So macht Geschichtsunterricht Spaß
Bruno Kreisky war ein bedeutender Bundeskanzler von Österreich und hat das Land in vielen Bereichen vorwärts gebracht.
Die genauen Errungenschaften listet der Film von Harald Sicheritz, der mit Fritz Schindldecker und Helene Maimann auch das didaktisch hervorragend gearbeitete Drehbuch geschrieben hat, im Abspann auf.
Bevor solche Staatsmänner, gerade in unserer politisch arg verunsicherten Zeit mit diversen Guignols auf den Topbühnen, in Vergessenheit geraten, ist es sinnig, sich ihrer zu erinnern.
Wie der Titel bekanntgibt, interessiert sich der Film – seriös, leicht pathetisch aber sehr präzise theatral mit einem exzellenten Cast inszeniert – für die Vorgeschichte des großen Politikers, für seine Zeit vom gerade Erwachsenen bis zu seiner Ausreise aus Österreich vor den Nazis. Kreisky stammt aus einer jüdischen Familie, einer wohlhabenden und bürgerlich eingerichteten. Er hatte alle Bildungsmöglichkeiten.
Bruno (eine traumhafte Kinobesetzung: Nils Arztmann) erlebt 1917 den Justizpalastbrand als Augenzeuge, er ist mittendrin im Aufstand. Das ist sein politisches Erweckungserlebnis. Er möchte als großbürgerlicher, junger Mann unbedingt der sozialistischen Jugend beitreten. Die ist skeptisch so einem gegenüber. Aber die sozialistische Gruppe der Mittelschüler ist nichts für ihn.
Der Vater (der Name des Darstellers ist weder bei IMDb noch bei Wikipedia zu identifizieren) interpretiert das wohl treffend, dass ihm dort zuviele Häuptlinge seien. Während er bei den Arbeitern ein gewisses Alleinstellungsmerkmal hat. Nach unnachgiebigem Drängen nehmen die ihn auf. Er wird bald zum Häuptling.
Der Film zeigt die Differenz zu den Kommunisten, was die Gruppierungen verbindet, was sie trennt. Da in Brunos Familie niemand etwas erfahren soll von seinen politischen Aktivitäten, die im Underground stattfinden und teils illegal sind, schützt er einen Tanzkurs vor.
Die Mutter (Marie-Theres Futterknecht) lädt ihn eines Tages zu einem Anlass ein, bei dem getanzt wird. Bruno lässt sich von Hausmädchen Jule (auch der Name dieser wunderbaren Darstellerin ist weder bei IMDb noch bei wikipedia aufgelistet) das Walzertanzen beibringen. Das Verhältnis zum Gesinde ist damit in Gang gesetzt.
Es gibt noch andere Frauen, Adele (Maya Unger) und Sissi (Soi Schüssler), so dass einer sozialistischen RomCom inklusive Konflikten nichts mehr im Wege steht.
Bei einem Gefängnisaufenthalt ist Bruno mit einem Kommunisten und einem Nazi in der gleichen Zelle. Dank seiner eigenen, brillanten Verteidigungsrede vor Gericht wird er freigelassen und erregt weltweit Aufsehen.
Vor der braunen Brühe, die nach Wien überschwappt, bringt er sich nicht rechtzeitig in Sicherheit. Er wird, weil er sich selber stellt, nochmal verhaftet. Die Nazis weisen ihn aus. Er geht nach Schweden ins Exil, lernt dort Willy Brandt und Olaf Palme kennen.
Der Film erzählt diese Geschichte nicht chronologisch, sondern mit manchmal fast nervigem, ständigem Wechsel zwischen verschiedenen Phasen seiner Geschichte, vielleicht ist das dem Fernsehen geschuldet, das davon ausgeht, dass sich die Aufmerksamkeitsspanne eines Zuschauers für eine Szene auf kaum mehr als eine Minute erstrecke.