

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Ab heute auf DVD.
Kinoimpulse. Gegen die Anämie und das künstliche Koma des Deutschen Kinos, gegen seine Mutlosigkeit und gegen seine Entmüdigung durch das öffentlich-rechtliche Fernsehen! Hier die Review von stefe.

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Ein Hitgarant aus der Musicalwelt, zwei bemerkenswerte Filme, einer aus Deutschland und ein europäischer und zwei weniger gelungene, beide aus Deutschland, wobei der erste noch intellektuellen Anspruch behauptet, während der zweite realitätsfrisierende Fernsehware ist. Vorher gestartet ist der fröhlich-knallige Monsterspuk aus Transsilvanien. Im TV war eine nachdenkliche Frau zu sehen, die wegen CSU-Überheblichkeit aus München politisch aktiv geworden ist.

Kino
MAMMA MIA! HERE WE GO AGAIN
Weil es 1979 so schön war.

LANDRAUSCHEN
Durch den schwäbischen Dialekt gewinnt der Film an Profil und Farbe in der Darstellung des Außenseiterthemas.

NICO 1988
Beeindruckendes Reenactment der letzten Tournee und der faszinierenden Persönlichkeit der Sängerin.

303
Der Film fädelt sich viel zu kompliziert ein, ist anfangs intellektuell überlastet und beruhigt mit schönen Frankreichaufnahmen.

B12 – GESTORBEN WIRD IM NÄCHSTEN LEBEN
Was muss in den Redaktionsköpfen vorgehen, die dieses bescheidene Fernseh-Möchtegerndokumentar-Werklein ins Kino bringen?

HOTEL TRANSSILVANIEN 3 – EIN MONSTER URLAUB
Die Kunst der fröhlichen Monster und der Missverständnisse.

TV
LEBENSLINIEN: IRMGARD UND DIE WIDERSTANDSSOCKEN
Socken stricken gegen die Arroganz der bayerischen Staatsregierung

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Seelenverwandt mit den Kohlehydraten.

Ein Musicalfilm. Ein Seelenmassagefilm. Eine Seelenverwandte mit den Kohlehydraten, wie es im Film einmal heißt, ohne dass auf das Salz, die Trennung, verzichtet würde.

Ein Liebesfilm in zwei Generationen, Generation Rückblende und Generation Heute. Ein Fanfilm für ein Millionenfanpublikum der Musikgruppe ABBA und ihrer Evergreens aus den Siebzigern, hervorragend gesungen von erstklassigen Akteuren, ein Griechenlandfilm, Mittelmeer- und Herzflimmern, wilde Tanznummern und dabei die ernste Suche nach Liebe auf dem Weg der Versuche.

Ein Film mit großartig aufgelegten und in Szene gesetzten Stars: Amanda Seyfried als Sophie, Stellan Skarsgard als Bill, Pierce Brosnan als Sam, Colin Firth als Harry – allein dies ein wunderbares Sidekick-Trio, Julien Walters als Rosie, Christine Baranski als Tanya, Rachel McDowall als Lisa, Meryl Streep als engelhafte Donna und Cher als faszinierende Oma und und und.

Ein Film von Ol Parker, der mit Richard Curtis das Drehbuch nach dem Musical von Catherine Johnson geschrieben hat.

Ein Film voll jugendlicher Energie und Hoffnung, voller Romanzen, mit Segelschiff und Musik, Wasser, Wind auch Sturm, griechischen Inseln, Fähren, die nicht fahren, Ruinen und Neubauten, Lebensträumen, Sehnsüchten und bekannten Melodien.

Ein Feelgoodmovie par excellence, vielleicht das Feelgoodmovie des Jahres.

Ein Film mit Spielorten um die Welt, von Tokio bis New York, von Paris bis Stockholm, aber das Zentrum der Welt und dieses Filmes ist Griechenland, sind seine Inseln.

Und ein steiler Aufstieg vom Meer ins Taumhotel „Bella Donna“, die Pferde sind stark, eines kann drei Damen („Manchmal glaube ich, Kohlehydrate wären meine Seelenverwandten“) gleichzeitig buckeln und der Esel geht am Strick mit dem Gepäck hinterher.

Oder Rettung eines Schiff- und Liebesbrüchigen, platsch, ins Wasser mit der Braut, die gerade dabei ist, den Falschen zu heiraten. Für manche Songs gehen die Massen der selbstbewussten Darsteller mit Welteroberungstanzschritt auf die Kamera zu. Show, Song, Tanz, Gefühl und appetitliche Darsteller – auf Hit getrimmt.

