„Deserteur ist eine Art der Kriegsführung“
und die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges.
Jean Chevalin (Benoît Poelvoorde) wird in den Krieg eingezogen, wie die Nazis in Frankreich einmarschiert sind. Die französischen Soldaten sind schlecht ernährt, erschöpft. Bei einem Gewaltmarsch lässt Jean sich scheintot zu Boden fallen. Einen mit einem Pferdefuhrwerk vorbeifahrenden Bauern, der die vermeintliche Leiche plündern will, überwältigt er und zuckelt gemütlich nach Hause. Dort ist seine Frau Paulette (Audrey Lamy) nur halb glücklich, denn Desertieren ist strafbar. Zur Familie gehört noch der Bub Marcel (Louis Lagorce Douce-Doussière).
In der Gegend herrscht eine Gemengelage aus Gestapo und Résistance. Papa Chevalin möchte sich mit seiner Familie verdünnisieren. Die Gelegenheit bietet sich, wie er vor den Deutschen in ein Kino flüchtet. Dort wird er von Sam (Pascal Elbé, der auch Autor und Regisseur dieser Kriegsfarce ist) angesprochen. Dieser hält Jean für einen Schleuser und bezahlt ihn schon mal fürstlich. Jean ist fit genug, einen Treffpunkt zu verabreden. Kaum ist Sam weg, setzt sich ein Typ, ähnlich gekleidet wie Jean, Baskenmütze, Mantel, vor diesen. Das ist der Schleuser, dem er weitere Informationen entzieht.
Mutig ist Jean nicht, eher ein Opportunist, dann wiederum schlau. Aus diesem wenigen, was er an Wissen über die Weltlage hat, bastelt er sich eine Fluchtmöglichkeit als verfolgter Jude zusammen. Er und seine Familie sind Katholiken. Denn es gibt Gerüchte. In der Kneipe hat Jean noch von einem Passfälscher erfahren.
So wird aus den französisch-christlichen Chevalins die polnisch-jüdische Familie Chevalovitch. Der Bub muss den neuen Familiennamen und seinen Vornamen Jakob pauken.
So hat der Filmemacher Pascal Elbé eine Ausgangssituation gezimmert, die dem Charakter von Jean ständige neue Wendungen und neue Erfindungen abverlangt, ständig muss er sich anpassen, ständig bringt er sich wieder in verzwickte Lagen, muss Fabrikarbeiter spielen genau so wie Widerständler und eine Munitionsfabrik in die Luft sprengen.
Dass in seinem neuen Ausweis Zahnarzt steht, wird seine Wirkung entfalten. Gezwungenermaßen läuft er Sam, den er so übel betrogen hat, wieder über den Weg. Es wird eine Gefährtenschaft im Sinne einer funktionierenden Symbiose. Aber im Zweifelsfalle denkt Jean zuerst an sich.
Jean ist jene Art von Charakter, dem man bei aller Schlechtigkeit dank seinem Durchwursteln und an sich nichts Böses wollen, mit einer gewissen Sympathie angereichert mit Skepsis begegnet, und man weiß bei so einer Filmfigur, dass es für sie gut enden wird, vielleicht nicht in dem von ihr erträumten Sinne, aber Ende gut, alles gut. Jean laviert sich durch mit Dussel, opportunistischem Riecher und einem bisschen Naivität und dem Air des unbescholtenen Bürgers.