Amalgamfüllung im Sommerloch
Und am Ende wollen sie alle unter die Haube – dann doch nur ein Hochzeitsfilm.
Beim BR scheint noch Sommerflaute zu herrschen. Budgets sind da, Sendeplätze sind da, im Hirn der Redaktionen scheint Ideenlosigkeit zu herrschen. Also muss im Rahmen eines für den Außenstehenden undefinierbaren Budgets Billigware, Ramschware, Ladenhüter eingekauft werden, kein Mensch begreift wieso.
Es wirkt so, als ob der Zahnarzt ein Loch noch mit Amalgam füllen würde. Da es um Mitternacht versendet wird, hat die Redaktion im Wühltisch auf einem Filmmarkt einen Hochzeitsfilm gefunden, der auf einem Musical basiert, britisch.
Der Autor des Drehbuches und des Musicals ist Tim Firth, die Regie führte Coky Giedroyc. Das Musical mag seine Bühnentauglichkeit haben. Es geht um die Liebe, um die aufgeregten Gefühle nach dem Erwachsenwerden und den passenden Deckel oder den passenden Pot noch nicht gefunden zu haben.
1993 scharen sich die Girlies vom britischen Kaff Clitheroe in Aufgeregtheit zusammen, schwärmen von der Band The Boys. Die singen gar nicht schlecht, produzieren einen erotisierenden Sound (Joshua Jung, Mark Samaras, Aaron Bryan, Mervin Noronha, Dalvin Cory), bewegen sich tänzerisch prima. Die Teenie-Girlies (Lara McDonnell, Jessie Mae Alonzo, Carragon Guest, Eliza Dobson, Nandi Hudson) haben sie sozusagen in ihren Kopf eingebaut.
Ein Vierteljahrhundert später sind die Girlies keine Girlies mehr und in Beziehungen. Der Film stellt Rachel (Aisling Bea) als erwachsene Frau in das Zentrum. Sie arbeitet in einer Klinik für Kinder lebt mit dem drögen Jeff (Marc Wootoon) zusammen. Der möchte sie unbedingt heiraten. Sie kaufen einen Campingwagen. Da verlost Radio Clitheroe eine Reise für eine Hörerin mit Begleitung nach Athen zu einem Revival-Konzert der Band „The Boys“.
Rachel gewinnt die Reise. Sie will ihre dicksten Freundinnen von damals mitnehmen. Debbie ist gestorben, die anderen leben noch, sind auseinandergegangen, älter geworden. Debbies Tod nutzt der Film musikalisch für eine Gedenk- und Abdankungsszene.
In Athen verpassen sie das Konzert. Der Film zeigt, dass die gemeinsame Erinnerung an die Aufbruchsphase der Jugend sich positiv auf das Leben der Frauen ausgewirkt hat und er kriegt die Kurve zu einem Hochzeitsfilm. Die deutsche Synchronisation kommt erschwerend hinzu.