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Hier wäre einzig interessant zu erfahren, wen was geritten hat, dieses bescheidene Fernsehwerklein auch noch ins Kino zu bringen. Anschauen dürfte sich das außer zugewandten Orten kaum jemand. Es geht wohl darum, Kionfördergeld abzugreifen. Ziemlich kühn. Schon am Fernsehen war klar, dass in B12 – Gestorben wird im nächsten Leben das zu Dokumentierende – ein Raststättenstammtisch – allein durch die Produktionsbedingugen des BR mit Minibus und zwei bis drei Personen technischen Personals von der Natur weg ins Fernsehformat verkrümmt wird. Diese Verkrümmung dürfte im Kino noch offensichtlicher in Erscheinung treten.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers
und einen Verweis an den Intendanten des BR, Ulrich Wilhelm. Hier hat er etwas übersehen. Er sollte sich vielleicht mal klar machen, dass unter seinen Finanziers, also den Zwangsgebührenzahlern, einige sind, die sich ziemlich verarscht vorkommen, wenn sie vom Staat gezwungen werden, sowas zu finanzieren, ja dass der sogenannte „Beitragsservice“ ganz mies Leuten, die kaum ein Geld haben, mit dem Vollstreckungsbefehl droht, wenn sie nicht alles zahlen können.

Rote Karte des Zwangsgebührenzahlers an Ulrich Wilhelm!

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Dialekt (Schwäbisch-Bayerisch) eingesetzt, um einem alltäglich menschlichen Thema (Akzeptanz des Anderen) Individualität und kinematographische Größe zu verleihen. Wobei die deutsche Untertitelung sparsam nur bei ganz urigen Sätzen angewandt wird und der Rest recht gut verständlich ist, zumindest für süddeutsche Ohren.

Der Dialekt nicht zum Schenkelklopfen eingesetzt, nicht zum originellen Fez, nicht, um sich abzuheben von anderen. Der Dialekt als die Musik einer Gegend, als Ausdruck der Prägung der Menschen, die hier aber auch keine anderen Probleme haben, als anderswo auch. Der Dialekt auch nicht denunziatorisch eingesetzt oder als eitle Delikatesse wie beim Franken-Tatort. Dialekt als Mittel zur Vertiefung der Substanz des Filmes.

In diesem Film von Lisa Miller radelt ihre Protagonistin Toni (Kathrin Wolf) aus Berlin kommend und aus weiter nicht hervorhebenswerten Gründen in ihr schwäbisches Heiamtdorf Bubenhausen ein. Dabei erzählt sie in Voice-Over ihre Gedanken.

Sie hat in Berlin studiert, zwei Abschlüsse, aber keinen Job und Beziehung offenbar auch nicht. Auch das ist weiter nicht explizit nennenswert, erschließt sich aus dem Folgenden. Sie memoriert die Unterschiede zwischen Großstadt und Dorf, die schier grenzenlosen Ablenkungs- und Bewegungsmöglichkeiten der Kapitale und die übersichtliche Begrenztheit auf dem Lande.

Sie kann im Lokalblatt über den örtlichen Fasching schreiben; dass es eine ganze Seite werden soll, begeistert sie nicht. Schnell legt sie sich mit ihrem Chef an.

Sie begegnet Rosa (Nadine Sauter) wieder, die sich als zweite wunderbare Protagonistin entpuppen wird. Mit ihr fährt sie mit knallbunt gesprayten Haaren und Fummeln zum Christopher Street Day in die Stadt. Damit ist das Außenseiterthema gesetzt, das was Martin Sperr in den 60ern Jahren noch bahnbrechend in seinen Jagdszenen aus Niederbayern dramatisiert hatte.

Der Film von Lisa Miller zeigt damit auch, dass sich ein bisschen was an dem Thema entwickelt hat, dass es dieses explosive Material nicht mehr ist. Aber Miller zeigt auch, dass es nicht aus der Welt ist in einer eindrücklich fies-lustigen Szene später im Film, wenn Rosa bei einem Voksfest begrüßt wird, das andere Ufer sei auch da.

Der Satz löst filmisch deutlich überhöht gezeigtes Gelächter aus, sie lacht mit, verlässt das Fest. Rosa geht ihr nach. Die beiden haben ein essentielles Gespräch zu dem Thema, dass diese Sprüche immer wieder kommen und das sie mitlache darüber.

