Gefördert von der Bayerischen Staatskanzlei,
so ist es im Anspann zu lesen. Das gibt zu denken. Was veranlasst die Bayerische Staatskanzlei, ein Filmprojekt zu fördern? Ist es die Geschichte des Erich Kästner vom Jungen vom Lande, der in die Großstadt Berlin zur Oma fährt, unterwegs beklaut wird und in Berlin Freunde findet? Was fasziniert die Bayerische Staatskanzlei daran? Oder ist es der mühsame Versuch der Autorin Antonia Scheurlen, aus dem fast 100-jährigen Buch eine moderne Geschichte zu basteln und so wenig vom Kästner seiner Weltsicht durchschimmern zu lassen wie möglich? Ist die bayerische Staatskanzlei so angetan vom Namen Dietl des Regisseurs David, dem Sohn des berühmten Münchner Filmemachers, eines Ausnahmetalentes, eines haargenauen Beobachters der Münchner Art und eines präzisen Feilers und Inszenierers an den Dialogen, der dieses Talent offenbar nicht weitervererbt hat.
Die Geschichte kommt so bemüht daher, so ohne Ensemblegeist, wenn man an die Filme mit den Drei ??? denkt beispielsweise (zuletzt: Die drei ???). Sie wird zugedonnert von einem aufdringlichen Sound und am Schluss unglaubwürdig aufgebläht.
Gerade der Emil scheint eine unglückliche Besetzung zu sein – nicht die einzige. Auch – oder gerade – Buben vom Lande können besonders pfiffig sein; grad wenn sie zum ersten Mal die aufregende Stadt sehen. Nichts davon. Da kann der Bub nun nichts dafür.
Auch kommen einem die Darsteller vor wie hingestellt in die Szenen, ohne Zusammenhang zu den anderen; sie üben ihre Pflicht. Nichts von Vater Dietls Kür. Und wie schablonenhaft Berlin dargestellt wird. Wie der Bösewicht das Bösewichttum vom ersten Moment an verrät, kein Geheimnis hat. Und warum muss er gleich das große Immobilienrad drehen, einerseits und warum hat er K.o.-Haribo Gummibärchen dabei? Gibt er die immer Kindern? Ist er auch noch ein Kinderschänder?
Es können einem alle leid tun, die in einer so vom ersten Moment an abgestanden wirkenden Produktion involviert sind. Hat die Bayerische Staatskanzlei aus Mitleid gefördert? Oder soll der Film bewusst zeitkritisch ein Abbild einer energielosen, mit Handys und Social Networks lahm gelegten Jugend abgeben? Repräsentiert der Film gar die Idee einer bayerischen Staatskunst?
K.o.-Haribo halte ich für die bemerkenswerteste Modernisierung. Ein Bösewicht, der Kinder mit präparierten Gummibärchen ausschaltet, versteht immerhin seine Zielgruppe.
Früher genügte ein finsterer Blick im Zugabteil. Heute braucht es Immobiliengeschäfte, Smartphones und Süßwarenlogistik.
So wächst das Böse mit seinen Aufgaben. 🦌