Kriegsentscheidende Meteorologie
Nicht KI, nicht Drohnen, nicht Benzinmangel beim Gegner, sondern ein Meteorologe spielt die entscheidende Rolle an einem Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges, am D-Day.
Das sei eine wahre Geschichte schreibt Anthony Maras, der mit David Hais das Drehbuch verfasst hat, am Anfang seines dichten und spannend erzählten Tatsachen-Spielfilmes.
Die Allierten planen den D-Day, also die Landung in der Normandie von England aus über den Ärmelkanal, für den 5. Juni 1944. Das Datum hat sich als ideal herauskristallisiert wegen der zu erwartenden Springflut für die Anladung der Schiffe und dem gleichzeitigen Vollmond für die Fallschirmspringer.
General Eisenhower (Brandan Fraser) hat die Aktion minutiös geplant. Offenbar traut er seinem verdienten Meteorologen Krick (Chris Messina) nicht ganz. Er lässt den Meteorologen mit dem besten Ruf, James Stagg ( Andrew Scott), ins Hauptquartier beordern. Damit sind vom Storytelling her zwei Spannungserzeuger eingeführt.
Die Frau von Stagg (Tamsin Topolski) ist hochschwanger und Krick ist ein schwatzhafter, von sich eingenommener Typ, der nach den Methoden von gestern arbeitet. Er ist das genaue Gegenteil vom faszinierenden Stagg. Dieser spielt immer mit einer klaren Reserve. Kein Satz kommt unüberlegt über seine Lippen. Er arbeitet hochkonzentriert, will metikulös so viele Daten wie möglich in so weitem Umkreis wie möglich vom Ärmelkanal.
Stagg bringt die meteorologische Abteilung auf Hochtouren. Denn es sind nur wenige Tage bis zum vorgesehenen D-Day. Allerdings kann sich Stagg aus Wissenschaftsethos heraus nicht auf eine mehrtägige Prognose einlassen, weil in dieser Weltregion das Wetter launen- und wechselhaft ist im Gegensatz zu Nordafrika, wo Krick sich für Eisenhower mit bombensicheren Prognosen – kein Kunststück bei der Dauertrockenheit – verdient gemacht hat.
Dem Zuschauer ist klar, dass es sich um eine riesige Militäroperation handelt und dass so eine Vorbereitung auch dem Feind nicht allzulange verborgen bleiben kann.
Der dramatische Konflikt zwischen den beiden Meteorologen spitzt sich in den wenigen Stunden vorm endgültigen Entscheid für den Start der Aktion zu, da beide entgegengesetzte Prognosen abgeben und Eisenhhower in eine schier unlösbare Konfliktsituation bringen.
So einen Film hätte man vielleicht vor dem Überfall von Russland auf die Ukraine noch als unaktuell wahrgenommen; jetzt aber, wo in der Ukraine täglich allein etwas 1000 Russen getötet werden sollen, das Blutbad also unermesslich ist, wünscht man sich so etwas wie einen D-Day für diesen Konflikt, der immer unkontrollierter zu eskalieren droht. Ein Film, der im Hinblick auf den Zweiten Weltkrieg in einer ähnlichen Kategorie anzusiedeln ist wie The Imitation Game – Eine streng geheime Liebe.