Dass alles noch voll da ist mit den Vorurteilen, zeigt auch Rosas Äußerung, dass sie zeitweilig den Eindruck hatte, sie sei geisteskrank.

Mit Rosa kommt auch die Kirche ins Spiel, denn sie arbeitet bei einer kirchlichen Einrichtung, Betreuung von Jugendlichen und Asylanten, die sie mit dem Bus chauffiert. Mit dem kirchlichen Thema und wie der Pfarrer damit umgeht, wird der Film zum bestens hör- und verstehbaren Zwischenruf an den geleckten Film von Wim Wenders über Papst Franziskus (Papst Franziskus – Ein Mann seines Wortes).

Geleckt ist der Film von Lisa Miller garantiert nicht. Er will nicht aufzeigen, er will nicht inszeniert wirken; er liebt das Beiläufige, das Spontane, das Flüchtige, das Nahe, das Detail, das nicht durch seine Umgebung relativiert wird, um so dem Zuschauer seine Mündigkeit zu lassen, ihn selbst entdecken zu lassen, selbst kombinieren zu lassen.

Und auch die Musik wirkt Miller als mitarbeitenden Faktor ein, Ich bin komplett im Arsch von Feine Sahne Fischfilet oder Die Wäsche trocknet an der Sonne von Kofelgschroa. Hier zeigt der Film die tiefere Bedeutung solcher Songs.

Der Minibus von Rosa gibt Anlass für eine der Polizistenszenen, die auch weit entfernt von der denunziatorischen Variante von „dümmer als die Polizei“ erlaubt, diese eher in verdattertem Ungeschick abschmieren lässt.

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Ikone ganz unikonisch.

Sie war „erstes deutsches Supermodel, einstige Muse von Andy Warhol und Sängerin der Gruppe ‚Velvet Underground‘“ (aus dem Presseheft): Nico, bürgerlich Christa Pfäffgen.

Der Film ist eine faktenbasierte Fantasie oder sich sensibel hineinfühlende Impression im Sinne einer Hommage an Nico der italienischen Regisseurin Susanna Nicchiarelli.

Nico wird von der dänischen Schauspielerin und Sängerin Trine Dyrholm verkörpert.

Die Story deckt die letzten zwei Jahre im Leben von Nico ab. Sie fängt in Manchester an, wo sie 1986 eine Wohnung sucht. Von hier aus geht sie auf Tournee bis nach Tschechien und Deutschland. Die Geschichte endet kurz vor ihrem Tod, wie sie auf Ibiza ihr Haus verlässt, symbolisch öffnet sich das Tor, sie will schnell mit dem Fahrrad wohin fahren. Sie verschwindet aus dem offenen Tor, das Tor bleibt – hoffnungsvoll ist die Normalinterpretation – offen. Das wars mit ihrem Leben. Denn Minuten später wird sie einen Fahrradunfall haben, an dessen Folgen sie stirbt.

Der Film ist keine Tournee-Chronologie. Diese gibt eher den Faden ab für Flashbacks, für kurz eingespielte Super-8-Aufnahmen von Wood-Allen, von ganz wenig, wie Erinnerungsfetzen verhuschtem Archivmaterial aus der Supermodel-Zeit, aus der Ikonenzeit.

Jetzt ist die Ikone ganz unikonisch, ist eine überzeugende Persönlichkeit, drogenabhängig, mühsam setzt sie sich einen Schuss in halbzerstörte Venen überm Fußknöchel, sie braucht den Stoff.

Ihr Tourmanager Richard (John Gordon Sinclair) ist wie ein Bodyguard immer in ihrer Nähe. Es gibt Proben und Konzertauftritte, nachinszenierte Interviews und Dyrnholm singt Lieder von Nico in ganz eigener, überzeugender Prägung – großartig.

Als dramaturgisches und performatives Spannungselement kommt eine gewisse Verlangsamung in ihrem Spiel, Sprechen und Schauen, die ihr Drogenkonsum mit sich bringt, hinzu. Das erzeugt gleichzeitig eine fesselnde Präsenz.

Sympathisch ist ihre Manie der Ton-Sammelwut. Oft trägt sie in einer schwarzen Ledertasche ein Tonaufnahmegerät (wir sind anno 1986) mit sich und hat ein Mikro dabei. Sie sucht Töne in den absurdesten Situationen. Einmal gibt sie auch Auskunft darüber: dass sie die Geräusche des Bombardements von Berlin wieder suche, was praktisch auch das Ende des Krieges bedeute.

