Corpus Delicti

Themen, die umtreiben

Gesundheit, Freiheit, KI, Überwachungsstaat, Unfehlbarkeit, Sicherheit, Sperrgebiete, Verbote, ein Leben ohne Schmerz, Leukämie, Überwachungsimplantate, methodisch gesichertes Glück (= die Methode), die ideale menschliche Gesellschaft, das und vieles mehr sind Themen, das zeigt der Film deutlich, die sowohl die Romanautorin Juli Zeh als auch Drehbuchautorin und Regisseurin Lena Stahl umtreiben.

Es sind die großen Zukunftsthemen, teils auch generelle Menschheitsthemen wie die Unfehlbarkeit, die ein zentrales Dogma des Papsttumes der katholischen Kirche ist. Das Methodistische ist terminologiegleich mit einer freikirchlichen Gruppe. Kulturell hoch belastete Begriffe.

Das alles filmisch unter einen Hut zu bringen dürfte eher schwierig sein, ist es auch, wie Exemplum zeigt. Das scheint die Regisseurin gespürt zu haben, drum haut sie massiven, an sich sehr ordentlichen, filmischen Sound auf die Tonspur.

Es gibt eine krude Geschichte. Die Neurologin Mia (Hannah Herzsprung) ist Teil dieser utopischen Gesellschaft. Sie lebt in einer sterilen Wohnung, in der eine männliche KI-Stimme ihr Partner ist. Sie hat einen Bruder, Moritz (Damian Hardung). Der ist nicht systemkonform. Der bewegt sich teils in einem nicht überwachten Bereich der Gesellschaft. Hier soll er in einem Wald einen Mord begangen haben.

Mia ist überzeugt von der Unschuld ihres Bruder. Das ist die Grundlage für ein konventionelles Justizdrama, angereichert mit den eingangs erwähnten Themen und dadurch unübersichtlich.

Das Justizdrama ist nicht sorgfältig ausgearbeitet. Es gibt eine Chefrichterin, die erinnert von der Art her, wie sie inszeniert und ausgestattet ist und mit ihrer scharfen Wortwahl an Alice Weidel. Warum, das bleibt unklar.

Für die Schauspieler sind die Parts undankbar, weil sie keine Geschichte haben. Sie fungieren zur Illustration dieser Fantasiewelt. Es wird darauf verzichtet, die Protagonistin so einzuführen, dass man sich auf ihre Probleme einlässt, sie sympathisch findet und mit ihr mitgeht. Sie führt sozusagen vor.

Teilweise legt der Film enormes Gewicht auf die Überwachungsgeschichten und wird so eine Erzählung um künftiges Spießertum. Der Klumpfuß des Filmes: zu viele Themen werden abstrakt behandelt. Manches wirkt aufgedonnert, zu fingerzeigig, die unpersönliche Architektur, die anonyme Macht wiederum zu allgemeinplätzig.

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