Schönheit, Hexentum, Hochzeit
Mit der weiblichen Schönheit ist es heutzutage keine Hexerei mehr, allenfalls eine Frage des Geldes und von Schönheitschirurgen, inzwischen bestimmt assistiert von KI (die das Design für die idealen Gesichtslinien für die Hollywoodnorm liefert).
Sich sein Gesicht nach Maßstäben anderer, vermutlich überwiegend Männern, nachformen zu lassen, halte ich nicht unbedingt für ein Zeichen weiblicher Emanzipation. Aber das ist eine Meinung, um die soll es hier nicht gehen, sondern um den Film von Susanne Bier nach dem Drehbuch von Akiva Goldsman und Georgia Pritchett nach dem Roman von Alice Hoffman, quintessenziell einem Hochzeitsfilm, denn die Frauen wollen unter die Haube.
Das ist mit Komplikationen verbunden, wenn sie Frauen eines Stammes sind, der Owens, der vom Fluch der Hexerei gezeichnet ist. Vor Generationen wurden sie noch als Hexen verbrannt. An diese erinnert eine Inschrift. Die beiden Schwestern Sally (Sandra Bullock) und Gillian Owens (Nicole Kidman) leben in Boston und sind von der Hexerei betroffen.
Sallys zwei Tanten sind Frances (Stockard Channing) und Jet (Dianne Wiest). Sie sind gut für Geburtstags- und Todesfeiern.
Die dramaturgische Hauptantriebskraft aber sind die beiden Töchter von Sally, Kylie (Joey King) und Antonia (Maisie Williams). Sie sollen nichts erfahren vom Fluch, damit die Liebe zwischen Kylie und Gideon (Xolo Mariduena) gedeihen kann. Denkste. So ist das mit Geheimnissen. Sie bahnen sich ihren Weg, gibt es doch die Raben als Mittler zwischen beiden Welten und die unüberhörbaren Klopfkäfer.
Der Fluch rührt sich, Gideon landet auf einer Autohaube und anschließend im Koma im Krankenhaus. Kylie kommt hinter das Geheimnis und will den Fluch lösen, um den Weg für ihre Liebe freizuschaufeln. Das Buch, welches das Mittel dafür ist, lässt sich nicht öffnen, bleibt versiegelt. Hilfe könnte aus einer Ruine in Thornfield kommen, dem Sitz der Ahnen der Familie. Dazu muss Kylie nach London düsen.
Mutter mit Schwester hinterher. Die haben als Mittelsmann in London den Professor Ian Wright (Lee Pace). Derweil ist Kylie schon mit dem Ruinenhüter Thomas Lockoland (Solly McLeod) zugange und in höchster Gefahr.
Susanne Bier inszeniert mit nicht zu bremsender Lust an neckischer Schwesternliebe, dazu gehört Hose runterziehen. Sie inszeniert mit dem unbändigen Willen zu Lebendigkeit und Lebensnähe. Bei den Dialogen quatschen oft alle gleichzeitig, auch die Texte tun so, als ob sie grad spontan entstünden.
Wenn zwei Schwestern ein Baumstamm in die Quere kommt, überquert die eine das Hindernis übersteigend, die andere unten durchkriechend. Wenn zwei Schwestern aus dem Bett sollen, so kugelt die eine linksherum, die andere rechtsherum. Bettszenen mit züchtigem Unterwäschesex gibt es auch.
Die Männer, die mitspielen, sind so beschaffen, dass es keinerlei Hexerei bedarf, sie zu erobern.
Es ist ein fleischlich-präsentes Kino, molto vivace aufgedonnert mit weiblicher Nervosität, das genüsslich auf einer Daunenklangwolke einherschwebt und technische Effekt auf dem Stand der Zeit mit links einsetzt.