Das ist die Anfangsszene wie sie als kleines Mädchen an der Hand ihrer Mutter die Silhouette des brennenden Berlins vor sich sieht und fragt, was das bedeutet. Für ihr Tonband riskiert sie viel, selbst die Verhaftung in Prag nach einem Konzert, das sie fluchtartig verlassen muss.

Vielleicht ist das Nicht-Spektakuläre die Stärke dieses Filmes, die teils unappettitlichen Umkleideräume für sie und das Orchester, die Privatunterkunft statt eines Top-Hotels, alles überhaupt nicht starlike.

Sie möchte ihre Musik machen und sie den Menschen vermitteln, die sich dafür interessieren. So erinnert sie momentweise von der Haltung her an Anne Clark und dann ist da noch die Geschichte mit ihrem Sohn, der von Alain Delon stamme, wie gemunkelt wird.

In Nürnberg singt sie bei einer Besichtigung der Hitler-Rednerkanzel das Lied vom Nibelungen-Land und nach einem Selbstmordversuch ihres Sohnes, den sie aus dem Entzug auf Tournee mitgenommen hat, singt sie My only child.

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Schöner Werbefilm für Frankreich

mit zwei dekorativen Protagonisten, die der Landschaft und dem Land nichts wegnehmen und nichts streitig machen.

Aber da Hans Weingartner, der mit Silke Eggert auch das Drehbuch geschrieben hat (und mit zusätzlicher im Abspann genannter dramaturgischer Beratung), sich noch im geistigen Zustand Abitur/Studium zu befinden scheint, also im geistigen Höhenflug, der glaubt, die ganze Welt verändern zu können, überfrachtet er seinen Image-Film für Frankreich thematisch maßlos.

Wobei – typisch deutsches Drehbuchübel – die Figuren zu Thesenträgern werden (zu den Themen Welternährung, Darwinismus, Ehe und Gruppensex, Männer-Frauen-Liebe-Selbstliebe, Höhlenmenschen und Neandertaler, Kapitalismustheoreme), wodurch sie zwar als Charaktere wunderbar blass, auch vom Teint her, bleiben und dem Film, wie Frankreich selbst die Regie übernimmt, zu schönem Ausflugscharakter verhelfen; aber da Weingartner auch noch eine – erzkonservative, weither absehbare – Liebesgeschichte meint auf seinen Film satteln zu müssen, wird er, wie erwartet, deutlich zu lang.

Je weniger die Protagonisten reden, desto erträglicher wird das Frankreich-Movie. Die Dialoge scheinen primär Liebesersatz- oder Liebesverhinderungsdialoge zu sein, sind jedoch von Weingartner nicht so inszeniert. Und da die Casting-Abteilung ihm zwei sicher begabte, aber nur allzu brav Drehbuchtexte auswendig lernde, angepasste, keineswegs ausgeflippt/ausflippige noch unkonventionelle Darsteller ausgesucht hat, erweisen sich die Dialoge schnell als überflüssig.

Das fängt schon im Anspann vor den Titeln an. In öder Ausführllichkeit wird die Ausgangslage der beiden Figuren geschildert, albern genug, da soll auch noch Wissenschaftskritik reingepackt werden (was zuletzt deutlich fokussierter und vor allem gut konsumierbar und angenehm die 3 italienischen Filme Morgen ist Schluss gezeigt haben).

Schade, dass Weingartner nicht kürzen kann. Das hätte schon beim Drehbuchlesen klar sein müssen, dass so ein Anspann nur anödet. Da sollte Weingartner mal einen Billy Wilder studieren, wie der gleich in medias res geht (der Film mit Jack Lemmon als Wendel Armbruster Jr., der mit dem Privatjet zu spät kommt, Avanti, Avanti!) und damit noch bevor man die Figur zu Gesicht bekommen hat, schon eine Charakterisierung liefert, die für Spannung sorgt, wenn zwei solche Figuren zusammenkommen, von denen man die chemischen Reaktionen sozusagen kennt, was hier nicht der Fall ist.

Breites Versagen auch bei den Filmförderern, den im Abspann genannten dramaturgischen Beratern, dem Medienboard Berlin-Brandenburg (Kirsten Niehuus), Telepool (Gesellschafter der TELEPOOL GmbH sind der Bayerische Rundfunk, der Mitteldeutsche Rundfunk, die SWR Media Services GmbH und die Telvetia S.A.), FFA und dem BR (Intendant Ulrich Wilhelm), die ihre Gelder offenbar blind locker gemacht haben und somit eine weitere Rote Karte für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verdienen, der einmal mehr einen Film fördert, der meiner Ansicht nach nullo Marktchancen hat, ich kann mir nicht mal vorstellen, dass die Generation, die diese weltanschaulichen Themen noch beschäftigt, sich dafür interessiert, weil sie diese viel zu dröge seminarhaft und eben nicht an die Menschen gebunden doziert; für diese Zielgruppe müssten die Themen peppig und attraktiv gebracht werden. So können sie sie auch an der Uni haben.

Oder dann sollte sich Weingartner für einen radikalen Weg wie Jean-Marie Straub entscheiden; da gibt es aktuell eine Lücke im deutschen Kino. Die Liebesgeschichte ist definitiv zu verschnarcht, auch weil die beiden Darsteller nicht durchlässig sind, viel zu brave Textreproduzierer. Und sie lächeln mir auch zu wohlfeil, zu viel, als ob sie für das ZDF vor der Kamera stünden oder für Degeto.

Schön wäre beinah das typische deutsche filmintellektuelle Spaghettiessen geworden, wenn es nicht zu kurz geschnitten worden wäre, wie Jens die Spaghettis in den Topf im Wohnwagen gibt.

Der Plot für dieses Roadmovie in Wohnmobil ist an sich simpel. Jan (Anton Spieker) und Julie (Mala Emde) haben je einen Grund nach Frankreich oder Spanien zu fahren. Und je einen Grund, dass der ursprünglich Plan nicht klappt und so bringt sie die umständliche Dramaturgie von Hans Weingartner in dem sehr geräumigen Wohmobil zusammen, zu dem allerdings das Mädchen überhaupt keinen Bezug hat; dass sie allein mit so einem Ungetüm losfährt, das ist schwer nachvollziehbar – und das ist ja eine Basisbehauptung in dieser „Geschichte“.

Mit einem Rilke-Zitat zu Beginn markiert Weingartner intellektuellen Anspruch (etwas viel für ein sonniges Roadmovie), dass das erste Vorgefühl des Ewigen sei, für die Liebe Zeit zu haben.

Und just die haben sie nicht, da sie ständig mit Quasseln beschäftigt sind und wenn die beiden einmal ruhig nebeneinander am Meer sitzen und geradeausschauen, so fehlt emotional just das, was sie in diesem Moment verbindet, kann Weingarten das empirisch nicht umsetzen.

Dann die Dialogregie: die unterhalten sich gerade anfangs viel zu aufmerksam sich zugewandt, als wollten sie als Schauspieler beflissen zeigen, wie man Dialoge spielt, resp. wie sie sich Mühe geben, die Dialoge zu spielen und zu sprechen. Vor allem trauen sie sich kaum Gesprächspausen. Die sind jedoch die Basis für einen Dialog, der sich entwickelt. Oder es sei denn, sie verhalten sich wie zwei besondere chemische Elemente, die ganz heftig miteinander reagieren. Das ist hier auch nicht der Fall. Damit kann kein Untertext passieren, nur Thesenaustauscherei.

Die ganze Schauspielerei, und da trägt der Regisseur die Hauptschuld, wirkt wie abgesprochen, nie ist offen wie es weiter geht, selbst wenn es formal so ist, dass Jan zurückbleibt am Rastplatz. Solche Dinge glaubwürdig zu machen, wäre eine Hauptanforderung an die Filmregie. Bei Jan ist das Gefühl des Vaterthemas nie spürbar oder bei Julie das Thema, Achtung Spoiler: der Schwangerschaft. Die Figuren haben kein Geheimnis, was sie spannend machen würde. Sie liefern ordentliche Berufsschauspielerei. Das ist für einen intellektuellen Weingarten-Anspruch deutlich zu wenig. Er lässt ihn so ins Leere laufen. Intellektuelle Schlappschwanzerei.

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Während der Kinofilm „Wackersdorf“ (ab 20. September im Kino) deutlich macht, welch dramatisches Potential die Figur des Landrates Schuirer bietet und welch wichtigen Einfluss das auf demokratische Vorgänge hat, bietet Claus Strigel unter den redaktionellen Auspizien von Christian Baudissin eine TV-weichgekochte Seitenflanke und wirft ein Licht auf die Vorgänge in Wackersdorf mit einem Porträt von Irmgard Gietl, der Widerstandssockenstrickerin. Die Kinematographie liesse es immerhin zu, diese Lebenslinien als Beiprogramm von „Wackersdorf“ auch im Kino zu zeigen.

Vor allem der Anfang kondensiert diese denkende Frau aus Maxhütte auf die Gegensätze von Armut, Überlebenskampf, Überlebensphilosophie, Ordentlichkeit, Angepasstheit und Widerstand, das Alleinsein mit dem Stricken und die Erzählungen über das Zustandekommen und den Erfolg des Widerstandes.

Aber der BR kann es wieder einmal nicht lassen, die Dreiviertelstunde auch noch mit einer nicht themenrelavanten Werbung für den Strickwaren-Online-Handel der Tochter von Irmgard Gietl anzureichern.

Die Gespräche mit dem ehemaligen Landrat Schuirer und mit dem Gründer der Bürgerinitiative haben etwas von Klassentreffen-Atmosphäre.

Die Einspieler aus der Widerstandszeit machen deutlich, dass schon damals in der bayerischen Staatsregierung von Franz Josef Strauß ein abgehobener, realitätsferner Geist herrschte, wie eine Rede von ihm deutlich macht, in der er die Menschen des Widerstandes widerlich denunziert. Nicht anders scheint es seinem heutigen Epigonen auf dem Ministerpräsidentensessel zu ergehen, wenn er vom latenten Rassismus im Lande ausgeht und den benutzt, um seinen Vorgänger, der jetzt in Berlin Innenminister ist, aufzuwiegeln. Aber Strauß ist ja auch Vorbild für diesen Übergangsministerpräsidenten aus Franken.

Der Besuch mit Frau Gietl am Drehset des Filmes „Wackersdorf“ geht über TV-Weichkocherei nicht hinaus, so schön die das Marterl nachgebaut haben. Die Begegnung mit der Schauspielerin, die die Gietl-Figur spielt, zeigt, dass es sich dabei um einen Castingmissgriff handelt, würde man dieser doch das Stricken nicht im Ansatz zutrauen und im Kinofilm kommt sie derb schreihalsig rüber, was Frau Gietl keineswegs ist, das macht das Porträt sehr deutlich; es fehlen der Darstellerin genau diese philosophischen Zwischentöne und die Skepsis, die Irmgard während des Strickens deutlich macht.

Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen, ein 15 oder 20 Minuten-Feature hätte die Substanz des Porträts wirkungsvoller gebracht.

„Mir ist mein Leben mein Stricken
oder mein Stricken ist mein Leben ich bin fürs Leben gern alloans.

Im Stricken ist alles drin, Hass und Liebe, Hoffnung und Verzweiflung,
alles, was ich schon erlebt habe.“

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Es ist nichts so tragisch, als dass es nicht noch schief gehen könnte in der Kunst der fröhlichen Veräppelung, das erzählt dieses heftige Monsteruniversum aus geilem Cartoon, Wolpertingerbastelei bis hin zum robusten Ballermann von Genndy Tartakovsky, der mit Michael McCullers das Buch nach den Charakteren von Todd Durham geschrieben und im Sinne von „Don’t worry, be happy“ laut und bildstark inszeniert hat.

Die deutsche Synchro ist so gewöhnungsbedürftig wie der Ballermann.

Dracula soll auf Wunsch seiner Tochter Mavis endlich einen richtigen Urlaub machen, eine Auszeit von der fordernden Familie nehmen, denn auch im Hotel in Transsilvanien gibt es Stress.

Dracula lässt sich darauf ein. Es wird eine Kreuzfahrt in einem Berg von Kreuzfahrtschiff, der ‚Legacy‘, das am Bermuda-Dreieck startet und an exotischen Orten Halt macht, von der Wunde der Erde, einem unteriridischen Vulkan, bis hin nach Atlantis.

Allerdings ist diese Kreuzfahrt eine Falle, denn der Kapitän des Schiffes ist nicht ganz sauber, obwohl Ericka ganz in Weiß gekleidet ist.

Im Hintergrund läuft immer noch die Geschichte ab, dass Van Helsing Dracula, den Unsterblichen, töten will. Van Helsing verfügt nicht nur über die Kunst der verkleideten Verstellung, er hat auch Helfer …

Irgendwann menschelt es dann doch unter Vampiren und das ‚tsching-tsching‘-Ding könnte für das Wort Liebe stehen.

Wo die Zeichner nur all diese Fantasien herhaben? In manchen Momenten bin ich mir sicher, dass sie ihren Hieronymus Bosch sehr genau studiert haben, aber auch vor Klamauk und Kitsch schrecken sie nicht zurück – der Stilmix machts.

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